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Taormina

Den Namen Taormina kennt wohl jeder, der sich schon einmal mit Sizilien beschäftigt hat. Man nennt Taormina auch die „Perle Siziliens“. Die Altstadt befindet sich auf einem Plateau am Hang des Monte Tauro, in 200 Meter Höhe über dem Meer. Man kann entweder über zwei Straßen in die Stadt gelangen, oder mit dem Aufzug von Mazzaró aus. Dieser ist jedoch seit dem 5. November bis auf unbestimmte Zeit wegen Wartungsarbeiten geschlossen.

Kap Taormna von Giardini aus

Wenn man mit dem eigenen Auto nach Taormina fährt, ist es sehr schwer einen Parkplatz zu finden, denn die sind Mangelware. Besser fährt man mit dem Linienbus nach oben. Das Zentrum der Altstadt ist die Fußgängerzone Corso Umberto, die von den Stadttoren Porta Messina und Porta Catania begrenzt wird. Der Corso Umberto ist knapp einen Kilometer lang. An vielen Stellen zweigen pittoreske enge Gassen ab, teilweise mit Treppen, um die Höhenunterschiede zu überwinden. Neben mehreren Kirchen und Palazzi finden die Touristen Souvenirgeschäfte, Spezialitätenläden, Cafés und Restaurants.

Via Timoleone

Vom Porta Catania in Richtung Porta Messina spaziert man knapp vor der Mitte des Weges durch den Uhrenturm, nach dem sich die Piazza 9. Aprile öffnet. Von dort aus bietet sich ein wunderschöner Blick auf die Küste.

Piazza Duomo

Von der Piazza Vittorio Emanuele gehen drei Straßen ab. In der linken Straße findet man nur ein paar Meter weiter das Odeon, das alte römische Theater. Es ist nur teilweise freigelegt und wird kaum von jemandem beachtet.

Odeon

In der Verlängerung des Corso Umberto steht das Porta Messina. Wendet man sich nach rechts, gelangt man zum berühmten Teatro Antico, oder auch Teatro Greco genannt, ein Amphitheater. Biegt man vor dem Palazzo die Congressi nach links ab, steht man bald vor den Resten der römischen Therme. Ursprünglich ein öffentliches, griechisches Gebäude, bauten es die Römer wahrscheinlich im 1. Jahrhundert n.Chr. zu einer Therme um.

römische Therme

Will man das Teatro Antico besuchen werden 10,-€ Eintritt fällig, zuzügl. Plan und Audioguide für 5,-€, was fakultativ ist. Für die noch vor Kurzem verlangten 6,-€ für den Eintritt hätten wir uns das Theater angesehen, zumal es für seine herrliche Kulisse mit dem Ätna im Hintergrund berühmt ist. Zudem soll es eines der schönsten antiken Theater weltweit sein. An gleicher Stelle stand bis zum 2. Jahrhundert v.Chr. ein kleines griechisches Theater. Daher der Beiname Teatro Greco, bis es die Römer überbauten. Erst im 2. Jahrhundert n.Chr. errichteten die Römer dieses große Amphitheater. Schon immer wussten die Menschen die traumhafte Lage zu schätzen.

Eingang zum Teatro Antico

Nördlich des Kaps von Taormina liegt eine kleine felsige Bucht mit der Isola Bella. Der Kiesstrand und die Insel sind einzig über eine lange Treppe zu erreichen. Die Insel selbst darf nur bis zum Tor betreten werden. Vorher holt man sich jedoch nasse Füße, denn der schmale Damm liegt meist etwas unter Wasser. Dort unten kommt man sich sehr klein vor, wenn man an den hohen Felsen des Kaps entlang nach oben schaut.

kleine Felsenbucht mit der Isola Bella

Der Küstenabschnitt rund um das Kap Taormina zählt wohl zu den schöneren auf der Insel Sizilien. Strand und Felsen bilden eine tolle Kulisse.

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Giardini-Naxos

Oi-yoi-yoi, Sizilien ist noch einmal eine andere Hausnummer als der Rest Italiens: es geht noch viel enger auf den Straßen zu, und der Fahrstil ist noch einen Zacken schärfer.

Wir setzten vor drei Tagen mit der Fähre von Villa San Giovanni nach Messina über. Es gibt zwei Fährgesellschaften: Bluferries und Caronte&Tourist. Eine dritte Fähre, Telepass, gibt es auch, aber da wissen wir nicht, ob man ein besonderes Ticket dafür braucht. Telepass ist eine Art Maut, die wir von den Autobahnen her kennen.
Bei Bluferries hätten wir für das Wohnmobil und den Anhänger 114,-€ für die Überfahrt zahlen sollen. Bei Caronte&Tourist bezahlten wir 94,-€. Im Vorfeld hatte ich schon einmal im Internet nachgesehen. Da bekam ich einen Preis von 67,-€. Es lohnt sich anscheinend, doch im Voraus online zu buchen. Diese Preise sind oneway.

Messina voraus

Die Überfahrt dauert etwa 20 Minuten. Die Straße von Messina ist bis heute eine der gefährlichsten Wasserstraßen der Welt. Viele Schiffe sind seit der Antike schon den unberechenbaren Strömungen zum Opfer gefallen. Odysseus befuhr auch diese Meerenge. Das war an der Stelle mit dem großen Strudel. In Scilla wurden er und seine Mannschaft dann Opfer des mehrköpfigen Ungeheuers Scylla. Nur für diejenigen, die sich für die Odyssee interessieren.

Rückblick nach Italien

In Messina angekommen fuhren wir Richtung Süden weiter. Wir hatten unterwegs einen Tipp bekommen, dass wir uns in Giardini-Naxos knapp südlich von Taormina aufhalten sollten. Eigentlich wollten wir bei Scilla auf dem Festland noch einmal übernachten und uns die Stadt ansehen, aber das hat aus Platzgründen nicht geklappt. Die Fahrstrecke wurde für diesen Tag dann zu lang und so übernachteten wir auf einem Parkplatz direkt am Strand in Nizza di Sicilia. Dort unternahmen wir noch einen kleinen Spaziergang. Auf unseren Reisen haben wir bisher einige Möglichkeiten gesehen, wie die Fischer ihre Boote an Land bekommen. Hier in Nizza ziehen kleine Raupen die Boote aus dem Wasser. So eine Raupe kostet sicher eine Menge Geld, trotzdem hat fast jedes Boot seine eigene Raupe, Wahnsinn. Warum kann man sich nicht eine Raupe für mehrere Boote teilen?

