A+K Weltenbummler

Reisen rund um die Welt

Prescott Valley – Arizona

Warum kann man auf den Karten nie richtig sehen, wie die Straßen kurven- und höhentechnisch verlaufen. Das würde es uns einiges leichter machen. Der Mingus Mountain Scenic Byway wäre schon die zweite Straße nach dem Oak Creek Canyon gewesen, die wir mit unserem ersten Gespann nicht hätten fahren können. Für den Bus sind solche Straßen kein Problem, obwohl es durch Jerome schon das ein oder andere Mal eng wurde. Jerome rühmt sich als größte Geisterstadt der USA. In den 1890ern noch als „verruchteste Stadt des Alten Westens“ mit Schießereien und Bordellen bekannt, dann als wohlhabende Bergwerksstadt mit dem Hauptanteil Kupfer und 15.000 Einwohnern, verschwand Jerome nach der Schließung der Minen 1953 in der Bedeutungslosigkeit. Ganze 100 Menschen hielten dem Ort die Treue. Heute gibt es knapp 5 Mal soviele Menschen dort, meist Künstler und übriggebliebene Hippies, die von den Touristen leben. Eine einmalige Aussicht auf das sehr viel tiefer gelegene Verde Valley ist ein weiterer Grund, Jerome anzufahren (max. Länge der Fahrzeuge: 50´)

Die Straße windet sich weiter endlos weit nach oben, wieder durch einen Ponderosa-Kiefernwald. Wir waren schon froh, auf gut 1000 Metern gewesen zu sein, da muss der Bus schon wieder Bergziege spielen und auf über 2300m klettern. Endlich ging es wieder hinunter und durch Prescott Valley hindurch. Als hätten wir eine andere Welt erreicht, fanden wir uns erneut zwischen Vulkanen wieder, die von Ebenen mit gelb gewordenem Gras umrahmt werden, nichts Grünes mehr. Dann ab Dewey-Humboldt wachsen vereinzelt Bäume und ich glaube, es ist das erste Mal, dass wir Säulenzypressen in den USA gesehen haben. Irgendwie passen die gar nicht hierher.

In Cordes Junction blieben wir ein paar Tage, um an unserem Bus weiter zu werkeln und zu putzen und auf die Unterlagen für den Bus zu warten, die hierher geschickt werden sollten. An dem Bus ist wohl die ganzen 10 Jahre kaum etwas gemacht worden. Nach und nach kommen jetzt die Probleme zu Tage, aber alles nur Kleinigkeiten, noch.
 Am ersten Abend haben wir Tilapiafilet mit in Zwiebel und scharfem Paprika eingelegten und warm gemachten Opuntienstreifen (Feigenkaktus) gemacht. Hmm, war das lecker. Ich wollte ja schon lange einmal rohe Opuntien essen, aber Erstens sind die meisten Kakteen verdorrt oder zu klein, und Zweitens wissen wir nicht so recht, wie wir es anstellen sollen. Die haben einfach zu viele Stacheln. Lecker sind sie bestimmt auch roh.

Oak Creek Canyon – Arizona

Auf unserem Weg nach Süden, Richtung Sedona, fuhren wir auf der historischen Road 89A durch den Oak Creek Canyon. Bevor wir im Canyon ankamen, mussten wir eine gefühlte halbe astronomische Längeneinheit Höhenunterschied nach unten überwinden, und das in kaum mehr als 5 Serpentinen. Diese Straße ist wegen ihrer steilen Abfahrt und engen Kurven für LKWs gesperrt. Mit unserem vorhergehenden Gespann hätten wir wohl echte Probleme bekommen, der Bus und Klaus haben die Abfahrt jedoch brillant gemeistert. Die Abgründe sind jedenfalls der helle Wahnsinn.
Die Straße führt aber auch durch den weltweit größten Ponderosa-Kiefernwald. Im Deutschen ist dieser Baum auch als Gelbkiefer bekannt. Die Art wächst nur in Höhen zwischen 3000 und 9000 Fuß und hat 3 Nadeln pro Blattansatz. Bisher kannten wir nur Kiefern mit 2 oder 5 Nadeln pro Blattansatz. Das Tal ist sehr grün, liegt auf nur noch 5000 Fuß und wir kamen uns nicht mehr wie im Winter vor, sondern nur noch wie im Herbst.

