A+K Weltenbummler

Reisen rund um die Welt

Archiv für die Kategorie “Estland”

Kuressaare (Arensburg)

Um von Orissaare nach Kuressaare zu fahren, kann man die Hauptstraße 10 nehmen, oder die abwechslungsreichere und interessantere alte Straße, die in einem Bogen südlich der Straße 10 verläuft. Kurz nach der Auffahrt von der alten Straße auf die neue Straße zweigt rechts die Straße nach Kaali ab. Dort findet man einen Meteoritenkrater. Vor gut 3000 Jahren ist an dieser Stelle ein Meteorit eingeschlagen und riss dieses Loch mit einem Durchmesser von 105m. Neben dem Meteor Crater in Arizona, mit einem Kilometer Umfang, den wir schon besuchten, ist dieser hier in Kaali gerade einmal eine kreisrunde Kieskuhle.

Strand von Kuressaare

Die Hauptstadt der Insel Saaremaa ist sehr einladend. Man hat viel Platz zum Atmen, alles läuft gemütlich und die Altstadt ist ganz hübsch. Kuressaare hat eine interessante Gebietsteilung. Die Stadt liegt an der Kuressaare-Bucht, die mit einem sehr schönen und großen Sandstrand abschließt. Daneben findet man den Yachthafen.

Bischofsburg

Zwischen Strand und der Altstadtachse erhebt sich die deutsche Bischofsburg aus dem 13.-14. Jahrhundert. Sie ist die besterhaltene mittelalterliche Burg im ganzen Baltikum, das heißt, auch sie fiel Zerstörungen anheim, aber sie wurde hervorragend wiederhergestellt. Die Schweden seinerzeit ergänzten die Burg durch eine Wehrmauer mit Kanonenstellungen, Kasematten und Pulvertürmen. Das ganze steht auf einer Insel, von einem Wassergraben umgeben. Auf diesem werden Gondelboote verliehen.

Waagenhaus

In der gleichen Linie von Strand und Burg verläuft die Lossi Straße, die Hauptstraße durch die Altstadt, bis hin zum Rathaus. Fast alle wichtigen Sehenswürdigkeiten liegen an dieser Straße. Den Anfang macht das Haus des Feldwächters. Hier begann ehemals die Stadt Kuressaare. Die Aufgabe des Feldwächters war es, darauf zu achten, dass die städtischen Tiere nicht auf die umliegenden Güter liefen.
An der orthodoxen Kirche vorbei erreicht man den Marktplatz mit dem Rathaus, dem Waagenhaus, der ehemaligen Feuerwehrstation und der Laurentiuskirche. Im Waagenhaus aus dem Jahre 1663, heute ein Pub, befanden sich Referenzwaagen, nach denen alle anderen Waagen eingerichtet wurden. Das war sehr wichtig für die Berechnung der Steuern auf die Waren des Marktes, und den Handel im allgemeinen. Es ist das einzig erhaltene Gebäude diesen Typs, mit Stufengiebel, in Estland.
Etwas abseits gelegen steht eine Holländerwindmühle aus dem Jahre 1899, die bis zum zweiten Weltkrieg in Betrieb war. Das kleine Restaurant bietet leckere kleine Speisen, die aber relativ teuer sind.

Großer Töll und Piret

In der Nähe des Yachthafen steht seit 2002 eine Skulptur. Die beiden Figuren stellen den Riesen Großer Töll und seine Frau Piret dar. Sie tragen ein Boot voller Fische. Die beiden wohnten vor langer Zeit auf Saaremaa und beschützten deren Einwohner vor allerlei Ungemach. Sie waren immer gut und gerecht, so dass sich die Inselbewohner die Erinnerung an den Großen Töll und Piret allezeit wachhalten. Schöne Geschichte.

In Pöide bei Orisaare suchten wir die Brauerei gleichen Namens. Dort fanden wir sie nicht, aber hier in Kuressaare. Leider war diese bei unserem Besuch geschlossen.

