A+K Weltenbummler

Reisen rund um die Welt

Ätna Südhang

Seit eineinhalb Wochen blicken wir jeden Tag auf den Ätna und warten darauf, seine Südflanke zu erobern. Eine Woche lang hatte sich der Vulkan jetzt in Wolken gehüllt, aber für unseren Ausflug wollten wir makelloses Wetter haben. Gestern klappte es. Man muss sich allerdings relativ früh auf die Socken machen, denn gegen Mittag kommen die ersten Wolken, die sich im Laufe des Tages weiter verdichten. Äußerst selten ist der Ätna den ganzen Tag wolkenlos.

Blick auf den Ätna von unserem Stellplatz in Giardini-Naxos aus

Der größte Vulkan Europas, der dazu bis heute tätig ist, stand schon seit Jahrzehnten auf meiner To-Do-Liste. Jetzt durfte ich endlich den Berg der Berge, wie die Sizilianer ihn nennen, erklimmen. Sein höchster Krater liegt auf einer Höhe von ca. 3300m. Das ändert sich bei jedem Ausbruch. Ein Erlebnis ist der Besuch des Ätna in jedem Fall. Es stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung, zum Gipfel des Ätna zu gelangen. Je komfortabler, umso teurer. Die Betreiber der einzelnen Angebote sind bei ihren Preisen keineswegs zimperlich. Jeder will eben den Ätna sehen oder gar dem Gipfel möglichst nahe sein.
Wir fuhren von Giardini-Naxos aus nach Giarre, um dort in Richtung Zafferana Etnea abzubiegen. Von dort aus führt eine Straße in vielen Serpentinen zur Liftstation Rifugio Sapienza. Immer höher klettert die Straße, so dass im Dunst kaum noch Meer und Land auseinander gehalten werden können. Es ist Herbst am Ätna, was man sonst in Sizilien kaum mitbekommt. Das Laub der Bäume färbt in der Sonne die Hänge des Vulkans herrlich bunt. Immer wieder zweigen Zufahrten zu Gästehäusern und Hotels von der Straße ab, von denen aber jetzt viele geschlossen sind.

auf dem Weg zu Europas höchstem Vulkan

Kurz vor Rifugio Sapienza erhält man die Möglichkeit, den Silvestri-Krater zu Fuß zu umrunden, was kostenlos ist. Dieser liegt auf über 1900m Höhe. Der Krater ist nicht tief und nicht groß, schon gar nicht mehr aktiv, aber die Kulisse rundherum ist wunderschön. Die Lava und der Bimsstein auf den sichtbaren Hängen leuchten in verschiedenen Farben. Das erinnerte uns sofort an die Vulkanlandschaften Lanzarotes.

am Silvestri-Krater

An der gegenüberliegenden Straßenseite erhebt sich ein weiterer Krater. Der Krater Silvestri Superiore ist um einiges höher, aber ebenfalls kostenlos zu besteigen. Von dort oben soll man einen tollen Ausblick haben. Unser Ziel war jedoch der Gipfel des Ätna.

Was für alle Wege am Vulkanhang gilt, ist, dass man festes Schuhwerk dabei haben muss, denn die Lava und der Bimsstein sind scharfkantig. Sehr zu empfehlen ist warme Kleidung, da der Wind um den Vulkan kalt und schneidend weht.

Insgesamt besteht für ganz harte Wanderer die Möglichkeit, den Aufstieg vom Rifugio Sapienza über die ganze Länge zu Fuß zu bestreiten. Damit geht man den horrenden Preisen der Beförderungsmittel aus dem Weg. Der Aufstieg ist durch das lose Material sehr anstrengend und dauert mind. 5 Stunden. Dazu kommt die Höhe von 2000 bis über 3300m. Es ist kein Spaziergang.

Rifugio Sapienza

Wir entschieden uns für die Liftfahrt (30,-€ hin und zurück) zum Terminal Funivia auf 2500m Höhe. Dabei überquert man den Lavastrom vom Ausbruch 2002/03, der später links von Weg liegt. Auf den älteren Lavaflüssen wachsen schon Flechten und niedrige Pflanzen. Weite Teile der Lava- und Bimssteinfelder liegen jedoch immer noch blank. Auf der rechten Seite befinden sich sieben Krater, fast wie an einer Kette aufgereiht. Das sind die, die man vom Lift aus sieht. Dahinter befinden sich anscheinend weitere Krater.

Lift zum Terminal Funivia

In Funivia angekommen verließen wir das Gebäude und waren froh über unsere warme Kleidung. Wer es versäumt diese mitzunehmen, der hat die Möglichkeit sich eine warme Jacke für 6,50€ auszuleihen.
Von der Station aus starten nun Geländebusse, die die Gäste für 25,-€ zur nächsten Station Torre del Filosofo auf 2920m bringen. Wer möchte, kann die Strecke aber auch wandern. Wer dann noch bis zum Rand des Kraters will, muss sich einen Guide für 9,-€ nehmen und ist noch einmal 1,5 Stunden dorthin unterwegs. In verschiedenen Blogs habe ich gelesen, dass es auch möglich ist den Krater ohne Guide zu erreichen. Es wird wohl nicht kontrolliert, obwohl man eine Sperrzone betritt. Der Spaziergang geht allerdings voll auf eigenes Risiko, sollte irgendetwas passieren.
Für uns war am Terminal Funivia Schluss. Von dort aus ist der Krater zu sehen, der für den Ausbruch 2002/03 verantwortlich war und auf den mehrere Wanderwege führen. Von dort oben sieht man ganz sicher die Hauptkrater des Ätna. Richtig, davon gibt es mehrere.

Blick vom Terminal Funivia nach oben


Wir begnügten uns mit einer kurzen Wanderung weiter den Hang hinauf, um wenigstens einen kleinen Blick auf die Hauptkrater zu erhaschen, aus denen es fast immer dampft, manchmal auch qualmt. Reste der nächtlichen dünnen Schneedecke lagen noch auf den schmalen Wegen und glänzten in der Sonne. Im Winter fallen auf dem Ätna mehrere Meter Schnee. Dann fahren wohl auch die Geländebusse nicht mehr. Der Lift funktioniert auch nur, wenn es das Wetter zulässt.
Es ist ein großartiges Erlebnis, dem Berg der Berge, dem Vulkan Ätna, so nahe zu sein. Man kann sich dort oben frei bewegen und seiner Neugier freien Lauf lassen. Es gibt keine festgelegten Wege, jeder kann laufen wo immer er auch möchte und die Vulkanlandschaft genießen.

