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Reisen rund um die Welt

Archiv für die Kategorie “Sizilien”

Vögel Italien/Sizilien

Wie schon seit einigen Jahren beobachteten wir auch in Italien und auf Sizilien die verschiedenen Vögel. Es war allerdings ungleich schwieriger als auf unseren vorigen Reisen, denn die Vögel dort sind allesamt sehr scheu. Werden sie ebenso wie die Singvögel in Griechenland gejagt? Wir wissen es nicht, aber es muss einen Grund wir ihre große Scheu geben. Trotzdem ist es mir gelungen, einige Arten vor die Linse zu bekommen. Einige Motive waren sehr weit weg, so dass die Qualität nicht sehr gut ist, aber ich wollte sie Euch nicht vorenthalten.

Singvögel

Greifvögel

Seevögel

Schreitvögel

Sonstige

 

 

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Tourkarte Italien/Sizilien

Um eine Übersicht über unsere gefahrene Route zu bekommen, zeigen wir Euch hier unsere Tourkarte. Die Berichte der gesamten Reise findet Ihr in der Rubrik Italien.

Gefahrene Kilometer:  6885 von Anklam nach Anklam
Dauer der Reise:  6 Monate und 6 Tage

 

Milazzo

Die letzte Station unserer Sizilien-Rundreise ist Milazzo an der Nordost-Ecke der Insel. Wir stehen ein paar Nächte am Strand zwischen Barcellona und Milazzo. Hier können wir noch einmal Ruhe tanken, bevor es mit der Fähre von Messina wieder zurück auf das Festland geht.

Spiaggia di Spinesante

Milazzo ist eine Hafenstadt und bildet den Fuß des Capo di Milazzo. Von hier fahren Fähren nach Salerno und Neapel sowie auf die Liparischen Inseln, die auch Äolische Inseln genannt werden. Äolische Inseln ist wohl die offizielle Bezeichnung, Liparische Inseln heißen sie nach der größten von ihnen, Lipari.

Eigentlich wollten wir von Milazzo aus eine Nachtfahrt mit dem Boot zum Stromboli unternehmen, aber leider wird diese Fahrt erst vom 1. April an wieder angeboten, und dann nur an drei Tagen in der Woche. Schade, ich hatte mich so darauf gefreut, da der Stromboli ständig aktiv ist und man das Glühen am Gipfel jede Nacht sehen kann. Außerdem gibt es einen sogenannten „Fluss des Feuers“. Diesen Lavastrom soll man vom Boot aus wunderbar sehen können. Vor allem nachts soll das Spektakel sehenswert sein. Das Wetter spielt auch nicht mit, so dass wir den Stromboli fast nie von Milazzo aus sehen können.

Dafür sind die drei großen Inseln, Vulcano, Lipari und die beiden Vulkangipfel von Salina gut zu sehen. Sie liegen am dichtesten an Milazzo. Selbst die kleine Insel Panarea, die älteste der Liparischen Inseln, die auf der Fahrt zum Stromboli mit angefahren wird, hebt sich bei gutem Wetter über dem Wasser ab. Die beiden westlichsten Inseln, Alicudi und Filicudi zeichnen sich nur bei klarem Wetter am Horizont ab.

die drei größten Äolischen Inseln

In Milazzo ist das Kastell aus dem 13. Jahrhundert sehenswert. Von der frei zugänglichen Ruine des Kastells, etwas abseits gelegen, hat man einen schönen Blick nach beiden Seiten des Kaps, und über die Stadt.

Kastell von Milazzo

Ein kleiner Bummel durch die gepflegten Gassen der Altstadt macht Spaß. Auch hier sind wieder viele schöne Details zu sehen. Am Yachthafen stehen noch einige alte Gebäude, ein altes Hotel sowie eine öffentliche Waschanstalt aus dem Ende des 19. Jahrhunderts. Die Waschbecken wurden direkt an die Wände einer alten Verteidigungsstellung des alten Hafens von Milazzo aus der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts angelehnt.

ehemalige öffentliche Waschanlage

Unbedingt ansehen sollte man sich das Capo di Milazzo. Es ist wunderschön, mit seinen steilen Küsten, den weißen Felsen und dem glasklaren Wasser auf beiden Seiten. Kurz vor dem Parkplatz am Ende der Straße führt ein Weg an der Westküste entlang, bis zur Spitze des Kaps. Dort ist auch der natürliche Felsenpool der Venus, Piscine di Venere, zu finden. Um darin baden zu können, sind allerdings zwei Hindernisse zu überwinden: viele Meter Höhenunterschied per Treppen, und eine Kletterpartie über die großen und kleinen Kalksteine, die von den umliegenden Felsen abgebrochen sind und nun den Strand zieren. Optisch ist der große Felsenpool sehr schön.

Piscine di Venere

Es könnte sein, dass im Sommerhalbjahr 5,-€ Eintritt fällig werden, wir konnten uns das kostenlos ansehen.

Oberhalb des Pools, in dem großen Felsen, sind zwei Gesichter zu erkennen. Das eine ist im Profil zu sehen, mit einer großen hervorstehenden Nase und einem tiefliegenden Auge. Für das zweite Gesicht muss man sich etwas entfernen, um es zu erkennen. Es wird eigentlich durch den Bewuchs gezeichnet, nicht durch den Felsen. Das ist schon sehr interessant.

zwei Gesichter, wenn man das Bild einmal nah und einmal von fern betrachtet

Den Rückweg kann man dann über das Plateau des Kaps nehmen, durch einen lockeren Kakteen- Olivenhain mit Wiesen voller Wackelklee, wie auch immer die richtige botanische Bezeichnung dafür lautet. Inzwischen kommen auch die Vögel zurück und kündigen den Frühling an. Ein Kaffee im Restaurant „Il Faro“ könnte die Tour beenden.
Der Leuchtturm auf dem Kap ist abgesperrt, den kann man nicht besuchen.

am Capo di Milazzo

Kaum hatten wir diesen herrlichen Spaziergang beendet, endete auch das schöne Wetter, welches uns seit ein paar Tagen begleitet hatte. Innerhalb kurzer Zeit zog sich der Himmel zu und Sturm zog auf, der zwei Tage lang blieb, inklusive Regen und Kälte.
Ende Februar sollte der Frühling auf Sizilien schon ein ganzes Stück weiter sein. Nun hatten wir endlich das Gefühl, dass sich in dieser Richtung etwas tun würde, als wir am zweiten Tag in Milazzo aufstanden und unseren Augen nicht trauten. In den nahen Bergen liegt Schnee, bis auf ca. 200 Meter hinunter.

