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Archiv für die Kategorie “Sizilien”

Giardini-Naxos

Antike Quellen berichten, dass Naxos 734 v.Chr. als erste griechische Kolonie auf sizilianischem Boden gegründet wurde. Schon 403 v.Chr. zerstörte der Tyrann Dionysius I. aus Syracus diese Kolonie. Heute nimmt das Archäologische Museum von Naxos einen großen Teil dieser alten Siedlung ein. Für 4,-€ Eintritt kann man sich über die Geschichte von Naxos informieren und über die alten Grundmauern, die allerdings zumeist unter Erde und Vegetation liegen, spazieren gehen.

Verteidigungsmauer von Naxos

Im 12. Jahrhundert war Naxos ein bedeutender Handelshafen, in dem die Schiffe aus und nach Messina kommend Zwischenstopps einlegten. Hier wurden auch Waren aus dem fruchtbaren Hinterland von Giardini-Naxos umgeschlagen.
Seit dem 13./14. Jahrhundert diente eine Festung am Kap Schisó in Naxos mit Beobachtungstürmen dem Schutz der Küste Siziliens, um sich gegen die Angriffe von Mittelmeerpiraten, aus Nordafrika kommend, zu schützen. 1566 wurde diese Festung zerstört und musste wieder aufgebaut werden. Die Festung am Kap Schisó arbeitete z.B. mit der Festung im benachbarten San Marco zusammen. Die Verbindung zwischen den beiden Festungen hielten mehrere Beobachtungstürme, wie der Vignazza-Turm am Kap Schisó. Die Verständigung erfolgte durch Rauch oder Feuer, so dass sich die Festungen über drohende Überfälle gegenseitig informieren konnten. Der Vignazza-Turm gehört heute gemeinsam mit dem alten Fort und der Verteidigungsmauer ebenfalls zum Archäologischen Museum von Naxos. Als die Franzosen 1830 Algier eroberten, hörten die Überfälle der Mittelmeerpiraten auf Sizilien auf.

Vignazza-Turm

Das Wohnhaus der Festung, direkt auf einem Lavafluss errichtet, befindet sich am Rand der Schisó-Bucht. Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Seite zur Promenade herausgeputzt und mit Balkonen versehen. Leider ist von der einstigen Pracht kaum noch etwas übrig. Reiche Familien aus verschiedenen Gegenden waren über die Jahrhunderte Besitzer des Wohnhauses.

ehemaliges Wohnhaus der Festung Naxos

Auf der Piazza Apollo Archegeta in Naxos, in der Nähe des Flusses Venera, befand sich ein großes antikes Heiligtum. Sehr viel konnte bei den Ausgrabungen in der Neuzeit nicht mehr zutage gefördert werden, weil die wilden Fluten der Venera das noch zerstört hatten, was die Zeit übrig gelassen hatte. Es erinnert nur eine Tafel mit Lageplan an die antike Stätte. Eckige grüne Anlagen, wahrscheinlich die Lage der religiösen Gebäude kennzeichnend, werden von Freiflächen mit Gehwegplatten umgrenzt. Das Heiligtum widmete man der blutdurstigen Göttin Enyó, die als böser Geist von den Menschen Besitz ergreifen konnte. Sie hielt in der griechischen Mythologie eine enge Verbindung zum Kriegsgott Ares. Wir hatten bisher noch keinen griechischen Tempel für böse Götter kennengelernt.

Das ist in etwa die Geschichte von Naxos. Heutzutage bildet Naxos einen Teil von Giardini-Naxos an der Schisó-Bucht. Der lange Sandstrand, durchsetzt mit Lavabrocken, ist ein beliebtes Ziel für Sommertouristen. Die Stadt hat sich zum Badeort schlechthin gemausert, mit Hotelvierteln wie Recanati. In der warmen Jahreszeit werden viele Aktivitäten wie Ausflüge zum Ätna, Bootsausflüge oder Wassersportmöglichkeiten angeboten. Im Winter ist es da sehr ruhig. Jetzt kann man in Ruhe durch die Gassen oder am Strand entlang spazieren. Von vielen Stellen aus ist der Ätna zu sehen. Mehrere Kunstwerke schmücken den Uferbereich. Am südlichen Ende des Kap Schisó befindet sich der Hafen, dahinter eine Aussichtsplattform, die sich auf dem Ende eines 8000 Jahre alten Lavaflusses ausbreitet. Am nördlichen Ende wird die Bucht vom Kap Taormina abgeschlossen.

Kap Schisó

Zum Überwintern ist Giardini-Naxos ideal, denn es wird von den Bergen Siziliens vor Wetterunbilden geschützt. Es herrscht weniger Wind, so dass das Klima ruhiger und wärmer als auf dem Rest der Insel ist. Die Landschaft ist interessant. Es gibt die Berge, den Vulkan, das Meer und viele interessante Orte, die es zu erkunden gilt.

Gruß an das alte Naxos

Wir stehen auf dem Womo-Stellplatz Aurora. In fast unmittelbarer Umgebung existieren noch ein Campingplatz und der Womo-Stellplatz Eden-Parking. Die Winter-Gebühren liegen zwischen 7,-€ und 10,-€. Nach den Rabattstaffelungen muss man bei der Ankunft beim Betreiber fragen.