Hauptkrater des Ätna

Beeindruckt und mit tollen Bildern im Kopf fuhren wir mit dem Lift wieder nach unten, wo die Auslagen etlicher Souvenirbuden auf Käufer warten. Neben jeder Menge Nippes werden auch Schmuck und Skulpturen aus Lava angeboten.
Der Parkplatz kostet übrigens 1,20€ die Stunde oder 3,50€ einen halben Tag. Den Rückweg nahmen wir auf der Straße nach Nicolosi, die sich in Serpentinen nach unten schlängelt. Jetzt bekommt man erst den richtigen Eindruck, was es heißt, wenn der Ätna ausbricht. Die Hauptrichtung der Lavaströme liegt genau in dieser Richtung, an deren Ende sich Catania befindet. Die Farbe der einzelnen Lavaströme lässt erkennen, in welcher Reihenfolge sie geflossen sind. Die jüngsten von ihnen sind noch ganz schwarz. Der gesamte Hangabschnitt ist von Lava bedeckt. Hin und wieder sieht man Teile von Häusern aus der Lava ragen, die unter ihr begraben wurden. Die Stimmung wird nachdenklich. Wie müssen sich die Menschen fühlen, wenn sich solch ein manchmal mehrere Meter hoher Lavastrom auf sie und ihr Haus zubewegt. Um manche Häuser hat die Lava scheinbar einen Bogen gemacht, wie immer die Leute das auch geschafft haben. In jeden Fall lehrt der Ätna dann das Fürchten.

dieses Haus wurde vom Lavastrom begraben

Der Ätna ist normalerweise kein explosiver Vulkan mehr, der bei seinen Ausbrüchen mit Lavabrocken um sich schmeißt und große Ascheregen verursacht. Es bleibt nur bei den Lavaströmen, die relativ zäh sind und sich nicht rasend schnell vorwärts bewegen. Es gibt natürlich den seltenen Fall, dass sich ein neuer Krater öffnet. Dann kann es allerdings schon einmal sein, dass es Lavabomben regnet. Nach jedem Ausbruch heißt es aber, Lifte und Straßen freizulegen und zu erneuern. Wahrscheinlich ist diese Tatsache für die hohen Preise am Vulkan verantwortlich.

Alcantara-Schlucht

Eine grandiose Szenerie bietet der Naturpark „Gole Alcantara“ (Eintritt im Winter pro Person: 6,-€), zwischen Giardini-Naxos und Francavilla di Sicilia gelegen. Der Fluss Alcantara hat sich an dieser Stelle in drei übereinanderliegende Lavaflüsse gegraben, deren Entstehung vor 8000 Jahren begann. Die Aussichtsplattform am Hafen von Naxos, am Capo Schisó, wurde auf dem Ausläufer des ältesten Lavastromes gebaut.
Die Schlucht ist bis zu 30 Meter tief und sehr sehenswert. Den oberen Eingang zur Schlucht bildet die Quelle der Venus. In diesen Pools soll die Göttin Venus gebadet haben. Ihr Geliebter, der Vulkangott, hatte extra für sie das Wasser erwärmt, damit das Bad recht angenehm ist. Irgendwann betrog Venus ihren Geliebten, der dann das Wasser des Alcanara-Flusses wieder erkalten ließ.

„Pool der Venus“, Eingang zur Alcantara-Schlucht

Am Balkon „Quelle der Venus“ beginnt der schmalste und höchste Teil der Schlucht, der sehr kurvenreich ist. Basaltsäulen in vielen Formen, die da Namen wie „Holzstapel“, „Harfen“, „Rosetten“ und „Orgelpfeifen“ tragen, säumen den Weg des wilden Wassers. Das allerbeste Bild der Schlucht findet man am Aussichtspunkt „Der Aufruhr von Vulkano“.

„Der Aufruhr des Vulkano“

Da es vor ein paar Tagen heftig und anhaltend geregnet hat, fließt jetzt entsprechend viel Wasser durch die Schlucht. Das heißt auch, dass sämtliche Zugänge nach unten, an den Strand und zum Eingang der Schlucht, geschlossen sind. Im Sommer starten dort unten Touren durch den Grund der Schlucht. Von oben sieht das alles schon gigantisch aus, aber von unten muss das unfassbar sein.
Es gibt noch weitere Balkone, von denen aus man in die Schlucht sehen kann und man immer wieder andere Einblicke erhält. Ich will jetzt nicht weiter darüber schreiben, da ich sowieso kaum ausdrücken kann, was die Natur hier in der Alcantara-Schlucht geschaffen hat, ich lasse einfach mal die Bilder sprechen.

Ausgang der Alcantara-Schlucht

Der Park „Gole Alcantara“ bietet jedoch noch einiges mehr. Es ist gleichzeitig ein Botanischer Garten. Im Multimediasaal und in Ausstellungsräumen wird gezeigt, wie die Schlucht entstand. Ob diese jetzt im Winter geöffnet hat, wissen wir nicht, da wir sie nicht besucht haben. Ein Glamping-Platz gehört auch zum Park, im Winter geschlossen.
Nach Berichten von Mitreisenden ist der Zugang „Comunale“ ein paar hundert Meter weiter in Richtung Francavilla kostenlos. Wir wissen es nicht, da wir es dort nicht versucht haben.

Eigentlich wollten wir noch ein Stück am nördlichen Hang des Ätna hochfahren. Deshalb nahmen wir den Rückweg nach Naxos über Francavilla und der auf einem Berg gelegenen Stadt Castiglione di Sicilia. In Castiglione lohnen einige Stopps, denn die Aussicht auf das sizilianische Hinterland ist wunderschön. Obst und Wein gedeihen auf den Lavahängen prächtig. Überall stehen kleine Händler mit ihren kleinen Lastwägelchen, zumeist Piaggios AP 50, und verkaufen, was sie geerntet haben. Die Preise liegen um 1,-€ pro Kilo, egal was.

Castiglione di Sicilia

Von Rovitello aus sind es noch 19 Kilometer bis nach Etna-Nord. Da sich der Vulkan heute mehr oder weniger in Wolken hüllte, lohnte die Auffahrt nicht. Trotzdem fuhren wir wenigstens noch die 1,5km den Hang hinauf, wo es eine weitere Straße gibt, die wenig später wieder zurück nach Linguaglossa führt. Allein dieser kurze Weg entführt in die Lavawelt, die der Ätna vor langer Zeit hinterlassen hat. Bäume, die ums Überleben kämpfen, und Gestrüpp sind in den Lavaflüssen noch zu finden. Die Lava sieht aus, als lägen Millionen kleiner Steinbälle in der Gegend herum, die große Berge bilden. In den USA lernten wir diese Lava als AA-Lava kennen, ich nenne sie Bröckellava. Wenn man einen der kantigen Bälle anhebt, stellt man fest, das die Lava sehr schwer ist.

Lava am Nordhang des Ätna

Jetzt haben wir einen kleinen Eindruck bekommen, wie es am Ätna aussieht. Wir werden bei sonnigem Wetter auf jeden Fall noch einmal den Südhang hinauffahren, der allerdings der Hauptweg für die Touristenbusse ist. Wir sind sehr gespannt.

