A+K Weltenbummler

Reisen rund um die Welt

Kaplanbek

Bisher lief alles relativ ruhig und entspannt ab. Was uns jedoch am Grenzübergang in Kaplanbek erwartete, ist als „unhaltbar“ zu bezeichnen. Zuerst setzte uns der Bus einen halben Kilometer vor der Grenze ab. Mit Sack und Pack stolperten wir auf einen ziemlich löchrigen und holprigen Fußweg voller Menschen bis zum Gebäude des kasachischen Zolls. Dort wurden wir aufgehalten. Die ankommenden Leute ließ man nur schubweise ein, denn irgendwie funktionierten wohl die Zollcomputer nicht recht.

Während wir so warteten und „Schlange“ standen, drängelten sich immer wieder Leute an uns vorbei und wollten vor uns rein. Hin und wieder sorgten Ordnungskräfte für Ordnung, was aber nicht viel half.

Als wir dann eingelassen wurden standen wir in mehreren Schlangen vor den Schaltern der Passkontrolle. Ganze zwei Schalter hatten geöffnet, bis sich dann doch jemand erbarmte, einen weiteren Schalter zu öffnen.

Nach dieser Kontrolle mussten wir zum Gebäude des usbekischen Zolls. Dazwischen liegt wieder ein halber Kilometer. Was wir bisher erlebten, war noch gar nichts gegen das, was uns hier erwartete. Wir haben in den letzten vierzig Jahren, die wir verreisen, so etwas noch nicht erlebt.

Entgegen den bisherigen Passkontrollschaltern, die alle nebeneinander liegen, befindet sich in der usbekischen Passkontrolle an der rechten Wand eine lange Theke, hinter der mehrere Zollbeamte sitzen. Die Grenzgänger stehen zwar in Schlangen an, an denen sich jedoch immer wieder Leute vorbei drängeln, um schneller durch die Kontrolle zu kommen.

Klaus suchte sich eine Schlange weiter hinten aus und war bald durch. Ich hatte auch überlegt mich weiter hinten anzustellen, entschied mich aber für die erste Reihe. Schon hatte ich mehrere Leute um mich, die sich vor mich kleines Persönchen drängeln wollten. Das ging eine ganze Weile so, bis mich ein Mann mit Gewalt beiseite schob. Da hatte ich genug und meinte nur, das es eine schöne Gastfreundschaft wäre, wenn man Touristen so behandelt. Ich sagte das zwar auf deutsch, aber der drängelnde Mann sah mich groß an und stellte sich hinter mich. Das hatte er wohl verstanden.

Nach einer gefühlten Ewigkeit stand ich endlich an der Theke und dachte, dass ich jetzt an der Reihe wäre. Weit gefehlt, denn der Beamte packte seine Sachen, zog sich an und machte einem Beamten Platz, der den Schalter übernehmen sollte. Das tat er im Zeitlupentempo, extra demonstrativ.

Als dann der neue Beamte seinen Dienst antrat, fragte er, wer der Nächste sei. Sein Vorgänger hielt es nicht für nötig, ihm zu sagen, dass ich das bin. So streckten sich ihm drei Pässe entgegen. Er wollte schon nach den Pass meiner Nachbarin greifen, die sich vehement neben mich gedrängelt hatte. Doch da meldete sich unverhofft der Mann hinter mir und meinte, dass ich jetzt an der Reihe wäre, wofür ich mich bei ihm bedankte.

Jetzt hatte ich zwar den Stempel im Pass, aber ich kam nicht mehr aus dem Pulk heraus. Mit vollem Körpereinsatz, Ellenbogen, meinem Trolley vorweg und ständigem „Entschuldigung“ (auf russisch) rufend, kämpfte ich mich durch die Menschentraube, die keinen Millimeter zurückweichen wollte.

Vollkommen entnervt hatte ich es irgendwann geschafft und kam zum ersten Kontrolleur, der den Stempel sehen wollte. Der guckte in meinen Pass und meinte dann, der Stempel ist nicht leserlich. Ich müsste zurück, mir einen neuen holen. Nach dem kräftezehrenden Erlebnis da drinnen? Nie im Leben gehe ich dorthin zurück. Der Verzweiflung nahe blieb ich einfach stehen und bedeutete ihm, dass ich mir das nicht noch einmal antue. Nach einer Weile akzeptierte er meinen Stempel und ließ mich durch.

Der zweite Kontrolleur stutzte zwar, ließ mich aber ebenfalls durch. Den dritten störte es nicht mehr und nach weiteren hundert Metern war ich in Usbekistan, wo die meisten Mitreisenden schon warteten. Es dauerte noch eine ganze Weile bis wir vollzählig waren und zum Busparkplatz gingen, immer noch mit Sack und Pack. Die ganze Grenzsache hat über eine Stunde gedauert. Es war spät und wir waren müde, aber von einem Bus nichts zu sehen. Eine Weile später hieß es, er steht im Stau. Es verging fast eine weitere Stunde, bis er endlich kam und wir nach Taschkent aufbrachen.

Es war ein langer Tag, von 6.30 Uhr bis 22 Uhr, als wir im Hotel ankamen.

Schymkent

Die Busrundreise wird von Almaty nach Schymkent durch einen Flug ersetzt. Immer mit den Nordausläufern des Tian Shan-Gebirges im Blick verging die Zeit wie „im Fluge“ und schon sehr bald landeten wir in Schymkent.

Flughafen Schymkent

Die 3.größte Stadt Kasachstans liegt am Fuße des Ugomgebirges, im mittleren Süden des Landes. Sie wurde wahrscheinlich im 12. Jahrhundert als Karavanserei an der Seidenstraße gegründet. Im Laufe der folgenden Jahrhunderte fiel die Stadt mehrfacher Zerstörungen anheim. Im frühen 19. Jahrhundert wurde Schymkent zu einem Kanat (Staatsgebilde der türkischen und mongolischen Stämme) und vom regierenden Khan als Festung ausgebaut, die im Laufe der Zeit eine wichtige militärische Rolle spielte.

Die Festung (Zitadelle) liegt mitten im heutigen Schymkent, auf einem Hügel. Archäologische Funde zeigen, dass der Hügel schon im 2. Jahrhundert v.Chr. besiedelt war.

Nach der Übernahme durch die Russen verfiel die Zitadelle ein weiteres Mal. Sie waren nicht daran interessiert, denn sie bauten das neue Schymkent einige Kilometer entfernt auf. Erst 2018 begann der Wiederaufbau der Festungsmauern mit dem Wachgebäude sowie der inneren Gebäude, wie Lager und Krankenstation. Wesentlich ältere Grundmauern wurden gesichert. 2020 machte man den ersten Teil der Öffentlichkeit zugänglich.

