Bevor wir auf die Europastraße fuhren, mussten wir uns um eine neue Tagesmaut bemühen. Wie auf dem Stellplatz in Kamen Brjag empfohlen, fuhren wir zuerst nach Kavarna. Doch in dem Laden A1 bekommt man nur PKW-Vignetten. Für schwere Wohnmobile sollten wir zur Tankstelle am Ortsausgang fahren. Tatsächlich steht dort ein Mautautomat und wir waren das Problem für diesen Tag los.
Um zum „Steinernen Wald“ (Pobiti Kamani) zu gelangen, fuhren wir ins Landesinnere, auf der A2 in Richtung Shumen. Auf halbem Weg zwischen Varna und Shumen liegt der „Steinerne Wald“ direkt an der Straße. Jetzt, fast Mitte Oktober, ist der Eintritt frei. Gleich von der Straße aus sieht man steinerne Säulen, fast alle kaputt, unzählige Bruchstücke bedecken den sandigen Boden. Am rechten Rand befindet sich eine Grotte aus dem gleichen Stein wie die Säulen. Die große Frage ist nun: Ist das ein versteinerter Wald oder sind es nur durch die Erosion freigelegte Kalksteinsäulen? Wir wissen es nicht. Manche Säulen haben nichts mit Baumstämmen gemein, manche sehen eindeutig wie versteinerte Baumstämme aus. Manche Bruchstücke sind innen ausgehöhlt.
Geht man noch ein Stück weiter durch dieses Feld, durch einen kaum sichtbaren Graben, ist die Szenerie noch atemberaubender. Irgendwann übernimmt dann wieder ein lichter Wald die Oberhand. Der Besuch dieser Steinsäulen ist wirklich zu empfehlen.
Das nächste Ziel, welches in den Reiseführern zu finden ist, ist Kap Kaliakra. Dort wollten wir auch hin. Kurz vor Tyulenovo fand ich bei GoogleMaps einen Ort an der Küste, namens Robbenhöhle. Das war interessant und so parkten wir das Wohnmobil am Straßenrand und spazierten einen ausgefahrenen Weg zur Küste. Es ist immer noch Steilküste, die einzige in Bulgarien überhaupt. Diese erstreckt sich jedoch von Shabla bis zum Kap Kaliakra. Schöne Felsformationen prägen das Küstenbild. Überall findet man Abbrüche des durchlöcherten Kalksteins, welcher die Landschaft hier prägt. Es wächst kaum ein Strauch, alles ist stacheliges Gestrüpp.
Überall stehen große Tanks in der Gegend herum. Was sollen die? Wie wir erfuhren, bohrte man 1951 nach Öl. Es war das einzige Ölfeld in Bulgarien. 600 Löcher bohrte man. Als Nebenprodukt fällt eben das schwefelhaltige Wasser an. Das Öl wird gesammelt, das Wasser verwendet man im Gesundheitssektor oder lässt es einfach ab.
Jetzt waren wir neugierig geworden, außerdem brauchten wir nach drei Nächten frei stehen, einmal wieder Strom. Da wurden wir auf den Stellplatz „Kräuter und Eier“ in Kamen Brjag, was felsige Küste bedeutet, aufmerksam. Der Beschreibungstext ist lang und in sehr gutem Deutsch. Als wir dort ankamen, begrüßte uns eine sehr gut deutsch sprechende Frau, ihr Mann ist mit dem Sohn für ein paar Tage unterwegs. Sie zeigte uns ihr Grundstück, für das sich unser über 8m langes Wohnmobil zu lang erwies. Sie gab sich solche Mühe, uns die Sache schmackhaft zu machen, dass wir doch zusagten zu bleiben. Wir parkten vor dem Zaun des Grundstückes, bekamen Strom und durften alle Einrichtungen nutzen, die zur Verfügung stehen. Es ist eine sehr ruhige Gegend und die Familie betreibt ein Kräutergewächshaus. Daneben gibt es Hühner und Enten. Leider räuberte der Fuchs innerhalb von zwei Nächten die Entenküken.