Es war richtig warm. Das sehenswerteste Stück Oak Creek Canyon ist der Slide Rock Park. Hier sind die roten Sandsteinfelsen wunderschön ausgewaschen und im Fluss ist eine offizielle Badestelle eingerichtet. Das Wasser ist glasklar und sauber, es gibt Forellen und die Ansichten des Tales sind wunderschön. Da weiß man wieder nicht, wo man zuerst hinsehen soll. Zwei ältere Damen berichteten von 2 Bergziegen, die sie auf dem Wanderweg oberhalb des Flusslaufes gesehen hatten. Als wir dort ankamen, waren sie natürlich weg.

Am Ende des Canyons liegt Sedona. Ein Aussteigen lohnte sich für uns nicht, denn Sedona ist eine komplette Touristenstadt. Allerdings liegt sie in ihrem eigenen Monument-Valley. Wunderschöne Sandsteinformationen rahmen Sedona ein. Das ist auch der Grund, dass hier in der Gegend mehr als 60 Filme seit 1923 gedreht wurden. Die Häuser sind ausnahmslos in den Farben der Sandsteinformationen rund herum verputzt. Farbliche Akzente setzen gern Gelb und Lila/Violett, was uns wieder sehr gut gefallen hat.

Im Dead Horse Ranch State Park bei Cottonwood haben wir uns für 2 Nächte eingerichtet. Der Name kommt von der Familie Ireys, die in den späten 1940ern aus Minnesota nach Arizona kam, um eine Ranch zu kaufen. Es standen mehrere Ranches zur Auswahl und als der Vater die Kinder fragte, welche Ranch es nun sein sollte, antworteten diese: Die Ranch mit dem toten Pferd. So kam die Ranch zu ihrem Namen. Der Staat übernahm die Ranch 1973 und behielt den Namen bei.
Langsam kommen wir in ein Gebiet mit einer Vegetation, wie man sie sich in Arizona vorstellt: verschiedene Yuccas, Agaven, Aloe, Opuntien usw. Die Wüste hat uns wieder. Wir befinden uns nur noch auf einer Höhe von gut 1200 Metern.

Bei einer kleinen Runde in der Nähe unseres Stellplatzes entdeckten wir ein altes, verfallenes Blockhaus. Vielleicht war das einmal das Farmhaus? Etwas weiter weg, im Verde Valley auf einem Hügel gelegen, konnten wir das Tuzigoot National Monument ausmachen. Das sind Ruinen eines Sinagua Pueblos, das 110 Räume zählt und zwischen 1125 und 1400 erbaut wurde. Die Pueblo-Häuser sind meist 1-2 geschossige Bauten, deren Zugänge oben lagen, wo wir normalerweise das Dach haben. Der Zugang erfolgte über Leitern, die im Falle eines Angriffes von außen nach oben gezogen werden konnten. Die Sinaguas waren sesshafte Bauern.
In der Nacht wurde ich von einem kurzen Heulen und Kläffen der Kojoten geweckt. Wir fanden Spuren, die von Kojoten stammen könnten, die nachts auf Jagd nach Mäusen oder Käfern gehen, gerade dort, wo es viele Mäuselöcher gibt.

Flagstaff – Arizona

Wieder ostwärts gerichtet und an der Südseite der San Francisco Mountains vorbei erreichten wir Flagstaff, das am Fuße von mehreren Vulkanen und immer noch 2135m hoch liegt. Hier verbrachten wir die kälteste Nacht dieser Tour. Um 7 Uhr morgens zeigte das Thermometer -1,3° C in unserem Schlafzimmer an. Da wir wieder einmal bei Walmart standen und unsere Heizung auf Gas lief, oder besser nicht lief, fuhren wir als erstes in die Altstadt von Flagstaff, um dort einen Ort für unser Frühstück zu finden. Im Café Pickles in der San Fransisco Street nahmen wir ein gutes mexikanisches Frühstück zu uns. Kaffee gibt es ja, wenn man etwas zu essen bestellt, bis zum Abwinken. Warm wurde es uns nebenbei noch.

 

 

 

Danach sind wir ein Stück die Route 66, unter anderem am alten Bahnhof vorbei, in dem heute die Touristinfo sitzt, entlanggelaufen. Für die Rücktour suchten wir uns die Parallelstraße Aspen Avenue aus. Das Hotel Weatherford sieht heute noch fast genauso aus wie 1897, als es gebaut wurde. Die alte Kirche ein paar Straßen weiter hinten, ist in ihrer Architektur einzigartig. In der Fassade wurden roter Sandstein und Natursteine verbaut. Die Figuren, die die Fassade schmücken, sind aus Kalkstein. Uns hat das sehr gut gefallen. Da hat doch mal jemand echten Geschmack bewiesen. Das Innere der Kirche ist dafür schlicht gehalten.

