A+K Weltenbummler

Reisen rund um die Welt

1. Advent

Ein aufregendes Jahr, in dem wir eine Rundreise über die britischen Inseln unternahmen und nun nach Spanien und Portugal aufgebrochen sind, geht zu Ende. Wir hoffen, dass Ihr auch alle ein gutes Jahr verbracht habt und wünschen unseren Familien, allen unseren Freunden sowie treuen und neuen Lesern eine wunderschöne und friedliche Advents- und Weihnachtszeit.
Wir werden natürlich weiter von unseren Fahrten und Erlebnissen berichten. Das Buch über die Britischen Inseln ist in Arbeit, aber es wird wohl noch eine Weile dauern, bis es fertig ist. Ich werde mich damit beeilen.

Sitges – Barcelona

kurz vor Sitges

kurz vor Sitges

Jetzt mussten wir wieder einmal einen Campingplatz anfahren. Der laut ACSI-Katalog ganzjährig geöffnete Platz Bellsol in Pineda de Mar hatte doch geschlossen, so wie alle Campingplätze in Pineda. Der nächste Platz ist erst knapp 40 km südlich von Barcelona zu finden. In Sitges an der Costa Daurada befindet sich der Platz El Garrofer. Der Vorteil dieses Platzes ist, dass von dort aus ein Bus nach Barcelona fährt.
Um Sitges zu erreichen, benutzten wir die B20 um die große Stadt Barcelona herum. Ansonsten hielten wir uns immer an die N-II, da die großen Straßen alle mautpflichtig sind. So mussten wir die kurvenreiche Küstenstraße zwischen Barcelona und Sitges fahren. Normalerweise ist das kein Problem, auch diese Straße hält schöne Aussichten bereit, aber ausgerechnet dort überraschte uns ein Gewitter mit starkem Regen und Hagelschlag. Die Hagelkörner waren bis zu 2cm groß und peitschten mit großer Kraft durch die Luft. Wir hatten Angst um die Frontscheibe des Motorhomes, außerdem verursachten die Hagelkörner einen Höllenlärm auf dem Dach. Das Szenario wurde so schlimm, dass wir das Unwetter auf dem nächsten Parkplatz abwarten mussten, zusammen mit vielen PKWs.
In Sitges angekommen, hatte das Wasser ganze Seen auf den Straßen gebildet. Auch auf dem Campingplatz standen große Pfützen, außerdem sind viele Bäume auf dem Platz verteilt, so dass die Platzsuche bei dem Wetter nicht ganz einfach war. Es regnete den ganzen Abend weiter und wir rührten uns nicht mehr hinaus.

Sitges

Sitges

Am nächsten Tag schien wieder die Sonne und wir besuchten Sitges per Fahrrad, zuerst an der breiten Promenade entlang Richtung Norden, wo die Kirche auf einem Felsen steht. Direkt hinter der Kirche kommt man sich wie in einem maurischen Viertel vor. Wunderschöne Gebäude mit sehr schönen architektonischen Details bezaubern die Besucher. Hier befindet sich das Museum von Sitges.
Zwischen hier und dem Port de Sitges liegen zwei kleinere, ruhige Buchten mit Badestränden.

Sonnenuntergang bei Sitges

Sonnenuntergang bei Sitges

Den Rückweg sollte man dann durch die Gassen von Sitges nehmen.
Am Südende der langen Promenade kommt man zu einem kleinen Fluss, der ins Meer mündet. Hier geht der Weg nicht mehr weiter, aber es ist eine sehr romantische Ecke, vor allem zum Sonnenuntergang.

Sagrada Familia

Sagrada Familia

Direkt vorm Campingplatz El Garrofer fährt eine Buslinie nach Barcelona ab. Der Fahrpreis beträgt für die fast 40 km bis dorthin sage und schreibe 4,-€ pro Person. Dafür kann man mit dem eigenen PKW kaum fahren, dazu kommen der Stress des Großstadtverkehrs und die Parkplatzsuche bzw. -gebühren.
Entspannt kamen wir am Placa de Catalunya an, aber jetzt? Wir kamen uns vor, wie ins kalte Wasser geschmissen, nun schwimm! Von dem Platz aus starten Stadtrundfahrten und es steht eine kleine Touristinfo dort. Die steuerten wir an und bekamen einen Stadtplan in die Hand. Im Vorfeld hatten wir den Stadtplan schon studiert, um eine Route festzulegen. Natürlich ist das Stadtzentrum vom Placa de Catalunya bis hinunter zum Kolumbus-Denkmal ein Muss, wenn man nur einen Tag in Barcelona zur Verfügung hat. Ein zweites Muss ist die Sagrada Familia, die dummerweise ganz schön ab vom Schuss liegt. Die Touristinfo empfahl uns, die Strecke mit dem Bus zurückzulegen. In der Gran Via fährt die Linie 50, die in Ostrichtung direkt an der Sagrda Familia hält.
In unserer Vorstellung war das Bauwerk, eine Kathedrale, viel größer. Der große Künstler Antonio Gaudí, für seine schrägen Entwürfe bekannt, begann den Bau 1881. Seitdem wird unentwegt daran gebaut. Wenn man davor steht und sich die verschiedenen Ansichten sowie vielen Details ansieht, bekommt man das Gefühl, dass alle paar Jahre ein neuer Architekt dem Bau seinen Stempel aufdrücken will. Der älteste Teil sieht noch am interessantesten aus. Viele filigrane Details, Verschnörkelungen, Durchbrüche und die Optik, als würde der Eingang in einer Tropfsteinhöhle liegen, faszinieren. Aber schon gleich links daneben wird es etwas sachlicher, mit verspielten bunten Details auf den Gaubenspitzen.

Pelikanfamilie an der Sagrada Familia

Pelikanfamilie an der Sagrada Familia

Ist irgendjemandem der schneeweiße Pelikan mit seinen um Futter bettelnden Jungen hoch in einer Nische der Fassade aufgefallen? Eine sehr ungewöhnliche Darstellung an einer Kirche.
Umrundet man die Sagrada Familia rechts herum, fällt eine Art Domanbau auf. Dazwischen wieder jede Menge Details wie die vielen filigranen Türmchen, die bunten Fensterscheiben, die nur bei Lichteinfall auffallen, oder die Echsen und Schlangen, die sich als Wasserspeier an die Fassade klammern, und wieder verspielte bunte Turmspitzen.