Schnee bei Milazzo, und das Ende Februar

Auf der Herfahrt, an der Nordküste entlang, konnten wir Schnee auf den hohen Bergen der angrenzenden Gebirge erkennen. Die Schneegrenze lag etwas über 1000 Meter. Jetzt kehrte hier der Winter ein, statt der Frühling.
Den einzigen Schnee, den wir seit Dezember gesehen haben, war der auf dem Ätna. Bei unserem Aufenthalt in Punta Bracetto hat es einmal einen kurzen und unverhofften Schneeschauer bis in tiefere Lagen gegeben. Seitdem hatten wir mit Schnee nichts mehr am Hut, und jetzt das.
Morgen werden wir in Messina mit der Fähre wieder auf das Festland übersetzen.

Nordküste Siziliens

Wir hatten uns einige Plätze im Vorfeld ausgesucht, auf denen wir noch einige Nächte verbringen wollten, denn unsere Rundfahrt um Sizilien neigt sich ihrem Ende entgegen. Das Dumme ist nur, dass die Küste auf der gesamten Länge von Palermo bis nach Milazzo auf nur wenigen hundert Metern steil, aus den Bergen kommend, abfällt. Das heißt, will man irgendwo an den Strand, muss man steile enge Straßen und Serpentinen bewältigen. Für größere Wohnmobile ist das kaum bis gar nicht zu machen.

Der erste Platz sollte am Hafen von Cefalú sein. Wir fuhren ab Palermo auf der Autobahn, bis zur Abfahrt Cefalú, um dort wieder auf die ss113 zu kommen. Die führt mitten durch die Stadt und ist eigentlich für Fahrzeuge über 3,5t gesperrt. Dann kamen wir zur Abfahrt zum Hafen hinunter und merkten, dass es wieder so eine verfluchte, steile enge Straße mit Ecken und Kanten war. Also fuhren wir weiter und versuchten, doch noch irgendwo einen Stellplatz an der ss113 zu bekommen. Es ist aussichtslos, zudem ist die Strecke sehr kurvenreich und bis nach Santo Stefano sind es 44km. Das braucht seine Zeit und wir hatten keine Lust mehr. Gegen 16.30 Uhr endlich fanden wir einen kleinen Parkplatz am Straßenrand. Der musste für die Nacht genügen.

Am nächsten Morgen starteten wir voller Optimismus nach Capo Orlando, wo wir uns einen schönen großen Parkplatz am Hafen ausgeguckt haben. Wir fuhren wieder auf die Autobahn, die ab Santo Stefano mautpflichtig ist. Um nicht durch Capo Orlando zu müssen, fuhren wir erst in Brolo ab und dann auf der ss113 ca. 5km nach Capo Orlando zurück. Als wir an die Abfahrt zum Hafen kamen, sahen wir eine unheimlich steil abfallende Straße. Das Zeichen davor spricht von 16% Gefälle. Nie im Leben fahren wir dort runter, denn ein Zurück würde es garantiert nicht mehr geben. Wir mussten sofort an die 11%-Steigung in Südengland denken, die unser Womo nur noch mit Mühe und letzter Kraft schaffte. 16%? No way!

Also wieder weiter, bis wir an einer Tankstelle eine Wendemöglichkeit fanden. Ein nächster Platz wäre erst kurz vor Milazzo, in Barcellona, wieder. Vorher parkten wir aber auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums zwischen Capo Orlando und Brolo. Dort kauften wir etwas ein und tranken einen Kaffee. Wir suchten auch dringend einen Geldautomaten, den wir ca. 800m weiter in Brolo fanden. Wir spazierten dorthin und sahen, dass die kleine Altstadt von Brolo auf einem kleinen Hügel liegt, zusammen mit einer mittelalterlichen Burg. Der Ausflug war echt eine Überraschung, denn wir fanden uns in einem kleinen Juwel wieder. Kleine verwinkelte Gassen, hübsche Häuschen und Plätze, schöne Aussichten, ein kleiner Geheimtipp.

Brolo Altstadt

Gestärkt brachen wir zur nächsten Etappe auf, irgendwas um die 70km. Am Strand von Barcellona hatten wir endlich Glück. Da können wir frei stehen und sind direkt am Strand, einen Teil der Liparischen Inseln im Blick. Die Berge haben sich zurück gezogen und um Milazzo herum ist alles flach.

Es ist schade, dass wir an so vielen schönen Orten vorbei fahren mussten, weil es einfach keine Stellmöglichkeiten gibt. Was es dagegen zur Genüge gibt, sind Brücken und Tunnel. Ich habe mir ab Palermo einmal die Mühe gemacht und mitgezählt. Ich konnte den Stift kaum zur Seite legen, denn es gibt mehr Brücken und Tunnel als normale Straße. Ich habe nur die gezählt, die länger als 100 Meter sind, manche Tunnel sind über 3 Kilometer lang. Die unzähligen kurzen Brücken, die als Straßen- oder Bachüberführungen dienen, sind unberücksichtigt.

– Palermo nach Cefalú – ca. 70 km – 17 Brücken, 4 Tunnel.

– Santo Stefano nach Brolo – ca. 56 km – 37 Brücken, 24 Tunnel. Alleine die Auffahrt bei Brolo führt durch 4 weitere Tunnel.

-Brolo nach Barcellona – ca. 43 km – 14 Brücken, 9 Tunnel

In den meisten Tunneln funktioniert die Beleuchtung nur zu 5% oder noch weniger, manchmal gar nicht. Wir haben nur zwei Tunnel erlebt, in denen die Beleuchtung erneuert wurde und fast alle Lampen funktionierten.

Palermo

Entgegen unseren kühnsten Vorstellungen haben wir einen Womo-Stellplatz in Palermo gefunden, ohne weiteres anfahrbar und dazu bezahlbar. Es ist der Idea Vacanze Di Giuseppe Di Piazza, der für kleine Womo´s 15,-€, für ab 8m-Mobile 18,-€ kostet, inkl. Strom und Wasser. Der Platz befindet sich am Fuße des Monte Pellegrino und ist am besten über Mondello zu erreichen. Zum Platz gehört auch eine Womo-Werkstatt mit Campingmobil-Bedarf. Per Bus und mit einer 3,50€-Tagesfahrkarte gelangt man einfach ins Stadtzentrum von Palermo, und wieder zurück.

Womo-Stellplatz in Palermo

Mit der Linie 107 fährt man bis zur Endstation Stazione Centrale. Von dort aus wendet man sich zur Piazza Cesare. Links um den Platz herum erreicht man die Via Maqueda, der man bis zur Piazza Quadro Canti folgt. Bis dahin ist man an mehreren Tourist-Infos vorbei gekommen, in denen man sich mit Stadtplänen und einem Buslinienplan eindecken kann.
Aber schon kurz hinter der Piazza Cesare stößt man auf den Mercato Ballaró, der sich in den Gassen der Altstadt verteilt. Die Gebäude sehen zum Erbarmen aus, aber der Markt bietet gute, frische Waren zu sehr günstigen Preisen, von Obst und Gemüse, über Fleisch bis hin zu Fisch.

