A+K Weltenbummler

Reisen rund um die Welt

Osttour

Die zweite große Bustour vom Hotel aus führt über den Ostteil Madeiras. Die Westtour war schon interessant, aber die Osttour hat uns noch besser gefallen. Das erste Ziel der Fahrt war Ponta de Garajau, 180m über dem Meer, östlich von Funchal. Es ist noch immer ein kleiner Ort, wartet jedoch mit der kleinsten und ältesten Christusstatue der Welt auf. Sie ist geschätzte 10m hoch und sieht auf das Meer. Zu beiden Seiten fallen die Lavaklippen fast senkrecht bis zum Wasser ab. Eine kleine Seilbahn bringt die Leute an den Strand hinunter, wenn sie dann in Betrieb ist.

Camacha, Richtung Norden, war einst das Korbmacherdorf. 80 Prozent der Einwohner waren im Korbmachergeschäft tätig. Vor Kurzem hat die Fabrik geschlossen und es werden nur noch in Souvenirgeschäften Korbwaren verkauft.
Das kleine Stadion ist berühmt, weil hier das erste Fußballspiel ausgetragen wurde, nachdem die Engländer den Einheimischen gezeigt hatten, wie es geht.

Nun folgte der aufregendste Teil der Osttour, der Pico do Arieiro mit seinen 1818 Metern Höhe. Die Einfahrt zum Gipfel ist nur bei eisfreier Straße zu befahren, sonst wird die Schranke auf 1400 Metern Höhe geschlossen. Die Straße ist wie immer auf Madeira sehr kurvenreich und bietet wundervolle Aussichten. Kurz vor dem Gipfel sah man, dass der Boden über Nacht gefroren war. Kleine Eisfelder säumten auf der Nordseite die Straße. Die Bäume sind verschwunden, es gibt nur noch niedrige Gehölze wie Stachelginster, Erika und Blaubeeren.

Auf dem Gipfel des Pico do Arieiro steht eine Radarstation des Nationalen Verteidigungsministeriums. Gleich daneben befindet sich der höchste Punkt des Berges. Das Bergpanorama mit den schroffen Bergspitzen ist gewaltig, umso mehr, wenn man bedenkt, dass das alles Vulkangestein ist. Der letzte Ausbruch auf Madeira soll vor 7500 Jahren stattgefunden haben. Es gibt also keine aktive Vulkantätigkeit mehr, wie wir es auf Lanzarote erlebt haben.
Vom Pico do Arieira startet ein Wanderweg, der die drei höchsten Berge Madeiras verbindet. Um den zu begehen, sollte man schon fit und schwindelfrei sein, denn es geht oft auf Bergkämmen entlang und über schwierige Wege. Wir schätzen aber, dass die Anstrengungen alles wieder wett machen.

Irgendwann ging unsere Fahrt weiter, wieder bergab bis nach Ribeira Frio, was kalter Fluss bedeutet. Hier hat sich eine Forellenzucht angesiedelt. Die Fische sind allerdings nicht zum Verzehr bestimmt, sondern werden in die Gewässer Madeiras ausgesetzt, damit die Angler etwas zum Angeln haben. Etwas unterhalb lädt eine kleine Bar die Gäste zu einem Kaffee mit einem Schuss Madeirawein und abgeriebener Zitronenschale ein. Das schmeckt echt lecker. Gegenüber steht ein Restaurant.
In Ribeira Frio beginnt die Levada Balcoes. Sie ist nur 1,5 Kilometer lang. Am Ende der Wanderung steht man auf einem Aussichtspunkt mit phantastischem Blick in die Berglandschaft und bis zum Meer. Jede Menge Buchfinken begrüßen die Besucher. Sie zeigen wenig Scheu.