"Rückseite" der Sagrada Familia

„Rückseite“ der Sagrada Familia

Die Kehrseite der Sagrada Familia ist das ganze Gegenteil von dem, was man bisher bewundert und studiert hat. Diese Eingangsseite ist hypermodern gestaltet, mit sehr kantigen Darstellungen aus der Bibel und wer weiß, was sonst noch. Mächtige schräge Streben tragen eine weiße Säulenreihe, die wiederum einen Schriftzug trägt.
Da kann sich jeder seine Lieblingsseite heraussuchen. Der Eintritt in die Kathedrale kostet 18,-€. Der Innenraum als eher nüchtern zu bezeichnen, nach dem, was wir auf einer Postkarte gesehen haben.

Torre Agbar

Torre Agbar

Neugierig machte uns nun ein Gebäude, welches wie die „Gurke“ in London aussieht. Es handelt sich dabei um den Torre Agbar, der offensichtlich einmal zum olympischen Viertel gehörte. Heute sieht der Turm irgendwie unbewohnt aus, vielleicht täuscht das ja auch, außerdem wird gerade eine neue U-Bahnlinie daran vorbei gebaut. Die Glasfassade des Torre Agbar ist nicht so spektakulär wie die der Gurke.

La Barca del Salamanca

La Barca del Salamanca

Von hier aus steuerten wir direkt den olympischen Hafen an. An der Moll de Gregal findet man das „La Barca del Salamanca“. Wer gut und günstig essen gehen möchte, vor allem frischen Fisch und Meerestiere, der ist hier genau richtig. Es gibt sogar Menüs für schon ab 10,90€. Dabei sind auf Kosten des Hauses eine heiße Brühe, eine Flasche Wasser und ein Limoncello mit Kuchenstückchen inkludiert. Des weiteren gehören zwei große Gänge, ein Dessert und ein Kaffee zum Menü. Das ist alles gar nicht zu schaffen, aber sehr lecker. Entsprechend voll ist es in dem Restaurant.

Moll de Barcelona

Moll de Barcelona

Nun schlendert man auf der breiten Promenade immer an den verschiedenen Hafenbecken und Stränden entlang. Im Port Vell liegen die zum Teil haushohen Superyachten der Superreichen. Da lässt sich manches Juwel bewundern. Gleich gegenüber steht das Museum für katalanische Geschichte.
Jetzt hat man es fast zum Kolumbus-Denkmal geschafft. Dabei fallen zwei Fachwerktürme auf. Sie sind Haltestellen für Seilbahngondeln, die vom nahen Berg herunter kommen. Eine weitere Seilbahn führt zum Kastell hinauf.
Ein auffallender Glasbau ist das World Trade Center am Ende der Moll de Barcelona.

im Mercat de la Boqueria

im Mercat de la Boqueria

Vom Kolumbus-Denkmal führt nun die La Rambla, die Flaniermeile Barcelonas durch das Barrio Gotico, zum Place de Catalunya zurück. Läden, Restaurants und Künstler aller Art buhlen auf dieser Straße um die Gunst der Besucher. Bleibt man einmal stehen und es fährt gerade eine U-Bahn unter der La Rambla hindurch, dann merkt man, wie der Boden unter den Füßen bebt. Das Barrio Gotico ist das älteste Viertel Barcelonas.
Unbedingt abbiegen muss man am „Bauch von Barcelona“, dem größten und lebendigsten Markt der Stadt, so ließt man in vielen Reiseführern. Im Mercat de la Boqueria bekommt man alles, was das Genießerherz begehrt: Obst, Gemüse, Fleisch, riesige Schinken sowie frischen Fisch und Meerestiere. Alle Auslagen sind sehr ansprechend und man sollte mit vollem Magen hineingehen, um sich nicht um Kopf und Kragen zu kaufen.

Jetzt, wenige Tage vor dem 1. Advent, merkt man schon ein wenig die vorweihnachtliche Stimmung, die langsam um sich greift. Die Straßen sind schon geschmückt, die Geschäfte verkaufen überall Weihnachtssachen und der ein oder andere Weihnachtsmarkt wird aufgebaut.
Mit einem ganzen Tag in Barcelona in den Füßen und jeder Menge Eindrücke aus dieser Stadt stiegen wir abends in den Bus, der uns nach Sitges zurück brachte.

Costa Brava

Platja d´Aro

Platja d´Aro

Nach 23 Jahren kamen wir noch einmal an die Costa Brava. Damals fuhren wir im Rahmen einer Busreise nach Lloret de Mar.
Von Girona aus fuhren wir zuerst Platja d´Aro an. Dort wollten wir zum städtischen Stellplatz, aber als wir dort ankamen, standen an die 100 Wohnmobile schon fast übereinander. Der Platz war komplett überfüllt, was Berichten von Reisenden zufolge wohl immer im Winterhalbjahr so ist. Nicht weit entfernt fanden wir oberhalb des Parc dÁro einen großen freien Platz, auf dem schon spanische Wohnmobile standen. Wir stellten uns einfach dazu und hatten damit einen schönen ruhigen Platz mit ganz viel Luft.
Platja dÀro ist ein Badeort mit allem Drum und Dran. Eine lange Geschäftsstraße und ein langer Strand sorgen dafür, dass es den Urlaubern an nichts fehlt. Der Yachthafen befindet sich am südlichen Ende des Strandes.

Costa Brava-Wanderweg

Costa Brava-Wanderweg

Entlang der Costa Brava führt ein Wanderweg. Um einen begehbaren Weg um die Felsen zu bauen waren Mauern, Treppen und Tunnel notwendig. All das, zusammen mit den unglaublichen Aussichten um jede Ecke, dem Rauschen des Meeres, den Kiefern und kleinen Anwesen, macht das Wandern zum reinen Vergnügen. Ein Stück dieses Weges kann man am nördlichen Ende des Strandes von Platja dÀro erleben.
An der Straße nach Norden findet man ein paar Grundmauern einer römischen Villa namens Pla de Palol. Ausgrabungen, die erst im 20. Jahrhundert starteten, zeigen, dass es sich um einen bedeutenden römischen Standort handelte. Thermen und Wohn- sowie Lagerkomplexe sind bekannt. In den Mulden der Lagerräume wurden fast intakte Keramikbottiche gefunden. Weitere Ausgrabungen laufen aktuell noch. In dieser römischen Siedlung betrieb man Weinanbau. Wein war auch ein wertvolles Exportgut.

