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Reisen rund um die Welt

Archiv für die Kategorie “USA/Kanada”

Route 66 Chicago-Lincoln – Illinois

Die legendäre Route 66, betitelt auch als „Mutterstraße“ der Straßen in den USA, „Traumstraße“, die 8 Bundesstaaten miteinander verbindet, oder auch als „Nostalgiestraße“, die das alte, aufstrebende Amerika wieder aufleben lässt. Wie auch immer, unser schon sehr lang gehegter Traum, einmal die Route 66 entlang zu fahren, ist nun in Erfüllung gegangen. An deren Anfang in Chicago haben wir ja schon gestanden. 1926 begann der Bau, an dem die 8 Bundesländer gleichzeitig beteiligt waren. In Abständen von mehreren Jahrzehnten wurde die Strecke mehrfach umgestaltet oder bekam eine neue Streckenführung. Dadurch kommt es oft vor, dass es mehrere „Route 66“ nebeneinander gibt. Dazu kommt die „Historic Route 66“, die Originalstraße, die noch an vielen Stellen neben der neuen Streckenführung liegt. Nur manchmal kann die Originalstraße, so sie noch erhalten ist, befahren werden.

In Joliet führt das Besucherzentrum für die Route 66, mit angeschlossenem Historischem Museum, die angehenden Entdecker dieser Straße in alles Wissenswerte ein, allerdings nur bis St. Louis, wo sie Illinois verlässt. Von Joliet aus starteten wir dann auch unsere Reise auf der Straße aller Straßen. Die Chicago Street und die Ottawa Street in Joliet sind Teile der Route 66, wo man alte, aufgemöbelte Tanksäulen und die braun-weißen Schilder mit der Aufschrift „ Historic Route 66“ findet.

In Dwight besuchten wir die „Amber-Becker Texaco Gas Station“, im Jahre 1932 gebaut. Diese Tankstelle gilt als die am längsten operierende Tankstelle entlang der Route 66.  66 Jahre, von 1933 – 1999. Nach allgemeinen Restaurationsarbeiten wurde sie 2007 als Besucherzentrum wiedereröffnet.

Pontiac glänzt mit seiner Downtown und seiner interessanten Hall of Fame und Museum. Vor dem Museum liegt ein Stück des Klinkerplasters, mit dem die Historic Route 66 streckenweise ausgestattet war, bevor es mit einer Betondecke überzogen wurde. Ein als Besucherzentrum umgestalteter alter Schulbus, total crazy, lässt die Besucher staunen. Rund um das Museum stehen noch die kleinen alten Häuser. Aber auch die großen Bauten, wie das Gerichtsgebäude aus dem Jahre 1875, beeindrucken.

In Towanda haben Studenten und Lehrer der dortigen High School auf einem 1,6 Meilen langen Originalstück der Route 66 eine „Geographische Reise“ durch die acht Route 66-Staaten aufgebaut. Jeder Bundesstaat hat eine eigene Tafel mit entsprechenden Informationen.

Atlanta ist ein kleiner Ort mit vielen Sehenswürdigkeiten, wie den Atlanta´s Bunyon Giant, den J.H. Howes Grain Elevator (Getreidespeicher mit Aufzug) & Museum und wieder historische Bauten wie den Glockenturm und die Bücherei von 1908. In der  Gunnar Mast Trading Post, einem kleinen Laden mit sehr interessanten alten Dingen zur Route 66, trafen wir Gene Martin, einen absoluten Liebhaber von Marianne Rosenberg. Er gab uns eine Ansichtskarte mit einer Botschaft für Marianne mit, die wir ihr übergeben sollten. Seine Vorfahren waren vor langer Zeit aus Deutschland über die Schweiz in die USA ausgewandert. 

Lincoln ist der einzige Ort, in dem Abraham Lincoln gelebt und gearbeitet hat, bevor er Präsident wurde. Am 27. August 1853 taufte Lincoln, der wohl in den USA einen sehr guten Ruf hat, beim Verkauf des ersten Stückes Land in der Nähe der heutigen Amtrak-Station, die Stadt mit dem Saft einer Wassermelone. Sehenswert ist der Logan-County Courthouse Square mit dem beeindruckenden Gerichtsgebäude in der Mitte. In mancher Straße stehen noch viele alte Gebäude.