Mercato Ballaró

Irgendwann sollte man sich jedoch wieder auf die Via Maqueda begeben, um den Faden nicht zu verlieren. Die Gassen sind eng und verwinkelt, schnell verliert man sich darin.
An der Piazza Quadro Canti, die durch vier gleiche barocke Fassaden auffällt, die die vier gegenüberliegenden Häuserblockecken zieren, muss man sich entscheiden, was man von Palermo sehen möchte. Kurz vorher ist die Fontana Pretoria zu bewundern, ein barocker Brunnen mit weißen Marmorstatuen, der von mehreren Kirchen und dem Rathaus umringt ist.

Fontana Pretoria

Um die Kathedrale zu sehen, muss man nun nach links abbiegen. Die Via Vittorio Emanuele ist eine Fußgängerzone, in der man endlich mal entspannt gehen kann. Hier finden sich jede Menge Souvenirläden. Hin und wieder sollte man einen Blick in die Eingänge der Paläste werfen. Die Innenhöfe sind meist recht schön gestaltet.
Rechter Hand kommt man dann an der National-Bibliothek vorbei, dem Gebäude, in dem am 19.07.1812 die Unabhängigkeit Siziliens proklamiert und die radikale Reform der Staatsstruktur beschlossen wurde.

Innenhof der National-Bibliothek

Ziemlich unvermittelt öffnet sich etwas später rechts ein Platz, an dem sich die wunderschöne und filigrane Kathedrale aus dem Jahre 1185 erhebt. Mit feinsten Verzierungen, normannische und arabische Einflüsse sind in der Gestaltung der Fassade zu erkennen, verzaubert dieser Bau. Der Uhrturm erinnert an Big Ben in London. Am nördlichen Ende verbinden zwei Bögen die Kathedrale mit einem benachbarten Bau auf der anderen Straßenseite.

Eingang zur Kathedrale Palermos

Der Eintritt in die Kathedrale ist kostenpflichtig und gestaffelt, je nach dem, was man sehen möchte. Es ist auch möglich, auf das Dach zu steigen. In der Kathedrale hat der Staufferkaiser Friedrich II., von dem wir überall in Sizilien schon gehört haben, seine letzte Ruhestätte gefunden, zusammen mit weiteren Familienmitgliedern. Die Kaiserkrone Friedrichs II. ist in der Schatzkammer zu sehen.

Wenn man nun der Via Vittorio Emanuele weiter folgt, gelangt man zum Palazzo Reale, oder Palazzo Normanni, seit 1947 Regierungssitz Siziliens. Vor dem Gebäude wurde ein schöner Garten angelegt.

Palazzo Reale, oder Palazzo Normanni

Gleich rechts daneben steht das alte Stadttor Porta Nuova, ebenfalls ein prachtvoller Bau, an dem die Jahreszahl 1668 prangt.

Porta Nuova

Hinter der Porta Nuova haben wir uns nun rechts gehalten und sind der Via Cappucchini gefolgt. Unser Ziel waren die berühmten Kapuziner-Katakomben von Palermo unter dem Nonnenkloster dei Cappucchini. Wie viele Einrichtungen Siziliens gibt es auch hier eine Mittagspause, von 13-15 Uhr. Wir waren zehn Minuten zu spät, aber eine kleine Gruppe Neugieriger erreichte es, dass für Sie kurz geöffnet wurde. Ihnen schlossen wir uns an und bekamen so für zehn Minuten Gelegenheit, uns in den Katakomben umzusehen. Für 4,-€ Eintritt bekommt man um die 8000 Mumien aus mehreren Jahrhunderten zu sehen. Zu Lebzeiten gehörten diese Menschen allen gesellschaftlichen Schichten an, sogar Kinder sind dabei. Die Mumien sind entweder immer noch in ihren Särgen bestattet, liegen in den Aussparungen der Wände oder wurden einfach aufrecht an die Wand gehängt. Der Zustand der Mumien, vor allem der der Kleidung, ist meist sehr schlecht, trotzdem löst dieses, wie einige Besucher meinen: „Gruselkabinett“, gemischte Gefühle aus. Für uns waren es nicht die ersten Mumien, die wir gesehen haben, aber bei den anderen Besuchern kann man alle Arten von Gefühlsregungen beobachten.

Kapuziner-Katakomben

Nun lenkten wir unsere Schritte zum Castello della Zisa, welches eindeutig normannische Züge trägt. Davor kann man durch den gleichnamigen Garten, der sehr modern angelegt wurde, spazieren.

Castello della Zisa mit gleichnamigem Garten

Nun gingen wir Richtung Hafen zurück, vorbei am modernen Gerichtsgebäude zum Teatro Massimo. Das attraktive Opernhaus Palermos wurde 1897 eröffnet und war nach der Mailänder Scala die zweitbedeutendste Bühne Italiens.

Teatro Massimo (Rückansicht)

Das war eine schöne Runde für einen Tag. Palermo hat noch viel mehr zu bieten, wie den Antikmarkt Il Mercato delle Pulci in der Nähe der Kathedrale, des Teatro Politeama, archäologische Museen oder den Botanischen Garten. Nachdem, was wir im Vorfeld über Palermo gehört hatten, überraschte uns diese Stadt. Außer in der innersten Altstadt, wo es aussieht, als würden viele Häuser bald zusammenfallen, ist der Zustand recht ordentlich. Palermo ist nicht so groß, wie man denkt und es gibt auch Ecken, in denen man Luft holen kann, wie an der Terrazza Mare oder der Straße am Fährhafen entlang. Wer nicht so viel laufen will, kann entweder den Hoppon-Hoppoff-Bus nehmen, mit der Kleinbahn fahren oder die Kutsche nehmen.

Die Frage, die wahrscheinlich viele von Euch interessiert ist wohl: Ist Palermo sicher? Das können wir mit einem eindeutigen Ja beantworten. Unserem Gefühl nach sind die Zeiten der Mafia und Gewalt endgültig vorbei, die Stadt ist genauso sicher oder unsicher wie jede andere Stadt auf der Welt auch.