Am Tor der Zitadelle prangt das Wort „Shymqala“, im arabischen Stil verziert.

Einige Kriegerskulpturen aus Bronze schützen die weiteren Eingänge.

Im Museum werden archäologische Artefakte aus vielen Jahrhunderten ausgestellt, sind Szenen aus dem Leben an der Seidenstraße nachgebildet und ein Stück steinerne Wasserleitung konserviert. Die Bücher aus dem Mittelalter, in arabischer Schrift, sind fast genauso schön gestaltet wie die europäischen Bücher aus der gleichen Zeit.

Vom Vorplatz des Museums aus hat man einen herrlichen Rundumblick über Schymkent, bis hin zum Ugomgebirge.

Gleich nebenan befindet sich der Unabhängigkeitspark mit dem hoch aufragenden und beeindruckenden Unabhängigkeits-Denkmal.

Das nächste Ziel der Stadtbesichtigung in Schymkent war der Abaii-Park. Der große Park im Herzen der Stadt ist dem Poeten und Philosophen Abai Kunanbayev aus dem 19. Jahrhundert gewidmet. Ihm zu Ehren hat man in sowjetischer Manier eine riesige sitzende Statue von ihm aufgestellt.

Daneben gibt es an mehreren Stellen Stätten zum Gedenken an die Opfer der beiden Weltkriege, wie das Fliegerdenkmal für die Gefallen des 2. Weltkrieges.

Von diesem Fliegerdenkmal zu einem weiteren Denkmal teilt eine Allee den Park, die rechts und links von braunen Marmorwänden gesäumt ist, in die mehr als einhunderttausend Namen der Gefallenen in goldener Schrift gemeißelt sind. Die gefallenen Kommandeure und Generäle, mit der Auszeichnung „Helden der Sowjetunion“ werden in einem separaten Teil gewürdigt.

Das Mittagessen nahmen wir im Grand Praga-Hotel ein. Das Ambiente des Restaurants ist amerikanisch-englisch, das Essen lecker und kasachisch.

Nun verabschiedeten wir uns von Schymkent und fuhren mit einem neuen Bus und einem anderen Reiseleiter zur Grenze nach Usbekistan, in Kaplanbek. Kasachstan zeigt sich hier flach und wüstenartig.

Almaty (Alma-Ata)

Nach einem kurzen Aufenthalt in Kirgistan führte uns die Busrundreise nun weiter nach Almaty in Kasachstan. Kasachstan ist sieben Mal so groß wie Deutschland, hat aber nur 20 Millionen Einwohner. Da gibt es eine Menge Platz. Während Kirgistan zu 80 Prozent aus Bergen besteht, ist Kasachstan fast überall flach. Das Land wird zu einem großen Teil von Wüsten und Halbwüsten geprägt. Es ist reich an Erdgas- und Ölvorkommen. Der Spritpreis ist der niedrigste in ganz Zentralasien und liegt bei ca. 60 Cent/Liter. Einige Kirgisen kaufen daher Sprit in Kasachstan und verkaufen ihn zuhause in Kanistern am Straßenrand mit knapp 20 Cent Aufpreis.

Almaty, bis 1993 Alma-Ata genannt, ist die größte Stadt Kasachstans. Sie war bis 1997 die Hauptstadt Kasachstans, bis der Status an die Stadt Astana in Norden des Landes fiel, die heute die zweitgrößte Stadt Kasachstans ist. Almaty blieb jedoch Handels- und Kulturzentrum.

Von Bischkek aus fuhren wir in Richtung Norden, zum Grenzübergang Korday, am Fluss Tschui. Dort mussten wir mit Sack und Pack den Bus verlassen und zu Fuß durch die Grenzkontrollen gehen. Busse und Fahrzeuge werden gesondert kontrolliert.
Neben den normalen Grenzgängern sind da einige Händler mit riesigen Paketen unterwegs. Das sind Waren, die aus China kommen und in Kasachstan verkauft werden.

Nach der Grenzkontrolle warteten wir fast zwei Stunden auf unseren Bus. Die Temperatur stieg auf fast 30°C bei blauem Himmel. Die schneebedeckten Berge des Tian Shan-Gebirges konnten wir das erste Mal richtig schön sehen.

Endlich kam der Bus, lud uns ein und wir setzten unsere Fahrt nach Almaty fort, bis wir auf die Autobahn A-2 stießen. Diese Autobahn, die von Schymkent im Süden Kasachstans bis nach Almaty führt, wurde vor Kurzem mit deutscher Hilfe gebaut und steht kurz vor ihrer Vollendung. Einige wenige Windräder stehen in der Nähe der Autobahn, ebenfalls mit deutscher Hilfe errichtet.

Nach einer angenehmen Fahrt durch eine flache, recht grüne Landschaft, erreichten wir Almaty. Die Stadt schmiegt sich an die nördlichen Ausläufer des Tian Shan-Gebirges und ist sehr grün.

Alma-Ata bedeutet „wilde Äpfel“. Bevor sich die Stadt ausdehnte, zogen sich große Apfelplantagen am Fuße der Berge entlang und deren Hänge hinauf. Inzwischen sind die Apfelbäume verschwunden, aber überall in der Stadt sieht man Äpfel abgebildet.

Auf einem Teil des ehemaligen Apfelgeländes breiten sich heute der „Park des 1. Präsidenten“ und ein Golfplatz aus, an dem wir bei unserer Stadtrundfahrt nach der Ankunft in Almaty vorbeigekommen sind.

Der oberhalb gelegene „Grüne Berg“ ist Almatys Wintersportgebiet. Weiter ostwärts befindet sich eine große Schanze. Noch ein Stück weiter ist der Fernsehturm zu sehen. Das zieht sich alles am Fuße der Berge entlang, unterhalb schließt sich die Stadt an.

Vom „Park des 1. Präsidenten“ bogen wir auf die Al-Farabi Avenue ein, der wir am Südrand bis zum Ostrand der Stadt folgten. Rechter Hand das Wintersportgebiet mit dem Fernsehturm, links zumeist moderne Bauten.

An einem großen Dreieck bogen wir in die Tole Bi Street ab und fuhren an einer Art Freizeit- und Sportpark vorbei zum Hotel „Grand Sapphire“, in dem wir eincheckten. Das Hotel ist schon etwas in die Jahre gekommen. Man kann aber noch den ehemaligen Luxus des Hotels spüren.

Almaty zeigt sich offen mit einem Architekturmix von der Zarenzeit, über die Sowjetzeit bis hin zu sehr modernen Bauten. Vor allem das Geschäftsviertel der Stadt besteht aus Hochhäusern mit viel Glas.

