A+K Weltenbummler

Reisen rund um die Welt

Costa Rei

Die Königsküste wird im Norden durch das Capo Ferrato begrenzt, eine felsige Landzunge, die sich weit ins Meer schiebt. Das Capo Ferrato wird wiederum von Monte Ferro abgeschlossen, einem der zweiunddreißig Vulkane auf Sardinien. Da er nur dreihundert Meter hoch ist und es Wege zum Kraterrand hinauf gibt, hatte ich mir vorgenommen, dort hoch zu kraxeln. Es gab schon mehrere Versuche meinerseits, einen Vulkan bis zum Kraterrand hochzusteigen, aber es hat nie geklappt. Da war der Hibok Hibok auf den Philippinen, der Ätna auf Sizilien und der Vesuv bei Neapel.

Als wir am Fuße des Monte Ferru (eiserner Berg) standen, mussten wir feststellen, dass es für den Weg nach oben jede Menge Zeit braucht. Der Weg ist ein steiniger Fußpfad. Außerdem lag der Weg über den nördlichen Hang des Vulkans am Nachmittag der Sonne abgewandt. Es würde also ein dunkler, kalter Weg werden. Am Kraterrand steht zudem noch ein spanischer Turm, den man besuchen könnte, und die Aussicht wäre sicher auch nicht zu verachten. Jedenfalls nahm ich Abstand von meinem Vorhaben, meinen ersten Vulkan bis ganz nach oben zu besteigen.

Es führt auch ein langer und steiniger Weg zum Capo Ferrato, für dessen Bewältigung es ebenfalls viel Zeit braucht.

So legten wir nur eine Kaffeepause ein. Vom Parkplatz am Ende der asphaltierten Straße beginnt eine Piste nach Norden, zu einigen felsigen Buchten und zum Feraxi-Strand, der den Abschluss der Bucht von Colostrai darstellt.

Wir wendeten uns Richtung Süden und fanden für die Nacht einen riesengroßen Parkplatz direkt zwischen der Lagune Piscina Rei und dem Strand der Costa Rei, mit Blick auf den Monte Ferru.

Vorher spazierten wir aber doch noch ein Stück an der Südseite des Capo Ferrato entlang, wo sich eine felsige Küste und mehrere kleine Strände befinden. Dahinter dehnt sich ein großer, schattiger Picknick-Bereich aus, von dem sich wunderbare Aussichten eröffnen, auch auf den Monte Ferru.

San Priamo

Auf dem Weg zum Capo Ferrato hielten wir in San Priamo, weil wir etwas einkaufen wollten. Irgendetwas ließ uns dort stutzig werden und wir spazierten durch das winzige Dorf. Es besteht eigentlich nur aus der Kirche und einen viereckigen Platz, der an drei Seiten von verlassenen kleinen Häusern begrenzt wird. In einer Ecke steht ein altes Backhaus, welches noch benutzt wird. An der Kirche befand sich der Waschplatz.

An einem der Häuser ist das Wort „Schule“ zu lesen. Das Ganze war einmal sehr hübsch und wird heute noch gepflegt, nur die Häuser sind dem Verfall preisgegeben. Sehr seltsam, außerdem fällt das Dorf mit seinem Erscheinungsbild total aus dem Rahmen, mit der Kirche angefangen.

Hinter der ersten, verfallenden Häuserreihe stehen neue Wohnhäuser, allesamt bewohnt. Was ist hier los?

In dem linken von den zwei kleinen Märkten kauften wir ein. Der Mann beobachtete uns schon, als wir im rechten Markt verschwanden, wie die meisten Leute. Dort fanden wir jedoch nichts, was uns interessierte. Deshalb gingen wir bei ihm einkaufen. Er war sehr nett und gestattete uns sogar, aus dem Wasserhahn vor seinem Laden Wasser für das Wohnmobil nachzutanken. Dabei fragten wir ihn, warum es in San Priamo so seltsam aussieht. Da erklärte er uns, dass das Dorf einmal von Mussolini als Kaserne gebaut worden war. Als der Krieg zu Ende ging, behielt die Gemeinde die Hand darauf und seitdem darf dort niemand mehr einziehen. Es wird aber auch nichts für die Erhaltung getan. Nur die Kirche ist in bestem Zustand. Sie war verschlossen. Als drei Männer, die in der Nähe standen, bemerkten, dass wir sie uns ansehen wollten, schloss der Pfarrer die Kirche auf. Drinnen ist sie sehr schlicht und in weiß gehalten. Die Weihnachtsvorbereitungen laufen gerade.