Es gibt jedoch nicht nur die Stadt Palermo zu sehen. Vor allem lohnt ein Abstecher nach Mondello ca. 10 km Richtung Norden. Um 1900 blühte der kleine Fischerort dank seines schönen Strandes und seiner Lage zu einem Belle Epoche-Badeort auf. Die ein oder andere Villa aus dieser Zeit ist noch zu sehen und wurde liebevoll erhalten. Den Blickfang bildet jedoch die Badeanstalt aus dem Jahre 1912, die auf Stelzen im Wasser der Bucht steht, ziemlich in der Mitte des langen Sandstrandes. Die architektonischen Verzierungen sind schon fast kitschig bemalt. Bevor man die Badeanstalt erreicht, in der sich heute ein Restaurant befindet, passiert man einen halbrunden Schmuckbogen.

Badeanstalt von Mondello

Ein alter runder Turm und ein kleiner Fischereihafen gehören ebenso zu Mondello. Wir möchten dringend den Ratschlag geben, nicht sonntags und bei schönem Wetter nach Mondello zu fahren, denn dann sind die Straßen von Autos und Menschen verstopft.

kleiner Fischerhafen von Mondello

Wir wollten anschließend noch den Leuchtturm am Capo Gallo besuchen. Um die Straße dort hinter zu befahren, muss man allerdings 5,-€ berappen. Selbst als Fußgänger muss man bezahlen.

Mich zog es aber auch auf den Monte Pellegrino, um von dort oben einen Blick auf Palermo zu werfen. Leider sind die Aussichtspunkte nicht zu erreichen, da es vor wenigen Jahren auf dem Berg gebrannt hat. Das ist noch zu sehen. Viele Bäume sind umgefallen und versperren die Wege. Die Aufräumarbeiten laufen immer noch.

Serpentinen-Fußweg zum Monte Pellegrino

Da ich schon dort oben war, lief ich den restlichen guten Kilometer zum sehr besonderen Heiligtum der Heiligen Rosalia. Von außen ist die Kirche nichts besonderes, überrascht aber im Inneren. Der kleine Altarraum mit dem Altar und dem Schrein für die Heilige Rosalia befindet sich in einer natürlichen Grotte und ist wunderschön illuminiert.

Altar der Grotte des Heiligtums Santa Rosalia

An dieser Stelle wurden am 15.07.1624 die Gebeine der Heiligen Rosalia gefunden. 1667 errichtete man den Altar. Zwei Reliquien, einen Zahn und ein Knochenfragment, werden in der Grotte aufbewahrt. Die restlichen Gebeine befinden sich in der Kathedrale Palermo.

Da ich ungern den gleichen Weg wieder zurück gehe, nahm ich den direkten Weg Richtung Süden nach unten. Da hatte ich mich auf etwas eingelassen. Der Weg ist 1,1km lang und kommt an der Ausfallstraße nach Mondello heraus. Was ich nicht wusste und erst merkte, als es zu spät war, war, dass der horizontale Weg auf die 1,1km keine 100m beträgt. Das heißt, der Weg ist ein fast senkrechter Klettersteig zwischen zwei Steilwänden, über den eigentlich ein Bach nach unten stürzt. Über eine Stunde kostete mich die „Abkürzung“, die mir so ziemlich alles abverlangte.

durch diese hohle Gasse kam ich

Castellammare

Auf dem Weg zum Parkplatz am Strand, wo wir zwei Nächte lang übernachten wollten, ist es nun passiert: Wir hatten uns festgefahren, nichts ging mehr! An der Straße, die das Navi angegeben hatte, fuhren wir vorbei, so dass wir die Alternativroute über die Via Urano nehmen mussten. Mitten in dieser steil nach unten führenden Straße stoppte uns die Spitzkehre. Mit einem Zug kamen wir nicht herum, also wollte Klaus ein Stück zurück setzen. Nun saß das Wohnmobil hinten auf, erst mit dem Auspuff, dann mit dem Gehäuse des Notstromaggregats, welches größeren Schaden an der ebenfalls aufsitzenden Stoßstange verhinderte. Nach jedem Versuch, rückwärts zu fahren, rutschte der Bus weiter nach vorne, so dass die vordere Stoßstange nun ihrerseits am Bordstein aufsaß. Das Getriebe brachte einfach bei dem Gefälle die Kraft nicht auf, uns da rauszubringen. Die Straße war nun für beide Richtungen blockiert. Den Anhänger mit dem Smart hatten wir vorher schon abgekoppelt und beiseite gestellt.
Von den vielen PKW-Fahrern, die kamen, fragten nur zwei, ob wir per Telefon um Hilfe gerufen haben. Laut einem Telefonat sollten wir warten, man würde einen LKW schicken, der uns frei zieht. Es war gerade wieder Mittagspause und es kam niemand. Nachdem wir eineinhalb Stunden gewartet und die Straße blockiert hatten, versuchten wir selbst einen Abschleppdienst zu finden. Inzwischen hatte Klaus auch schon in der Nachbarschaft gefragt, ob jemand einen LKW oder Traktor besorgen könnte. Überall sah er nur Kopfschütteln.

eine abschüssige Spitzkehre wurde uns zum Verhängnis

Klaus blieb beim Bus und ich fuhr in die Stadt, zu der von Google gezeigten Werkstatt. Die schickte mich um die Ecke zu einer anderen Werkstatt, beide für PKWs. Ich versuchte mit dem Google-Übersetzer dem Werkstattchef zu erklären, welche Art von Hilfe ich brauche. Nach italienischer Art schlossen sich noch drei Leute an und ein Palaver begann, allerdings ohne Ergebnis. Sie hätten keine Möglichkeit, und einen Abschleppwagen, LKW oder Traktor, der uns helfen könnte, gäbe es in Castellammare nicht. Nach einer gefühlten Ewigkeit rang sich dann der Werkstattchef dazu durch, mir einen Mitarbeiter zur Seite zu stellen, um sich unser Problem anzusehen. Mit einem klapprigen, alten, kleinen Geländewagen fuhr ich mit ihm zum Womo, wo Klaus immer noch ergebnislos wartete.
Etwas ratlos sah sich der Mann unsere Situation an, brachte dann sein Stahl-Abschleppseil an der Anhängerkupplung an. Der erste Versuch scheiterte kläglich. In dem Moment kam endlich der erste Klein-LKW an. Selbst auf unsere Bitte auf Hilfe hin, und nachdem er gesehen hatte, dass unser Versuch scheiterte, setzte er zurück, drehte um und war weg. Vielen Dank, sehr freundlich.
So startete der Werkstattmann zum zweiten Versuch in einem anderen Winkel. Mit aller Kraft seines klapprigen Geländewagens und unseres Motors schafften es dann beide endlich, den Bus freizubekommen und zurück zuziehen, damit Klaus den Bus weiter durch die Kurve bringen konnte. Nach dreieinhalb Stunden endlich konnte es weitergehen. Wir drückten dem Mann 20,-€ in die Hand und bedankten uns viele Male.