Zyklopenküste

Die Küste um Acireale nennt man auch die Zyklopenküste. Einstige Lavaströme gelangten bis an das Meer heran und bilden heute eine bizarre Küste, mit vielen spitzen Felsen, die einzeln oder in Gruppen vor der Küste stehen. Der Sage nach, wobei wir wieder bei der Odyssee wären, lebte der einäugige Riese Polyphem an den Hängen des Ätna. Er hielt Odysseus und seine Gefährten gefangen. Mit List gelang es Odysseus, Polyphem zu blenden und zu fliehen. Aus lauter Wut schleuderte der Riese große Felsen Odysseus hinterher. So liegen sie heute immer noch dort, wo sie niedergefallen waren.

Lavabrocken bestimmen die Zyklopenküste

Das Zentrum der Zyklopenküste ist Aci Trezzo. Dort liegen gleich hinter der Hafenausfahrt die Isole die Ciclopi, die Zyklopeninseln. Die meisten von ihnen ragen als spitze, schwarze Lavabrocken aus dem Meer. Nur die größte der Inseln ist bewohnt. Die Inseln und das Wasser drumherum sind als Meeresschutzgebiet ausgewiesen. Die auf einer Halbinsel liegende Altstadt ist von einer breiten Promenade eingerahmt. Von dort aus lässt sich die Aussicht auf die Lavaküste gut genießen. Selbst die Häuser an der Wasserkante sind in einem guten Zustand, was in Sizilien nicht eben selbstverständlich ist.

Zyklopeninseln vor Aci Trezzo

Gleich südlich von Aci Trezzo schließt sich das schön gestaltete Kap von Aci Castello an. Die kleine normannische Festung, die auf dem Ende einer Lavazunge aus dem Jahre 1169 steht, ist über das Winterhalbjahr geschlossen. Sie beherbergt ein kleines Museum. Auch hier lässt es sich trefflich an der Promenade, die über einer schwarzen Steilküste liegt, bummeln. Wenn man an der Festung vorbeischaut, sieht man in einiger Entfernung Aci Trezzo mit den Zyklopeninseln.

Piazzo Castello mit dem Castello Svevo in Aci Castello

Ein wahres Kleinod ist der Hafen von Santa Maria la Scala. In die kleine Bucht laufen unverhältnismäßig große Wellen ein, und das im Zeitlupentempo und sehr geräuschvoll. Die hohe Steilwand hinter der Bucht bricht das Geräusch der Wellen und wirft es zurück. Es gibt kaum Touristen, die nicht begeistert von diesem Szenario sind.

Santa Maria la Scala

Links von der Bucht liegt der kleine Fischerort, der sich den Hang hinaufzieht. Rechts baute man eine Aussichtsplattform. Hier ist die Straße zu Ende und man blickt nach Süden, entlang der rauen, schwarzen Steilküste.
Als letztes Haus steht eine alte Mühle. Etwas links davon kommt man zu einem Wasserfall, der die Mühle einst antrieb. Heute wird das herabstürzende Wasser durch Rohre geführt. Nur ein Teil des Wasser erreicht rauschend das Meer. Umgeben ist der Wasserfall, wie der gesamte Hang, von dichtem südländischen Urwald.

die Gischt kriecht an der Steilküste aus Lava nach oben

Es ist ein grandioser Anblick nach beiden Seiten der Aussichtsplattform. Anschließend spaziert man durch die Gassen von Santa Maria la Scala, bis hin zur Mole. Aus diesem Winkel stellt sich der Ort, mit den vielen kleinen Booten davor, noch einmal anders dar. Es hat uns ausnehmend gut dort gefallen und es ist ein echter Geheimtipp. Es führt nur eine kleine kurvige Straße hinunter zu den Parkplätzen.

der kleine Hafen von Santa Maria la Scala

Auf der Hintour fuhren wir auf der ss114 entlang. Man darf keine zwei Sekunden woanders hinsehen, denn ständig muss man ausweichen, anhalten oder sonst wie reagieren. Deshalb folgten wir auf der Rücktour nach Giardini-Naxos der kleinen Küstenstraße. Hier geht es ruhiger zu. Teilweise ist die kleine Straße geräumiger als die Fernstraße. Man hat also Zeit, sich die Gegend anzusehen und die Aussichten zu genießen. Zitrusplantagen, Baumschulen und Gewächshäuser sind die Hauptzutaten auf der Strecke.

Hafen von Stazzo

Bei Santa Tecla und Stazzo bogen wir noch einmal ans Meer und zu den kleinen Häfen ab. Überall zeigt sich die schwarze Lava. Bei Santa Tecla zeigt sich weit oben im Hang das Ende einer Lavazunge, in der mehrere Höhlen, besser gesagt: Lavablasen, zu sehen sind.

das Ende einer Lavazunge

In Riposto mit dem „Hafen am Ätna“ legten wir eine letzte Pause ein. Der Hafen ist gleichzeitig der Hafen der großen Stadt Giarre. Entsprechend groß ist der Hafen und zahlreich sind die Boote in allen Klassen.

Uferstraße von Riposto

Langsam ziehen wieder dunkle Wolken über dem Ätna auf und wir müssen sehen, dass wir zum Stellplatz in Naxos zurückkommen. Von Riposto in Richtung Giardini-Naxos zieht sich ein endloser Strand an der Küste entlang. Nach der Zyklopenküste ist das richtig langweilig.

Taormina

Den Namen Taormina kennt wohl jeder, der sich schon einmal mit Sizilien beschäftigt hat. Man nennt Taormina auch die „Perle Siziliens“. Die Altstadt befindet sich auf einem Plateau am Hang des Monte Tauro, in 200 Meter Höhe über dem Meer. Man kann entweder über zwei Straßen in die Stadt gelangen, oder mit dem Aufzug von Mazzaró aus. Dieser ist jedoch seit dem 5. November bis auf unbestimmte Zeit wegen Wartungsarbeiten geschlossen.

Kap Taormina von Giardini-Naxos aus

Wenn man mit dem eigenen Auto nach Taormina fährt, ist es sehr schwer einen Parkplatz zu finden, denn die sind Mangelware. Besser fährt man mit dem Linienbus nach oben. Das Zentrum der Altstadt ist die Fußgängerzone Corso Umberto, die von den Stadttoren Porta Messina und Porta Catania begrenzt wird. Der Corso Umberto ist knapp einen Kilometer lang. An vielen Stellen zweigen pittoreske enge Gassen ab, teilweise mit Treppen, um die Höhenunterschiede zu überwinden. Neben mehreren Kirchen und Palazzi finden die Touristen Souvenirgeschäfte, Spezialitätenläden, Cafés und Restaurants.

Via Timoleone

Vom Porta Catania in Richtung Porta Messina spaziert man knapp vor der Mitte des Weges durch den Uhrenturm, nach dem sich die Piazza 9. Aprile öffnet. Von dort aus bietet sich ein wunderschöner Blick auf die Küste.

Piazza Duomo

Von der Piazza Vittorio Emanuele gehen drei Straßen ab. In der linken Straße findet man nur ein paar Meter weiter das Odeon, das alte römische Theater. Es ist nur teilweise freigelegt und wird kaum von jemandem beachtet.