 

 

 

Flagstaffs erster Siedler war Thomas F. McMillan. Er wurde in Tennessee geboren, suchte Gold in Kalifornien, züchtete Schafe in Australien und kam 1876 in Arizona an. Hier baute er eine Schaf-Ranch auf und verkaufte Partyartikel, unter anderem Fahnenzubehör. Daher kommt der Name der Stadt Flagstaff.
 Flagstaff ist eine laute Stadt, nicht zuletzt wegen der Eisenbahn, die wie in Gallup alle paar Minuten durch die Häuserreihen brettert.

Williams – Arizona

Über Tusayan verließen wir den Grand Canyon National Park wieder in Richtung Süden. In Valle haben wir die Heimat von Fred und Wilma Feuerstein gefunden. Die „Flintstones Bedrock City“ ist ein Themenpark für Kinder. Gleich nebenan liegt ein Flugzeugmuseum.

Wieder durch das große Vulkangebiet mit seinen Lavaflüssen und fast immer den schneebedeckten Humphrey´s Peak im Blick, kamen wir in Williams an. Williams ist bekannt als das Tor zum Grand Canyon. Von hier startet auch die Dampflokbahn, die die Besucher auf ihre eigene Weise zum Grand Canyon bringt. Außerdem bringt der Bearizona Wildlife Park, durch den man mit dem Auto fahren kann, den Besuchern die heimische Tierwelt nahe.

Im Zusammenhang mit der Route 66 gibt es zu sagen, dass Williams die letzte Stadt an der Route 66 war, die durch die Interstate 40 vom Durchfahrtsverkehr abgeschnitten wurde. Das war am 13. Oktober 1984. Die Historische Altstadt erstreckt sich innerhalb zweier Straßen über mehrere Blocks. Die alten Häuser sind alle neu gestaltet und renoviert worden, so dass es Spaß macht, durch das Viertel zu spazieren. Das Cruiser´s Café 66 ist im Stil der Route 66 eingerichtet und warb mit den besten Grillgerichten der Stadt, allerdings sind die viel zu teuer. Das Café arbeitet mit der Grand Canyon Brauerei zusammen und so probierten wir das Bier. Da wir nicht sagen konnten, welches Bier wir bestellen sollten, brachte uns die Kellnerin drei Gratisproben. Also, ich muss sagen: wenn man in den USA gutes Bier trinken möchte, dann sollte man sich an die privaten Brauereien halten. Damit haben wir bis jetzt sehr gute Erfahrungen gemacht. Wir haben jedenfalls auch diesmal einen kleinen Vorrat mitgenommen.
Für uns war Williams für diesen Abschnitt unserer Tour der westlichste Punkt auf der Route 66. Wir hoffen, dass wir die Mutterstraße Amerikas bald weiterfahren können.

Grand Canyon – Arizona

Vorbei an den San Francisco Mountains und anschließend durch eine bilderbuchmäßig schöne Vulkankette erreichten wir, immer bergab fahrend, auf der Road 89 Cameron, wo wir uns die alte Stahlfachwerkbrücke über den Little Colorado River angesehen haben. Sie wurde von einer moderneren, dem heutigen Verkehr entsprechenden Brücke abgelöst.

Nachdem wir auf die Road 64 abgebogen waren, fuhren wir durch eine Wüste mit Sandsteinformationen, Vulkanen und dem schon beeindruckenden Canyon des Little Colorado River. Entgegen unserer Erwartungen mussten wir wieder einen Höhenunterschied von 5000 Fuß auf weit über 7000 Fuß (2200m) überwinden. Niemand, aber auch niemand, hatte irgendwann einmal erwähnt, dass der Grand Canyon nicht im Flachland liegt, wie man es erwartet, sondern im Hochgebirge. Die Erklärung: vor Milliarden von Jahren lag die ganze Ebene viel tiefer und war ein riesiges Meer, welches Sedimente ablagerte und Lebewesen konservierte. Irgendwann später schob sich die Nordamerikanische Kontinentalplatte unter die Pazifische Platte und das Gebiet des heutigen Grand Canyon wurde auf etwa 3000m angehoben. Dabei verschwand das Wasser des Meeres bis auf einen Rest, der sich nach und nach in die Ebene eingrub. 17 Millionen Jahre soll es gedauert haben, bis der Grand Canyon in seiner heutigen Form entstand und die Milliarden Jahre alten Schichten zum Vorschein brachte. Er ist eines der sieben modernen Weltwunder.