Nach einer kleinen Ruhepause starteten wir zu einem Stadtrundgang. Nur zwei Straßen unterhalb des Hotels beginnt der Panfilov-Park, in dessen Mitte die Christi-Himmelfahrt-Kathedrale steht. Zuerst kamen wir aber zum Panfilov-Monument. Es ist ein durch seine Größe mehr als beeindruckendes Heldendenkmal für die Panfilov-Soldaten. General Iwan Panfilov ist Held der Sowjetunion und kämpfte im 1. und 2. Weltkrieg für die Verteidigung seines Landes.

Die komplette südöstliche Ecke des Parks ist den Kriegshelden Kasachstans gewidmet. Mehrere Denkmäler und die ewige Flamme bilden eine Einheit des Gedenkens. Sehr beeindruckend.

Ganz in der Nähe befindet sich das Militärhistorische Museum. Gleich nebenan, in einem zaristischen und prächtigen Holzgebäude, ist heute das Museum für Volksmusikinstrumente untergebracht.

Nun wandten wir uns der Kathedrale in der Parkmitte zu. Der Grundstein wurde 1903 gelegt und innerhalb von drei Jahren fertig gestellt. Geweiht wurde die Kirche 1907. Sie ist ein architektonisches Glanzstück, denn sie ist eines der höchsten Holzgebäude der Welt und mit 46 Metern die höchste hölzerne orthodoxe Kirche der Welt. Das ist noch nicht alles. Da Almaty in einem erdbebengefährdeten Gebiet liegt, musste sie erdbebensicher gebaut werden. Sehr schnell wurde diese Tatsache auf die Probe gestellt. Schon 1911 ereignete sich ein schweres Erdbeben. Die Kirche trug kleine, äußerliche Schäden davon, aber die spezielle Konstruktion hielt.

Inzwischen wurde sie überholt und strahlt wie neu. Als wir die Kathedrale zum ersten Mal sahen, waren wir der Meinung, dass es sich um einen Mauerwerksbau handelt. Das es Holz ist, ist nicht zu erkennen.

Im Inneren ist die Kathedrale, wie alle orthodoxen Kirchen, sehr prächtig ausgestaltet. Der riesige Hauptaltar und die vielen Nebenaltäre sind ganz vergoldet und mit Heiligenbildern verziert. Religiöse Gemälde im oberen Teil der Kathedrale, sowie buntes Fensterglas, weitere Malereien und Stuckarbeiten vervollständigen das Bild. Da kommt man aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Die Christi-Himmelfahrt-Kathedrale von Almaty muss man gesehen haben.

Nun spazierten wir weiter durch den Panfilov-Park zum „Grünen Basar“. In der alten Markthalle werden Lebensmittel aller Art verkauft, vom Honig über Käse, Obst und Gemüse, fertigen Salaten bis hin zum Pferdefleisch. Da findet jeder etwas.

An die Markthalle schließen sich die Läden mit Waren des täglichen Bedarfs, Kleidung und Souvenirs an. Es ist ein großes Gelände und man ist eine ganze Weile unterwegs, wenn man alles sehen will. Wir hatten eine Stunde Zeit uns umzusehen.

Langsam taten uns die Füße weh. So viel laufen waren wir nicht gewohnt. So spazierten wir zum Hotel zurück. Am Straßenrand stehen kleine Kastanienbäume mit roten Blütenständen. Die Wohnhäuser sind auch hier bunt gemischt: aus der Zarenzeit (2-3-geschossig, pastellfarben mit weißen Akzenten), aus der Sowjetzeit und ein paar moderne Bauten, die die Lücken schließen.

Nachdem wir uns im Hotel frisch gemacht und die Füße ausgeruht hatten, ging es schon wieder zum Abendbrot. In der Nähe des Panfilov-Parks, an der westlichen Seite, kehrten wir in ein Grillrestaurant ein, wo wir sehr gut speisten.
Es war ein langer Tag, der erst nach 22 Uhr endete.

Rückfahrt nach Bischkek

Am frühen Morgen im Jurtencamp, nach dem Aufstehen und dem Blick über den Yssykul, konnten wir halbwegs gut die schneebedeckten Gipfel des Tian Shan-Gebirges am gegenüberliegenden Ufer sehen. In halber Höhe zogen Wolkenbänder daran vorbei, so dass wir den unteren Bereich der Berge und deren Gipfel erkennen konnten. Das Ganze war in blaues Morgenlicht getaucht, wie wir es im Herbst am Gardasee erleben durften. Sehr schön.

Nach dem Frühstück packten wir unsere Koffer, verluden sie im Bus und fuhren zurück nach Bischkek. Die lange Fahrt über die Baustellenstraße nach Ottuk verkrafteten wir ausgeruht wesentlich besser als gestern Nachmittag, als wir schon fast den ganzen Tag unterwegs und kaum noch aufnahmefähig waren.
Wir bewunderten die Landschaft, die Ortschaften, die Felsformationen, den Yssykul und die Schafherden. Die Sonne kam langsam heraus.

Nach der guten halben Strecke in Richtung Ottuk kamen wir am Ort Kycyl Tuu vorbei. Während es früher viele Jurtenhersteller gab, sind es heute nur noch wenige. Einer davon ist der Jurtenhersteller in Kycyl Tuu. Im Felt House können die Besucher das Entstehen einer Jurte beobachten. Wir fuhren leider daran vorbei, konnten nur das Ortseingangsschild von der Straße aus sehen.

Auffallend sind die Friedhöfe entlang der Straße. Die Gräber stammen aus einer langen Zeitspanne, von uralt bis neu. Da es muslimische Gräber sind, dürfen sie nicht weggemacht werden. Die meisten von ihnen zerfallen irgendwann. Der Aushub für die Gräber wird nach der Bestattung wieder oben drauf geschichtet, verdichtet sich jedoch mit der Zeit wieder. Geschmückt wird das Grab, je nach Geldbeutel und Ansehen der Person, entweder schlicht oder prächtig. Auf vielen Gräbern stehen jurtenähnliche Gebilde, aber auch verschiedene Mausoleen. Die Gräber aus der Sowjetzeit sind meist gleich zu erkennen, heute stellt man einfach nur Stelen auf. Das ist schon sehr interessant.

Ebenso sehenswert sind die kleinen Moscheen der Dörfer, die meist von sehr schönen Kuppeln gekrönt werden.

Die Mittagspause legten wir wieder im Shibek-Sholu im Tschui-Tal ein. Diesmal aßen auch wir etwas am Selbstbedienungsbuffet, dazu tranken wir einen für diese Gegend typischen Sanddorntee. Sanddorntee im Gebirge, weit weg vom Meer? Das ist doch sehr überraschend für uns, aber lecker.

Das erste große Ziel der Rückfahrt war der Burana-Komplex südlich von Tokmok. Es ist ein archäologischer Park mit verschiedenen Bereichen.

