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Reisen rund um die Welt

Archiv für die Kategorie “Italien 1”

Gargano

Die Halbinsel Gargano ragt weit in die Adria hinein und bildet den Stiefelsporn der italienischen Landmasse. Um die Halbinsel, die zur Region Apulien gehört, zu erkunden braucht man allerdings sehr viel Zeit und ein nicht zu großes Gefährt. Die Straßen haben so gut wie keine geraden Abschnitte. Eine Kurve nach der anderen, meist sehr eng, zerren an den Nerven der Autofahrer. Ein Kilometer Luftlinie sind leicht vier Kilometer, die man unter die Räder nehmen muss. Das hatten wir in der Form bisher nur einmal, und zwar im Westen des Peloponnes (Griechenland). Auf der anderen Seite ist jeder Kilometer wunderschön, denn die Landschaft ist sehr abwechslungsreich und fast immer bergig.

Nach zwei Zwischenübernachtungen am Strand von Petacciato Marina erreichten wir Manfredonia im Süden der Gargano-Halbinsel. Wie ich schon in den vorangegangenen Berichten schrieb, ist jetzt im Herbst an den Stränden nichts mehr los. Petacciato Marina gehört zum gleichnamigen Ort, der oberhalb auf einem Berg thront. Die Stadt ist nichts besonderes, aber es bieten sich schöne Ausblicke über die Küste und das Meer.

Kirche von Petacciato

Am Strand kann man einem Naturpfad durch den Schilfwald und den Dünenbereich folgen. Eine reiche Artenvielfalt der Flora macht diesen Weg interessant. Im Sommer kommt eine reiche Fauna hinzu. Sogar Landschildkröten sollen in den Dünen leben. Spaziergänge am Strand sind immer toll.

Weg durch meterhohes Schilf

Eigentlich wollten wir noch eine Zwischenstation am Lesina-See und dem Varano-See einlegen, die für ihre vielen Vogelarten bekannt sind. Die bisherige Fahrt durch Italien hat uns jedoch gelehrt, dass Vogelbeobachtungen jetzt kein Thema sind. Deshalb fuhren wir an den Seen im Norden der Halbinsel Gargano vorbei nach Manfredonia. Drei Nächte verbrachten wir auf dem Campingplatz Lido Salpi südlich der Stadt. Von hier starteten wir eine Rundfahrt über Gargano.

Sonnenuntergang am Lido Salpi

Für die erste Station Monte Sant Angelo mussten wir knapp 800 Meter Höhenunterschied in vielen Serpentinen überwinden. Am Heck das immer tiefer gelegene Meer und vor der Front die Häuser am Rande des Berghanges, am Straßenrand sind mehrere Höhlen auszumachen. Der weiche Kalkstein, aus dem die Berge des Gargano bestehen, bietet sich für Höhlenwohnungen an. Als Wohnungen werden die Höhlen wohl inzwischen nicht mehr benutzt, aber für die Hirten oder als Lagerräume haben sie immer noch Bedeutung.

Straße nach Monte Sant Angelo

In Monte Sant Angelo angekommen, muss man einige Geduld und Ruhe aufbringen, denn der Verkehr in den engen bis sehr engen Gassen stockt oftmals. Die vielen Einbahnstraßen lassen das Gewirr der Gassen zu einem Labyrinth werden, aus dem man ohne Navi kaum wieder heraus kommt.
Der interessante Teil der 1000 Jahre alten Stadt befindet sich ganz oben auf der Spitze, wo die Kirche San Michele und das Kastell zu finden sind. San Michele ist eine Grottenkirche, das heißt, die eigentliche Kirche befindet sich unter der Erde. Nur die Eingangshalle und der Glockenturm liegen überirdisch. Neben dem Kastell steht eine alte Häuserreihe, die typisch apulisch aussieht.