Die Kältewelle hält immer noch an und wir entdeckten den Grand Canyon bei ganzen 3°C und eisigem Wind, teilweise lag noch der Schnee von vor ein paar Tagen. Dafür hatten wir strahlend blauen Himmel und Sonne satt.
Bei Desert View erreichten wir den South Rim (Südrand) des Grand Canyon National Parks. Die Parkgebühr von 25,-$ schenkte man uns heute freundlicherweise – gebührenfreies Wochenende, hieß es, obwohl heute Montag war. Dafür bekamen wir Informationsmaterial in die Hand gedrückt, das uns half, uns im Park mit seinen Angeboten zurechtzufinden. Neben der Straße lässt sich der Canyon auch per Hubschrauber, Rafting, Ballon, Muli oder Wanderungen entdecken. In dieser Jahreszeit bleiben anscheinend nur die Straße, das Muli und die Wanderungen.

Am Desert View steht der Watchtower, der um 1930 gebaut wurde, um den Besuchern den weitestmöglichen Blick über den Grand Canyon zu bieten. Hopi und Navajo-Indianer gestalteten das Innere des Aussichtsturmes künstlerisch. Der erste Eindruck vom Grand Canyon ist gewaltig. Nur ein Loch in der Erde? Fehlanzeige. Der Grand Canyon ist 277 Meilen lang (alles x1,6 für Kilometer), 10 Meilen breit und fast 1 Meile tief. Wenn man Glück hat, kann man sogar einen Kalifornischen Condor beobachten, die hier wieder angesiedelt werden. Wie immer, war uns dieses Glück nicht vergönnt. Dafür drehen die Raben ihre Runden und zwei Dickhornschafe ließen sich auch blicken. Der Grand Canyon ist aber ein Refugium für eine Vielzahl an Pflanzen und Tieren.

Wir fuhren die Straße weiter Richtung Westen, immer am Rand des Canyon entlang, an dem mehrere Aussichtspunkte eingerichtet sind, von denen man atemberaubende Blicke in und über das Naturwunder mit seinen Farben und Formen hat. Wir haben gefühlte 3000 Fotos geschossen. Eine Ansicht war fantastischer als die andere, aber der Colorado River lässt sich nur an wenigen Stellen erspähen.

 

 

 

Nachdem wir unseren Bus am Nachmittag im Trailer Village abgestellt hatten, setzten wir uns in das kostenlose Shuttle und fuhren noch ein Stück die Hermits Rest Route entlang, die nicht mit dem Privatfahrzeug befahren werden darf. Die Sonne stand schon tief und bot jetzt eine neue, intensivere Beleuchtung des Grand Canyon. Da uns die Zeit davon lief, die Tage sind jetzt einfach viel zu kurz, stiegen wir schon am Hopi Point aus. Der Busfahrer meinte, dass dies der Punkt sei, den man unbedingt gesehen haben muss. Wir wissen es nicht besser, aber das ist wirklich eine wunderschöne Ecke. Zu Fuß spazierten wir zum Powell Point zurück, wo uns der Bus wieder abholte und zurückbrachte. Das war echt ein aufregender Tag mit vielen schönen Eindrücken, auch wenn wir fast erfroren wären. Wir werden auf jeden Fall versuchen, den Grand Canyon an einer anderen Stelle irgendwann noch einmal anzufahren.

 

 

Meteor Crater – Arizona

Beim Studieren der Karte für unsere weitere Tour stieß ich auf den Meteorkrater. Das ist doch was für mich. Er liegt nur etwa 6 Meilen neben der Interstate. Schon aus einiger Entfernung sieht man einen aufgeschütteten Wall inmitten der flachen Wüstenlandschaft. Natürlich hat man, wie an allen interessanten Stellen, auch den Krater kommerzialisiert. Der Eintritt ist zu deftig, für das was geboten wird, mussten wir feststellen. Dafür ist der Krater sehr beeindruckend. Er gilt als das Paradebeispiel für einen Meteorkrater. Dieser hier entstand vor etwa 49.500 Jahren nach dem Einschlag eines gigantischen Meteors, der mit fast 70.000 Kilometern pro Stunde die Erde traf. Ein Hauptmeteor wurde nie gefunden, dafür findet man in der Umgebung jede Menge kleiner Stücke. Anhand dieser Stücke wurde ermittelt, dass der Meteor ein seltener, schwerer nickel-eisenhaltiger Meteor war. Die Teile sind um einiges schwerer und magnetischer als normale Meteoriten. Der Krater ist 175m tief und hat einen Durchmesser von mehr als 1250m. Der Rand misst um die 5 Kilometer. Da braucht man schon eine Weile, um herumzulaufen. Wenn man da am Rande steht, sieht das alles gar nicht so groß aus. Eindrucksvoll ist der Krater allemal.
 Die ersten Entdecker 1871 glaubten an einen erloschenen Vulkan, bis die ersten eisenhaltigen Meteorite in der Umgebung gefunden wurden. 1902 kam der Bergbauingenieur Barringer aus Philadelphia auf Grund der Umstände zu dem Schluss, dass dies ein riesiger Meteor verursacht haben muss. Seine 25 Jahre langen Bemühungen, den Hauptteil des Meteors zu finden, blieben jedoch erfolglos. Die Bohrungen sind heute noch zu sehen.
 Der Meteorkrater diente in der Vergangenheit der Ausbildung aller Apollo-Astronauten (Mondmission) und dient heute der modernen Forschung im Bereich Krater, Meteore und Weltraummissionsausrüstung.  Inzwischen sind weitere 200 Meteorkrater auf der Erde entdeckt worden. Die vielen Punkte auf der Karte des Museums machen schon Angst und Bange.