 

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Ätna Nordhang

Als wir die Südseite des Ätna besuchten waren wir schon begeistert. Die Nordseite ist noch viel schöner, weil interessanter. Die Auffahrt nach Piano Provenzana beginnt in Linguaglossa. In vielen Serpentinen und oft großen Steigungen windet sich die Straße den Hang des Vulkans hinauf. Den ersten Stopp legten wir bei Rifugio Ragabo ein. Fünfzig Meter vor dem Parkplatz führt ein Fußweg rechts in den Wald, zur Grotta di Corruccio. Der Weg ist nur 250m weit. Am Ende steht man auf einem Lavatunnel. An zwei Stellen ist die Decke nur ein kleines Stück eingebrochen, so dass es aussieht, als wären das Eingänge zu Höhlen. Am Ende des Tunnels ist die Decke komplett verschwunden und eine Art Kanal führt talwärts. Die Aussicht von hier in Richtung Taormina und das Meer ist wunderschön.

Lavatunnel

Immer weiter geht es nach oben, bis sich der Kiefernwald, der den Hang bedeckt, endet. Einige Picknick-Plätze wurden bis dorthin angelegt, von denen Wanderwege ausgehen. Der lichte, jetzt herbstliche Kiefernwald ist von Eichen und Buchen durchsetzt.
Hat man den Wald hinter sich gelassen, ist der Blick auf die nördlichen Gipfel des Ätna frei. Außerdem durchquert man gleich einen breiten schwarzen Lavafluss. Schwarze Bröckellava, einzelne grüne Bäume und der Schnee des Ätna bilden zusammen eine fantastische Kulisse. Kommt am frühen Vormittag dort an und die Sonne spielt mit, ist die Beleuchtung optimal und setzt das Bild bestens in Szene.

hinter dem Kiefernwald

Das nächste Ziel ist Piano Provenzana auf ca. 1800m Höhe. Diese Anlage wurde auf dem Lavastrom von 2002 errichtet. Die Souvenirbuden sind geschlossen, Parkgebühren will keiner haben und man ist fast alleine mit dem Vulkan. Von hier starten mehrere Wanderwege, z.B. zum Monte Nero. Die Schranke kann man ignorieren, außer bei akuten Ausbrüchen. Mit festen Schuhen ist der Weg nach oben gut zu bewältigen. Immer wieder führt der Weg über Lava. Links vom Weg kommt man bald an einem verschütteten Haus vorbei, gegenüber ist der Rest eines Mastes noch zu sehen, den die Lava seinerzeit umgestoßen und teilweise begraben hat. Man weiß gar nicht, wo man zuerst hinsehen soll, denn man ist von einer Fülle von schönen Motiven umgeben. Nach etwa der Hälfte des Weges drehten wir um und gingen zum Parkplatz zurück.

Fotomotive überall auf dem Weg

Ein Stück weiter hinten startet der Skilift und der Wanderweg zum Hauptkrater des Ätna. Der Weg zum Monte Conca lohnt sich nicht. Das war wohl vor Urzeiten ein Krater, aber der Berg ist nicht mehr als solcher zu erkennen und vollkommen bewaldet.
Dann ist die Straße zu Ende und man muss wieder zurück auf die Ringstraße, um nach Sant Alfio weiter zu fahren. Auf der zweiten Abfahrt nach rechts kommt man zum Rifugio Citelli, das auf 1741 Metern Höhe liegt. Das Restaurant hat wohl über den Winter geschlossen und auch sonst ist nicht viel los auf diesem Platz, aber von hier aus hörten wir, wie der Vulkan arbeitet. Dumpfe, kurze und fauchende Geräusche drangen von den Hauptkratern herunter. Die Rauchwolken, die am Vormittag noch ganz weiß waren, nahmen jetzt eine schmutzige Farbe an. Werden wir heute Abend wieder kleine Eruptionen sehen?

dieser nördliche Krater spukt seit ein paar Abenden Feuer und Lava

Vom Rifugio Citelli geht es fast immer abwärts. Die Serpentinenstraße verbindet weiter unten viele kleine Siedlungen miteinander, so wie am ganzen unteren Hang rund um den Vulkan. Immer wieder wurden alte Lavaströme durchstochen, die inzwischen mit Flechten bewachsen sind, um die Straße bauen zu können. Während viele dieser Ströme irgendwo am Hang enden, floss einer von ihnen bis nach Giarre. Das sieht man sehr gut vom Parkplatz in Höhe des Ortseingangsschildes von Sant Alfio aus.