Lilli, die Gastgeberin gab uns zwei Bücher über diese Gegend hier und empfahl uns, auch das ewige Feuer an der Küste, ca. 200m entfernt, zu besuchen. Das alles trug dazu bei, dass wir statt der einen geplanten Nacht, zwei Nächte blieben. Sie sagte uns auch, wo wir die Maut für die nächste Strecke bekommen würden. In Kavarna gibt es einen Laden A1, in dem Leute sitzen, die helfen können. Dort bekämen wir auch eine Vignette, die einen längeren Gültigkeitsrahmen hat. Na, da sind wir doch gespannt.
Am nächsten Tag starteten wir zu den Sehenswürdigkeiten, die zum Nationalen Archäologischen Park „Yailata“ gehören. Bis dorthin sind es schon zwei Kilometer, dann gibt es einen ca. 5km langen Rundweg, der alle Sehenswürdigkeiten miteinander verbindet. Diese liegen auf einem herrlich gelegenen Plateau, 50 Meter über dem Meer. Seit 8000 Jahren ist diese Gegend besiedelt. Die letzte große Besiedelung fand im späten Mittelalter statt.
Vor allem die Thraker hinterließen ihre Spuren. Sie legten sogar Nekropolen an, in denen man Skelette mit viel Goldschmuck fand. Die Römer setzten später die Tradition der Nekropolen fort. Inzwischen sind es drei. Die Römer waren es, die hier Wein anbauten und verarbeiteten. Überreste einer Weinkelterei wurden gefunden.
Auf dem weiteren Rundweg sind noch Reste einer byzantinischen Festung, 101 Höhlenwohnungen und eine Felsenkirche zu finden. In der Felsenkirche gibt es mehrere Schriftzüge, die als Runenschrift bezeichnet wird. Wahrscheinlich lebten in der Kirche Mönche bis ins späte Mittelalter.
Es ist ein wunderschöner und sehr interessanter Rundweg. Schade, dass die meisten Touristen einfach daran vorbei fahren und sich nur Kap Kaliakra ansehen.
Noch eine Besonderheit hat Kamen Brjag zu bieten: eine ewige Flamme. Sie stammt aus der Zeit der Ölbohrungen. Der Gastgeber des Stellplatzes „Kräuter und Eier“ stapelte Steine um die Flamme und schuf mit einer Menge Steinen einen Schutzwall mit Sitzgelegenheiten drum herum. Jetzt kann man Würstchen grillen, oder Essen kochen, oder einfach nur die Zeit an diesem schönen Platz mit Meerblick genießen. Aus der Nähe riecht man, was das für Öl ist: Petroleum.
Im Sommerhalbjahr muss es hier toll sein. Es blühen massenweise seltene Blumen, seltene Pflanzen siedeln hier, und es gibt seltene Tiere und Vögel. Sogar Mönchsrobben sollen zu sehen sein. Einfach nur großartig, auch zu dieser Jahreszeit.
Auf der Suche nach einem Stellplatz stießen wir auf Shabla, der erste Ort hinter der Grenze in Bulgarien. Dort soll es eine öffentliche Dusche geben, aus der warmes schwefelhaltiges Wasser kommt. Das interessierte uns sehr. Der Küstenort von Shabla ist sehr klein und besitzt den ältesten Leuchtturm von Bulgarien. Wir stellten das Wohnmobil auf den Parkplatz davor ab und spazierten ein paar unbefestigte Straßen weiter, bis wir auf die Dusche stießen. Das heißt, es ist ein Verschlag mit einer riesengroßen Ventilanlage davor. Wenn man hinein sieht, stehen zwei Rohre drinnen, aus denen in dicken Strahlen herrlich warmes Wasser kommt, das allerdings nach faulen Eiern riecht. Ich hatte mich schon auf diese Dusche gefreut, aber an dem Tag blies der Wind so kalt um die Ecken, dass ich nicht wirklich mehr Lust auf die Dusche hatte, obwohl die schön warm wäre. Der Boden der Dusche sieht eher unappetitlich aus, denn es haben sich dicke Ablagerungen durch den Schwefel gebildet. Wie wir erfuhren, nehmen die Einheimischen die warme und gesunde Dusche sehr gerne in Anspruch.