Von Ribeira Frio aus geht die Fahrt weiter abwärts, durch den Naturpark mit dem Lorbeerwald in Richtung Norden. Durch diesen Lorbeerwald führt ebenfalls ein Levadawanderweg.
Unser Busfahrer fuhr nicht die große Straße nach unten, sondern über die Dörfer am Berghang, die teilweise nur auf einer Felsnase thronen. Unglaublich, wo die Leute hier ihre Häuser hinsetzen. Mit ein paar Schnaps im Kopf sollte man dort wirklich nicht mehr vor die Türe gehen. Die Leute versorgen sich meist selbst. Sie pflanzen Kartoffeln, Süßkartoffeln, Wein und viel für uns exotisches Obst an, wie Papaya, Mispeln, Guave usw. Eine große Landwirtschaft, außer den Bananen, gibt es auf Madeira nicht.
An der Küste angekommen, befanden wir uns unterhalb von Santana, am Aussichtspunkt von Faial. Hier hat man zwei kleine gläserne Plattformen über das Wasser gebaut. Wenn man nach rechts an der Küste entlang sieht, ist das Ostende von Madeira, das Kap von Sao Lourenco zu sehen.

Santana ist berühmt für seine Strohhäuser. Das sind kleine, strohgedeckte Häuser mit steil abfallenden Dächern. Sie standen früher fast überall auf Madeira, aber inzwischen sind nur noch einige wenige in Santana erhalten. Entgegen der Vorstellung der Besucher, stehen sie im Dorf verstreut, nur wenige sind noch bewohnt und in gutem Zustand. Im Zentrum von Santana hat man ein paar der Strohhäuser zusammengetragen und aufgehübscht, um sie den Besuchern zu zeigen. Eines dient einem Souvenirladen, ein anderes einer Galerie. Gleich in der Nähe befindet sich der kleine Marktplatz, Restaurants gibt es dagegen mehr als genug.

In Porto da Cruz steht die Zuckermühle Engenho do Norte, eine von Dreien, die heute noch auf Madeira produzieren. Zur Erntezeit April und Mai presst man den Saft aus dem angelieferten Zuckerrohr und verarbeitet ihn zu Rum und Schnaps. Im angeschlossenen Verkaufsraum kann man den Rum probieren und kaufen. Der Rum hat 40, 50 oder 60 Prozent Alkoholgehalt.
In einer kleinen Ausstellung kann man außerhalb der Zuckerverarbeitungszeit sehen, wie der Ablauf der Zuckerverarbeitung war und ist. Die große Zuckerpresse, die alten Kupferkessel und die Dampfmaschine sind schon beeindruckend. Der Dampf wurde inzwischen vom Diesel abgelöst.
Porto da Cruz ist ein kleines Dorf, dessen Strand zwischen hohen Lavafelsen eingeklemmt ist.

Das letzte Ziel der Osttour ist das Ostende Madeiras, das Kap Sao Lourenco. Während die Insel sonst grün und üppig bewachsen ist, sieht das Ostende eher wie eine Wüste aus. Nur im Winter, wenn es regnet, sprießt etwas Gras. Hier wächst nichts, weil das Kap den Elementen schutzlos ausgeliefert ist. Der letzte Ort vor dem Kap ist Canical, wo sich auch der Frachthafen Madeiras befindet. In Funchal legen nur die Kreuzfahrtschiffe an.
Etwas weiter östlich von Canical liegt der kleine Strand Prainha. Von hier aus startet die Wanderung bis zum Kapende, die wir uns noch vorgenommen haben. Auf der Bustour sahen wir uns den Aussichtspunkt Ponta do Rosto an, der an der nördlichen Küste liegt. Von hier aus kann man beide Küsten Madeiras, die Süd- und die Nordküste zugleich sehen. Das ist sehr interessant.
Bei Sonnenschein kommen die verschiedenen Farben der Lava und Ascheschichten in den Klippen richtig zur Geltung. Einzelne Felsnadeln schauen aus dem Wasser vor der Steilküste, auf der eine weitere Militärstation steht.
Das beste sind die Lavablasen, die die Erosion im Boden freigelegt hat. So etwas haben wir noch nie gesehen. Sieht richtig toll aus.

Nach diesem Erlebnis fuhren wir noch durch Machico, welches die erste Hauptstadt Madeiras war, bevor man aus wirtschaftlichen Gründen Funchal dazu ernannte. Hier kamen im 15. Jahrhundert die Portugiesen an und nahmen die Inseln in Besitz. Heute ist Machico die zweitgrößte Stadt Madeiras.

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