 

 
 

 
Sehr schön thronen die San Fransisco Mountains mit dem höchsten Berg Arizonas, den Humphrey´s Peak, am Rand der großen Ebene, im Moment mit schneebedeckten Gipfeln. Ein schöner Kontrast.

Holbrook – Arizona

Von der lange angedrohten Kaltfront hatte ich berichtet. Heute morgen standen wir inmitten eines Blizzards auf und alles war weiß. In der Nacht hatte es noch geregnet. Damit hatten wir nicht gerechnet, eine schöne Überraschung.

Das Schneien hatte bei unserer Abfahrt jedoch weitestgehend nachgelassen und an der Grenze zu Arizona schien wieder die Sonne. Arizona und Schnee! Anscheinend hat es hier aber noch vielmehr geregnet, denn das Wasser stand noch fast überall und in den Flussläufen kamen manchmal ganz schöne Massen an Wasser an. Ab der Grenze zu Arizona bis kurz vor Flagstaff führt die Straße nun durch Navajo- und Hopigebiet. Das Devil´s Cliff hinter Manuelito, das die Ingenieure im Jahre 1936 in den Felsen gesprengt haben, um Platz für die Route 66 zu machen, haben wir gesehen. Die Route 66 führt mal rechts, mal links entlang der Interstate 40. Am Devil´s Cliff führt sie direkt an der Felswand entlang, darunter liegt die Amtrakstrecke, die ja schon vor der Route 66 da war. Hier und da sieht man, wie überall an der Route 66, Ruinen von Motels und Tankstellen. Zwei einsame Brücken, die Straße hat an diesen Abschnitten die Landschaft zurückerobert, sind nördlich der Interstate auch zu finden.

Kurz vor Holbrook liegt der Petrified Forest National Park. Zu spät, nämlich auf dem Campingplatz in Holbrook, der direkt an der Route 66 liegt, erfuhren wir, was das bedeutet. Skulpturen von Sauriern säumen die Straßen. Vor der Anmeldung des Campingplatzes OK RV Park liegen versteinerte Baumstammstücke. Jetzt war mir alles klar. Eine Karte des Gebietes verriet uns, was wir verpasst haben. Auf einer Panoramastraße hätten wir durch ein Gebiet fahren können, das nur so vor versteinerten Bäumen strotzt. Jede Menge Saurierknochen und andere Fossilien hat man hier ebenfalls gefunden. Außergewöhnliche Felsstrukturen und die bunten Sandsteinfelsen der Painted Desert komplettieren den Park. Das hätte sich bestimmt gelohnt. Naja.

Holbrook war als zäheste, rauheste und gesetzlose Stadt des alten Westens bekannt. Aus allen Ecken der Gemeinde hört man Geschichten und Legenden. Holbrook wurde 1881 gegründet, als die Eisenbahn kam. Das Gerichtsgebäude mit dem Gefängnis wurde 1898 gebaut und das Gefängnis war bis 1976 in Betrieb. Heute hat dort die Handelskammer ihren Sitz.

Um zu kompensieren, was wir mit dem Petrified Forest National Park verpasst hatten, besuchten wir Jim Gray´s Petrified Wood Museum, welches die größte Sammlung versteinerten Holzes im Lande aufweist. Man kann die Stücke kaufen wie sie gefunden wurden oder auch verarbeitet, also geschnitten und geschliffen. Da sind sehr schöne Stücke dabei wie Couchtische oder nur dekorativ verarbeitete Stammteile, alles entsprechend teuer. Es werden aber auch Stücke für den kleineren Geldbeutel angeboten, dazu eine Unmenge Fossilien und Edelsteine. Die größte Attraktion des Museums ist „Wild Bill“, ein 2,9 Millionen Jahre altes, komplettes Alligatorfossil. Wir kamen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Unvorstellbar, welche Massen von diesen Dingen dort gelegen haben und immer noch liegen.