Im 10. bis 12. Jahrhundert existierte der Karachanidenstaat im heutigen Mittelasien, also auch auf dem Gebiet Kirgistans. Er reichte von Fluss Ili im Osten bis zum Fluss Amudarja im Westen. Die Karachaniden-Dynastie entwickelte Landwirtschaft, Bergbau, Handwerk und Handel weiter und sorgte für die Verbreitung des Islam. Es entstanden neue Städte und Siedlungen. Die Siedlung Balasagyn (Burana) wurde zur Hauptstadt des Karachanidenreiches. Die Karachaniden waren ein turkstämmiges Volk. Heute ist die antike Siedlung Burana Weltkulturerbe. Außer dem Burana-Turm, Resten der doppelten Wehrmauer, ein paar Kellerräumen, kaum noch als solche zu erkennen, und archäologischen Ausgrabungsgegenständen ist jedoch nichts mehr erhalten.

Der Burana-Turm wurde in den 1920er Jahren unter Schutz gestellt und 1970 bis 1974 restauriert und konserviert. Er ist eines der ältesten Bauwerke Zentralasiens. Ursprünglich war der Turm wohl mehr als vierzig Meter hoch, aber Erdbeben haben den oberen Teil des Turms zerstört.

Auf dem Burana-Gelände stehen auch viele Grabsteine, die aus dem 14. bis zur ersten Hälfte des 20. Jahrhundert stammen. Teilweise sind arabische Inschriften eingraviert, teilweise auch Menschen oder Gesichter. Manche Steine wurden auch zu Skulpturen umgestaltet.

In einer traditionellen Jurte ist das archäologische Museum untergebracht. Hier sind verschiedene Gegenstände aus dem 10.-12. und 17.-20. Jahrhundert ausgestellt, wie verschiedene Steinwerkzeuge, Mühlsteine oder Alltagsgegenstände aus Holz und Metall. Teppiche und Decken mit traditionellen kirgisischen Mustern sind ebenfalls zu bewundern.

Außerhalb der Stadtmauer stehen die Reste der Mausoleen ehemaliger karachanidischer Herrscher aus dem 11. Jahrhundert. Die verbliebenen Grundmauern wurden 1975 rekonstruiert.

Nach dem Besuch Buranas, bei dem wir uns etwas die Beine vertreten konnten, fuhren wir zum nächsten Tagesziel: kirgisische Reitervorführungen. Auf dem Weg dorthin fuhren wir durch das Dorf „Rot Front“. Es wurde 1927 von mehreren Familien deutschsprachiger Russlandmennoniten gegründet. Sie kamen aus den kirgisisch-kasachischen Grenzgebiet. Da dort das Land knapp geworden war, mussten sie neue Siedlungsräume erschließen. Zuerst hieß das Dorf Bergtal, 1930 wurde es offiziell zu Rot Front umbenannt. Inzwischen leben wohl nur noch ca. 20 Prozent der Russlandmennoniten dort. Sie haben den Namen Bergtal beibehalten.

Leider kann ich nicht sagen, wo genau die Reitervorführung stattfand. Auf jeden Fall befanden wir uns in den Bergen südlich von Bischkek. Der Platz ist mit dem Schild „Saamal Tujuk“ bezeichnet. Es hatte gerade geregnet und der Boden war durchgeweicht. Unter einem Dach fanden wir Schutz.

Das traditionelle Reiterspiel, welches wir uns ansahen, wird mit jeweils drei Reitern in zwei Mannschaften ausgetragen. Dazu gibt es einen Schiedsrichter, der die kirgisische Fahne trägt. Gegenstand des Spieles ist ein Ziegenbalg, der mit Sand und Stroh gefüllt wird und dreißig Kilogramm wiegt. Das ist richtig schwer. Inzwischen, auf Grund der zahlreichen Vorführungen, hat man den Ziegenbalg durch ein Stück Leder und Seile ersetzt, die die Beine imitieren.

Ziel des Spiels ist es, den Balg in das kleine runde Tor zu bugsieren, welches durch ein Seil oder Reifen gekennzeichnet ist.

Der Schiedsrichter bringt den Balg ein Stück weg. Auf „Los“ reiten die Teilnehmer los. Der Schnellste greift sich den Balg und versucht nun, diesen in das Tor zu bringen. Die gegnerische Mannschaft versucht das natürlich zu verhindern oder selbst zum Zuge zu kommen.

Die ersten Durchgänge waren nur Geplänkel, aber beim letzten Kampf ging es richtig zur Sache. Keine der beiden Mannschaften konnte den Balg im Tor platzieren. Mensch und Pferd werden voll gefordert. Sogar die Pferde besitzen Kampfgeist und raufen mit. Mit der Zeit ließen bei allen Teilnehmern die Kräfte nach. Wie gesagt, der Balg wiegt 30 Kilogramm. Der Besitzer des Balgs klemmt ihn zwar zwischen Schenkel und Pferd, so dass er nicht das gesamte Gewicht halten muss, anstrengend ist es trotzdem.

Irgendwann schaffte es doch jemand, den Balg im Tor abzulegen. Bei Mensch und Pferd floss der Schweiß, alle waren fertig. Für uns war es ein Erlebnis. Zum Abschluss schoss unsere Reiseleiterin Uli noch ein Gruppenfoto vor dem Hintergrund der Berge.

Mit unseren dreckverschmierten Schuhen stiegen wir in den nagelneuen Bus, zum Leidwesen des Fahrers, und fuhren nun weiter durch eine grüne Berglandschaft. Auf der Passhöhe von 1200 Metern, ein Schild nennt den Platz „Tashtany Tashtabagyn“, stiegen wir noch einmal für den schönen Blick aus. Wir befanden uns schon ganz in der Nähe der oberen Stadt von Bischkek.

Nun kehrten wir bei einer kirgisischen Familie zum Abendessen ein. Die Tische waren reich mit Salaten, Rohkost und Brot als Vorspeisen gedeckt. Als Hauptgericht gab es geschmortes Rindfleisch mit Kohl und Kartoffeln. Zum Abschluss schenkte man Tee aus, den man mit der traditionellen Himbeermarmelade oder Honig verfeinern konnte. Gebäck und Süßigkeiten bildeten den Abschluss. Es schmeckte alles hervorragend. Es ging zwar etwas beengt zu, trotzdem hatten wir unseren Spaß.

Nach dem Abendessen kehrten wir in das Damas-Hotel in Bischkek zurück, welches wir gestern früh verlassen hatten. Wir bekamen sogar unser altes Zimmer wieder.

Fahrt Bischkek – Yssykkul

Nach einem frühen Frühstück (7 Uhr) startete die lange Fahrt zum Yssykkul-See, der im nordwestlichen Teil des Tian Shan-Gebirges liegt. Vielleicht bekommen wir auf dieser Fahrt die schneebedeckten Berge der 5000er-Kette zu sehen.