Jedes Boot hat seine eigene Raupe, die es an Land zieht.

Am südlichen Ende von Nizza di Sicilia erkennt man, warum der Ort nach der gleichnamigen Stadt an der Cote d´Azur benannt wurde. Es führt eine relativ breite Straße am Strand entlang, die durch eine Palmenreihe von diesem getrennt ist. Das sieht fast so aus wie im französischen Nizza.

Nizza di Sicilia

Bis dahin fuhren wir die Küstenstraße 114 entlang, was für große Fahrzeuge, wie unser Wohnmobil, zur Katastrophe werden kann. Die Ortsdurchfahrten sind viel zu eng, da passen gerade zwei PKWs aneinander vorbei. Das hieß, dass der Gegenverkehr für uns Platz machen musste. Die allermeisten Autofahrer denken aber gar nicht daran. Sie fahren, solange sie noch irgendeine Chance sehen, sich durch zu quetschen. Wenn dann nichts mehr ging, zeigten sie uns den Vogel oder guckten ungläubig. Es gibt aber auch wenige Autofahrer, die bereitwillig an die Seite fuhren, wenn es eine Möglichkeit gab. Um dem aus dem Wege zu gehen, damit hatten wir wirklich nicht gerechnet, fuhren wir bei Roccalumera auf die Autobahn, um bei Giardini-Naxos wieder abzufahren. Die sizilianische Autobahn ist mautpflichtig.

Der Stellplatz Eden-Parking war für uns jedoch nicht anfahrbar, da im Moment ein Gerüst die ohnehin schon enge Einfahrt unpassierbar für uns machte. Was nun? Wir luden das Auto ab und fuhren in der Gegend herum, um einen anderen günstigen Platz zu finden. Wir waren sogar bis San Marco, wo sich ebenfalls zwei Stellplätze befinden, schön ruhig, aber weit weg von der Stadt. Nachdem wir uns nach den Preisen erkundigt hatten, die angemessen waren, fuhren wir nach Naxos zurück, wo wir den Aurora-Parking fanden. Dort bleiben wir nun für die nächsten wahrscheinlich zwei Wochen, vielleicht länger. Ab 6 Tagen kostet der Platz mit Strom, Wasser und Entsorgung 10,-€ am Tag, Dusche kostet 50 Cent. Der Platzwart ist sehr nett, täglicher Brötchenservice. Zum Strand sind es mehrere hundert Meter.

der Ätna von seiner schönsten Seite

Das schönste am Aurora-Parking ist der direkte Blick zum benachbarten Ätna, dessen Bild sich ständig ändert, wenn er sich nicht hinter Wolken versteckt. Manchmal erheben sich Rauchwolken aus dem obersten Krater. Es ist echt beeindruckend. Hoffentlich verhält sich der Vulkan während unserer Anwesenheit friedlich. In jüngster Vergangenheit hat es mehrere Ausbrüche gegeben.

Tropea

Den hohen Spritpreisen und den vielen Kilometern geschuldet ist die nächste Abkürzung der Strecke. Anstatt weiter an der Ostküste Kalabriens bis nach Reggio di Calabria entlangzufahren, bogen wir bei Corigliano Calabro nach Westen auf die Autobahn A3 (A2) ab. Zumeist verläuft die Strecke durch die Täler des Apenninen-Gebirgszuges, nur hinter Cosenza steigt die Autobahn auf 636m Höhe an. Danach geht es wieder abwärts in Richtung Tyrrhenisches Meer. Seit Neapel ist die Autobahn mautfrei, was uns um die 15,-€ ersparte.

Autobahn Richtung Apenninen

Da es von der Abfahrt in Pizzo bis nach Tropea noch mehr als 30km sind und wir in Pizzo wieder auf die Autobahn fahren müssen, wenn wir zur Fähre nach Sizilien wollen, suchten wir uns einen Stellplatz in Pizzo. Den fanden wir unten am Strand am Lido Delfino. Da jetzt im Herbst das Strandbad geschlossen hat, ist das kein Problem. Gleich nebenan steht eine Pizzeria, aus der es am Abend lecker duftet. In Sichtweite ragt der Vulkan Stromboli aus dem Meer, der Teil der Liparischen Inseln ist. Am Ankunftsabend zeigte sich der Vulkan wolkenlos. Mit dem Fernglas war sogar auszumachen, dass von der rechten Hinterseite Rauchwolken aufsteigen. Da tut sich was im Stromboli. Wir werden sehen, dass wir irgendeine Bootsfahrt dorthin bekommen.

Stromboli im Sonnenuntergang

Eine Möglichkeit dafür bietet sich in Tropea, aber da uns auf Grund der Entfernung vom Stellplatz nach Tropea nur ein paar Stunden in der Stadt blieben, hatten wir keine Zeit für die Bootsfahrt. Dann werden wir es von Sizilien aus versuchen.

Von Pizzo nach Tropea kommt man durch mehrere Orte, wenn man direkt an der Küste bleibt. Es gibt aber auch eine Umgehungsstraße, die wir befuhren. Durch die enge, kurvige Straße der Unterstadt von Pizzo muss man trotzdem. Mit dem Wohnmobil sollte man dann doch durch die Oberstadt von Pizzo fahren, auch wenn die Straße steil bergauf geht. Immer wieder hielten wir an, um die schönen Aussichten zu genießen.

in Pizzos Unterstadt

Die Altstadt von Tropea steht hoch oben auf dem Rand eines Felsplateaus. Zuerst sahen wir uns jedoch unten am Strand um und bestiegen den einzelnen Felsen, der dort steht. Auf dessen Spitze steht seit 1780 eine Kirche, zu der ein Garten mit tollen Aussichten gehört. Die Kirche kann kostenlos besucht werden. Für den kleinen Garten werden normalerweise 2,-€ fällig. Wir brauchten die 2,-€ nicht bezahlen, vielleicht weil uns nur ca. 10 Minuten blieben, bevor der Garten für die Mittagspause geschlossen wurde.
Über eine Treppe in der Nähe des westlichen Strandes erreicht man die Altstadt von Tropea. Von einem großen „Balkon“ sieht man nun auf den einzelnen Felsen mit der Kirche obendrauf. Eine zweite Treppe auf den Berg existiert an der gegenüberliegenden Seite.