Costa Brava

Costa Brava

Auf dem Weg von Platja d`Aro nach Tossa de Mar ließen wir es uns natürlich nicht nehmen, die Küstenstraße zu fahren. Zwar hatte es in der Nacht zu stürmen und zu regnen angefangen, aber es war nicht so schlimm, dass wir doch lieber außen herum gefahren wären.
Die Küstenstraße ist zwar sehr kurvenreich und es geht auf und ab, aber es ist eine sehr schöne Fahrt mit herrlichen Aussichten an der Küste entlang. In vielen tief eingeschnittenen Buchten schmiegen sich Dörfer in die Felswände. Jetzt im Winter herrscht so gut wie kein Verkehr und man kann die Fahrt in aller Ruhe genießen.

Vila Vella

Vila Vella

Tossa de Mar wird von einer kleinen felsigen Halbinsel dominiert, auf der sich das Vila Vella, ein uraltes Dorf befindet. Innerhalb der alten Stadtmauer gab es auch eine Kirche und eine Mühle. Davon sind nur noch Ruinen übrig. Ganz oben thront ein Leuchtturm, zu dessen Fuß ein Restaurant steht, welches im Winter geschlossen ist.
Sehr gut erhalten sind dagegen die Wohnhäuser von Vila Vella, die fast alle zu Bar´s ausgebaut sind. Ein Museum berichtet von der Geschichte Tossa´s. In den alten Gassen und Treppendurchgängen, alle mit Natursteinen gepflastert, ist man der modernen Zeit entrückt. Man sollte sich unbedingt die Zeit nehmen, durch viele der Gassen zu schlendern.
An der hinteren Stadtmauer stehend, blickt man auf einen kleinen weiteren Strand und die felsige Küste Richtung Süden.
Nach der Erkundung der Halbinsel kann man den übersichtlichen Strand genießen. Diskotheken und Highlife gibt es in Tossa de Mar nicht, hier läuft die Urlaubszeit geruhsamer ab als anderswo. Außerdem sind auch in Tossa Ruinen einer römischen Villa zu finden.
Unser Stellplatz (nur im Winter möglich): vor dem Campingplatz am Sportkomplex.

Lloret de Mar im Herbst

Lloret de Mar im Herbst

Auf Lloret de Mar waren wir besonders gespannt. Wir hatten die Stadt in keiner guten Erinnerung. Wahrscheinlich hat uns der sommerliche Trubel damals überfordert, den wir nicht gewohnt waren. Jetzt, 23 Jahre später und im Herbst, hat sich unsere Meinung geändert. Lloret führt nun ein relativ ruhiges Leben. Die Stadt ist auch nicht so groß, wie wir sie in Erinnerung hatten. Allerdings glauben wir, dass der Strand viel von seiner damaligen Breite verloren hat. Es ist kaum mehr Strand vorhanden.
Am südlichen Ende des Strandes führt eine Treppe auf einen Aussichtspunkt, von dem aus der Blick in beide Richtungen an der Felsenküste entlang schweifen kann.
Im Norden thront ein kleines Schloss auf den Felsen. Darunter führt der schon erwähnte Küstenwanderweg weiter.
Man sollte aber auch in Lloret nicht nur das Hotelviertel und den Strand sehen, sondern ebenso durch die Gassen der Altstadt schlendern. In diesen Gassen läuft das einheimische Leben noch seinen Gang.

Girona

Girona am Fluss Onyar

Girona am Fluss Onyar

In vielen Reiseberichten wird von der Stadt geschwärmt, wie schön sie ist und man sollte unbedingt einmal hin. Und alle haben Recht, Girona ist eine sehr schöne und außergewöhnliche Stadt. Parken ist wieder nur in einem der Parkhäuser möglich (3 Stunden für 6,33€). Wer gut zu Fuß ist, findet sicher auch außerhalb der Altstadt einen Parkplatz am Straßenrand.
Girona besitzt eine Neustadtseite und eine Altstadtseite, dazwischen fließt der Fluss Onyar. Man kann über mehrere Brücken von einer Seite auf die andere pendeln, was sehr reizvoll ist. Die Fassadenreihen am Flussufer und der Fluss erinnern etwas an Pisa, nur das der Onyar glasklar ist und sich außer vielen anderen Fischen auch dicke Karpfen darin tummeln.

Treppengasse

Treppengasse

Während die Neustadt einen nicht unbedingt vom Hocker reißt, verliert man sich in der Altstadt im Mittelalter. Hohe schmale Häuser, meist mit Natursteinfassaden, säumen genauso schmale Gassen. Vielerorts überwinden Treppen die Höhenunterschiede. Ab und zu sollte man auch einen Blick in die Hinterhöfe werfen.
Allein die architektonischen Details begeistern, das ganze Ensemble ist einmalig.
Durch das besterhaltene Judenviertel ganz Spaniens, in dem ein Museum über die Geschichte der Juden erzählt, erreicht man die Kathedrale, die auf einem Hügel thront.

Kathedrale von Girona

Kathedrale von Girona

Entweder nimmt man die Treppengasse gleich hinter dem Museum, um zur Kathedrale zu gelangen, oder man geht geradeaus weiter und erreicht die riesengroße Treppe zum gewaltigen Portal der Kathedrale. Von dort oben hat man einen schönen Blick über einige Teile Gironas. Der Besuch der Kathedrale mit dem größten gotischen Gewölbe der Welt ist kostenpflichtig.

arabisches Bad

arabisches Bad

Noch ein Stück weiter, an der Kathedrale vorbei, kommt man zum arabischen Bad. Der Eintritt von 2,-€ ist gut angelegt. Während wir schon viele römische Bäder besichtigt haben, ist dies nun unser erstes arabisches Bad. Das Prinzip von Kalt- und Warmbädern ist in beiden Kulturen gleich, nur scheint dieses arabische Bad hier nicht ganz so raumgreifend gewesen zu sein. Der Umkleideraum wird durch einen achteckigen Dom, der durch Säulen getragen wird und notdürftig Licht ins Innere lässt, dominiert. Im unteren Teil dieses Doms ist ein Wasserbecken eingelassen.
Vom Dach des Bades aus sieht man auf die Kathedrale und einem Stück Stadtmauer.