Lavafluss nach Giarre

In Sant Alfio selbst gibt es eine Sehenswürdigkeit anderer Art. Sie ist nicht bei Google zu finden, aber Hinweisschilder im Ort führen dorthin. Es ist ein Baum, der sich „Kastanie der 100 Pferde“ nennt. Der Hinweis kam gerade gestern von einem österreichischen Paar, die mit ihrem Wohnmobil auch eine Zeit auf dem AuroraParking in Naxos verbringen wollen.
Die gewaltige Kastanie schätzt man auf 3600-4000 Jahre alt. Sie ist so alt, dass von dem ursprünglichen Baum kaum noch etwas übrig ist. Was heute zu sehen ist, sind Seitentriebe aus dem Urbaum. Der Umfang des Stammes, der eigentlich keiner mehr ist, misst 22 Meter, die Höhe beträgt ebenfalls 22m. Es ist somit der älteste Baum in Europa und der größte Baum Italiens. 1965 wurde die Kastanie als Nationales Monument deklariert und 2006 in das UNESCO-Erbe aufgenommen. Woher kommt der Name des Baumes? Eine Legende erzählt, das die mysteriöse Königin Gióvanna I de`Angio, die mitsamt ihren 100 Rittern und genauso vielen Pferden unterwegs war, unter dieser Kastanie Schutz vor einem plötzlich ankommenden Sturm Schutz fand. Das muss sich in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts zugetragen haben. Ein Besuch des uralten Baumes ist in jedem Fall interessant.

wahrscheinlich 4000 Jahre alte Kastanie

Bisher habe ich noch nicht erwähnt, dass das gesamte Vulkanmassiv des Ätna ein Naturpark ist, der von einer Ringstraße umschlossen wird. Auch eine Bahnlinie führt am Fuße des Berges entlang, die man für eine entspannte Rundfahrt nutzen kann.

Ätna Südhang

Seit eineinhalb Wochen blicken wir jeden Tag auf den Ätna und warten darauf, seine Südflanke zu erobern. Eine Woche lang hatte sich der Vulkan jetzt in Wolken gehüllt, aber für unseren Ausflug wollten wir makelloses Wetter haben. Gestern klappte es. Man muss sich allerdings relativ früh auf die Socken machen, denn gegen Mittag kommen die ersten Wolken, die sich im Laufe des Tages weiter verdichten. Äußerst selten ist der Ätna den ganzen Tag wolkenlos.

Blick auf den Ätna von unserem Stellplatz in Giardini-Naxos aus

Der größte Vulkan Europas, der dazu bis heute tätig ist, stand schon seit Jahrzehnten auf meiner To-Do-Liste. Jetzt durfte ich endlich den Berg der Berge, wie die Sizilianer ihn nennen, erklimmen. Sein höchster Krater liegt auf einer Höhe von ca. 3300m. Das ändert sich bei jedem Ausbruch. Ein Erlebnis ist der Besuch des Ätna in jedem Fall. Es stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung, zum Gipfel des Ätna zu gelangen. Je komfortabler, umso teurer. Die Betreiber der einzelnen Angebote sind bei ihren Preisen keineswegs zimperlich. Jeder will eben den Ätna sehen oder gar dem Gipfel möglichst nahe sein.
Wir fuhren von Giardini-Naxos aus nach Giarre, um dort in Richtung Zafferana Etnea abzubiegen. Von dort aus führt eine Straße in vielen Serpentinen zur Liftstation Rifugio Sapienza. Immer höher klettert die Straße, so dass im Dunst kaum noch Meer und Land auseinander gehalten werden können. Es ist Herbst am Ätna, was man sonst in Sizilien kaum mitbekommt. Das Laub der Bäume färbt in der Sonne die Hänge des Vulkans herrlich bunt. Immer wieder zweigen Zufahrten zu Gästehäusern und Hotels von der Straße ab, von denen aber jetzt viele geschlossen sind.

auf dem Weg zu Europas höchstem Vulkan

Kurz vor Rifugio Sapienza erhält man die Möglichkeit, den Silvestri-Krater zu Fuß zu umrunden, was kostenlos ist. Dieser liegt auf über 1900m Höhe. Der Krater ist nicht tief und nicht groß, schon gar nicht mehr aktiv, aber die Kulisse rundherum ist wunderschön. Die Lava und der Bimsstein auf den sichtbaren Hängen leuchten in verschiedenen Farben. Das erinnerte uns sofort an die Vulkanlandschaften Lanzarotes.

am Silvestri-Krater

An der gegenüberliegenden Straßenseite erhebt sich ein weiterer Krater. Der Krater Silvestri Superiore ist um einiges höher, aber ebenfalls kostenlos zu besteigen. Von dort oben soll man einen tollen Ausblick haben. Unser Ziel war jedoch der Gipfel des Ätna.

Was für alle Wege am Vulkanhang gilt, ist, dass man festes Schuhwerk dabei haben muss, denn die Lava und der Bimsstein sind scharfkantig. Sehr zu empfehlen ist warme Kleidung, da der Wind um den Vulkan kalt und schneidend weht.

Insgesamt besteht für ganz harte Wanderer die Möglichkeit, den Aufstieg vom Rifugio Sapienza über die ganze Länge zu Fuß zu bestreiten. Damit geht man den horrenden Preisen der Beförderungsmittel aus dem Weg. Der Aufstieg ist durch das lose Material sehr anstrengend und dauert mind. 5 Stunden. Dazu kommt die Höhe von 2000 bis über 3300m. Es ist kein Spaziergang.

Rifugio Sapienza

Wir entschieden uns für die Liftfahrt (30,-€ hin und zurück) zum Terminal Funivia auf 2500m Höhe. Dabei überquert man den Lavastrom vom Ausbruch 2002/03, der später links von Weg liegt. Auf den älteren Lavaflüssen wachsen schon Flechten und niedrige Pflanzen. Weite Teile der Lava- und Bimssteinfelder liegen jedoch immer noch blank. Auf der rechten Seite befinden sich sieben Krater, fast wie an einer Kette aufgereiht. Das sind die, die man vom Lift aus sieht. Dahinter befinden sich anscheinend weitere Krater.