Felsen mit dem Santuario Santa Maria dell’Isola

Nun waren wir neugierig auf die Gassen. Der Spaziergang gerät zum Erlebnis und an vielen Ecken muss man staunen. „Eng, enger, am engsten“ ist wohl das Motto. Manchmal sieht man nicht einmal, ob es an der nächsten Ecke überhaupt weiter geht. Dabei sind die Häuser recht hoch. Viele Häuser sind in einem sehr schlechten Zustand, andere erfuhren schon eine Renovierung. Es tut sich etwas. Zu allem zwängen sich die Autos der Anwohner durch die Gassen, bei denen kaum 5cm auf beiden Seiten des Autos Luft bleiben. Die Fußgänger müssen sich dann in einem Hauseingang oder einer abzweigenden Gasse in Sicherheit bringen.
Für das leibliche Wohl sorgen viele Restaurants, Cafés und einige Spezialitätenläden. In der Mitte der runden Altstadt Tropeas befindet sich der Marktplatz. Von dort aus ist es in keiner Richtung weit bis zur nächsten Aussicht. Dieser Spaziergang ist einfach etwas Besonderes.

Lauschige Ecke in der Altstadt Tropeas

Nach dem Besuch Tropeas kann man weiter zum Capo Vaticano fahren. Das raue Ende der Halbinsel mit Tropea versprüht eine eigene Atmosphäre. Die Vegetation ist nicht mehr so hoch und üppig. Der Weg zum Capo Vaticano ist ohne Google Maps kaum zu finden, weil an vielen Kreuzungen und Abzweigungen kein Hinweis zu finden ist. Nur sporadisch zeigen Schilder die Richtung an.
Am Kap angekommen, steht man vor dem Leuchtturm, der jedoch militärische Sperrzone ist. Kurz vorher zweigt ein Weg nach unten zu einem Aussichtspunkt ab. Von dort aus sieht man links die Steilküste mit einem Strand. Gegenüber liegt Sizilien, allerdings war die Sicht ziemlich diesig, so dass wir nicht ausmachen konnten, was noch italienisches Festland ist und was zu Sizilien gehört. Auf der rechten Seite ist wieder der Stromboli zu sehen, der heute eine Wolkenhaube trug. Heute früh war der Vulkan ganz in Wolken gehüllt. Hätte die Pizzeria am Aussichtspunkt geöffnet, wäre das ein sehr schönes Plätzchen, um wenigstens einen Kaffee zu trinken. Von dort aus gelangt man auf einen tiefer gelegenen Fußweg, von dem aus man sicher einen schöneren Blick auf die einzelnen Felsen an der Küstenlinie hat. Leider hat die Pizzeria im Winterhalbjahr geschlossen, wie viele andere Einrichtungen an den Küsten Italiens.

Aussicht am Capo Vaticano

Um nach Pizzo zurück zu fahren, nahmen wir einige Alternativrouten zu der Strecke, die wir gekommen waren. Laut Karte ist die Straße auf der Westseite der Halbinsel schmal und sehr kurvenreich, was wir uns nach Gargano nicht schon wieder antun wollten. Dazu kommt, dass es jetzt schon um 17 Uhr dunkel ist und die Tage damit viel zu kurz sind.

Diese Gegend Kalabriens ist Zwiebelgebiet. Vor allem rote Zwiebeln werden allerorten angeboten. Natürlich kauften wir uns auch welche in einem der Spezialitätengeschäfte am Straßenrand. Wir hatten den Laden noch gar nicht ganz betreten, da wurden wir auch schon mit Kostproben verwöhnt, hübsch angerichtet in glasierten Keramikschalen: Brot mit verschiedenen Pesti oder Salaten, dazu Oliven oder Zwiebelsalat. Da fällt die Wahl schwer, die dann auf ein Pesto aus getrockneten Tomaten fiel. Dazu kauften wir einige der roten Zwiebeln.
Eine andere regionale Spezialität ist Mandelmilch mit 11% Mandelanteil. Ein halber Liter kostet 2,99€.

Corigliano Calabro

Da wir wegen der Unwetter auf der Westseite Italiens und auf Sizilien damit warten, nach Sizilien überzusetzen, fuhren wir noch einmal einen Campingplatz an der Ostküste an. Die Wahl fiel auf den Camping Thurium kurz vor Corigliano Calabro, ein ACSI-Platz für 13,-€. Je länger man steht, umso billiger wird es. So zahlen die Camper, die länger als14 Tage auf dem Platz sind, nur noch 8,-€ pro Nacht, inkl. Strom. Viele Bäume sorgen im heißen Sommer für Schatten, aber jetzt im Winter stehen wir lieber in der Sonne. So standen wir in der ersten Reihe, direkt am breiten Strand, wo erst am Nachmittag der Schatten kommt. Der Platz hat jetzt sehr wenige Gäste, so hat man genug Freiraum. Der Strand gehört den sehr wenigen Leuten, so dass man sich fast alleine auf der Welt vorkommt.

schöner Campingplatz Thurium

Gleich nebenan befindet sich ein zweiter Campingplatz: Onda Azzurra. Der Stil ist ganz anders, zwar auch mit vielen Bäumen, aber mehr sonnigen Womo-Stellplätzen. Dieser Platz ist sehr voll und man steht ziemlich dicht aufeinander. Wenn man länger als 14 Tage auf dem Platz steht, bezahlt man auch 8,-€, aber Strom kostet extra.

Wir hielten uns nur in der näheren Umgebung auf. Die Berge des Apenninen-Gebirgszuges bilden ein schönes Panorama im Hintergrund. Wenn die harmlosen Wolken über die Berge kommen, müssen wir immer daran denken, dass diese Wolken für die Unwetter auf der anderen Seite der Berge verantwortlich waren.

In Marina Schiavonea ist Italien am italienischsten, das fanden wir wenigstens das erste Mal auf unserer bisherigen Italien-Rundreise. Um diese Jahreszeit sind fast ausschließlich die Einheimischen unterwegs. Wenn man durch die engen Straßen geht, wo auch schon einmal Boote abgestellt sind, bekommt man das italienische Leben hautnah mit: die Wäsche trocknet auf Gestellen vor der Haustüre, Leute stehen vor ihren offenen Haustüren und unterhalten sich mit den Nachbarn, laute Unterhaltungen dringen durch die Fenster nach außen usw.