Das Postville Courthouse, die Stadt Lincoln hieß vorher Postville, ist eine Reproduktion des ersten Logan-County Courthouse, das von 1840-1847 benutzt wurde. Abraham Lincoln diente dort als Anwalt.

 

Das Mühlen-Restaurant eröffnete 1929 unter dem Namen „Blue Mill“ und servierte gegrillte Sandwiches. 1945 wurde die Mühle verkauft, bekam eine Bar und eine Tanzhalle und wurde zudem Scheunen-Rot angemalt. Berühmt wurde sie dann durch die gebratenen Schnitzel. 1996 wurde sie geschlossen und seit 2007 restauriert.

Der weltgrößte Planwagen mit seinem Fahrer Abraham Lincoln ist im Guinness-Buch der Rekorde eingetragen und von Reader´s Digest zur Nr. 1 der zahlreichen Roadside Attractions entlang der Route 66 gewählt. Der Planwagen wurde 2001 gebaut. Nach zweimaligem Umsetzen bekam er im Dezember 2009 seinen heutigen Standort. Er ist 12,2 m lang und 7,6 m hoch, wirklich gigantisch.

Alle wirklichen Fans der Route 66 lesen diesen Absatz bitte nicht. Südlich von Lincoln findet man die „Lincoln Ghost Bridge“, die einmal den Salt Creek überspannte. Schon der Weg dorthin, zwischen den Holy Cross und Old Union Friedhöfen hindurch, ist deprimierend. Während die Cobblestone Avenue noch das originale Klinkerpflaster zeigt, ist die alte Route 66 am Ende der Straße mit Beton überzogen und führt mitten in einen Urwald. Kein Mensch kümmert sich mehr um die alte Straße, der Wald nimmt sie langsam in Beschlag. Irgendwann erreicht man die Überreste der alten Brücke. Die Fahrbahn ist komplett verschwunden, wahrscheinlich abmontiert. Stattdessen wachsen Bäume zwischen den Pfeilern. Dem Salt Creek ist das wohl egal. Wir kamen uns wirklich wie in einem Urwald vor. Am Boden liegende Brotfrüchte und Johannisbrote zeigen an, dass wir uns jetzt doch schon einige Kilometer weit Richtung Süden bewegt haben.

Chicago – Illinois

An einem der Abende haben wir das Ziegenherz zubereitet, welches wir am St. Lorenz Strom gekauft hatten. An Hand eines Internetrezeptes haben wir daraus eine Suppe gekocht, in der neben dem Herz auch gelbe Bohnen, roter Paprika und Okraschoten waren. Das hat echt gut geschmeckt. Irgendwo müssen wir noch eine Ziegenfarm finden.
Während wir die letzten 3 Tage eingeregnet und mit kaltem Wind und einer Nacht mit Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt beglückt wurden, haben wir nun mit den sehr schönen „Leisure Lake Membership Resort“ Campingplatz südwestlich von Chicago eine anscheinend andere Welt erreicht. Hier zeigt sich der Himmel tagsüber fast ungestört blau und es sind über 20°C. Gestern haben wir uns noch den Allerwertesten abgefroren, heute reichen wieder kurze Klamotten. Der Herbst ist auch noch nicht so weit fortgeschritten.

Danke Chicago! Du hast uns gegeben, was wir bisher nicht erleben durften. Wir durften durch Deine Hochhausschluchten gehen und von einer Aussichtsplattform, die zudem noch einen Glasboden hat, über die Stadt schauen. Ich war schon lange von Chicago begeistert, wenn ich die Stadt im Fernsehen gesehen habe. Was Chicago ausmacht, sind die Kanäle und Brücken zwischen den Hochhäusern, die wirklich hoch sind, unvorstellbar hoch. Im Stadtzentrum gibt für eine Großstadt sehr wenige Autos, dafür fahren S-Bahnen und Taxen. Diese Tatsache hat uns den Stadtbummel sehr angenehm gemacht.