Vom Laden aus ist eine kleine Kirche in einiger Entfernung auf einem Hang zu sehen, die auch gleich unser Interesse weckte. Es ist das Heiligtum di San Priamo Martire. Leider war es verschlossen, scheint aber noch in Betrieb zu sein. Jedenfalls hat man von seiner Terrasse aus einen wunderbaren Blick über die Ebene bis zum Meer hin.

Links vom Heiligtum führt ein Weg den Hang weiter hinauf auf die Bergspitze. Dort steht noch der Rest der Nuraghe San Priamo II.

Hätten wir nicht wegen des Einkaufens in San Priamo gehalten, hätten wir dieses Kleinod nicht besucht. Es war wirklich sehr interessant.

San Giovanni Strand

Der Spiaggia di San Giovanni ist ein Paradies für Naturliebhaber und Liebhaber von langen einsamen Stränden (wenigstens im Winter). Das Gebiet gehört immer noch zum Flumendosa-Delta. Da der Fluss nicht ins Meer fließen kann, hat sich eine sehr lange schmale Lagune gebildet, die von der Flumendosa-Mündung bis fast nach Torre Salinas reicht. Es ist ein Idyll in dem sich viele verschiedene Vogelarten aufhalten, vor allem Silber- und Graureiher, auch ein paar Flamingos. Zum Frühstück tummelten sich eine Wacholderdrossel, ein Braunkehlchen, ein Hänfling und einige Zilpzalpe in den Büschen neben unserem Wohnmobil.

Der Strand selber ist bisher der Beste, den wir auf Sardinien angefahren haben: kilometerlang, feiner Sand und Karibikfeeling, auch Dank der angepflanzten Palmen. Nur die Temperaturen sind nicht karibisch.

Am nördlichen Ende befindet sich die Fischerei San Giovanni, die jedoch auch nicht besichtigt werden kann. Man hat an dieser Stelle einen Durchlass in die Dünen gegraben und Fischfang-Vorrichtungen hinein gebaut, so wie an der Lagune Sa Praia bei Porto Corallo.

Ein schöner Spaziergang führt von unserem Parkplatz am Strand, kurz vor der Fischerei San Giovanni, über die Lagune, an einem alten spanischen Turm vorbei, zu einem richtigen Salzsee.
Der spanische Turm heißt „Turm der zehn Pferde“ und tatsächlich ist er anders als all die anderen Türme, die wir bisher gesehen haben. Es scheint einmal eine Art Fort gewesen zu sein. Mauerreste lassen darauf schließen. Außerdem bildet der Turm ein Tor, welches in die Mauer eingelassen war.

Der schattige Weg weiter zum Salzsee ist gesäumt von kleinen Eukalyptus- und Kakteenwäldchen. Die Opuntien tragen jetzt Früchte (Kaktusfeigen), die die Leckersten sind, die wir bisher probiert haben. Beim Pflücken nicht vergessen, die kleinen Stachel vorher zu entfernen.

Kurz vor dem Salzsee befindet sich das große Feriendorf „4 Mori“, welches über den Winter geschlossen ist. An der Strandfront stehen einige schicke Mobilheime mit verschatteten Terrassen. Davor wurden zwei Palmenreihen gepflanzt. Dort die Ferien zu verbringen ist bestimmt herrlich, aber sicher auch teuer.

Der Salzsee selbst, der bei Google Maps weiß erscheint, was uns eigentlich dorthin gelockt hat, ist gerade nicht weiß. Durch die Regen der letzten Wochen hat sich der See wieder mit Wasser gefüllt und der Boden ist nass. Weiß ist der See sicher nur nach langer Trockenheit.

Den Rückweg nahmen wir am Strand entlang, durch den herrlich feinen Sand.

Am südlichen Ende der Bucht ragt das Capo Ferrato ins Meer, welches vom Vulkan Monte Ferru, dem Eisenberg, zum Binnenland hin abgegrenzt wird.

