A+K Weltenbummler

Reisen rund um die Welt

Le Barcarès

Dieser Ort, im katalanischen Teil Frankreichs gelegen, ist ein reiner Touristenort. Allerdings unterscheidet er sich von den allermeisten Touristenorten dadurch, dass die Ortsstruktur polyzentralisiert ist. Das heißt, die Angebote verteilen sich auf mehrere Ortsteile.

Le Barcarès liegt nordöstlich von Perpignan, zwischen dem Meer und einer großen Lagune. Die Bergkette der Pyrenäen ist nah.
Die Nehrung, auf der Le Barcarès liegt, ist von vielen Kanälen und Wasserflächen zerrissen, und reicht nördlich bis nach Leucate.

Zu dieser Jahreszeit läuft hier alles sehr ruhig ab. Die meisten Hotels, Residenzen und Campingplätze haben geschlossen. Ein sehr gutes Angebot bietet der Stellplatz „Port Barcarès“. Er ist riesengroß und kostet 8,-€ ohne Strom, mit Strom 13,-€ in der Nebensaison. Ein Nachteil: Es gibt nicht ausreichend Stromsäulen, so dass nicht jeder Gast Strom nutzen kann.

Wir standen die erste Nacht auch ohne Strom. Am nächsten Morgen hatten wir das Glück, sogar in die erste Reihe zu wechseln, mit Stromsäule und direkt am breiten Kanal. Gegenüber befinden sich Lagerhallen, Jetski- und Bootsverleiher und mehrere Bootswerften.

Wir blieben mehrere Tage, die Gegend ist doch recht schön. Strandspaziergänge, Rundgang durch den Ort, Wochenmarkt, Fahrradtouren, da lässt sich die Zeit gut vertreiben.

Der erste Tag war wolkenlos und wunderschön. Dadurch sah alles noch viel schöner aus. Das Wasser der Lagune schimmerte blau. Die beiden anderen Tage ließ sich die Sonne nicht mehr blicken, aber mit 18 Grad ist es noch angenehm.

Eine Fahrradtour führte uns zum Fluss Agly, der gerade nicht das Meer erreicht, weil sich eine Sandbank davor aufgebaut hat. Der Fluss ist naturbelassen, mit vielen Inseln und dicht bewachsenen Ufern.

Direkt neben dem Weg liegt die Anlage „La ferme du Barcarès“. Es ist eine Art Freizeitpark, in dem verschiedene Tiere, von Ziegen über Yaks und weiße Dromedare, in großzügigen Gehegen gehalten werden. Eine große Voliere ist auch dabei, sowie verschiedene Spielmöglichkeiten für Kinder.

In der Nachbarschaft befinden sich jede Menge große Campingplätze.

In der Regel bekommt man von den Gezeiten am nördlichen Mittelmeer nichts mit, so gering ist der Tidenhub. In Le Barcarès fand ich einen Gezeitenstrom. Von der Mündung des Kanals in das Meer bis zur Einengung mit dem Gezeitenstrom liegen mehrere hundert Meter, inklusive zweier Marinen. Trotzdem ist der Strom so stark, dass er mit dem typischen Geräusch eines Gezeitenstromes durch die Einengung fließt und ein beeindruckendes optisches Erlebnis bietet.

Und noch eine zweite Überraschung wartete auf uns: ein Harlekin-Bär, oder Punkt-Bär. Nein, es ist kein Bär, falsch vermutet. Es ist ein Falter. Solch einen außergewöhnlich gemusterten Falter haben wir noch nie gesehen. Er hatte seine Flügel ganz zusammengefaltet und saß auf der Seite unseres Wohnmobils. Heimisch ist er in Nordafrika, aber durch die Klimaerwärmung gelangt er immer weiter nach Norden. Einige soll es auch schon in Deutschland und sogar in England geben.

Beziers

Beziers ist eine sehr alte Stadt. Vor den Römern lebten hier Iberer und Kelten. Nach den Römern gaben sich viele Eroberer die Klinke in die Hand. Im 13. Jahrhundert wurde Beziers französisch.

Der Canal de Midi wurde in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts gebaut. Unterhalb der Altstadt von Beziers kreuzt der Kanal mittels einer Brücke den Fluss Orb. Mehrere Schleusen, zwei unterhalb der Altstadt überwinden die großen Höhenunterschiede.