 

 

 

 

Das Aufregendste war das Skydeck im 103. Stock des Willis Towers, von wo aus man einen 360°-Blick auf Chicago und seine Umgebung hat. An der Nordseite des Towers sind 4 gläserne Erker, inklusive gläsernem Fußboden angebracht. Dort drinnen steht man 412 m über der Straße. Das ist so hoch, dass man kaum die Menschen erkennt, die Züge so klein wie Ameisenkolonnen sind. Selbst die Hochhäuser, die von unten riesig erscheinen, sind gegen den Willis Tower klein. Unglaublich. Nicht jeder hat den Mut, sich auf diese gläsernen Konstruktionen einzulassen. Der Aufzug, der die Besucher nach oben bringt, braucht kaum eine Minute. Die Fahrt ist kaum zu merken, nur dass man durch den Höhenunterschied mehrmals einen Druckausgleich durchführen muss. Man sollte den Aufzug von außen sehen können. Ich glaube, dann würden viele Leute nicht mitfahren.

 

 

 

 

 Chicago liegt direkt am Lake Michigan. Vor dem Stadtzentrum sind mehrere Parks angelegt. Im Millennium Park steht eine sogenannte „Wolke“ aus poliertem Edelstahl. Wie hat man die wohl hingekriegt? Die Rundungen sind perfekt und die Spiegelungen so zahlreich, dass man sich eine ganze Weile mit dem Kunstwerk beschäftigen kann.

Die Buckingham Fountain direkt am Monroe Harbour ist eine der größten Brunnen der Welt. Direkt nördlich davon beginnt die Route 66.

Coloma-Watervliet-Region – Michigan

Blaubeerplantagen und Gemüse prägen die Gegend, die aber auch Weinanbaugebiet ist. In Coloma gibt es eine „Gourmetmeile“. Auf der Friday Road südlich der Stadt reihen sich Farmersmärkte, Schokoladerien und ein Weingut aneinander. Hier wird jeder fündig. Während die Schokolade nicht zu bezahlen ist, zwei Trüffel für 5,95$, ist der Wein des Weingutes „Contessa“ sehr preiswert. Da wir Liebhaber von süßem Wein sind, hatten wir nur die Wahl zwischen jeweils einem weißen und einem roten Wein sowie Fruchtweine. Uns haben die beiden süßen Weine sehr gut geschmeckt, sie sind sehr fruchtig, so dass wir jeweils eine Flasche gekauft haben. Die roten Trauben an den Weinstöcken, die auf die Lese warten, sind nicht sehr groß und schmecken sehr süß.

Der Paw Paw See nördlich der beiden Städte Coloma und Watervliet hat nur einen öffentlichen Strandzugang. Das ganze restliche Ufer ist wie überall in Privathand. Einen Abstecher zum Lake Michigan mussten wir auch noch einmal machen. Er ist einfach zu beeindruckend.

Langsam bekommen wir einen Eindruck vom Indian Summer. Verantwortlich für diese sprichwörtliche Farbenpracht sind bestimmte Ahornbäume, deren Laub sich blutrot färbt. Leider ist in diesen Tagen die Sonne Mangelware, so dass die Farben nicht recht zum Vorschein kommen.