Orissaare – Saaremaa (Ösel)

Jahrestag der Unabhängigkeit

Endlich wieder festen Boden unter den Füßen, nach mehr als zwei Monaten. Wir sind auf der estnischen Insel Saaremaa, deutscher Name: Ösel. Sie besteht, wie die Schwesterinsel Muhu, aus versteinertem Meeresboden, also aus Kalkstein. Kein ewiger Sand, wenige Kiefern, dafür viel Wacholder.
Bis 1991 sowjetisches Sperrgebiet und für Außenstehende unzugänglich, ist sie heute eine Insel ohne Bausünden, mit ursprünglichem Leben und ganz viel Natur. Eigentlich sah Saaremaa seit der Ankunft des Deutschen Ritterordens 1227 immerwährend fremde Mächte, als da die Schweden und die Dänen wären. Die Esten hatten seitdem nie etwas zu sagen. Erst 1918 erlangte Saarema, sowie ganz Estland, die Unabhängigkeit. Der Deutsche Ritterorden besaß zu diesem Zeitpunkt immer noch die Hälfte der Insel. Er wurde enteignet und für kurze Zeit war Estland endlich Herr seines eigenen Landes, zumindest solange, bis die Sowjets kamen. Mit der erneuten Unabhängigkeit 1991 gehört nun Estland mitsamt seinen Inseln den Esten. Seitdem feiern die Esten zwei Unabhängigkeitstage im Jahr, wie die Letten, die ziemlich die gleiche Geschichte erzählen. In diesem Jahr feierte man den 100. Jahrestag der Unabhängigkeit vom Zarenreich und den Deutschen. Zur Sonnenwendfeier am Kap Kolka hatten die Leute eine 100 in den Sand gegraben und Teelichte hineingestellt. Jetzt wissen wir warum.

Koguva

Um Saaremaa zu erreichen, muss man mit der Fähre von Virtsu aus übersetzen. Die Überfahrt dauert eine halbe Stunde und kostet knapp 15,-€ für ein Wohnmobil mit zwei Personen. Dann ist man erst auf der kleinen Insel Muhu. Von Muhu nach Saaremaa führt ein Damm durch das sehr flache Wasser der Väike Straße.
Für die meisten Reisenden ist Muhu nur Durchgangsstation. Wir wollten uns zumindest das Museumsdorf Koguva ansehen. In diesem Dorf ist die Zeit im 18. Jahrhundert stehen geblieben. Der Dorfkern ist komplett unter Schutz gestellt. Mit einem 4,-€-Ticket kann man in diese Zeit eintauchen. Die alten Häuser sind fast winzig, die Grundstücke mit flachen Feldsteinmauern umgeben, die inzwischen dicke Moosschichten angesetzt haben. Manche Einwohner stapeln ihre Holzscheite für den Winter auf diesen Mauern.
Koguva war ein Fischerdorf. Die Fischer holten im Winter ihre Boote an Land und legten sie kieloben auf den Mauern ab. Manche Boote, die irgendwann nicht mehr gebraucht wurden, liegen noch heute dort.

Kirche von Liiva

In Liiva, wieder ein Hinweis auf den Volksstamm der Liven, steht die St. Katariina Kirche aus dem 13.-14. Jahrhundert. Sie besitzt als mittelalterliche Burgkirche auf Saaremaa keinen Turm. Der Innenraum wirkt geplündert, nur die schmückenden architektonischen Elemente aus dem Inselgestein Dolomit, und ein paar wenige Wandmalereien, sind erhalten.

Noch ein Wort zu dem aussterbenden Volksstamm der Liven. Immer wieder kommen uns die Namen Liven und deutsch-livonisch unter. Livonisch ist nur ein anderes Wort für livisch. Die Liven siedelten rechts und links der Rigaer Bucht auf lettischem Boden. Daher existieren auch im Gauja Nationalpark Hinweise auf sie. Noch vor ein paar Jahrhunderten zählten die Liven mehrere 10.000 Angehörige, heute sind nur noch gut 200 von ihnen übrig, die im lettischen Bezirk Kurland ansässig sind. Die Wurzeln der Liven liegen in Finnland.

Hain-Wachtelweizen

Wieder auf Saaremaa fuhren wir in den Südosten der Insel, nach Saareküla. Dort gibt es einen gut 2km langen Wanderweg durch Mischwald, mit Lichtungen und altem Moorland. Hier wachsen Orchideen und andere exotische, nordische Pflanzen. Wenn man Glück hat, bekommt man ein Reh zu Gesicht, auch Kraniche. Man sagt, dass es in Estland mehr Elche als Menschen gibt. Daher warten wir in den Wäldern immer auf eine Sichtung, aber bisher erfolglos.