Porto Corallo – Nachtrag

Wir hatten das unglaubliche Glück, bei unseren Spaziergängen durch den Yachthafen, zwei Delphine beobachten zu können. Es waren eine Mutter und ihr Kalb. Sie schwammen lange Zeit durch den Yachthafen und unter den Stegen hindurch. Mal schwamm das Kleine mit der Mutter zusammen, mal ging es seine eigenen Wege. Es hat sehr viel Spaß gemacht zu sehen, wo und wann sie wieder auftauchen. Meistens tauchten sie zweimal auf und dann erst längere Zeit später wieder.

Vielleicht hat die Mutter ihrem Kalb das Fische fangen gezeigt, weil es im Hafenbecken etwas leichter war als im offenen Meer. Vielleicht hat es ihnen dort einfach nur gefallen.

Porto Corallo

Wie in Torre di Bari hat auch in Porto Corallo der große Tourismus noch nicht recht eingesetzt. 1986 wurde erst der Yachthafen gebaut, ein paar Feriensiedlungen sind nördlich von Porto Corallo entstanden, einen Campingplatz und einen Wohnmobilstellplatz gibt es inzwischen.

Man kann lange Spaziergänge entlang der Küste unternehmen. Sandige und felsige Strände wechseln sich ab, dahinter ist es sehr grün. Daran schließt sich eine hügelige Landschaft an.

Das kleine Gebirge Sarrabus beginnt gleich südlich von Porto Corallo und zieht sich weit ins Landesinnere. Es ist kaum erschlossen. Große Teile davon beansprucht das Militär.

Einen schönen Spaziergang bietet auch der Weg an der Lagune Sa Praia entlang. In dem Salzsee halten sich Möwen, Kormorane, Zwergtaucher und auch ein paar Flamingos auf. Am Ufer wächst Queller, Meerspargel. Der Weg ist idyllisch, aber nach großen Regenfällen stehen viele Pfützen auf dem Weg und versperren diesen teilweise. Wir mussten ins Grüne oder sogar über einen Feldrand ausweichen, um voran zu kommen.

Am nördlichen Rand der Lagune, wo das Wasser vom Meer hineinfließt, hat sich ein Fischzüchter angesiedelt. Zwischen Zufluss und Lagune wurde eine große Fischfanganlage ins Wasser gebaut. Sie ist jedoch nicht zu besichtigen, da das Ganze ein Privatgrundstück ist.

Porto Corallo wird von einem spanischen Turm, wie es sehr viele auf Sardinien gibt, alle in Sichtweite zueinander, überragt. Von seinem Fuße aus, er steht auf einem Hügel, hat man einen schönen 360°-Blick, bis hin zu den Reste des Castello di Gibas.

Das ganze Gebiet gehört zum Delta des zweitlängsten Flusses Sardiniens, dem Flumendosa. Geht man am südlichen Strand entlang, gelangt man nach gut einem Kilometer zur Mündung des Flumendosa. Die Sanddünen vor der Mündung sind jedoch so hoch, dass der Fluss nicht im Meer enden kann, sondern vor den Dünen sehr lange und schmale Lagunen bildet. Es ist ein sehr idyllisches Plätzchen.

Wir standen mehrere Tage auf dem Parkplatz neben der Marina, direkt zwischen Meer und spanischem Turm. An einem der Abende hallte furchtbar lautes Geschrei über die Küste, dass man meinte, jemandem wäre etwas schreckliches passiert. Als sie dann aber zum Parkplatz kamen, wussten wir warum: Der Angler hatte einen kapitalen Fisch an der Angel, eine ca. 90cm lange Gabelmakrele. Beim Anlanden brach sogar der Kescher, weil der Fisch einige Kilos auf die Waage brachte. Die Leute packten sofort ein, das Abendessen war gesichert.

Wenn man Glück hat, lassen sich auch schöne Sonnenuntergänge beobachten, zu dieser Jahreszeit allerdings schon zwischen 16.30 Uhr und 17 Uhr. Zu unserem ersten Sonnenuntergang an dieser Stelle glühte der Himmel golden, wunderschön. War da wieder Saharasand unterwegs? Kräftig genug war der Wind ja, der von der See herkam.