Michigan

Back in the USA. Der Herbst ist noch weiter fortgeschritten. Der nette Zollbeamte hatte uns beim Grenzübergang erklärt, dass unser derzeitiger Aufenthalt in den USA am 17. Januar endet. Dann ist das halbe Jahr (plus die 2 Monate Kanada) vorbei. Dazu erklärte er uns, und das war für uns neu, dass das halbe Jahr Aufenthalt am Stück pro Jahr gilt. Wir sind davon ausgegangen, dass das angesprochene halbe Jahr jedesmal wieder gilt, wenn man aus einem anderen Land erneut einreist. Diese Zeitspanne konnte uns allerdings niemand sagen. Also, noch mal im Klartext: Der Aufenthalt in den USA ist auf ein halbes Jahr im Kalenderjahr begrenzt. Das schmeißt allerdings unsere Pläne ein wenig über den Haufen. Mal sehen, wie wir das auf die Reihe bekommen. Wir wollten sowieso im späten Winter nach Deutschland fliegen, jetzt müssen wir das eben ein bisschen früher tun.
Wir sind in Michigan. Der Lake Michigan ist der sechst größte See der Welt und um die 300 Meter tief. 100 Fischarten sollen in ihm leben. Hier treffen im Winter die warmen Winde über dem See und die kalten Winde über dem Land aufeinander und verursachen häufige Schneestürme. Wahrscheinlich ist diese Wetterlage auch für die Entstehung der Tornados verantwortlich, die sich in der sogenannten Tornado-Allee bilden. Diese Allee nimmt hier wohl ihren Anfang und reicht dann in einem breiten Streifen bis in den Süden der USA. Holland liegt am Lake Michigan. Es ist eine niederländische Gründung am Schwarzen See (laut Karte ist das der Lake Macatawa). Den Zugang zum Lake Michigan bildet ein Kanal, der 1859 gegraben wurde. Wunderschöne, feinsandige Strände und Dünen lassen das Gefühl aufkommen, dass man am Rande eines Meeres steht. Zu unserer Zeit wehte dazu noch eine kräftige Brise. Da ist es schwer zu glauben, dass man sich „nur“ an einem See aufhält. Die Stadt Holland ist hübsch gestaltet mit vielen bunten Blumenbeeten und Bänken zum Ausruhen. Wie im europäischen Holland kamen wir uns allerdings nicht vor, trotz der ein oder anderen Windmühle, die wir sahen. Die Pine Street ist mit Kunstwerken verschiedener Stile verschönert, die aus Schrott kreiert sind. Da sind wirklich schöne Stücke dabei. Unser Augenmerk lag wieder einmal auf einer Brauerei. Diesmal war es die „New Holland Brewing“ auf der 8th Street. Führungen finden zwar nur samstags statt, aber wir durften trotzdem einige Sorten probieren. Es ist sehr würziges Bier mit sehr ungewöhnlichen Geschmacksrichtungen, Farben oder Namen. Wir haben uns für die „Drachenmilch“ mit Bourbon und das „Ichabod“ mit Kürbisanteil entschieden. Der Alkoholanteil liegt dabei zwischen 5 und 10%. Das war wirklich seit langer Zeit mal wieder ein richtiges Geschmackserlebnis.

Fazit für Ostkanada

Es ist merkwürdig zu wissen, dass wir uns in Kanada vom Breitengrad her etwa in Höhe von Südfrankreich befinden. Die Natur ist eindeutig mitteleuropäisch bis nordisch, nur die Sonne erinnert uns fast unablässig daran, dass wir eigentlich viel tiefer liegen. Die Kanadier stöhnen schon über den warmen September. Der Sommer an sich war viel zu warm und zu trocken. Uns hat das gefreut. Um die Wildnis Kanadas richtig zu erleben, sollte man einen Urlaub in einem der zahlreichen Nationalparks buchen. Da ist man mittendrin in der Natur, die man dann zu Fuß oder per Kajak/Kanu entdecken kann. Dabei hat man sehr große Chancen, Elch, Bär und Co. zu beobachten. Außerdem ist so ein „Abenteuerpaket“ als Pauschale wahrscheinlich wesentlich günstiger, als wenn man sich alles selbst zusammenorganisiert. Da man in Kanada frei campen kann, haben wir viele schöne Plätze gefunden, auf denen wir übernachten konnten. Das war manchmal nicht ganz einfach, denn diese Plätze sind nicht gerade gesät, aber meistens wurde unsere Suche belohnt. Dadurch haben wir viele Dinge gesehen, die uns sonst entgangen wären. Kanada ist ein sehr teures Land. Der Verdienst liegt wohl fast doppelt so hoch wie in Deutschland, dementsprechend hoch sind hier die Lebenshaltungskosten, was es uns auch nicht eben leicht gemacht hat. Trotzdem haben wir das Land mit seiner großartigen Natur genossen, vor allem Nova Scotia. Und das Geld liegt doch auf der Straße, denn wir haben in den 2 Monaten, die wir in Kanada waren, 6,43 CAD + einen 100,- CAD-Schein gefunden. Im Moment werden die alten Geldscheine gegen neue, sehr außergewöhnliche Scheine ausgetauscht. Dadurch fiel der Verlust wahrscheinlich nicht auf.