Grottenkirche San Michele

Beim Stadtbummel fällt vor allem auf, dass Monte Sant Angelo eine weiße Stadt ist. Um die teils großen Höhenunterschiede zu überwinden, sind in vielen Gassen Treppen eingebaut. Die Häuserfassaden sind sehr schlicht, mit nur wenigen Schmuckelementen. Diese Architektur zieht sich durch ganz Italien.

weiße Stadt Monte San Angelo

Nach dem Besuch von Monte Sant Angelo wollten wir eigentlich die Halbinsel Gargano nach Norden überqueren, um uns den Fischerort Peschici anzusehen. Angesichts der dahinfliegenden Zeit und der kurvenreichen Straßen kürzten wir die Rundtour ab und fuhren durch den Forest Umbra direkt nach Vieste. Zuerst fuhren wir durch die Bergwelt mit vielen Steineichen. Je weiter wir uns der Küste näherten, umso höher wurden die Bäume und der dichte Eichenwald wurde von einem lichten Laubwald abgelöst. Irgendwann häuften sich die Picknickplätze.

Forest Umbra

Nach einer schier endlosen Fahrt, 60 Kilometer nur Kurven, landeten wir in Vieste. Der Hafen der Stadt ist groß, hübsch angelegt und sicher in der Form noch nicht alt. Von dort werden im Sommer Bootsfahrten zu den Tremiti-Inseln angeboten.
Was jedoch die Sehenswürdigkeit in Vieste ist, findet man am südlichen Strand. Wir sahen es und fühlten uns sofort nach Etretat in der Normandie versetzt. Gleißend weiße Steilwände aus Kreide, zumindest wenn die Sonne scheint, mit Häusern direkt bis an deren Kante, ragen mehr als zwanzig Meter senkrecht in den Himmel. Zwischen der Steilwand und dem Strand steht ein Monolith, der sich wie eine Nadel zwanzig Meter über dem Strand erhebt. Das hatten wir hier nicht erwartet. Das ist schon beeindruckend.

Kreide-Monolith von Vieste

Schon fing es an dunkel zu werden, aber die Straße zurück nach Manfredonia wurde nicht besser. Noch einmal 60 Kilometer Kurvenstrecke verlangten den Rest unserer Kondition ab. Nur ein kurzes Stück wurde durch eine Fernstraße ersetzt, ein weiteres Stück ist in Arbeit. Fast alles der neuen Straße besteht aus Tunneln.

Einen Geheimtipp haben wir noch zwischen dem Lido Salpi und Manfredonia gefunden. An der kleinen Straße durch Siponto befindet sich eine Wasserbüffelfarm. Der Geruch, der einem dort in die Nase steigt, ist nicht eben angenehm, dafür ist der Käse aus Büffelmilch umso besser. Das alles bietet die Azienda Agricola Zootecnica – Caseificio die Pini. Man darf sogar vor dem Kauf probieren, denn die Auswahl ist groß. Vom Frischkäse über den Mozarella bis hin zum Hartkäse, da fällt die Entscheidung nicht leicht. Dies war die erste Büffelfarm, die uns auf unseren Reisen bisher begegnete. Die Preise sind zudem bezahlbar.

Wasserbüffelfarm bei Siponto

 

San Marino

Vor ungefähr 20 Jahren besuchten wir auf einer Durchreise den Stadtstaat Republik San Marino schon einmal. Ich hatte noch einige Bilder von diesem Besuch im Kopf. Beim heutigen Besuch konnte ich jedoch nichts mehr von dem finden, an das ich mich erinnerte. Von daher war ich froh, dass wir noch einmal nach San Marino fuhren.
San Marino gründet sich auf eine kleine christliche Gemeinde im 3. Jahrhundert n.Chr. auf dem Berg Titano am Rand des Appenninengebirges. Frieden und Demokratie bestimmen seither das Leben der Einwohner, bis in unsere heutige Zeit hinein. Die älteste Republik, so klein sie auch ist, nimmt eine wichtige Rolle im Europarat ein. Was Korruption und Vetternwirtschaft ausschließt ist die Tatsache, dass seit 1243 zwei Kapitäne (amtierende Staatsoberhäuptern) die kleine Republik regieren. Das jedoch nicht über Jahre, sondern ganze sechs Monate lang. Jedes Jahr am 1. April und am 1. Oktober erfolgt die prunkvolle Amtseinführung der neuen Kapitäne, nach immer noch dem alten gleichen Protokoll.