Lift zum Terminal Funivia

In Funivia angekommen verließen wir das Gebäude und waren froh über unsere warme Kleidung. Wer es versäumt diese mitzunehmen, der hat die Möglichkeit sich eine warme Jacke für 6,50€ auszuleihen.
Von der Station aus starten nun Geländebusse, die die Gäste für 25,-€ zur nächsten Station Torre del Filosofo auf 2920m bringen. Wer möchte, kann die Strecke aber auch wandern. Wer dann noch bis zum Rand des Kraters will, muss sich einen Guide für 9,-€ nehmen und ist noch einmal 1,5 Stunden dorthin unterwegs. In verschiedenen Blogs habe ich gelesen, dass es auch möglich ist den Krater ohne Guide zu erreichen. Es wird wohl nicht kontrolliert, obwohl man eine Sperrzone betritt. Der Spaziergang geht allerdings voll auf eigenes Risiko, sollte irgendetwas passieren.
Für uns war am Terminal Funivia Schluss. Von dort aus ist der Krater zu sehen, der für den Ausbruch 2002/03 verantwortlich war und auf den mehrere Wanderwege führen. Von dort oben sieht man ganz sicher die Hauptkrater des Ätna. Richtig, davon gibt es mehrere.

Blick vom Terminal Funivia nach oben


Wir begnügten uns mit einer kurzen Wanderung weiter den Hang hinauf, um wenigstens einen kleinen Blick auf die Hauptkrater zu erhaschen, aus denen es fast immer dampft, manchmal auch qualmt. Reste der nächtlichen dünnen Schneedecke lagen noch auf den schmalen Wegen und glänzten in der Sonne. Im Winter fallen auf dem Ätna mehrere Meter Schnee. Dann fahren wohl auch die Geländebusse nicht mehr. Der Lift funktioniert auch nur, wenn es das Wetter zulässt.
Es ist ein großartiges Erlebnis, dem Berg der Berge, dem Vulkan Ätna, so nahe zu sein. Man kann sich dort oben frei bewegen und seiner Neugier freien Lauf lassen. Es gibt keine festgelegten Wege, jeder kann laufen wo immer er auch möchte und die Vulkanlandschaft genießen.

Hauptkrater des Ätna

Beeindruckt und mit tollen Bildern im Kopf fuhren wir mit dem Lift wieder nach unten, wo die Auslagen etlicher Souvenirbuden auf Käufer warten. Neben jeder Menge Nippes werden auch Schmuck und Skulpturen aus Lava angeboten.
Der Parkplatz kostet übrigens 1,20€ die Stunde oder 3,50€ einen halben Tag. Den Rückweg nahmen wir auf der Straße nach Nicolosi, die sich in Serpentinen nach unten schlängelt. Jetzt bekommt man erst den richtigen Eindruck, was es heißt, wenn der Ätna ausbricht. Die Hauptrichtung der Lavaströme liegt genau in dieser Richtung, an deren Ende sich Catania befindet. Die Farbe der einzelnen Lavaströme lässt erkennen, in welcher Reihenfolge sie geflossen sind. Die jüngsten von ihnen sind noch ganz schwarz. Der gesamte Hangabschnitt ist von Lava bedeckt. Hin und wieder sieht man Teile von Häusern aus der Lava ragen, die unter ihr begraben wurden. Die Stimmung wird nachdenklich. Wie müssen sich die Menschen fühlen, wenn sich solch ein manchmal mehrere Meter hoher Lavastrom auf sie und ihr Haus zubewegt. Um manche Häuser hat die Lava scheinbar einen Bogen gemacht, wie immer die Leute das auch geschafft haben. In jeden Fall lehrt der Ätna dann das Fürchten.

dieses Haus wurde vom Lavastrom begraben

Der Ätna ist normalerweise kein explosiver Vulkan mehr, der bei seinen Ausbrüchen mit Lavabrocken um sich schmeißt und große Ascheregen verursacht. Es bleibt nur bei den Lavaströmen, die relativ zäh sind und sich nicht rasend schnell vorwärts bewegen. Es gibt natürlich den seltenen Fall, dass sich ein neuer Krater öffnet. Dann kann es allerdings schon einmal sein, dass es Lavabomben regnet. Nach jedem Ausbruch heißt es aber, Lifte und Straßen freizulegen und zu erneuern. Wahrscheinlich ist diese Tatsache für die hohen Preise am Vulkan verantwortlich.

Alcantara-Schlucht

Eine grandiose Szenerie bietet der Naturpark „Gole Alcantara“ (Eintritt im Winter pro Person: 6,-€), zwischen Giardini-Naxos und Francavilla di Sicilia gelegen. Der Fluss Alcantara hat sich an dieser Stelle in drei übereinanderliegende Lavaflüsse gegraben, deren Entstehung vor 8000 Jahren begann. Die Aussichtsplattform am Hafen von Naxos, am Capo Schisó, wurde auf dem Ausläufer des ältesten Lavastromes gebaut.
Die Schlucht ist bis zu 30 Meter tief und sehr sehenswert. Den oberen Eingang zur Schlucht bildet die Quelle der Venus. In diesen Pools soll die Göttin Venus gebadet haben. Ihr Geliebter, der Vulkangott, hatte extra für sie das Wasser erwärmt, damit das Bad recht angenehm ist. Irgendwann betrog Venus ihren Geliebten, der dann das Wasser des Alcanara-Flusses wieder erkalten ließ.

