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Archiv für das Schlagwort “Grabhöhlen der Sikuler in Noto”

Noto

Das heutige Noto stammt erst aus der Zeit nach dem großen Erdbeben 1693. Damals verließen die Einwohner des antiken Noto ihre zerstörte Stadt und bauten sie 10km in Richtung Küste neu auf. Innerhalb weniger Jahrzehnte des 18. Jahrhunderts entstand dann die schicke Altstadt im schönen Barockstil. Sie wurde auf dem Reißbrett geplant und mit gelbem Sandstein aus der Nähe verwirklicht. Inzwischen ist Noto Welterbe-Barockstadt und das zurecht. Entlang des Corso Vitt. Emanuele spielt sich die Hauptsache in Noto ab. An dieser Fußgängerzone, im Osten steht das Stadttor Porta Ferdinandea, sind die Kathedrale San Nicoló und das Theater zu finden.
Eine breite Freitreppe führt zum Eingang der Kathedrale nach oben. Gleich gegenüber steht der Palazzo Ducezio, das Rathaus. Für die meisten Sehenswürdigkeiten wird ein Eintrittsgeld von ca. 3,-€ verlangt.

Kathedrale San Nicoló in Noto

Für uns ist die schönste Kirche San Domenico an der Piazza XVI Maggio, gleich gegenüber des Theaters. Von außen ist sie ein echtes Juwel des Barock. Innen eher schlicht beherbergt sie ein wunderschönes Stück Handwerkskunst. Die Front der Kirche wurde bis ins kleinste Detail aus Bast nachgestaltet. Da hat sich jemand echt Mühe gemacht.

Portal der Kirche San Domenico

Wer die gelbe Stadt, was uns an die englische Stadt Bath erinnert, von oben sehen möchte, der steigt die enge Wendeltreppe der Campanile di San Marco nach oben. Die 2,-€ Eintritt dafür sind sehr gut angelegt. Es lohnt sich wirklich. Man kann nicht nur über fast das gesamte Noto sehen, sondern auch bis zum Meer.

über den Dächern von Noto

Es wäre aber schade, wenn man sich nur auf dem Corso Vitt. Emanuele aufhalten würde. Man sollte unbedingt auch abseits durch die Straßen und Gassen spazieren. Noto hat sehr viel mehr zu bieten.

Nun hatten wir das neue Noto gesehen und waren auf das alte Noto, Noto Antica, neugierig. Während die von uns ausgewählte Straße auf der Karte gelb gekennzeichnet ist, ist sie in Wirklichkeit eher eine Straße für Geländewagen, inklusive zwei Furten. An vielen Ecken dachten wir, es geht nicht mehr weiter, aber auch hier haben sich Leute mit ihren Wohnhäusern versteckt. Es sieht alles etwas verwildert aus. An der ersten Furt stehen Apfelsinen- und Zitronenbäume so frei, dass wir uns gerne daran bedienten.

Durchfahrt einer Furt auf dem Weg nach Noto Antico

Von hier ab führt die Straße wieder aufwärts, die Befestigung der Straße verschwand bald ganz. Zum Teil kommt der uralte Steinbelag zum Vorschein, manchmal ist aber nur noch loser Kalkstein-Schotter da. Uns kam sogar eine Schafherde entgegen, ohne Schäfer. Anscheinend kennen die Tiere ihren Weg. Die einsame Bergwelt und Karstlandschaft ist wunderschön. Es wachsen allerorten Salbei, Thymian und Rosmarin, aber im Winter haben sie wohl ihr Aroma verloren. Die Kräuter schmecken nach gar nichts.

Begegnung mitten in den Bergen Notos

Hin und wieder sind Grabhöhlen der Ureinwohner Siziliens, der Sikuler, in den Kalksteinfelsen zu sehen. Sie wurden noch vor der Ankunft der griechischen Kolonisatoren angelegt.