Ein Stück vom Orb entfernt befindet sich eine Schleusentreppe mit neun Schleusen. Leider sind, wie überall, auf dem riesengroßen Parkplatz Schranken davor, so dass ihn nur kleine Fahrzeuge nutzen können. Das hätten wir uns gerne noch angesehen.

Wir haben das Wohnmobil auf dem Stellplatz „Camping cars de Saucliéres“ abgestellt, für 16,72€ pro Nacht mit Strom. Von dort aus spazierten wir am Canal de Midi, der in unmittelbarer Nähe fließt, in Richtung Orb, und anschließend an seinem Ufer weiter, bis wir zum Aufgang zur Kathedrale kamen.

Zuerst erreichten wir die beiden Schleusen „de Beziers“ und „d´Orb“. Der Bereich ist sehr offen und weitläufig gestaltet. Ständig kommen Boote, die in die eine oder andere Richtung geschleust werden möchten.

Dann erreicht man bald die Brücke, über die der Kanal geführt wird. Es ist schon merkwürdig anzusehen, wie das Wasser eines Kanals über einen Fluss geführt wird, aber großartig.

Von hier aus sind drei Brücken über den Orb zu sehen: zwei Autobrücken und eine Eisenbahnbrücke. Die vierte Brücke, die Pont Vieux, ist von hier aus nicht zu sehen. Über allen thront die mächtige Anlage der Kathedrale, die nun unser nächstes Ziel war.

Wir liefen ein paar Straßen entlang, die immer aufwärts führen, bis wir zu einem Aufzug kamen. Man hat dann die Wahl zu laufen oder sich den Aufstieg zu erleichtern, indem man den Aufzug nimmt.
In der Nachbarschaft des Aufzuges steht die Kirche Saint-Jude. Oberhalb dieser Kirche führt ein schöner Weg entlang der großen Mauer, die die Altstadt stützt. Von hier aus bieten sich schon schöne Aussichten auf einen teil der Unterstadt, den Orb und die Brücken.

Mit Hilfe des zweiten Aufzuges gelangt man zu einem kleinen Garten, auch mit Aussicht.

Ein dritter Aufzug bringt die Besucher auf die Ebene der Kathedrale Saint-Nazaire. Gleich nebenan steht das ehemalige Gefängnis, welches heute als Hotel dient.

Von dort oben bietet sich ein fantastischer Ausblick auf das tief liegende Umland, den Orb und die alte Mühle de Bagnols, die wir jedoch nicht besuchten. Das ist einfach atemberaubend.

Die ersten Abschnitte der Kathedrale stammen aus dem 12. Jahrhundert. Im Juli 1209 brannte sie nieder. 1215 begann der Wiederaufbau mit einem Kreuzrippengewölbe. Die großen Fenster baute man erst um 1300 herum ein. Sie brachten viel Licht in die früher so dunkle Kathedrale.

Die mit Nussbaumholz gestaltete Orgel ist wunderschön.

Die gestalterischen Elemente im Inneren stammen aus mehreren Jahrhunderten und weisen verschiedenen Stile auf. Alles in allem ist die Kathedrale ein Prachtstück.

Nach diesem Besuch spazierten wir durch die Gassen der Altstadt in Richtung Bahnhof. Ein Stück römischer Geschichte ist jedoch noch erhalten: das Amfitheater. Versteckt in den verwinkelten Gassen fristet es ein abgeschiedenes Dasein. Die Besichtigung ist kostenlos.

Zwischen dem Bahnhof und dem Womo-Stellplatz steht das Einkauftszentrum „Polygone“. Es ist wunderschön und offen gestaltet. Im riesigen Patio stehen große Kiefern, Palmen und Olivenbäume. Viel Grün sorgt für eine schöne Atmosphäre. In einem langgezogenen Oval sind die vielen Geschäfte untergebracht. Ganz oben sorgen Restaurants und Bars für das leibliche Wohl. Terrassenähnliche Sitzbereiche machen das Ganze attraktiv. Selten haben wir solch ein schönes Einkaufszentrum gesehen.

Auf unserem Bummel stießen wir auf die Handwerks-Brauerei „La Gorge Fraiche“. Auf der ersten Etage stehen die Braukessel, im Erdgeschoss lädt ein Tresen zum Bier probieren ein. Das Angebot der verschiedenen Biere ist reichhaltig.

Bouzigues (Sete)

Wir haben die Camargue verlassen und sind auf dem Weg nach Sete. Da die Stadt Sete keinen Parkplatz für unser Wohnmobil zur Verfügung stellt, fuhren wir an den Nordrand der Lagune Étong de Thau. Die komplette Lagune dient der Austernzucht. Um sie herum dreht sich alles um Austern, Muscheln und Meeresschnecken.

