A+K Weltenbummler

Reisen rund um die Welt

Metaponto

Inzwischen haben wir einen 200km-Sprung gemacht. Normalerweise fahren wir nicht so viele Kilometer am Stück, aber entlang der Küste des Golfs von Tarent ist es schwierig einen vernünftigen Stellplatz für größere Wohnmobile zu finden. Streckenweise ist der Tourismus noch kein Thema, was ja auch gut ist, andererseits versperrt wieder die Bahnstrecke viele Zufahrten zum Strand mit zu niedrigen Unterführungen.

Eigentlich wollten wir einen Zwischenstopp an der La Grotta delle Ninfe in der Nähe von Villapiana einlegen. Das Thermalbad hat anscheinend nur in den drei Sommermonaten geöffnet und ist jetzt definitiv geschlossen.

Das nächste Ziel, an dem es etwas zu entdecken gibt, findet sich erst wieder in Metaponto, kurz vor Taranto. Es zählt wie Capo Colonna zur Magna Grecia (Groß-Griechenland) und hieß in der Antike Metapontion. Es war eine sehr große Stadt, die sich vom Strand bis weit ins Landesinnere erstreckte. Einige ausgegrabene Überreste sind im Rahmen des archäologischen Museums zu besuchen, aber viel mehr als Grundmauern und dem kleinen Amphitheater ist da nicht zu sehen. Auf einer der schlecht erhaltenen Infotafeln sind Rekonstruktionen mehrerer Tempel des Heiligtums, welche Hera und Apollon gewidmet waren, und des Amphitheaters abgebildet.

Die Agora bot Platz für achttausend Menschen. Metaponto war Sitz einer Schule des Pythagoras, der dort nach langem Umherirren und als Flüchtling lebte, lehrte und auch starb.

Interessanter ist da schon der Hera-Tempel aus dem 6. Jahrhundert v.Chr., von dem zwei der Säulenreihen wieder errichtet wurden. Ursprünglich waren es einmal 6×12 Säulen. Ein Teil des Tempelbodens ist ebenfalls erhalten. Ein Oleander-gesäumter Weg führt vom Parkplatz zum Tempel.

Zwischen beiden Stätten sollen noch zwei Nekropolen liegen, die wir nicht besuchten.

Das ebenfalls in Metaponto befindliche Schloss Torremare stammt aus dem 12. Jahrhundert. Zwischenzeitlich wurde der Name Metaponto vergessen und der Ort hieß Torre di Mare. Daher leitet sich der Name des Schlosses ab. Eine Adelsfamilie errichtete es auf den Grundmauern eines römischen Kastells, übergab es aber später dem Benediktinerkloster San Michele. Zum Schloss gehörten weitere Gebäude, wie Lager- und Bauernhäuser, oder auch ein Rasthaus für Wanderer. Später wurde das Gebiet vernachlässigt und Mitte des 17. Jahrhunderts rafften Malaria und Pest alles menschliche Leben dahin.

Erst mit dem Bau der Eisenbahn kehrten die Menschen zurück und man baute das Schloss wieder auf. Noch immer sind Rekonstruktionsmaßnahmen im Gange, aber das Schloss wird schon für verschiedene Veranstaltungen über den Sommer genutzt.

Capo Colonna

Jetzt haben wir des Rätsels Lösung: Überall in Kalabrien wächst Fenchel, aber während man den Würzfenchel auf Sardinien mit seinem feinen süßen Aroma genießen kann, schmeckt er in Kalabrien so gar nicht. Er ist auch viel massiver als wir ihn kennen, und er bildet gerade viel höhere Blütenstände aus als normalerweise.
Kurz vor Capo Colonna fanden wir die Lösung. Es ist Riesenfenchel, sehr schön anzusehen, aber nicht schmackhaft. Wieder etwas gelernt.

Auf Capo Colonna, welches die südliche Begrenzung des Golfs von Tarent darstellt, besuchten wir das Ausgrabungsgelände mit dem Hera-Tempel. Im angeschlossenen archäologischen Museum erfuhren wir, warum die komplette Küste von Le Castella bis zum Capo Colonna zum Marine-Schutzpark „Capo Rizzuto“ gehört.

Dieser Küstenabschnitt ist Teil des „Magna Grecia“, des antiken Groß-Griechenland. Im 8. Jahrhundert v.Chr. verließen viele Griechen ihre Heimat, weil sie dort kein Auskommen mehr hatten. In der Hoffnung auf einen neuen und besseren Anfang fand eine Immigrationswelle nach Westen statt, an die Küsten von Italien. Von Neapel über Reggio bis nach Apulien gründeten die ausgewanderten griechischen Siedler neue Städte und Heiligtümer. Eines davon befindet sich auf Capo Colonna, zu antiken Zeiten Capo Lacinio genannt. Der heutige Name begründet sich auf die letzte noch stehende Säule des Hera-Tempels, die zum Symbol Kalabriens wurde.

Es wurden zwei Hera-Tempel gebaut. Wahrscheinlich wurde der erste Tempel durch Erdbeben oder Angriffe zerstört, so dass ein neuer Tempel gebaut werden musste. Von den Grundmauern des ersten Tempels ist kaum noch etwas übrig, die vom zweiten Tempel sind noch gut sichtbar. Bis 1638 stand wohl noch eine zweite Säule des Hera-Tempels, die dann wahrscheinlich einem weiteren Erdbeben zum Opfer fiel. Die dorischen Säulen waren 8,35m hoch und bestanden aus acht Blöcken. Der unterste Durchmesser beträgt 1,68m, der obere 1,29m. Sie standen jeweils auf einer dreistufigen Plattform, trugen das Kapitell und dann das Dach des Tempels.

Zum Heiligtum gehörte ein Garten, der ebenfalls Hera geweiht wurde. Um das Heiligtum herum breiteten sich die Höfe der Siedler und Bauern aus. Das Ganze nahm das komplette Kap ein.

