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Archiv für die Kategorie “Baltikum”

Kaunas

Rathausplatz Kaunas

Manche Quellen meinen, dass es nicht schlimm wäre, wenn man Kaunas nicht besucht. Wir finden, es wäre extrem schade, Kaunas nicht gesehen zu haben. Die Altstadt liegt direkt an der Stelle, wo die Neris in die Memel fließt. Hier treffen wir also die Memel wieder, deren Delta wir im Frühjahr besucht haben. Während das Wasser der Neris viele Sedimente enthält, ist das Wasser der Memel hier noch glasklar und dunkel. Die Spitze zwischen den zwei Flüssen wird vom Santakos Park eingehüllt. Erst dann beginnt die Altstadt von Kaunas. Von der alten Burg ist außer einem rekonstruierten Turm und einem Stück Mauer nichts mehr übrig.
Am Kloster vorbei erreicht man dann den Rathausplatz, der von vielen großen Bäumen beschattet wird. Das weiße kirchenähnliche Gebäude, mit dem hohen Turm, ist das Rathaus. Die doppeltürmige Kirche, die man leicht für das Rathaus halten könnte, ist die Jesuitenkirche. Die Kathedrale Peter und Paul ist der unauffälligste Bau der drei dominierenden Gebäude. Der Innenraum der Kathedrale ist dafür sehr prächtig. Aus der kleinen Orgel dringen gewaltige Töne, wenn man eine Hörprobe davon bekommt.

House of Thunder

Die Altstadt besteht aus der autofreien Hauptstraße Vilniaus gatve. Leider stehen so viele Sonnenschirme vor den vielen Kneipen, dass von den prächtigen Häuserfassaden kaum etwas zu sehen ist. Man sollte aber auch durch die kleinen Gassen schlendern. Die meisten sind sehr ruhig, die Häuserfassaden fast alle sehr schlicht, mit ein paar Ausnahmen.
Ein Hingucker ist das „House of Thunder“, ein Backsteinbau vom Ende des 15. Jahrhunderts. Über die Jahrhunderte hatte es viele Besitzer und Nutzungen.

Da wir gerne Mikrobrauereien besuchen, ließen wir die von Kaunas nicht aus. Im alten Gewölbekeller der „Kaunas Bar“ ist die sehr kleine Brauerei zu finden. Sie existiert erst seit dem Jahre 2000 und wurde schon mehrfach für ihr Bier ausgezeichnet. Die Marke heißt Avilys. Uns hat es geschmeckt.

Standseilbahn Kaunas

Die Promenade am Ufer der Memel wird gerade erneuert. Am anderen Ende der Brücke, aus dem Jahre 1948, ist eine Standseilbahn zu finden, die zum Aussichtspunkt führt. Diese Bahn wurde am 5. Dezember 1935 eröffnet und zählt somit zu den ältesten Standseilbahnen in Europa. Es ist die einzige ihrer Art, die im Baltikum übriggeblieben ist. Die beiden hölzernen Wagen fassen je 25 Personen, die über eine Strecke von 132,9m und eine Steigung von 18° transportiert werden. Die Fahrt hoch und runter kostet 1,40€. Der Aussichtspunkt wird zwar ebenfalls gerade erneuert, aber links neben dem Zaun hat man trotzdem die Möglichkeit, über Kaunas zu blicken.

Es war gerade Markttag (Samstag) und wir erstanden einen schönen geräucherten Wels, für nur 7,50€ pro Kilo. Schon in Zarasai kauften wir einen geräucherten Wels (10,-€/Kilo) und waren vollauf begeistert. Der Fisch schmeckt uns wesentlich besser als geräucherter Aal, genauso fettig ist er auch.