Also spazierten wir nur noch ein wenig durch den sehr kleinen Ort, hinter dem sich eine Steilküste ausbreitet. In den Gassen sieht es aus, als wäre die Zeit vor langer Zeit stehen geblieben.
In dem kleinen Hafen liegen Fischerboote, der lange Steg ins Meer wird gerade repariert. Auf einer Tafel am Parkplatz steht geschrieben, dass hier vom 4. Jahrhundert vor Christus bis ins 6. Jahrhundert unserer Zeit eine bedeutende Siedlung namens Karia zu finden war.
Der letzte Ort vor der bulgarischen Grenze ist Vama Veche. Früher einmal ein Hippie-Ort, heute immer noch ein Ort für Leute, die sich entfalten möchten. Der Strand ist ein FKK-Strand. Das Ambiente des „Dorfkerns“ erinnert an eine alte Westernstadt, mit flachen Bauten im Westernstil und einer unbefestigten Straße am Strand entlang.
In der Mitte liegt ein kleiner Platz, ebenso unbefestigt, an dem gerne Wohnmobile Halt machen und übernachten. Hier trafen wir auf Böblinger, die wir schon in Sibiu getroffen hatten.
In Murighiol trafen wir auf ein schwäbisches Paar, die auch in Sibiu waren.
Wem der Betrieb im Badeort Mamaia zu viel ist, ist in Mangalia und Umgebung gut aufgehoben. Es gibt zwar auch hier Hotels und Unterhaltung, aber längst nicht in dem Maße wie in Mamaia. Vor allem der Banana-Beach, nördlich von Mangalia, kann nicht verbaut werden, da die Landzunge sehr schmal ist und auf der anderen Seite der Straße sich der Banana-See ausbreitet. Man kann hier noch atmen und den Strand genießen. Für die Nacht stellten wir das Wohnmobil direkt neben dem jetzt geschlossenen Wasserpark ab. Das Wetter war sehr warm, die ganzen Wochen hatten wir gute 25°C. So gingen wir zum Sonnen an den Strand, Klaus badete eine Runde. Mir ist das Wasser absolut zu kalt, trotz der langen warmen Saison am Schwarzen Meer.
Am Strand, direkt an der Wasserlinie, steht eine sehr eigenartige Konstruktion, aus der zwei Wasserstrahlen kommen. Beim näheren Betrachten stellte sich heraus, dass es die hässlichste Quelle ist, die wir je gesehen haben. Allerdings kommt aus den zwei Rohren warmes, schwefelhaltiges Wasser. Die Gegend um Mangalia ist bekannt für diese Schwefelwasserquellen. Diese werden für Kurhäuser genutzt, die sich vor allem um Erkrankungen des Bewegungsapparates und der Verdauung kümmern. Das schwefelhaltige Wasser ist aber noch für Vieles mehr gut. Wir haben jedenfalls gleich einen der leeren 5l-Wasserkanister gefüllt, für eine Trinkkur. Das Wasser riecht aus der Entfernung mehr, als beim Trinken. Es schmeckt auch besser als es riecht.
Den Abend verbrachten wir beim Spielen im Wohnmobil, hatten gerade das Abendbrot hinter uns, als völlig unvermittelt ein Sturm losbrach. Der peitschte den Sand vom Strand dermaßen landeinwärts, dass man die Luken gar nicht schnell genug zu bekam. Es war ein regelrechter Sandsturm und es war kaum noch etwas von der Umgebung zu sehen. Bis fast um Mitternacht hielt dieser Sturm an, dann begann es noch leicht zu regnen.