„Pool der Venus“, Eingang zur Alcantara-Schlucht

Am Balkon „Quelle der Venus“ beginnt der schmalste und höchste Teil der Schlucht, der sehr kurvenreich ist. Basaltsäulen in vielen Formen, die da Namen wie „Holzstapel“, „Harfen“, „Rosetten“ und „Orgelpfeifen“ tragen, säumen den Weg des wilden Wassers. Das allerbeste Bild der Schlucht findet man am Aussichtspunkt „Der Aufruhr von Vulkano“.

„Der Aufruhr des Vulkano“

Da es vor ein paar Tagen heftig und anhaltend geregnet hat, fließt jetzt entsprechend viel Wasser durch die Schlucht. Das heißt auch, dass sämtliche Zugänge nach unten, an den Strand und zum Eingang der Schlucht, geschlossen sind. Im Sommer starten dort unten Touren durch den Grund der Schlucht. Von oben sieht das alles schon gigantisch aus, aber von unten muss das unfassbar sein.
Es gibt noch weitere Balkone, von denen aus man in die Schlucht sehen kann und man immer wieder andere Einblicke erhält. Ich will jetzt nicht weiter darüber schreiben, da ich sowieso kaum ausdrücken kann, was die Natur hier in der Alcantara-Schlucht geschaffen hat, ich lasse einfach mal die Bilder sprechen.

Ausgang der Alcantara-Schlucht

Der Park „Gole Alcantara“ bietet jedoch noch einiges mehr. Es ist gleichzeitig ein Botanischer Garten. Im Multimediasaal und in Ausstellungsräumen wird gezeigt, wie die Schlucht entstand. Ob diese jetzt im Winter geöffnet hat, wissen wir nicht, da wir sie nicht besucht haben. Ein Glamping-Platz gehört auch zum Park, im Winter geschlossen.
Nach Berichten von Mitreisenden ist der Zugang „Comunale“ ein paar hundert Meter weiter in Richtung Francavilla kostenlos. Wir wissen es nicht, da wir es dort nicht versucht haben.

Eigentlich wollten wir noch ein Stück am nördlichen Hang des Ätna hochfahren. Deshalb nahmen wir den Rückweg nach Naxos über Francavilla und der auf einem Berg gelegenen Stadt Castiglione di Sicilia. In Castiglione lohnen einige Stopps, denn die Aussicht auf das sizilianische Hinterland ist wunderschön. Obst und Wein gedeihen auf den Lavahängen prächtig. Überall stehen kleine Händler mit ihren kleinen Lastwägelchen, zumeist Piaggios AP 50, und verkaufen, was sie geerntet haben. Die Preise liegen um 1,-€ pro Kilo, egal was.

Castiglione di Sicilia

Von Rovitello aus sind es noch 19 Kilometer bis nach Etna-Nord. Da sich der Vulkan heute mehr oder weniger in Wolken hüllte, lohnte die Auffahrt nicht. Trotzdem fuhren wir wenigstens noch die 1,5km den Hang hinauf, wo es eine weitere Straße gibt, die wenig später wieder zurück nach Linguaglossa führt. Allein dieser kurze Weg entführt in die Lavawelt, die der Ätna vor langer Zeit hinterlassen hat. Bäume, die ums Überleben kämpfen, und Gestrüpp sind in den Lavaflüssen noch zu finden. Die Lava sieht aus, als lägen Millionen kleiner Steinbälle in der Gegend herum, die große Berge bilden. In den USA lernten wir diese Lava als AA-Lava kennen, ich nenne sie Bröckellava. Wenn man einen der kantigen Bälle anhebt, stellt man fest, das die Lava sehr schwer ist.

Lava am Nordhang des Ätna

Jetzt haben wir einen kleinen Eindruck bekommen, wie es am Ätna aussieht. Wir werden bei sonnigem Wetter auf jeden Fall noch einmal den Südhang hinauffahren, der allerdings der Hauptweg für die Touristenbusse ist. Wir sind sehr gespannt.

Zyklopenküste

Die Küste um Acireale nennt man auch die Zyklopenküste. Einstige Lavaströme gelangten bis an das Meer heran und bilden heute eine bizarre Küste, mit vielen spitzen Felsen, die einzeln oder in Gruppen vor der Küste stehen. Der Sage nach, wobei wir wieder bei der Odyssee wären, lebte der einäugige Riese Polyphem an den Hängen des Ätna. Er hielt Odysseus und seine Gefährten gefangen. Mit List gelang es Odysseus, Polyphem zu blenden und zu fliehen. Aus lauter Wut schleuderte der Riese große Felsen Odysseus hinterher. So liegen sie heute immer noch dort, wo sie niedergefallen waren.