Gironas Stadtmauer

Gironas Stadtmauer

Am nördlichsten Ende der Altstadt steht ein Kloster, dem ein romantischer Garten angeschlossen ist. Hier befindet sich eine der Treppen zur Stadtmauer hinauf. Die ganze Ecke scheint verwunschen, hierher verirrt sich kaum ein Tourist.
Ab jetzt kann man auf der Stadtmauer laufen, zirka 2 km lang bis zur südlichen Grenze der Altstadt Gironas zurück. Ab und zu thront ein Turm an der Mauer, die allesamt bestiegen werden können. Es bieten sich großartige Aussichten auf die gesamte Stadt bis zu den Bergen der Pyrenäen hin. Überall sieht man noch maurische Einflüsse, die Girona wieder ein Stück interessanter machen.

Zum Schluss unseres Stadtbummels fanden wir die Markthalle. Frischer Fisch, Fleisch, Backwaren, Obst und Gemüse sowie Trockenfisch aus Island werden an den Ständen angeboten. Fisch und Fleisch werden gleich vor Ort nach den Kundenwünschen filetiert, geschnitten oder entbeint.
Gleich neben der Markthalle steht eine Säule mit einem Löwen darauf, der wiederum an den Markusplatz in Venedig erinnert.
Der Stellplatz in Quart, südlich von Girona, ist viel zu klein für große Wohnmobile. Deshalb standen wir am Straßenrand in der Nähe des Platzes. Wenn man sich nicht direkt gegenüber eines Hauses stellt, ist das wohl in Ordnung. Damit blockiert man nicht die angestammten Parkplätze der Einheimischen.
Nächstes Ziel: Costa Brava

Figueres

Dali Museum

Dali Museum

Der erste Anlaufpunkt in Spanien war die Stadt Figueres. Hier lockte vor allem das Dalí Museum, welches man von Bildern kennt. Die außergewöhnliche und verspielte Architektur des Gebäudes ruft verschiedenste Gefühle hervor. Was bedeuten die riesengroßen Eier auf dem Rand des Daches? Was bedeuten die immer gleichen kleinen Reliefs, die die gesamte Fassade zieren? Da wir nur entfernt Dalí´s künstlerischen Stil kennen, setzten wir uns nicht weiter damit auseinander. Das Gebäude lädt jedenfalls zu Diskussionen ein. Der Eintritt ins Museum ist nicht gering. Figueres ist die Geburtsstadt Dalí´s.
Die Altstadt von Figueres mit den vielen Gassen ist abwechslungsreich. Die Preise in den Läden sind bezahlbar. Es macht Spaß, die Altstadt zu entdecken.
Da die Stadt für Fahrzeuge über 5t gesperrt ist, stellten wir das Motorhome an einer Tankstelle außerhalb von Figueres ab und fuhren mit dem Smart ins Zentrum. Für fast gut eine Stunde im Parkhaus am Dalí Museum bezahlten wir 2,45€. Am Straßenrand besteht so gut wie keine Chance, einen Parkplatz zu finden.

Côte Vermeille

Strandzugang Argeles-Plage

Strandzugang Argeles-Plage

Der allersüdlichste Küstenabschnitt Südfrankreichs ist die Côte Vermeille, die Zinnober- oder Purpurküste. Felsige Landzungen strecken sich ins Meer, nicht weniger felsige Buchten liegen dazwischen.
Argeles-Plage ist eine Stadt der Neuzeit und hat fast nur Hotelzimmer, Ferienwohnungen sowie Campingplätze zu bieten, natürlich inklusive der unvermeidlichen Kneipen- und Ladenmeilen. Der lange und breite Strand ist durch eine grüne Promenade von der Stadt getrennt. Um diese Jahreszeit haben nur ungefähr fünf Prozent der Kneipen und Läden geöffnet, alles wirkt wie ausgestorben. Im Sommer möchten wir dagegen nicht hier sein, da sieht man sicher vor lauter Menschen sonst nichts mehr.

Collioure

Collioure

Wesentlich attraktiver ist dagegen der Ort Collioure mit seiner farbenfrohen, gewachsenen Altstadt, die sich um eine Bucht schmiegt. Auch hier finden sich wieder enge Gassen, schmale Häuser und gemütliche Eckchen.
Blickpunkte an der Bucht sind das Ch
âteau Royal und die Notre-Dame-des-Anges. Die Burg dient seit jeher den französischen Kommandotruppen als Ausbildungsstätte. Gerade wurden wir Zeuge, als Kampfschwimmer mit Kajaks von einer Übung zurückkamen.
Die Kirche kann von innen besichtigt werden. Deren Seiten beherbergen, ebenso wie die Kathedrale in Perpignan, verschiedene geschnitzte Altäre und Wandmalereien. Allerdings gibt es keine Orgel. Der runde Turm der Kirche war im 17. Jahrhundert ein Leuchtturm, der die Einfahrt nach Collioure markierte.
Vom Leuchtfeuer auf der Mole aus hat man einen schönen Blick über das gesamte Ensemble Stadt, Burg und Kirche. Auf dem felsigen Kap, alles hier ist Schiefer, steht eine kleine Seefahrerkirche. Von dort aus blickt man auf die Rückseite einer Häuserzeile, die direkt am Abhang steht.
Über Collioure thronen zwei weitere Burgruinen sowie eine Windmühle.

le Cap Béar

le Cap Béar

Port Vendres sieht wieder etwas neuer aus. Die Stadt gruppiert sich um einen großen kommerziellen Hafen, der einzige Fischereihafen, der an der Küste noch übrigblieb.
Gleich hinter dem Hafen biegt man zum le Cap Béar ab. Zufällig fanden wir dieses Ziel auf einem Touristinfo-Plan in St.-Cyprien-Plage. Oben auf dem höchsten Punkt des Caps sitzt wieder die Armee. Die schmale Straße, die um den Stützpunkt und um den Berg herum führt, endet am Leuchtturm des Cap Béar. Gern wird der Weg, immer am Wasser entlang, auch gewandert.
Auf der Capspitze stehen noch Ruinen einer ehemaligen Verteidigungsanlage der Deutschen. 120 Mann waren hier von 1942 bis 1944 stationiert. Beim Abzug der Deutschen zerstörten sie diese Anlage genauso, wie den Hafen und die Schiffe, die heute vor dem Hafen auf dem Meeresboden liegen. Das erinnert uns an Narvik in Norwegen, wo das Gleiche geschah.