Als die Römer das Gebiet beanspruchten, übernahmen sie den Hera-Tempel und bauten Wohnhäuser, eine Therme und einen Brennofen für Töpferwaren drum herum. Die Grundmauern mit zwei Bögen des Brennofens sind noch direkt links der neueren Kirche zu sehen.

Das Ganze befestigten sie dann mit einer Mauer, deren Reste noch in der gesamten Länge zu sehen sind, soweit sich das Meer nicht einen Teil des Kaps geholt hat.

Das ist auch der Grund für den Marine-Schutzpark „Capon Rizzuto“. Viele antike Strukturen liegen inzwischen auf dem Meeresgrund, sowie auch Schiffswracks mit Ladungen, die z.B. aus Amphoren oder auch teurem Keramik-Geschirr beladen waren. Sogar einen Münzschatz mit Gold- und Kupfermünzen fand man in einer Kiste am Meeresgrund.

Viele Artefakte sind sehr ansprechend im archäologischen Museum ausgestellt, andere dagegen im Museum in Crotone. Crotone war der Wohn- und Handelsort der alten Griechen, mit einem Hafen. Beides bildete eine Einheit.

Die Ausgrabungen auf Capo Colonna begannen 1910, aber noch immer liegt vieles unberührt im Boden. Das Museum und das Grabungsfeld können kostenlos besichtigt werden, aber man freut sich über jede Spende. Man muss wirklich schätzen, was bisher für das Museum geleistet wurde. Ein Film berichtet von der ganzen Geschichte des Ortes, vom 8. Jahrhundert v.Chr. bis heute, die über die Jahrtausende viele Eroberer gesehen hat.

Die ältesten Teile der erwähnten kleinen Kirche „der Heiligen Jungfrau von Capo Colonna“ stammt aus dem 14. Jahrhundert. Später wurde sie erweitert.

Der Torre Nao stammt aus der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts und war Teil einer Reihe, die aus zwölf Türmen bestand. Karl V., damals Vizekönig von Neapel, ließ diese Türme als Verteidigungslinie erbauen. Zudem dienten die Türme zur Weitergabe von Nachrichten und Signalen, nachts mit Hilfe von Feuern.

Noch ein Wort zu den Erdbeben, von denen ich gesprochen habe. Kalabrien ist ein Hoch-Erdbebengebiet, da sich hier die afrikanische Platte unter die Adriatische Platte schiebt. Das heißt für das Gebiet, dass sich jedes Jahr ca. 1000 Erdbeben ereignen. Die allermeisten sind nicht zu spüren, da sie nur eine Stärke zwischen 0 und 2 haben. Fünf Beben im Jahr sind stärker als 4, was sich schon bemerkbar macht. Alle 15,6 Jahre tritt ein Erdbeben der Stärke 7 oder mehr auf. 1783 fand das letzte zerstörerische Beben mit einer Stärke von 7,1 auf. 30.000 Menschen starben damals und dreihundert Dörfer wurden verwüstet.

Le Castella

Im Grünen sitzen, das Meeresrauschen im Hintergrund, blauer Himmel und Sonne von oben – was braucht der Mensch mehr? Sechs Tage schönes Wetter, nach einer ziemlich durchwachsenen Zeit, und einen günstigen Wohnmobil-Stellplatz in Le Castella (Costa Splendente sul mare), südlich von Crotone. Wenn man eine Woche auf dem Platz bleibt bezahlt man 10,-€ inkl. allem, bis dahin würden 15,-€ pro Tag anfallen. Wer mehr Zeit hat und einen Monat auf dem Platz bleibt bezahlt nur 200,-€. Wenn das mal kein Angebot ist. Die Plätze sind zwar schattig, weil unter Eukalyptusbäumen und Kiefern befindlich, aber die Sonne steht noch nicht so hoch und ein paar Stündchen Sonne am Tag bekommt man dann doch ab.

Abends ruft, wenn es dunkel geworden ist bis in die Nacht hinein, eine Zwergohreule. Alle zwei Sekunden gibt sie immer den gleichen kurzen Laut von sich. Das klingt sehr geheimnisvoll und wir mussten erst einmal forschen, von welchem Vogel die Laute stammen.

Vor dem Platz kann man einen kleinen Rundweg über die Klippen laufen. Die Flora ist sehr vielfältig, Smaragdeidechsen lassen sich die Sonne auf den Rücken scheinen.

Die Klippenkante ist von zahlreichen Sandsteinblöcken, noch fest am Boden verankert oder abgebrochen Richtung Meer drängend, gekennzeichnet. Die natürlichen Löcher in den flachen Sandsteinflächen eignen sich sehr gut als Pflanztöpfe, in die die Natur mit künstlerischer Ader Sandkrokusse gesetzt hat.

Überall wächst gerade wieder Riesenfenchel und der Ästige Affodill, eine auffallende Pflanze, die überall im Mittelmeerraum wächst, beginnt gerade seine Blüten zu entfalten. Die langen schmalen Blätter der Pflanze sind immergrün und überall zu finden.
Es ist eine sehr schöne Ecke hier.

Etwas weiter führt ein steiler Weg zu einem kleinen Strand unterhalb der beiden Stellplätze. Dort bilden Sandsteinblöcke, in denen Muscheln eingeschlossen sind, den Strandabschluss. Dazwischen liegen Abschnitte aus Muschelkalk, der jedoch noch nicht das „Steinstadium“ erreicht hat. Er ist relativ weich und bröckelig. Das Regenwasser hat Wasserrinnen hinein gewaschen, was auch sehr gut aussieht.

Der Ort Le Castella ist ein Urlaubsort, vieles ist jetzt geschlossen. Nur wenige Restaurants und ein Café haben geöffnet. Es gibt einen kleinen Supermarkt, einen Chinesenladen und einen offenen Laden „Sapori di Calabria“, der kalabresische Spezialitäten verkauft. Der Besitzer ist sehr nett und engagiert, um seinen Kunden etwas Gutes zu tun. Die Preise sind vernünftig, im Gegensatz zum exponierten Souvenirladen gegenüber der Burg von Le Castella.