Odeon

In der Verlängerung des Corso Umberto steht das Porta Messina. Wendet man sich nach rechts, gelangt man zum berühmten Teatro Antico, oder auch Teatro Greco genannt, ein Amphitheater. Biegt man vor dem Palazzo die Congressi nach links ab, steht man bald vor den Resten der römischen Therme. Ursprünglich ein öffentliches, griechisches Gebäude, bauten es die Römer wahrscheinlich im 1. Jahrhundert n.Chr. zu einer Therme um.

römische Therme

Will man das Teatro Antico besuchen werden 10,-€ Eintritt fällig, zuzügl. Plan und Audioguide für 5,-€, was fakultativ ist. Für die noch vor Kurzem verlangten 6,-€ für den Eintritt hätten wir uns das Theater angesehen, zumal es für seine herrliche Kulisse mit dem Ätna im Hintergrund berühmt ist. Zudem soll es eines der schönsten antiken Theater weltweit sein. An gleicher Stelle stand bis zum 2. Jahrhundert v.Chr. ein kleines griechisches Theater. Daher der Beiname Teatro Greco, bis es die Römer überbauten. Erst im 2. Jahrhundert n.Chr. errichteten die Römer dieses große Amphitheater.

Eingang zum Teatro Antico

Auch ein schönes Ziel ist der Stadtgarten unterhalb des Teatro Antico. Die Anlage des Gartens erinnert etwas an arabische Einflüsse, die Gebäude aus den typischen flachen Ziegeln der Römer, sowie Natursteinen, sehen wie eine Mischung aus orientalischen Bögen und chinesischen Pagoden aus. Zwischen der exotischen Bepflanzung und den Aussichten auf das Meer und die Küste kann man bestens die Seele baumeln lassen und sich von der Enge und Geschäftigkeit in den Gassen Taorminas erholen.

im Stadtgarten Taorminas

Schon immer wussten die Menschen die traumhafte Lage zu schätzen. Seit der Steinzeit dient der nördliche Hang des Monte Tauro als Nekropole. Die Überreste früherer Begräbnisstätten wurden beim Bau der Straße nach Taormina teilweise freigelegt. Was heute zu sehen ist, sind römische Bauwerke aus Kalkstein, in deren Nischen die Toten beigesetzt wurden. Das sehenswerteste Stück der terrassenförmig angelegten Grabanlagen ist knapp unterhalb des Belvedere-Aussichtspunktes zu finden, direkt am Straßenrand. Die Außenwand der rechten Hälfte wurde rekonstruiert.

antike Grabanlage am Monte Tauro

Nördlich des Kaps von Taormina liegt eine kleine felsige Bucht mit der Isola Bella. Der Kiesstrand und die Insel sind einzig über eine lange Treppe zu erreichen. Die Insel selbst darf nur bis zum Tor betreten werden. Vorher holt man sich jedoch nasse Füße, denn der schmale Damm liegt meist etwas unter Wasser. Dort unten kommt man sich sehr klein vor, wenn man an den hohen Felsen des Kaps entlang nach oben schaut.

kleine Felsenbucht mit der Isola Bella

Der Küstenabschnitt rund um das Kap Taormina zählt wohl zu den schöneren auf der Insel Sizilien. Strand und Felsen bilden eine tolle Kulisse.

PS: Inzwischen waren wir ein zweites Mal in Taormina. Diesmal mit dem Auto. Auf der Suche nach einem Parkplatz fanden wir das riesige Parkhaus unterhalb des Stadttores Porta Catania. Die Parkgebühren sind allerdings gepfeffert (1 h = 2,-€, 2 h = 6,-€, 3 h = 7,-€). Man kann auf jeden Fall davon ausgehen, dass der Stadtbummel länger als eine Stunde dauert. Übrigens: die Seilbahn ist auch wieder in Betrieb. Die Wartungsarbeiten wurden überraschend schnell abgeschlossen.

Ankunft in Giardini-Naxos

Oi-yoi-yoi, Sizilien ist noch einmal eine andere Hausnummer als der Rest Italiens: es geht noch viel enger auf den Straßen zu, und der Fahrstil ist noch einen Zacken schärfer.

Wir setzten vor drei Tagen mit der Fähre von Villa San Giovanni nach Messina über. Es gibt zwei Fährgesellschaften: Bluferries und Caronte&Tourist. Eine dritte Fähre, Telepass, gibt es auch, aber da wissen wir nicht, ob man ein besonderes Ticket dafür braucht. Telepass ist eine Art Maut, die wir von den Autobahnen her kennen.
Bei Bluferries hätten wir für das Wohnmobil und den Anhänger 114,-€ für die Überfahrt zahlen sollen. Bei Caronte&Tourist bezahlten wir 94,-€. Im Vorfeld hatte ich schon einmal im Internet nachgesehen. Da bekam ich einen Preis von 67,-€. Es lohnt sich anscheinend, doch im Voraus online zu buchen. Diese Preise sind oneway.

Messina voraus

Die Überfahrt dauert etwa 20 Minuten. Die Straße von Messina ist bis heute eine der gefährlichsten Wasserstraßen der Welt. Viele Schiffe sind seit der Antike schon den unberechenbaren Strömungen zum Opfer gefallen. Odysseus befuhr auch diese Meerenge. Das war an der Stelle mit dem großen Strudel. In Scilla wurden er und seine Mannschaft dann Opfer des mehrköpfigen Ungeheuers Scylla. Nur für diejenigen, die sich für die Odyssee interessieren.

Rückblick nach Italien

In Messina angekommen fuhren wir Richtung Süden weiter. Wir hatten unterwegs einen Tipp bekommen, dass wir uns in Giardini-Naxos knapp südlich von Taormina aufhalten sollten. Eigentlich wollten wir bei Scilla auf dem Festland noch einmal übernachten und uns die Stadt ansehen, aber das hat aus Platzgründen nicht geklappt. Die Fahrstrecke wurde für diesen Tag dann zu lang und so übernachteten wir auf einem Parkplatz direkt am Strand in Nizza di Sicilia. Dort unternahmen wir noch einen kleinen Spaziergang. Auf unseren Reisen haben wir bisher einige Möglichkeiten gesehen, wie die Fischer ihre Boote an Land bekommen. Hier in Nizza ziehen kleine Raupen die Boote aus dem Wasser. So eine Raupe kostet sicher eine Menge Geld, trotzdem hat fast jedes Boot seine eigene Raupe, Wahnsinn. Warum kann man sich nicht eine Raupe für mehrere Boote teilen?

Jedes Boot hat seine eigene Raupe, die es an Land zieht.

Am südlichen Ende von Nizza di Sicilia erkennt man, warum der Ort nach der gleichnamigen Stadt an der Cote d´Azur benannt wurde. Es führt eine relativ breite Straße am Strand entlang, die durch eine Palmenreihe von diesem getrennt ist. Das sieht fast so aus wie im französischen Nizza.