Gasse im Küstenort Marina Schiavonea

Unser Besuch eines Baumarktes, nur um die Zeit zu vertreiben und den Regen abzuwarten, geriet zum Abenteuer. Es waren kaum Kunden im Markt, als wir ihn betraten. Wir begannen unseren Rundgang in der ersten Etage, wo wir uns wohl eine halbe Stunde aufgehalten hatten. Gerade als wir nach unten gehen wollten, schrillte die Alarmanlage los, in einer solchen Lautstärke, dass wir uns die Ohren zuhalten mussten. Was war jetzt los? Oh je, die Mittagspause. Wir sind immer noch gewohnt, dass die großen Märkte durchgehend geöffnet haben. Als man zur Mittagspause den Markt abschloss, kontrollierte man nicht, ob noch jemand da war. Die Durchsage, die wir gehört hatten, verstanden wir ja nicht und an die Mittagspause dachten wir wirklich nicht. Irgendwann schlug dann halt die Alarmanlage an und wir waren eingesperrt. Was sollen wir jetzt machen? Müssen wir die nächsten knapp zwei Stunden im Markt bleiben, bis dieser wieder öffnet? Irgendwann war die Alarmanlage wieder still, weil wir an der Eingangstür darauf warteten, dass irgend jemand kommt. Da niemand kam, gingen wir zum Kaffeeautomaten, um uns die Zeit wenigstens mit einem Kaffee zu vertreiben. Wir waren noch keine drei Schritte gegangen, schrillte die Alarmanlage erneut los. Es war ganz schön schwierig, neben dem Ohren-zu-halten das Geld herauszusuchen und den Automaten zu bedienen. Schon nach dem ersten Kaffee kam ein Angestellter um die Ecke und staunte. Wir erklärten ihm, dass wir uns in der ersten Etage aufgehalten hatten und dann von der Alarmanlage überrascht wurden. Nach Klärung der Situation öffnete der nette Angestellte die Markttüre und das Außentor, welches ebenfalls verschlossen war. Er entschuldigte sich für die Unannehmlichkeiten und wir verabschiedeten uns. Das erlebt man auch nicht alle Tage.

Policoro

Quer durch das apulische Hügelland fuhren wir weiter nach Süden, immer unserem Ziel Sizilien entgegen. Inzwischen stellte sich heraus, dass es ganz schön viele Kilometer bis in den Süden Italiens sind. Dazu ist der Sprit sehr teuer (Diesel 1,50-1,58€, Super 1,77-1,85). Deshalb entschieden wir nun, doch nicht, wie geplant, die gesamte Ostküste Italiens entlang zu fahren, sondern hier und da abzukürzen. Das erste Opfer war der Stiefelabsatz, den wir kappten, indem wir die Straße von Fasano nach Taranto nahmen.
Taranto liegt ausgebreitet an der Küste, wenn man aus den Bergen Apuliens kommt. Die Stadt sieht nicht einladend aus, schon gar nicht mit den vielen Industrie- und Hafenanlagen. Deshalb setzten wir die Fahrt an der Küste des Taranto-Golfes fort. Auf der Suche nach einem kostenlosen Stellplatz landeten wir am Strand von Policoro.

Die Küstenstadt Policoro gründet sich auf der antiken Stadt Herakleia, die im 5. Jahrhundert v.Chr. eine griechische Kolonie war. Später übernahmen die Römer die Macht, bevor die Stadt irgendwann zerstört und verlassen wurde. Einige Ruinen befinden sich ein paar Kilometer landeinwärts am Fluss Agri.
Der Sand des Strandes von Policoro ist grau statt gelb, die Strandbäder und Bar´s sind meist nicht mehr sehr einladend, die schicke Promenade war vor ungefähr zwanzig Jahren einmal schick. Da sind wir von der Adriaküste anderes gewohnt.

Promenade am Strand von Policoro

Der Wald hinter dem Stra

nd ist Naturpark, mal licht, mal Urwald, in dem offensichtlich Wildschweine leben, vor Schlangen wird gewarnt. Pilze schießen gerade in Massen aus dem Boden, da das Wetter nass und warm ist. Da werden wir doch gleich einmal eine Pilzmahlzeit aus einer Art Goldröhrlingen zubereiten. Frisches Grün zeigt sich überall, ein Herbst wie in Deutschland ist hier unbekannt. Zeichen, dass wir jetzt wirklich den sonnigen und warmen Süden erreicht haben, sind die vielen Apfelsinen- und Mandarinenbäume.

Seit über einer Woche wüten Unwetter in Nord- und Westitalien. Nun hat es auch Sizilien getroffen. Da werden wir wohl noch ein paar Tage warten, bis sich die Lage beruhigt hat und wir mit der Fähre übersetzen. Wir selbst sind auf der Ostseite Italiens kaum betroffen, hatten nur zwei Stürme, einigen Regen und leichte Gewitter.

Trulli´s

Die Via Adriatica, ss16, brachte uns nun immer an der Adriaküste entlang bis nach Fasano, südlich von Bari. Fasano ist das Tor in eine besondere Welt, deren Zentrum Locorotondo ist. Locorotondo schmiegt sich um einen Hügel, der sich aus der Hochebene namens Itria-Tal erhebt. Die Hochebene liegt um die 410m über NN.

Locorotondo – Ansicht von Süden

Locorotondo wird zurecht als eines der schönsten Dörfer Italiens bezeichnet. Im Gegensatz zu Monte Sant Angelo macht es richtig Laune, durch die Gassen hoch und runter zu laufen. An jeder Ecke gibt es etwas interessantes zu sehen, gibt es liebevoll gestaltete Eingänge oder Balkone. Inmitten der vielen weißen Häuser fällt der rote Palazzo Aprile-Ximenes auf, der Palazzo Morelli brilliert mit seinen barocken Elementen, mehrere Kirchen in verschiedenen Stilen tragen ebenfalls zur Abwechslung in den weißen Fassaden bei.

Palazzo Morelli

Der Name Locorotondo weist auf die runde Altstadt hin. Sie ist nicht groß und so kommt man früher oder später an den Rand der gleichen. Fast von jedem Punkt aus schweift der Blick weit über das Itria-Tal. Dort erblickt man auch an vielen Stellen die für die Gegend typischen Zipfelmützenhäuser, die Trullis von Apulien.
Die „Hauptstadt der Trullis“ ist Alberobello, 9km westlich von Locorotondo gelegen. Schon auf dem Weg sind viele dieser lustigen Häuser zu sehen. In Alberobello angekommen, folgt man dem braunen Schild zum Trullizentrum. Hier kann man nur noch staunen. Ein ganzes Stadtviertel besteht fast ausschließlich aus Trullis. Es gibt sogar ein siamesisches Trulli, selbst die Kirche wurde im Trullistil erbaut.