Côte Vermeille

Côte Vermeille

Von der äußersten Capspitze lässt sich die gesamte Côte Vermeille überblicken. Im Frühjahr und im Herbst sollen hier zehntausende Meeresvögel wie der Mittelmeer-Basstölpel oder Papageientaucher Station machen.

Teufelsbrücke in Céret

Teufelsbrücke in Céret

An der Côte Vermeille reichen die Berge der Albéreskette bis ans Meer. Die D115 führt direkt an den Bergen entlang, bis an die spanische Grenze. Da wir nicht nur Küste, sondern auch Berge sehen wollten, unternahmen wir eine Rundfahrt ins Hinterland. In Céret, dem Ort direkt am Eingang zum Vallespir, wie sich das Tal nach Spanien nennt, lenken gleich drei nebeneinander liegende Brücken die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich. Die Brücken überspannen den Fluss Tech, der aus den Bergen kommt. Die südliche Bogenbrücke, die Teufelsbrücke aus dem 14. Jahrhundert, ist die älteste der drei Bauwerke. Als diese wohl für den modernen Verkehr nicht mehr ausreichte, baute man direkt daneben die neue Autobrücke. Im Norden, nur ein wenig weiter, steht eine Eisenbahnbrücke, wahrscheinlich aus der gleichen Zeit wie die Autobrücke. Der Bahnverkehr ist jedoch schon vor langer Zeit eingestellt worden, denn die Natur erobert sich das Gleisbett zurück.
Über die Eisenbahnbrücke hinweg prangen die schneebedeckten Berge, der Pic du Canigou (2784m) und der Pic des Très Vents (2731m) vor dem blauen Himmel in nicht allzu weiter Ferne.

Der D118 weiter folgend, kommt man durch Amelie-les-Bains. Die heißen Quellen, die hier zutage treten, werden von einem Hotel genutzt. Der Ort streckt sich entlang des Tech-Tales zu beiden Seiten. Viele der Häuser klettern dabei die Berghänge hinauf.

Corsavy

Corsavy

Bei Arles-sur-Tech biegt eine Straße nach Corsavy ab. Mit teilweise 14% Steigung führt die Straße zu diesem Bergort, der auf 780m liegt. Die Straße führt dann noch knapp zehn Kilometer weiter den Berg hinauf, zum Pic de l´Estelle (1778m). Dieser Gipfel liegt gleich neben den beiden vorher erwähnten schneebedeckten Berggipfeln, die man von dort aus ganz bestimmt zum Greifen nah hat.
Corsavy ist ein altes Bergdorf, durch dessen Gassen man bergauf und bergab unbedingt einmal schlendern sollte. Die meisten Gassen sind nicht befahrbar, so eng sind sie. Andere Gassen sind mit Stufen ausgestattet, um die Höhenunterschiede zu bewältigen. Hier scheint das Leben stillzustehen. Es herrscht eine himmlische Ruhe und an vielen Orten eröffnet sich ein Blick über die bergige Landschaft bis hin zum Meer.

Bergwelt der Pyrenäen

Bergwelt der Pyrenäen

Um noch mehr von der Pyrenäen-Bergwelt mitzubekommen, nahmen wir den Weg von Amelie-les-Bains aus über die D618. Diese Straße sollte jedoch nur befahren, wer genug Zeit und Ausdauer hat, denn die 40 Kilometer bestehen nur aus Kurven. Unzählige Berghänge müssen umfahren werden, die unendlich weit scheinen und zum größten Teil mit Korkeichen bestanden sind.

St. Marsal

St. Marsal

Nur wenige Dörfer und ein paar Einzelgehöfte liegen an der Straße. St. Marsal liegt als einziges Dorf auf einer Bergspitze, ziemlich in der Mitte der Strecke. Hier parkten wir noch einmal das Auto, um durch die Gassen zu spazieren. Auf dem Place de Republique, an dem das Restaurant und die Schule stehen, tranken wir einen Café.
Man soll es nicht glauben, aber an vielen Stellen sind Stellplätze für Wohnmobile eingerichtet. Man sollte sich allerdings schlau machen, bis zu welcher Größe die Stellplätze angefahren werden können, denn manche Zufahrten sind abenteuerlich.
Ab St. Marsal führt die Straße abwärts, bis man bei Bouleternère auf das Flachland stößt. Durch unendliche Weinfelder, jetzt im Herbst in vielen Farben leuchtend, erreicht man wieder die Küste.
Durch diese kleine Tour lernten wir wenigstens ein wenig die Bergwelt der Pyrenäen kennen, die sich von der Mittelmeerküste entlang der spanischen Grenze bis
zur
Biskaya im Norden erstrecken.

Perpignan

im Roussillon

im Roussillon

Inzwischen ist der Herbst auch hier angekommen. Es ist kalt, nachts um die 8-10°, tagsüber 11-15°, also nicht unbedingt etwas für Camper. Allerdings scheint oft die Sonne, die wenigstens die Gemütsstimmung oben hält. Auf den höchsten Bergen hat es inzwischen geschneit. Die weißen Kuppen strahlen gegen den blauen Himmel.
Die Gegend um Perpignan bis zur spanischen Grenze ist ein sehr schönes Gebiet, zwischen dem Mittelmeer und den Bergen des Roussillon sowie der Albéres-Kette. Um diese Jahreszeit bewegt man sich überall fast allein. Die allermeisten Touristen haben diese Gegend bis Ende Oktober verlassen. Jetzt sind eigentlich nur noch Durchreisende nach Spanien unterwegs, die hier einen kurzen Stopp einlegen.
Die Provinz Roussillon ist zum großen Teil zweisprachig, einmal französisch, zum anderen katalanisch. Bis gegen Ende des Mittelalters gehörte die Gegend zu Katalonien. Seit 1659 ist sie französisches Territorium. Die Menschen hier blieben in ihren Herzen jedoch immer Katalanen, was die allerorten wehenden katalanischen Flaggen, und wie gesagt, die zweisprachigen Schilder beweisen.

