A+K Weltenbummler

Reisen rund um die Welt

Archiv für den Monat “August, 2012”

Lunenburg – Nova Scotia

Über die US 10 sind wir vom Norden Nova Scotias nach Süden gefahren und durchquerten die große Siedlung “New Germany”. Dabei kamen wir durch unendliche Wälder, fuhren an vielen Seen vorbei und hatten an einer Stelle einen schönen Blick über die Wildnis Nova Scotias. Nach unserer Erfahrung mit dem Fundy National Park haben wir den Kejimkujik National Park ausgelassen. Der Park ist zu groß, um ihn an einem Tag erkunden zu wollen.
Lunenburg wurde 1753 von Bauern und Händlern aus Deutschland, der Schweiz und Frankreich gegründet, die König George II., König von England, nach Neu Schottland geholt hatte. Hier hatten sie die Möglichkeit der freien Religionsausübung, die sie in der Heimat nicht hatten, so wie die Amish auch. Da König Georg II. gleichzeitig Kurfürst von Braunschweig-Lüneburg war, nannten die Siedler ihre Neugründung Lunenburg. Lunenburg war und ist eine Fischer- und Schiffsbauerstadt, dazu war sie 300 Jahre lang Piraten- und Schmugglernest. Die Stadt ist heute Weltkulturerbe und auf jeden Fall einen Besuch wert. Ein Spaziergang am Hafen entlang oder durch die Straßen mit den knallbunten, alten Häusern sollte man sich nicht entgehen lassen. Die Ironwork-Distillery ist eine Mikro-Destillerie, die sich in dem alten Gebäude etabliert hat, das früher als Schmiede für Schiffszubehörteile diente. Der alte Kamin steht noch, neben dem die kleine, moderne Destille aufgebaut ist. Diese wurde von einer Firma Müller aus dem Schwarzwald hergestellt. Hier entstehen aus lokalen und frischen Produkten Wodka, Rum und Liköre.

 Seit 2010 wird die „Bluenose II“ von Grund auf rekonstruiert. Die originale „Bluenose“ wurde 1921 als Fischerei-Gaffelschoner gebaut und war mit dem damals größten Großsegel ausgestattet. Auf Grund ihrer Schnelligkeit nahm sie an den Rennen des „Fisherman´s Cup“ teil, die zwischen Fischerbooten aus Nova Scotia und Massachusetts ausgetragen wurden. Die „Bluenose“ blieb 17 Jahre nacheinander unbesiegt. Als die Dampfschiffe die alten Segler verdrängten, wurde sie anderweitig genutzt, später ausgemustert. Die „Bluenose II“ wurde nach dem Original Anfang der 60er Jahre gebaut, allerdings mit einem Dieselmotor und Luxuskabinen. 2012 soll sie erneut vom Stapel laufen.
Überall, wo man erfährt, dass wir aus Deutschland sind und dass wir uns auf einer großen Rundfahrt befinden, ist man von unserem Vorhaben begeistert und heißt uns „Herzlich Willkommen“. Vor allem die Kanadier freuen sich, so weiten und individuellen Besuch zu haben.

 

 

Bay of Fundy; Annapolis Valley – Nova Scotia

Nova Scotia wird von vielen Amish, erkennbar an ihrem Lieblingszeichen, dem Stern am Haus bewohnt. Der Touristenführer spricht zudem von mehreren tausend Akadiern, die Nachkommen der ersten ab 1604 eingetroffenen Siedler aus Frankreich sind. Ursprünglich gehörte das Land jedoch den Mi´kmaq-Indianern. Diese leben heute, wie die Einheimischen überall in Amerika, abseits unserer Welt. Nur ihr Kunsthandwerk wird hier und da für viel Geld verkauft. In Museen kann man sich über sie informieren.

Wir haben bei Aylesford einen schönen Campingplatz  „Klahanie-Kamping“ gefunden. Von hier aus erkundeten wir die Küste. In dem kleinen Hafen von Harbourville soll es gute Hummer geben, aber der Laden war geschlossen. Dafür fanden wir das „Schnitzelhaus“, ein anscheinend von einem Bayern betriebenes kleines Restaurant, rustikal eingerichtet, wie wir durch die Fenster sehen konnten. Dieses kann es sich sogar leisten, von Montag bis Donnerstag geschlossen zu haben. So bekamen wir dort auch nichts. Wer Interesse hat, hat die Möglichkeit, sich direkt dort ein schönes Cottage mieten.
Die Küstenstraße Richtung Westen führte uns durch eine herrliche Landschaft mit atemberaubenden Blicken auf die Bucht, Wälder und Lichtungen.  

