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Archiv für die Kategorie “Indien”

Hallo Goa

JetKonnect-Flugzeug

JetKonnect-Flugzeug

Wer steht im Urlaub um 4.20 Uhr auf? Eigentlich niemand, aber am 02. Januar 2015 hatten wir zu 5 Uhr das Taxi zum Flughafen bestellt. Knapp eine Stunde brauchten wir für den Weg. Um 7.55 Uhr startete das erste Flugzeug auf unserem Weg nach Goa. Es gibt so gut wie keine Direktflüge zwischen Kerala und Goa. So haben wir uns die kürzest mögliche Verbindung mit dreieinhalb Stunden Aufenthalt in Bangalore herausgesucht. Es ist die einzige Verbindung, die wir nicht mit Air India fliegen konnten, sondern auf JetKonnect zurückgreifen mussten. Die erste Maschine war sogar noch eine kleinere Turboprop-Maschine. Ich glaube, unsere erste und letzte Propellermaschine war 1984 oder 85 eine Interflugmaschine. Seitdem hatten wir bis jetzt nie mehr das Vergnügen, und wir sind schon viel geflogen.

Bungalow im Shawnel´s Beach Resort

Bungalow im Shawnel´s Beach Resort

Na ja, jedenfalls hatte der Anschlussflug eine Stunde Verspätung. Unser Taxifahrer wartete aber noch auf uns am Flughafen in Goa, empfing uns und fuhr uns eineinhalb Stunden durch eine bergige Landschaft ich weiß nicht wohin. Unser Bekannter hatte uns nur den Namen der Unterkunft aufgeschrieben, nicht den Ort. Ich kam zu Hause nicht mehr dazu nachzusehen, wo die Unterkunft liegt. Wir wussten nur, es ist eine Bungalowanlage direkt am Meer.
Bei unserer Ankunft zeigte man uns dann auf der Karte, wo wir gerade angekommen waren. Der Strand heißt Palolem Beach und liegt nicht weit vor der südlichen Landesgrenze von Goa. Die Anlage, in der wir wohnen, heißt Shawnel´s Beach Resort und ist ganz hübsch in einen sehr grünen und blühenden Garten eingebettet. Die sehr einfach gebauten Bungalows, mit Frischluftzufuhr nach allen Seiten, sind noch bunter. Es ist aber sehr hübsch hier.

Palolem Beach

Palolem Beach

Zum Palolem-Strand sind es nur ein paar Schritte durch einen grünen Gürtel, in dem über die gesamte Länge des Strandes Häuschen und Hütten in jeder Form stehen. Die meisten davon bieten Zimmer oder Hütten für Gäste an.
Am Rande des grünen Gürtels zum Strand stehen Kneipen, eine nach der anderen. Tagsüber bieten sie Liegen und Sonnenschirme an. Sobald die Sonne untergegangen ist, werden diese durch Tische und Stühle ersetzt. Da kann man dann die leckersten Gerichte essen. Gestern abend ließen wir uns einen kleineren Barakuda grillen, dazu gab es Folienkartoffeln und Salat. Die meisten Restaurants bieten den frischen Fang des Tages an, vom kleinen Fisch über Snapper und Hai bis zum Lobster.

Deutsche Bäckerei und Restaurant

Deutsche Bäckerei und Restaurant

Unser Frühstück nehmen wir, eine Gehminute von Resort entfernt, in einem schön im Grünen gelegenen Restaurant mit angeschlossener deutscher Bäckerei ein. Somit sind wir bestens versorgt.

Rajbag Beach

Rajbag Beach

Bei einem weiteren Ausflug heute lernten wir die noch weiter südlich angrenzenden Strände Pathnam Beach und den zu einem Golf- und Spa Hotel gehörenden Rajbag Beach kennen. Dabei muss ich sagen, das unser Strand der schönere ist. Die einzelnen Strände werden durch große Felsen oder Landzungen voneinander getrennt. Zu erreichen sind die Strände über kleine Wege durch die Siedlungen.
Hier, wie überall in Indien, stehen kleine Verkaufsstände an den Wegen, mögen sie auch noch so abgelegen sein. Überall wird man freundlichst gebeten, doch hereinzusehen.

Nachtrag zu Goa:
1510 – 1961 hatten die Portugiesen die Oberherrschaft über Goa, bis sich indische Truppen erhoben. Nach langem Kampf wurde Goa 1987 als 25. Bundessaat der Indischen Republik ausgerufen.

Abschied von Kerala und Kochi

Silvester feierten wir in Kerala. Seit Weihnachten schmückten die Menschen in Fort Kochi ihre Stadt und ihre Häuser jeden Tag ein Stück mehr. Zu Silvester wurden sogar noch die Straßen gefegt und der meiste Müll beiseite geschafft. Man sieht also, es geht, wenn die Leute nur wollen.

Aufruf zum Umweltschutz, aufwändig gebaut

Aufruf zum Umweltschutz, aufwändig gebaut

So langsam wächst auch hier das Verständnis, dass man die Erde nicht unendlich verschmutzen kann. Plakate werben auf dem großen Vasco-da-Gama-Platz für eine saubere Umwelt und eine Erde, die noch lange so bleiben soll, wie sie ist. Das viele Laub, welches das ganze Jahr über von den zahlreichen Bäumen auf die Wege fällt, wird nicht von Zeit zu Zeit entsorgt, sonst zusammengefegt und an Ort und Stelle verbrannt, besser gesagt, flämmt vor sich hin. Oft erfährt der Müll die gleiche Behandlung und die Gegend ist verräuchert und stinkt.