Unsere erste und letzte Austern-Erfahrung liegt schon ewig zurück. Das war in Cancale, in der Bretagne. Diese Austern waren frisch aus dem Meer und super lecker. Jetzt waren wir auf die Sete-Austern gespannt. Wir fanden einen Parkplatz bei Bouzigues. Bis zur kleinen Marina des sehr hübschen Ortes sind es ca. eineinhalb Kilometer. Dabei spaziert man auf der liebevoll angelegten Promenade direkt am Strand, immer mit Blick auf die hübschen Häuschen in der ersten Reihe.

Restaurants, mit Austerngerichten auf der Speisekarte, und Austern-Produzenten sind zahlreich und buhlen um die Gäste.
Bei strahlendem Sonnenschein genossen wir die Atmosphäre und Gemütlichkeit, die in Bouzigues herrscht. Jeder, der hier her kommt, will Austern essen. Touristische Geschäfte sind hier nicht zu finden.

Den Rückweg nahmen wir durch die Gassen von Bouzigues, die sich schmal und verwinkelt durch die Altstadt ziehen. Die kleine Kirche, deren Turmspitze nur aus einem Stahlgestell mit aufgehängter Glocke besteht, ist außen wir innen schlicht gestaltet.

Am Nachmittag lenkten wir unsere Schritte in die andere Richtung entlang der Lagune. Hier geht es eher fabrikmäßig zu, es geht nicht nach Schönheit, sondern nach Zweckmäßigkeit. Das hat jedoch ebenso seinen Reiz. Man kann die Austernfischer bei der Arbeit über die Schultern schauen. Geputzt werden die Schalentiere allerdings mit Hilfe von Maschinen. Unerwarteterweise riecht es überall stark nach Pilzen, was vom Bewuchs auf den Austernschalen herrührt.

Zu dieser Zeit haben die meisten Austern-Bar´s geschlossen, aber in einem konnten wir unsere Neugier nach den hiesigen Austern stillen. Direkt am Wasser, zwischen den Austernbooten, Bootsstegen und Verarbeitungshallen, lädt eine Bar mit Piratenflair ein. Das ist genau das, was wir suchen. Die Speisekarte ist auf kleine Holztafeln geschrieben. Da werden frische Austern, überbackene Austern, Gamba´s, Muscheln und Schnecken angeboten. Wir entscheiden uns für ein Dutzend frische Austern und sechs Stück überbackene Austern. Wie in Cancale sind die Meeresfrüchte frisch geerntet, aber das Wasser in den Austern ist sehr salzig. Trotzdem riechen und schmecken sie wunderbar. Ein Dutzend Austern kosten 15,-€, das geht noch.

Alles in allem hatten wir hier eine tolle Zeit in Bouzigues, am Étong de Thau, mit Blick hinüber zum Hügel, auf dem Sete liegt.

Aigues-Mortes

Anhand eines Prospektes, welches uns in die Hände fiel, widmeten wir der Stadt Aigues-Mortes mehr Aufmerksamkeit. Sie befindet sich in der kleinen Camargue, die sich westlich des Naturparks Camargue anschließt. Vom Stellplatz „Les Poissons d´Argent“ aus ist die Stadtmauer zu sehen, was ebenso unsere Neugier weckte.

Aigues-Mortes ist schon ewig besiedelt. Bis zum ersten Jahrhundert befand sich hier eine griechische Kolonie, bis die Römer die Herrschaft übernahmen. Sie begannen auch mit der Gewinnung und dem Handel des Salzes der Camargue.

Im 5. Jahrhundert kamen Benediktinermönche, die eine Abtei gründeten. Im 13. Jahrhundert übernahm Ludwig IX., Ludwig der Heilige, das Gebiet und begann mit dem Bau einer Stadt samt Hafen, die heutige Altstadt von Aigues-Mortes.

Wir betraten die Altstadt durch das Porte de la Gardette, welches jahrhundertelang der einzige Zugang zur Stadt war und von Gardesoldaten bewacht wurde.

Rechts vom Tor erhebt sich der Tour de Constance. Er stammt aus dem 13. Jahrhundert und diente als Leuchtturm, Wohnsitz und berüchtigtes Gefängnis.

Nun kann man durch die relativ breiten und hellen Gassen spazieren. Manche davon sind reine Touristengassen, mit Souvenirgeschäften und jeder Menge Restaurants.