Denkmal

Einen Kilometer hinter dem Wanderparkplatz befindet sich direkt an einer Abzweigung ein Denkmal. Es sieht aus wie ein alter Steinkreis, auf einem stufigen Podest in der Mitte liegt ein gespaltener Felsbrocken. Es erinnert jedoch an die antike estnische Herrlichkeit, als es noch keine Fremdherrscher gab.

In Pöide suchten wir die Brauerei, aus der das Bier stammt, welches wir in der kleinen Hafenkneipe in Orissaare angeboten bekamen. Die Brauerei ist aber in Kuressaare zu finden. Dafür besichtigten wir die Kirche in Pöide. Sie sieht noch jämmerlicher aus als die in Liive, total hinüber. Jetzt wird versucht, noch zu retten, was zu retten ist, aber es wird eine Mammutaufgabe werden. In Anbetracht des fehlenden Geldes eher nicht machbar. Die Bauschäden sind zu groß.

Burg Maasilinn

Eine andere Rundtour von Orissaare aus brachte uns Richtung Westen an der Küste entlang. Das erste Ziel ist dabei die Ruine der deutschen Ordensburg Maasilinn aus dem 14. Jahrhundert. Sie wurde aus dem heimischen Kalkstein erbaut. Die dicken Mauern und die Gewölbe der Kellerräume bestanden aus einer Art grobem Ziegelmauerwerk. Das muss eine immense Aufgabe gewesen sein, dieses Mauerwerk hochzuziehen. Die Burg bestand einstmals aus drei Stockwerken. Schon 1576 zerstörten die Dänen, die die Insel Saaremaa eroberten, die Burg. Heute sind nur noch die Kellerräume zu besichtigen. Die Gewölbe waren so stabil, dass sie bis heute halten. Von der ersten Etage sind nur noch Reste übrig. Die Burg Maasilinn kann kostenfrei besucht werden. In der näheren Umgebung befinden sich weitere Ruinen und Burgwälle.

Pulli pank

Nun folgten wir immer der Küstenstraße Richtung Leisi. Die nächste Sehenswürdigkeit ist Pulli pank, eine kleine Steilküste mit Felsaufschlüssen. Es soll die repräsentativste Steilküste auf Saaremaa sein, aber sie ist nicht die größte. An diesen Stellen sieht man schön die verschiedenen Schichten, die die Meeresorganismen über Jahrmillionen seit dem Silur-Zeitalter gebildet haben, dazu die Verwerfungen durch die Tektonik. Um diese Pulli pank zu erreichen, bedarf es allerdings etwas Kletterarbeit, denn einen geeigneten Weg dorthin hat man nicht angelegt.

Jaani Kirche

Auf dem weiteren Weg nach Leisi kann man ab und zu zur Küste abbiegen. Etwa auf halbem Weg kommt man an der kleinsten Kirche Saaremaas vorbei, der Jaani Kiriku, die vom Ende des 17. Jahrhunderts stammt. Sie wurde für Aussätzige gebaut, war daher keine Burgkirche und besitzt deshalb einen Turm. Leider ist sie verschlossen.

Da wir überlegen, den Weg weiter nach Tallinn über die Insel Hiiumaa zu nehmen, fuhren wir zum Fährhafen in Triigi. Außer dem Fährhafen ist dort jedoch nichts weiter. Der besteht aus der Rampe, der Hafenaufsicht und einem kleinen Café. Viermal am Tag verkehrt die Autofähre zwischen den Inseln.

Ein Zwischenstopp in Leisi (Laisberg) ist nicht von langer Dauer. Man ist in fünf Minuten durch den äußerst ruhigen Ort gelaufen. Die kleine orthodoxe Kirche am Südrand Leisis ist auch verschlossen.