Super-Aussichten aus 739m Höhe

Von Riccione aus, südlich von Rimini, wählten wir zuerst die kleine Straße durch die ursprüngliche Landschaft der Küstenregion nach San Marino. Bis kurz vor dem Ziel ist die Landschaft noch flach, steigt dann leicht an. Bald kommt ein Bergrücken in Sicht, auf dem drei Türme auffallen, zwei davon mit zugehörigen Gebäuden. Sie stehen direkt am Rande einer Steilwand. Darunter breitet sich eine Ortschaft aus. Ein schönes Bild. Wie sich herausstellte, gehören die Türme zur Stadt San Marino. Von nun an geht es steil bergauf, in Serpentinen, also mit dem Wohnmobil wenig zu empfehlen.

Turm 1, der höchstgelegene

Auf dem Parkplatz 2 stellten wir den Smart ab, für 1,-€ pro Stunde. Von dort aus sind es nur ein paar Schritte bis zum Stadttor von San Marino. Hat man dieses passiert, wandelt man durch das Mittelalter. Wege und Gassen, bergauf, bergab, Treppen dazwischen, Häuser aus Kalkstein gebaut, Aussichten vom Feinsten auf das bergige Umland und zur Adria. Ganz oben thront eine kleine Festung. Souvenirläden, Cafés, Restaurants und Läden aller Art laden mit Preisen, die auf Grund des Steuervorteils in San Marino Spaß machen, zum Kaufen ein. Es kommt sicher vor, dass man dabei zu dem ein oder anderen San Marino-Euro kommt. Hier findet jeder etwas zum mit nach Hause nehmen. Es macht Spaß, durch die alten Gemäuer und lauschigen Ecken zu spazieren. Wer möchte kann auch eines der Museen besuchen, wie z.B. das Museum der Kuriositäten oder das Foltermuseum.

unteres Tor von San Marino

Die Rückfahrt nach Rimini ist weniger aufregend als die Fahrt durch das „Hinterland“, aber weniger steil. Wer mit dem Wohnmobil unterwegs ist, sollte diese Straße nach San Marino nehmen.

Den mondänen Badeort Rimini hatten wir damals ebenfalls besucht. Es war ein Schock, denn hohe, schrillbunte Holzzäune versperrten den Blick auf den Strand und das Meer. Der Zutritt kostete Geld. Die Liegen und Sonnenschirme standen so dicht beieinander, dass man die Liegen kaum nach der Sonne ausrichten konnte. Um etwas vom Wasser zu sehen, musste man sich durch die Liegen und Sonnenschirme kämpfen. Das war absolut furchtbar.

Rimini im Herbst

Inzwischen sind die Zäune der 150 Strandabschnitte abgebaut. Von Liegen und Sonnenschirmen keine Spur mehr, zumindest jetzt im Herbst. Man hat wieder Luft zum atmen. Der kilometerlange, sehr breite Strand ist verwaist. Anders als vor zwanzig Jahren, als man die Strandstraße noch nach beiden Seiten befahren konnte, ist sie heute nur noch Richtung Norden benutzbar. Will man Richtung Süden, muss man die Parallelstraße hinter der ersten Häuserreihe nehmen, welche die Einkaufsstraße ist.

Nett bummeln lässt es sich auch in Riccione, wo wir übernachtet haben.

Cesenatico

Zwischen Ravenna und Rimini liegt das schicke Hafenstädtchen Cesenatico. Es ist ein ganz besonderer Ort, denn den kleinen Hafen in der Altstadt hat 1502 niemand geringeres als Leonardo da Vinci entworfen. Im Kanal, der die Altstadt durchfließt und an dem der kleine Hafen liegt, dümpeln die alten Segelboote. Schön bunt bemalt erinnern sie an die ruhigen Zeiten vor dem Tourismus. Früher als Handelsschiffe genutzt, liegen sie heute fest vor Anker.