Das Womo hatten wir auf dem Kaunas Camping an der Neris stehen. Der Platz ist ganz gut, aber der Autobahnlärm unter der Woche nicht auf die Dauer zu ertragen. Am Wochenende geht es halbwegs. Der Bus brachte uns zum Zentrum. Aussteigen muss man am großen Kreisel am iki-Markt. Der andere Camingplatz Kaunas Camp Inn war rappelvoll. Das ist kein Wunder, da direkt nebenan ein Badestrand zu finden ist. Die Stellplätze dort ähneln eher einem Zeltplatz, ganz und gar willkürlich, zwischen Bäumen und kaum gerader Boden.

lettische Rote-Beete-Suppe

Es ist heiß und wir haben es endlich geschafft, nach zwei Monaten Rundreise durch die Baltischen Staaten, die lettische Rote-Beete-Suppe zu machen. Sie wird richtig kalt gegessen und schmeckt echt frisch. Dafür raspelt man gekochte Rote Beete und Salatgurke, schneidet hart gekochte Eier hinein (sehr fein), gibt reichlich Dill hinein, würzt mit Salz und Pfeffer und füllt das ganze mit Kefir auf. Es muss eine schöne geschmeidige Suppe entstehen. Das Rezept ist überall im Internet zu finden und es ist eine schöne kalte Wohltat in der Hitze.

Salakas

Luodissee

Wir haben eine wunderschöne Alternative zu den polnischen Masuren gefunden: die Gegend zwischen Zarasai, Ignalina und Utena im Nordosten Litauens. Da sich der Tourismus hier erst entwickelt, sind noch viele ruhige Ecken zu finden. Jeder See ist beinahe in Sichtweite zum nächsten See, dazwischen Hügel und Wälder ohne Ende sowie ursprüngliche Dörfer. Alles ist bio, die EU hat bisher den Weg zu den wenigsten Feldern gefunden. Das gilt übrigens in allen baltischen Staaten. Alles wächst, wie es wachsen will, nicht wie es soll. Fast jeder pflanzt in seinem Garten Kartoffeln, Zwiebeln, Gurken und Tomaten, soviel für den Eigenbedarf benötigt wird. Daher ist in den kleinen Lädchen auf dem Land kaum Obst und Gemüse zu finden. Jetzt strahlen überall Äpfel um die Wette.
Viele Seen in den größeren Orten besitzen kleine Badestrände. Badestellen sind überall zu finden, wo es die Wildnis zulässt. Die ganze Gegend tut einfach der Seele gut.

wie im tiefsten russischen Hinterland

Das ursprünglichste und schönste Dorf, weil Traditionelles überlebt hat und liebevoll gepflegt wird, kaum Neues dazugekommen ist, ist für uns Salakas im Gražutė Regional Park. Der Ort liegt am Luodissee, der wie die meisten Seen in dieser Gegend, sehr sauberes Wasser hat. Nur die Schwebeteilchen spielen dem See jetzt im Hochsommer etwas mit.
Auf einem kleinen Wanderweg von 5km lässt sich der Ort mit dem Strand, dem Urwald, dem Kiefernwald, dem alten Friedhof und der Kirche entdecken. Sogar der wilde Hopfen ist hier wieder zu finden, direkt am Seeufer.

gewundene Brücke von Zarasai

Zarasai, an der Grenze zu Lettland, ist ein ganz hübsches Städtchen. Ein Park ist der Mittelpunkt, um den sich das Zentrum gruppiert. Dort ist allerdings nicht viel Sehenswertes zu bestaunen, außer der doppeltürmigen weißen Kirche. Interessanter ist da der Weg am Ufer des Zarasassees. Man kann ihn an der originellen Brücke, die oben an der Bibliothek ihren Anfang nimmt und sich dann Richtung Ufer hinunter windet, der letzte Teil sind Treppen, beginnen und bis zur Insel entlang spazieren. Das sind so 1,2km. Dabei kommt man an schönen kleinen Häuschen, Gärten und Stegen vorbei, die zum Erholen oder als Einstieg zum Baden dienen.
Auf der Insel locken ein Badestrand, eine Wasserwelt aus Luft und ein Wasserskipark. Mit Wasserwelt aus Luft meine ich, dass alle Dinge wie Rutschen, Plattformen, Leitern usw. mit Luft gefüllt sind. Dazu lädt ein kleines Café zum Relaxen ein, aber auch kleine Hütten können gemietet werden. Eigentlich ist die Insel ein richtiger Ferienpark. Am Ufer ist das Zentrum Zarasais zu sehen.