Le Castillet

Le Castillet

Perpignan ist die wärmste Stadt Frankreichs. Sie liegt am Fluss Tet, der aus den Bergen kommt und sehr klares Wasser bei Canet ins Mittelmeer führt. Die Altstadt weist zumeist enge Gassen auf, in die durch die relativ hohen Bauten kaum Sonne scheint. Im Sommer mag das bei den heißen Temperaturen recht schön sein, aber im Winter ist es nur kalt und dunkel.
Auffallende Bauten sind Le Castillet und die Kathedrale St-Jean. Le Castillet, am Fluss gelegen, war einmal ein Stadttor. Als die Franzosen kamen, nutzten sie es als Gefängnis, noch bis 1963. Heute ist es ein Museum. Louis XVI baute seinerzeit noch das Portal an.

Place de Cathedrale

Place de Cathedrale

Die Kathedrale ist etwas ganz besonderes, wie wir es bisher so noch nicht gesehen haben. Eigentlich als dreischiffiges Bauwerk konzipiert, wurde es dann doch nur einschiffig. Auf beiden Seiten sind jedoch zwischen jeder Säulenreihe Kapellen eingelassen. In jeder Kapelle thront ein mehr oder weniger prunkvoller Altar. Der Kirchturm ist einzigartig. Er ist nicht massiv, sondern ein filigranes Gebilde aus Stahl, welches eine große Glocke trägt.

Am südlichen Rand der Altstadt breitet sich die Zitadelle aus, die die älteste Residenz Frankreichs samt Kapelle beherbergt. Der Palast und die Kapelle stammen aus dem 13. Jahrhundert, als Perpignan noch Hauptstadt des Königreiches von Mallorca war, die Zitadelle baute man im 17. Jahrhundert drumherum.

St-Cyprien-Plage

St-Cyprien-Plage

Endlich bekamen wir nun hier das Mittelmeer zu Gesicht, und zwar bei St-Cyprien-Plage. Der kleine Ort St. Cyprien ist zwar schön anzusehen, mit den alten, teilweise engen Gassen, dann wieder offenen und modernen Teilen, aber ein Highlight ist er nicht. Dafür wachsen überall im Ort verschiedene Zitrusfrüchte. Sogar einen Gummibaum mit Fruchtständen sahen wir.
St-Cyprien-Plage ist ein Touristenort, relativ neu dazu. In der gesamten Küstenregion von Narbonne bis zur spanischen Grenze gab es bis Mitte der 1960er Jahre nur ein paar verschlafene Fischerdörfer. Dann erklärte die französische Regierung den Bereich zur Urlaubsregion und es wurde gebaut, was das Zeug hielt, Hotels, Restaurants, Geschäfte, Ferienhäuser usw. Dementsprechend wenig attraktiv sind die großen Urlaubsorte des Roussillon. Die Strände sind dafür umso länger, das Wasser sehr sauber. Der Blick in die angrenzenden Berge ist fast überall gegeben. Der Yachthafen von St-Cyprien-Plage ist riesengroß und jetzt im Winter vollgestopft mit allen Arten von Booten. Nur sehr vereinzelt trifft man jetzt auf andere Menschen, während im Sommer offensichtlich hier die Hölle los ist.

Elne

Elne

Einen Besuch wert ist dagegen Elne. Die Altstadt breitet sich auf einem Hügel aus. Am höchsten Punkt steht die Touristinfo. Ganz in der Nähe wurde nach zwei Seiten eine Art Balkon gebaut, von dem aus man über die ganze Stadt sehen kann, die von den Bergen des Roussillon umrahmt wird.
Während die Hautstraße der Altstadt relativ stark frequentiert wird, waren wir in den Gassen rund um die Kirche als Touristen ganz allein unterwegs. Elne ist die Stadt der Kunst, deshalb trifft man überall auf Galerien und Werkstätten verschiedener Art. Wer sich also für Kunst interessiert, der ist in Elne richtig.

Fischerdorf bei Canet

Fischerdorf bei Canet

Ein letzter Ausflug im Roussillon, beim schönsten Wetter seit unserer Ankunft vor 14 Tagen hier, 27°, blauer Himmel und so gut wie kein Wind, brachte uns nach Canet. Zwischen St. Cyprien-Plage und Canet trennt ein schmaler Landstreifen eine Lagune vom Meer. Sie nennt sich Etang de Canet et de St. Nazeire. Im Frühjahr und im Herbst treffen sich hier viele Vogelarten zur Rast. Jetzt ist die Lagune fast verwaist, bis auf ein paar Schmuckreiher und Möwen. Auf dem Marschland trifft man auf Lerchen und Stieglitze. Am Auslass der Lagune, die von vier Flüssen aus den Bergen gespeist wird, steht ein altes Fischerdorf. Die Hütten werden noch heute von den Fischern genutzt, die mit ihren kleinen Booten in der Lagune auf Fischfang gehen. Die haben sich ein wirklich idyllisches Plätzchen ausgesucht.

Promenade von Canet

Promenade von Canet

Canet an sich ist zwar auch ein neuer Badeort, aber er ist wesentlich einladender als Argeles-Plage. An der Promenade, direkt hinter dem breiten Strand, gibt es ein paar Restaurants und Geschäfte, aber alles hält sich noch im Rahmen. Bei einem Spaziergang auf der Mole hat man einen schönen Blick auf die Wasserfront von Canet, den langen Strand und die Berge im Hintergrund. Die Mole ist eine der Begrenzungen für die Hafeneinfahrt in den Yachthafen, der ziemlich groß ist. Im Sommer starten, wie von vielen großen Urlaubsorten aus, Bootsfahrten entlang der Küste.