Nach diesem Erlebnis erinnerten wir uns an verschiedene Vorfälle, die sich auf unserer USA/Kanada-Rundreise zugetragen haben. Mit Sicherheit hätte fast jeder geholfen, auf welche Art auch immer. Da hätte es so etwas nicht gegeben.

Den Rest des Tages ruhten wir uns am Strand aus. Wir hatten keine Lust mehr, irgend etwas zu unternehmen, nicht einmal zum Einkaufen.

Küste westlich vom Strand Castellammares

Castellammare hatten wir uns als Ausgangspunkt für einen Ausflug nach Segesta ausgesucht. Bekannt ist die Ausgrabungsstätte von Segesta. Viel zu sehen gibt es auf dem riesigen Gelände nicht, nur einen gut erhaltenen dorischen Tempel und ein großes Amphitheater aus dem 3. Jahrhundert v.Chr. Wir wollten uns die Anlage nicht ansehen, denn wir hatten Agrigento gesehen, sondern nur einen Blick riskieren. Am Eingangstor zur Anlage stehen Wegweiser, auf denen die Entfernungen zum Tempel mit 250m und zum Theater mit 1250m angegeben sind. Eine Ecke des Tempels kann man von außen noch sehen, sonst aber nichts. Die Umgebung ist jedoch sehr schön, mit dem umgebenden Bergen. Die Preise sollen sich wie folgt zusammensetzen: 5,-€ Parkplatz, der ca. 1 km entfernt ist, 1,50€ für das Shuttle zur Ausgrabungsstätte, 6,-€ Besuch der Ausgrabungsstätte.

Tempel von Segesta

Auf dem Weg von San Vito Lo Capo nach Castellammare fährt man an einem Bergmassiv vorbei, in dem an mehreren Stellen weiße Marmorsteinbrüche in den blauen Himmel leuchten. Marmor wird im Nordwesten Siziliens im großen Stil abgebaut.

Marmor-Steinbruch

Segesta hat aber noch eine Sehenswürdigkeit zu bieten: das Thermalbad Segestane. Die Luft um das Thermalbad ist leicht vom Schwefelgeruch erfüllt, welcher aus dem Flusstal herauf steigt. Heiße Schwefelquellen speisen das Bad. Um es, mit seinen drei Badebecken, zu nutzen, muss man 9,-€ Eintritt bezahlen, für max. 3 Stunden Aufenthalt. Die obligatorische Mittagspause unterbricht den Betrieb zusätzlich.

Schlucht unterhalb des Thermalbades Segestane

Unterhalb der Therme lädt ein natürliches Badebecken abseits des Flusses zu einem kostenlosen Bad ein. Die Zufahrt ist jedoch nur von der nördlich verlaufenden Straße möglich. Die letzten ca. 100m müssen dann zu Fuß bewerkstelligt werden. Leider lag das Badebecken kurz nach dem Mittag voll im Schatten und der Wind wehte echt kühl um die Ecken. Einige Leute bevölkerten trotzdem den Rand des Pools, dessen Wasser sehr warm und auch schwefelhaltig sein soll. Im Winter sollte man den Pool eher am Vormittag ansteuern, wenn es in der Sonne liegt.

natürlicher Thermalpool

Castellammare selbst ist ein Ferienort, der an einem ca. 2km langen Sandstrand liegt. Hinter der Stadt ragt eine Bergkette auf, die die Sonne im Winter frühzeitig verschwinden lässt.
Das ist nicht die ganze Wahrheit. Der Ursprung von Castellammare liegt im 14. Jahrhundert, als eine Burg zum Schutz des Hafens gebaut wurde, der zu Segesta gehörte. Um das Kastell und die kleine Bucht herum wuchs die Altstadt Castellammares, die durch eine Felsnase vom neueren Ferienort Castellammare getrennt ist. Die Lage und Übersichtlichkeit der kleinen, aber feinen Altstadt macht sie sehr sehenswert, ein richtig kleines Juwel.

das alte Castellammare

Bei einem Fleischer unterwegs fanden wir ein schon vorbereitetes Pansen (Kutteln)-Gericht, dass nur noch erwärmt werden musste. Ich wollte unbedingt auf Sizilien Pansen probieren, nachdem ich schon oft gehört habe, dass das gar nicht so schlecht schmecken soll. Nun ja, ich muss es nicht jeden Tag haben, aber zur Abwechslung auf dem Speiseplan könnte es schon das ein oder andere Mal stehen. Das Rezept habe ich für Euch in unserem Beitrag  „Essen und Trinken auf sizilianisch“ zusammengestellt.

San Vito Lo Capo

Das westlichste Kap im Norden Siziliens ist etwas für Naturliebhaber, im Sommer auch für Badebegeisterte und Taucher. Der Strand der Stadt ist der schönste, den wir bisher in Italien/Sizilien gesehen haben, das Wasser ist tiefblau und glasklar, und die Landschaft ist einfach nur traumhaft. Jetzt im Winter hat man das alles fast für sich alleine. Entweder lässt man in Ruhe die Seele baumeln oder man unternimmt Wanderungen an den felsigen Küsten oder durch die Berge.

traumhafte Landschaft am Capo San Vito

Vom Leuchtturm aus nach Westen führt ein Weg zwischen der Küste und den Steilwänden entlang. In den Steilwänden sind unzählige Höhlen und Grotten zu finden, mal einfach zugänglich, mal nur mit bergsteigerischen Fähigkeiten und der entsprechenden Ausrüstung. Diese senkrecht abfallenden Kalksteinwände sind ein Kletterparadies, obwohl sie naturgemäß sehr bröckelig sind.

jede Menge große und kleine Höhlen und Grotten zieren die Kalksteinwände

In der Grotta di Cala Mancina wurden steinzeitliche Werkzeuge wie Faustkeile und Speerspitzen gefunden, berichtet eine Infotafel. Bis zu dieser Grotte ist ein guter Weg verfügbar. Will man noch bis zur Pferdehöhle weitergehen, muss man einem kleinen Trampelpfad folgen. Die Pferdehöhle und eine gleich links davon liegende große Höhle liegen etwas erhöht, so dass etwas Kletterei vonnöten ist, um dorthin zu gelangen. Wofür die weißen Kalksteine, exakt in länglichen oder runden Gebilden aufgestapelt, gut waren, wissen wir nicht. Es gibt mehrere davon, die sich in einem Gebiet konzentrieren.

mysteriöse Steinhaufen zwischen Meer und Felsen

Zum Wasser kommt man eher nicht, denn das Ufer ist über eine große Breite mit spitzen, hochstehenden Felsnadeln übersät. Auch hier, wie am Monte Cofano, sind wieder Stacheln von Stachelschweinen am Wegesrand zu finden, wenn man die Augen offen hält.