Nizza di Sicilia

Bis dahin fuhren wir die Küstenstraße 114 entlang, was für große Fahrzeuge, wie unser Wohnmobil, zur Katastrophe werden kann. Die Ortsdurchfahrten sind viel zu eng, da passen gerade zwei PKWs aneinander vorbei. Das hieß, dass der Gegenverkehr für uns Platz machen musste. Die allermeisten Autofahrer denken aber gar nicht daran. Sie fahren, solange sie noch irgendeine Chance sehen, sich durch zu quetschen. Wenn dann nichts mehr ging, zeigten sie uns den Vogel oder guckten ungläubig. Es gibt aber auch wenige Autofahrer, die bereitwillig an die Seite fuhren, wenn es eine Möglichkeit gab. Um dem aus dem Wege zu gehen, damit hatten wir wirklich nicht gerechnet, fuhren wir bei Roccalumera auf die Autobahn, um bei Giardini-Naxos wieder abzufahren. Die sizilianische Autobahn ist mautpflichtig.

Der Stellplatz Eden-Parking war für uns jedoch nicht anfahrbar, da im Moment ein Gerüst die ohnehin schon enge Einfahrt unpassierbar für uns machte. Was nun? Wir luden das Auto ab und fuhren in der Gegend herum, um einen anderen günstigen Platz zu finden. Wir waren sogar bis San Marco, wo sich ebenfalls zwei Stellplätze befinden, schön ruhig, aber weit weg von der Stadt. Nachdem wir uns nach den Preisen erkundigt hatten, die angemessen waren, fuhren wir nach Naxos zurück, wo wir den Aurora-Parking fanden. Dort bleiben wir nun für die nächsten wahrscheinlich zwei Wochen, vielleicht länger. Ab 6 Tagen kostet der Platz mit Strom, Wasser und Entsorgung 10,-€ am Tag, Dusche kostet 50 Cent. Der Platzwart ist sehr nett, täglicher Brötchenservice. Zum Strand sind es mehrere hundert Meter.

der Ätna von seiner schönsten Seite

Das schönste am Aurora-Parking ist der direkte Blick zum benachbarten Ätna, dessen Bild sich ständig ändert, wenn er sich nicht hinter Wolken versteckt. Manchmal erheben sich Rauchwolken aus dem obersten Krater. Es ist echt beeindruckend. Hoffentlich verhält sich der Vulkan während unserer Anwesenheit friedlich. In jüngster Vergangenheit hat es mehrere Ausbrüche gegeben.

Tropea

Den hohen Spritpreisen und den vielen Kilometern geschuldet ist die nächste Abkürzung der Strecke. Anstatt weiter an der Ostküste Kalabriens bis nach Reggio di Calabria entlangzufahren, bogen wir bei Corigliano Calabro nach Westen auf die Autobahn A3 (A2) ab. Zumeist verläuft die Strecke durch die Täler des Apenninen-Gebirgszuges, nur hinter Cosenza steigt die Autobahn auf 636m Höhe an. Danach geht es wieder abwärts in Richtung Tyrrhenisches Meer. Seit Neapel ist die Autobahn mautfrei, was uns um die 15,-€ ersparte.

Autobahn Richtung Apenninen

Da es von der Abfahrt in Pizzo bis nach Tropea noch mehr als 30km sind und wir in Pizzo wieder auf die Autobahn fahren müssen, wenn wir zur Fähre nach Sizilien wollen, suchten wir uns einen Stellplatz in Pizzo. Den fanden wir unten am Strand am Lido Delfino. Da jetzt im Herbst das Strandbad geschlossen hat, ist das kein Problem. Gleich nebenan steht eine Pizzeria, aus der es am Abend lecker duftet. In Sichtweite ragt der Vulkan Stromboli aus dem Meer, der Teil der Liparischen Inseln ist. Am Ankunftsabend zeigte sich der Vulkan wolkenlos. Mit dem Fernglas war sogar auszumachen, dass von der rechten Hinterseite Rauchwolken aufsteigen. Da tut sich was im Stromboli. Wir werden sehen, dass wir irgendeine Bootsfahrt dorthin bekommen.

Stromboli im Sonnenuntergang

Eine Möglichkeit dafür bietet sich in Tropea, aber da uns auf Grund der Entfernung vom Stellplatz nach Tropea nur ein paar Stunden in der Stadt blieben, hatten wir keine Zeit für die Bootsfahrt. Dann werden wir es von Sizilien aus versuchen.

Von Pizzo nach Tropea kommt man durch mehrere Orte, wenn man direkt an der Küste bleibt. Es gibt aber auch eine Umgehungsstraße, die wir befuhren. Durch die enge, kurvige Straße der Unterstadt von Pizzo muss man trotzdem. Mit dem Wohnmobil sollte man dann doch durch die Oberstadt von Pizzo fahren, auch wenn die Straße steil bergauf geht. Immer wieder hielten wir an, um die schönen Aussichten zu genießen.

in Pizzos Unterstadt

Die Altstadt von Tropea steht hoch oben auf dem Rand eines Felsplateaus. Zuerst sahen wir uns jedoch unten am Strand um und bestiegen den einzelnen Felsen, der dort steht. Auf dessen Spitze steht seit 1780 eine Kirche, zu der ein Garten mit tollen Aussichten gehört. Die Kirche kann kostenlos besucht werden. Für den kleinen Garten werden normalerweise 2,-€ fällig. Wir brauchten die 2,-€ nicht bezahlen, vielleicht weil uns nur ca. 10 Minuten blieben, bevor der Garten für die Mittagspause geschlossen wurde.
Über eine Treppe in der Nähe des westlichen Strandes erreicht man die Altstadt von Tropea. Von einem großen „Balkon“ sieht man nun auf den einzelnen Felsen mit der Kirche obendrauf. Eine zweite Treppe auf den Berg existiert an der gegenüberliegenden Seite.

Felsen mit dem Santuario Santa Maria dell’Isola

Nun waren wir neugierig auf die Gassen. Der Spaziergang gerät zum Erlebnis und an vielen Ecken muss man staunen. „Eng, enger, am engsten“ ist wohl das Motto. Manchmal sieht man nicht einmal, ob es an der nächsten Ecke überhaupt weiter geht. Dabei sind die Häuser recht hoch. Viele Häuser sind in einem sehr schlechten Zustand, andere erfuhren schon eine Renovierung. Es tut sich etwas. Zu allem zwängen sich die Autos der Anwohner durch die Gassen, bei denen kaum 5cm auf beiden Seiten des Autos Luft bleiben. Die Fußgänger müssen sich dann in einem Hauseingang oder einer abzweigenden Gasse in Sicherheit bringen.
Für das leibliche Wohl sorgen viele Restaurants, Cafés und einige Spezialitätenläden. In der Mitte der runden Altstadt Tropeas befindet sich der Marktplatz. Von dort aus ist es in keiner Richtung weit bis zur nächsten Aussicht. Dieser Spaziergang ist einfach etwas Besonderes.