Am Morgen des Silvestertages fand Klaus, der alleine unterwegs war, weil ich diese Nacht nicht geschlafen habe und nicht so früh aufstehen wollte, einen Aushang mit der Einladung zu einem Galadinner im Spice Fort Hotel in der Princess Street. Der Preis war vernünftig und das Angebot stand am Nachmittag immer noch. So reservierten wir zwei Plätze für 21 Uhr. Als Einleitung des Abends zeigte eine einheimische Gruppe Trommler ihr Können. Diese Gruppe spielt normalerweise in Kali-Klöstern im Süden Keralas. So hört sich die Musik auch an. Irgendwann wiederholte sich der Rhythmus immer und immer wieder, ganze vierzig Minuten lang. Die Gäste, ausnahmslos Europäer, reagierten mit der Zeit immer genervter.
Nach dieser Einführung eröffnete die nette Dame, die durch den Abend führte, das Buffet. Dieses war sehr reichhaltig und bot für jeden Geschmack etwas, bis hin zum Dessert. Alles, was wir probierten, schmeckte sehr gut. Es war allerdings unser allererstes alkoholfreies Silvester jemals, denn dieses Hotel schenkt keinerlei Alkohol aus. Es gibt überhaupt nur wenige Kneipen in Kerala, die Alkohol ausschenken dürfen. Nicht einmal ein Bierchen ist dann zu haben.
Gegen 23 Uhr trat die Trommelgruppe ein weiteres Mal auf. Die Gäste bekamen einen Zettel mit der Erläuterung, was sie nun zu sehen bekämen. Danach sollten zwei Tänzer in traditionellen und bunten Kostümen, die verschiedene Götter, in dem Fall Kali und Ganadu oder so darstellen sollen, zu sehen sein. Ganadu, ich weiß nicht mehr, wie der Gott richtig heißt, soll Kali geopfert werden. Was bekamen wir zu hören und zu sehen? Richtig. Vierzig Minuten lang das gleiche Trommeln, wie schon vorher, dazu zwei Tänzer in identischen Kostümen mit identischen, nichtssagenden Bewegungen. Es waren einfach nur Hin-und Herlaufen, Bück- oder Hampelmannbewegungen, hin und wieder schnelle Drehbewegungen, sonst nichts. Das Einzige, was man bewundern konnte, war die Ausdauer aller. Vor allem den „Tänzern“ mussten wir Respekt zollen, denn bei den Temperaturen, der Luftfeuchtigkeit und den Kostümen wären wir wahrscheinlich bald umgefallen.
Nachdem wir auch diese Darbietung ertragen hatten, kündigte die Ansagedame die Trommlergruppe für die nächsten zehn Minuten ein weiteres Mal an. Der Innenhof, in dem wir saßen, leerte sich. Als ich auf´s Örtchen verschwinden wollte, sprach mich eine englische Frau an und meinte, dass das jetzt genug Trommelei gewesen wäre, für immer, betonte sie und ging. Wir schlossen uns an. Ich weiß nicht, aber viele Gäste sind nach den zehn Minuten wahrscheinlich dort nicht mehr aufgetaucht. Es war inzwischen schon zwanzig vor Zwölf. So schlossen wir uns den Massen draußen an und richteten unsere Schritte zum Strand, um darauf zu warten, was dann käme. Eine geschätzte halbe Million Menschen trafen sich dort unten. Gegen 24 Uhr setzte an vier Stellen ein kleineres Feuerwerk ein, um das Neue Jahr zu begrüßen.
Die ganze Gegend wurde über die letzten Tage videoüberwacht und überall stand Polizei. Alles verlief friedlich und ruhig.
Irgendwann gingen wir zum Hotel zurück, aber an Schlafen war die halbe Nacht nicht zu denken, denn die Leute feierten noch lange. Schallschutz gibt es in indischen Hotels nicht.

altes chinesisches Fischernetz

altes chinesisches Fischernetz

Am Neujahrstag besuchten wir den Cherai Beach auf der Insel Vipin. Dazu setzten wir mit der Autofähre über und fuhren dann mit dem öffentlichen Bus nach Cherai. Inzwischen sind wir soweit, so etwas zu tun. Um den Strand zu erreichen, mussten wir noch zwei Kilometer laufen und dabei eine breite Wasserstraße überqueren, in der ebenfalls chinesische Fischernetze stehen. Gleich danach standen wir am kilometerlangen Strand.

Cherai Beach

Cherai Beach

Leider ist dies nicht, wie wir uns das vorgestellt hatten, ein Palmenstrand. Keine Sonnenschirme, nichts schützt vor der Sonne. Wir spazierten eine Weile den Strand entlang nach Süden. Später liefen wir im Schutze einiger Palmen und Bäume, die hinter dem Strand stehen, die Uferstraße entlang.

Skulpturen hinterm Strand

Skulpturen hinterm Strand

An einem kleinen Kiosk tranken wir einen Tee mit Milch, hier die normale Ausführung von Tee, ruhten uns eine Weile aus und setzten dann unseren Weg zurück fort. Gleich gegenüber dem Kiosk stehen ein paar künstlerische Skulpturen.

ein schönes  Häuschen

ein schönes
Häuschen

Über einen Damm, der in mehreren 90°-Winkeln angelegt ist, und auf dem hier und da kleinste Fischerhütten stehen, überquerten wir den Wasserweg wieder und kamen irgendwann auf der Straße heraus, auf der wir mit dem Bus gekommen waren.
In diesem Bereich bis zum Strand stehen überall kleine Häuschen, mal sehr schön, mal weniger schön, im Schatten der Vegetation. Das erinnerte uns wieder an das geruhsame Leben auf den Philippinen. Hier lässt es sich aushalten, fernab vom Trubel.

Dann liefen wir noch ein Stück die Hauptstraße entlang, bis wir uns an einer Haltestelle vom Bus aufnehmen ließen, der uns zurück zur Fähre brachte. Das war noch mal ein schöner Abschluss.
Kurz nachdem wir in Fort Kochi angekommen waren, sollte eine Neujahrsparade stattfinden. Die Leute standen schon erwartungsvoll an den Straßenrändern, aber wir waren für den Tag genug gelaufen und wollten uns ausruhen. Am Abend gingen wir noch einmal essen. An verschiedenen Stellen gab es Disco oder anderweitige Unterhaltung und noch einen kleinen Umzug.

Nachtrag zu Kerala:

sozialistisches Plakat

sozialistisches Plakat

Ich meine irgendwo gelesen zu haben, dass Kerala heute ein Sozialistischer Staat ist, konnte diese Behauptung jedoch nicht mehr finden. Nachdem wir fast überall, in Munnar ganz besonders, viele rote Plakate und rote Fahnen mit Hammer und Sichel gesehen haben, sind wir sicher, dass dies so ist. Ab uns zu prangten uns sogar die Gesichter Marx´, Engels´, Lenin´s und sogar Castro´s entgegen.