Lavabrocken bestimmen die Zyklopenküste

Das Zentrum der Zyklopenküste ist Aci Trezzo. Dort liegen gleich hinter der Hafenausfahrt die Isole die Ciclopi, die Zyklopeninseln. Die meisten von ihnen ragen als spitze, schwarze Lavabrocken aus dem Meer. Nur die größte der Inseln ist bewohnt. Die Inseln und das Wasser drumherum sind als Meeresschutzgebiet ausgewiesen. Die auf einer Halbinsel liegende Altstadt ist von einer breiten Promenade eingerahmt. Von dort aus lässt sich die Aussicht auf die Lavaküste gut genießen. Selbst die Häuser an der Wasserkante sind in einem guten Zustand, was in Sizilien nicht eben selbstverständlich ist.

Zyklopeninseln vor Aci Trezzo

Gleich südlich von Aci Trezzo schließt sich das schön gestaltete Kap von Aci Castello an. Die kleine normannische Festung, die auf dem Ende einer Lavazunge aus dem Jahre 1169 steht, ist über das Winterhalbjahr geschlossen. Sie beherbergt ein kleines Museum. Auch hier lässt es sich trefflich an der Promenade, die über einer schwarzen Steilküste liegt, bummeln. Wenn man an der Festung vorbeischaut, sieht man in einiger Entfernung Aci Trezzo mit den Zyklopeninseln.

Piazzo Castello mit dem Castello Svevo in Aci Castello

Ein wahres Kleinod ist der Hafen von Santa Maria la Scala. In die kleine Bucht laufen unverhältnismäßig große Wellen ein, und das im Zeitlupentempo und sehr geräuschvoll. Die hohe Steilwand hinter der Bucht bricht das Geräusch der Wellen und wirft es zurück. Es gibt kaum Touristen, die nicht begeistert von diesem Szenario sind.

Santa Maria la Scala

Links von der Bucht liegt der kleine Fischerort, der sich den Hang hinaufzieht. Rechts baute man eine Aussichtsplattform. Hier ist die Straße zu Ende und man blickt nach Süden, entlang der rauen, schwarzen Steilküste.
Als letztes Haus steht eine alte Mühle. Etwas links davon kommt man zu einem Wasserfall, der die Mühle einst antrieb. Heute wird das herabstürzende Wasser durch Rohre geführt. Nur ein Teil des Wasser erreicht rauschend das Meer. Umgeben ist der Wasserfall, wie der gesamte Hang, von dichtem südländischen Urwald.

die Gischt kriecht an der Steilküste aus Lava nach oben

Es ist ein grandioser Anblick nach beiden Seiten der Aussichtsplattform. Anschließend spaziert man durch die Gassen von Santa Maria la Scala, bis hin zur Mole. Aus diesem Winkel stellt sich der Ort, mit den vielen kleinen Booten davor, noch einmal anders dar. Es hat uns ausnehmend gut dort gefallen und es ist ein echter Geheimtipp. Es führt nur eine kleine kurvige Straße hinunter zu den Parkplätzen.

der kleine Hafen von Santa Maria la Scala

Auf der Hintour fuhren wir auf der ss114 entlang. Man darf keine zwei Sekunden woanders hinsehen, denn ständig muss man ausweichen, anhalten oder sonst wie reagieren. Deshalb folgten wir auf der Rücktour nach Giardini-Naxos der kleinen Küstenstraße. Hier geht es ruhiger zu. Teilweise ist die kleine Straße geräumiger als die Fernstraße. Man hat also Zeit, sich die Gegend anzusehen und die Aussichten zu genießen. Zitrusplantagen, Baumschulen und Gewächshäuser sind die Hauptzutaten auf der Strecke.

Hafen von Stazzo

Bei Santa Tecla und Stazzo bogen wir noch einmal ans Meer und zu den kleinen Häfen ab. Überall zeigt sich die schwarze Lava. Bei Santa Tecla zeigt sich weit oben im Hang das Ende einer Lavazunge, in der mehrere Höhlen, besser gesagt: Lavablasen, zu sehen sind.

das Ende einer Lavazunge

In Riposto mit dem „Hafen am Ätna“ legten wir eine letzte Pause ein. Der Hafen ist gleichzeitig der Hafen der großen Stadt Giarre. Entsprechend groß ist der Hafen und zahlreich sind die Boote in allen Klassen.

Uferstraße von Riposto

Langsam ziehen wieder dunkle Wolken über dem Ätna auf und wir müssen sehen, dass wir zum Stellplatz in Naxos zurückkommen. Von Riposto in Richtung Giardini-Naxos zieht sich ein endloser Strand an der Küste entlang. Nach der Zyklopenküste ist das richtig langweilig.

Taormina

Den Namen Taormina kennt wohl jeder, der sich schon einmal mit Sizilien beschäftigt hat. Man nennt Taormina auch die „Perle Siziliens“. Die Altstadt befindet sich auf einem Plateau am Hang des Monte Tauro, in 200 Meter Höhe über dem Meer. Man kann entweder über zwei Straßen in die Stadt gelangen, oder mit dem Aufzug von Mazzaró aus. Dieser ist jedoch seit dem 5. November bis auf unbestimmte Zeit wegen Wartungsarbeiten geschlossen.