Niagara Fälle – Ontario

Einfach nur grandios! Bloß gut, dass wir die Niagara-Fälle von Kanada aus angefahren haben. Von dieser Seite hat man einen unvergleichlich schöneren Blick auf das Naturschauspiel. Die Einfahrt in die Stadt Niagara Falls ließ uns gleich an Las Vegas denken – Hochhäuser, bunte Lichter, Musik aus jeder Ecke und Menschen überall. Schilder geleiteten uns auf einen Parkplatz am anderen Ende des Ortes, kurz vor dem Hufeisen-Fall gelegen. Die hochaufsteigende Gischt ist weithin zu sehen, deren Feuchtigkeit weithin zu spüren und die Geräuschkulisse weithin zu hören. Jeder Schritt weiter an die Fälle heran und an den Fällen entlang ist aufregend. Es gibt zwar weit über 500 Wasserfälle auf der Welt, die höher sind als die Niagara-Fälle, aber nirgends fließt soviel Wasser dort durch. Unterhalb der Fälle fahren drei Boote der „Maid of the Mist“ bis dicht an die tosenden Wassermassen heran. Wir haben uns für die „Journey Behind the Falls“ entschieden und haben für uns damit die bessere Wahl getroffen. Ein Fahrstuhl bringt die Besucher nach unten, an den Fuß des Wasservorhanges der Hufeisen-Fälle. Zwei Tunnel bieten Gelegenheit, direkt mit den Wassermassen in Kontakt zu kommen. In einem der beiden Tunnel erlebt man das Grollen und Tosen des herabstürzenden Wassers. Durch 2 Öffnungen gelangt man direkt hinter den Wasservorhang. Gelbe Capes schützen die Besucher vor der Nässe. Der andere Tunnel führt neben den Wasservorhang auf eine Terrasse, von der aus man direkt den Rand des Wasservorhanges sehen kann. Nass wird man hier in jedem Fall. Dieses Erlebnis ist besser als nur die Bootsfahrt ganz unten. Die hohen Felswände beeindrucken ebenfalls. Es ist ein unvergessliches Erlebnis. Langsam spazierten wir an den Fällen entlang Richtung Norden, vorbei an den amerikanischen Fällen, die gerade verlaufen und die „Regenbogen-Fälle“ genannt werden. Am Nachmittag, so um 15 Uhr herum steht die Sonne so, dass ständig ein Regenbogen vor dem Wasserfall steht. In der „Adventure City“ geht es zu wie in Las Vegas, grell und bunt. Hier wird den Touristen das Geld aus der Tasche gezogen. Das „Skywheel“ (ein Riesenrad) und der Skylon Tower bieten Gelegenheit, sich die Szenerie von oben anzusehen. Die Möglichkeiten, die Niagara-Fälle und die Stadt Niagara Falls zu erleben, sind endlos. Wir haben uns dann auf die Rückfahrt auf dem Niagara Parkway gemacht, auf dem man den „Whirlpool“ erreicht. Das ist ein Wasserbecken, dass sich gebildet hat, in dem das Wasser „optisch“ eine Runde dreht, bevor es in den Ontariosee abfließt. Diesen Whirlpool kann man von unten mit dem Jet Boat oder von oben mit dem Aero-Car auf abenteuerliche Weise erleben. Nach einem Nadelöhr öffnet sich das Tal wieder und der Ontariosee kommt in Sicht. Eigentlich wollten wir uns noch den historischen Ort Niagara-on-the-Lake ansehen, aber Menschen und Autos ohne Ende ließen uns dieses Vorhaben schnell vergessen.
Die Niagara-Gegend ist Weinanbaugebiet. Von hier kommen 80% des kanadischen Weins. Auffallend sind neben dem Wein die vielen Pfirsich-Bäume. Leider ist die Pfirsichzeit schon zu Ende. Das war ein wirklich aufregender Tag.

Ontariosee – Ontario

Da muss man erst mitten im Mohawk-Territorium übernachten, um nach einem heftigen Regenguss einen Wahnsinns-Regenbogen und einen theatralischen Sonnenuntergang mit sich langsam lichtendem Himmel zu erleben. Das war besser als Fernsehen. Leider geben die Fotos das Szenario nicht im Entferntesten die Wirklichkeit wider.

