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Archiv für das Schlagwort “Alternative zu Masuren”

Salakas

Luodissee

Wir haben eine wunderschöne Alternative zu den polnischen Masuren gefunden: die Gegend zwischen Zarasai, Ignalina und Utena im Nordosten Litauens. Da sich der Tourismus hier erst entwickelt, sind noch viele ruhige Ecken zu finden. Jeder See ist beinahe in Sichtweite zum nächsten See, dazwischen Hügel und Wälder ohne Ende sowie ursprüngliche Dörfer. Alles ist bio, die EU hat bisher den Weg zu den wenigsten Feldern gefunden. Das gilt übrigens in allen baltischen Staaten. Alles wächst, wie es wachsen will, nicht wie es soll. Fast jeder pflanzt in seinem Garten Kartoffeln, Zwiebeln, Gurken und Tomaten, soviel für den Eigenbedarf benötigt wird. Daher ist in den kleinen Lädchen auf dem Land kaum Obst und Gemüse zu finden. Jetzt strahlen überall Äpfel um die Wette.
Viele Seen in den größeren Orten besitzen kleine Badestrände. Badestellen sind überall zu finden, wo es die Wildnis zulässt. Die ganze Gegend tut einfach der Seele gut.

wie im tiefsten russischen Hinterland

Das ursprünglichste und schönste Dorf, weil Traditionelles überlebt hat und liebevoll gepflegt wird, kaum Neues dazugekommen ist, ist für uns Salakas im Gražutė Regional Park. Der Ort liegt am Luodissee, der wie die meisten Seen in dieser Gegend, sehr sauberes Wasser hat. Nur die Schwebeteilchen spielen dem See jetzt im Hochsommer etwas mit.
Auf einem kleinen Wanderweg von 5km lässt sich der Ort mit dem Strand, dem Urwald, dem Kiefernwald, dem alten Friedhof und der Kirche entdecken. Sogar der wilde Hopfen ist hier wieder zu finden, direkt am Seeufer.

gewundene Brücke von Zarasai

Zarasai, an der Grenze zu Lettland, ist ein ganz hübsches Städtchen. Ein Park ist der Mittelpunkt, um den sich das Zentrum gruppiert. Dort ist allerdings nicht viel Sehenswertes zu bestaunen, außer der doppeltürmigen weißen Kirche. Interessanter ist da der Weg am Ufer des Zarasassees. Man kann ihn an der originellen Brücke, die oben an der Bibliothek ihren Anfang nimmt und sich dann Richtung Ufer hinunter windet, der letzte Teil sind Treppen, beginnen und bis zur Insel entlang spazieren. Das sind so 1,2km. Dabei kommt man an schönen kleinen Häuschen, Gärten und Stegen vorbei, die zum Erholen oder als Einstieg zum Baden dienen.
Auf der Insel locken ein Badestrand, eine Wasserwelt aus Luft und ein Wasserskipark. Mit Wasserwelt aus Luft meine ich, dass alle Dinge wie Rutschen, Plattformen, Leitern usw. mit Luft gefüllt sind. Dazu lädt ein kleines Café zum Relaxen ein, aber auch kleine Hütten können gemietet werden. Eigentlich ist die Insel ein richtiger Ferienpark. Am Ufer ist das Zentrum Zarasais zu sehen.

Badestelle und Bootsanleger am Luodissee

Ein schönes Plätzchen für unser Wohnmobil haben wir auf einem Privatgrundstück gefunden, ca. 2,5km östlich von Salakas. Während wir uns den Campingplatz kurz hinter Salakas ansahen, ließen wir das Womo am Straßenrand stehen. Dies bemerkte ein Einheimischer und folgte uns. Er meinte, wir könnten doch bei ihm stehen, nur einen Kilometer weiter. Er wollte nur 10,-€ pro Nacht haben, inkl. Strom, Wasser, Badestelle und absoluter Ruhe. Da der Campingplatz nicht wirklich unseren Vorstellungen entsprach und das gleiche kostete, nahmen wir das Angebot an und folgten dem Mann. Als wir von der Straße abbogen, in einen Fahrweg hinein, versperrten uns jede Menge Äste den Weg zum Stellplatz. Alles kein Problem, meinte der Mann, holte seine Motorsäge und schnitt alles ab, was uns im Weg hing. An seinem Haus und einer verfallenen Scheune vorbei, und einen ziemlichen Holperweg entlang, erreichten wir die große freie Fläche, auf der wir uns den besten Platz aussuchten konnten. Vier Mobilheime stehen ebenfalls dort, die der Mann vermietet. Früher hatte er viele Camper beherbergt, aber das war ihm zu stressig. Heute sucht er sich seine Leute aus. Es stellte sich jedoch heraus, dass er am nächsten Tag für mehrere Tage fort musste. Nachdem wir uns entschieden hatten, etwas länger zu bleiben, durften wir sogar das Ruderboot gratis nutzen. Wir hatten also alle Freiheiten auf dem großen Grundstück.

traditioneller Brunnen

Unser Gastgeber erklärte uns, dass dieses Grundstück 1858 entstand, 200 Hektar groß war und einem „Gutsherren“ gehörte. Es standen das Herrenhaus und mehrere Nebengebäude auf dem Grundstück. Es gab mehrere Angestellte, die gegen Arbeit frei wohnen und essen durften. Das Hauptgeschäft war die Versorgung der umliegenden Poststationen mit Futter für die Pferde, die dort gewechselt wurden. Nach der Unabhängigkeit Litauens 1918 wurde der Gutsherr zum größten Teil enteignet. Ihm blieben nur noch 20ha, viel zu wenig, um damit über die Runden zu kommen. So verließ er das Grundstück, um das sich dann kaum noch jemand kümmerte. Als die Sowjets kamen, zerstörten sie das Herrenhaus bis auf die Grundmauern. So blieben nur noch das ehemalige Wirtschaftshaus, heute das Wohnhaus, und die große Scheune aus Feldsteinen übrig. Vor 25 Jahren kaufte unser Gastgeber dann das Anwesen, aber wirklich viel hat sich seitdem auch noch nicht getan. Mit der Vermietung der Mobilheime will er nach und nach das Grundstück auf Vordermann bringen. Um die große Scheune, inzwischen eine Ruine, wieder aufzubauen, sind allerdings 200.000,-€ nötig. Die werden wohl nie zusammenkommen.

Zum Abschied schenkte uns unser Gastgeber sogar noch einige Äpfel aus dem Garten, zusammen mit frischer Minze. Er meinte, wir könnten damit Apfeltee bereiten. Bisher kauften wir unseren Apfeltee im Laden, aber warum nicht? Ich schnitt etwas Apfel klein, gab die Stücke mit etwas Minze in die Teekanne und brühte das Ganze auf. Nachdem es lange genug gezogen hatte, probierten wir. Selbstgemachter Apfeltee, lecker.

Auf dem Grundstück wächst auch jede Menge Beifuß, der gerade richtig ist. Ich erntete einige Stängel zum Trocknen. Was kann man sonst noch mit Beifuß anfangen? Frische Zwiebeln vom Markt, frische Äpfel und Beifuß aus dem Garten? Da lässt sich doch ein prima Aufstrich daraus machen. Das Rezept werde ich demnächst in der Rubrik „Selbstgemachtes“ veröffentlichen. Ein Gläschen davon bekommt unser Gastgeber als Dankeschön.

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