Entweder geht man denselben Weg dann wieder zurück oder man kommt irgendwann am Torre Isulitta aus dem 16. Jahrhundert, welcher auf einer Steilwandecke thront, heraus. Unterhalb des Turmes kann man einem kurzen Naturpfad am Fuße der Steilwand folgen.

Torre Isulitta

Ein anderes Wandergebiet befindet sich im Osten der Halbinsel Capo San Vito. Kostenlos ist der Weg hinauf zum 528 Meter hohen Monte Monaco. Kurz vor dem Gipfel, auf dem ein Kreuz steht, kann man hinunter zum Golfo di Cofano im Westen und zum Golfo di Castellammare im Osten sehen. Dort sind auch noch die Überreste zweier Steinbrüche zu erkennen.

Gipfelkreuz auf dem Monte Monaco

Für Schwindelfreie bietet sich vom Kreuz aus eine sicher aufregende 360°-Sicht, mit der Stadt San Vito Lo Capo zu Füßen. Einen guten Blick auf die Stadt mit Strand, Hafen und Leuchtturm hat man auch von etwas weiter unten.

Blick auf San Vito Lo Capo

Ich bin von der Ostseite des Berges aus gestartet. Von dort aus ist der Weg zum Monte Monaco gut ausgeschildert. Zurück auf die Westseite, zum Parking Camping Giovanni, auf dem wir ein paar Tage lang stehen, musste ich mir mit der App MapsMe den Rückweg suchen. Den kurzen Weg gibt es heute praktisch nicht mehr, wahrscheinlich zu steil und zu gefährlich, also nahm ich den langen Weg und kam direkt auf dem Gelände des Marmorsteinbruches heraus. Der Weg ist zwar auch stellenweise abenteuerlich, aber irgendwie muss man ja wieder herunter kommen.

Der Zugang zum Naturschutzgebiet Zingaro kostet 5,-€ pro Person, ab 65 Jahre ist auch dieses kostenlos.

Eingang zum Naturschutzgebiet Zingaro

Die gute Fee des vorher erwähnten Campingplatzes, Stella, kümmert sich mit viel Hingabe um ihre Gäste und den Platz. Manchmal kommt sie herum und gibt ein Gläschen Marsala-Wein für jeden Gast aus. Der Platz kostet 13,-€ pro Nacht, ab 3 Nächten 10.-€, inkl. Blick auf den Monte Monaco und den weiterführenden Bergrücken.

Sonnenuntergang am Monte Monaco

Stella wies uns darauf hin, dass im Sommer viele tolle Veranstaltungen, wie z.B. ein Ballonfest oder Couscousfest, stattfinden.

Monte Cofano

Wir haben ein traumhaftes Plätzchen zum Stehen und Übernachten gefunden. Zwischen dem Monte Cofano und San Vito Lo Capo im äußersten Nordwesten Siziliens breitet sich eine kleine Ebene zwischen den Bergen und dem Meer aus. Direkt am Strand liegt ein großer freier Platz mit einem atemberaubenden Panorama. Es ist der schönste Platz auf unserer bisherigen Italien/Sizilienreise, auf dem wir zwei fast windstille und sonnige Tage erleben durften.

traumhafter Stellplatz kurz vor San Vito Lo Capo

Es ist eine felsige Küste mit nur wenigen schmalen sandigen Zugängen ins Meer. Zudem sind Spuren zu finden, dass vor langer Zeit der Kalkstein dieser Ebene von Menschen gebrochen wurde. Die Steine wurden wahrscheinlich für den Häuserbau verwendet.

Spuren menschlichen Wirkens

Unterhalb des großen freien Platzes ist „roter Sand“ zu finden. Bei genauerem Hinsehen erkennt man, dass es sich bei den winzigen roten Stücken um Bruchstücke der Roten Koralle handelt. Hier haben wir nun den Beweis dafür, dass es vor der Küste Rote Korallen gibt. Wie ich schon im Bericht für Trapani geschrieben habe, sind die Roten Korallen geschützt. Ich konnte aber nicht umhin, etwas von dem „roten Sand“ zu sammeln, für Dekozwecke. Es war einfach zu verlockend. Da kann ja niemand etwas dagegen haben.

„roter Sand“

Nun lockte uns aber doch das Naturschutzgebiet Monte Cofano. Es führt ein Wanderweg um den Berg herum, der bis nach Cornino am Südende reicht. Auf dem Weg sind viele interessante Dinge zu sehen, wie zwei Wehrtürme, Höhlen und uralte Siedlungsspuren.

Am Eingang zum Naturschutzgebiet steht ein Tickethäuschen, welches jetzt aber nicht besetzt ist. Der Zutritt des Parks ist zwar durch Schilder verboten, wegen Steinschlaggefahr, aber es gibt keine Zugangsbeschränkungen. Man ist wahrscheinlich auf eigene Gefahr unterwegs, aber solange es keine Wetter- oder sonstige Unbilden gibt, ist die Gefahr eines Steinschlags wohl eher gering. Der Wanderweg ist wunderschön und es wäre wirklich schade, wenn man sich nicht dazu durchringen könnte.

badetauglicher Zugang

Zuerst trifft man auf den Torre della tonnara di Cofano, den Turm mit Thunfischschlinge, was immer das heißt. Der Turm aus dem Jahre 1404 ist trotzdem einzigartig auf Sizilien, denn er besitzt konkave Wände. Sie haben eine Dicke von 2,5m im Erdgeschoss, und eine Weite von Ecke zu Ecke von 17,4 Metern. An jeder Seite sind mehrere runde Löcher zu sehen, aus denen zur Verteidigung für die Angreifer ungesunde Dinge hinab geschüttet werden konnten. 1560 landeten Piraten an der Küste, nahmen die Thunfischer gefangen und verkauften sie in die Sklaverei.

Torre della tonnara di Cofano

Nahe des Turms sind auch Spuren einer römischen Siedlung sowie aus dem Felsen gehauene Becken aus dem 4.-3. Jahrhundert v.Chr. zu finden. Zu dieser Zeit wurde „Garum“, die berühmte römische Fischsoße, produziert.

Als nächstes stößt man auf die Überreste zweier alter Kalkbrennöfen. Solche Öfen kennen wir von unseren Reisen rund um die Welt. Hier erfuhren wir jedoch das erste Mal, dass die abgebauten Kalksteine eine ganze Woche im Ofen „backen“ mussten. Danach verschloss man die Öffnung des Ofens und der Kalk kühlte eine Woche lang darin ab. Nach dieser Zeit entnahm man den gebrannten Kalk und übergoss ihn mit Wasser. Dadurch brach das Gestein auf. Den so entstandenen Kalk verwendete man dann für verschiedene Bautätigkeiten.