Munnar

Glück muss der Mensch haben. Gerade haben wir einen freundlichen walisischen Herren getroffen, den wir zur Zeit als Bungalownachbarn haben. Der hat unseren Laptop wieder gerichtet. Wunderbar und vielen Dank. Jetzt können wir unsere Berichtreihe fortsetzen:

Eine 2-Tagestour führte uns ins 130 Kilometer östlich von Kochi gelegene Munnar. Die Stadt liegt hoch in den Cardamom-Hills inmitten von weiten Teefeldern. Ab 1500 Metern Höhe gedeiht die Teepflanze, die in diesem Gebiet in großem Maßstab angebaut wird.

Elefantenbad

Elefantenbad

Der erste Stopp auf der Fahrt nach Munnar war das Kodanadu-Elefantencamp. Leider war an diesem Tag immer noch oder schon wieder Feiertag und das Camp hatte seine Pforten geschlossen. Wir konnten jedoch dem täglichen Elefantenbad zusehen. Dazu warteten wir an einem breiten Gebirgsfluss. Gebirgsflüsse verbinden wir immer mit eiskaltem Wasser. Dieses ist jedoch schön warm.
Nach einer kurzen Wartezeit kamen vier Elefanten mit ihren Mahuts. Im Wasser warteten weitere vier Männer. Nach einer kurzen und hautnahen Besichtigung der Elefanten wurden diese ins Wasser geführt. Irgendwann kam dann das Signal, dass sich die Elefanten, die Ketten um die Fußgelenke haben, hinlegen sollen. Das war für die Tiere, in dem Maße eingeschränkt, nicht so ganz einfach. Wahrscheinlich ist das Flussbett auch mit Steinen übersät. Als sie dann endlich im Wasser lagen, fingen jeweils zwei Männer an, einen Elefanten mit Bürsten zu schrubben. Das dauerte eine ganze Weile, dann begann das Ganze auf der anderen Seite: Elefant aufstehen, Elefant auf die andere Seite legen und wieder schrubben.
Nachdem wir von diesem Schauspiel genug hatten, setzten wir unsere Fahrt fort. Diesmal waren wir nicht alleine, sondern teilten die Fahrt mit einem französischen Pärchen, Caroline und Pierre aus Südfrankreich Nähe Marseille.

Cheeyappara-Wasserfall

Cheeyappara-Wasserfall

Als nächstes kamen wir an mehreren Wasserfällen vorbei. Bei zwei von Ihnen, z.B. dem Cheeyappara-Wasserfall hielten wir an, um Fotos zu machen. Auf der Tour überwogen, neben der immer üppiger werdenden tropischen Vegetation mit viel Bambus, Zimtbäume und Pfefferpflanzen.

British Couny Homestead

British Couny Homestead

Nachdem wir um 5.50 Uhr aufgestanden sind, um 6.30 Uhr abgeholt werden sollten und um 6.50 Uhr endlich losfuhren, kamen wir gegen 13 Uhr im British County Homestead an. Das ist ein kleines Haus mit drei privat vermieteten Zimmern und Terrasse mitten in den Bergen. Vom Tee war bis dahin noch nichts zu sehen.
Wir bezogen unsere Zimmer und bekamen ein indisches Mittagessen.

View Point

View Point

Um 14 Uhr wurden wir 40 Kilometer weit zum View Point gefahren. Auf der ganzen Strecke gibt es keine fünfzig Meter gerade Straße. Eine Kurve folgt auf die nächste. Kurz nach dem Losfahren begannen die ersten Teefelder, die uns fast die ganze Strecke begleiteten. Dann nehmen sehr hohe und schlanke Eukalyptusbäume das Zepter in die Hand.
Nach endlos scheinendem Kurvenfahren und zwei Talsperren später erreichten wir endlich den View Point. Unser Verständnis von einem Aussichtspunkt ist, dass man von dort weit ins Land sehen kann. Hier ist der Aussichtspunkt an einer Stelle, wo anscheinend eher das Aufsteigen von Nebelwolken aus den Tälern die Attraktion ist. Von den umliegenden Bergen ist dort kaum etwas zu sehen, nur weißer, dichter, aufsteigender Nebel. Das hat natürlich auch seinen Reiz, nur dass wir darauf nicht gefasst waren.

Danach fuhren wir wieder zum British County zurück, wo wir müde und ausgelaugt von den langen Fahrten ankamen. Das Abendbrot wartete schon auf uns. Was wir auch zu essen bekamen, es schmeckte alles lecker. Nur das Huhn zum Abendessen hatte mehr Knochen als Fleisch.
Nach dem Essen genossen wir noch ein wenig den Abend auf der Terrasse.

Tee-Museum Munnar

Tee-Museum Munnar

Nach dem Frühstück am zweiten Tag, der mit zwei Schauern begann, besuchten wir in Munnar selbst das Tee-Museum. Zuerst werden Bilder aus alten Zeiten der Teeplantage gezeigt, sowie Einrichtungsgegenstände aus den Häusern der Plantagenbesitzer, die über einhundert Jahre alt sind. Dann geht es zur Verarbeitung, die von einem Angestellten erläutert wird. Von dem Vortrag konnte ich kaum etwas verstehen, denn der wurde zwar englisch gehalten, aber in einem den Indern typischen Tempo und mit einem ganz schlimmen indischen Akzent. Ich habe nur mitbekommen, das die Teepflanzen keine Büsche sind, auch wenn sie eine angenehme Pflückhöhe haben. Es sind eigentlich Bäume, von denen die meisten mehrere hundert Jahre alt sind. Die Teepflanzen werden wohl bis zu vierhundertfünfzig Jahre alt. Wir haben aber auch neuere Pflanzungen gesehen.
Im Verarbeitungsraum stehen Schneide- und Trocknungsmaschinen. Die frisch gepflückten Blätter werden bis zu vier mal geschnitten, je nach Qualität und Anforderung. Dann werden die geschnittenen Blätter bei 104°C getrocknet. Dabei verklumpen die Blätter zum Teil oder es sind immer noch gröbere Bestandteile drin. Nach dem Durchlaufen einer Filtermaschine erhält man dann die verschiedenen Teequalitäten von grob bis fast gemahlen.
Will man schwarzen Tee, dann werden die grünen Blätter fermentiert, ansonsten läuft alles genauso ab.
In einem Verkaufsraum ist dann frischer grüner, schwarzer und aromatisierter Tee zu kaufen, sowie Gewürze aus der Gegend, wie Kardamom, Pfeffer und andere.