Zuerst fuhren wir eine lange Zeit direkt an der kirgisisch-kasachischen Grenze entlang. Wir befinden uns damit im Tschui-Gebiet. Entlang der Grenze fließt der Tschui-Fluss, dahinter erhebt sich eine Hügelkette. Weiter hinten verläuft eine Straße bis in Höhe Tokmok, aber die Gegend ist kaum besiedelt.

Hin und wieder gibt es einen Grenzübergang, einige nur für Fußgänger, zwei weitere auch für Fahrzeuge, wo die LKW´s Schlange stehen. Der Handel zwischen Kasachstan und dem nahe gelegenen China ist rege.

Hinter dem Ort Kemin biegt die Straße zusammen mit dem Fluss Tschui nach Süden ab. Langsam steigt die Straße an und die grün bewachsenen Berge rücken näher heran, bis sie eine Art Canyon bilden. In vielen Kurven windet sich die Straße dort hindurch. Langsam nimmt die Vegetation ab und die bunten Löß- und Gesteinsschichten werden sichtbar, aus denen die Berge bestehen. Zudem bilden sie immer wieder schöne, von Verwitterung gezeichnete Formationen.

Am Ende des Canyons kehrten wir für eine kurze Mittagspause ins Shibek-Sholu ein, eine von mehreren Raststätten entlang der Straße.

Von hier aus sind endlich die schneebedeckten Gipfel des Tian Shan-Gebirges zu sehen, grandios.

Da die Mittagspause nur kurz ist und die Landschaft so schön, holten wir uns nur ein Eis und stiegen die Treppe zum Aussichtspunkt hinauf. Von dort aus bietet sich ein noch schönerer Blick auf die Schneeberge.

Hinter der Hütte des Aussichtspunktes erheben sich Hügel aus bunten Gesteinsschichten. Die Farben reichen von weiß, über rot bis hin zu schwarz. In den USA werden solche Gebiete „Bad Lands“ bezeichnet. Sie sind zwar sehr schön, aber absolut nutzlos für Viehzucht oder Landwirtschaft. Wir waren begeistert. Im Tal fließt immer noch der Tschui-Fluss.

Wenn man Zeit in dieser Gegend verbringt, dann kann man durch mehrere abgelegene, einsame und wunderschöne Schluchten wandern. Wir hatten dafür leider keine Zeit.

Das nächste Ziel auf dieser Fahrt war die Ortotokoi-Talsperre. Dafür überquerten wir einen Pass, dessen höchster Punkt auf 2160 m ü.NN liegt.
Als sich die Berglandschaft der Passstraße wieder öffnete, lag die größte Talsperre Kirgistans mit ihrem türkisblauen Wasser vor uns. Inzwischen befinden wir uns im Yssykul-Gebiet, dem östlichsten Gebiet Kirgistans.

Nun folgten wir der Straße südlich des Stausees. Immer wieder bieten sich herrliche Aussichten. Die Landschaft hat Wüstencharakter angenommen, Bäume gibt es nur noch wenige.

Neben der Straße entsteht gerade eine neue Bahnlinie, die Bischkek mit dem westlichen Yssykul-Gebiet verbinden soll.

Unser Ziel am Yssykul war ein Jurten-Camp am Südufer des Sees. Unsere Reiseleiterin erzählte, dass das Nordufer des Sees touristisch voll erschlossen ist. Das heißt, Hotels, Vergnügungsparks und Strände, eben alles was dazu gehört, bestimmen heute des Bild des Yssykul.
Wir sollten dagegen den See in seinem ursprünglichen, unverbauten Zustand sehen.

Noch etwas zum Yssykul-See: es ist der größte See Zentralasiens und der zweitgrößte Gebirgssee der Erde. Er liegt auf 1700 Metern Höhe und hat eine Ausdehnung von ca. 180×60 Kilometern, bei einer Tiefe von knapp 700 Metern.
Übersetzt bedeutet Yssykul „Heißer See“, denn an dessen Grund befinden sich mehrere heiße Quellen. Zudem wird der See durch das Wasser von 86 Flüssen gespeist, aber kein Fluss fließt aus dem See.

Der Yssykul sorgt für ein mildes Klima im Winter, was dazu führt, dass er nie zufriert. Außerdem wächst hier viel Obst und Gemüse.
Leider ist die Luft so dunstig, dass uns der Anblick der Schneegipfel des Tian Shan-Gebirges am nördlichen Ufer verwehrt blieb.

Von nun an wurde die Fahrt ziemlich ungemütlich. Die Straße von Ottuk bis zum „Royal Gate Jurtencamp“, in der Mitte des südlichen Seeufers gelegen, befindet sich seit ganzen vier Jahren im Bau. Es ist zu neunzig Prozent eine Schotterpiste mit unzähligen Ausweichstellen, da offensichtlich zuerst die nötigen Brücken auf der gesamten Länge der Straße fertiggestellt werden. Das hieß für uns, zwei Stunden mehr Fahrzeit, wodurch sich die vorgesehene Freizeit im Jurtencamp in Luft auflöste. Uns blieb also keine Zeit für eine Wanderung zum Seeufer oder zum nahegelegenen „Skazka Canyon“, auf den ich mich schon gefreut hatte.

Gegen 17 Uhr kamen wir endlich im Camp an. Wir hatten gerade Zeit, die Koffer in die Jurten zu bringen, da wartete schon die erste Vorführung. Ein Kirgise stellte uns seinen Adler vor. Zusammen mit seinem Sohn zeigte er anschließend noch eine kurze Flugvorführung. Zu allem Unglück fing es gerade an zu regnen.

Durchgeweicht gingen wir dann in die Gemeinschaftshütte, in der auch gegessen wird. Hier zeigte uns eine Kirgisin, wie man aus Schafwolle Alltagsgegenstände filzt. Die Schafwolle wird gewaschen, gefärbt und gefilzt. Daraus werden Bilder, Decken, aber auch die dekorativen Jurtenverzierungen hergestellt. Dafür legt man Filzstücke in Lagen übereinander, befeuchtet sie und wickelt sie mit Hilfe von Grasmatten eng zusammen. So entweicht das Wasser wieder. Dann werden die Grasmatten aufgewickelt und das Filzstück trocknet weiter. Am Ende ist alles gut miteinander verwoben.

Das harte Gras wächst an vielen Stellen in der Umgebung.

Die traditionellen Jurtenverzierungen werden aus zwei verschiedenfarbigen Filzen hergestellt. Man legt sie übereinander und schneidet das gewünschte Muster hinein. Dann werden die beiden Muster miteinander kombiniert und vernäht. Sehr schön und sehr interessant.