Wenn man die Hauptstraße Via Duomo zum Meer hinunter läuft steht man direkt vor dem Castell. Die aragonesische Burg steht auf einer Insel, die durch einen Damm mit dem Festland verbunden ist.

Die Ursprünge der Burg sind sehr viel älter und stammen aus dem 4.-3. Jahrhundert v.Chr., von den Griechen. Im sogenannten Phrourion-Raum sind die Fundamente durch Glasplatten zu sehen, die im Boden eingelassen wurden.

Ihre heutige Form bekam die Burg in der aragonesischen Zeit. Bis dahin erfuhr sie mehrere Umbauten und Erweiterungen. Vom 18. Jahrhundert an verfiel die Burg, 1977 zerstörte ein heftiger Sturm die Ostseite. Große Teile der Burg sind jedoch rekonstruiert worden und zugänglich. Der Eintritt ist kostenlos, trotzdem bekommt man am Eingang ein Ticket in die Hand gedrückt. Von den höher gelegenen Orten der Burg bieten sich schöne Aussichten über Le Castella und die Küste.

Schon in der Antike bewunderte man die Landschaften um Le Castella. Einigen Gelehrten zufolge soll es zwischen Le Castella und dem Capo Colonna noch mehrere Inseln im Meer gegeben haben, die inzwischen versunken sind. Wenn man bei Google Maps genau hinsieht, erkennt man sogar mehrere Untiefen, die einmal Inseln gewesen sein könnten. Eine der Inseln soll die Insel Calypso gewesen sein, die Homer in seiner Odysee erwähnte. Er hatte sie jedoch „Ogygia“ genannt, nach der auf ihr lebenden Nymphe. Es ranken sich aber noch mehr Legenden um diesen Ort, die aus der Antike stammen.

Eine kleine Marina und ein kleiner Fischerhafen liegen am östlichen Ortsrand.

Auf jeden Fall gefällt es uns hier sehr gut. Die Gegend ist flach, die Berge weit weg, was sich auch auf das Wetter auswirkt: es ist besser als anderswo, zumindest meistens.

Ostküste Kalabriens

Jetzt ist es passiert: Der Bankomat hat meine Kreditkarte gefressen, als wir Geld abheben wollten. Aber der Reihe nach: Wir sind jetzt praktisch auf dem Heimweg, denn von der Südküste Kalabriens bogen wir bei Capo Spartivento nach Norden ab. Zu großen Teilen ist die Ostküste Kalabriens kaum touristisch erschlossen. Es gibt sehr wenige Hotels oder Campingplätze, die Strände sind naturbelassen mit nur wenigen Zugängen. Die Fernstraße 106 führt immer zwischen Strand und Bergen an der Küste entlang. Die Berglandschaft erinnert zumeist an die kappadokische Tufflandschaft, nur ohne Feenkamine. Die hellen Berge und Hügel sind seltsam geformt und vom Regen rinnenförmig ausgewaschen, sehr eigen, aber schön.

Außerdem hat die Küste einen großen Bezug zur griechischen Antike. Es gibt mehrere Ausgrabungsstätten und vielerorts sind Dekorationselemente, wie das Mäandermuster oder griechische Darstellungen, sowie Statuen zu sehen. Viele Orte besitzen kleine neue „Amphitheater“, die verschiedenen Zwecken der Freizeitbeschäftigung dienen.

Ganz wichtig: Kalabrien ist die Hochburg der Bergamotte. Neunzig Prozent der Weltproduktion an Bergamotte stammen aus Kalabrien. Wir hatten schon früher Bekanntschaft mit dem Aroma der Bergamotte gemacht und wir lieben es. Bergamotte sind Zitrusfrüchte, die aus einer Kreuzung zwischen Limetten und Bitterorangen stammen. Die Früchte sind gelb wie Zitronen und rund wie Orangen, und sind sehr gesund. Das Fruchtfleisch ist auf Grund der Bitternis kaum genießbar, aber man kann Saft daraus machen oder Aromaöl gewinnen. Es werden auch Marmeladen und Bonbons aus Bergamotte angeboten. Auf jeden Fall ist das Aroma einzigartig. Wir haben die Bergamotte wie Zitronen ausgequetscht und mit warmem Wasser aufgegossen, als Heißgetränk. Das ist ein ganz neues Geschmackserlebnis.

Auf dem Weg nach Catanzaro legten wir Übernachtungspausen in Ferruzzano Marina und Montepaone ein. Das Wetter ist wiedereinmal regnerisch. In Ferruzzano stellt die Gemeinde einen schönen, ruhigen Stellplatz direkt am Meer zur Verfügung. Im Sommer kostet er mit Ver- und Entsorgung 5,-€ pro Tag, im Winter ist er kostenlos, aber Wasser gibt es trotzdem. Zwar führt die Bahnstrecke direkt dahinter entlang, aber der Betrieb ist nicht störend. Meistens überdecken die Wellen die Bahngeräusche.

Als wir nach Ferruzzano kamen, waren alle Flussläufe ausgetrocknet. Schon nach einer Nacht und einem Tag Regen stürzten sich die Wassermassen aus den Bergen kommend ins Meer. Die Flussbetten sind jedoch so breit, dass das Wasser genügend Platz hat. Wir haben uns immer gefragt, wie es wohl aussehen muss, wenn das Wasser kommt, denn die Flussbetten sind wirklich sehr breit und mit sehr viel Geröll gefüllt. Jetzt wissen wir es. Das Meer ist dann entlang der Küsten voller Sedimente und gar nicht mehr schön anzusehen.