Es gibt aber auch viele ruhige Gassen, in denen sich Häuser der ehemalig reichen Bewohner finden lassen. Manche Häuser sind klein, aber liebevoll gestaltet.

Irgendwann verließen wir kurz die Altstadt durch das Porte de la Marine. Wie der Name schon sagt, lag damals der Hafen von Aigues-Mortes an dieser Seite der Stadt. Der Hafen ist verschwunden, heute breitet sich die Lagune Étong de la ville hier aus.

Insgesamt gibt es zehn Tore in der Stadtmauer, vier davon mit einem Doppelturm. Die meisten Stadttore besitzen Namen. Sie erzählen von den verschiedenen Verwendungen, z.B. Pulverturm, Mühlenturm, Salzturm oder Dochtturm. In diesem bleib immer ein Docht angezündet, um sofort das Pulver zünden zu können, sobald Gefahr droht.

Zwei Kapellen, die Kapuziner-Kapelle und die Kapelle der Bruderschaft der grauen Büßer, stehen in der Altstadt.

Gegen ein Eintrittsgeld hat man sogar die Möglichkeit, sich das alte Aigues-Mortes von oben anzusehen.
Auf jeden Fall ist fast alles vor einer Weile rekonstruiert worden, denn es sieht alles sehr gut aus. Und, wie gesagt, die Gassen sind heller und breiter, als wir es von den meisten Altstädten gewohnt sind.

Auf dem Rückweg zum Intermarché, wo wir parkten und auch Wäsche waschen konnten, spazierten wir am Rhȏne-Sete-Kanal entlang und kamen zu einer alten Destillerie, mit dem Namen Maison Fluide. Natürlich mussten wir sehen, was sie im Angebot haben und kehrten ein. Sie haben Gin, Whisky, Rum und Moonshine im Angebot. In den USA hatten wir Moonshine kennengelernt und waren begeistert. Wir probierten den golden schimmernden Moonshine und kauften dann eine Flasche. Normalerweise ist der Moonshine farblos. Wir verstanden die Dame hinter der Theke nicht richtig, aber wir gehen davon aus, dass der Brand ein Jahr lang in Fässern reift, um die goldene Farbe zu erhalten. Hergestellt wird er aus 60% Reis und 40% französischem Gerstenmalz. Auf jeden Fall ist er lecker, mit jeder Menge Prozenten.



Camargue

Wir hatten gehofft, dass es nun etwas einfacher werden würde, einen Parkplatz zu finden, um uns etwas anzusehen, oder wenigstens einmal ein paar Tage Ruhe einzulegen. Es ist hoffnungslos. Wir fuhren auf der Autobahn an Monaco und Cannes vorbei, und übernachteten auf dem Picknick-Platz des ersten Rasthofes, der nach der Grenze kam. Der verdiente zwar den Namen Picknick-Platz, aber das machte die Sache auch nicht besser. Der Versuch, westlich von Cannes einen Campingplatz zu finden, scheiterte daran, dass er voll belegt war. Also fuhren weiter die Autobahn nach Westen.

Wir hatten schon viel im Fernsehen von der Camargue gesehen und fanden das toll. Also versuchten wir es dort.
Das erste Ziel war der letzte Ort westlich der Rhȏne-Mündung, Salin-de-Giraud. Zwei Nächte verbrachten wir auf dem Campingplatz „Le Bois Flottés“. Der Campingplatz ist ganz schön und besitzt große Parzellen für Wohnmobile. Daneben werden Mobilheime und Glamping-Zelte angeboten, man kann aber auch mit dem eigenen Zelt anreisen. Für die Nacht bezahlten wird 23,72€ (wegen der Kurtaxe), was günstig ist.

In der Umgebung hat man viele Möglichkeiten, den Naturpark Camargue mit dem Fahrrad, zu Fuß und per Auto zu entdecken. Alles ist sehr flach, es ist das Delta der Rhȏne. Große Flächen nehmen die Salinen ein.

Der Ort Salin-de-Giraud ist größer als man glaubt, bietet jedoch nur das Nötigste. Auffallend sind die großen Reihenhäuser, die sich an den Campingplatz anschließen. Die Ältesten von ihnen haben 120 Jahre auf dem Buckel. Sie wurden vom Eigentümer der ansässigen Fabrik für die Arbeiter erbaut. Sie brauchten sich dort um nichts zu kümmern und konnten ihre ganze Arbeitskraft dem Chef zur Verfügung stellen. In den kleinen Gärten hinter dem Haus waren die Arbeiter wohl angehalten, Obst und Gemüse für die Eigenversorgung anzubauen. Solche Konzepte gibt es häufig in Europa.