Am nächsten Tag, das Wetter hatte sich gebessert, war aber 10 Grad kälter geworden, fuhren wir nach Mangalia und parkten hinter dem Strand, in Altstadtnähe. Von hier aus kann man gut die Altstadt erkunden. Wobei: Altstadt ist zu viel gesagt. Diese hat man im Zuge des Ausbaues als Badeort fast komplett niedergerissen und neu gebaut. Das Einzige, was noch alt ist, sogar sehr alt, ist die Esmahan-Moschee aus dem 16. Jahrhundert. Sie steht in einem kleinen Park, der ein alter Friedhof ist. Der Eintritt ist jetzt frei, kostet normalerweise 5 Lei. Gut ein Euro. Dafür kann man die Moschee besuchen und auf das Minarett steigen. Viel zu sehen ist da wahrscheinlich nicht, denn das Minarett ist nicht hoch genug für die Neubauten.
In der Nähe befindet sich die Herkules-Quelle, aus der schwefelhaltiges Wasser, mit einen hohen Eisenanteil kommt. Mit Hilfe eines Wasserhahnes lässt sie sich öffnen und schließen. Sie ist auch sehr schön gestaltet.
Ansonsten kann man auf der Mole zum Leuchtturm spazieren, die Seele auf den Treppen des Hafenbeckens baumeln lassen oder sich an den Strand legen. Wie wir nun wissen, sind die Parkplätze ab 1. Oktober kostenfrei zu benutzen, dafür ist jedoch das Meiste der touristischen Anlagen schon geschlossen.
Beim Besuch dieser Stadt hatten wir das Glück Sonntag früh dagewesen zu sein. Alles war noch ruhig und einen Parklatz zu finden gar nicht schwierig. Direkt unten zwischen dem gewerblichen Hafen und der kleinen Marina stellten wir das Wohnmobil ab und schlenderten rechts herum immer an der Promenade entlang. Auf der einen Seite befindet sich das Schwarze Meer, auf der anderen lädt ein Park zum Verweilen ein. Oberhalb steht die Kathedrale, aus der gerade die Messe zu hören war. Sie wird offensichtlich per Lautsprecher an die Außenwelt übertragen.
Kurz vor der Spitze der Promenade steht ein neobarocker Bau, der gerade restauriert wird etilweise schon in strahlendem Weiß funkelt. Es ist das alte Casino von Constanta, welches ein wenig an das Casino in Monte Carlo erinnert. Nicht weit davon entfernt steht das alte Palast-Hotel, verlassen und der Restaurierung harrend.
Nun breitet sich die kleine Marina aus. An deren Ufer reihen sich unzählige Bars und Restaurants. Das Riesenrad, welches wir schon in mehreren Städten am Strand gefunden haben, ist in die Winterruhe geschickt worden. Von dort aus hat man sicher einen sehr schönen Blick über die Küste Constantas.
Am Ende der Marina führt eine Treppe in die Oberstadt, mit einem großen Platz, an dem das Archäologische Museum seinen Platz hat. Auf dessen Außengelände befinden sich einige architektonische Artefakte und griechische Grabsteine, die bei Ausgrabungen in Constanta gefunden wurden.
Unterhalb des Museums liegen die alten römischen Thermen. Ein Großteil ist überdacht.
Erst beim aus der Stadt fahren sahen wir, dass es doch mehr von den Thermen zu sehen gibt, als von oben angenommen. Außerdem wurde es am Vormittag schon wieder voll. Autos und Menschen drängten sich durch die Straßen.
Nördlich von Constanta liegt der Badeort Mamaia, der sich auf einer etwa 8 Kilometer langen Nehrung erstreckt. Diese Landzunge ist fast komplett mit Hotels, Appartementhäusern und Spaßanlagen zugepflastert. Wenn man irgendwo rechts abbiegt, muss man dann auch rechts wieder auf die Straße fahren, selbst wenn das nächste Ziel in der linken Richtung liegt. Das heißt, bis zum nächsten Kreisverkehr und dort wenden. Woher kennen wir das bloß? Ach ja, von der Gegend um das spanische Malaga. Echt nervig. Eine durchgehende Straße am Strand entlang gibt es nicht, nur kurze Abschnitte, die Richtung Norden laufen, weil das Einbahnstraßen sind.