In Montepaone Lido fanden wir einen weiteren schönen Platz zum Übernachten. Als wir im Einkaufszentrum Geld vom Bankomaten abheben wollten, behielt er unsere Kreditkarte. Das kann jetzt nicht sein! Wir haben zwar immer irgendwie damit gerechnet, aber jetzt ist es wirklich passiert. Die Notrufnummer, die der Bankomat dann angab, war nicht vergeben. Was jetzt? Wir fragten im benachbarten Optikergeschäft ob sie uns helfen könnten. Die wussten sofort, was zu tun ist. Kommt das öfters vor? Auf jeden Fall versuchten sie bei der zuständigen Bank anzurufen, aber es war Samstag Nachmittag und niemand hob ab. Wir müssten bis Montag warten, wenn die Bank wieder erreichbar ist.

Am nächsten Tag gingen wir noch einmal zum Bankomaten, denn in Italien haben die meisten Geschäfte auch Sonntags geöffnet. Der Bankomat funktionierte wieder. Wo war unsere Karte geblieben? Wir fragten wieder die nette Dame im Optikergeschäft und sie meinte, dass wir nichts machen könnten, vor Montag. Sie gab uns aber die Adresse und email-Adresse der Bank mit. Sofort schickte ich der Bank eine email mit der Geschichte und das wir am Montag Morgen die Karte abholen würden. Man hatte uns im Optikergeschäft Hoffnung gemacht, dass wir die Karte wiederbekämen. Inzwischen sperrte ich über unser Online-Konto die Karte temporär.
Montag Morgen ging ich zur Bank und erzählte dort meine Geschichte noch einmal. Der Angestellte machte eine Kopie meines Passes und meinte, dass ich in der Mittagszeit wieder kommen solle, dann würde ich meine Karte bekommen.

Wir hatten also drei Tage Zeit uns Montepaone anzusehen. Auf den Bergkuppen liegen mehrere Bergdörfer, darunter auch Montepaone. Sie liegen auf Höhen zwischen 200 und 500 Metern. Wo wir uns befinden ist Montepaone Lido, also der Küstenort der eigentlichen Stadt. In Italien gibt es sehr viele Orte, die sich weiter im Landesinneren befinden, oder eben auf Bergen, und einen Ortsteil unten am Strand haben. Dann haben sie den Zusatz Lido (Strand) oder Marina im Namen.

Der Strand von Montepaone ist sehr lang und zieht sich nach Norden bis zum Pietragrande, einer Felsformation, die den Strand abschließt. Eine schöne Promenade in verschiedenen Abschnitten verläuft am Strand entlang, mit vielen Strandbar´s. Die allermeisten sind jetzt geschlossen.

In der Stadt ist viel Platz, alles scheint noch nicht sehr alt zu sein. Auch hier schuf man viele schöne Ecken zum Ausruhen und Entspannen.

Südlich und nördlich kommen zwei Flüsse aus den Bergen, die bei trockenem Wetter überquert werden können. Jetzt haben die Stürme und Regen der vergangenen Wochen viel Schaden angerichtet. Mancherorts sieht es schlimm aus. Da haben die Leute im Frühjahr jede Menge zu tun, um alles wieder schön zu machen.

Ein paar neue Pflanzenarten haben wir auch entdeckt, wie die Duftende Platterbse oder eine Art Myrtenheide in Baumform.

Duftende Platterbse

Auf dem Wochenmarkt in Montepaone fanden wir einen Bauern, der „süße“ Orangen verkaufte. Gleich der erste Bissen war eine echte Überraschung und eine neue und sehr ungewöhnliche Erfahrung. Die Orangen sind wirklich süß, als wären sie mit Zuckerwasser geimpft. Wenn man sich daran gewöhnt hat schmecken sie doch sehr gut.

San Gregorio

Die nächsten Tage standen im Zeichen „Suchen nach einer Werkstatt“, weil wir dringend die Kupplung am Wohnmobil erneuern lassen mussten. Schon in Lamezia Terme hatten wir eine Wohnmobilwerkstatt angefahren, aber der Werkstattmeister, der hätte Auskunft geben können, kam erst in vier Tagen zurück.

Seit wir von Sardinien aus mit der Fähre in Neapel gelandet waren, suchten wir nach einer Werkstatt. Es gibt jede Menge Fiat-Werkstätten, aber die machen alle nur PKW´s. Die sind nicht für schwere und große Auto´s gerüstet. Wir hatten es auch schon bei Scania, einer LKW-Werkstatt versucht, aber die wollten auch nicht.

Die letzte Hoffnung war eine Wohnmobilwerkstatt bei Reggio, Kalabrien. Auf dem Weg dorthin machten wir noch in San Fernandino Halt, weil es in Reggio mehrere Tage regnete. Da wir nicht wissen, was uns erwartet, wollten wir schönes Wetter abwarten.
San Fernandino ist eine kleine Stadt am Meer, die anscheinend schon zwanzig Jahre versucht, ein großer Urlaubsort zu werden. Es existieren schon eine breite Küstenstraße und eine schöne Promenade. Einige Strandbar´s haben eröffnet, aber alles sieht aus, als wäre es vor langer Zeit entstanden. Sieht man sich allerdings im Ort um, dann sieht es nicht wirklich einladend aus. Irgendwo ist die Entwicklung stehen geblieben.

Des Italieners Hobby, Touristen gucken, ist in San Fernandino noch ausgeprägter als anderswo. Egal welche Altersklasse oder welches Geschlecht: man fährt mit dem Auto auf und ab, hält nicht einmal an, und das manchmal mehrmals.

Die Stadt hat aber eine schöne Lage. Rechts kann man bis zum Capo Vaticano sehen, links liegt die Nordostspitze Siziliens und mittendrin ragt der Stromboli aus dem Meer empor. Die Sonne geht zu dieser Jahreszeit irgendwo dazwischen unter, sehr schön.