 

Torre di Bari

Es ist ein kleiner Ort im Ogliastra-Gebiet, in dem noch relative Ruhe herrscht. Er wird noch kaum in den Reiseführern erwähnt. Drei kleine Hotels und ein Restaurant sind offensichtlich der Anfang einer größeren Sache, denn es wird eifrig gebaut. Auf dem ACSI-Campingplatz Torre di Bari verbrachten wir drei ruhige Tage, einer davon vollkommen verregnet. Der Platz ist recht schön und wird von Eukalyptusbäumen beschattet. Jetzt im Winter nicht wirklich ein Vorteil, aber wenn man sich einen Platz auf der ganz rechten Seite sucht, dann hat man trotzdem viel Sonne.

Zweihundert Meter Fußweg führen zu einem kilometerlangen Strand, der von einem Pinienhain begrenzt wird. Am rechten Ende steht ein spanischer Turm aus dem 16. Jahrhundert. Er diente der Verteidigung dieses Gebietes vor Angriffen der Sarazenen und Piraten aus Nordafrika. Der Turm wurde aus Granit gebaut, ist insgesamt 21 Meter hoch und hat einen Durchmesser von 11 Metern.

Rechts vom Turm, der auf einer Klippe aus Basalt und Granit steht, schließt sich ein weiterer Strand an. Beide Strände sind verschieden: der linke Strand erinnert an die Karibik, mit gelbem Sand in Reiskorngröße, und ruhig daliegendem Wasser. Der rechte Strand ist eher atlantisch: grauer Kies und an den Strand schlagende Wellen. Zwar liegen die Strände in einem stumpfen Winkel zueinander, trotzdem ist es faszinierend. Zwei Welten auf einem Stück Land.

Hier kann man schon eine ganze Weile Urlaub machen, so schön und erholsam ist es in Torre di Bari.

Arbatax

Das alte Arbatax liegt auf dem Capo Bellavista, das aus rotem Porphyr besteht. Unbedingt muss man sich die leuchtend roten Klippen ansehen, die inzwischen von einer hohen Kaimauer verdeckt werden. Sie sind einzigartig und wunderschön.

Das ganze Kap besteht aus mehreren verschieden bunten Gesteinslagen. Auch die Felswand hinter dem großen freien Platz ist beeindruckend. Roter Porphyr, weißer Granit und schwarze Lava haben hier ein wahres Gemälde geschaffen. Leider liegt diese Felswand auf der Nordseite, so dass sie nie von der Sonne angestrahlt wird und die Farben gut zur Geltung kommen würden. Das ist sehr schade.

Der Platz wird im Sommer für Konzerte genutzt. Deshalb baut man jetzt einige Mauern und Freitreppen zur Küste hin, die sehr kunstvoll mit weißen Granit- und roten Porphyrsteinen gestaltet werden. Wenn das fertig ist wird der Platz topp aussehen.

Die Anfänge von Arbatax liegen gleich unterhalb dieses Platzes. Der kleine alte Bootshafen und das alte Hafenbüro sind wieder hübsch hergerichtet. Gleich daneben befand sich der Bahnhof. Die Schienen liegen noch, die dort beginnen und enden. Im Sommer fährt die Touristenbahn „Trenino verde“ von Arbatax aus ins grüne Umland.

Am Rande des Fischerhafens steht die Fischhalle. Auf der Rückseite wird der fangfrische Fisch verkauft, die Vorderseite wird von der Gastronomie genutzt, mit Schwerpunkt Fisch, im Sommerhalbjahr.

Oberhalb des alten Hafens steht die kleine Kirche mit einem sehr langen Namen, aus Granit gebaut. Innen ist sie sehr schlicht gehalten.

An der Zufahrtsstraße zum alten Arbatax erhebt sich noch ein alter spanischer Turm. Geschäfte, Bar´s und Hotels schließen sich an.

Lohnend ist auch ein Spaziergang über das Capo Bellavista. Durch eine ruhige Wohn- und Feriengegend gelangt man auf die andere Seite zum Porto Frailis-Strand, einem langen weißen Strand, der an beiden Enden von felsiger Küste begrenzt wird.

Der Strand an der Ostküste des Kaps, Spiaggia Cala Moresca, ist dafür nicht zum Baden geeignet, aber wunderschön.