Rhesusaffen beim Spielen

Rhesusaffen beim Spielen

Gegen 16 Uhr waren wir zurück in Kochi. Auf der Rückfahrt hielten wir noch einmal an einem Aussichtspunkt. Die Aussicht war zwar nicht so toll, dafür sorgten die Rhesusaffen für Aufsehen. Sie fraßen die Nüsse, die ihnen von den Leuten zugeworfen wurden oder trieben miteinander ihre Spiele. Das erinnerte mich an die Anlage mit den Rhesusaffen im Dresdner Zoo, vor dem ich als Kind ewig stand und den Affen zusah.

 

Verschiedenes in Fort Kochi

Wir wissen nicht, ob es in Fort Kochi immer so ist, aber seit wir hier sind, leben fast so viele Nebelkrähen in dem Ort wie Menschen. Vom Hellwerden, wo es ein besonders kräftiges Krächzkonzert gibt, über den ganzen Tag, den man ohne Unterlass die Krähen hört, bis die Vögel zum Sonnenuntergang ihre Schlafbäume am Strand aufsuchen, ständig sind sie lautstark gegenwärtig. Es gibt aber auch Anzeichen, dass die Krähen jetzt hier Brutsaison haben. Vielleicht ist es den Rest des Jahres dann ruhiger?
Ab und zu hört man auch einmal andere Vögel zwitschern oder rufen, doch nicht jedes Rufen ist ein Vogel. Wie schon in den USA oder Kanada geben auch hier kleine Hörnchen helle Rufe ab, die einem Vogel zum Verwechseln ähnlich sind. Dazwischen sind Rufe wie von Brüllaffen zu hören. Noch wissen wir nicht, was es ist. Neben den fremden Vogelarten haben wir sogar schon ein paar ganz gewöhnliche Spatzen gesichtet.

ehemaliges Gefängnis

ehemaliges Gefängnis

Östlich des Vasco-da-Gama-Platzes fanden wir gestern das ehemalige Gefängnis des Ortes. Es ist ein kleines Gefängnis mit nur bis zu zehn Zellen und einem Brunnen im Hof. Es ist frei zu besichtigen.

Apropos frei zu besichtigen: Bei unserem Bummel im Judenviertel stießen wir auf die kleine Polizeistation, die ein kleines Museum zur freien Besichtigung eingerichtet hat. Einer der Polizisten sagte uns, dass es ein großes Polizeimuseum in Ernakulam gibt.

Rest des alten Forts

Rest des alten Forts

Nachdem wir nun schon mehrfach die Promenade hoch und runter gelaufen sind, entdeckten wir erst jetzt, dass tatsächlich noch Überreste des alten portugiesischen Forts existieren. Sie sind meist über- oder umbaut und von riesigen Bäumen verdeckt, so dass sie kaum zu sehen sind. Sogar eine Kanone steht noch auf einem übriggebliebenen Geschützstand.

Bei unserem ersten Rundgang entgegen dem Touristenviertel, vor ein paar Tagen, sahen wir einen Campingladen. Jetzt wollten wir den Laden wiederfinden, aber bei dem Straßengewirr haben wir es trotz zweimaligem Anlauf nicht geschafft. Bei einem der Versuche hatten wir uns wieder dermaßen verlaufen, dass uns erst ein Tuk-tuk wieder auf den rechten Weg bringen musste. Wir haben zwar einen Stadtplan, aber der ist nicht zu gebrauchen.

Endlich hatten wir ein Restaurant gefunden, welches Ente, Rind und Schwein auf seiner Speisekarte stehen hat. Auf unsere Bestellung für ein Entengericht wurden wir mal wieder enttäuscht. Ente ist nicht verfügbar.
Heute sind wir schon außerhalb frühstücken gewesen, weil es in unserem Hotel immer das gleiche Angebot gibt: Toast und Ei, Ei und Toast und wieder von vorne.

Zum ersten Mal probierten wir frisch gepressten Zuckerrohrsaft, allerdings mit Limonensaft versetzt. Der schmeckt sehr lecker und ist nicht so süß wie der Kokosnusssaft. Den Zuckerrohrsaft werden wir wohl noch öfters trinken.

Neuerdings preisen die Tuk-tuk-fahrer ihre Gefährte als Ferrari oder Bugatti an. Als uns mal wieder einer fragte, meinte Klaus, er würde nur mit einem Porsche mitfahren. Kurzerhand fuhr der Fahrer sein Gefährt ein Stück vor und zeigte uns die Rückseite. Größer kann der Zufall nicht sein, da prangte ganz groß ein Porschezeichen auf der Plane, zusammen mit dem Audi-Logo und einem sehr kleinen Ferrari-Logo. Tja, manchmal bekommt man ganz unverhofft Kontra. Wir amüsierten uns köstlich.

Aquarienfisch

Aquarienfisch

Seit vor Weihnachten bis Anfang Januar läuft eine mobile Blumen- und Haustierausstellung, die wir besuchten. In der Blumenabteilung kam es uns so vor, als würde man die europäischen Pflanzen wie Studentenblume, Aster oder Dahlie in Indien bekannt machen wollen. Dafür staunten wir in der Haustierabteilung nicht schlecht. Sowohl bei den Fischen als auch bei den Tauben und Hühnern werden Typen und Rassen gezeigt, die wir weder in der Natur noch im Fernsehen jemals gesehen haben. Da gibt es schon verrückt aussehende Tiere.

Zum Abendessen waren wir wieder in dem sehr schönen, kleinen Restaurant „Oceanos Seafood Ahoy“. Man muss nur zu den ersten Gästen gehören, wenn abends wieder geöffnet wird, sonst steht man lange an.

Die nächsten zwei Tage sind wir auf Tour nach Munnar im Landesinneren.

Weihnachten in Fort Kochi

Ich hatte ja im vorletzten Bericht geschrieben, dass fast überall für Weihnachten geschmückt wurde. Gestern und heute, an den Weihnachtsfeiertagen, waren viele Leute auf den Beinen. Sie waren fein angezogen und promenierten vor allem abends am Strand oder durch die Gassen rund um den Vasco-da-Gama-Platz. Öffentliche Veranstaltungen gab es nicht. Wir sahen aber auch ein paar Leute arbeiten, z.B. die Müllabfuhr oder beim Pflastern von neuen Fußwegen. Die Händler arbeiten sowieso jeden Tag.