Kap Taormina von Giardini-Naxos aus

Wenn man mit dem eigenen Auto nach Taormina fährt, ist es sehr schwer einen Parkplatz zu finden, denn die sind Mangelware. Besser fährt man mit dem Linienbus nach oben. Das Zentrum der Altstadt ist die Fußgängerzone Corso Umberto, die von den Stadttoren Porta Messina und Porta Catania begrenzt wird. Der Corso Umberto ist knapp einen Kilometer lang. An vielen Stellen zweigen pittoreske enge Gassen ab, teilweise mit Treppen, um die Höhenunterschiede zu überwinden. Neben mehreren Kirchen und Palazzi finden die Touristen Souvenirgeschäfte, Spezialitätenläden, Cafés und Restaurants.

Via Timoleone

Vom Porta Catania in Richtung Porta Messina spaziert man knapp vor der Mitte des Weges durch den Uhrenturm, nach dem sich die Piazza 9. Aprile öffnet. Von dort aus bietet sich ein wunderschöner Blick auf die Küste.

Piazza Duomo

Von der Piazza Vittorio Emanuele gehen drei Straßen ab. In der linken Straße findet man nur ein paar Meter weiter das Odeon, das alte römische Theater. Es ist nur teilweise freigelegt und wird kaum von jemandem beachtet.

Odeon

In der Verlängerung des Corso Umberto steht das Porta Messina. Wendet man sich nach rechts, gelangt man zum berühmten Teatro Antico, oder auch Teatro Greco genannt, ein Amphitheater. Biegt man vor dem Palazzo die Congressi nach links ab, steht man bald vor den Resten der römischen Therme. Ursprünglich ein öffentliches, griechisches Gebäude, bauten es die Römer wahrscheinlich im 1. Jahrhundert n.Chr. zu einer Therme um.

römische Therme

Will man das Teatro Antico besuchen werden 10,-€ Eintritt fällig, zuzügl. Plan und Audioguide für 5,-€, was fakultativ ist. Für die noch vor Kurzem verlangten 6,-€ für den Eintritt hätten wir uns das Theater angesehen, zumal es für seine herrliche Kulisse mit dem Ätna im Hintergrund berühmt ist. Zudem soll es eines der schönsten antiken Theater weltweit sein. An gleicher Stelle stand bis zum 2. Jahrhundert v.Chr. ein kleines griechisches Theater. Daher der Beiname Teatro Greco, bis es die Römer überbauten. Erst im 2. Jahrhundert n.Chr. errichteten die Römer dieses große Amphitheater.

Eingang zum Teatro Antico

Auch ein schönes Ziel ist der Stadtgarten unterhalb des Teatro Antico. Die Anlage des Gartens erinnert etwas an arabische Einflüsse, die Gebäude aus den typischen flachen Ziegeln der Römer, sowie Natursteinen, sehen wie eine Mischung aus orientalischen Bögen und chinesischen Pagoden aus. Zwischen der exotischen Bepflanzung und den Aussichten auf das Meer und die Küste kann man bestens die Seele baumeln lassen und sich von der Enge und Geschäftigkeit in den Gassen Taorminas erholen.

im Stadtgarten Taorminas

Schon immer wussten die Menschen die traumhafte Lage zu schätzen. Seit der Steinzeit dient der nördliche Hang des Monte Tauro als Nekropole. Die Überreste früherer Begräbnisstätten wurden beim Bau der Straße nach Taormina teilweise freigelegt. Was heute zu sehen ist, sind römische Bauwerke aus Kalkstein, in deren Nischen die Toten beigesetzt wurden. Das sehenswerteste Stück der terrassenförmig angelegten Grabanlagen ist knapp unterhalb des Belvedere-Aussichtspunktes zu finden, direkt am Straßenrand. Die Außenwand der rechten Hälfte wurde rekonstruiert.

antike Grabanlage am Monte Tauro

Nördlich des Kaps von Taormina liegt eine kleine felsige Bucht mit der Isola Bella. Der Kiesstrand und die Insel sind einzig über eine lange Treppe zu erreichen. Die Insel selbst darf nur bis zum Tor betreten werden. Vorher holt man sich jedoch nasse Füße, denn der schmale Damm liegt meist etwas unter Wasser. Dort unten kommt man sich sehr klein vor, wenn man an den hohen Felsen des Kaps entlang nach oben schaut.

kleine Felsenbucht mit der Isola Bella

Der Küstenabschnitt rund um das Kap Taormina zählt wohl zu den schöneren auf der Insel Sizilien. Strand und Felsen bilden eine tolle Kulisse.

PS: Inzwischen waren wir ein zweites Mal in Taormina. Diesmal mit dem Auto. Auf der Suche nach einem Parkplatz fanden wir das riesige Parkhaus unterhalb des Stadttores Porta Catania. Die Parkgebühren sind allerdings gepfeffert (1 h = 2,-€, 2 h = 6,-€, 3 h = 7,-€). Man kann auf jeden Fall davon ausgehen, dass der Stadtbummel länger als eine Stunde dauert. Übrigens: die Seilbahn ist auch wieder in Betrieb. Die Wartungsarbeiten wurden überraschend schnell abgeschlossen.

Ankunft in Giardini-Naxos

Oi-yoi-yoi, Sizilien ist noch einmal eine andere Hausnummer als der Rest Italiens: es geht noch viel enger auf den Straßen zu, und der Fahrstil ist noch einen Zacken schärfer.