Kalkbrennofen (teilweise rekonstruiert)

Eine Spur, die noch weiter in der Zeit zurück führt, nämlich in das 5.-4. Jahrhundert v.Chr., als die Griechen hier lebten, ist auf dem Plateau ganz oben zu finden. Es ist eine Zisterne, in die Stufen hinunter führen. Darin wurde wahrscheinlich Regenwasser gesammelt, welches für die Versorgung der hiesigen Einwohner diente. Allerdings währte deren Zeit nicht lange, denn bald beendeten die Karthager ihre Herrschaft, wie an so vielen Plätzen in Sizilien. Diese Info entnahmen wir den Infotafeln am Wegrand, denn gesehen haben wir die Zisterne nicht.

Am „Weg der Braut“ stößt man auf den Schrein des Heiligen Nikolaus. Ein Relief aus weißem Marmor stellt den Heiligen Nikolaus, Bischof von Bari, mit drei Jungen auf einem Boot dar. Durch die römische Inschrift lässt sich das Relief datieren.

Schrein des Heiligen Nikolaus

Um den „Weg der Braut“ rankt sich die Legende um eine Familientragödie. Der heutige Wanderweg war vor langer Zeit die kürzeste Verbindung zwischen den Ortschaften an der Küste. Eine junge Braut starb an dieser Stelle durch den Sturz über das Cliff ins Meer. Der bei sonnigem Wetter hellblau scheinende Teil im Wasser unterhalb der Stelle soll der Schleier der Braut sein. Niemand weiß jedoch, wann sich dies zugetragen hat.

Den Weg immer weiter gehend, erreicht man bald darauf die „Grotte des Heiligen Kreuzes“. Der Eingang zur Höhle ist riesig und von unten nach oben spitz zulaufend, eine natürliche Form im Kalksteinfelsen. Es wurden Artefakte gefunden, dass diese Höhle schon vor 11.000 Jahren von Tieren und später von Menschen genutzt wurde. Die Menschen lebten von Wildschweinen, Hirschen und Muscheln, wie Funde bei Ausgrabungen zeigten. Diese Höhle wurde anscheinend noch bis in jüngere Zeit genutzt, was die rußgeschwärzten Wände der Höhle belegen. Den Rauchabzug übernahm ein natürliches Loch in der Felswand oberhalb des Höhleneinganges.
In der hintersten Ecke der großen Höhle ist der Zugang zu einer weiteren Höhle zu sehen.

Grotte des Heiligen Kreuzes

Das Ziel dieser interessanten Wanderung war der Saint John-Turm, welcher im Juni 1595 errichtet wurde. Dieser Turm wurde im späten 16. Jahrhundert teil des Verteidigungssystems der sizilianischen Küste gegen die türkischen Angreifer, welches im Auftrag des spanischen Königs aufgebaut wurde. Wie schon bei den Römern wurden Signale über Feuer, Geschütze oder Flaggen von Turm zu Turm getragen, wenn Gefahr bestand. Die Besatzung solch eines Turms bestand normalerweise nur aus einem Kommandanten und zwei Schützen.

Saint John-Turm, im Hintergrund der Berg mit Erice

Hier drehten wir um und stolperten den ganzen Weg wieder zurück. Der Wanderweg ist eher ein Hindernisweg, bei dem man jeden Schritt bewusst setzen sollte. Bei den Kalkbrennöfen zweigt ein steiler Weg den Berghang hinauf ab, der zu einem großen Überhang führt, der auch schon immer Tier und Mensch als Schutz diente. Der Weg ist nicht für jedermann zugänglich. Man sollte trittsicher und halbwegs schwindelfrei sein. Ist man endlich oben angelangt, liegen einem das Meer und die Küste mit den Zeichen frühen menschlichen Lebens zu Füßen.

großer Überhang oder Höhle

Laut der App MapsMe führt der Weg, den man nach oben genommen hat, auf der anderen Seite etwas komfortabler wieder nach unten, und zwar zurück zum Torre della tonnara di Cofano. Da gibt es nur ein winziges Problem: die Überwindung einer mehrere Meter hohen senkrechten Felswand. Da wir uns das nicht zutrauten, mussten wir wohl oder übel den abenteuerlichen und steilen Weg wieder nach unten klettern, den wir gekommen waren.

Eine unerwartete Überraschung bietet das Naturschutzgebiet auch noch. Wir fanden, und konnten es nicht glauben, Stachelschweinborsten. Nachforschungen ergaben, dass das Gewöhnliche Stachelschwein tatsächlich in Süditalien und auf Sizilien lebt, wahrscheinlich seit den Zeiten der Römer, die sie eingeführt haben sollen. Wir haben uns über diese Funde gefreut.

unverhoffter Fund im Naturschutzgebiet: Stachelschweinstachel

Erice

In 751 Metern Höhe, auf dem Bergmassiv mit dem Monte Erice, liegt die mittelalterliche Stadt Erice. In den Gassen der Stadt scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Nichts hat sich seit damals geändert. Man spaziert über die alten Pflaster der gewundenen Gassen, an denen die kleinen mittelalterlichen Häuser stehen. Nur die Kirchen nehmen den ihr gebührenden Raum ein, und natürlich das Castello de Venere aus dem 12. Jahrhundert.

eine der Gassen in Erice

In der Antike soll an dieser höchsten Stelle ein Venus-Tempel gestanden haben. Der Legende nach soll Eryx, der Sohn von Aphrodite, den Ort gegründet haben. Das normannische Kastell hat dann den Namen übernommen.

Castello Venere in den tiefhängenden Wolken

Von vielen Stellen aus hat man einen wunderschönen Blick hinunter über die Landschaft, fast in jede Richtung. Allerdings zieht es um diese Jahreszeit ganz schön kalt um die Ecken, ein Nachteil der exponierten Lage und der Höhe. Wir mussten auch vier Tage warten, dass die tief hängenden Wolken die Stadt freigeben. Das hat nicht ganz geklappt, trotzdem schickte die Sonne immer mal wieder für einen kurzen Moment Ihre Strahlen nach Erice.

Blick nach Norden zum Monte Cofano

Eigentlich ist Erice berühmt für sein Marzipan, welches bergeweise darauf wartet, von den Touristen gekauft zu werden. Leider konnten wir nichts dergleichen finden, denn es hatte fast alles geschlossen. Nur einige Souvenirgeschäfte und das kleine hübsche Café San Giuliano laden Gäste ein.