Synagoge

Synagoge

Mit Hilfe eines Tuk-tuks besuchten wir das Judenviertel am Ostrand von Fort Kochi. Die sehr versteckt liegende und unscheinbare Synagoge hat freitags geschlossen, so dass wir sie nicht von innen besichtigen konnten. Im Reiseführer steht, dass in den 1950er Jahren die meisten Juden dieses Gebiet, welches sie schon seit frühester Zeit bewohnten, verlassen haben. Trotzdem konnten wir einigen Händlern in der Nähe der Synagoge das Jüdische ansehen, vor allem die typische Bartform.

Ginger House & Restaurant

Ginger House & Restaurant

Es gibt sehr viele Antikgeschäfte in dem Viertel. Das größte ist wohl das Ginger-House, dem das Ginger-Restaurant direkt am Wasser angeschlossen ist. Der Laden verkauft sehr schöne Stücke aus alter Zeit und restauriert zugleich die alten Kunstwerke, wie Türen, Säulen, Ornamente, Figuren usw., die ganze Palette.
Im Ginger-Restaurant werden viele Speisen mit Ingwer zubereitet, wie der Name auch sagt. Die Ausstattung des Restaurants besteht aus zusammengewürfelten alten Tischen und Stühlen, die zusammen doch eine Einheit bilden. Dazwischen stehen Skulpturen von Tieren oder Fabelwesen. Über das Wasser hinweg sieht man zur Insel Willingdon. Das Essen ist zwar teurer, aber auch jede Rupie wert.

Haus im Judenviertel

Haus im Judenviertel

Außerhalb der Touristengassen ist das Judenviertel sehr vernachlässigt und ruhig. Hier und da hängen noch Schilder mit den Namen der ehemaligen Besitzer an den Hauswänden.

Fort Kochi Jain-Tempel

Fort Kochi Jain-Tempel

Eine andere Station unserer selbst zusammengestellten Stadtrundfahrt mit Tuk-tuks war der Jain-Tempel, in dem gerade eine Gebetsstunde abgehalten wurde. Zutritt ist für Nichthindu´s absolut untersagt. So konnten wir nur von außen gucken. Zu dem großen Tempel gehört auch noch ein kleiner Wassertempel.

Der Dutch-Palace oder auch Mattancherry-Palace, so nach dem Stadtviertel benannt, ist von außen wenig sehenswert, soll jedoch im Inneren sehr prachtvoll sein. Leider ist auch dieser Palast freitags geschlossen.
Noch ein Wort zum äußeren Zustand der Häuser. Jedes Jahr fegen drei Monate lang im Sommer heftige Monsune über Indien hinweg. Die hinterlassen Spuren und kaum ein Inder kann es sich leisten, sein Haus alle paar Jahre neu herzurichten.

Am Abend des 26. Dezember fand am Strand eine Gedenkfeier zum 10. Jahrestag des Tsunamis im Indischen Ozean statt. Zudem mahnte man, mit unserer Erde vernünftig umzugehen. Es wurden Kerzen angezündet, Lampions auf dem Wasser ausgesetzt oder Glücksballons steigen gelassen. Eine kleine Musikeinlage brachte die nötige Aufmerksamkeit.

Backwater-Tour

Hausboot mit Guide

Hausboot mit Guide

Wir sind im Land des Pfeffers, des Zimts und der Muskatnuss. Das haben wir selbst gesehen, aber von vorne:
Wer in Kerala ist, sollte unbedingt eine Backwater-Tour machen, am besten eine 9-Stunden Tour, damit man auch etwas davon hat. Nach einem Sammeltransport über mehrere Hotels in verschiedenen Stadtteilen bestand unsere Gruppe aus vierzehn Personen. Da unser Zubringerauto zum Sammelbus kaputt war, brachte man uns mit zwei Motorrollern dort hin. Für mich, die sich auf kein motorisiertes Zweirad setzt, sozusagen die Feuertaufe. Zusammen stiegen wir irgendwo außerhalb des neuen Stadtteils von Kochi, Ernakulam auf dem Festland, in ein großes Hausboot. Auf dieser Busfahrt erkannten wir, weshalb Kochi das Venedig Indiens genannt wird. Kochi, oder wie die Stadt auch heißt, Cochin, liegt auf mehrere Inseln verteilt, die durch Brücken oder Fähren miteinander verbunden sind.
Die Backwaters sind Wasserarme, die sich ins ein Stück weit ins Landesinnere erstrecken, Brackwasser enthalten und zusammen mehrere tausend Kilometer lang sind.
Das Hausboot ist eines der wenigen, die von ehemals tausend Stück übriggeblieben sind. Der Rumpf ist aus Holzplanken, die praktisch mit Seilen zusammengenäht sind. Den Aufbau bildet ein kunstvoll aus Holz und Kokosstricken geflochtenes Dach und einer natürlichen Deckung. Die Leute nehmen auf Gartenstühlen Platz. Das Boot wird hinten und vorn von je einem Mann durch die Flussarme gestakt. Durch das absolut lautlose Gleiten des Bootes bekommt man die ganze Geräuschkulisse der Natur mit.

Backwater

Backwater

Zu sehen sind kaum Tiere, nur hier und da ein weißer Reiher. Zu hören sind verschiedene Vögel und Hörnchen. Dafür ist die Vegetation sehr üppig. Kokospalmen, Bananen, Schraubenbäume, Wasserhyazinthen und vieles mehr bilden ein dichtes Gewirr im Wasser und an Land.

Aus Muscheln wird Kalk

Aus Muscheln wird Kalk

Unser erstes Ziel war eine Kalkfabrik. Es ist ein kleiner Wirtschaftszweig, der jedoch großen Nutzen hat. Hier wird der Kalk aus Muschelschalen hergestellt. Nachdem die Muschelschalen von den Märkten zu den Fabriken gekommen sind, das Fleisch der Muscheln wird verkauft, werden sie gesammelt. Ein großer Bottich wird am Grunde mit Kokosschalen befüllt, darauf kommt eine dünne Schicht Kohle. Dann werden die Muschelschalen hoch eingefüllt und das Ganze auf tausend Grad erhitzt, bis sich die Kalkbestandteile herausgelöst haben. Die gebrannten Muschelschalen werden dann in kleineren Haufen gelagert und mit Wasser begossen. Dadurch wird der Kalk in den Muschelschalen gelöscht und alles zerfällt zu einer Art Mehl. Dieser reine Kalk kann nun als Bodenverbesserer im Garten, als Wandfarbe oder in der Kosmetik oder Industrie weiterverwendet werden. Alles ist mühevolle Handarbeit und gerade beim Herausholen der gebrannten Muschelschalen wohl auch gesundheitsgefährdend. Deshalb arbeiten die Männer mit Atemschutz, der gerade einmal aus einem Tuch besteht. Das war ein interessanter Einblick.