Ansonsten wird Arbatax von einem riesigen Hafengebiet dominiert. Und noch eines: Wie wir so am Fischerhafen sitzen und in Richtung Berge gucken, was sehen wir da? Schnee!!! Auf den über 1800 Meter hohen Gennargentu-Bergen hat es inzwischen geschneit.

Golfo di Orosei

Von Orosei bis nach Santa Maria Navarrese führt nun die Panoramastraße SS125 durch die fantastische Bergwelt des Supramonte-Gebirges, dem sich südlich gleich das Gennargentu-Gebirge anschließt. Zuerst langsam ansteigend, später größtenteils auf ca. 700 Höhenmetern entlang eines Berggrates verlaufend. Auf dem Genna Silana-Pass hat man dann eine Höhe von 1017 Metern erreicht. Von da ab geht es immer leicht bergab.

Gleich hinter Orosei befindet sich ein riesiger Marmorsteinbruch. In diesem haben sich mehrere Firmen angesiedelt, die den Marmor abbauen und verarbeiten. Die Landstraße führt mitten hindurch.

Etwas später kommt man durch das Bergdorf Dorgali. Der Ort ist recht groß, hat aber außer seiner Lage kaum etwas zu bieten.

Nur wenige Kilometer weiter zweigt die Serpentinenstraße nach Cala Gonone ab. Direkt hinter der Abzweigung fährt man durch einen gut vierhundert Meter langen Tunnel. Gleich dahinter liegt ein Parkplatz (444m hoch) mit einer wunderbaren Aussicht auf den Küstenort Cala Gonone. Der Ort ist der einzige Zugang zur felsigen Küste des Golfo di Orosei. Die Ausläufer des Supramonte-Gebirges reichen hier dreißig Kilometer lang bis ans Meer. Es gibt in diesem Bereich keine Straßen mehr. Alles ist nur noch zu Fuß oder per Boot zu erreichen. Man findet hier viele Grotten und Höhlen, wie auch im gesamten Gebirge. An der Küste gibt es sogar eine Blaue Grotte. Leider fahren im Winter keine Boote dorthin. Auf jeden Fall ist es ein interessantes Wandergebiet.

Cala Gonone war noch vor wenigen Jahrzehnten ein kleines Fischerdorf. Innerhalb kürzester Zeit wurde es zum Ferienort.

In der wilden Bergwelt entlang der SS125 liegen nur wenige kleine Gehöfte von Hirten, die hier halbwilde Schweine, Ziegen und Schafe halten. Zwei dieser hübschen Schweine, schwarz mit hellen Füßen, kreuzten vor uns die Straße.

Bald hinter dem Pass Genna Silana bietet die Käserei „Gruthas“ hervorragenden Ziegenkäse, dazu Ziegenjoghurt und Ziegenmilchquark. Nur selten hat meine Zunge etwas Feineres bekommen als diesen Ziegenjoghurt.

Von der Käserei aus ist schon das kleine Bergdorf Urzulei zu sehen. Eine steile und enge Serpentine führt dort hinunter. Auch die Durchfahrt ist eng, aber das Dorf liegt sehr romantisch am Hang der Berge.

Jetzt befindet man sich im Gebiet Ogliastra. Unser nächstes Ziel war Arbatax, auf einer weit ins Meer gezogenen, felsigen Landzunge.

Orosei

Von Agrustos aus folgten wir nun immer weiter der Küstenstraße, durch Budoni, Posada und das südliche Baronia-Gebiet bis nach Orosei. Bis Santa Lucia setzt sich die Landschaft genauso fort wie wir sie von San Teodoro bis Agrustos erlebt haben. Das heißt, das allermeiste dreht sich um Tourismus.

Von Santa Lucia aus windet sich die Straße entlang der Baronia-Berge, landschaftlich auch sehr schön. Verlässt man am südlichen Ende die Baronia-Berge, bietet sich ein guter Blick auf Orosei. Der Ort liegt am Fluss Cedrino, der die fruchtbare Ebene zwischen den Bergen und dem Meer geschaffen hat.

Die Altstadt von Orosei verteilt sich auf ein paar flache Hügel. Die Häuser bestehen zumeist aus grauem Vulkangestein, die Straßen und Gassen aus Basalt. Vieles Alte ist noch erhalten, was den Charme dieses Städtchens ausmacht.