Trullis soweit das Auge reicht

Neben den viel begangenen Hauptwegen, an denen sich die Souvenirbuden reihen, sollte man auch in die ruhigen Gassen abbiegen. Dort kommt man zwar meist nicht weit, weil viele von ihnen Sackgassen sind, aber es lohnt sich. Viele der Trullis tragen weiße, aufgemalte Zeichen. Sie alle haben eine Bedeutung, wie auch die Schmucksteine auf den Dachspitzen. Sogar manche Rauchabweiser auf den Schornsteinen stellen Figuren dar.

mittendrin in den Trullis

Ein paar Geschäfte bieten die Möglichkeit, auf das Dach zu steigen und sich die ganze Szenerie von oben anzusehen. Diese Trullis sind wohl einmalig auf der Welt. Leider sind die Preise in den verschiedenen Geschäften sehr hoch, wie auch die Parkgebühren. Während die meisten Orte in Italien jetzt von den Touristen fast verlassen sind, hat Alberobello wohl das ganze Jahr Saison. Jeder will den ungewöhnlichen Ort sehen.
Wenn man Zeit hat, sollte man durch die kleinen Nebenstraßen der Gegend fahren. Trullis in allen Variationen bestimmen das Bild. Manche sind verlassen und verfallen, manche werden immer noch bewohnt. Zumeist sind die alten Trullis jedoch in die modernen Häuser integriert, werden als Lagerraum oder Garage genutzt. Es wurden aber auch neue Häuser gebaut, die die Trullielemente aufgenommen haben. Flache Steinmauern umranden die kleinen Grundstücke, in denen oft Olivenbäume oder Obstbäume wachsen, oder es wird Gemüse angebaut. Es ist eine aufregende Gegend rund um Locorotondo.

Trulli als Schutzhütte

Übernachtet haben wir auf dem großen Parkplatz am Stadion von Locorotono, nicht gegenüber auf dem schrägen Wohnmobilstellplatz. Von dort sind es nur ein paar Schritte in die Altstadt.

Nachtrag: In den Salinen bei Margherita di Savoia, südlich von Manfredonia, sahen wir die ersten Flamingos auf unserer Reise durch Italien. Flamingosichtungen freuen mich immer wieder besonders, denn es sind sehr schöne und majestätische Vögel.

Gargano

Die Halbinsel Gargano ragt weit in die Adria hinein und bildet den Stiefelsporn der italienischen Landmasse. Um die Halbinsel, die zur Region Apulien gehört, zu erkunden braucht man allerdings sehr viel Zeit und ein nicht zu großes Gefährt. Die Straßen haben so gut wie keine geraden Abschnitte. Eine Kurve nach der anderen, meist sehr eng, zerren an den Nerven der Autofahrer. Ein Kilometer Luftlinie sind leicht vier Kilometer, die man unter die Räder nehmen muss. Das hatten wir in der Form bisher nur einmal, und zwar im Westen des Peloponnes (Griechenland). Auf der anderen Seite ist jeder Kilometer wunderschön, denn die Landschaft ist sehr abwechslungsreich und fast immer bergig.

Nach zwei Zwischenübernachtungen am Strand von Petacciato Marina erreichten wir Manfredonia im Süden der Gargano-Halbinsel. Wie ich schon in den vorangegangenen Berichten schrieb, ist jetzt im Herbst an den Stränden nichts mehr los. Petacciato Marina gehört zum gleichnamigen Ort, der oberhalb auf einem Berg thront. Die Stadt ist nichts besonderes, aber es bieten sich schöne Ausblicke über die Küste und das Meer.

Kirche von Petacciato

Am Strand kann man einem Naturpfad durch den Schilfwald und den Dünenbereich folgen. Eine reiche Artenvielfalt der Flora macht diesen Weg interessant. Im Sommer kommt eine reiche Fauna hinzu. Sogar Landschildkröten sollen in den Dünen leben. Spaziergänge am Strand sind immer toll.

Weg durch meterhohes Schilf

Eigentlich wollten wir noch eine Zwischenstation am Lesina-See und dem Varano-See einlegen, die für ihre vielen Vogelarten bekannt sind. Die bisherige Fahrt durch Italien hat uns jedoch gelehrt, dass Vogelbeobachtungen jetzt kein Thema sind. Deshalb fuhren wir an den Seen im Norden der Halbinsel Gargano vorbei nach Manfredonia. Drei Nächte verbrachten wir auf dem Campingplatz Lido Salpi südlich der Stadt. Von hier starteten wir eine Rundfahrt über Gargano.

Sonnenuntergang am Lido Salpi

Für die erste Station Monte Sant Angelo mussten wir knapp 800 Meter Höhenunterschied in vielen Serpentinen überwinden. Am Heck das immer tiefer gelegene Meer und vor der Front die Häuser am Rande des Berghanges, am Straßenrand sind mehrere Höhlen auszumachen. Der weiche Kalkstein, aus dem die Berge des Gargano bestehen, bietet sich für Höhlenwohnungen an. Als Wohnungen werden die Höhlen wohl inzwischen nicht mehr benutzt, aber für die Hirten oder als Lagerräume haben sie immer noch Bedeutung.

Straße nach Monte Sant Angelo

In Monte Sant Angelo angekommen, muss man einige Geduld und Ruhe aufbringen, denn der Verkehr in den engen bis sehr engen Gassen stockt oftmals. Die vielen Einbahnstraßen lassen das Gewirr der Gassen zu einem Labyrinth werden, aus dem man ohne Navi kaum wieder heraus kommt.
Der interessante Teil der 1000 Jahre alten Stadt befindet sich ganz oben auf der Spitze, wo die Kirche San Michele und das Kastell zu finden sind. San Michele ist eine Grottenkirche, das heißt, die eigentliche Kirche befindet sich unter der Erde. Nur die Eingangshalle und der Glockenturm liegen überirdisch. Neben dem Kastell steht eine alte Häuserreihe, die typisch apulisch aussieht.