Wir fanden einen schönen Stellplatz am Südende von Mamaia, direkt an einem kleinen Fischerhafen. Endlich stehen wir am Schwarzen Meer. Vor knapp 40 Jahren waren wir schon einmal am Schwarzen Meer, und zwar im grusinischen Pizunda. Das Wasser ist sauber, aber ziemlich frisch.
Die Reiseführer erwähnen zum Essen gehen das Restaurant „Don Corleone“. Sein Namenszug und ein paar Bilder hängen an den Wänden, damit hat sich auch schon der Tribut an Don Corleone. Die Speisekarte ist nicht wirklich italienisch, bietet jedoch ein abwechslungsreiches Angebot an Fleisch- und Fischspeisen. Geschmeckt hat es. Die gemischte Fischplatte für 2 Personen, mit Lachs, Plattfisch, Tintenfisch, Garnelen und Muscheln, garniert mit Salat, ist preiswert und lecker. Dafür sind die Getränke, wie Bier und Wasser, recht teuer.
Nicht weit vom „Don Corleone“ entfernt startet die Kabinenbahn, die im Sommer als Transportmittel durch die lange Stadt Fahrgäste befördert. Seit 1. Oktober ist sie geschlossen.
Mamaia ist im Sommer, wie es aussieht, völlig überfüllt. Zu dieser Jahreszeit bleiben für jeden Gast genug Freiraum und genug Parkplatz. Die Spaßanlagen, die Strandeinrichtungen und viele Kneipen sind allerdings geschlossen.
Nach dem Besuch des Donaudeltas richten wir unsere Reise jetzt immer gen Süden aus. Bevor wir ans Schwarze Meer kommen, müssen wir erst noch den Razimsee halb umrunden. Dort, wo der Razimsee in den Golovitasee übergeht, liegt die kleine Stadt Jurilovca. Im 18. Jahrhundert als Fischerdorf gegründet, ist es heute ein aufstrebender Ort. Die komplett neu gebaute Marina wird wahrscheinlich im nächsten Jahr in Betrieb genommen. Das Ferienhaus der Marina wird gerade neu mit Schilf gedeckt. Auf den Parkplätzen, jetzt noch kostenlos, stehen schon die Parkscheinautomaten.
Interessant für uns ist die Ausgrabungsstätte der Burg Arganum, am ca. 6 Kilometer von Jurilovca entfernt liegendem Kap Doloşman. Die Burg liegt hoch über dem Meer, durch eine Steilküste von diesem getrennt. Tatsächlich finden hier noch Grabungen statt und man kann den Ausgräbern und Ausgräberinnen, wie es aussieht sind es Einheimische, bei der Arbeit zusehen.
Die ältesten Teile der Burg stammen aus dem 7.-6. Jahrhundert vor Christus. Damals war die Anlage wohl noch eine Siedlung. Sie ist die älteste, in einer Urkunde erwähnte Siedlung und die erste griechische Kolonie auf rumänischem Boden. Später annektierten die Römer diese Siedlung in ihr Reich. Zu dieser Zeit erreichte die Siedlung eine Ausdehnung von 2,6 Hektar und erhielt eine dreieckige Form, umgeben von einer Mauer mit mehreren Türmen, wie es bei den Römern üblich war.
Übrigens: Rumänien war die letzte Kolonie, die nach Auflösung des römischen Reiches, noch übrig war. Daher der Name des Landes noch heute.
Auf dieser kleinen Fläche standen einmal drei Basilikas, unglaublich. Mehrere Häuser wurden schon ausgegraben. In einem kam eine riesige Amphore zum Vorschein, die immer noch so steht, wie sie gefunden wurde.
Im 5.-6. Jahrhundert unserer Zeit wurde Arganum zu einer Militärbasis und sie erhielt weitere, größere Bauten. Man kann die bessere Verarbeitung beim Bau erkennen. Alle Mauern, die alten, wie die neuen, bestehen aus Kalksteinen.