Seil aus Kokosfasern

Seil aus Kokosfasern

Als nächstes besuchten wir Seilmacher, die zu einem großen Wirtschaftszweig gehören. Uns wurde gezeigt, wie die Seile aus Kokosfasern hergestellt werden. Zuerst werden die Kokosschalen sechs Monate in Wasser gelegt. Danach kann man ganz einfach die äußere Schale von den Fasern lösen. Die Fasern werden dann soweit bearbeitet, dass sie bald so fein wie Haare sind. Diese feinen Fasern werden dann an die Seilmacher geliefert, dass heißt, diese Arbeit ist Frauensache. Ein Teil der Fasern kommt in einen Korb vor dem Bauch der Seilflechterin. Daraus zieht sie zwei Enden, die gedrillt werden und an einem Haken befestigt werden. Dann läuft sie einfach nur rückwärts und zieht und dreht die Fasern, die sich wie von Geisterhand automatisch miteinander verflechten, aus dem Korb. Zum Schluss werden diese zwei Stränge miteinander verdrillt, so dass ein dünnes Seil entsteht.
Diese Seile und andere Produkte aus Kokosfasern werden dann über eine Genossenschaft, der einhundertfünfzig Erzeuger angehören, verkauft. Daraus entstehen Artikel für den Haushalt wie Teppiche, Decken oder auch Taschen usw.
Die Menschen, die auf den Inseln der Backwaters wohnen, führen ein beschauliches Leben. Es erinnerte uns an das Leben auf den Philippinen. Eine Kuh, ein paar Ziegen, Hühner oder Enten dienen dem Lebensunterhalt.

Mahlzeit auf Bananenblatt

Mahlzeit auf Bananenblatt

Irgendwann kehrten wir zum Lunch in eine Hütte ein, die auf einer Insel steht. Dazu gehört ein kleines Häuschen für die Küche und ein abenteuerliches Klo. Uns wurde ein typisch indisches Essen gereicht, kleine vegetarische Kostproben mit Reis auf einem Bananenblatt serviert. Fleisch gibt es für die Landbevölkerung nur selten. Selbst wir können immer nur auf Hühnchen zurückgreifen, wenn wir etwas mit Fleisch essen wollen. Anderes Fleisch kommt äußerst selten auf den Teller.

Pfeffer - weiß, grün oder schwarz, alles von einer Pflanze

Pfeffer – weiß, grün oder schwarz, alles von einer Pflanze

Dann brachte uns das Hausboot an ein anderes Ufer und wir stiegen in einen Bus, der uns ein Stück weiter zu Kanus brachte. Unser Gruppe wurde auf drei Kanus aufgeteilt, die ebenfalls gestakt werden. Durch einen schmalen Wasserarm, vorbei an kleinen Wohnhäusern und Grundstücken, erreichten wir eine Brücke. Dort stiegen wir aus und wurden ein Stück weiter in die Welt der Gewürze eingeführt. Während wir nur Bäume und Büsche sehen, stehen wir mitten in einem Wald aus Gewürzen. Pfefferpflanzen, Chillibüsche, Zimtbäume, Nelken-, Muskatnuss und Lorbeerbäume, sogar Kaffee stehen überall. Unser Guide ließ uns von allem kosten oder an den Blättern riechen. Ganz unscheinbare Pflanzen sind doch so begehrte Gewürze. Zudem stehen hier und da Büsche, dessen Früchte wie Mangos aussehen. Es sind Wassermangos und deren Früchte werden Suizidfrüchte genannt, da ihr Kern, der von einer dicken, harten Schale geschützt wird, sehr giftig ist und sich viele Leute schon damit das Leben genommen haben. Es ist also, wie immer, nicht alles Gold, was glänzt.
Es war eine sehr erholsame und lehrreiche Fahrt durch die Backwaters Keralas.

Kochi Erkundung

Kerala ist ein kleiner Bundesstaat Indiens am südwestlichen Ende des Subkontinents. Seit der Entdeckung dieses Landes durch Vasco da Gama und die Gründung der Ostindischen Kompanie hat sich das Leben der Menschen hier in vieler Hinsicht geändert. Der Gewürzhandel brachte das Land zu Wohlstand. Dann kamen die Engländer und die Holländer, die alle ein Stück vom Kuchen abhaben wollten, was nicht ohne Konflikte blieb.
Die religiöse Vielfalt sucht heute seinesgleichen. Inder mit ihren vielen Religionen, Christen, Moslems und Juden leben in Eintracht nebeneinander. Da stehen z.B. Kirchen und hinduistische Tempel auf einem Grundstück.

3D-Darstellung im Maritimen Museum Kochi

3D-Darstellung im Maritimen Museum Kochi

Wir haben uns das Maritime Museum angesehen, in dem über die Geschichte der indischen Marine berichtet wird. Die Anfänge dieser Einrichtung liegen mindestens 400 Jahre vor Christus. Damals noch zum größten Teil Handel treibend, baute man die ersten Schiffe, die mit der Zeit immer ein wenig weiterentwickelt wurden. Kochis Werft ist eine der ältesten Werften an der indischen Küste.
Seit die Europäer auftauchten, wurden die Aktivitäten der Königlich-Indischen Marine aufgezeichnet. Seit dem ist dieser Militärzweig fast ständig bei irgend welchen Auseinandersetzungen und Kriegen dabei gewesen. Die Liste endet 1950.
Bisher noch nie in einem Museum gesehen haben wir die großen 3D-Darstellungen. Wie ein tiefes Relief sind Szenen aus dem Leben, Kriegsschiffe damals und heute, Karten usw. dargestellt. Durch die farbige Gestaltung sieht alles fast echt aus. Dazu sind unter anderem Uniformen, Urkunden, Bildmaterial, Bordgeschütze und Lenkraketen zu sehen.