Grottenkirche San Michele

Beim Stadtbummel fällt vor allem auf, dass Monte Sant Angelo eine weiße Stadt ist. Um die teils großen Höhenunterschiede zu überwinden, sind in vielen Gassen Treppen eingebaut. Die Häuserfassaden sind sehr schlicht, mit nur wenigen Schmuckelementen. Diese Architektur zieht sich durch ganz Italien.

weiße Stadt Monte San Angelo

Nach dem Besuch von Monte Sant Angelo wollten wir eigentlich die Halbinsel Gargano nach Norden überqueren, um uns den Fischerort Peschici anzusehen. Angesichts der dahinfliegenden Zeit und der kurvenreichen Straßen kürzten wir die Rundtour ab und fuhren durch den Forest Umbra direkt nach Vieste. Zuerst fuhren wir durch die Bergwelt mit vielen Steineichen. Je weiter wir uns der Küste näherten, umso höher wurden die Bäume und der dichte Eichenwald wurde von einem lichten Laubwald abgelöst. Irgendwann häuften sich die Picknickplätze.

Forest Umbra

Nach einer schier endlosen Fahrt, 60 Kilometer nur Kurven, landeten wir in Vieste. Der Hafen der Stadt ist groß, hübsch angelegt und sicher in der Form noch nicht alt. Von dort werden im Sommer Bootsfahrten zu den Tremiti-Inseln angeboten.
Was jedoch die Sehenswürdigkeit in Vieste ist, findet man am südlichen Strand. Wir sahen es und fühlten uns sofort nach Etretat in der Normandie versetzt. Gleißend weiße Steilwände aus Kreide, zumindest wenn die Sonne scheint, mit Häusern direkt bis an deren Kante, ragen mehr als zwanzig Meter senkrecht in den Himmel. Zwischen der Steilwand und dem Strand steht ein Monolith, der sich wie eine Nadel zwanzig Meter über dem Strand erhebt. Das hatten wir hier nicht erwartet. Das ist schon beeindruckend.

Kreide-Monolith von Vieste

Schon fing es an dunkel zu werden, aber die Straße zurück nach Manfredonia wurde nicht besser. Noch einmal 60 Kilometer Kurvenstrecke verlangten den Rest unserer Kondition ab. Nur ein kurzes Stück wurde durch eine Fernstraße ersetzt, ein weiteres Stück ist in Arbeit. Fast alles der neuen Straße besteht aus Tunneln.

Einen Geheimtipp haben wir noch zwischen dem Lido Salpi und Manfredonia gefunden. An der kleinen Straße durch Siponto befindet sich eine Wasserbüffelfarm. Der Geruch, der einem dort in die Nase steigt, ist nicht eben angenehm, dafür ist der Käse aus Büffelmilch umso besser. Das alles bietet die Azienda Agricola Zootecnica – Caseificio die Pini. Man darf sogar vor dem Kauf probieren, denn die Auswahl ist groß. Vom Frischkäse über den Mozarella bis hin zum Hartkäse, da fällt die Entscheidung nicht leicht. Dies war die erste Büffelfarm, die uns auf unseren Reisen bisher begegnete. Die Preise sind zudem bezahlbar.

Wasserbüffelfarm bei Siponto

 

San Marino

Vor ungefähr 20 Jahren besuchten wir auf einer Durchreise den Stadtstaat Republik San Marino schon einmal. Ich hatte noch einige Bilder von diesem Besuch im Kopf. Beim heutigen Besuch konnte ich jedoch nichts mehr von dem finden, an das ich mich erinnerte. Von daher war ich froh, dass wir noch einmal nach San Marino fuhren.
San Marino gründet sich auf eine kleine christliche Gemeinde im 3. Jahrhundert n.Chr. auf dem Berg Titano am Rand des Appenninengebirges. Frieden und Demokratie bestimmen seither das Leben der Einwohner, bis in unsere heutige Zeit hinein. Die älteste Republik, so klein sie auch ist, nimmt eine wichtige Rolle im Europarat ein. Was Korruption und Vetternwirtschaft ausschließt ist die Tatsache, dass seit 1243 zwei Kapitäne (amtierende Staatsoberhäuptern) die kleine Republik regieren. Das jedoch nicht über Jahre, sondern ganze sechs Monate lang. Jedes Jahr am 1. April und am 1. Oktober erfolgt die prunkvolle Amtseinführung der neuen Kapitäne, nach immer noch dem alten gleichen Protokoll.

Super-Aussichten aus 739m Höhe

Von Riccione aus, südlich von Rimini, wählten wir zuerst die kleine Straße durch die ursprüngliche Landschaft der Küstenregion nach San Marino. Bis kurz vor dem Ziel ist die Landschaft noch flach, steigt dann leicht an. Bald kommt ein Bergrücken in Sicht, auf dem drei Türme auffallen, zwei davon mit zugehörigen Gebäuden. Sie stehen direkt am Rande einer Steilwand. Darunter breitet sich eine Ortschaft aus. Ein schönes Bild. Wie sich herausstellte, gehören die Türme zur Stadt San Marino. Von nun an geht es steil bergauf, in Serpentinen, also mit dem Wohnmobil wenig zu empfehlen.

Turm 1, der höchstgelegene

Auf dem Parkplatz 2 stellten wir den Smart ab, für 1,-€ pro Stunde. Von dort aus sind es nur ein paar Schritte bis zum Stadttor von San Marino. Hat man dieses passiert, wandelt man durch das Mittelalter. Wege und Gassen, bergauf, bergab, Treppen dazwischen, Häuser aus Kalkstein gebaut, Aussichten vom Feinsten auf das bergige Umland und zur Adria. Ganz oben thront eine kleine Festung. Souvenirläden, Cafés, Restaurants und Läden aller Art laden mit Preisen, die auf Grund des Steuervorteils in San Marino Spaß machen, zum Kaufen ein. Es kommt sicher vor, dass man dabei zu dem ein oder anderen San Marino-Euro kommt. Hier findet jeder etwas zum mit nach Hause nehmen. Es macht Spaß, durch die alten Gemäuer und lauschigen Ecken zu spazieren. Wer möchte kann auch eines der Museen besuchen, wie z.B. das Museum der Kuriositäten oder das Foltermuseum.

unteres Tor von San Marino

Die Rückfahrt nach Rimini ist weniger aufregend als die Fahrt durch das „Hinterland“, aber weniger steil. Wer mit dem Wohnmobil unterwegs ist, sollte diese Straße nach San Marino nehmen.

Den mondänen Badeort Rimini hatten wir damals ebenfalls besucht. Es war ein Schock, denn hohe, schrillbunte Holzzäune versperrten den Blick auf den Strand und das Meer. Der Zutritt kostete Geld. Die Liegen und Sonnenschirme standen so dicht beieinander, dass man die Liegen kaum nach der Sonne ausrichten konnte. Um etwas vom Wasser zu sehen, musste man sich durch die Liegen und Sonnenschirme kämpfen. Das war absolut furchtbar.