Als sich in Reggio das Wetter gebessert hatte, suchten wir die Wohnmobilwerkstatt auf. Die schickte uns aber wieder weg, sie würden keine Arbeiten am Motor übernehmen. Wie die überhaupt arbeiten können, ist uns schleierhaft, denn Platz ist so gut wie keiner vorhanden. Sie empfahlen uns eine Fiat-Werkstatt gut zwei Kilometer weiter.
Als wir dort ankamen, mussten wir feststellen, das auch dort nur PKW´s repariert werden konnten. Von denen bekamen wir dann die Empfehlung, noch sechs Kilometer weiter zu fahren, in eine IVECO-Werkstatt. Der Vorteil: es ist Platz genug vorhanden und wir wurden auch gleich aufgenommen. Der Werkstattmeister, einer von der alten Schule, kümmerte sich sofort um uns und unser Problem, die Kupplung wechseln zu müssen. Er machte uns einen Kostenvoranschlag und legte gleich los. Am nächsten Tag abends sollte die Arbeit erledigt sein.

Derweil verbrachten wir die Nacht in einem Bed&Breakfast in San Gregorio, in welches uns jemand von der Werkstatt fuhr. Bei einem abendlichen Spaziergang die Hauptstraße hinunter, um etwas für den Abend zu essen zu finden, mussten wir feststellen, dass es einfach nur grauenhaft ist. Der Lärm, der Abgasgestank, der Müll überall, wir mussten nach zehn Minuten umdrehen, weil wir Kopfschmerzen bekamen. Die Pizzerien öffneten alle erst nach 18.30 Uhr, auch die Grillhähnchen waren erst zu 19 Uhr fertig.

So warteten wir die Zeit in unserem Zimmer ab, bevor Klaus noch einmal losging, um ein Grillhähnchen zu holen. Dies war sogar lecker und mit Thymian und Rosmarin gewürzt. Vom Balkon aus konnten wir zum Flugplatz von Reggio hinunter sehen, Sizilien im Hintergrund.

Am nächsten Tag liefen wir zur Werkstatt zurück, brachten unser Zeug im Wohnmobil unter, das vorne völlig zerlegt war. Es sollte am Abend fertig sein.
Solange unternahmen wir mehrere Spaziergänge in der Umgebung, am Rande von San Gregorio. Hier ist es zwar grüner, aber Müll liegt an jeder Ecke. Das ausgetrocknete Flussbett wird ebenfalls als Müllkippe missbraucht, ganz schlimm. Die Stadt ist ganz sicher kein Urlaubsort, sondern das leibhaftige Italien. Bisher kennen wir ja nur die mehr oder weniger touristischen Orte, die halbwegs in Ordnung gehalten werden.
Es werden zwar ein paar Zimmer vermietet, weil der Flughafen in direkter Nähe ist, aber das reicht wohl nicht.

Durch Zufall fanden wir sogar eine Craft-Brauerei in der Nähe, den „Funky Drop“, die wir besuchten. Man rechnete dort nicht wirklich mit Gästen, denn wir mussten uns erst einmal bemerkbar machen. Dann kam ein freundlicher Herr, der uns zwei Sorten seines hausgemachten Bieres zur Verkostung kredenzte. Das Bier wird in 0,33l-Büchsen angeboten und umfasst einige interessante Sorten, von Kellerbier, Stout-Bier, Ale und Rauchbier, also Bier aus gerauchtem Malz aus Bamberg hergestellt.

Als wir meinten, dass es etwas lasch, aber trotzdem gut schmecke, meinte der Herr, dass die Italiener in Kalabrien nicht so die Biertrinker seien. Die würden geschmacklich zurückhaltende Sorten bevorzugen.
Wir kauften dann fünf verschiedene Sorten ein und setzten unseren Spaziergang durch die Umgebung fort. Wir besuchten auch den Strand von San Gregorio, der ist jedoch nicht schön. Irgendjemand hatte sich aber eine Art Aufenthaltsbereich um einen Baum herum einfallen lassen, mit mehreren kleinen Treppen, einer Sitzgelegenheit und Kunstwerken aus bunten Steinen. Das ist ganz hübsch.

Am Abend wollten wir das Wohnmobil abholen, aber da nicht passende Ersatzteile bestellt wurden, zögerte sich das Ende der Reparatur hinaus. Das hieß für uns, wieder in das Bed&Breakfast einziehen, diesmal jedoch auf Werkstattkosten. Erst am nächsten Mittag war die Reparatur, Kupplungstausch und Ölwechsel, beendet und wir konnten weiter fahren. Gegenüber den Werkstattpreisen in Deutschland haben wir in Italien kräftig gespart.

Inzwischen wird es Frühling im Süden Italiens. Die Mandelbäume und die Mimosen blühen herrlich.

Da wir nicht mehr so weit fahren wollten suchten wir uns einen Übernachtungsplatz am Strand von Saline Ioniche. Von dort aus hat man ein letztes Mal den Blick nach Sizilien und zum Ätna, bevor man die Küstenstraße in Richtung Osten und Norden weiter fährt. Wir wollten nur eine Nacht bleiben und waren enttäuscht, als vom Ätna nichts zu sehen war. Der komplette Südteil Siziliens lag unter Wolken. Da, plötzlich, kurz nach Sonnenuntergang durften wir den Vulkan doch noch sehen. Sein Gipfel ragte über die Wolkenbank und spie eine endlose Aschewolke aus, die sich Richtung Norden Siziliens ausbreitete. Als wir vor sechs Jahren schon einmal dort waren, richtete sich die Aschewolke immer nur in Richtung Catania oder nach Süden, niemals nach Norden. Das verwunderte uns ein wenig. Aber schön sah es trotzdem aus. Dabei dachten wir jedoch auch an die Menschen, die dort leben und schon seit geraumer Zeit mit dem Ascheregen zu kämpfen haben.

Tropea – Golf der Santa Eufemia

Auf dem Weg nach Tropea ist es mit einem großen Wohnmobil schwierig, einen Parkplatz zu bekommen. Wir folgen weiter der ss18. Es gibt auch eine Straße direkt entlang der Küste, aber die ss18 lässt sich besser fahren. Die Berge sind wieder nah am Wasser, so dass die Abfahrten in die einzelnen Küstenorte sehr steil sind.