In Toronto herrscht dagegen das blanke Chaos. Wir hatten uns einen Walmart ausgesucht, auf dem wir unseren Trailer abstellen wollten, um mit dem Truck zum CN-Tower, dem höchsten freistehenden Gebäude der Welt, zu fahren. 1 ½ Stunden haben wir zum Walmart gebraucht, um festzustellen, dass der Parkplatz viel zu klein ist. 1 ½ Stunden haben wir dann noch einmal aus den vollkommen verstopften Straßen Torontos heraus gebraucht. Das gesamte Stadtgebiet, Highways und Nebenstraßen, ist mit Autos vollgestopft. Dazu war unsere Abfahrt gesperrt, so dass wir uns auch noch durch eine Umleitung fitzen mussten. Ein paar Mal haben wir uns den Weg freimachen müssen, um überhaupt um die Ecken zu kommen. Nach drei Stunden haben wir unser Gefährt entnervt auf irgendeinem, fast schon außerhalb gelegenen Supermarktparkplatz abgestellt, der noch halbwegs Platz für uns hatte. Sämtliche Supermarkt- und Mallparkplätze sind für diese Stadt viel zu klein bemessen und bis auf den letzten Platz von Autos besetzt. So etwas haben wir in Amerika noch nicht gesehen, wo sonst immer ausreichend freier Raum vorhanden ist. Den CN-Tower haben wir nur 2 Mal aus der Entfernung gesehen. Keine Chance. Man hatte uns zwar gewarnt, aber dass uns solche Verhältnisse erwarten, haben wir uns in den schlimmsten Vorstellungen nicht ausmalen können.

In Hamilton saßen wir schon wieder ein paar Tage fest, weil eine Bremse den Geist aufgegeben hat. Das hatte den Vorteil, dass wir den Trailer vor der Werkstatt stehen lassen konnten, es war wieder einmal Sonntag. Mit dem Truck sind wir dann nach Niagara Falls (siehe separaten Artikel) gefahren. In Hamilton fanden wir einen herrlich feinsandigen Strand am Ontariosee. Allerdings liegt der direkt unter einer parallel laufenden Hochspannungsleitung. Dahinter liegt der ewig stark befahrene Highway, der eine gigantische Geräuschkulisse verursacht. Zum Baden war das Wasser leider zu kalt. Die große Hubbrücke über den Hamilton Kanal aus dem 19. Jahrhundert ist noch voll funktionsfähig. In nur um die 5 Minuten wird die Brücke heraufgezogen und wieder hinuntergelassen (für 1 Segelboot). Der danebenstehende Leuchtturm ist die 2. Ausführung und wurde 1930 außer Dienst gestellt, weil das Radar bessere Dienste leistete.

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Kingston – Ontario

Der kalte Tag, den wir erlebten, hatte nur Seltenheitswert. Jetzt sind wieder für ein paar Tage 25-28°C und die Sonne scheint.
 Kingstons zweiter Name ist: Kalkstein-Stadt. Während uns bisher in der 1000 Islands Region vorzugsweise der rote Granit begegnete, ist die Gegend um Kingston Kalkstein-Gebiet. Das ist auch in der Stadt zu sehen, denn viele der großen Bauten sind aus dem leuchtend weißen Stein errichtet. Zusammen mit den roten Klinker-Gebäuden ist eine seltene architektonische Einheit entstanden. 1669 von dem französischen Entdecker Cavalier gegründet, wurde Kingston zuerst Cataraqui genannt. Der Fluss, der den Abschluss des Rideau-Kanal-Systems bildet, heißt noch heute so. 1838 bekam Kingston Stadtrecht und wurde 4 Jahre später die erste Hauptstadt des Vereinten Kanada. Dies blieb sie allerdings nur für zirka 3 Jahre. Die Stadt hat sich über die Jahrhunderte entwickelt und bekommt heute immer wieder den Titel: außergewöhnliche Stadt. Ein Spaziergang durch die Straßen, die durch die vielen Bäume sehr grün wirken, ist wirklich abwechslungsreich. Es gibt jede Menge zu sehen.