die alten Schiffe im Kanal von Cesenatico

Links und rechts des Kanals reihen sich Kneipen und kleine Läden. Was uns ziemlich nervt, seit wir in Italien unterwegs sind, ist, dass ausgerechnet zu der Zeit, in der wir unterwegs sind, die meisten Kneipen und Läden geschlossen bleiben. Ab der Mittagszeit bis zum Nachmittag ist Siesta, da bieten nur wenige Geschäftsleute ihre Dienste an. Das nur einmal am Rande.
Die alte Fischhalle öffnete für uns erst wieder um 16 Uhr. Bis dahin spazierten wir zum Leuchtturm am Ende des Kanals, wo sich wieder die rechteckigen großen Netze finden, die nur ins Wasser hinabgelassen und wieder hochgezogen werden. Diese sahen wir unterwegs von Comacchio bis nach Cesenatico immer wieder an vielen Kanälen, die die Küstenregion durchziehen. Der anschließende Besuch in der Fischhalle lohnte sich eher nicht. Den Großteil des Angebotes machen viel zu kleine Fische aus. Knurrhähne, Seezungen, Rotbarben usw. werden schon im „Kindesalter“ aus dem Meer gefischt. Wie soll da etwas nachwachsen?

Blick zum Leuchtturm

Um von einer Seite zur anderen des Kanals in der Altstadt zu gelangen, kann man zwei Brücken oder die kleine Fähre am „Porto Leonardo“, benutzen. Auf der rechten Kanalseite kommt man irgendwann an einem großen gelben Eckhaus mit weißen Fenstern vorbei. Dies ist wohl das Haus, in dem Leonardo da Vinci entweder gewohnt oder sich nur als Durchreisender aufgehalten hat. Ein Bild, welches ihn bei seiner Planungsarbeit am Hafen darstellt, erinnert daran.

Porto Leonardo

Unser Womo haben wir auf dem Area Comunale in Pinarella stehen, kostenlos. Pinarella ist ein Badeort wie viele an der Küste der Emilia Romagna. Jetzt im Herbst ist fast alles geschlossen, die Orte wirken wie ausgestorben. Die Straßen und Strände gehören wieder den Einheimischen.

Am Strand von Pinarella haben wir Herzmuscheln gesammelt, die dort in Massen gestrandet sind. Wir haben sie uns als Abendbrot schmecken lassen. Hier geht es zum Rezept für die selbstgemachten Herzmuscheln.

Po-Delta

Kaum hatten wir den Stellplatz im Delta des italienischen Flusses Po erreicht, empfing uns das Wetter mit einem ausgewachsenen Sturm und Regen, welches stundenlang und bis tief in die Nacht anhielt. Deshalb mussten wir unseren gerade begonnenen Rundgang durch den Fischereihafen von Goro-Gorino, dem wir einen Besuch des gleichnamigen Ortes anschließen wollten, schnell wieder beenden.
Wir stehen direkt zwischen dem Po-Goro und der Lagune am südlichen Deltarand. Durch den Sturm stieg der Wasserpegel schnell und drückte noch mehr Wasser durch die enge Schleuse zwischen beiden Gewässern, an der wir stehen. Es wurde etwas beängstigend. Müssen wir den schönen Stellplatz gleich wieder verlassen und tiefer ins Landesinnere, nach Goro, umziehen? Ein Auge hielten wir immer auf das Wasser gerichtet. Am nächsten Morgen schien wieder die Sonne.

Unwetter über dem Po-Delta

Das Po-Delta ist die Heimat von Nutrias. Eine Gruppe von ihnen lebt kurz vor Goro-Gorino an einen Wasserloch. Mal schwimmen sie, mal fressen sie das satte Grün am Wasserrand. Sie sind sehr scheu und lassen sich nur aus der Entfernung fotografieren. Die nahe an ihnen vorbeifahrenden Autos stören sie dagegen nicht. Nutrias haben wir jedoch überall gesehen, wo Wasser in der Nähe ist. Leider werden viele von ihnen hier im Park des Po-Delta überfahren.

Nutrias

Das Po-Delta wird stark landwirtschaftlich genutzt. Von Möhren, Rüben und Salat bis hin zu Haselnüssen wird auf dem fruchtbaren Boden manches geerntet. Jetzt im Herbst sind aber die meisten Felder umgepflügt. Deshalb sind kaum noch Vögel im Delta unterwegs, außer den üblichen vier Reiherarten (Grau-, Silber-, Seiden-, Kuh-), Möwen, Elstern und ein paar Singvögeln. Im Ebro-Delta ist da schon mehr los um diese Jahreszeit.
Goro und Gorino sind zwei ruhige Orte. Hier hat man Zeit, hier regiert die Natur. Nur in den zwei großen Häfen sieht man so etwas wie Geschäftigkeit. Allerdings fragt man sich, angesichts der unzähligen Fischerboote: Was fangen die? Soviel Fisch kann es im Po und der Lagune gar nicht geben. Viele Boote haben Ausrüstung zum Muschelfang dabei. Vor allem Miesmuscheln und Venusmuscheln werden in den Lagunen gezüchtet. Im Sommer werden Bootstouren zu den Muschelbänken angeboten.