Wir setzten vor drei Tagen mit der Fähre von Villa San Giovanni nach Messina über. Es gibt zwei Fährgesellschaften: Bluferries und Caronte&Tourist. Eine dritte Fähre, Telepass, gibt es auch, aber da wissen wir nicht, ob man ein besonderes Ticket dafür braucht. Telepass ist eine Art Maut, die wir von den Autobahnen her kennen.
Bei Bluferries hätten wir für das Wohnmobil und den Anhänger 114,-€ für die Überfahrt zahlen sollen. Bei Caronte&Tourist bezahlten wir 94,-€. Im Vorfeld hatte ich schon einmal im Internet nachgesehen. Da bekam ich einen Preis von 67,-€. Es lohnt sich anscheinend, doch im Voraus online zu buchen. Diese Preise sind oneway.

Messina voraus

Die Überfahrt dauert etwa 20 Minuten. Die Straße von Messina ist bis heute eine der gefährlichsten Wasserstraßen der Welt. Viele Schiffe sind seit der Antike schon den unberechenbaren Strömungen zum Opfer gefallen. Odysseus befuhr auch diese Meerenge. Das war an der Stelle mit dem großen Strudel. In Scilla wurden er und seine Mannschaft dann Opfer des mehrköpfigen Ungeheuers Scylla. Nur für diejenigen, die sich für die Odyssee interessieren.

Rückblick nach Italien

In Messina angekommen fuhren wir Richtung Süden weiter. Wir hatten unterwegs einen Tipp bekommen, dass wir uns in Giardini-Naxos knapp südlich von Taormina aufhalten sollten. Eigentlich wollten wir bei Scilla auf dem Festland noch einmal übernachten und uns die Stadt ansehen, aber das hat aus Platzgründen nicht geklappt. Die Fahrstrecke wurde für diesen Tag dann zu lang und so übernachteten wir auf einem Parkplatz direkt am Strand in Nizza di Sicilia. Dort unternahmen wir noch einen kleinen Spaziergang. Auf unseren Reisen haben wir bisher einige Möglichkeiten gesehen, wie die Fischer ihre Boote an Land bekommen. Hier in Nizza ziehen kleine Raupen die Boote aus dem Wasser. So eine Raupe kostet sicher eine Menge Geld, trotzdem hat fast jedes Boot seine eigene Raupe, Wahnsinn. Warum kann man sich nicht eine Raupe für mehrere Boote teilen?

Jedes Boot hat seine eigene Raupe, die es an Land zieht.

Am südlichen Ende von Nizza di Sicilia erkennt man, warum der Ort nach der gleichnamigen Stadt an der Cote d´Azur benannt wurde. Es führt eine relativ breite Straße am Strand entlang, die durch eine Palmenreihe von diesem getrennt ist. Das sieht fast so aus wie im französischen Nizza.

Nizza di Sicilia

Bis dahin fuhren wir die Küstenstraße 114 entlang, was für große Fahrzeuge, wie unser Wohnmobil, zur Katastrophe werden kann. Die Ortsdurchfahrten sind viel zu eng, da passen gerade zwei PKWs aneinander vorbei. Das hieß, dass der Gegenverkehr für uns Platz machen musste. Die allermeisten Autofahrer denken aber gar nicht daran. Sie fahren, solange sie noch irgendeine Chance sehen, sich durch zu quetschen. Wenn dann nichts mehr ging, zeigten sie uns den Vogel oder guckten ungläubig. Es gibt aber auch wenige Autofahrer, die bereitwillig an die Seite fuhren, wenn es eine Möglichkeit gab. Um dem aus dem Wege zu gehen, damit hatten wir wirklich nicht gerechnet, fuhren wir bei Roccalumera auf die Autobahn, um bei Giardini-Naxos wieder abzufahren. Die sizilianische Autobahn ist mautpflichtig.

Der Stellplatz Eden-Parking war für uns jedoch nicht anfahrbar, da im Moment ein Gerüst die ohnehin schon enge Einfahrt unpassierbar für uns machte. Was nun? Wir luden das Auto ab und fuhren in der Gegend herum, um einen anderen günstigen Platz zu finden. Wir waren sogar bis San Marco, wo sich ebenfalls zwei Stellplätze befinden, schön ruhig, aber weit weg von der Stadt. Nachdem wir uns nach den Preisen erkundigt hatten, die angemessen waren, fuhren wir nach Naxos zurück, wo wir den Aurora-Parking fanden. Dort bleiben wir nun für die nächsten wahrscheinlich zwei Wochen, vielleicht länger. Ab 6 Tagen kostet der Platz mit Strom, Wasser und Entsorgung 10,-€ am Tag, Dusche kostet 50 Cent. Der Platzwart ist sehr nett, täglicher Brötchenservice. Zum Strand sind es mehrere hundert Meter.

der Ätna von seiner schönsten Seite

Das schönste am Aurora-Parking ist der direkte Blick zum benachbarten Ätna, dessen Bild sich ständig ändert, wenn er sich nicht hinter Wolken versteckt. Manchmal erheben sich Rauchwolken aus dem obersten Krater. Es ist echt beeindruckend. Hoffentlich verhält sich der Vulkan während unserer Anwesenheit friedlich. In jüngster Vergangenheit hat es mehrere Ausbrüche gegeben.

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