 

Gallup – New Mexico

Die Route 66 hat uns in Gallup erst einmal wieder. Es ist der höchste Ort an der Route 66 und für Übermorgen ist eine strenge Kältewelle angesagt. Wir müssen endlich weg hier, aber der Red Rock Park hält uns noch auf. In Gallup selbst sind einige Wandgemälde zu besichtigen, die jedoch von indianischen Künstlern gestaltet wurden. An der Route 66 reihen sich indianische Handelsposten und Geschäfte aneinander. Der City Electric Shoe Shop bietet hochwertige Western- und Indianerkleidung. Es soll 117 Restaurants, 61 Hotels und 42 Tankstellen geben. Im Eagle Café, das es seit 1917 gibt, ließen wir uns ein ausgezeichnetes Lammgulasch schmecken. Dazu gab es Mais, der die Konsistenz von Kartoffeln hatte und auch so schmeckte. Keine Ahnung, was das war. Am östlichen Ende von Gallup steht das El Rancho Hotel von 1937, in dem so berühmte Schauspieler wie Ronald Reagan, Spencer Tracy, Katherine Hepburn und viele andere Persönlichkeiten residiert haben. Das absolut Negative an Gallup ist, dass etwa alle 14 Minuten ein Zug, der jedesmal bei der Durchfahrt hupt was das Zeug hält, die Stadt passiert. Unser Eindruck war, dass 14 Minuten noch zu lang sind. Das ist eine echte Zumutung.
 Ich glaube, die Bewohner von Gallup sind zu 98% Indianer. Es ist die Welthauptstadt der Indianer und die Abenteuer-Hauptstadt von New Mexico. Es gibt soviel im weiteren Umkreis von Gallup zu entdecken und zu erleben, dass es wohl fast ein Leben lang braucht, alles zu sehen. Den Red Rock Park wollen wir aber noch entdecken.

Die Kältewelle hat uns heute Nacht schon mit Regen und Wind erreicht. Schade, aber nicht zu ändern. Unsere Wanderung durch den Red Rock Park mit den beiden Felsformationen Pyramid Rock und Church Rock haben wir trotzdem gemacht. Mann, oh Mann, beinahe hätten wir oben auf dem Kamm übernachten müssen, denn wir haben den Abstieg nicht gefunden. Ich weiß nicht, ob es in Deutschland solche Wanderwege gibt. Dieser hier wird gleich als „nicht offiziell“ gekennzeichnet. Man soll eine wage gehaltene Trailkarte mitnehmen und quasi selbst herausfinden, wo es langgeht. Nur dumm, dass es mehr Wege gibt als auf der Karte verzeichnet sind und die Steinmännchen, die die Wege markieren sollen, nicht immer zu finden sind. Da ist man schnell falsch abgebogen. Nur durch Zufall, nachdem wir schon mehrfach an sehr tiefen Abgründen gestanden haben, fanden wir einen der Wege, der uns wieder nach unten brachte. Alle Wege sind, ohne Ausnahme, abenteuerlich. Bloß gut, dass wir so einiges gewohnt sind. Als dann noch offensichtlich kurz vor uns ein Puma denselben Weg durch das Flussbett genommen hatte, haben wir uns gleich noch mit Knüppeln bewaffnet. Fix und fertig erreichten wir nach 3 Stunden Kletterei unseren Campingplatz am Fuße der Felsen.

 

 

 

 

 

 

 

El Morro – New Mexico

Das El Morro National Monument ist ein weiteres, unvergleichlich schönes Stück Landschaft. Das ist eine große Felsformation aus gelbem, rotem und weißem Sandstein, die sich aus der Wüstenebene erhebt. Vom Besucherzentrum aus kann man sich diese Formation erschließen. Für die nicht so großen Wanderer gibt es einen kleinen Rundweg, der am Fuße des Inschriften-Felsens entlang führt. Seit jeher ist diese Formation ein Wegpunkt für Reisende, auch weil dort ein nie versiegender Wasserpool existiert. Er wird nur von Regen und Schnee gespeist, es ist keine Quelle. Die Ureinwohner hinterließen Malereien und Nachrichten, die Spanier und später die Amerikaner, vom Soldaten bis zum Abenteurer, hinterließen ihre persönlichen Inschriften.
Dann führt der Rundweg wieder zurück. Wir wollten aber alles sehen und nahmen den fast 2-stündigen Weg auf den Felsen auf uns und wurden mit unbeschreiblichen Eindrücken bombardiert. Der höchste Punkt des Felsens liegt bei 2274 Metern. Wir brauchten nur um die 74 Meter über eine Serpentine an der Rückseite des Felsens zu überwinden und wurden mit einem atemberaubenden 360°-Blick belohnt. Die Formation beschreibt ein U, in dessen Mitte eine fast von der Umwelt abgeschlossene eigene Welt existiert, in deren Mitte wiederum eine Felsnadel steht.