Von unserem Stellplatz im Fischereihafen von Gorino sehen wir einen Leuchtturm. Leider ist dieser nur mit einem Boot zu erreichen. Wir fuhren über eine Behelfsbrücke kurz vor Gorino über den Po-Goro. Diese Behelfsbrücke kostet für PKWs 2,50€ Zoll pro Überfahrt und basiert auf mehreren Betonschiffen, die nebeneinander im Po-Goro liegen. Mit lautem Gerappel, die meisten Bohlen sind lose, erreichten wir das andere Ufer und folgten der Straße auf dem Damm, bis zu deren Ende. Den Rest bis zur Po-Mündung in die Adria muss man zu Fuß gehen, allerdings mit Hindernissen und nassen Füßen am Po-Ufer entlang. Auf den letzten 50m stapelt sich das Treibholz meterhoch, so dass das Ufer der Adria unerreichbar bleibt. Einen schönen Blick auf den Leuchtturm hat man trotzdem.

Mündung des Po-Goro

Comacchio ist die heimliche Hauptstadt des Po-Deltas und war im Mittelalter ein erfolgreicher Handelshafen. Die großen Erwerbszweige sind hier das Salz und der Aal. Die Salzproduktion begann schon in der Antike, als die Etrusker die Stadt Spina gründeten, deren Reste in der Nähe von Comacchio ausgegraben wurden. Schon Spina war ein wichtiger Handelshafen. Die Etrusker, an denen man nicht vorbeikommt, wenn es um Italien geht, legten die Salinen an, die über die Jahrhunderte bis 1985 genutzt wurden. Dann wurde die Produktion eingestellt und die Natur bekam ihr Recht zurück. Nur wenige kleine Salzbauern gibt es noch. Flamingos sollen hier brüten, aber im Moment sind sie nicht da.
Die Lagunen von Comacchio sind ebenso Lebensraum der Aale, wenn sie aus der Sargassosee, östlich von Florida im Atlantik, kommen. In der Zeit von Oktober bis Dezember ziehen die Aale wieder dorthin zurück. Seit Jahrhunderten werden die Aale dann mit Hilfe von Schrankensystemen aus Holz und Weidenruten in den Kanälen gefangen. Es gab viele dieser Schrankensysteme im Delta. Die dazugehörigen Bauwerke, Wohn- und Arbeitsraum der Fischer, sind heute meist nur noch Ruinen. Aale gibt es kaum noch, deshalb ging auch dieser Erwerbszweig auf ein Minimum zurück. In der Manifattura dei Marinati, der Fischfabrik, auch Haus des Aales genannt, kann man sich auf die Spuren der Aalverarbeitung begeben. Von Oktober bis Dezember, wenn die Aale gefangen werden, ist das Museum wieder als Fabrik tätig. Dann werden die Aale angeliefert, der Kopf entfernt, und der Rest wird auf lange Spieße gefädelt. Diese werden vor große Feuer gehängt, es gibt zwölf Kamine, bis sie gut gebraten sind. Dann schichtet man sie in Fässer, die zum Abschluss mit Marinade aufgefüllt werden. Für 3,-€ Eintritt ist man dann hautnah dabei. Wir jedoch waren wohl etwas zu früh, denn die Kamine blieben kalt und die Spieße leer. Mehrere Filme erklären dann die Funktionsweise der Fischfabrik. Es wurde sogar ein Film mit Sophia Loren gedreht, der sich mit dem Aalfang und der Fischfabrik beschäftigt. Anfang Oktober findet jedes Jahr das „Aalfestival“ statt. Deshalb kamen wir mit der Erwartung nach Comacchio, dass wir überall an Ständen oder so Aal probieren könnten. Stattdessen wird der Aal für teures Geld als Konserve in Spezialitätenläden oder als teure Gerichte in den Restaurants und Trattorias angeboten.