Das  kleine Hafengebiet vor dem gewaltigen Rathaus ist hübsch gestaltet. Von hier fahren Boote zu den Inseln und eine Fähre zu Wolfe Island, die jedoch von 86 Windrädern ziemlich verunstaltet wirkt. So kleine und hübsche Inseln, wie wir sie vor Gananoque gesehen haben, gibt es dort nicht. Bei Kingston mündet der St. Lorenz Strom in den riesigen Ontario-See.
Das Fort Henry, vollständig aus Kalkstein gebaut, war gerade geschlossen. Eine Dame erklärte uns, dass im Moment Vorbereitungen für die 6wöchigen Halloween-Feierlichkeiten laufen, die am 21.September beginnen. Was ist das wohl für ein Event? Ein Rundgang um das Fort herum eröffnete uns tolle Ausblicke auf den Cataraqui-River und das helle Kingston.
An der Kingston Mills Road, im Norden der Stadt, findet man die letzten Schleusen des Rideau-Systems, zusammen mit den Schleusenwärter-Häuschen und dem Blockhaus, welches zum Schutz der Anlage vor feindlichen Angriffen gebaut wurde. Das 2-stöckige Blockhaus bot 20 Soldaten Platz, kam aber nie zum Einsatz. Eine Tafel erzählte uns, dass die meisten Leute, zumeist Franko-Kanadier und Einwanderer, zu dieser Arbeit gedrängt wurden. Sie mussten 1827 – 1828 14 bis 16 Stunden am Tag, 6 Tage die Woche, schuften und 4 Schleusenkammern in den Fels hauen. Viele starben dabei an Malaria, die damals ein großes Thema war. Bis 1914 standen am oberen Ende der Schleusen eine Säge- und eine Getreidemühle. Dann wurden sie abgerissen und durch ein Wasserkraftwerk ersetzt, welches inzwischen aber auch nicht mehr in Betrieb ist.

1000 Islands – Ontario

Durch das Warten auf einen Termin bei dem RV Center in Gananoque, wir hatten einen Reifenschaden verbunden mit einem heftigen Schaden am Trailer, war Gelegenheit, uns die 1000 Islands Region ausreichend anzusehen (1 Woche). Solche Sachen passieren ja grundsätzlich vor dem Wochenende. Bis auf unsere Selbstbeteiligung bekommen wir den Schaden von der Versicherung ersetzt.
Der „1000 Islands Parkway“ entlang des St. Lorenz-Stroms führt von Gananoque weiter nördlich bis nach Butternut Bay. Er bietet wunderschöne Aussichten auf diese Inselwelt mitten im Strom. Die 1000 Islands, eigentlich sind es über 1800 Inseln, sind die Reste urzeitlicher Berge, die die letzte Eiszeit vor 10.000 Jahren abgeschliffen hat. Es ist eine grandiose Landschaft aus rotem Granit, der an vielen Stellen blank zu Tage liegt. Die meisten der Inseln sind bewohnt. Von mehreren Orten aus starten Boote zu Rundfahrten durch die Inselwelt. In etwa der Mitte des Parkways überspannt ein Brückensystem aus 3 Brücken über mehrere Inseln den St. Lorenz Strom und verbindet Kanada mit den USA. Vom Sky Tower aus soll man einen herrlichen Blick über das Gebiet haben. Dorthin gelangt man allerdings nur über eine mautpflichtige Brücke, der Fahrstuhl kostet dann auch noch einmal extra. Uns hat es am Besten auf der Restaurant-Terrasse in Ivy Lea gefallen. Die Küche ist preiswert und hervorragend und man hat einen gemütlichen Blick auf die Brücke, den Sky Tower und ein paar Inseln. Die Orte am Parkway sind alle sehr klein und das Wasser ist überraschend klar und sauber für einen Fluss.

Rockport ist der wohl touristischste und größte Ort, durch den man aber auch in zehn Minuten durchgelaufen ist.

Gananoque wird als das Juwel der 1000 Islands Region bezeichnet und hat tatsächlich einige Geschichte aufzuweisen. Im Unabhängigkeitskampf der kanadischen Provinzen von den USA hat Gananoque vor genau 200 Jahren eine große Rolle gespielt. Viele der alten Häuser aus dem 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts sind noch zu bewundern. Die alten Fabrikhallen, es gab lange Zeit eine Schaufel-Fabrik, stehen dagegen leer und verfallen inzwischen. Der Park mit dem großen Springbrunnen ist eine Freiluft-Galerie und lädt zum Verweilen ein. Der kleine Strand, das alte Viertel, in dem sich die Bootsanleger befinden, und die kleine Marina sind ebenso attraktiv. In den vielen kleinen und individuellen Geschäften macht das Einkaufen Spaß. Auf Wander- und Fahrradtrails kann man diese Gegend ebenso entdecken. Inzwischen blies der erste Herbststurm und es hat sich abgekühlt. Es wird wirklich Zeit, nach Süden zu fahren.