Unser nächster Besuch galt dem „Dempsey Corner Orchards Upick & Farm Market“, langer Name. Nach einem Rundgang über die Farm mit Blaubeeren, Himbeeren, Wein und Äpfeln sowie verschiedenen Jungtieren zum Anfassen, aßen wir die köstlichste Bier-Käsesuppe mit hausgemachten, gerösteten Brotkrumen darin, die man bekommen kann. Der Köchin, die eine gebürtige Heidelbergerin ist, wie sie uns mitteilte, aber nur ein paar Worte deutsch spricht, sprachen wir ein großes Kompliment aus. Mit der Suppe kann sie in jedem Kochwettbewerb antreten.
Hier haben wir die erste Katze gesehen, die ihre „Daumen“ noch hat. Das sah schon sehr komisch aus.

Zum Baden laden der Lake George und der Aylesford Lake etwas weiter im Landesinneren ein. Die beiden Seen haben glasklares, wenn auch ziemlich braunes Wasser und überraschten mit einer Wassertemperatur im Juli von 20 °C. Habt ihr schon einmal eine Heuschrecke gesehen, die beim Fliegen „klappert“?

Sehr viele U-Pick-Farmen laden dazu ein, sich selbst seine Früchte zu pflücken. Erdbeeren, Himbeeren, Blaubeeren, bald werden die Äpfel reif. Dann bezahlt man für die Ernte nur die Hälfte dessen, was sie sonst kosten, man hat den Spaß am Pflücken und man kann sich die schönsten und besten Früchte heraussuchen.
Zum Nachmittags-Kaffee vor unserem „Haus“ hat uns ein niedliches Streifenhörnchen besucht. Klaus hatte schon einmal eines gesehen. Das hatte mit Hühnern zusammen gefrühstückt.

Kennetcook – Nova Scotia

Da wir kein richtiges Ziel an diesem Tag erreichen konnten und keine Lust mehr hatten, weiter Küstenstraße zu fahren, weil das auf die Dauer ganz schön anstrengend und spritintensiv ist, sind wir einfach die kürzeste Strecke gefahren, die möglich war. Diese führte uns von Truro aus durch die Berge nach Windsor. In Kennetcook haben wir gehalten und ein wunderbar leckeres Softeis gegessen. Während wir aßen, spazierten wir in der Gegend herum und fanden ein paar große, alte Maschinen. In einem Schuppen standen alte Traktoren und LKWs. Ein Schild davor bat uns einzutreten und uns umzuschauen. Wir hatten die Schwelle noch gar nicht übertreten, da wurde draußen eine Maschine gestartet. Dann kam ein alter Mann auf uns zu und meinte, wir sollten uns doch seiner kostenlosen Führung anschließen. Wir gingen mit ihm in eine andere Scheune, in der schon Leute standen. Es stellte sich heraus, dass der alte Mann, seine Name ist Craig Anthony (67 Jahre), eine ganze Sammlung alter Transmissionsmaschinen hat, vom Sägewerk bis zum Dichtungsschneidgerät. Früher wurden die Maschinen mit Dampf angetrieben, heute übernimmt das ein Kompressor. Sämtliche Maschinen sind in einem sehr guten Zustand und funktionieren ausnahmslos. Einige Maschinen sind von ihm selbst, andere hat er erworben. Außerdem hat er zwei Oldtimer-Autos und andere Kleinigkeiten aus vergangenen Tagen wie Nähmaschinen, Spinnräder usw. Die anderen Gäste waren ein älteres Ehepaar und noch drei Leute. Der Mann sprach deutsch und übersetzte uns freundlicherweise einige Dinge, da wir als Deutsche vorgestellt wurden. Er und seine Frau waren Mennoniten aus Manitoba, die zu ihrem 61. Hochzeitstag, der gerade an diesem Tag war, nach Nova Scotia zum Sohn mit Frau und Tochter gekommen waren. Sie waren alle begeistert, dass sie so weiten Besuch aus Deutschland in Nova Scotia begrüßen durften. Dieser zufällige Stop war wirklich besonders.

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