Badestelle und Bootsanleger am Luodissee

Ein schönes Plätzchen für unser Wohnmobil haben wir auf einem Privatgrundstück gefunden, ca. 2,5km östlich von Salakas. Während wir uns den Campingplatz kurz hinter Salakas ansahen, ließen wir das Womo am Straßenrand stehen. Dies bemerkte ein Einheimischer und folgte uns. Er meinte, wir könnten doch bei ihm stehen, nur einen Kilometer weiter. Er wollte nur 10,-€ pro Nacht haben, inkl. Strom, Wasser, Badestelle und absoluter Ruhe. Da der Campingplatz nicht wirklich unseren Vorstellungen entsprach und das gleiche kostete, nahmen wir das Angebot an und folgten dem Mann. Als wir von der Straße abbogen, in einen Fahrweg hinein, versperrten uns jede Menge Äste den Weg zum Stellplatz. Alles kein Problem, meinte der Mann, holte seine Motorsäge und schnitt alles ab, was uns im Weg hing. An seinem Haus und einer verfallenen Scheune vorbei, und einen ziemlichen Holperweg entlang, erreichten wir die große freie Fläche, auf der wir uns den besten Platz aussuchten konnten. Vier Mobilheime stehen ebenfalls dort, die der Mann vermietet. Früher hatte er viele Camper beherbergt, aber das war ihm zu stressig. Heute sucht er sich seine Leute aus. Es stellte sich jedoch heraus, dass er am nächsten Tag für mehrere Tage fort musste. Nachdem wir uns entschieden hatten, etwas länger zu bleiben, durften wir sogar das Ruderboot gratis nutzen. Wir hatten also alle Freiheiten auf dem großen Grundstück.

traditioneller Brunnen

Unser Gastgeber erklärte uns, dass dieses Grundstück 1858 entstand, 200 Hektar groß war und einem „Gutsherren“ gehörte. Es standen das Herrenhaus und mehrere Nebengebäude auf dem Grundstück. Es gab mehrere Angestellte, die gegen Arbeit frei wohnen und essen durften. Das Hauptgeschäft war die Versorgung der umliegenden Poststationen mit Futter für die Pferde, die dort gewechselt wurden. Nach der Unabhängigkeit Litauens 1918 wurde der Gutsherr zum größten Teil enteignet. Ihm blieben nur noch 20ha, viel zu wenig, um damit über die Runden zu kommen. So verließ er das Grundstück, um das sich dann kaum noch jemand kümmerte. Als die Sowjets kamen, zerstörten sie das Herrenhaus bis auf die Grundmauern. So blieben nur noch das ehemalige Wirtschaftshaus, heute das Wohnhaus, und die große Scheune aus Feldsteinen übrig. Vor 25 Jahren kaufte unser Gastgeber dann das Anwesen, aber wirklich viel hat sich seitdem auch noch nicht getan. Mit der Vermietung der Mobilheime will er nach und nach das Grundstück auf Vordermann bringen. Um die große Scheune, inzwischen eine Ruine, wieder aufzubauen, sind allerdings 200.000,-€ nötig. Die werden wohl nie zusammenkommen.

Zum Abschied schenkte uns unser Gastgeber sogar noch einige Äpfel aus dem Garten, zusammen mit frischer Minze. Er meinte, wir könnten damit Apfeltee bereiten. Bisher kauften wir unseren Apfeltee im Laden, aber warum nicht? Ich schnitt etwas Apfel klein, gab die Stücke mit etwas Minze in die Teekanne und brühte das Ganze auf. Nachdem es lange genug gezogen hatte, probierten wir. Selbstgemachter Apfeltee, lecker.