Zwei in den Felsen gehauene Linien kennzeichnen den Wanderweg ganz oben. Auf den kahlen Felsen wachsen irgendwie noch Bäume, unglaublich. Der gelbe Sandstein wechselte in weißen Sandstein, der manchmal rote Kappen hatte. In den Felsen gehauene Stufen, Handläufe und andere Hilfsmittel halfen beim Passieren natürlicher Hindernisse.

 

 

 

So hoch oben, über allem, kommt man sich frei wie ein Vogel vor. Am Ende des Wanderweges auf dem Felsen überraschen Ruinen des Atsinna Pueblos den Wanderer, die 1950 gefunden und für die Nachwelt erhalten wurden. Um 1400 verließen die Atsinna dieses unzugängliche Pueblo und zogen in das Zunital. Das Zuni Pueblo ließen wir aus. Es wurde 1540 von den spanischen Entdeckern gefunden, die auf der Suche nach 7 Goldenen Städten des Cibola-Gebietes waren, heißt es. Gold gab es nicht, dafür Silber und Türkise. Die Zuni sind für ihre besonderen handwerklichen Fähigkeiten im Bereich des Schmucks, der Töpferei und der Fetische berühmt. Wir haben von den Acoma und Zuni erst hier erfahren.

Übernachtet haben wir als einzige Gäste auf dem Campingplatz des Parks. Der liegt mitten in der Wildnis und wir hatten gehofft, wieder das Lachen, Kichern und Heulen der Kojoten zu hören, aber es war absolut nichts zu hören. Es herrschte absolute Stille und Finsternis. So dunkel hatten wir noch nie geschlafen und man spricht von Wölfen in dieser Gegend.

El Malpais – New Mexico

Das Wort muss noch erfunden werden, um zu beschreiben, was wir in den beiden National Monuments (El Malpais und El Morro) gesehen haben. Was uns zuerst auffiel war, dass es wieder Bäume gibt, fast schon kleine Wälder. Es sind zwar nur Nadelbäume, aber immerhin. Seit wir in Texas eingereist sind, gab es kaum noch einen Baum zu sehen.

El Malpais ist Vulkanland, das in der höchsten Wüste südlich der Interstate 40 zwischen Albuquerque und Gallup liegt. 29 Vulkane haben hier vor 10000 Jahren ihre Lava verströmen lassen, die weite Teile des Landes bedecken. Unsere erste Entdeckung am westlichen Ende des Zuni-Acoma-Trails, in der Nähe des Parkplatzes, liegt ein kleiner Lavastrom mit tiefen Schluchten. Da drauf zu stehen war schon aufregend genug, aber es kommt noch besser.

Für das El Calderon Area nahmen wir uns etwas mehr Zeit, die wirklich sehr gut angelegt war. Der ganze Rundweg von 7 Meilen war dann doch zu lang für uns, denn wir hatten noch viel vor an diesem Tag. Gleich vornan liegt die Junction Cave. Eine Höhle, die entstanden ist, als die Decke des Lavatunnels irgendwann einbrach und den Weg in den Tunnel freigab. Nur ein paar Schritte weiter noch ein Loch in der Landschaft, das gleiche Szenario. Klaus ließ sich nicht zurückhalten, in die Höhle zu steigen. Als er drinnen war, entdeckte er am anderen Ende Licht. Die beiden Höhlen hängen also zusammen, deshalb Junction Cave, Kreuzungshöhle. Allerdings ist ein Zugang nicht zu empfehlen, da die Lava weiter instabil ist.

Jetzt hatte uns die Entdeckerlust gepackt und wir wollten noch zur Bat Cave, der Fledermaushöhle. Der Weg dorthin führt über offenes, hügeliges Gelände mit herrlichen Aussichten auf die Sandsteinberge in der einen Richtung und Vulkane in der anderen Richtung. Plötzlich standen wir vor zwei riesigen Löchern in der Erde. Keine Absperrung, nichts. Das sind ebenfalls eingebrochene Lavatunnel, nur um vieles größer und tiefer als die bisher gesehenen. Zwischen den Beiden steht nur noch eine schmale Wand, über die der Wanderweg führt. Wie lange noch? Wer weiß es schon.