Fischfabrik oder „Haus des Aals“ in Comacchio

Die Lagunenstadt Comacchio ist trotzdem sehr sehenswert und eine echte Konkurrenz zu Venedig. Hier ist es zu dieser Jahreszeit sehr ruhig. In aller Ruhe und Gemütlichkeit lässt es sich an den vielen schönen Kanälen und bunten Häusern entlang spazieren. Ziegelbrücken ermöglichen den Seitenwechsel. An fast jeder Ecke erhebt sich eine Kirche. Im Stadtzentrum stehen ein Uhrturm und der Weizenspeicher.

Kanäle überall

Das imposanteste Bauwerk ist die Trepponti-Brücke, die 1630 als monumentales Seetor gebaut wurde. Über mehrere Treppen kann die Trepponti-Brücke passiert werden. Gleich nebenan befindet sich der alte Fischmarkt mit der Fischhalle. Comacchio ist unserer Meinung nach ein Muss, wenn man das Po-Delta besucht.

Trepponti-Brücke

Noch eines muss ich erwähnen. Vollkommen überrascht waren wir, als wir die großen Fischernetze bei Comacchio sahen. Es ist das gleiche Prinzip, wie die chinesischen Netze in Kerala (Indien). Nur das diese dort mit einem Hebel und sechs bis acht Mann bedient werden, und hier in Comacchio mit Hilfe eines Motors funktionieren. Die großen viereckigen Netze sind stationär und werden in das Wasser abgesenkt. Nach kurzer Zeit zieht man sie hoch und der Fang, meist nur kleine Fische, die frittiert werden, werden mit einem Kescher herausgefischt. Dabei müssen die Fischer schnell sein, denn Heerscharen von kleinen Krebsen, die mit dem Netz nach oben kommen, stürzen sich ebenfalls auf die Fische. Natürlich wollen auch die Möwen ihren Anteil.

Fischernetze in Comacchio

Der zweite Stellplatz im Po-Delta, den wir nutzten, war der naturbelassene Platz „Area Sosta Camper“, direkt bei den Lagunen von Comacchio, knapp südlich der Stadt. Die breiten Strände von Porto Garibaldi, Estensi und Spina sind auch gleich in der Nähe. Dort ist inzwischen auch alles in einen Dornröschenschlaf gefallen. Nur ein paar in dicke Jacken gehüllt Spaziergänger bevölkern jetzt den Strand. Die meisten Kneipen haben bis zum Frühjahr geschlossen.

Ferrara

Nach den unterschiedlichen Beschreibungen, die wir über Ferrara gelesen haben, hatten wir irgendwie eine andere Vorstellung von der Stadt. Wir sind von unseren letzten Reisen z.B. prächtige Barock- oder Jugendstilstädte gewöhnt. Ferrara ist eine Renaissance-Stadt. Das heißt, die Architektur ist eher einfach gehalten. Renaissance bedeutet aber „Wiedergeburt der Antike“, das heißt: die nüchternen Fassaden werden durch Friese und Säulen etwas aufgelockert. Kuppeln und Arkaden sind ein anderes Merkmal. Die Renaissance ist eine italienische Erfindung aus dem 14. Jahrhundert und so alt ist Ferrara auch. Der historische Stadtkern ist noch vollkommen erhalten und besitzt deshalb den Titel UNESCO-Weltkulturerbe. Ferrara ist die Hauptstadt der norditalienischen Provinz Emilia-Romagna und liegt westlich des Po-Deltas, in der Po-Ebene. Die Stadt ist noch immer von einer Backsteinmauer umgeben.

Säulengang an der Kathedrale

Das Zentrum Ferraras wird vom Castello Estense bestimmt, welches schon seit 1385 an dieser Stelle steht. Es ist rundum von Wasser umgeben. Die Technik der Zugbrücke war für uns eine Neuigkeit. Sie erinnerte uns sofort an die Ziehbrunnen, die z.B. in der ungarischen Puszta oder auch im Baltikum benutzt werden. Ein riesengroßer Baumstamm dient als Hebel, an dessen einem Ende die Brücke und am anderen Ende eine Kette hängen. Um die Brücke zu bedienen reichen ganz sicher zwei bis drei Mann aus.