Seit dem 18. Jahrhundert wird das Salz der Camargue genutzt. Zuerst verarbeitete man das Salz zu Soda für die Seifen- und Glasherstellung. Ab 1855 begann man mit der Salzproduktion. Als Nebenprodukt stellte man Ätznatron her.
Die Produktion florierte und zog viele Einwanderer an, die aus Griechenland, Armenien und Italien kamen. Spanier und Nordafrikaner folgten nach dem 2. Weltkrieg. Seither ist die Bevölkerung in der Camargue kosmopolitisch.

Heute stellt man neben Fleur de Sel und normalem Speisesalz, welches einen geringen Anteil an der Produktion ausmacht, fast 350.000 Tonnen Streusalz jährlich her. Eindrucksvolle Salzberge erheben sich an den Produktionsstätten.

Am Aussichtspunkt südlich von Salin-de-Giraud bietet sich die Möglichkeit einen Blick über die Salinen-Landschaft zu werfen.

Mit Hilfe der Autofähre gelangt man auf die andere Seite, die östliche Seite, der Rhȏne, wo sich eine unschöne Fabrik erhebt. Ein Stück in Richtung Küste liegt der größere Ort Port-Saint-Louis-du-Rhȏne mit guten Einkaufsmöglichkeiten.

Bei den kleinen Spaziergängen in der Umgebung sahen wir mehrfach einige der berühmten Camargue-Pferde. Weitere Tiere, die die Camargue ausmachen, sind die Camargue-Stiere und natürlich die Flamingos.

Zehn Kilometer hinter dem Campingplatz befindet sich der Strand Plage de Piémanson. Es ist ein Naturstrand. Links vom Parkplatz liegt ein breiter Strand, an den sich Salinen anschließen, rechts führt eine Nehrung ins Nirgendwo. Auf entfernten Inseln erheben sich zwei Leuchttürme. Es ist eine windumtoste Ecke.

Um noch mehr von der Camargue zu sehen, fuhren wir direkt hindurch und um den riesigen Étang de Vaccares herum. Hier werden Felder mit Viehfutter bestellt, und wenig Getreide. Immer wieder laden kleine Parkbuchten zum Halten und Staunen ein. Oft lassen sich Flamingos beobachten, am besten mit einem Fernglas.

Weitere Vogelarten, die sich im und auf dem Étang de Vaccares aufhalten, sind Störche, Seidenreiher, Silberreiher, Kormorane und Blesshühner. Kleine Vogelarten sind selten zu beobachten.

In Villeneuve trafen wir auf einige Camargue-Stiere, an der Kreuzung begrüßt ein Restaurant seine Gäste. Die westliche Grenze des Naturparks Camargue bildet die kleine Rhȏne.

Von hier aus fuhren wir nach Aigues-Mortes weiter, wo wir einkauften. Dann steuerten wir den Womo-Stellplatz „Les Poissons d´Argent“ an, für 18,-€ pro Nacht, da wir in Le Grau-du-Roi keinen Parkplatz finden.
Am nächsten Tag packten wir die Fahrräder aus und unternahmen unseren ersten Fahrrad-Ausflug dieser Reise. Zirka fünf Kilometer sind es bis zum Küstenort Le Grau-du-Roi.

Das Zentrum des Ortes ist die kleine Brücke Pont Tournant, die sich über den Rhȏne-Sete-Kanal spannt. Hier konzentrieren sich viele Restaurants, Café´s und Lädchen. Fischer pulen Fische und Krabben aus ihren Netzen.

Am Ende des Rhȏne-Sete-Kanals, der durch Le Grau-du-Roi fließt, befinden sich zwei Molen, die die Einfahrt für die Boote begrenzen. Das hat praktische Gründe. Vor allem sollen sie die Verlandung des Hafens von Aigues-Mortes verhindern.

Das westliche Ufer des Kanals wird von schönen alten Häusern begrenzt, die Ostseite glänzt eher durch Moderne, aber hier führen mehrere kleine und geschäftige Gassen durch das Viertel.

Auf beiden Seiten der Kanalmündung liegen Strände.
Das Wetter ist durchwachsen, aber tagsüber scheint meistens die Sonne und es ist angenehm warm.