Eine kleine Rundfahrt brachte uns auf Howe Island etwas südlich von Gananoque. Das ist eine landwirtschaftlich genutzte, relativ große Insel, auf die man nur per Fähre hinauf- und herunter kommt. Eigentlich wollten wir uns ein schönes Fleckchen zum Relaxen suchen, aber wie fast überall versperren Privatgrundstücke den Zugang zum Wasser. Für die Fähre auf die Insel am Nordende bezahlten wir 5,- CAD. Zu unserer Überraschung kommt man kostenlos am Südende wieder von der Insel herunter. Immer wieder begegnen uns inzwischen die schwarzen Truthahngeier mit dem roten Kopf. Das sind imposante Vögel und die meistvertretene Geierart in Nordamerika.

Rideau Canal – Ontario

Oh je, jetzt sind wir entgegen unseren Erwartungen noch tiefer in den Herbst gekommen. Eigentlich dachten wir, je weiter nach Süden, umso später der Herbst. Dazu hat es uns einen Nachmittag bis in den Abend hinein eingeregnet. Seit dem Laborday haben jetzt schon einige Campingplätze geschlossen. Weitere Plätze folgen bis Mitte Oktober. Nur noch wenige Plätze haben dann noch bis Ende Oktober oder gar das ganze Jahr auf. Mal sehen, wie das mit dem Übernachten dann wird.
Achtung jetzt an alle Schleusen-Fans: Das Mekka für Euch ist der Rideau Canal, der sich mit endlos vielen Seen und Flüssen und vor allem Schleusen von Ottawa City bis nach Kingston zieht. Die Landschaft in diesem Gebiet ist hügelig und manchmal von Felsen durchzogen. Ein wenig erinnert sie uns an den Spreewald, nur das das hier alles flächenmäßig viel größer ist. Bis ein Lt. Col. John By kam und den Kanal baute, existierten an allen Stellen, wo sich heute die Schleusen befinden, Stromschnellen und Wasserfälle. 1832 wurde der Kanal eröffnet und die Wasserstraße von Ottawa nach Kingston damit schiffbar.  Von Kingston bis zum höchsten Punkt des Rideau Canals, Newboro,  gibt es 14 Schleusenkammern, die 50 m Höhenunterschied überwinden. Von dort aus nach Ottawa gibt es noch einmal 31 Schleusenkammern, die 83 m Höhenunterschied ausgleichen. Diese vielen Schleusenkammern sind auf 23 Standorte verteilt. Na, sind das genug Schleusen in einer Landschaft? Zumeist sind es Schleusen mit mehreren Kammern. In Betrieb sind die Schleusen von Mai bis Mitte Oktober und jede Schleuse hat ihren eigenen Reiz.
Wir haben uns die Mehrfach-Schleuse in Merrickville angesehen, über die zudem noch eine Drehbrücke führt, die bei entsprechend hohen Booten geöffnet wird. Ein historischer Platz mit mehreren Mühlenruinen, einer Wasserturbine, einer Schmiede und einem Stauwerk sind ebenfalls in Merrickville zu besichtigen.

 

 

 

Vom Sand Lake Campground & Cottages aus besichtigten wir drei weitere Schleusen: Chaffeys Lock, Davis Lock und Jones Falls. Davis Lock zählt für die Schleusenwärter zu den einsamsten Standorten. Wir fanden ihn dafür landschaftlich am Schönsten.

An einem der Abende kreisten plötzlich 11 Truthahngeier in unmittelbarer Nähe über dem Wald. Die merkwürdigen Rufe der Loons, hübsche Taucher (Wasservögel), begleiten uns schon sehr lange auf unserer Reise. Immer wieder treffen wir auf Kanadagänse. Eine Schlange war jetzt auch einmal wieder dabei.

 

 
Touristisch erschlossen ist diese Wasserwelt eigentlich nur für die Bootsfahrer. Für Autofahrer ist es schwer, den richtigen Weg zu finden, da jeder Ort eine andere Vorstellung von Beschilderung hat, die zudem noch meist sehr klein gehalten ist.
Die Ziegenfleischwürste haben wir gegrillt, die waren superlecker.

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