Wenn man die Ausgrabungsstätte vom Hügelfuß aus betrachtet, kann man die alte Festungsmauer noch erkennen. Steht man oben auf dem Hügel, sieht man, dass zu dem Ausgrabungsfeld noch ein Mehrfaches an Fläche dazukommt. Richtung Westen sind noch jede Menge alte Mauerreste unter der dünnen Vegetationsfläche zu erkennen.
Der Eintritt ist kostenlos, wie schon bei dem römischen Fort Halmyris in Murighiol. Unser Wohnmobil parkten wir kurz vor der Ausgrabungsstätte auf einem anderen Hügel, mit einer großartigen 360°-Rundumsicht über Jurilovca und dem Razimsee.
Der Razimsee und der Golovitasee sind nur noch durch eine schmale Nehrung vom Schwarzen Meer getrennt. Diese Nehrung ist nur mit dem Boot zu erreichen und größtenteils Vogelschutzgebiet.
In Murighiol gibt es zwei Dinge zu sehen und zu tun: Der Besuch der römischen Stätte „Cetatea Halmyris“ und eine Bootstour durch das Donaudelta.
Die Ausgrabungsstätte Cetatea Halmyris war ein römisches Fort. An dieser Stelle startete der Limes, die Grenze des römischen Reiches gegen die Barbaren, wie alle nicht römischen Völker genannt wurden. Der Limes erstreckt sich durch ganz Europa, verläuft durch Deutschland und reicht bis nach Britannien. Reste davon sind überall noch zu finden. Das Fort im heutigen Murighiol ist erst teilweise ausgegraben. Dann gingen wohl die finanziellen Mittel zu Ende. Es sind provisorisch an allen wichtigen Stellen Infotafeln aufgestellt, die die Besucher über die verschiedenen Teile des Forts aufklären sollten. Das Ausgrabungsfeld sieht sehr wüst aus, trotzdem lässt sich das ein oder andere erkennen. Die Grundmauern der Basilika und der Therme sind zum Schutz überdacht. In der Basilika steht eine Spendenbox, denn Eintritt wird anscheinend nicht erhoben. Das kleine Museum dazu war zu dieser Jahreszeit geschlossen. Vielleicht sieht das in der Sommersaison anders aus.
Die Bootstour durch das Donaudelta ist ein Muss, selbst noch Anfang Oktober. Wir waren uns nicht sicher, ob wir die Tour, die überhaupt nicht günstig ist (40,-€ pro Person bei 4 Leuten), mitmachen sollten. Die meisten Vögel sind schon ins Winterquartier gezogen, auch die Pelikane sollten schon weg sein. Aber die Dame vom Stellplatz Casa din Delta Murighiol meinte, dass noch einige Pelikane da sind. Sie würden das Delta erst verlassen, wenn es richtig kalt ist. Das gab den Ausschlag, dass wir die Tour doch mitmachten, zusammen mit einem anderen deutschen Paar. Die Ausgabe lohnt sich in jedem Fall, auch noch Anfang Oktober. Der Ehemann der Besitzerfamilie führt die Bootstouren durch. Es geht aber schon früh los, noch vor Sonnenaufgang. Im Sommer ist das gegen 4.30 Uhr, bei uns startete die Tour erst 6.30 Uhr. Der frühe Vogel fängt auch hier den Wurm oder bekommt die besten Fotos.
Allein die Fahrt durch die verschiedenen Deltabereiche ist großartig. Es geht dabei durch kleine, flache Wasserarme, die eine Temperatur gerade um die 26°C haben. Ein kleines Stück weit fuhren wir den südlichen Donauarm St. Gheorghe entlang, bevor wir in einen Nebenarm abbogen. Die kleinen Wasserarme verbinden große Seen miteinander, die jedoch relativ kaltes Wasser aufweisen. Die Vegetation wechselt zwischen Weidenwäldern und Schilfgürteln, große Seerosenfelder breiten sich auf den Seen aus.