Castello Estense

Begonnen haben wir unseren Stadtrundgang am Diamantenpalast aus dem 15. Jahrhundert. Dessen Fassade besteht aus 8000 pyramidenförmigen Steinen, die wie Diamanten aussehen.
In der Verlängerung der Achse vom Diamantenpalast zum Castello Estense kommt man zum Rathaus und der Kathedrale San Giorgio, die gerade renoviert wird. Wie fast überall in Norditalien, wo wir bisher auf dieser Tour waren, steht auch in Ferrara der Glockenturm separat vom Kirchenschiff.

Eingang zum Diamantenpalast

Leider muss man als Fußgänger in der fast autofreien Stadt trotzdem aufpassen, wo man hintritt, denn die allgegenwärtigen Fahrradfahrer kommen von überall her und fahren überall hin. Das fanden wir etwas nervig, aber Ferrara ist nun einmal eine Fahrradstadt.
Man sollte auch ab und zu durch die kleinen Gassen spazieren, in denen man fast immer allein ist. Sehenswert ist vor allem die Via Capo delle Volte, die von vielen Brückenhäusern geprägt wird.

Via Capo delle Volte

Durch das Porta Paula, im Moment ebenfalls verhüllt, verlässt man die Altstadt dann in Richtung Po di Volano, einem Nebenfluss des Po. In der Nähe von dessen Ufer gelangten wir zum kostenlosen Parkplatz an der westlichen Stadtmauer zurück.

Bassano del Grappa

Traumhaft: blauer Himmel, Sonne, 25 Grad, duftende Blüten und Palmen. Südliches Flair schon am Fuße der Alpen. Adé oller deutscher Winter.
Unsere 1. Station dieser Reise war die Heimat des Grappa. In Bassano del Grappa findet man mehrere Destillerien. Eine Führung wie durch die schottischen Whisky-Destillerien oder die spanischen Sherry-Destillerien wird anscheinend in Bassano nicht angeboten. Am östlichen Brückenkopf der Ponte Vecchia, der überdachten Holzbrücke über die Brenta, ist die Destillerie B. Nardini. Für 2,20€ wird an der Bar 0,2cl Nardini-Grappa angeboten, ein sehr weicher Grappa. Natürlich werden ebenso Wasser, Bier oder andere Getränke ausgeschenkt. Für das richtige Ambiente sorgen Kupferkessel, Gläser und vor allem die Kollektion der Brände von B. Nardini.
Am westlichen Brückenkopf kann der Grappa der Destillerie Cavalin probiert werden. Die Proben werden kostenlos ausgeschänkt, über den Kauf ihrer Produkte freut sich der Anbieter.

Schankraum der Destillerie B. Nardini

Bassano del Grappa hat jedoch noch mehr zu bieten. Zu allererst ist die Altstadt, die sich zwischen der Hügelspitze und dem Fluss ausdehnt, sehr hübsch. Ganz oben befindet sich die Festung, die nicht öffentlich ist. Man kann nur auf einem Weg um die halbe Festung herum gehen, der sich am Hang entlang schlängelt. Von dort hat man aber einen schönen Blick über die „Unterstadt“ mit der Ponte Vecchia. Von dieser aus ist der Blick den Hügel hinauf mit den schmucken Häusern und der Festung mindestens ebenso schön.

Ponte Vecchia

Der Spaziergang durch die Gassen der „Oberstadt“ ist ein Erlebnis. An vielen Häuserfassaden sind noch Reste der alten Fresken zu sehen, die das gesamte Stadtbild einmal geschmückt haben. So mancher Balkon ist nett mit Blumen oder Grünpflanzen geschmückt. Mehrere Kirchen verteilen sich in der Altstadt.
Für das leibliche Wohl wird vielerorts gesorgt. Die Waren in den Delikatessenläden sind sehr teuer. Neben Grappa ist Käse ein Hauptthema der Gegend. An einigen Käsereien sind wir schon vorbeigefahren.

am Marktplatz von Bassano del Grappa

Den frühen Sonnenuntergang haben wir am Ufer der Brenta in Cartigliano genossen. Morgen geht es weiter zum Po-Delta.