Ventimiglia

Es ist mühsam sich die enge und viel befahrene Küstenstraße entlang zu bewegen. Man muss die Augen überall auf und an der Straße haben. Da bleibt keine Zeit sich die Gegend anzusehen.
Auch diese Stadt besuchten wir vor gut dreißig Jahren, aber wir erkannten nichts mehr wieder. Es ist eine lange Zeit her, außerdem zieht sich Ventimiglia sehr lang.

Wir parkten unterhalb der Brücke am Rio Roya und spazierten in Richtung Küste. Über eine andere Brücke überquerten wir den Rio Roya und kamen zur Piazza della Constituente. Dahinter stapeln sich die Häuser fast übereinander. Ganz oben sieht der Turm der Kathedrale Santa Maria Assunta hervor. Ein wunderschönes Bild. Darunter führt ein Tunnel hindurch.

Wir hielten uns links und kamen durch das Porta Marina an die Küstenstraße. Hier ist es ruhiger. Zwei Strandbar´s warten auf Gäste.

Etwas dahinter befindet sich die kleine Marina, in der einige Superyachten liegen. Der ganze Weg oberhalb der Marina ist mit Lavendel bepflanzt, der vor Kurzem zurück geschnitten wurde. Es roch jedoch nicht nach Lavendel, sondern sehr intensiv nach Curry, seltsam.

Dann stiegen wir eine kleine Weile den Hang hinauf und hatten eine schöne Aussicht auf die Küste und die Marina.

San Remo

Eine wunderschöne Küstenlandschaft begleitet uns nach San Remo.

Vor gut 30 Jahren besuchten wir San Remo schon einmal. Davon berichten wir in unserem Buch „Cote d´Azur“, welches als ebook zu kaufen ist.

Damals schien die Sonne und San Remo versprühte das Flair, welches man aus Film und Fernsehen kennt. Diesmal hatten wir Pech. Es regnete ständig und es war dunkel und grau. Wenigstens wollten wir uns die Altstadt ansehen, die wir damals nicht besucht hatten. Der Wohnmobil-Stellplatz liegt ca. drei Kilometer westlich von San Remo, die wir zu Fuß bewältigten. An den Stränden entlang und auf einer schönen palmenbestandenen Promenade erreicht man die Russisch-Orthodoxe Kirche, die man hier nicht erwarten würde.

Dann ist man schon in der Altstadt. Zuerst folgten wir der großen Fußgängerzone Via Giacomo Matteotti, am Casino vorbei. Die vielen Geschäfte laden zum Stöbern ein.

Am Teatro Ariston angekommen schwenkten wir nach links und spazierten die kleine Parallelgasse Via Palazzo in Richtung Kathedrale, vor der sich ein kleiner Platz mit altem Baumbestand und verschiedenen kulinarischen Angeboten befindet.

Es macht nicht wirklich Spaß, sich bei dem Regenwetter auf Entdeckungsreise zu begeben. So spazierten wir auf der Via Feraldi zur Küste zurück, und zum Stellplatz.

Bergeggi

Von Alba aus setzten wir unsere Fahrt zum Mittelmeer fort, immer bergauf und bergab, durch die Provinz Langhe. Dann wurden die Berge höher und wir überquerten die Alpi Maritime.

Bei Savona erreichten wir das Mittelmeer. Ein paar Kilometer südlich von Savona fanden wir einen ruhigen Stellplatz in Bergeggi, nur von der Via Aurelia, der alten Römerstraße, vom Strand getrennt. Für 16,-€ haben wir einen entspannten Feierabend mit Badegelegenheit. Allerdings ist das Wasser doch recht frisch, anders als angenommen.

Am Abend spazierten wir nach Süden, aber erst in einiger Entfernung stießen wir auf ein Restaurant. Ansonsten gibt es hier am Strand von Bergeggi nur ein Hotel und ein paar Residenzen, sowie eine geöffnete Strandbar und ein paar Wassersportanbieter. Daran schließt sich schon der Ort Spotorno an.

Am nächsten Morgen entschieden wir einen weiteren Tag hier zu verbringen. Das Wetter ist schön und die Küste auch. Ein kleiner Spaziergang in Richtung Norden, auf eine kleine Anhöhe, auf der die Straße hier herunter führt. Davor liegt eine kleine Insel. Von der Anhöhe hat man einen schönen Blick auf die komplette Bucht, den Strand und das blaue klare Wasser.