Bockwindmühle auf Saaremaa

Den letzten großen Stopp auf der Rundfahrt legten wir in Angla ein, südlich von Leisi gelegen. 1925 standen auf dem dortigen Hügel noch neun Windmühlen. Es soll ein besonders windiger Ort auf der Insel sein. Überlebt haben vier typische Bockwindmühlen und eine Holländermühle, die von innen zu besichtigen ist. Zum Gelände gehört auch das Kulturzentrum Angla, in dem ein Museum über die Geschichte der Gegend eingerichtet ist. Auf dem Außengelände stehen noch alte landwirtschaftliche Maschinen und Kutschen. Der Eintritt in dieses Ensemble kostet 3,50€ pro Person. Landestypische Handwerkskunst wird angeboten, die hier aus Kalkstein gefertigt wird, welche wir bisher auf den Märkten aus dekorativem Wacholderholz gemacht sahen, wie Dosen, Untersetzer, Mörser und andere Gebrauchsgegenstände.

Farbtupfer

Was macht man mit einem toten Baum, der frei zwischen anderen einzelnen Bäumen in der Landschaft steht? Klar, man malt ihn an und sorgt so für gute Laune. Diesen Baum findet man an der Straße 10 auf dem Rückweg nach Orissaare, rechte Seite.

Pärnu

Steg für Fischzaun

Auf dem Weg nach Pärnu, das liegt schon in Estland, übernachteten wir im noch lettischen Salacgriva. Touristisches Infomaterial brachte uns in diese Küstenstadt. Quer über den Fluss Salaca steht hinter dem Stadtgebiet ein hölzerner Steg. Hier und im 6km südlicher gelegenen Fluss Svétupe stehen zusammen drei dieser Stege. Wofür sind die? Es sind die drei letzten Fischzäune für den Neunaugenfang, der auf diese Weise schon seit 150 Jahren funktioniert. Wenn die Neunaugen die Flüsse aufwärts ziehen, werden an den Fischzäunen bis zu 200m lange Reusen befestigt, mit denen die Neunaugen gefangen werden. Die lebenden Fossile sind zwar weltweit vom Aussterben bedroht, aber in Lettland gehören sie seit alters her auf den Speiseplan. Im August findet in jedem Jahr das Neunaugenfest statt. Hätten wir schon in Riga gewusst, dass dort die Neunaugen im Zentralmarkt angeboten werden, hätten wir garantiert einmal probiert.

Altstadt Pärnu

Pärnu ist eine Kurstadt, ein Ostseebad mit langem Sandstrand und die Sommerfrische der Esten allgemein. Die Stadt liegt an der Pärnu-Bucht, die Teil der Rigaer Bucht ist. Das Kurviertel Pärnus liegt mit dem ehemaligen Kurhaus, heute Hotel, direkt hinter dem Strand. Im großzügigen Kurpark kann man die Seele baumeln lassen. Hinter dem Kurpark befindet sich die schöne Altstadt Pärnus. Viele der alten Holzhäuser sind noch erhalten und schön rekonstruiert. Dazwischen stehen vereinzelt Backsteinbauten. Der größte Teil der Altstadt ist autofrei und viele kleine Kneipen und Cafés laden zu einer kleinen Pause ein. Eines der ältesten Häuser ist das ehemalige Hospital, in dessen direkter Nachbarschaft das Hotel St. Peterburg steht.
Außerdem ziert die Stadt das einzig erhaltene Stadttor im Baltikum. Es stammt aus der Schwedenzeit.

Teil des Denkmals (zum Blättern)

Die Stadt Pärnu hat einen berühmten Sohn. Vor dem Pärnuu Museum steht ein Denkmal für ihn. Es handelt sich um Gustav Peter Fabergé, dem Schöpfer der berühmten Eier für den russischen Zaren. Er wurde am 18. Februar 1814 in Pärnu geboren. 1842 gründete er in St. Petersburg sein eigenes Juwelieratelier. Ich bin Dresdnerin, aber das Gustav Peter Fabergé 1893 in Dresden starb, das wusste ich nicht, ziemlich peinlich.

Quesadillas mit Pulled Pork

Das Wohnmobil steht am Yachthafen auf dem Parkplatz, der 2,-€ für 24 Stunden kostet. Der Platz liegt in der Nähe der Altstadt und der Promenade am Fluss Pärnu. Eine Empfehlung fürs Abendessen: „Sheriffs Saloon“, ca. 200m vom Parkplatz entfernt, rechts halten. Neben einer breiten Burger-Palette werden auch verschiedene Rib-Gerichte sowie mexikanische Gerichte angeboten. Gleich nebenan befindet sich das Tex-Mex.

Beitragsnavigation