Auf dem Grundstück wächst auch jede Menge Beifuß, der gerade richtig ist. Ich erntete einige Stängel zum Trocknen. Was kann man sonst noch mit Beifuß anfangen? Frische Zwiebeln vom Markt, frische Äpfel und Beifuß aus dem Garten? Da lässt sich doch ein prima Aufstrich daraus machen. Das Rezept werde ich demnächst in der Rubrik „Selbstgemachtes“ veröffentlichen. Ein Gläschen davon bekommt unser Gastgeber als Dankeschön.

Daugavpils

die Daugava

Eigentlich wollten wir noch einige Orte in Lettland anfahren, wie z.B. in der Nähe von Lubana, um dann weiter an der Alvieksne entlangzufahren, oder irgendwo an der Daugava, aber nirgendwo war auch nur ein Parkplatz zu finden. Um auf den einzigen Campingplatz des Weges zu kommen, südlich von Lubana, hätten wir mindestens 25km Schotterpiste in Kauf nehmen müssen, wahrscheinlich noch einmal das Doppelte, um wieder auf die Hauptstraße zu stoßen, von der die Schotterpiste abbiegt. Diese Straße nach Lubana ist auf der Karte als auf jeden Fall asphaltiert gekennzeichnet. Man kann sich da wirklich auf nichts verlassen.
Während man an der Küste Lettlands immer noch einen Platz findet, fehlt im Osten, und vor allem in der Mitte des Landes, die Infrastruktur für größere Wohnmobile. Die Straßen Lettlands sind eine Katastrophe, sogar die Fernstraßen. Selbst die gelben Straßen in der Karte sind manchmal unbefestigt. Alle Straßen, die von den roten und gelben Straßen der Karte abgehen, sind durchweg unbefestigt. Daher ist es eher unter unkomfortablen Bedingungen für Mensch und Auto möglich, irgendwelche Plätze oder Sehenswürdigkeiten in Lettland zu erreichen.

Großer Stein von Nicgale

Nachdem wir von Aluksne aus aufgebrochen waren, mussten wir 242km hinter uns bringen, um einen Parkplatz zu finden. 33km vor Daugavpils, nahe des Abzweigs nach Nicgalu, steht eine Tankstelle, die eine handvoll Parkplätze anbietet. Wir durften dort nicht nur kostenlos übernachten, sondern auch kostenlos duschen. Was will man mehr? Halbwegs ruhig und im Grünen standen wir auch.
Eine Tafel auf dem Gelände der Tankstelle verweist auf den Großen Stein von Nicgale. Bei näherem Hinsehen wird auf der Tafel vom größten Findling Lettlands berichtet. Der Zufall führte uns also genau hierher, um diesen Findling zu besichtigen. Der liegt allerdings noch gute 10km entfernt, wovon 6km Schotterpiste sind, zum Glück ohne Waschbretteffekt. So gelangten wir halbwegs unbeschadet durch schönen russischen Wald, dazwischen die typischen Birkenwäldchen, zu dem Parkplatz, der am Findling angelegt wurde. Direkt auf einer Wegkreuzung liegt der größte Findling Lettlands. Er dient wahrscheinlich schon immer als Orientierung. Der Stein ist 10,5m lang, 10,4m breit und 3,5m hoch. Das ist der sichtbare Teil des Findlings. Was sich unter der Erdoberfläche befindet, weiß niemand. Kommt da nicht mehr viel, oder ist es wie beim Eisberg, dass der allergrößte Teil unter der Wasseroberfläche liegt? Im 18. und 19. Jahrhundert diente der Stein dem Vergnügen der örtlichen Gutsherren, 1938 bekam er ein paar Stufen, damit die Jäger auf ihm feiern konnten. Heute erklimmen Touristen den Riesenfindling.
Eine Sage erklärt, wieso der Stein im Wald von Nicgale liegt. Der Teufel wollte die starke Strömung der Daugava eindämmen und besorgte im Norden des Landes ein Sieb voller großer Steine. Auf dem Weg Richtung Süden fielen jedoch die Steine nach und nach aus dem Sieb. Als der Teufel dies kurz vor der Daugava bemerkte, warf er den letzten und größten Stein eigenhändig weg, der dann im Sumpf von Nicgale liegen blieb, wo er immer noch bewundert werden kann. Tatsächlich ist es natürlich ein Überbleibsel der letzten Eiszeit.