Ein paar Stunden verbrachten wir am Strand, der aus recht grobem Sand besteht. Der Wohnmobilstellplatz ist durch einen kleinen Tunnel vom Strand aus zu erreichen. Es ist die einzige Möglichkeit auf langer Strecke, ein Wohnmobil zu parken. Daher ist er entsprechend voll, aber mit 16,-€ mit Ver- und Entsorgung auch recht günstig. Es ist eben wieder der Nachteil einer Bergigen Küste: es gibt wenig Platz, wenn die Berge direkt hinter der Küste aufsteigen.

Alba

Wir lernen wieder einmal eine neue Region von Norditalien kennen, das Piemont. Von Verona aus fuhren wir auf der Autobahn weiter, über Piacenza, Alessandria und Asti nach Alba. Wir befinden uns in einer großen Weinregion. Asti ist dabei ein bekannter Name.

Alba war schon im Mittelalter eine große Stadt, die sich bis in die heutige Zeit kaum verändert hat. Viele prächtige Gebäude säumen die Gassen.

Alle paar Meter steht eine Kirche, sehr alte und etwas jüngere.

Im Zentrum der Altstadt befindet sich die Kathedrale di San Lorenzo, ein eher schlichterer Bau aus Backstein, mit vier schlanken Türmchen in der Front. Die Kathedrale steht auf dem antiken römischen Forum, welches bis ins 6. Jahrhundert Bestand hatte. Die erste Kirche im römischen Stil stammte aus dem letzten Viertel des 11. Jahrhunderts. Ihre heutige Gestalt erhielt die Kathedrale in den 1800er Jahren. Das Innere ist ebenfalls eher schlicht, während die anderen Kirchen reichlich barocke Verzierungen aufweisen.

Alba ist die Welt-Hauptstadt des weißen Trüffel. Überall werden Produkte mit weißen Trüffeln oder die Pilze selbst angeboten. Die Preise der Trüffel mit einem Durchmesser von etwa vier Zentimetern liegen bei 18,- bis 40,- Euro. Da kommt es wohl nicht nur auf die Größe an.

Nach dem Spaziergang durch die Altstadt von Alba fuhren wir zur Burg „Grinzane Cavour“. Sie liegt auf einem Hügel in einer wunderschönen Hügellandschaft. Auf einem Womo-Stellplatz in der Nähe der Burg parkten und übernachteten wir. Die Aussichten sind herrlich. Auf fast jeder Hügelspitze steht ein Schloss, eine Burg oder ein Weingut. Die Hügelhänge sind Weinanbaugebiete. Durch die Weinberge führen breite Wirtschaftswege. Die erste Wahl der Mittel sind Raupen, die die Steigungen der Hänge bewältigen können.

Neben Wein werden auch jede Menge Haselnüsse angebaut. Sie sind das zweite Standbein der Region.

Der Herbst hat hier den Stand, den wir zu Hause vor vier Wochen hatten. Tagsüber ist es warm, aber nachts wird es schon kühl. Die schönen Herbstfarben werden von der Sonne angestrahlt, aber auch hier wird bald alles kahl sein. Überall stehen Schilder am Straßenrand, die Schneeketten vorschreiben.

Die Burg „Grinzane Cavour“ ist ein kleinerer, aber beeindruckender Bau. Der Graf Cavour übernahm die Burg 1832 von seiner Familie, die den Weinanbau seit 1815 betrieb und zu Grunde wirtschaftete. Er hatte inzwischen Erfahrungen im Weinanbau in der Schweiz, Frankreich und auch England gesammelt und war von deren Anbautechniken begeistert. Diese Erfahrungen nahm er mit nach Grinzane. Als Anfang bepflanzte er 24 Hektar mit „ausländischen“ Weinstöcken, die er aus der Champagne, Bordeaux und Tokaj mitbrachte. Das ging jedoch gründlich daneben, da diese Trauben in dem Klima nicht erfolgreich waren. Also wechselte er wieder zur heimischen schwarzen Traube Nebbiolo und alles wurde gut. Aus diesem Wein erzeugte er mehrere verschiedene Weinsorten, die heute sehr gefragt sind.

In den Gewölben der Burg sind ein Museum zur Weingeschichte und Weinanbau untergebracht, sowie ein Verkaufsraum für die regionalen Weine und Produkte.
Vom Plateau, auf dem die Burg steht, bieten sich herrliche Ausblicke auf die umliegende Landschaft.

Auf der anderen Seite vom Womo-Stellplatz gelangt man zu einem Aussichtspunkt, mit einer fast 360°-Rundumsicht und vielen weiteren schönen Aussichten.