Lauschige Ecke in der Altstadt Tropeas

Nach dem Besuch Tropeas kann man weiter zum Capo Vaticano fahren. Das raue Ende der Halbinsel mit Tropea versprüht eine eigene Atmosphäre. Die Vegetation ist nicht mehr so hoch und üppig. Der Weg zum Capo Vaticano ist ohne Google Maps kaum zu finden, weil an vielen Kreuzungen und Abzweigungen kein Hinweis zu finden ist. Nur sporadisch zeigen Schilder die Richtung an.
Am Kap angekommen, steht man vor dem Leuchtturm, der jedoch militärische Sperrzone ist. Kurz vorher zweigt ein Weg nach unten zu einem Aussichtspunkt ab. Von dort aus sieht man links die Steilküste mit einem Strand. Gegenüber liegt Sizilien, allerdings war die Sicht ziemlich diesig, so dass wir nicht ausmachen konnten, was noch italienisches Festland ist und was zu Sizilien gehört. Auf der rechten Seite ist wieder der Stromboli zu sehen, der heute eine Wolkenhaube trug. Heute früh war der Vulkan ganz in Wolken gehüllt. Hätte die Pizzeria am Aussichtspunkt geöffnet, wäre das ein sehr schönes Plätzchen, um wenigstens einen Kaffee zu trinken. Von dort aus gelangt man auf einen tiefer gelegenen Fußweg, von dem aus man sicher einen schöneren Blick auf die einzelnen Felsen an der Küstenlinie hat. Leider hat die Pizzeria im Winterhalbjahr geschlossen, wie viele andere Einrichtungen an den Küsten Italiens.

Aussicht am Capo Vaticano

Um nach Pizzo zurück zu fahren, nahmen wir einige Alternativrouten zu der Strecke, die wir gekommen waren. Laut Karte ist die Straße auf der Westseite der Halbinsel schmal und sehr kurvenreich, was wir uns nach Gargano nicht schon wieder antun wollten. Dazu kommt, dass es jetzt schon um 17 Uhr dunkel ist und die Tage damit viel zu kurz sind.

Diese Gegend Kalabriens ist Zwiebelgebiet. Vor allem rote Zwiebeln werden allerorten angeboten. Natürlich kauften wir uns auch welche in einem der Spezialitätengeschäfte am Straßenrand. Wir hatten den Laden noch gar nicht ganz betreten, da wurden wir auch schon mit Kostproben verwöhnt, hübsch angerichtet in glasierten Keramikschalen: Brot mit verschiedenen Pesti oder Salaten, dazu Oliven oder Zwiebelsalat. Da fällt die Wahl schwer, die dann auf ein Pesto aus getrockneten Tomaten fiel. Dazu kauften wir einige der roten Zwiebeln.
Eine andere regionale Spezialität ist Mandelmilch mit 11% Mandelanteil. Ein halber Liter kostet 2,99€.

Corigliano Calabro

Da wir wegen der Unwetter auf der Westseite Italiens und auf Sizilien damit warten, nach Sizilien überzusetzen, fuhren wir noch einmal einen Campingplatz an der Ostküste an. Die Wahl fiel auf den Camping Thurium kurz vor Corigliano Calabro, ein ACSI-Platz für 13,-€. Je länger man steht, umso billiger wird es. So zahlen die Camper, die länger als14 Tage auf dem Platz sind, nur noch 8,-€ pro Nacht, inkl. Strom. Viele Bäume sorgen im heißen Sommer für Schatten, aber jetzt im Winter stehen wir lieber in der Sonne. So standen wir in der ersten Reihe, direkt am breiten Strand, wo erst am Nachmittag der Schatten kommt. Der Platz hat jetzt sehr wenige Gäste, so hat man genug Freiraum. Der Strand gehört den sehr wenigen Leuten, so dass man sich fast alleine auf der Welt vorkommt.

schöner Campingplatz Thurium

Gleich nebenan befindet sich ein zweiter Campingplatz: Onda Azzurra. Der Stil ist ganz anders, zwar auch mit vielen Bäumen, aber mehr sonnigen Womo-Stellplätzen. Dieser Platz ist sehr voll und man steht ziemlich dicht aufeinander. Wenn man länger als 14 Tage auf dem Platz steht, bezahlt man auch 8,-€, aber Strom kostet extra.

Wir hielten uns nur in der näheren Umgebung auf. Die Berge des Apenninen-Gebirgszuges bilden ein schönes Panorama im Hintergrund. Wenn die harmlosen Wolken über die Berge kommen, müssen wir immer daran denken, dass diese Wolken für die Unwetter auf der anderen Seite der Berge verantwortlich waren.

In Marina Schiavonea ist Italien am italienischsten, das fanden wir wenigstens das erste Mal auf unserer bisherigen Italien-Rundreise. Um diese Jahreszeit sind fast ausschließlich die Einheimischen unterwegs. Wenn man durch die engen Straßen geht, wo auch schon einmal Boote abgestellt sind, bekommt man das italienische Leben hautnah mit: die Wäsche trocknet auf Gestellen vor der Haustüre, Leute stehen vor ihren offenen Haustüren und unterhalten sich mit den Nachbarn, laute Unterhaltungen dringen durch die Fenster nach außen usw.

Gasse im Küstenort Marina Schiavonea

Unser Besuch eines Baumarktes, nur um die Zeit zu vertreiben und den Regen abzuwarten, geriet zum Abenteuer. Es waren kaum Kunden im Markt, als wir ihn betraten. Wir begannen unseren Rundgang in der ersten Etage, wo wir uns wohl eine halbe Stunde aufgehalten hatten. Gerade als wir nach unten gehen wollten, schrillte die Alarmanlage los, in einer solchen Lautstärke, dass wir uns die Ohren zuhalten mussten. Was war jetzt los? Oh je, die Mittagspause. Wir sind immer noch gewohnt, dass die großen Märkte durchgehend geöffnet haben. Als man zur Mittagspause den Markt abschloss, kontrollierte man nicht, ob noch jemand da war. Die Durchsage, die wir gehört hatten, verstanden wir ja nicht und an die Mittagspause dachten wir wirklich nicht. Irgendwann schlug dann halt die Alarmanlage an und wir waren eingesperrt. Was sollen wir jetzt machen? Müssen wir die nächsten knapp zwei Stunden im Markt bleiben, bis dieser wieder öffnet? Irgendwann war die Alarmanlage wieder still, weil wir an der Eingangstür darauf warteten, dass irgend jemand kommt. Da niemand kam, gingen wir zum Kaffeeautomaten, um uns die Zeit wenigstens mit einem Kaffee zu vertreiben. Wir waren noch keine drei Schritte gegangen, schrillte die Alarmanlage erneut los. Es war ganz schön schwierig, neben dem Ohren-zu-halten das Geld herauszusuchen und den Automaten zu bedienen. Schon nach dem ersten Kaffee kam ein Angestellter um die Ecke und staunte. Wir erklärten ihm, dass wir uns in der ersten Etage aufgehalten hatten und dann von der Alarmanlage überrascht wurden. Nach Klärung der Situation öffnete der nette Angestellte die Markttüre und das Außentor, welches ebenfalls verschlossen war. Er entschuldigte sich für die Unannehmlichkeiten und wir verabschiedeten uns. Das erlebt man auch nicht alle Tage.