Marienkäfer

Auf einem der Parkplätze bei Moulin trafen wir auf jede Menge verschiedener Marienkäfer. Da es unmöglich ist, als Laie die verschiedenen Arten auseinanderzuhalten, bei den Zweipunkt-Marienkäfern soll es um die 150 unterschiedliche Färbungen geben, zeige ich die Bilder ohne Kommentar. Wir fanden alle Marienkäfer an einem Platz, wohlgemerkt. Wir fanden das toll.

 

 

Fahrt nach Spanien

Fahrt durch´s Zentralmassiv

Fahrt durch´s Zentralmassiv

250 km auf französischem Gebiet fuhren wir auf einen Parkplatz, um Kaffeepause zu machen. Als wir weiterfahren wollten, meldete die Motorelektronik einen Fehler. Das Motorhome wollte nicht mehr starten. Alle Versuche blieben ergebnislos. Na prima, das jetzt auch noch. Hätte das nicht noch in Deutschland passieren können? Dort statteten wir noch einen kurzen Besuch der Firma ICF US Motorhomes ab. Nur die können uns nun helfen. Ein Anruf dort, Überprüfung einiger Bauteile sowie etwas Starterspray und siehe da, der Motor erweckte wieder zum Leben. Gott sei Dank, uns fiel ein Stein vom Herzen.

Bergdorf im Zentralmassiv

Bergdorf im Zentralmassiv

Über Mulhouse fuhren wir zwangsläufig auf der Autobahn nach Besancon. Die Maut für die paar Kilometer kostete uns gut 42,- €. Das kann nicht so weitergehen. Also schwenkten wir auf die Landstraße um, quer nach Westen bis zur Autobahn 71. Bis zum Anschluss an die A75 kostete die noch einmal 14,40 € Maut. Die A75 ist dann mautfrei. Dafür führt sie über das Zentralmassiv. Mehrere Spitzenhöhen um die 1110 m über Null sind dabei zu überwinden. Das heißt, Kilometer weit nur bergauf und kilometerweit wieder runter. Bloß gut, dass gerade Feiertag war, so dass wir uns nicht auch noch um die LKWs kümmern mussten. Es ist eine interessante, abwechslungsreiche und wunderschöne Landschaft mit Bergen, dem Vulkangebiet der Auvergne und Tälern. Mal ist der Blick von Bergen eingezwängt, mal kann er sehr weit schweifen.

Garabit-Viadukt bei Nacht

Garabit-Viadukt bei Nacht

Südlich von St. Flour übernachteten wir auf dem Parkplatz am Garabit-Viadukt, der vom berühmten Gustav Eiffel konstruiert wurde. Es ist eine 564 m lange Fachwerkkonstruktion aus Stahl, mit 5 Bögen. 400 Männer bauten vier Jahre lang an der Brücke, von 1880 bis 1884, eine Meisterleistung. Im Besucherzentrum am Parkplatz sind Bilder und Dokumentationen vom Bau der Brücke ausgestellt. Nachts ist die Brücke beleuchtet.

Millau-Viadukt

Millau-Viadukt

Der Viadukt von Millau, dessen Bau wir vor Jahren im Fernsehen verfolgten, liegt auf dem Weg weiter nach Süden. Die Autobahn A75 ist zwar mautfrei, dafür schlägt die Maut für unser Motorhome mit 34,80 € zu buche. Lange überlegten wir, wie wir es anstellen sollen. Über die Brücke fahren und Maut bezahlen, oder nach Millau ins Tal fahren und auf der anderen Seite wieder hochkraxeln? Dann kam uns die richtige Idee: auf einen Parkplatz fahren und mit dem Smart nach Millau hinunterfahren, sowie von dort aus die Brücke gucken. Später mit dem Motorhome über die Brücke fahren, wenn es sein müsste. Gesagt, getan. Der Parkplatz kurz hinter der Ausfahrt 44.1 ist ein prima Ausgangspunkt.
Der erste Weg im Tal der Tarn führte natürlich zum Millau-Viadukt, der gleich mit zwei Superlativen aufwarten kann. Es ist die längste Schrägseilbrücke der Welt (2460m), zudem ist sie im Moment die höchste Brücke der Welt. Die Fahrbahn liegt 270m über dem Fluss, der höchste Pylon misst 343 m. 55 Arbeiter bauten 3 Jahre lang jeden Tag an dem Bauwerk. 2004 wurde sie fertiggestellt und soll ihren Betrieb 75 Jahre lang aufrechterhalten. Unter der Brücke befindet sich ein Besucherzentrum, in dem man sich über den Millau-Viadukt informieren kann. Gleichzeitig kann man die Höhe der Brücke dort unten auf sich wirken lassen. Wenn ein Auto über die Brücke fährt, hört sich das an, als flöge ein Flugzeug am Himmel, Wahnsinn. Die Grundfläche des höchsten Pylons ist so groß wie ein Tennisfeld.

Millau-Viadukt von oben

Millau-Viadukt von oben

An der Ausfahrt 45, kurz vor der Mautstelle, führt eine Straße zu einem Aussichtspunkt, von dem aus einem die Brücke und das Tal zu Füßen liegen. Wenn man jedoch sowieso Maut bezahlt, dann erreicht man den Aussichtspunkt auch kurz vor der Brücke von der Autobahn aus. Es ist dann nur noch ein kurzer Fußweg. Von dort oben ist der Viadukt ein wahres Kunstwerk.

Einkaufsstraße in Millau

Einkaufsstraße in Millau

Millau selbst liegt in einem schönen Tal, welches von schroffen Kalksteinfelsen umrahmt ist. In den engen Gassen der Altstadt kommt man sich ins Mittelalter zurückversetzt vor, vor allem in den ruhigen Gassen. Im Stadtpark und an der Tarn kann man gut bummeln.

Ausfahrt aus dem Zentralmassiv

Ausfahrt aus dem Zentralmassiv

Immer weiter geht es durch das Zentralmassiv, welches aus Kalkstein und Vulkanspots besteht, von 500m bis auf über 1000m, abermals kilometerweit hoch und kilometerweit runter. Hier kommen das Volvic-Mineralwasser und der Roquefort-Käse her. Das Gebirge ist sehr wohl einen längeren Besuch wert, um es wenigstens teilweise zu erkunden und zu erleben.
Der allerschönste Abschnitt ist jedoch dort, wo man das Zentralmassiv verlässt. Dort muss man ein Gefälle von 7,5% auf 7,5 km bewältigen. Die Autobahn, anscheinend im Zug der Erstellung des Millau-Viadukts gebaut, führt hier an hohen Felswänden entlang, an die sich tiefe Schluchten anschließen. Mediterrane Bergdörfer, Weinberge und Olivenbäume zeigen an, dass das Mittelmeer nicht mehr weit ist. Der Rest des Weges ist flach.