An den Weinstöcken hängen noch ein paar wenige kleine Trauben zum Naschen. Die Beeren sind sehr saftig und zuckersüß. So süß, dass man sich nach deren Verzehr die Hände waschen muss, weil alles klebt.
Den Abend beschlossen wir auf unseren Stühlchen, mit bester Aussicht und einem Gläschen Wein.

Reisebeginn

Während wir die letzten Winterreisen in Süditalien und Sardinien verbrachten richten wir unser Wohnmobil in diesem Jahr wieder nach Spanien/Portugal aus. Dort sind im Gegensatz zu Süditalien, wo wir fast alleine waren, wesentlich mehr Wohnmobile unterwegs. Die allermeisten Reisenden sind Winterflüchter wie wir. Der Vorteil von Spanien und Portugal: es ist wärmer als in Süditalien. Mal sehen was diese Reise für Überraschungen bereithält.
Der Winter kam in diesem Jahr sehr früh und die letzten Wochen verbrachten wir im Dauergrau. Es regnete und nieselte ständig.

Wie schon im letzten Jahr brach die ewig dunkle Wolkendecke genau an der Grenze zwischen Deutschland und Österreich, Kufstein, auf. Herrlich blauer Himmel strahlte auf uns herab und von mir fiel eine unangenehme Last von den Schultern, die sich in den letzten Wochen aufgebaut hatte. Ich kann wieder atmen.

Wir überquerten diesmal die Alpen wieder über den Brenner, aber vorher legten wir einen Halt am „Lustigen Friedhof Tirol“ ein. Er befindet sich in Kramsach, kurz vor Innsbruck. Einen lustigen Friedhof haben wir inzwischen schon besucht, und zwar in Sapanta, Rumänien. Deshalb hatten wir eine andere Vorstellung von dem Lustigen Friedhof in Tirol. Es ist ein Museum, in dem alte Grabkreuze aus fünf Jahrhunderten zusammengetragen wurden. Viele von ihnen haben lustige Aufschriften. Nur zwei sinngemäße Beispiele: „Grad´ als sie zu gebrauchen war starb sie mit 17 Jahr“, oder: „vom Ochsen aufgespießt“.

Leider ist das Fotografieren auf dem Friedhof nicht gestattet. Die meisten Grabkreuze wurden kunstvoll aus Stahl hergestellt, alle sind restauriert. Die alten Sprüche waren mit der Zeit verblasst oder verschwunden. Die Initiatoren sammelten in der Bevölkerung die überlieferten Sprüche und schrieben sie wieder auf die Grabkreuze. Es ist ein netter Rundgang.

Neben den kleineren Grabkreuzen sind viele größere in Arkaden aufgestellt. Da sind wirklich prunkvolle Stücke dabei.

Das Museum zeigt auch den weltweit größten und modernsten Totentanzzyklus, mit Laser aus Cortenstahl geschnitten. Vor dem Eingang erhebt sich ein Weltfriedenskreuz mit insgesamt 42 Orgelpfeifen.

Der Eintritt zum Museum kostet 4,-€, die in die Erhaltung der Anlage fließen.

Bis zum Brenner ist es nicht mehr weit, aber die Autobahn ist von Innsbruck bis hinter die italienische Grenze eine einzige Baustelle. Das Befahren machte wirklich keinen Spaß, zumal sie mit LKW´s vollgestopft ist.

Auf der italienischen Seite geht es dann kilometerweit immer bergab. Wir fuhren auf der Tiroler Weinstraße durch ein wunderschönes Tal nach Bozen, welches von hohen, felsigen Bergen begrenzt wird. Die Apfelernte ist noch im Gange, die Weinernte ist abgeschlossen. Auf den höchsten Bergen liegt etwas Schnee.

Unser nächstes Ziel war die „Aquardens-Therme“ bei Verona, mit einem riesigen Parkplatz davor, auf dem wir übernachteten. Die Therme stellte sich als eine riesengroße Anlage heraus, mit Massagebereich, Thermenbereich, Sauna- und Strandbereich. Entsprechend ist auch der Eintritt. Eine Tageskarte kostet 66,-€ pro Person. Kauft man eine Kombikarte für zwei Tage verringert sich der Eintritt auf 55,-€ pro Person pro Tag.

Nun beginnt unsere richtige Reise. Es ist wärmer und angenehmer, so dass wir uns jetzt Zeit lassen können.

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