Da jetzt Pilzzeit ist und überall auf den Märkten Pfifferlinge angeboten werden, zu horrenden Preisen, hatten wir auch schon viele Male unser Glück versucht. Nicht einen Pilz konnten wir finden. Auch mit den Blaubeeren sieht es in Estland und Lettland mau aus. Die Einheimischen leben in starkem Maße von der Natur und sammeln alles, was die ihnen bietet. So hat man als Tourist kaum eine Chance. Deshalb kauften wir an dem kleinen Stand an der Straße ein paar Pfifferlinge zu einen sehr vernünftigen Preis, dazu kleine Pflaumen, Kartoffeln und eine Riesentomate, alles garantiert bio.
Die Stadt Daugavpils ließen wir aus und fuhren Richtung Süden weiter nach Litauen. Eigentlich schade, dass wir Lettland so schnell verlassen mussten.

Aluksne

Angelplatz am Aluksnesee

Wir sind wieder in Lettland und das erste Ziel war Aluksne. Touristisch liegt der Osten Estlands und Lettlands noch im Dornröschenschlaf. Es sind kaum Stellplätze zu finden, die groß genug sind, so dass es schwer ist, sich mit diesen Teilen des Baltikums näher zu beschäftigen.
In Aluksne standen wir auf einem Platz im Gewerbegebiet im Osten der Stadt. Samstagabends wird es wohl niemanden stören.
Bis zur Innenstadt ist es ein Fußweg von einer halben Stunde. Die interessantesten Teile sind der Aluksnesee, die Marieninsel und der Tempelberg. Auf der Marieninsel stehen noch ein paar wenige Ruinen der Livländischen Ordensburg. Die Insel wird durch Brücken mit dem Festland verbunden. Auf den Tempelberg führen 101 Stufen. Oben angekommen, befindet sich rechts der Aussichtsturm, links der Tempel der Ehre. Er erinnert seit 1807 an den Großen Nordischen Krieg, in dem die Russen und Schweden gegen die deutschen Besatzer kämpften. Dabei wurde die Burg auf der Marieninsel zerstört.

Kirche von Aluksne

Eine der schönsten Kirchen Lettlands ist die Kirche von Aluksne. Verschiedene Baumaterialien und -stile, zum Teil wieder die Anlehnung an griechische Tempel, vereinen sich in der Kirche. Sie wurde Ende des 18. Jahrhunderts gebaut. Die Gründung erfolgte durch 2000 Eichenpfähle, um der Kirche einen festen Stand auf dem Marschland zu verleihen.

New Castle Aluksne

Was mich an die Elbuferpaläste in Dresden erinnert, ist das Neue Schloss von Aluksne. Es steht aber schon seit den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts. Bis 1920 als Schloss genutzt, beherbergt es heute das Stadtmuseum und das Naturmuseum.
Alles in allem ist Aluksne eher ein Park als eine Stadt, so viel Grün steht den Einwohnern zur Verfügung.

Vöru

Katharinenallee

Die Stadt Võru liegt herrlich am Ufer des Tamulasees. Obwohl der Ort schon seit mindestens fünftausend Jahren besiedelt ist, existiert die Stadt Võru erst seit dem 21. August 1784. Sie wurde auf Wunsch der Zarin Katharina II, zusammen mit dem Generalgouverneur von Riga errichtet. Das Zurechtfinden in Võru ist einfach, denn alle Straßen verlaufen rechtwinklig zueinander. Das kennen wir doch woher? Ja richtig, in Amerika ist das ein sehr beliebtes Schema. Viele der ursprünglichen Holzhäuser sind bis heute erhalten geblieben. Dabei besinnt man sich inzwischen wieder auf das Traditionelle und an manchen der alten Fassaden werden die Verkleidungen entfernt, so dass die dicken Holzbalken wieder zum Vorschein kommen. Die moderne Wärmedämmung muss dann wohl innen erfolgen.
Für den Bau der Katharinenkirche, die am 24. Juli 1793 eingeweiht wurde, spendete die Zarin 28.000 Silberrubel. Auch eine Katharinenallee gibt es in Võru. Sie führt vom Kreutzwaldpark hinter dem Strand bis zum Marktplatz. Die 50 alten Bäume, die die Allee säumten, wurden 2013 im Zuge der Renovierung durch jüngere Bäume ersetzt.