Rimini im Herbst

Inzwischen sind die Zäune der 150 Strandabschnitte abgebaut. Von Liegen und Sonnenschirmen keine Spur mehr, zumindest jetzt im Herbst. Man hat wieder Luft zum atmen. Der kilometerlange, sehr breite Strand ist verwaist. Anders als vor zwanzig Jahren, als man die Strandstraße noch nach beiden Seiten befahren konnte, ist sie heute nur noch Richtung Norden benutzbar. Will man Richtung Süden, muss man die Parallelstraße hinter der ersten Häuserreihe nehmen, welche die Einkaufsstraße ist.

Nett bummeln lässt es sich auch in Riccione, wo wir übernachtet haben.

Cesenatico

Zwischen Ravenna und Rimini liegt das schicke Hafenstädtchen Cesenatico. Es ist ein ganz besonderer Ort, denn den kleinen Hafen in der Altstadt hat 1502 niemand geringeres als Leonardo da Vinci entworfen. Im Kanal, der die Altstadt durchfließt und an dem der kleine Hafen liegt, dümpeln die alten Segelboote. Schön bunt bemalt erinnern sie an die ruhigen Zeiten vor dem Tourismus. Früher als Handelsschiffe genutzt, liegen sie heute fest vor Anker.

die alten Schiffe im Kanal von Cesenatico

Links und rechts des Kanals reihen sich Kneipen und kleine Läden. Was uns ziemlich nervt, seit wir in Italien unterwegs sind, ist, dass ausgerechnet zu der Zeit, in der wir unterwegs sind, die meisten Kneipen und Läden geschlossen bleiben. Ab der Mittagszeit bis zum Nachmittag ist Siesta, da bieten nur wenige Geschäftsleute ihre Dienste an. Das nur einmal am Rande.
Die alte Fischhalle öffnete für uns erst wieder um 16 Uhr. Bis dahin spazierten wir zum Leuchtturm am Ende des Kanals, wo sich wieder die rechteckigen großen Netze finden, die nur ins Wasser hinabgelassen und wieder hochgezogen werden. Diese sahen wir unterwegs von Comacchio bis nach Cesenatico immer wieder an vielen Kanälen, die die Küstenregion durchziehen. Der anschließende Besuch in der Fischhalle lohnte sich eher nicht. Den Großteil des Angebotes machen viel zu kleine Fische aus. Knurrhähne, Seezungen, Rotbarben usw. werden schon im „Kindesalter“ aus dem Meer gefischt. Wie soll da etwas nachwachsen?

Blick zum Leuchtturm

Um von einer Seite zur anderen des Kanals in der Altstadt zu gelangen, kann man zwei Brücken oder die kleine Fähre am „Porto Leonardo“, benutzen. Auf der rechten Kanalseite kommt man irgendwann an einem großen gelben Eckhaus mit weißen Fenstern vorbei. Dies ist wohl das Haus, in dem Leonardo da Vinci entweder gewohnt oder sich nur als Durchreisender aufgehalten hat. Ein Bild, welches ihn bei seiner Planungsarbeit am Hafen darstellt, erinnert daran.

Porto Leonardo

Unser Womo haben wir auf dem Area Comunale in Pinarella stehen, kostenlos. Pinarella ist ein Badeort wie viele an der Küste der Emilia Romagna. Jetzt im Herbst ist fast alles geschlossen, die Orte wirken wie ausgestorben. Die Straßen und Strände gehören wieder den Einheimischen.

Am Strand von Pinarella haben wir Herzmuscheln gesammelt, die dort in Massen gestrandet sind. Wir haben sie uns als Abendbrot schmecken lassen. Hier geht es zum Rezept für die selbstgemachten Herzmuscheln.

Po-Delta

Kaum hatten wir den Stellplatz im Delta des italienischen Flusses Po erreicht, empfing uns das Wetter mit einem ausgewachsenen Sturm und Regen, welches stundenlang und bis tief in die Nacht anhielt. Deshalb mussten wir unseren gerade begonnenen Rundgang durch den Fischereihafen von Goro-Gorino, dem wir einen Besuch des gleichnamigen Ortes anschließen wollten, schnell wieder beenden.
Wir stehen direkt zwischen dem Po-Goro und der Lagune am südlichen Deltarand. Durch den Sturm stieg der Wasserpegel schnell und drückte noch mehr Wasser durch die enge Schleuse zwischen beiden Gewässern, an der wir stehen. Es wurde etwas beängstigend. Müssen wir den schönen Stellplatz gleich wieder verlassen und tiefer ins Landesinnere, nach Goro, umziehen? Ein Auge hielten wir immer auf das Wasser gerichtet. Am nächsten Morgen schien wieder die Sonne.

Unwetter über dem Po-Delta

Das Po-Delta ist die Heimat von Nutrias. Eine Gruppe von ihnen lebt kurz vor Goro-Gorino an einen Wasserloch. Mal schwimmen sie, mal fressen sie das satte Grün am Wasserrand. Sie sind sehr scheu und lassen sich nur aus der Entfernung fotografieren. Die nahe an ihnen vorbeifahrenden Autos stören sie dagegen nicht. Nutrias haben wir jedoch überall gesehen, wo Wasser in der Nähe ist. Leider werden viele von ihnen hier im Park des Po-Delta überfahren.

Nutrias

Das Po-Delta wird stark landwirtschaftlich genutzt. Von Möhren, Rüben und Salat bis hin zu Haselnüssen wird auf dem fruchtbaren Boden manches geerntet. Jetzt im Herbst sind aber die meisten Felder umgepflügt. Deshalb sind kaum noch Vögel im Delta unterwegs, außer den üblichen vier Reiherarten (Grau-, Silber-, Seiden-, Kuh-), Möwen, Elstern und ein paar Singvögeln. Im Ebro-Delta ist da schon mehr los um diese Jahreszeit.
Goro und Gorino sind zwei ruhige Orte. Hier hat man Zeit, hier regiert die Natur. Nur in den zwei großen Häfen sieht man so etwas wie Geschäftigkeit. Allerdings fragt man sich, angesichts der unzähligen Fischerboote: Was fangen die? Soviel Fisch kann es im Po und der Lagune gar nicht geben. Viele Boote haben Ausrüstung zum Muschelfang dabei. Vor allem Miesmuscheln und Venusmuscheln werden in den Lagunen gezüchtet. Im Sommer werden Bootstouren zu den Muschelbänken angeboten.