Brenner

Es geht hoch her auf dem Brenner, dem Highway über die Alpen. Für diese verkehrsreiche Verbindung über Kufstein-Innsbruck-Brenner hatten wir uns nach einiger Recherche entschieden, weil sie die moderatesten Anstiege aufweist. Die Inntal-Autobahn ist sehr gut zu befahren, weil flach und landschaftlich sehr reizvoll. Ist man an Innsbruck vorbei, folgt das steilste Stück der Brenner-Autobahn, welches sich noch dazu lang hinzieht. Das hieß für unser Womo, den Berg mit 30km/h hoch zu kriechen. Alle LKWs zogen problemlos an uns vorbei. Auf dem ersten Rasthof mussten wir unserem Womo erst einmal eine lange Pause gönnen, weil der Motor zu heiß geworden war und einen großen Teil des Kühlwassers herausgedrückt hatte.

Brenner-Autobahn

Diese Pause nutzte ich, um mich in der Umgebung umzusehen. Auf dem Weg zur Kapelle, auf dem angrenzenden Berg, kommt man an einem Stück alter römischer Straße vorbei. Dieses kleine Stück hatte man auf der Brennerpass-Höhe ausgegraben und hier neu verlegt. Also nutzten schon die Römer diesen Alpen-Übergang.
Von der Kapelle aus kann man die Europabrücke sehen, über die man kurz vor dem Rastplatz fährt. Außerdem hat man einen schönen Blick auf die umliegenden Berge. Gerade jetzt im Herbst ist dies ein toller Anblick.

Europabrücke

Nachdem Klaus endlich neues Kühlwasser aufgefüllt hatte, starteten wir zur zweiten Etappe der Brenner-Autobahn, bis zum nächsten Rastplatz Matrei. Dort geht es etwas ruhiger zu und er ist nicht so schräg, eine gute Stelle zum Übernachten. Als es dunkel geworden war, ließ auch langsam der endlose Verkehr auf der Autobahn nach.
Am nächsten Morgen sahen wir dem zweiten Anstieg mit gemischten Gefühlen entgegen. Bis dahin gibt es keine bis wenige Anstiege. Die letzten Kilometer bis Brenner geht es dann stetig, aber nicht mehr gar so steil bergan, so dass wir keine größeren Probleme hatten. Es war also wohl die richtige Entscheidung, die Brenner-Autobahn für die Alpenüberquerung zu nutzen.

Da unser Womo über 3,5t wiegt, mussten wir uns auch noch eine GoBox für Österreich beschaffen. Alle Informationen dafür findet man auf der Asfinag-Seite oder bei go-maut im Internet. Bei vier Raststätten zwischen München und Kiefersfelden werden die GoBoxen verkauft. Die entsprechenden Stellen werden aber auch vor den jeweiligen Raststätten angezeigt. Die GoBox selbst kostet 5,-€ Pfand und muss mit mindestens 75,-€ aufgeladen werden. Das reicht, um von Kiefersfelden bis nach Brenner zu kommen. Abgeben wollten wir die GoBox an der Raststätte Brennersee. Dafür müsste man kurz vorher die Autobahn verlassen und auf den Parkplatz des Outlet-Centers kurz hinter der Grenze fahren. Von dort aus kann man zu Fuß die Raststätte Brennersee erreichen. Wir verpassten jedoch die Abfahrt und müssen nun sehen, dass wir die GoBox von Italien aus mit der Post zurück schicken können. Den Restbetrag bekommt man bei Rückgabe zurück.

Ab der italienischen Grenze geht es fast nur noch abwärts, durch das wunderschöne Eisack-Tal mit vielen Festungen, über Brixen und Bozen nach Trento. Beeindruckend sind die Bergwelten rechts und links der Autobahn, die das Tal mal weiter, mal enger werden lassen. Wein- und Apfelanbau geben im Tal den Ton an. Almwiesen ziehen sich weit die Berghänge hinauf, auch viele Häuser.

Eisack-Tal

Die Maut kann nun bar bezahlt werden. Wir bezahlten 14,-€ für die ganze Strecke. In Trento bogen wir nach Osten auf die Straße 47 ab, der wir bis Bassano del Grappa folgten. Zum Übernachten wählten wir den Parkplatz am Sportkomplex in Cartigliano.

Übrigens: Es wurde für uns Zeit, über die Alpen zu kommen, denn für nächste Woche ist dort Schnee angesagt und dann gilt Schneekettenpflicht.

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