Nach dem traditionellen kirgisischen Abendessen unterhielt uns eine einheimische Familie mit Musik und Gesang. Die Eltern spielten auf traditionellen Instrumenten. Die Kinder trugen einen Auszug aus dem berühmten Manas-Epos vor. Manas ist der kirgisische Volksheld, der im 9. Jahrhundert das Land der Kirgisen gegen verschiedenen Eindringlinge erfolgreich verteidigte. Seine Nachkommen setzten den Kampf fort. Davon erzählt das Manas-Epos in fast 500.000 Versen. Die Kinder Kirgistans lernen den Epos in der Schule, der in melodischem Redegesang, und in wahnwitziger Geschwindigkeit, vorgetragen wird. Da kann man den Kindern nur Respekt zollen.

Eine sitzende Statue von Manas thront auf einem Hügel nahe der Straße, die wir gekommen sind.

Nach dieser interessanten Vorstellung der einheimischen Volkskunst bezogen wir unsere Jurten. Die Jurte selbst ist Wohn- und Schlafraum. Da es keine Fenster gibt, ist es absolut dunkel darinnen, wenn man das Licht ausschaltet. Oberhalb des Tündük, von dem ich schon im Bericht Bischkek berichtet habe, lässt sich wohl ein Stück Filz mit Hilfe von Leinen, die im Inneren herunter hängen, bewegen. Leider hatten wir keine Ahnung, wie das funktioniert. Das es regnete, wollten wir nicht riskieren, nass zu werden, wenn wir die Luke nicht wieder hätten schließen können.

Bad und Dusche sind in einem Fertigtrakt untergebracht, die man wohl erst vor Kurzem an die Jurten angebaut hatte.

Die Nacht war sehr dunkel und sehr ruhig. Übrigens: Im Badezimmer stießen wir auf etwas für uns absolut Neues – Strech-Klopapier. Es fühlt sich wie Krepppapier an, nur weicher und sehr reißfest. Da muss man sich erst einmal dran gewöhnen.

Bischkek

Bischkek empfing uns mit kühlen 19 Grad und bewölktem Himmel. So konnten wir keinen Blick auf die 5000er-Bergkette des Tian-Schan-Gebirges werfen, welches gleich in der Nähe von Bischkek beginnt. Vom Flugzeug aus durften wir schon eine Vorstellung von diesen Bergen erhaschen, die einfach nur grandios sind.

Bischkek, ältere Leute kennen die Stadt sicher noch unter ihrem alten Namen Frunse (bis zur Unabhängigkeit 1991), ist die Hauptstadt Kirgistans. Inzwischen hat sich das Land mehrfach umbenannt. Unsere Reiseleiterin meint, dass es heute Kirgistan heißt, denn hier leben die Kirgisen. „Stan“ heißt einfach nur „Land“ übersetzt. Auch auf der Willkommens-Werbung am Flughafen stand Kirgistan.

Die Stadt entstand aus einer Karawanenstation der Seidenstraße. Hier kreuzten sich mehrere Wege, die alle in andere Himmelsrichtungen führten. Deshalb gewann die Stadt bald an Bedeutung. Über die Jahrhunderte gaben sich jedoch mehrere Eroberer im Land der Kirgisen die Klinke in die Hand. Seit 1991 ist Kirgistan unabhängig.

Die rote Nationalfahne zeigt ein gelbes Tündük, welches die Dachöffnung der Jurten symbolisieren soll. Während man alle Teile der Jurte verkaufen oder verschenken kann, muss das Tündük in der Familie bleiben und immer an die nächste Generation weiter gegeben werden.

Das Tündük ist von einem Kranz aus vierzig Strahlen umgeben. Die stellen die vierzig kirgisischen Volksstämme dar, die das Land aufbauten. Die Fahne steht für eine möglichst lange und friedliche Zukunft Kirgistans.

Auf dem riesigen Ala-Too-Platz, dem zentralen Platz von Bischkek, der von mehreren ehemaligen und noch existierenden Regierungsgebäuden und Ministerien begrenzt wird, steht ein einhundert Meter hoher Fahnenmast. Die Fahne selbst ist dreiunddreißig Meter lang.
Bewacht wird die Fahne von zwei Soldaten der Nationalgarde. Jede volle Stunde gibt es einen zeremoniellen Wachwechsel.

Im Zentrum Bischkeks stehen jede Menge große Gebäude aus der Stalinzeit (2- bis 3-geschossig) und dem Sozialismus. Viele vernichtete man inzwischen, weil man mit diesen Zeiten nichts mehr zu tun haben möchte. Die noch stehenden Gebäude aus dieser Vergangenheit werden von Menschen erhalten, die die Geschichte nicht ganz auslöschen wollen. Außerdem sind sie meistens wunderschön, zumindest die Gebäude aus der Stalinzeit.

Kulturministerium

Einige der sozialistischen Prunkbauten werden gerade rekonstruiert.

Historisches Museum

Jede Menge Denkmäler, nach sozialistischer Manier riesengroß gestaltet, prägen das Stadtbild, wie das Mahnmal des großen Vaterländischen Krieges, welches einer Jurte nachempfunden ist, der viele Pfosten und Dachstreben fehlen. Es ist bei den Kirgisen Brauch, wenn ein Mensch stirbt, für eine Weile einen Pfosten aus der Jurte zu entfernen. Die vielen entfernten Pfosten des Mahnmals symbolisieren also die vielen Opfer des Krieges.

Mahnmal des großen Vaterländischen Krieges

Vor dem Denkmal trainierte eine Gruppe von Mädchen in farbenprächtigen kirgisischen Kostümen für den Auftritt zur Parade am 9. Mai, dem Tag der Befreiung.

Sogar eine Lenin-Statue überlebte. Sie steht vor dem Regierungspalast der Kirgisischen Republik.

Zudem sorgen mehrere größere Parks und ehemalige Prachtstraßen für viel Grün und bunte Blumen in der Stadt.

Inzwischen ist auch die Sonne heraus gekommen, so dass doch alles viel schöner und prachtvoller aussieht.

Nach einer kurzen Erholungspause im recht angenehmen Damas-Hotel, unser Zimmer lag in der obersten Etage mit einem schönen Blick auf einen der ruhigen Randbezirke Bischkeks und ein weiteres Hotel, starteten wir noch einmal zu einer Besichtigung.

Die neue Zentralmoschee von Bischkek ist ein Geschenk der türkischen Regierung an Kirgistan. Sie wurde von 2012 bis 2017 erbaut und 2018 in Beisein des türkischen Präsidenten Erdoğan eröffnet. Die Moschee besitzt mehrere Kuppeln, vier 70 Meter hohe Minarette und bietet 20.000 Besuchern Platz.