Aussicht bei Pizzo

In Tropea, welches wir ebenfalls vor sechs Jahren besucht haben, suchten wir einen für die Übernachtung geeigneten Platz. Alle Parkplätze kosten über den Tag 3,-€ pro Stunde, was unverschämt viel ist. Direkt am Parkplatz unterhalb des berühmten großen Felsens am Strand hat ein Wohnmobilstellplatz geöffnet. 24 Stunden kosten dort 25,-€ inkl. Strom, aber die Plätze sind mit einem großen Wohnmobil kaum anfahrbar, da an allen Ecken Pfosten oder Bäume stehen, so dass man nicht manövrieren kann.

Wir wollten schon unverrichteter Dinge weiterfahren, als wir am Ende der Stadt kostenlose Parkplätze entlang der Straße fanden. Direkt daneben breitet sich ein Strand mit feinen Sand aus. Der Verkehr hält sich in Grenzen, denn es ist eine Einbahnstraße.

Nach einer Kaffeepause schlenderten wir am Strand entlang, am Felsen mit der Kirche und einem Garten darauf vorbei, hin zur Marina. Am rechten Straßenrand erheben sich die senkrechten Felswände, auf denen die Altstadt von Tropea errichtet wurde. Die Höhe ist überwältigend. Hausfronten und Felskante bilden eine Linie.

Zum Abend fanden wir einhundert Meter weiter einen schönen ruhigen Parkplatz, auf der einen Seite der Strand, auf der anderen gleich die senkrechten Felswände. Hier verbrachten wir zwei Nächte, denn am nächsten Tag regnete und gewitterte es ständig.

Vor nicht allzu langer Zeit muss sich im beliebten Urlaubsort Tropea eine Wetterkatastrophe abgespielt haben. Sturm und Regen müssen so schlimm gewesen sein, dass am Strand die meisten Holzhütten (Strandbars) zu Bruch gingen, und das Abwassersystem kollabierte. Überall quoll Toilettenpapier aus den Gully´s, selbst durch die geschlossenen, mit den schweren Deckeln darauf. Ein großer Teil der Strandstraße wurde aufgerissen, es sieht immer noch sehr schlimm dort aus.

Auch aus den Rohren, die hoch oben an den Felskanten, aus dem Fuße der Altstadt schauen, quoll Toilettenpapier. Es hängt jetzt in dem Grünzeug, welches sich an den Felswänden angesiedelt hat. Echt ekelhaft. Da fragt man sich doch, wie das hiesige Abwassersystem funktioniert.

 

Lamezia Terme

Westlich der Stadt Lamezia Terme liegt der kleine Ort Caronte. Hier, in der Terme Caronte, hatten wir endlich mal wieder das Vergnügen eines schönen warmen Bades, kostenlos natürlich. Es sieht dort immer noch so aus wie vor sechs Jahren, als wir schon einmal hier waren. Es ist das beste Thermalbad, welches wir auf unserer Reise bisher hatten. Das Becken ist groß, tief genug und das Wasser ist herrlich warm. Der „Duft“ nach Schwefel ist allerdings etwas intensiver als anderswo.

Die Sonne lachte wieder vom Himmel und die Welt ist in bester Ordnung. Zweimal an diesem Tag gönnten wir uns das Vergnügen.

Zum Übernachten fuhren wir wieder an die Küste, denn dort ist es wärmer. Mit jedem Kilometer weiter landeinwärts wird es merklich kühler. Am südlichen Ende des Ortes Gizzeria Lido standen wir gut und ruhig. Das erste Mal auf dieser Reise können wir den Stromboli sehen, der sich im Dunst, der über dem Meer liegt, abzeichnet. Er liegt 89 Kilometer Luftlinie weit weg, trotzdem ist er gut zu sehen.

Vom Strand aus lassen sich auch die Flugzeuge beim Landen auf dem Airport „Lamezia Terme“ beobachten. Da der Flughafen sehr nah an der Küste liegt, kann man die Flugzeuge schon fast beim Überflug berühren.

Ansonsten gibt es außer einer schönen langen Promenade und dem Strand nichts weiter. Man genießt einfach die Ruhe und die Aussichten. Zu dieser Jahreszeit sind nur jede Menge Jogger und Walker unterwegs.

Kurz vor Sonnenuntergang raste ein größeres Boot auf die Küste zu. Die Bugwellen waren erheblich, wodurch uns das Boot überhaupt erst aufgefallen ist. Es war entweder die Küstenwache oder der Zool, das konnten wir nicht genau erkennen. Kurz vor der Küste drosselte es die Maschinen, fuhr kurz etwas langsamer und stoppte dann. Hier sind auch viele Hubschrauberüberflüge zu verzeichnen. Es sieht alles in allem so aus, als ob die Bucht ein beliebtes Schmuggelgebiet ist. Als die Sonne untergegangen und es später stockdunkel war, lag das Boot immer noch auf Lauer, und am linken Ufer der Bucht fuhr ein Auto mit Blaulicht lange Zeit hin und her. Ob die beiden etwas gefunden und oder sonst einen „Fang“ gemacht haben, wissen wir nicht. Irgendwann waren die Blaulichter nicht mehr zu sehen.

Übrigens: nach mehreren Versuchen und viel Bastelei hat Klaus endlich die Scheibenwischer am Wohnmobil in Gang gebracht. Das neue Wischergestänge hat nicht funktioniert, weil es etwas anders war. Deshalb mussten Teile vom alten und vom neuen Gestänge kombiniert werden. Uns ist ein Stein vom Herzen gefallen. Jetzt können wir auch wieder bei Regen fahren.

Paola

Wir folgen weiter der Küstenstraße ss18 und kommen so nach Paola. Wir fanden einen Parkplatz direkt am Strand, wo wir auch die Nacht verbrachten. Das Wetter ist nicht schön, es regnet sogar immer wieder.