Dann erreichten wir die Fledermaushöhle. Der Zugang ist nur mit Genehmigung erlaubt, um die Tiere nicht zu stören. 3 Fledermausarten sollen in der Höhle wohnen. Nachdem wir diese ganzen Löcher in der Landschaft gesehen haben, fragten wir uns, wie viele dieser Lavatunnel es wohl geben mag. Über wie viele Hohlräume, vielleicht instabile, sind wir gelaufen? Aber wir waren so hingerissen von dem, was sich uns bot, dass wir darüber nicht weiter nachdachten.

Jetzt sind wir schon so oft durch die Wildnis gelaufen und überall wird vor Klapperschlangen gewarnt, aber begegnet sind wir leider noch nicht einer. Ich würde auch gerne einmal Klapperschlange auf dem Teller haben, um selbst zu probieren.  Die Meinungen über deren Geschmack, die ich bisher gehört habe, gehen ja sehr auseinander.

Das dritte Ziel im El Malpais National Monument war das Land aus Feuer und Eis, dem Bandera Vulkan und einer Eishöhle. Die Wanderwege starten am historischen Handelsposten direkt am Fuße des Vulkans. Im Handelsposten erhält man die Tickets für den Zugang der Gegend, die obligatorische indianische Kunst und echte, antike Keramik und andere Fundstücke aus der Frühzeit der Besiedelung der Gegend. Diese Fundstücke sind 800 bis 1200 Jahre alt und wurden in den 1940er und 50er Jahren in den Lavahöhlen gefunden. Es sind sogar noch Ruinen der Anasazi-Indianer zu sehen, die sich Behausungen aus Lavabrocken gebaut haben oder in die Lavahöhlen eingezogen sind. Die scharfkantige Lava ist wahrscheinlich nicht gerade bequem gewesen, aber sie hat sehr gut isolierende Eigenschaften. Laufen lässt es sich auch nicht wirklich gut auf der krümeligen, Aa-Lava genannten, Oberfläche. Dafür ist die Gegend reich an Wild und Vögeln. Manchmal soll sogar ein Schwarzbär oder ein Puma vorbeikommen.

Der Weg den Hang des Bandera Vulkans hinauf, vorbei am Spielplatz des Teufels, einem Nebenkrater,  eröffnet unglaubliche Aussichten auf das El Malpais-Gebiet mit seinen vielen Vulkankegeln und die genauso unglaubliche Natur. Auffallend sind vor allem die gedrehten, knorrigen Bäume, viele von ihnen mit Blitzschäden. Die Erklärung ist einfach: auf der Lava lässt es sich als Baum schlecht wachsen. Die Wurzeln sind nicht tief und ein starker Wind bringt die Bäume zu Fall. Dazu ist die Lava sehr eisenhaltig und zieht die Blitze magisch an, die dann sehr oft in die Bäume einschlagen. Ich kann das Szenerio wirklich nicht beschreiben, das muss man wirklich mit eigenen Augen sehen.

 

 

 

Irgendwann steht man dann im Vulkan selbst, auf etwa halber Höhe des 243 Meter hohen und 425 Meter im Durchmesser messenden Kraters. Da kommt man sich ganz klein vor und wie in einer anderen Welt. Der Gipfel des Vulkans liegt auf 2550 Meter über dem Meeresspiegel. Es war unser erster Vulkanbesuch dieser Art.

Das unglaublichste ist jedoch die Eishöhle in der Nähe des Vulkans. Feuer und Eis. Die Eishöhle ist, wie alle anderen Höhlen auch, ein eingebrochener Lavatunnel. Das Wasser stammt vom Regen oder geschmolzenem Schnee. Das Eis bildet sich durch natürliche Gegebenheiten und ist zur Zeit 6 Meter dick. Das älteste Eis wird auf 3400 Jahre geschätzt. Arktische Algen sorgen für eine giftgrüne Färbung. In der Höhle sind es nie mehr als 0 °C.
Die ganze Landschaft ist übersät mit Spritzkegeln, quasi Überdruckventilen für die Lavagase, Senken und anderen vulkantypischen Hinterlassenschaften. Lanzarote hatte uns ja vor einigen Jahren schon begeistert, aber das hier setzt noch Einen drauf.

Ein kleines Stück weiter westlich zieht sich die Kontinentale Wasserscheide durch das Land. Wären wir die Route 66 gefahren, wäre das zwischen Thoreau und Coolidge mit 2214 Metern, der höchste Punkt gewesen, den wir auf dieser Straße erreichen konnten. Wer Landschaft mag, nimmt auf jeden Fall die südlich gelegene Nebenstraße 53.

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