Policoro

Quer durch das apulische Hügelland fuhren wir weiter nach Süden, immer unserem Ziel Sizilien entgegen. Inzwischen stellte sich heraus, dass es ganz schön viele Kilometer bis in den Süden Italiens sind. Dazu ist der Sprit sehr teuer (Diesel 1,50-1,58€, Super 1,77-1,85). Deshalb entschieden wir nun, doch nicht, wie geplant, die gesamte Ostküste Italiens entlang zu fahren, sondern hier und da abzukürzen. Das erste Opfer war der Stiefelabsatz, den wir kappten, indem wir die Straße von Fasano nach Taranto nahmen.
Taranto liegt ausgebreitet an der Küste, wenn man aus den Bergen Apuliens kommt. Die Stadt sieht nicht einladend aus, schon gar nicht mit den vielen Industrie- und Hafenanlagen. Deshalb setzten wir die Fahrt an der Küste des Taranto-Golfes fort. Auf der Suche nach einem kostenlosen Stellplatz landeten wir am Strand von Policoro.

Die Küstenstadt Policoro gründet sich auf der antiken Stadt Herakleia, die im 5. Jahrhundert v.Chr. eine griechische Kolonie war. Später übernahmen die Römer die Macht, bevor die Stadt irgendwann zerstört und verlassen wurde. Einige Ruinen befinden sich ein paar Kilometer landeinwärts am Fluss Agri.
Der Sand des Strandes von Policoro ist grau statt gelb, die Strandbäder und Bar´s sind meist nicht mehr sehr einladend, die schicke Promenade war vor ungefähr zwanzig Jahren einmal schick. Da sind wir von der Adriaküste anderes gewohnt.

Promenade am Strand von Policoro

Der Wald hinter dem Stra

nd ist Naturpark, mal licht, mal Urwald, in dem offensichtlich Wildschweine leben, vor Schlangen wird gewarnt. Pilze schießen gerade in Massen aus dem Boden, da das Wetter nass und warm ist. Da werden wir doch gleich einmal eine Pilzmahlzeit aus einer Art Goldröhrlingen zubereiten. Frisches Grün zeigt sich überall, ein Herbst wie in Deutschland ist hier unbekannt. Zeichen, dass wir jetzt wirklich den sonnigen und warmen Süden erreicht haben, sind die vielen Apfelsinen- und Mandarinenbäume.

Seit über einer Woche wüten Unwetter in Nord- und Westitalien. Nun hat es auch Sizilien getroffen. Da werden wir wohl noch ein paar Tage warten, bis sich die Lage beruhigt hat und wir mit der Fähre übersetzen. Wir selbst sind auf der Ostseite Italiens kaum betroffen, hatten nur zwei Stürme, einigen Regen und leichte Gewitter.

Trulli´s

Die Via Adriatica, ss16, brachte uns nun immer an der Adriaküste entlang bis nach Fasano, südlich von Bari. Fasano ist das Tor in eine besondere Welt, deren Zentrum Locorotondo ist. Locorotondo schmiegt sich um einen Hügel, der sich aus der Hochebene namens Itria-Tal erhebt. Die Hochebene liegt um die 410m über NN.

Locorotondo – Ansicht von Süden

Locorotondo wird zurecht als eines der schönsten Dörfer Italiens bezeichnet. Im Gegensatz zu Monte Sant Angelo macht es richtig Laune, durch die Gassen hoch und runter zu laufen. An jeder Ecke gibt es etwas interessantes zu sehen, gibt es liebevoll gestaltete Eingänge oder Balkone. Inmitten der vielen weißen Häuser fällt der rote Palazzo Aprile-Ximenes auf, der Palazzo Morelli brilliert mit seinen barocken Elementen, mehrere Kirchen in verschiedenen Stilen tragen ebenfalls zur Abwechslung in den weißen Fassaden bei.

Palazzo Morelli

Der Name Locorotondo weist auf die runde Altstadt hin. Sie ist nicht groß und so kommt man früher oder später an den Rand der gleichen. Fast von jedem Punkt aus schweift der Blick weit über das Itria-Tal. Dort erblickt man auch an vielen Stellen die für die Gegend typischen Zipfelmützenhäuser, die Trullis von Apulien.
Die „Hauptstadt der Trullis“ ist Alberobello, 9km westlich von Locorotondo gelegen. Schon auf dem Weg sind viele dieser lustigen Häuser zu sehen. In Alberobello angekommen, folgt man dem braunen Schild zum Trullizentrum. Hier kann man nur noch staunen. Ein ganzes Stadtviertel besteht fast ausschließlich aus Trullis. Es gibt sogar ein siamesisches Trulli, selbst die Kirche wurde im Trullistil erbaut.

Trullis soweit das Auge reicht

Neben den viel begangenen Hauptwegen, an denen sich die Souvenirbuden reihen, sollte man auch in die ruhigen Gassen abbiegen. Dort kommt man zwar meist nicht weit, weil viele von ihnen Sackgassen sind, aber es lohnt sich. Viele der Trullis tragen weiße, aufgemalte Zeichen. Sie alle haben eine Bedeutung, wie auch die Schmucksteine auf den Dachspitzen. Sogar manche Rauchabweiser auf den Schornsteinen stellen Figuren dar.

mittendrin in den Trullis

Ein paar Geschäfte bieten die Möglichkeit, auf das Dach zu steigen und sich die ganze Szenerie von oben anzusehen. Diese Trullis sind wohl einmalig auf der Welt. Leider sind die Preise in den verschiedenen Geschäften sehr hoch, wie auch die Parkgebühren. Während die meisten Orte in Italien jetzt von den Touristen fast verlassen sind, hat Alberobello wohl das ganze Jahr Saison. Jeder will den ungewöhnlichen Ort sehen.
Wenn man Zeit hat, sollte man durch die kleinen Nebenstraßen der Gegend fahren. Trullis in allen Variationen bestimmen das Bild. Manche sind verlassen und verfallen, manche werden immer noch bewohnt. Zumeist sind die alten Trullis jedoch in die modernen Häuser integriert, werden als Lagerraum oder Garage genutzt. Es wurden aber auch neue Häuser gebaut, die die Trullielemente aufgenommen haben. Flache Steinmauern umranden die kleinen Grundstücke, in denen oft Olivenbäume oder Obstbäume wachsen, oder es wird Gemüse angebaut. Es ist eine aufregende Gegend rund um Locorotondo.

Trulli als Schutzhütte

Übernachtet haben wir auf dem großen Parkplatz am Stadion von Locorotono, nicht gegenüber auf dem schrägen Wohnmobilstellplatz. Von dort sind es nur ein paar Schritte in die Altstadt.

Nachtrag: In den Salinen bei Margherita di Savoia, südlich von Manfredonia, sahen wir die ersten Flamingos auf unserer Reise durch Italien. Flamingosichtungen freuen mich immer wieder besonders, denn es sind sehr schöne und majestätische Vögel.