Trotzdem wollten wir uns das Santuario di San Francesco da Paola, mit der Wallfahrtskirche des Franz von Paola, ansehen. Es liegt oberhalb der Stadt. Der Aufstieg zur Wallfahrtskirche erfolgt durch die Altstadt Paola´s, die man im Süden durch ein barockes Stadttor betritt.

Sofort fallen die vielen Kirchen auf (7 sollen es sein), und die vielen Bilder mit dem Heiligen und Schutzpatron Franz von Paola im Mittelpunkt. Er lebte in strenger, selbst auferlegter Askese und legte im 15. Jahrhundert den Grundstein für die heutige Anlage. Der Kreuzgang soll von ihm stammen. Dort drinnen wurden Rosen gepflanzt und es wächst eine wunderschöne Kamelie.

Franz von Paola werden mehrere Wunder und Heilungen zugeschrieben. Auf den meisten Bildern wird Franz von Paola mit einem großen Tuch und einem Stock dargestellt. In der Kirche steht unter solch einem Buntglasbild etwas von 1464 und der Straße von Messina. Er hat wohl einige Menschen vor dem Ertrinken gerettet und sie auf seinem Tuch an Land gebracht. So deuten wir das.

Vor dem Heiligtum endet der Pilgerweg, der dort hinführt. Dabei kommt man an mehreren Schreinen am Straßenrand vorbei.

Auf dem Gelände des Heiligtums, welches kostenlos zu besichtigen ist, stehen eine alte Kirche, ein noch älterer kleiner Turm mit Kuppel (der Ofen), die Unterkünfte der Mönche, und eine Art Schule. Ein Bogengang führt von diesem Turm aus zu einem kleinen Hof, in dem sich eine heilige Quelle befindet. Gleich daneben ist eine Fliegerbombe in einer Nische der Mauer ausgestellt, die 1943 auf die Anlage abgeworfen wurde, aber nicht explodierte.

Folgt man dem Weg weiter kommt man zur Teufelsbrücke, die hinter das Gelände führt. Von hier aus startet ein Weg entlang des Gebirgsbaches, der in mehreren künstlichen Stufen ins Tal donnert. Dort steht unbeachtet von den meisten Besuchern eine alte Zeder.

Auf dem Weg zum Kreuzgang liegt ein Stein auf einer Säule, darüber ein Bild, in dem der Stein mit einem kleinen, kranken Mann zu sehen ist. Eine Tafel erzählt, dass der Mann beim Tragen des Steines zu den Mönchen geheilt wurde.

Direkt an den „Ofen“ und die ehemalige Außenwand der heiligen Stätte, mit mehreren Bögen, schließt eine hypermoderne Kirche an, von außen und von innen.

Vom Vorplatz der Anlage gelangt man über einen Weg nach unten, zurück zur Stadt. Dort befinden sich die „Wundersteine“, die irgendwann aus den Felsen brachen.

Riviera dei Cedri

Scalea: Bei San Nicola Arcella kommt man sich fast wie in Cinque Terre vor. Die Steilküste hat mehrere versteckte Buchten ausgebildet, zu denen nur schmale Serpentinenstraßen hinunterführen. Wir waren zwar nicht dort unten, aber von der ss18 aus hat man hier und dort freien Blick zur Küste. Es ist einfach nur traumhaft.

Auf dem Stellplatz „Lido Zio Tom“ verbrachten wir einige ruhige Tage. Klaus versucht immer noch, den kaputten Scheibenwischer in Gang zu kriegen, aber es sieht schlecht aus.
Auf diesem Platz waren wir schon vor sechs Jahren, wegen des günstigen Preises. Inzwischen hat sich dort einiges geändert, aber der Londoner Doppelstockbus steht immer noch an der Einfahrt, der zu einem Pub umfunktioniert wurde, und der Preis ist immer noch akzeptabel.

Wir befinden uns an der Riviera dei Cedri, die sich bis hinunter nach Cetraro zieht. Es ist das italienische Zentrum der Cedri-Produktion. Cedri´s lernten wir in Sizilien kennen und sind von diesen Zitrusfrüchten begeistert. Es sind übergroße Zitronen, die eine sehr dicke Schale besitzen. Daraus wird das Zitronat hergestellt, welches wir z.B. für die Weihnachtsbäckerei kennen.

Von anderen Wohnmobilisten bekamen wir die Empfehlung in das Restaurant „Tokyo Sushi“ zu gehen. Es liegt in der Nähe des Stellplatzes und ist sehr interessant. Es wird ein „All you can eat“-Essen angeboten, welches 18,90€ kostet. Das ist zwar schon viel, aber es lohnt sich, denn es gibt kein Limit. Getränke und Desserts müssen allerdings extra bezahlt werden.

Die Besonderheit: Es gibt kein Buffet, sondern das Essen wird per Tablet bestellt, das an jedem Tisch hängt. Dort sucht man sich die Speisen heraus, Antipasti, Suppen, chinesisches Essen oder Sushi, und bestellt per Klick. Dann wird das Essen serviert, zumindest so lange noch nicht viele andere Gäste da sind. Da es kein Limit gibt kann man sich auch Sushi bestellen, welches in Holzschiffchen zu 30, 60, 90 oder 120 Stück auf den Tisch kommt. Pro Teil 1,-€, das heißt, ein 30 Stück-Schiffchen kostet 30,-€. Da sind die 18,90€ pro Person schnell überschritten. Und es wird alles sehr frisch zubereitet, wobei man auch zusehen kann, wenn man das möchte. Alles schmeckt super lecker. Wir können dieses Restaurant nur empfehlen.

Man sollte allerdings sehr früh kommen, denn das Restaurant ist schnell voll und dann sind die Angestellten ziemlich überfordert und es dauert ewig, bis man etwas bekommt.

Nahe der Altstadt von Scalea steht der Torre Talao, der einst Teil einer größeren Festung war, und auf eintausend Jahre Geschichte zurück blicken kann. Gegen eine Spende bekommt man eine Führung mit Aussicht.