Kurz vor der Bergkuppe beginnt ein Ruinenfeld. Zumeist sind nur noch die niedrigen Bruchsteinmauern aus Kalkstein übrig, die die Grundstücke begrenzten. Dazwischen ragen ab und zu Ruinen der ehemaligen Häuser des antiken Noto heraus. Das antike Noto wurde durch das verheerende Erdbeben im Januar 1693, auf dessen Spuren wir nun schon unterwegs sind, seit wir auf Sizilien ankamen, ausgelöscht. Immer weiter fuhren wir durch eine Ruinenlandschaft, bis wir zu einem Platz kamen, an dem mehrere Wegweiser stehen. Dies war einmal der zentrale Platz des antiken Noto, die Piazza Maggiore. Hier befanden sich die repräsentativen Gebäude wie die Kirche. Ob die große Ruine, die den Platz bestimmt, die Kirche war, wissen wir nicht.

größte Ruine in Noto Antico

Wir folgten dem Schild „Cava del Carosello“. Auch hier wieder Mauern, Ruinen und sogar ein Brunnen. Dann kamen wir an einen eingezäunten Bereich. Der Eingang ist aber offen. Dieser Bereich liegt am Rande einer tiefen Schlucht. Ein abenteuerlicher Weg führt in das Tal hinunter. Wir folgten dem Weg nur ein kurzes Stück und kamen an eine kleine, künstlich geschaffene Höhle mit Nischen und einem Abzug. War sie Teil einer Wohnhöhle oder eine Grabhöhle? Es steht nichts dazu geschrieben. Wir gehen davon aus, dass am Weg nach unten weitere Höhlen zu finden sind.

abenteuerlicher Weg zu den Cava del Carosello

Wir fuhren die Straße, die eigentlich ein Weg ist, nach Norden weiter und kamen an mehreren ehemaligen Palästen vorbei. Tafeln erklären, was vor dem Betrachter liegt. Irgendwann steht man vor dem Castello Reale aus dem 11. Jahrhundert. Es wurde mehrfach erweitert und renoviert, bis das Erdbeben auch dem Fort den Garaus machte. Das Castello reicht bis an das Stadttor heran. Dort erkennt man, dass das Fort direkt auf andere Höhlen gebaut wurde.

uralte Höhle unter dem Castello Reale

Das war ein ausgesprochen interessanter Ausflug. Das antike Noto war riesig. Wie es ausgesehen hat, zeigt eine Tafel am Stadttor.

Nun setzten wir unseren Weg fort, um zum Cavagrande del Cassibile zu kommen. Gleich hinter der ersten Serpentine werden weitere Grabhöhlen der Sikuler sichtbar, die in mehreren Etagen vor dem Forteingang im Fels liegen.

Grabhöhlen der Sikuler

Ein paar Kilometer weiter passiert man das beeindruckende Kloster Convento della Scala, bevor man durch den Ort Villa Vela kommt. Danach biegt man rechts nach Avola ab, um nach etwa 7km zum Aussichtspunkt über dem Cavagrande del Cassibile einzubiegen. Dies ist einer der größten Canyons in Europa. Die steilen Wände des Canyons fallen über 500 Meter in die Tiefe ab, wo sich der gleichnamige Fluss schlängelt. Das Besondere sind jedoch die natürlichen Pools, in denen man im Sommer baden kann. Für dieses Vergnügen muss man allerdings erst einmal den mühevollen Fußweg nach unten nehmen. Der ist jetzt im Winter geschlossen, aber trotzdem waren Leute dort unten unterwegs. Wie kamen die wohl dort hin? Die Aussicht über den Cavagrande ist jedenfalls grandios. In der Ferne erhebt sich der immer noch rauchende Ätna aus der Landschaft, der mehr als 100km entfernt ist.

Pools des Cavagrande del Cassibile

An der Serpentinenstraße hinunter nach Avola passiert man immer wieder Höhlen oder Reste davon, die dem Straßenbau zum Opfer fielen.

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