Vom kommunalen Parkplatz aus, am östlichen Rand von Orosei, kann man einen Rundgang durch den Ortskern starten. Wir begannen mit der kleinen Kirche di Sant`Antonio Abate aus dem 13. Jahrhundert, ganz aus Vulkangestein erbaut. Das Dach besteht aus Holz. An einer der Seiten führt ein Arkadengang entlang.

Im Inneren der Kirche sind alte Fresken aus dem 14. Jahrhundert zu bewundern. Sie sind teilweise restauriert. Eine kleine hölzerne Statue des Heiligen Antonio schmückt ebenfalls den Innenraum. Gleich daneben hängt ein Gobelin, der so fein gewebt ist und dessen Farben so frisch sind, dass er einer Fotografie in nichts nachsteht.

Das Besondere an der kleinen Kirche ist der originale Fußboden, mit verschieden bemalten Fliesen, den man vor dem Altarraum erhalten hat.

Zu der Kirche gehört ein großer Platz, der teilweise von niedrigen Wohnräumen, in denen früher die Mönche wohnten, eingerahmt ist. Heute ist es normaler Wohnraum. Auf dem Platz stehen ebenso ein 4-geschossiger Turm und ein Brunnen. Im Ganzen ist es ein interessantes Ensemble.

Von hier aus setzten wir den Rundgang durch die Altstadt von Orosei fort. Durch verschiedene Gassen erreichten wir irgendwann das Castello Prigione Vecchia. Im Mittelalter baute man an dieser Stelle eine Befestigung. Inzwischen steht nur noch der 15 Meter hohe Turm, der als Gefängnis genutzt wurde. Eine Besichtigung ist nicht mehr möglich.

Auf der anderen Seite der Piazza Sas Animas befindet sich die Kirche delle Anime, leider auch nicht zu besichtigen.

Von der dahinterliegenden Piazza del Popolo ist schon die höher gelegene Kirche Madre di San Giacomo Maggiore zu sehen. Über eine Treppe aus Basaltsteinen erreicht man den Eingang der weiß strahlenden Kirche, die im Kontrast zur schwarzen Treppe steht. Im Inneren ist die Kirche schlicht, aber mit vielen schönen Details ausgeschmückt, die golden auf dem weißen Untergrund strahlen.

Jetzt lenkten wir unsere Schritte wieder in Richtung Parkplatz, durch weitere Gassen. Hier und da stehen liebevoll gestaltete Innenhöfe offen.

Sehenswert ist auch die Bogenbrücke über den Cedrino.

Am südlichen Ende der Brücke zweigt ein Weg ab, der zur Dammkrone führt. Auf ihr lässt es sich hervorragend am Fluss Cedrino entlang spazieren. Geht man den Weg bis zum Ende, kommt man nach gut zwei Kilometern am Strand von Orosei heraus.

Nachdem wir in Agrustos die Linsenwolken bewundert hatten, änderte sich das Wetter. Es hatte drei Tage lang immer wieder gestürmt und die Temperaturen sind von 20 Grad auf 11-15 Grad gefallen. Regen gab es das erste Mal seit wir in Italien/Sardinien sind auch tagsüber. Es ist also frisch geworden.

Baronia – San Teodoro bis Agrustos

Wir sind wieder an der Ostküste von Sardinien und fangen mit der Erkundung der langen Strandküste in San Teodoro an. Die Baronia ist der Küstenabschnitt, der von Olbia bis nach Orosei reicht. Dieses Gebiet haben sich viele Deutsche als Erst- oder Zweitwohnsitz auserkoren.

Am südlichen Ende der Lagune Stagno di San Teodoro fanden wir einen Parkplatz direkt am Strandzugang. Von hier aus erstreckt sich der 3 Kilometer lange Strand La Cinta, der die Lagune vom Meer trennt. In der Lagune halten sich viele Flamingos auf, aber sie sind sehr scheu und man kann sie nur aus der Ferne beobachten.
Über die Lagune hinweg erhebt sich die hohe, im Sonnenlicht hell strahlende Felseninsel Tavolara. Es sieht aus, als würde nicht viel an den steilen Felshängen wachsen.