Das Innere ist in weiß und blau gehalten und ziemlich prächtig ausgestaltet. Allerdings sind alle Verzierungen nur gemalt.

Die Stiftungsurkunde ist am Eingang zur Moschee zu sehen.

Anschließend kehrten wir zu einem kirgisischen Abendessen ein und gegen 22 Uhr in unser Hotel zurück.

Anreise nach Bischkek

Endlich hat es geklappt. Vor vierzig Jahren hatten wir schon einmal Gelegenheit bekommen, eine Reise nach Mittelasien zu unternehmen. Leider gab es Missverständnisse bei der Buchung, und als es soweit war, war die Reise anderweitig vergeben. Jetzt ergab sich endlich eine neue Möglichkeit, nach Mittelasien zu reisen, und es funktionierte. Wir waren glücklich.

Über den Reiseveranstalter Trendtours flogen wir mit Turkish Airlines via Istanbul nach Bischkek, in die Hauptstadt Kirgistans. Die Reise war sehr sehr lang und sehr kräftezehrend. Von zu Hause nach Berlin, über ein Parkhaus mit Shuttle zum Flughafen, den ersten 3-stündigen Flug nach Istanbul, dann mehr als fünf Stunden Wartezeit im Transitbereich, bis wir nach einem 5-stündigen Flug in Bischkek landeten. Bis zu diesem Zeitpunkt waren wir schon 23 Stunden unterwegs, ohne Schlaf.

Flug am Tian-Shan-Gebirge vorbei

In Bischkek angekommen nahm uns die Reiseleitung in Empfang und wir fuhren mit dem niegel-nagelneuen Reisebus ins Zentrum von Bischkek, zum Frühstück. Das waren 25 Kilometer auf einer nicht guten Straße und mitten in der Rushhour.

Dann ging es mit einem Stadtrundgang weiter. Zum Mittag tauschten wir Geld im GUM in kirgisische Währung, damit wir uns Wasser und/oder Souvenirs kaufen können, oder um Geld für die Trinkgelder und die WC´s zu haben. Danach war Kaffeepause im „Kosu“.

Anschließend noch einen Stadtrundgang, und kurz nach 15 Uhr durften wir endlich unsere Hotelzimmer im Damas-Hotel beziehen. Alle waren fertig und müde.

Nach einer kurzen Ruhepause, und Gelegenheit zum Frischmachen, legten wir noch einen 5-minütigen Spaziergang zurück, um ein wirklich gutes, landestypisches Abendbrot zu genießen.

Letzte Vorbereitungen für den nächsten Tag, um 7 Uhr gibt es schon wieder Frühstück, und wir fielen ins Bett. Endlich schlafen, nach gut 48 Stunden.

Tarcento

Ein Familienbesuch führte uns nach Tarcento im äußersten Nordosten Italiens. Die Gegend nennt sich Friaul-Julisch Venetien. Schon aus ziemlicher Entfernung sind die schneebedeckten Gipfel der Alpen zu sehen, besonders vor dem azurblauen Himmel.

Zirka 30 Kilometer nördlich von Udine liegt Tarcento, schon direkt am Fuße der Berge. Es ist ein ganz nettes Städtchen, an dessen östlichem Ende der Fluss Torre mit seinem glasklaren Gebirgswasser entlang fließt. Dort befindet sich auch der Wohnmobilstellplatz, schön im Grünen gelegen. Bis ins überschaubare Stadtzentrum ist es nicht weit. Am Ufer des Flusses führt ein Spazierweg entlang, auf dem man herrlich entspannen kann.

Das milde Klima und die schöne Lage veranlassten viele Adelsfamilien, sich in Tarcento eine Villa zu bauen. Hoch über der Stadt thront die Villa Moretti. Leider wird sie gerade renoviert und ist daher von einem Baugerüst umgeben.
Gleich in der Nähe steht der Rest des Burgfrieds der Unterburg aus dem 14.-16. Jahrhundert.

Im ehemaligen Palazzo Frangipane ist heute das Rathaus untergebracht.

Sehenswert ist auch der Crosis-Wasserfall. Flussauf wird der Torre gestaut. Ein Teil des Wassers rinnt über die Staumauer, an anderer durch das Stauwerk. Jetzt, Mitte März, ist der Wasserfall ziemlich beeindruckend.

Am Fuße des Wasserfalls breitet sich ein Bassin aus, welches im Sommer als Badebecken dient, wenn nur ein Rinnsal über die Felswand fällt.
Daran schließt sich eine interessante Gesteinsformation an. Das Wasser spülte im Laufe der Zeit senkrecht liegende Gesteinslagen frei, die sich von einem Ufer zum anderen ziehen. Das sieht sehr interessant aus.

Tarcento war die letzte Station unserer Winterreise 2024/25. Von hier aus überquerten wir die Alpen östlich des Hohe Tauern, durch den Katschbergtunnel, vorbei an der Burg Hohenwerfen in Richtung Salzburg. Der höchste Punkt der Tauernautobahn liegt bei 1340m über NN.

Sagrado / Palmanova

In Triest versuchten wir erst gar nicht einen Platz zu finden, denn man kommt nicht ohne Maut in oder durch die Stadt.

Unser nächstes Ziel war Tarcento, nördlich von Udine. Auf dem Weg dorthin fielen uns zwei Zwischenstationen auf. Beim Durchfahren von Sagrado fiel uns bei der Brücke über den Isonzo-Kanal ein Wasserbauwerk auf. Gleich fuhren wir auf den Parkplatz am anderen Ufer des Isonzo, indem wir die gleichnamige Brücke passierten.

Auf dem Spaziergang zurück überraschte uns der breite Fluss Isonzo, der gerade eine gewaltige Wasserströmung aufwies. Kein Wunder, so wie es in der letzten Zeit geregnet hat. Das große Hochwasser war jedoch schon vorüber, denn die sonst trocken liegenden Ufer waren teilweise noch überschwemmt und der alte Wasserstand konnte noch an verschiedenen Dingen abgelesen werden.

Unser Interesse galt jedoch dem besagten Wasserbauwerk, an dem ein Schild mit der Aufschrift „Canale-Dottori 25. Juni 1905“ angebracht ist. Eigentlich ist es ein architektonisch interessantes Stauwerk, welches Wasser vom Fluss Isonzo in den Dottori-Kanal leitet. Leider gibt es keine weitere Aufklärung.

Auf der anderen Straßenseite steht ein auffällig bemaltes älteres Gebäude mit der Aufschrift „Landwirtschaftliches Wasserkonsortium Montefalcone“. Am Giebel des Gebäudes steht noch „Verheiraten Sie das Wasser mit der Sonne“. Wie romantisch.