Nach diesem Besuch verbrachten wir eine Weile am Badestrand von Fort Kochi, wie der Stadtteil heißt, in dem wir uns befinden. Na ja, Badestrand ist zuviel gesagt, da die Inder kaum baden gehen und wenn, dann mit all ihren Sachen. An diesem Strand ist noch das Problem, dass überall Fischnetze liegen. Hier und da stehen Fischer im Wasser, die mit Handnetzen ihr Glück versuchen. Baden gehen können wir somit abhaken.

Jedenfalls fühlen wir uns hier in Fort Kochi wesentlich aufgehobener als in Delhi. Es ist viel ruhiger, sauberer und entspannter, wenngleich man ständig wegen einer Stadtrundfahrt mit dem Tuk-tuk oder vor einem Restaurant oder Laden angesprochen wird.
In Kerala gibt es keine Analphabeten, während über die Hälfte der Rajasthani nicht lesen oder schreiben können. Die Anzahl der Bettler ist hier sehr gering, während man in Delhi ständig Hände entgegengestreckt bekommt.

gemütliches Sträßchen in Fort Kochi

gemütliches Sträßchen in Fort Kochi

Bei unserem nachmittäglichen Spaziergang lenkten wir unsere Schritte in die der Touristenecke entgegengesetzte Richtung und fanden dort gemütliche Sträßchen mit zum Teil sehr schönen Häuschen. Jede Menge große und kleine oder kleinste Kirchen standen an unserem Weg. In Hotelnähe, nur ein paar Schritte weiter, entdeckten wir kleine Läden mit allem Nötigen wie Wasser, Obst und Gemüse, einem Bäcker bis hin zur Drogerie. In einer Art Hinterhof ging ein Fleischer seinem Geschäft nach. Hier können wir uns versorgen.

Straßenschmuck für Weihnachten

Straßenschmuck für Weihnachten

Heute ist Heilig Abend und fast überall wird auf die Schnelle noch für die Feiertage geschmückt. Sterne, Girlanden, Lampions, seltener ein kleiner Weihnachtsbaum prangen an und vor den Häusern. Teilweise sind ganze Straßen mit Girlanden praktisch überdacht.
Ein kleines und feines Restaurant fanden wir heute auch, in das wir zum Kaffee und zum Abendessen einkehrten. Es hat ausgezeichnete Speisen, vor allem Fischgerichte. Für zusammen ganze 8 Euro aßen und tranken wir vorzüglich. Das Restaurant wurde am Nachmittag noch geschmückt. Jetzt spielte im Hintergrund sogar Weihnachtsmusik.

Nach dem Abendessen gingen wir noch einmal an den Strand, wo immer noch das Leben tobt. Nur gut, dass wir heute mit Mückenspray vorgesorgt haben.

Ankunft in Kochi

Gegen Mitternacht, es waren immer noch 29°C bei ziemlich hoher Luftfeuchtigkeit, kamen wir bei unserem gebuchten Hotel an. Die gute Dame des Hauses meinte, wir sollten am nächsten Tag die Formalitäten erledigen, damit wir jetzt endlich ins Bett kämen. Nachdem wir durch ihre Wohnräume im Haus gegangen waren, zeigte sie uns ein Zimmer in der oberen Etage. Hotel mit Familienschluss? Wir hatten keinen Nerv mehr für irgend etwas. Das Bett war viel zu schmal und viel zu hart, kein Schrank und ein Gemeinschaftszimmer.
Sobald es hell wurde, begannen Vögel Melodien zu trällern, die wir noch nie gehört hatten. Daran schlossen sich die Krähen an, die stundenlang lauthals krächzten. Derweil begann das Leben im Haus und auf dem Hof. An Schlafen war nicht mehr zu denken. Gegen halb 8 Uhr standen wir genervt auf.
Wer uns kennt, weiß, dass bei unseren selbst gebuchten Reisen fast immer etwas daneben geht. Jetzt war es soweit. Wir waren in keinem Hotel, sondern in einem Gästezimmer gelandet. Die Wirtin hatte uns wohl schon am Abend angemerkt, dass wir bei Ihr falsch sind. Nachdem ich erzählt hatte, wie es uns ergangen war, half sie uns aus der Misere herauszukommen. Sie sah selbst im Internet (Booking.com) nach und sah, dass ihre Pension als Hotel dargestellt wird. Wir hatten ja schon die 11 Nächte im Voraus gebucht. Jetzt brauchten wir nur die Taxifahrt hierher und die eine Nacht bezahlen. Sie meinte, wir sollten uns ein Hotel suchen, wo es uns besser gefallen würde.

Gama Hertitage Residenz

Gama Hertitage Residenz

Auf der Straße wird man hier ständig gefragt, ob wir ein Tuk-tuk haben möchten. Diesmal sagten wir zu und der Fahrer half uns, ein Hotel in unserer Preislage zu finden. Alleine hätten wir uns wohl den Wolf gelaufen. Schnell fanden wir ein schönes Hotel, das „Gama Heritage Residenz“. So checkten wir in der Pension wieder aus und im Hotel ein.

chinesisches Fischernetz

chinesisches Fischernetz

Danach spazierten wir ein bisschen durch die Gegend und kamen zuerst am Strand heraus, dort wo die chinesischen Fischernetze stehen, die es so schon fünfhundert Jahre lang gibt und die Kochis Attraktion sind. Noch heute fangen die einheimischen Fischer ihre Beute mit diesen Netzen und verkaufen sie direkt am nebenan gelegenen Markt. Wenn man möchte, kauft man beim Fischhändler den Fisch und der wird dann sofort von einem Koch in einem nahegelegenen Restaurant zubereitet. Heute wollten wir jedoch nur erst einmal schauen. Eine frische Kokosnuss gönnten wir uns, weil wir Durst hatten. Ansonsten treten sich die Souvenirhändler gegenseitig auf die Füße.

Kirche in Kochi

Kirche in Kochi

Auffallend ist, dass Kochi sehr viele Kirchen und ein jüdisches Viertel hat. Nähere Informationen dazu haben wir jedoch noch nicht.

Nach einigen Kilometern Weg in der heißen Sonne und einem frisch gepressten Saft, gingen wir zum Hotel zurück. Am Abend ließen wir uns eine Kleinigkeit in einem der Straßenrestaurants am Vasco-da-Gama-Platz schmecken. Allerdings fraßen uns dort die Mücken auf, mit denen wir so gar nicht am Meer gerechnet hatten.