Wir besichtigten die Altstadt, die sich einen Hügel hinaufzieht. Fast ganz oben steht die große Kirche „Madre di Santa Maria d´Episcopio“. Über allem stehen die Ruinen einer normannischen Festung. Viel ist davon nicht mehr übrig, aber man hat einen grandiosen Blick über Scalea.

Die Altstadt an sich ist eher zum fürchten, denn es ist vieles verfallen und vermodert. Nur ganz wenige Gebäude werden restauriert und wieder schön gemacht.

Da die Hänge des Hügels sehr steil sind, führen keine Gassen, sondern lange Treppen zu den Gebäuden. Hier gilt: alle Wege führen nach oben und alle Wege wieder hinunter, von den kurzen Sackgassen abgesehen.

Endlich haben wir gesehen, wie die Baubetriebe ihr Baumaterial über die Treppen bewegen. Dafür bauen sie kleine Rampen, die sie jeweils vor den Stufen positionieren. Es sieht jedenfalls alles sehr mühsam aus.

Hier und da werden Gästewohnungen angeboten. Keine Ahnung, wie die Gäste die Unterkünfte in dem Durcheinander finden sollen. Schön ist auf jeden Fall anders.

Diamante: Als zweiten Ort an der Riviera dei Cedri besuchten wir Diamante. Auf dem Weg dorthin führt die Straße fast immer etwas erhöht zur Küste durch die Landschaft, über unendlich viele Brücken und unzählige Tunnel, was sich bis nach Paola fortsetzt. Berge und tiefe Täler reichen hier vielerorts bis an die Küste heran, was die Tour spannend macht. Immer gibt es etwas Neues zu sehen. Links der ss18 ziehen sich einige Bergdörfer die Hänge größerer und kleinerer Hügel hinauf, andere Dörfer drängen sich in die Täler. Das sieht zwar sehr schön aus, aber wohnen möchten wir dort nicht. Es ist einfach zu schwierig, sich in den steilen Gassen zu bewegen.

Wenn man Diamante von Norden her anfährt, baut sich ein weiterer Hügel mitsamt der Altstadt auf. Davor kommt ein Fluss aus den Bergen. Mehrere Brücken ermöglichen es, auf die andere Seite zu kommen.

Diamante ist die Stadt der Murales (Wandgemälde) und des Chilli. Leider sind die meisten alten Wandgemälde inzwischen zerstört, da der Putz oft von den Wänden fällt. Inzwischen sind viele neue, meist moderne Bilder dazu gekommen.

Hier lohnt es schon, durch die Gassen zu schlendern. Es sind auch hier viele Ruinen zu sehen, aber es wurde auch viel erneuert und schön gestaltet. Selbst in vielen „Ruinen“ haben wir bewohnte Räume gesehen. Gerade ein paar Meter gegenüber der im Inneren wunderschönen Kathedrale steht solch eine Ruine. Wie ein Schachbrett ist die eine Wohnung erneuert und bewohnt, die nächste verfallen. Schwer vorzustellen, wie es sich dort drinnen wohnen lässt.

Eine Gasse unterhalb der Kathedrale weist ein kleines Schild zu einem Mosaik. Dem folgten wir und fanden mehrere, sehr schöne Mosaiken, die eine große Wand schmücken.

Südlich der Altstadt lädt eine schöne Promenade zu bummeln ein, die auch einen Blick die Küste entlang weiter nach Süden erlaubt. Felsige Kap´s und Strände wechseln sich ab. Es ist eigentlich alles Urlauberland.

Kurz nachdem der Fluss Lao ins Meer fließt bietet das Obst- und Gemüsegeschäft „Agricola Valle Lao“ sehr gute, selbstgemachte Spezialitäten zu sehr vernünftigen Preisen an. Vor allem die Spezialitäten aus den Cedri-Zitronen sind hier hervor zu heben.

Bei Marina di Santa Maria del Cedro gibt es ein „Cedri-Museum“. Leider ist es im Winter geschlossen. Es hätte uns sehr interessiert.

Praia a Mare

Das Wetter ist wieder besser, und es ist nicht mehr so kalt. Wir befinden uns jetzt am Golfo di Policastro. Praia a Mare liegt an einem kilometerlangen Strand. Links blickt man zum Punta degli Infreschi, rechts zur Dino-Insel. Umrahmt wird alles von Bergen, die im Hinterland Schnee tragen.

Eine Nacht verbrachten wir am Lido Florida. Der Fuß- und Radweg, der den Strand abschließt, ist von Palmen gesäumt, was den breiten Strand noch besser wirken lässt.

Am nächsten Tag zogen wir zum Parkplatz direkt vor der Dino-Insel um. Es ist einer der besten Plätze, die wir je angefahren haben: sehr viel Platz, Palmen, die Dino-Insel mit vorgelagerten Felsen, zwei Grotten und kleinen Trulli´s drauf, und der Torre di Fiuzzi, ein alter viereckiger Wehrturm mit gewaltigen verwitterten Basaltfelsen an dessen Fuße.

Im Hintergrund ziehen sich die Wohnhäuser die Berghänge hinauf. Auf einer der Hügel steht das Castello Fiuzzi. Es ist eine traumhafte Kulisse.

Der Sonnenuntergang war wieder einmal etwas Besonders.

Und: Wo findet man in Italien einen schwarzen Strand? Südlich des Torre di Fiuzzi. Zwar sind die Felsen hier alle vulkanischen Ursprungs, aber die Felsbrocken vor der Dino-Insel und unterhalb des Turmes sind reiner Basalt. Nördlich des Turmes ist der Sand/Kies grau, südlich schwarz, merkwürdig diese Trennung. Man findet also auch in Italien Überraschungen.

Das erinnerte uns gleich an die Strände auf Lanzarote. Dort findet man mit etwas Glück die grünen Edelsteine Olivin, auch Peridot genannt. Hier ist es kein Olivin, aber das grüne Strandglas sieht fast genauso aus.

 

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