Gargano

Die Halbinsel Gargano ragt weit in die Adria hinein und bildet den Stiefelsporn der italienischen Landmasse. Um die Halbinsel, die zur Region Apulien gehört, zu erkunden braucht man allerdings sehr viel Zeit und ein nicht zu großes Gefährt. Die Straßen haben so gut wie keine geraden Abschnitte. Eine Kurve nach der anderen, meist sehr eng, zerren an den Nerven der Autofahrer. Ein Kilometer Luftlinie sind leicht vier Kilometer, die man unter die Räder nehmen muss. Das hatten wir in der Form bisher nur einmal, und zwar im Westen des Peloponnes (Griechenland). Auf der anderen Seite ist jeder Kilometer wunderschön, denn die Landschaft ist sehr abwechslungsreich und fast immer bergig.

Nach zwei Zwischenübernachtungen am Strand von Petacciato Marina erreichten wir Manfredonia im Süden der Gargano-Halbinsel. Wie ich schon in den vorangegangenen Berichten schrieb, ist jetzt im Herbst an den Stränden nichts mehr los. Petacciato Marina gehört zum gleichnamigen Ort, der oberhalb auf einem Berg thront. Die Stadt ist nichts besonderes, aber es bieten sich schöne Ausblicke über die Küste und das Meer.

Kirche von Petacciato

Am Strand kann man einem Naturpfad durch den Schilfwald und den Dünenbereich folgen. Eine reiche Artenvielfalt der Flora macht diesen Weg interessant. Im Sommer kommt eine reiche Fauna hinzu. Sogar Landschildkröten sollen in den Dünen leben. Spaziergänge am Strand sind immer toll.

Weg durch meterhohes Schilf

Eigentlich wollten wir noch eine Zwischenstation am Lesina-See und dem Varano-See einlegen, die für ihre vielen Vogelarten bekannt sind. Die bisherige Fahrt durch Italien hat uns jedoch gelehrt, dass Vogelbeobachtungen jetzt kein Thema sind. Deshalb fuhren wir an den Seen im Norden der Halbinsel Gargano vorbei nach Manfredonia. Drei Nächte verbrachten wir auf dem Campingplatz Lido Salpi südlich der Stadt. Von hier starteten wir eine Rundfahrt über Gargano.

Sonnenuntergang am Lido Salpi

Für die erste Station Monte Sant Angelo mussten wir knapp 800 Meter Höhenunterschied in vielen Serpentinen überwinden. Am Heck das immer tiefer gelegene Meer und vor der Front die Häuser am Rande des Berghanges, am Straßenrand sind mehrere Höhlen auszumachen. Der weiche Kalkstein, aus dem die Berge des Gargano bestehen, bietet sich für Höhlenwohnungen an. Als Wohnungen werden die Höhlen wohl inzwischen nicht mehr benutzt, aber für die Hirten oder als Lagerräume haben sie immer noch Bedeutung.

Straße nach Monte Sant Angelo

In Monte Sant Angelo angekommen, muss man einige Geduld und Ruhe aufbringen, denn der Verkehr in den engen bis sehr engen Gassen stockt oftmals. Die vielen Einbahnstraßen lassen das Gewirr der Gassen zu einem Labyrinth werden, aus dem man ohne Navi kaum wieder heraus kommt.
Der interessante Teil der 1000 Jahre alten Stadt befindet sich ganz oben auf der Spitze, wo die Kirche San Michele und das Kastell zu finden sind. San Michele ist eine Grottenkirche, das heißt, die eigentliche Kirche befindet sich unter der Erde. Nur die Eingangshalle und der Glockenturm liegen überirdisch. Neben dem Kastell steht eine alte Häuserreihe, die typisch apulisch aussieht.

Grottenkirche San Michele

Beim Stadtbummel fällt vor allem auf, dass Monte Sant Angelo eine weiße Stadt ist. Um die teils großen Höhenunterschiede zu überwinden, sind in vielen Gassen Treppen eingebaut. Die Häuserfassaden sind sehr schlicht, mit nur wenigen Schmuckelementen. Diese Architektur zieht sich durch ganz Italien.

weiße Stadt Monte San Angelo

Nach dem Besuch von Monte Sant Angelo wollten wir eigentlich die Halbinsel Gargano nach Norden überqueren, um uns den Fischerort Peschici anzusehen. Angesichts der dahinfliegenden Zeit und der kurvenreichen Straßen kürzten wir die Rundtour ab und fuhren durch den Forest Umbra direkt nach Vieste. Zuerst fuhren wir durch die Bergwelt mit vielen Steineichen. Je weiter wir uns der Küste näherten, umso höher wurden die Bäume und der dichte Eichenwald wurde von einem lichten Laubwald abgelöst. Irgendwann häuften sich die Picknickplätze.

Forest Umbra

Nach einer schier endlosen Fahrt, 60 Kilometer nur Kurven, landeten wir in Vieste. Der Hafen der Stadt ist groß, hübsch angelegt und sicher in der Form noch nicht alt. Von dort werden im Sommer Bootsfahrten zu den Tremiti-Inseln angeboten.
Was jedoch die Sehenswürdigkeit in Vieste ist, findet man am südlichen Strand. Wir sahen es und fühlten uns sofort nach Etretat in der Normandie versetzt. Gleißend weiße Steilwände aus Kreide, zumindest wenn die Sonne scheint, mit Häusern direkt bis an deren Kante, ragen mehr als zwanzig Meter senkrecht in den Himmel. Zwischen der Steilwand und dem Strand steht ein Monolith, der sich wie eine Nadel zwanzig Meter über dem Strand erhebt. Das hatten wir hier nicht erwartet. Das ist schon beeindruckend.

Kreide-Monolith von Vieste

Schon fing es an dunkel zu werden, aber die Straße zurück nach Manfredonia wurde nicht besser. Noch einmal 60 Kilometer Kurvenstrecke verlangten den Rest unserer Kondition ab. Nur ein kurzes Stück wurde durch eine Fernstraße ersetzt, ein weiteres Stück ist in Arbeit. Fast alles der neuen Straße besteht aus Tunneln.

Einen Geheimtipp haben wir noch zwischen dem Lido Salpi und Manfredonia gefunden. An der kleinen Straße durch Siponto befindet sich eine Wasserbüffelfarm. Der Geruch, der einem dort in die Nase steigt, ist nicht eben angenehm, dafür ist der Käse aus Büffelmilch umso besser. Das alles bietet die Azienda Agricola Zootecnica – Caseificio die Pini. Man darf sogar vor dem Kauf probieren, denn die Auswahl ist groß. Vom Frischkäse über den Mozarella bis hin zum Hartkäse, da fällt die Entscheidung nicht leicht. Dies war die erste Büffelfarm, die uns auf unseren Reisen bisher begegnete. Die Preise sind zudem bezahlbar.

Wasserbüffelfarm bei Siponto

 

Beitragsnavigation