Erholungstag

improvisierte Bühne für ein Götterfest

improvisierte Bühne für ein Götterfest

Am Abend des 21. Dezember wurde im Nachbarhotel eine kleine Bühne aufgebaut und um 20 Uhr begann Musik zu spielen. Wir sahen uns das einmal an. Vor einer bunten Bühne mit Götterbildern saßen zwei Männer vor einem Feuer. Dazu indischer Gesang und Musik, natürlich live. Ab und zu gingen ein paar Leute an die Bühne und ließen sich offensichtlich segnen. Auf unsere Frage im Hotel bekamen wir zur Antwort, dass heute die heilige Nacht des Gottes Shiva sei und die Menschen in dieser Nacht beten und sich segnen lassen. Ein wenig früher kam eine Gruppe feierlich gekleideter Menschen die Straße entlang gelaufen. Sie wollten anscheinend ebenfalls zu solch einem Fest.
Den 22. Dezember verbrachten wir bis zum Check-out mittags im Zimmer, dann checkten wir aus, verstauten unsere Koffer und machten noch einen kleinen Spaziergang durch die Hotelstraße. Gegen 15 Uhr brachte uns ein Taxi zum Flughafen, wo wir die restliche Wartezeit verbrachten. Mit einer dreiviertel Stunde Verspätung startete unser Flugzeug nach Kochi in Kerala.

Delhi Stadtrundfahrt

Rotes Fort Delhi

Rotes Fort Delhi

Unser nepalesischer Fahrer, den wir die ganze Woche hatten, machte mit uns auch die Stadtrundfahrt. Um 10 Uhr ging es los und wir begannen mit dem Roten Fort. Von außen sieht es fast genauso aus, wie das Agra Fort, doch im Inneren ist es in einem ziemlich schlechtem Zustand, Gebäude wie Garten. Bis 2003 gehörte das Fort der indischen Armee. Viele Gebäude sind innen und außen weiß übertüncht worden. Die öffentliche Audienzhalle ist nur noch von der einer Seite im originalen roten Sandstein erhalten. Hinter dieser Audienzhalle befinden sich die Audienzhalle für Kuriere und hohe Besucher, die Privatmoschee, ein Hamam und ein großer Garten. Die zuletzt genannten Gebäude sind aus Marmor gebaut. Weitere, für Besucher unzugängliche, große Gebäude stehen ebenfalls auf den riesigen Gelände. Hier und dort sind Rekonstruktionsarbeiten im Gange.
Hinter dem heute zugänglichen Tor kommt man durch den Basar, den es schon früher gab.
In einem der Kasernenblocks ist eine Ausstellung untergebracht, die von der Eroberung Indiens durch die Briten und den Befreiungskampf der Inder berichtet. Gandhi und Neru, der nach der Unabhängigkeitserklärung am 15. August 1947 der erste Ministerpräsident Indiens wurde, dürfen da auf keinen Fall fehlen.

India Gate

India Gate

Unser nächstes Ziel war das India Gate, ein 42 Meter hoher Triumphbogen, der an die Toten des 1. Weltkriegs, des Afghanistan-Krieges 1919 und des Bangladesh-Krieges 1971 erinnert. Vom India Gate führt eine breite Straße, die für Paraden genutzt wird, bis zum Regierungspalast. In dessen Nähe stehen das Parlamentsgebäude und jede Menge Ministerien.

Unsere Quellen, die wir für die Stadtbesichtigung dabei hatten, berichteten vom Humayun-Grabmal, doch wir hatten kein Bild, wie das Ganze aussieht. Wir standen zwar vor der Einfahrt, aber konnten nichts weiter sehen. Es gab auch keine Parkplätze. So fuhren wir weiter. Jetzt, da ich im Internet geforscht habe, fand ich heraus, dass dieses Grab wohl ein genauso prächtiger Bau wie das Taj Mahal ist.

Qutab Minarett

Qutab Minarett

Unsere letzte Besichtigung galt dem Qutab Minarett. Es ist ein über 72 Meter hoher Turm aus roten und hellem Sandstein und ist noch heute einer der höchsten Türme der islamischen Welt. Er wurde wahrscheinlich nach dem Sieg der Moslems über die Hindus im 12. oder 13. Jahrhundert erbaut. Ihm gegenüber steht ein um die 24 Meter hohes Rudiment. Es sollte der gleiche Turm werden, wie der schon vollendete. Nach dem Tod des Erbauers wurde der Bau abgebrochen.
Zwischen diesen beiden Minaretten stehen die Ruinen einer Moschee und mehrere Grabmale. Ein College war auf dem Gelände auch untergebracht. Alle diese Bauten auf dem Gelände des Qutab Minaretts sind nur noch Ruinen. Im Laufe der Zeit sind einige hinduistische Schnitzereien an vielen der Säulen entstanden.
Trotz allem ist das Gelände um das Quatab Minarett ein sehr imposanter Komplex.
Mehrfach wurden wir darum gebeten, uns mit den indischen Besuchern fotografieren zu lassen. Vielleicht wollen diese Leute mit solch einem Foto zu Hause angeben oder so. Uns hat es gefallen.

Fahrradtransport (durch unser Fenster fotogafiert)

Fahrradtransport (durch unser Fenster fotogafiert)

Heute, am Sonntag wird das Auto in Delhi stehen gelassen und die Menschen gehen zu Fuß. Das gilt zwar nicht für Taxen, Touristenautos, Tuk-tuks usw., aber es ist zu merken, dass der Verkehr ein bisschen weniger geworden ist.
In Indien, was wir so gesehen haben, muss man ganz genau wissen, wo sein Auto anfängt und wo es aufhört. Jederzeit ist Millimeterarbeit gefragt und man muss Argusaugen haben, um wirklich nichts und niemanden zu übersehen. Mit dem PKW hat man sowieso das Nachsehen, denn Fahrräder, Mopeds, Karren und Tuk-tuks quetschen sich immer und überall dazwischen. Da dauert es eine Weile, bis man mit seinem großen PKW durchkommt. Die Vorfahrt der Linienbusse kann nur begrenzt durchgesetzt werden. Die großen Reisebusse, die man auch hin und wieder sieht, haben es am allerschwersten. Als Europäer schmeißt man entweder nach einem halben Kilometer das Handtuch oder spätestens nach drei Tagen.

Morgen warten wir auf unseren abendlichen Flug nach Kerala. Da müssen wir irgendwie die Zeit vertun und es wird keinen Bericht von uns geben. Bis dann in Kerala.

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