Zum grandiosen Erlebnis machen die vielen Vogelarten diese Bootstour. Gleich zum Beginn sichteten wir mehrere Seeadler, dazu findet man überall Graureiher, Silberreiher, Kormorane und eine kleinere Kormoranart, Blesshühner und Schwäne. Eine Schar Gänse flog über uns hinweg. An den bewaldeten Ufern hielten mehrere Nachtreiher Ausschau nach Beute.
Als wir in einen See einbogen, wirbelte der Motor des Bootes die Wasserpflanzen auf und eine Schar Möwen flog hinter uns her, um etwas Fressbares dazwischen zu finden. Im Hintergrund ging gerade die Sonne auf, ein unglaublich schönes Bild.
Worauf wir jedoch am meisten gespannt waren, waren natürlich die Pelikane. Tatsächlich ließ sich auf der Tour ein Krauskopfpelikan sehen. Allein das war schon die Fahrt wert, aber es kam noch besser. Der Bootsführer fand mehrere Gruppen dieser Pelikanart und hielt an, damit wir sie richtig bestaunen konnten. Sie sind jedoch zu scheu, um sie aus der Nähe zu betrachten. Sie schwammen in aller Ruhe auf dem Wasser und warteten auf den schönen Tag. Großartig.
Ein mittelgroßer Greifvogel, etwas Falkenartiges, kreiste über dem Wasser und den Pelikanen. Sogar einen Specht konnten wir sehen, und Seeschwalben. Die Art war aber nicht zu erkennen.
Drei Stunden dauerte die Bootstour durch das Donaudelta, die wie im Fluge vergingen. Sogar am Ferienhaus von Nicolae Ceaușescu, dem ehemaligen rumänischen Präsidenten, fuhren wir vorbei. Auf einer großen Insel stehen viele Ferienhäuser, vor allem für Angler. Um diese Ferienhäuser zu erreichen, braucht man unbedingt ein Boot. Mehr als zufrieden mit dieser Tour stiegen wir aus dem Boot und wurden wieder zum Stellplatz gefahren.
Nachdem wir aus der Hügellandschaft von Berca (Buzau) heraus waren, breitete sich wieder eine endlose Ebene aus, eben typisch für die Walachei.
Zwischen Rimnicu Sarat und Braila fuhren wir unvermittelt an einem Salzsee vorbei. Das mussten wir uns näher ansehen und legten eine Kaffeepause dort ein. Der See liegt etwas abseits der Straße, ist aber gut zu erreichen. Das wenige Wasser, welches gerade im See zu finden ist, hat einen roten Schimmer. Den gleichen roten Schimmer haben die flachen Pflanzen rund um den See angenommen. Die trockenen Bereiche sind weiß. Jedenfalls ist der See sehenswert.
Nach der Kaffeepause setzten wir unsere Fahrt zum Donaudelta fort. Kurz hinter Braila fanden wir einen Stellplatz am Ufer eines Flusses. Dort verbrachten wir die Nacht. Obwohl der Platz nah an der Straße liegt, ist es nachts ruhig. Am Ufer des Flusses sitzen, wie an einer Perlenschnur aufgereiht, die Angler. Große Fänge gibt es wohl nicht, aber viele kleine Fische ergeben auch eine Mahlzeit.
Auf dem Platz nebenan steht ein Bienenlaster, ein LKW, der Bienenstöcke enthält. Der Besitzer verkauft den Honig an Interessierte.
Am nächsten Morgen steuerten wir Murighiol im Donaudelta an. Wir nahmen nicht die Straße über Tulcea, sondern fuhren etwas weiter südlich über Agighiol nach Murighiol. Die Straße ist teilweise nicht die Beste, aber die Landschaft entschädigt. Zwischen den beiden Orten fährt man am großen Razimsee vorbei, der durch einen künstlichen Kanal mit dem Schwarzen Meer verbunden ist.
In Murighiol suchten wir uns den Stellplatz Casa din Delta Murighiol heraus. Auf einer großen Wiese steht man bei den jungen Besitzerpärchen sehr gut. Es gibt sogar einen kleinen Angelsteg am Ende.