Saint-Aygulf
Wir fahren weiter im Rhône-Tal nach Süden. Folgt man dem Fluss bis zur Mündung kommt man in der Camargue heraus.
Unser nächstes Ziel sollten St.-Rémy-de-Provence und Salon-de-Provence sein, um auf den Spuren des großen Hellsehers Nostradamus zu wandeln. Zu besichtigen sind das Geburtshaus, das Wohnhaus und die Kirche mit den sterblichen Überresten von Nostradamus. Leider bekamen wir wieder keinen Stellplatz. Im Südosten Frankreichs sind an Sehenswürdigkeiten, wie z.B. die größte Römerbrücke der Antike in Pont du Gard, nur selten Wohnmobil-Stellplätze zu finden. Die sind dann noch zu klein, überfüllt oder geschlossen. Auch 95 Prozent der Campingplätze sind um diese Jahreszeit geschlossen. Ab 1.11. sind es sogar 99 Prozent. Das macht die Stellplatzsuche sehr schwierig. Dazu hat es inzwischen zu regnen begonnen. In Pélissanne fanden wir dann doch noch einen Platz auf dem Stellplatz der Stadt. Zwei Nächte verbrachten wir dort, während es volle zweieinhalb Tage schüttete.
Endlich zeigte sich die Sonne wieder und wir fuhren weiter durch die Provence in Richtung Fréjus. Vielerorts haben die heftigen Regenfälle ihre Spuren hinterlassen: große Pfützen auf den Straßen, überflutete Weinfelder oder Baustellen und auf die Straßen gespülter Schlamm. Es gab sogar eine offizielle Wetterwarnung auf das Handy.

Knapp südlich der Stadt, in St-Aygulf, fuhren wir zum Campingplatz „Saint-Aygulf Plage“. Er hat wenigstens noch bis 31.10.2026 geöffnet.

Von hier aus wollten wir zur Verdon-Schlucht, nach St. Tropez und Le Lavandou fahren. Dies sind Orte, die wir vor dreißig Jahren auf unserer Hochzeitsreise kennengelernt hatten. Jetzt wollten wir sie noch einmal besuchen, aber wir fuhren nur nach St. Tropez. Das allein war schon eine Herausforderung, denn die Küste der Côte d´Azur ist nach dreißig Jahren völlig überlaufen. Menschen und Auto´s ohne Ende. Es braucht ewig, bis man von A nach B kommt.
Am ersten Tag unternahmen wir einen Spaziergang durch St-Aygulf. Der Campingplatz liegt direkt an der Mittelmeerküste. Zwischen Küste und Campingplatz befindet sich zudem das ausgedehnte Lagunengebiet Villepey. Beides wird durch einen Damm getrennt, an dessen Außenseite ein schöner Strand liegt.


Nun wandten wir uns in Richtung Stadt. Dafür setzten wir unseren Spaziergang entlang der Marina fort, bis wir zum Zöllnerpfad kamen. Das ist ein schmaler Pfad entlang der Mittelmeerküste, den die Zollbeamten im 18. und 19. Jahrhundert benutzten, um Schmugglern auf die Spur zu kommen. Er führt an kleinen Buchten und Stränden vorbei und bietet immer wieder schöne Aussichten.


Dann folgten wir der mit viel Grün bestandenen Parallelstraße der Hauptstraße in Richtung Süden, unter anderem am Park Aréca vorbei. Hier und da führen kleine Stichstraßen zur Küste hinunter.

Irgendwann bogen wir dann nach rechts ab und kamen zur Hauptstraße von St-Aygulf, mit Geschäften und dem Postplatz. St-Aygulf ist ganz nett, hat aber nicht wirklich viel zu bieten.
Am nächsten Tag fuhren, oder besser schlichen, wir mit dem Smart die 31 Kilometer nach St. Tropez. Um die Küstenstraße zu befahren muss man jede Menge Geduld und Zeit mitbringen. Die Gegend ist wunderschön mediterran, mit Pinien, Palmen und blühenden Sträuchern. Es ist ein schöner Tag und wir genossen ihn.
Endlich kam St. Tropez in Sicht und wir hatten das Gefühl, die halbe Welt will dorthin. Der riesengroße Parkplatz am Hafen bot nur noch wenige Plätze.
Der Weg in die Altstadt von St. Tropez ist nicht weit und wir kamen gleich an der alten Gendarmerie Nationale heraus. Sie war Schauplatz der alten Louis de Funés-Filme, in denen er und seine Gendarmen St. Tropez unsicher machten. Heute beherbergt das Gebäude ein kleines Museum, in dem es um Louis de Funés und die Filme geht.

Zum 70. Jahrestag des Dreh´s des Filmdramas „Und immer lockt das Weib“ in Saint Tropez ist auch Brigitte Bardot ein Teil des Museums gewidmet. Auf dem Platz Blanqui vor der Gendarmerie Nationale, der von Platanen beschattet wird, steht seit Kurzem eine vergoldete Statue von Brigitte Bardot.
Jetzt drängelten wir uns durch die Gassen von St. Tropez, in denen sich Boutiquen und Souvenirläden aneinander reihen. Trotz der hohen Preise kaufen viele Leute gut ein.

Irgendwann kamen wir an der alten Artillerie-Batterie am Ende des Hafens heraus, wo es etwas ruhiger zugeht.

Vor dem Wehrturm aus dem 15. Jahrhundert ermöglicht ein Durchgang den Zugang zum Nordende der Altstadt, die an mehrere kleine Buchten grenzt. Hierher verirrt sich kaum ein Tourist. Es ist immer noch so ruhig wie vor dreißig Jahren.

Dann bummelten wir an der Hafenkante zum Parkplatz zurück. Im Hafen liegen ein paar große Yachten, die in Malta, Madeira oder auch Luxemburg gemeldet sind.

Restaurants und Cafés sorgen für das leibliche Wohl der Besucher. Im Turm der „Capitainerie“, des Hafenbüro´s, zeigt eine riesige Rolex-Uhr die Zeit an.

Saint Tropez ist teuer und voll geworden. Für uns war die Stadt eine Enttäuschung. Trotzdem wir immer sagen, man fährt am besten nirgendwo zweimal hin, denn man wird am Ende immer enttäuscht sein, besuchten wir die Stadt ein zweites Mal. Es hat sich nichts an unserer Aussage geändert.
Eigentlich wollten wir noch einen Blick über die Stadt werfen, was von der Festung aus möglich wäre, aber es war nichts zu machen. Die Gassen sind mit Auto´s verstopft, an einen freien Parkplatz ist nicht zu denken, also fuhren wir nach St-Aygulf zurück.
Hier und da stoppten wir noch im Verlauf der Küstenstraße, um die Aussichten zu genießen. Es war wohl der letzte Besuch der Cote d´Azur für uns.

Ein letzter Spaziergang in St-Aygulf führte uns auf einem Weg zwischen Meer und Lagune zur Mündung des Flusses Argens. Auf der gegenüberliegenden Seite beginnt die Stadt Fréjus. Kurz vor der Mündung fließt der Kanal Reyran in den Argens.


Auf dem Rückweg zum Campingplatz stellten wir fest, dass das Lagunengebiet Villepey, auch „die kleine Camargue“ genannt, zu Fuß erkundet werden kann. Viele Vogelarten, Sumpfschildkröten, Fledermäuse und andere haben hier eine Heimat.