Auf der Suche nach weiteren Zielen auf dem Weg nach Tarcento stießen wir auf Palmanova. Gleich beim ersten Blick auf das Satellitenbild von Google fällt der Grundriss der Stadt auf: ein gleichförmiger Stern. Das Verteidigungswerk weist dazu mehrere Stufen auf. Das mussten wir uns unbedingt ansehen.

Direkt am Stadtrand wurde ein Wohnmobilstellplatz eingerichtet. Die zwei Plätze reichen normal nicht weit, aber zu dieser Jahreszeit ist wenig los und wir fanden Platz. Bis zum Stadttor ist ein Fußweg von einem Kilometer zurück zu legen. Schon auf dem Weg dorthin sind die Reste der äußeren Verteidigungsstrukturen zu erkennen: Wälle, Gräben und Bunker, immer den Linien des Sterns folgend. Das ist aufregend. Was erwartet uns innerhalb der Stadtmauer?

Wir betraten die Stadt durch das Porto Cividale. Das ist ein großes Stadttor, welches außen mit Säulen und Türmchen verziert wurde. Durch dieses gelangt man in den Innenhof des Tores, in dem sich sicher das Wachpersonal aufhielt, danach geht man noch durch das innere Tor, das jedoch schlichter gestaltet ist.

Innerhalb der sternförmigen Stadtmauer legte man drei Ringstraßen an, die von sechs Radialstraßen gekreuzt werden. Diese führen von der Stadtmauer zum zentralen Paradeplatz. In den so entstandenen Blöcken errichtete man die Wohnhäuser von Palmanova. Es sieht aber so aus, als wären nur noch wenige dieser Häuser original, denn viele davon zeigen heute die typisch italienische Architektur.

Erhalten ist z.B. die Loggia der Großgarde, die zwischen 1620 und 1625 erbaut wurde und sieben Bögen aufweist. Gleich daneben steht die Loggia der Kaufleute mit drei Bögen, die 1924 renoviert wurde. Des weiteren erheben sich die Dogal-Kathedrale, der Palast des Pfandhauses und der Palast des Waffengouverneurs am Rande des Platzes.

Auf dem Paradeplatz stehen mehrere mittelalterliche Arbeitsmaschinen, wie eine Ramme zum Eintreiben von Pfählen in den nicht sehr tragfähigen Boden der Ebene, eine Maschine zum Bewegen von Erde mittels einer schiefen Ebene, zum Mahlen von Pulver zur Herstellung von Schwarzpulver, und eine Wasserhebeanlage.

Auf dem Paradeplatz klärt eine Tafel über die Geschichte dieser Stadt auf. Palmanova entstand auf dem Reißbrett. Sie wurde als Festungsstadt konzipiert, um die Verteidigung der friaulischen Ebene, die zur Republik Venedig gehörte, gegen die Türken und auch die Habsburger zu stärken. Die neue königliche Festung sollte ein perfektes Beispiel für die moderne Befestigungstechnik der Spätrenaissance werden. Das Gründungsdatum ist wohl der 7. Oktober 1593. Damals gab es nur die Wälle und Verteidigungsbauwerke. Anfang des 19. Jahrhunderts ergänzte dann Napoleon an den Ecken des Sterns den dritten Verteidigungsring mit den Lünetten. Das sind Befestigungsbauwerke, in denen auch Geschütze aufgestellt wurden.

1960 wurde diese Idealstadt der Renaissance zum Nationaldenkmal, seit 2017 gehört sie zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Der Paradeplatz besitzt eine riesige Ausdehnung. An den jeweiligen Enden der Radialstraßen stehen zusammen elf Statuen, die einige der Generalsuperintendenten der Festung darstellen.

Auf jeden Fall hat sich der Besuch von Palmanova gelohnt. Solch eine Stadt gibt es wohl kein zweites Mal.

Von Zadar nach Slowenien

Zuerst muss ich noch einen Nachtrag zum Beitrag Zadar anbringen: Als wir in Karlobag auf die Nacht warteten, brach am Abend ein solch heftiges Gewitter los, wie wir es erst einmal erlebt haben. Der Sturm rüttelte mit aller Kraft an unserem Wohnmobil. Zum Glück standen wir mit dem Heck zum Wind, so dass dieser nicht so viel Angriffsfläche hatte. Der starke Platzregen trommelte so extrem auf´s Dach, dass wir Angst um die Dachluken hatten. Außerdem ist die Geräuschkulisse durch das GFK-Dach kaum auszuhalten. Es war, als brach die Hölle über uns herein. Dazu kam, dass wir uns am Fuße des Velebit befanden, das für seine Fallwinde berühmt-berüchtigt ist. Immer wenn wir dachten, das Gewitter zieht weiter, drehte es um und kam zurück. Es dauerte Stunden, bis sich das Unwetter beruhigte und wir zur Ruhe kamen.

Am nächsten Morgen setzten wir die Fahrt an der kroatischen Küste in Richtung Norden fort, immer die Inseln Pag und dann Rab in Sichtweite. Die Aussichten dabei sind um jede Ecke großartig.

Die Insel Pag glich schon lange in weiten Teilen einer Wüste, wogegen Rab und Krk doch recht grün anmuteten. Das hat sich inzwischen geändert, auch hier nehmen die wüstenartigen Landstriche zu, die immer zur Festlandseite zeigen.

Wir fuhren durch Senj und legten in Novi Vinodolski eine Kaffeepause ein. Anschließend besichtigten wir den Ort. Unterhalb der Altstadt, die sich einen Hügel hinauf zieht, breitet sich die neue Marina aus. Im Sommer mag es dort ganz schön sein, im Moment ist es eher trist.

Dann spazierten wir am Cave Beach entlang, der unterhalb des Friedhofes liegt. Sand ist allerdings Fehlanzeige. Der ganze Strand besteht, wie so oft in Kroatien, aus Felsen. Manchmal sind dort hinein Liegeflächen eingearbeitet, und es führen Treppen ins glasklare Wasser. Dieser Strand wird auch von Tauchern genutzt, die dort einen bequemen Einstieg finden.

Es ein ein schöner Weg, der auf der Landseite von viel Grün gesäumt wird. Etwas entfernt liegt eine kleine Insel im Wasser, mit der Kapelle des heiligen Marino darauf.

Es war erst kurz nach Mittag und wir wollten uns bei Rijeka einen Platz für die Übernachtung suchen. Wie vielerorts entlang der adriatischen Ostküste war auch dieses ein hoffnungsloses Unterfangen. Entweder sind die Plätze für Wohnmobile gesperrt, oder übernachten ist verboten. Dies wird durch Schilder deutlich gemacht.
So blieb uns nichts weiter übrig, als bis zur Autobahnraststätte kurz vor der slowenischen Grenze zu fahren und dort für die Nacht zu bleiben.

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