Es gibt eine kleine Geschichte zu Tavolara, dem kleinsten Königreich Europa´s. Im 19. Jahrhundert kam ein Korse auf die sardische Insel. Als ihn dann der sardische König besuchte, begrüßte ihn der Korse, der sich inzwischen als König ausgerufen hatte, und wünschte ihm einen schönen Aufenthalt. Daraufhin schenkte der sardische König dem korsischen König die Insel Tavolara. 1962 fand dieses Königreich jedoch sein Ende. Die Nachfahren des korsischen Königs arbeiten heute im Tourismusbereich.

Mit Beginn des Sommers muss in San Teodoro jedoch die Hölle los sein. Dann wird der Strand von Touristen überschwemmt, und zwar so sehr, dass sogar Richtungsverkehr am schmalen Strandzugang eingerichtet wurde. Der Parkplatz ist riesig. Eine Fotografie von oben vermittelt einen Eindruck vom sommerlichen Betrieb am Strand.

Das Zentrum von San Teodoro ist nicht groß, aber ganz nett. Ganz auf Tourismus eingerichtet bleiben jetzt viele Einrichtungen geschlossen. Der Wochenmarkt, auf den wir zufällig gestoßen sind und der von der Hauptstraße versteckt liegt, bietet einheimische Produkte wie Salami, Käse, Honig, Obst- und Gemüse, Eingelegtes und Klamotten.

Den nächsten Halt legten wir an der Marina von Porto Ottiolu ein. Der Weg von dem großen Parkplatz bis zum geschwungenen Strand ist kurz, der auf der linken Seite von der Mole der Marina begrenzt wird. Bei der richtigen Sonneneinstrahlung strahlt das Wasser in einem karibischen Blau. Der Sand ist fein.

Porto Ottiolu wird fast nur von Ferienhäusern bestimmt und ist zu dieser Jahreszeit so gut wie ausgestorben. Nur wenige Leute halten sich jetzt dort auf.

Nördlich der Marina schließt sich ein weiterer, kleinerer Strand an, der von vielen Granitsteinen dekoriert wird. Daran schließt sich eine Art Steilküste an, die aus Granitblöcken besteht. Immer wieder brechen große Steine heraus und landen im Wasser. Das sieht wunderschön aus.

Dort führt ein Fußweg immer an der Küste entlang. Hinter einer Mauer, das Tor fehlt, findet man bald alte Bodenplatten von Hütten, die inzwischen abgerissen worden sind. Wir trafen auf dem Weg ein deutsches Pärchen, die im Moment ein Ferienhaus gemietet haben. Die erzählten uns, dass sich hier früher Hippies angesiedelt hatten. Inzwischen gehört das ganze Gebiet von der Insel Tavolara bis hinunter nach Agrustos zu einem Naturschutzgebiet und die Hütten mussten weichen.

Am nächsten Morgen spielte sich ein buntes Programm um uns herum ab. Der Parkplatz ist mit Baumreihen bepflanzt, die aus Sommerlinden, Steineichen und Amberbäumen bestehen. Das allein ist schon ein schönes Bild, denn die verschiedenen Farben von gelb, grün und rot leuchten in der Morgensonne. Dazu hielten sich verschiedene Vogelarten darin auf, wie zwei Eichelhäher und Stieglitze, die sich an den Samen der Amberbäume gütlich taten. Zwei Türkentauben suchten sich am Boden ihr Futter, und die Stare pfeifen die ganze Zeit. Sie pfiffen gestern schon hinter uns her, was sehr lustig ist. Stare machen immer Spaß.

Amberbaum

Zwischen Porto Ottiolu und Agrustos fanden wir einen herrlichen Stellplatz direkt am Strand, weitläufig, grün und ruhig. Von der Bucht Cala Cuppetti aus lässt es sich herrlich am Strand entlang wandern, bis zum kommunalen Parkplatz von Agrustos. Die Dünen sind geschützt, aber dahinter führt ein Weg entlang, auch vorbei an zwei kleineren Lagunen. Hier fanden wir weitere Flamingos. Der Blick über die Lagunen zu den Bergen hin ist toll. Ich weiß, ich wiederhole mich, aber es sind einfach zu viele schöne Landschaften, die sich im Baronia-Gebiet zeigen.

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