Flamingos

Flamingos

An der Küste bei Agde angekommen, mussten wir feststellen, dass alle Campingplätze inzwischen geschlossen sind. So fuhren wir einen Stellplatz in Peyriac-de-Mer bei Narbonne an. Um den zu erreichen, ohne Navi kaum zu schaffen, muss man sich durch die sehr engen Gassen und 90°-Kurven zwängen, inkl. Gegenverkehr. Der Platz selbst ist groß genug, direkt am Rugby-Platz. Es ist ein guter Ausgangspunkt, um die Gegend um den Ort und die alten Salinenfelder zu unternehmen. Sie sind nicht mehr in Betrieb, sondern ein Naturschutzgebiet, in dem sich unter anderen Vogelarten auch Pelikane und Flamingos tummeln. Alles, die Wasserflächen, die Kalksteinfelsen und die Vegetation, erinnert uns hier an Kroatien und die Kornaten dort.

Nun mussten wir doch endlich einen Campingplatz anfahren. Der nächste Platz, der ganzjährig geöffnet hat, ist „Le Florida“ in Elne, südlich von Perpignan. Mit der ACSI-Card kostet der Platz nur 17,-€ inkl. allem. Die Stellplätze sind sehr groß und durch Hecken zum Nachbarn abgetrennt. Der Pool ist allerdings jetzt geschlossen. Hier werden wir eine Weile bleiben und noch verschiedene Dinge erledigen, für die in Deutschland durch das Wetter nun keine Zeit mehr blieb.
Die Landschaft hier im äußersten Süden Frankreichs gleicht der Wüstenlandschaft in Arizona: trockene Erde, vertrocknetes Gras und trockenes Gebüsch. Es muss jedoch kurz vor unserer Ankunft einen sehr kräftigen Guss gegeben haben, denn vielerorts stehen noch große Pfützen.
Die Winterstiefel und langen Klamotten haben wir inzwischen gegen Schlappen und kurze Sachen ausgetauscht.

 

Dumm gelaufen

Wer meint, dass wir schon über alle Berge sind, der irrt. Seit drei Tagen sitzen wir in Ettenheim bei Freiburg fest. Ein letzter Versuch, doch noch an die ACSI Campingcard zu gelangen, ist ebenso daneben gegangen, wie die anderen. Diese Campingcard soll uns Vorteile auf der Reise durch Frankreich, Spanien und Portugal bringen. Beim Vorlegen der Karte soll man bis zu 50% der Preise auf den entsprechenden Campingplätzen sparen können. Also bestellte ich die Campingcard am Donnerstag Abend per Expresslieferung. Der Absender schickte sie auch gleich am Donnerstag Abend noch los. Da wir bis Samstag früh umsonst warteten, forschten wir anhand der Sendungsnummer, wo unsere Lieferung ist. Das Paket traf am Samstag um 6.16 Uhr im Paketzentrum in Lahr ein, was ganz in der Nähe liegt. Bis zum Mittag bewegte sich das Paket von dort nicht mehr weg. Nach langem Suchen fanden wir endlich eine Servicenummer der DHL. Dort trugen wir unseren Fall vor. Der Mann am anderen Ende, meinte nur lapidar: er könnte nicht erkennen, warum das Paket nicht mehr am Freitag Abend ausgeliefert wurde. Außerdem wäre für solch einen Fall eine Samstagslieferung nicht dazu gebucht worden. Das ist eben ein Fall von „Dumm gelaufen“. Was soll man dazu noch sagen? Die nicht geringe Expressgebühr könnte sich der Absender von der DHL wiederholen, woraufhin wir diese Gebühr wiederum vom Absender zurückbekommen sollten.

Ettenheim

Ettenheim

Na ja, jedenfalls hatten wir nun drei Tage Zeit, uns in der Umgebung umzusehen. Ettenheim an sich wirbt mit einer barocken Altstadt. Neugierig fuhren wir hin, aber außer der auf einem Hügel stehenden Kirche, dem Rathaus und vielleicht zwei, drei Häusern konnten wir kein Barock entdecken. Geschäfte hat die Altstadt Ettenheims nicht zu bieten, gerade einen Bäcker und einen Fleischer, die zudem Mittags geschlossen sind, werben um Kunden. Enttäuscht verließen wir Ettenheim wieder.

Rheinfähre bei Rhinau

Rheinfähre bei Rhinau

Auf der anderen Seite der Autobahn ist es interessanter. Der Doppelort Kappel-Grafenhausen lädt da eher zu einem Besuch ein. Hier finden sich richtig schöne und rekonstruierte Fachwerkbauten, sowie Restaurants und Geschäfte. Fährt man durch die Orte hindurch, erreicht man bald die Rheinfähre nach Rhinau auf der französischen Seite des Rheins. Auf der deutschen Seite breiten sich hinter dem Damm, der den Rhein in seinem Bett hält, die Rheinauen aus. Alte Rheinarme und Seen teilen das waldbestandene Gebiet, welches ein Naturparadies für verschiedene Wildtiere ist.

alte Markthalle Freiburg

alte Markthalle Freiburg

Freiburg bei Nebel und 9°C zu besuchen, ist nicht gerade ein Vergnügen. Bisher löste sich der schon Tage andauernde Nebel um die Mittagszeit auf, aber nicht so bei unserem Freiburgbesuch. So spazierten wir eher kurz und knapp, als die schöne Stadt genießend, durch die Straßen. Die oberste Spitze des Münsters war kaum noch im Nebel auszumachen. Innen ist der Münster sehr dunkel. Es fällt kaum Licht in die dunkel gehaltenen bleiverglasten Fenster. Beeindruckend sind neben dem Münster auch das große Stadttor und die alte Markthalle am Münster.
Aber nun geht es los, Richtung Süden.

Beitragsnavigation