Von unserem Stellplatz im Fischereihafen von Gorino sehen wir einen Leuchtturm. Leider ist dieser nur mit einem Boot zu erreichen. Wir fuhren über eine Behelfsbrücke kurz vor Gorino über den Po-Goro. Diese Behelfsbrücke kostet für PKWs 2,50€ Zoll pro Überfahrt und basiert auf mehreren Betonschiffen, die nebeneinander im Po-Goro liegen. Mit lautem Gerappel, die meisten Bohlen sind lose, erreichten wir das andere Ufer und folgten der Straße auf dem Damm, bis zu deren Ende. Den Rest bis zur Po-Mündung in die Adria muss man zu Fuß gehen, allerdings mit Hindernissen und nassen Füßen am Po-Ufer entlang. Auf den letzten 50m stapelt sich das Treibholz meterhoch, so dass das Ufer der Adria unerreichbar bleibt. Einen schönen Blick auf den Leuchtturm hat man trotzdem.

Mündung des Po-Goro

Comacchio ist die heimliche Hauptstadt des Po-Deltas und war im Mittelalter ein erfolgreicher Handelshafen. Die großen Erwerbszweige sind hier das Salz und der Aal. Die Salzproduktion begann schon in der Antike, als die Etrusker die Stadt Spina gründeten, deren Reste in der Nähe von Comacchio ausgegraben wurden. Schon Spina war ein wichtiger Handelshafen. Die Etrusker, an denen man nicht vorbeikommt, wenn es um Italien geht, legten die Salinen an, die über die Jahrhunderte bis 1985 genutzt wurden. Dann wurde die Produktion eingestellt und die Natur bekam ihr Recht zurück. Nur wenige kleine Salzbauern gibt es noch. Flamingos sollen hier brüten, aber im Moment sind sie nicht da.
Die Lagunen von Comacchio sind ebenso Lebensraum der Aale, wenn sie aus der Sargassosee, östlich von Florida im Atlantik, kommen. In der Zeit von Oktober bis Dezember ziehen die Aale wieder dorthin zurück. Seit Jahrhunderten werden die Aale dann mit Hilfe von Schrankensystemen aus Holz und Weidenruten in den Kanälen gefangen. Es gab viele dieser Schrankensysteme im Delta. Die dazugehörigen Bauwerke, Wohn- und Arbeitsraum der Fischer, sind heute meist nur noch Ruinen. Aale gibt es kaum noch, deshalb ging auch dieser Erwerbszweig auf ein Minimum zurück. In der Manifattura dei Marinati, der Fischfabrik, auch Haus des Aales genannt, kann man sich auf die Spuren der Aalverarbeitung begeben. Von Oktober bis Dezember, wenn die Aale gefangen werden, ist das Museum wieder als Fabrik tätig. Dann werden die Aale angeliefert, der Kopf entfernt, und der Rest wird auf lange Spieße gefädelt. Diese werden vor große Feuer gehängt, es gibt zwölf Kamine, bis sie gut gebraten sind. Dann schichtet man sie in Fässer, die zum Abschluss mit Marinade aufgefüllt werden. Für 3,-€ Eintritt ist man dann hautnah dabei. Wir jedoch waren wohl etwas zu früh, denn die Kamine blieben kalt und die Spieße leer. Mehrere Filme erklären dann die Funktionsweise der Fischfabrik. Es wurde sogar ein Film mit Sophia Loren gedreht, der sich mit dem Aalfang und der Fischfabrik beschäftigt. Anfang Oktober findet jedes Jahr das „Aalfestival“ statt. Deshalb kamen wir mit der Erwartung nach Comacchio, dass wir überall an Ständen oder so Aal probieren könnten. Stattdessen wird der Aal für teures Geld als Konserve in Spezialitätenläden oder als teure Gerichte in den Restaurants und Trattorias angeboten.

Fischfabrik oder „Haus des Aals“ in Comacchio

Die Lagunenstadt Comacchio ist trotzdem sehr sehenswert und eine echte Konkurrenz zu Venedig. Hier ist es zu dieser Jahreszeit sehr ruhig. In aller Ruhe und Gemütlichkeit lässt es sich an den vielen schönen Kanälen und bunten Häusern entlang spazieren. Ziegelbrücken ermöglichen den Seitenwechsel. An fast jeder Ecke erhebt sich eine Kirche. Im Stadtzentrum stehen ein Uhrturm und der Weizenspeicher.

Kanäle überall

Das imposanteste Bauwerk ist die Trepponti-Brücke, die 1630 als monumentales Seetor gebaut wurde. Über mehrere Treppen kann die Trepponti-Brücke passiert werden. Gleich nebenan befindet sich der alte Fischmarkt mit der Fischhalle. Comacchio ist unserer Meinung nach ein Muss, wenn man das Po-Delta besucht.

Trepponti-Brücke

Noch eines muss ich erwähnen. Vollkommen überrascht waren wir, als wir die großen Fischernetze bei Comacchio sahen. Es ist das gleiche Prinzip, wie die chinesischen Netze in Kerala (Indien). Nur das diese dort mit einem Hebel und sechs bis acht Mann bedient werden, und hier in Comacchio mit Hilfe eines Motors funktionieren. Die großen viereckigen Netze sind stationär und werden in das Wasser abgesenkt. Nach kurzer Zeit zieht man sie hoch und der Fang, meist nur kleine Fische, die frittiert werden, werden mit einem Kescher herausgefischt. Dabei müssen die Fischer schnell sein, denn Heerscharen von kleinen Krebsen, die mit dem Netz nach oben kommen, stürzen sich ebenfalls auf die Fische. Natürlich wollen auch die Möwen ihren Anteil.

Fischernetze in Comacchio

Der zweite Stellplatz im Po-Delta, den wir nutzten, war der naturbelassene Platz „Area Sosta Camper“, direkt bei den Lagunen von Comacchio, knapp südlich der Stadt. Die breiten Strände von Porto Garibaldi, Estensi und Spina sind auch gleich in der Nähe. Dort ist inzwischen auch alles in einen Dornröschenschlaf gefallen. Nur ein paar in dicke Jacken gehüllt Spaziergänger bevölkern jetzt den Strand. Die meisten Kneipen haben bis zum Frühjahr geschlossen.

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