Café San Giuliano

Es lohnt sich trotzdem auch im Winter zu kommen, denn die vielen kleinen architektonischen Details, die vom Arabischen, über das Normannische bis hin zum Barock reichen, machen den Stadtbummel durch das Juwel Erice besonders. Außerdem ist man fast alleine unterwegs und man kann die Ruhe genießen.

außergewöhnliche Kuppel der Kirche San Giovanni Battista

Wir wollten uns die angeblich wunderschöne Fahrt mit der Seilbahn nicht entgehen lassen, aber leider ist diese wegen Revision bis Ende März geschlossen. Die westlich um den Berg führende Straße nach Erice ist jedoch mindestens genauso schön, mit den vielen Aussichten über Trapani und die Salinen, bis hin zu den Ägadischen Inseln, sowie die Fahrt durch die Karstlandschaft selbst.

Blick über Trapani zu den Ägadischen Inseln

Hinunter nahmen wir die ostwärts verlaufende, sehr kleine, sehr kurvige, eigentlich gesperrte Straße. Da hat es wohl einige Unfälle gegeben, bei denen die Autos von der Straße abkamen und den meist senkrechten Hang abstürzten. Einige Spuren zeugen von den Tragödien. Da kann man nur der Technik des eigenen Autos vertrauen. Wir wurden nicht enttäuscht.

Trapani

Nach fast drei Tagen Sauwetter mit Regen, Sturm, Kälte und Dunkelheit, die wir auf dem Parking Le Saline im Südosten Trapanis zubrachten, kommt nun endlich die Sonne wieder zum Vorschein. Viel konnten wir in der Zeit nicht unternehmen, es war einfach zu eklig. Auf den Fotos kommt das auch nicht gut. Also guckten wir Videos, spielten Karten, fuhren mal zum Einkaufen oder was man sonst so macht.

Am Nachmittag des dritten Tages klarte sich der Himmel kurzzeitig auf und wir nutzten die Zeit, um den Salinen von Trapani und Paceco einen Besuch abzustatten, die ein Naturschutzgebiet sind. Mit dem Auto kann man sich nur am äußeren Rand der Salinen bewegen, aber es führen viele Fußwege hindurch. Der zentrale Punkt ist das Salzmuseum, welches auch Exkursionen durch die Salzpfannen anbietet.

Blick über die Salinen zum Monte Erice

Überall liegen Salzhügel verteilt, die statt schneeweiß eher grau sind, so lange liegen sie schon. Manche sind mit einer Schicht Dachpfannen geschützt. Die Salzproduktion läuft in Trapani nur von April bis Ende September, da die Wetterbedingungen keinen Abbau im restlichen Jahr zulassen, wegen fehlender Verdunstung. Im Winter werden die Becken gereinigt und mit dem inzwischen gesammelten Schlamm abgedichtet. Dann werden im Frühjahr die Salzpfannen wieder geflutet und der Zyklus geht von vorne los.

mit Dachziegeln geschützte Salzhügel

Die Salinen, wie überall in der Welt, sind ein Paradies für Vögel. Während wir auf der bisherigen Fahrt durch Italien und Sizilien noch nicht gerade verwöhnt wurden, was Vogelbeobachtungen angeht, haben sich in den Salinen von Trapani und Paceco schon einige Arten eingefunden. Mehrere Entenarten wie Löffelente, Brandgans und Spießente, Rotschenkel und vor allem die immer wieder faszinierenden Rosaflamingos tummeln sich in der geschützten Wasserlandschaft. Die tollen Farben der Flamingos kommen erst richtig im Sonnenlicht zur Geltung, erst recht wenn sie ihre Flügel ausbreiten. Ich kann mich kaum an ihnen sattsehen.

immer wieder faszinierend: Rosaflamingos

Endlich wieder ein Tag mit mehr Sonne als Wolken, so dass wir eine Fahrt im Uhrzeigersinn rund um das Bergmassiv machen konnten, auf dem Erice liegt. Die Straße führt bis nach Valderice meist bergan. Ab und zu hat man einen schönen Blick auf Trapani und die Küste mit den Salinen. Dann biegt man nach Norden ab und bekommt tolle Ausblicke auf diese Küste. Trapani liegt auf einer langen Landzunge und ist eigentlich überall von Wasser umgeben. Bei Sonnenschein leuchtet das Meer herrlich blau, nur die Strände sind jetzt überall mit Müll und abgestorbenem Seegras übersät, was wenig appetitlich ist.

Blick von Tonnare di Bonagia zum Monte Cofano

Klaus hat mich dann 10km vor dem Hafen Trapanis abgesetzt und ich bin zu Fuß zurück gelaufen, immer am Wasser entlang. Dabei kommt man an mehreren Sandstränden, Ruinen einer alten Thunfischfabrik und der stillen Rückfront Nordtrapanis vorbei. Der alte Fischmarkt, eine alte Festung (Bastione Conco) und ein alter Turm sorgen außerdem für Abwechslung auf dem Weg.

alter Fischmarkt

Ein Stadtbummel durch Trapani lohnt eigentlich nur entlang des Corso Vittorio Emanuele, wo sich sehr schöne Barockbauten ein Stelldichein geben. Sie als Flanier- und Einkaufsmeile zu bezeichnen, ist allerdings etwas übertrieben.

Dieses Detail am Corso Vittorio Emanuele erinnert mich an das Dresdner Schloss

Sehenswert ist auch die Front entlang der Fähranleger, wo unter anderem das Denkmal für Giuseppe Garibaldi, der 1890 in Trapani eintraf, zu finden ist. Über den Namen Giuseppe Garibaldi stolperten wir schon auf der ganzen Reise durch Italien/Sizilien. In Marsala erfuhren wir, dass er 1860 mit tausend Freiwilligen mit Schiffen in Marsala landete, um Sizilien von den letzten Besatzern zu befreien und Italien zu einigen.

nettes Detail gegenüber der Fähranleger

In Trapani wurde früher viel Rote Koralle verarbeitet, die immer noch vor den Küsten Siziliens gedeihen soll. Diese Korallenart ist inzwischen streng geschützt und so hat der Handel mit echter Koralle stark nachgelassen. Es gibt zwar immer noch Schmuckgeschäfte, in denen Korallenschmuck angeboten wird, der ist aber fast immer aus Plastik.

Markttag ist jeden Donnerstag auf dem Platz am großen Schwimmbad. Es gibt aber fast nur Klamotten und Krimskrams. Nur wenige Verkäufer bieten Obst, Gemüse oder Spezialitäten an. Der Fischmarkt am Hafen findet dagegen jeden Morgen statt.

Thunfischprodukte und Baccala (Trockenfisch) auf dem Wochenmarkt

Vor Trapani liegen die Ägadischen Inseln. Die drei größten heißen Levanzo, Favignana und Marettimo. Ihre hohen Felsen sind nicht zu übersehen. Die Inseln können vom Fähranleger Trapanis aus besucht werden. Es soll sich lohnen, aber dann wohl doch eher in der warmen Jahreszeit.

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