Kreutzwaldpark

Ein Name taucht in Võru immer wieder auf: Kreutzwald. Dr. Fr.R. Kreutzwald hat sich um die estnische Literatur verdient gemacht und ist der Autor eines Nationalepos. Dazu verstand er etwas von Medizin und Physik und machte sich beim mentalen Aufbau Estlands einen Namen. 44 Jahre lebte Kreutzwald in Võru. Er starb 1882 und wurde in Tartu begraben.

Brücke zur Roseninsel

Der Tamulasee ist, wie der Peipussee, auch ziemlich warm und angenehm zum Baden gehen. Die Stadt verfügt über einen großen Strand mit vielen Freizeitmöglichkeiten. In den See hinein ragt die Halbinsel Roosisaar, Roseninsel. Im Sommer 1938 fand eine Frau aus Võru ein Auerochsenhorn und verschiedene andere Dinge aus längst vergangener Zeit, als sie ihren Ring suchte, der in den Fluss gefallen war. 1958 wurde eine Brücke über den Fluss am Westende des Sees gebaut. Dabei fand man weitere Stücke wie Steinwerkzeuge, Tonscherben, noch mehr Hörner und Bernsteinschmuckstücke, sowie 24 Skelette. Untersuchungen ergaben, dass die Siedlung 4500 Jahre alt ist.
Seit dem 23.12.1998 ersetzt die längste Hängebrücke Estlands, die eine Länge von 111m hat, die alte Brücke über den Fluss. Durch einen gelben Rahmen, wie es viele in Estland gibt, es ist ein Kunstprojekt, wird die Hängebrücke ins rechte Licht gesetzt.

Suur Munnamägi

16km südlich von Võru erhebt sich der Suur Munnamägi, der höchste Berg des Baltikums. Das klingt gut und spannend, aber der Berg misst gerade einmal 318m. Auf dem Gipfel steht ein Aussichtsturm. Nachdem man das Eintrittsgeld bezahlt hat, darf man den Rundumblick über das weite Umland genießen.

Aussichtsturm in Rõuge

Einen Besuch lohnt auch der Ort Rõuge, westlich vom Suur Munnamägi. Hier lockt ein besonderer Aussichtsturm mit zwei Plattformen. Bis 2015 stand ein hölzerner Turm an der Stelle, bevor er 2016 ersetzt wurde. Der neue Turm sieht aus, als würde er zwei Storchennester tragen.
In der Nähe des Turmes begannen Studenten der Tartu Universität mit der Rekonstruktion einer Wikingersiedlung, auf Grundlage der Ausgrabungen an dieser Stelle. Sie lebten und arbeiteten sogar eine Woche lang in dieser Siedlung, einer sehr kalten Woche im Winter, Über den Ausgang steht nichts geschrieben.
Auf dem Hügel nebenan, direkt über dem Nachtigallental, stand im 5. Jahrhundert ein Dorf, welches zu einer Siedlung mit mehreren hundert Einwohnern anwuchs. Der Handel blühte auf und ein Fort wurde gebaut. Ende des 11. Jahrhunderts gingen die Siedlung und das Fort unter. Erst 1613 lebte Rõuge wieder auf.

Das waren unsere letzten Erlebnisse in Estland. Nun kehren wir wieder nach Lettland zurück. Die letzte Nacht verbrachten wir übrigens auf dem Parkplatz direkt an der längsten Hängebrücke Estlands am Tamulasee.

Otepää

Eine Hitzewelle hat ganz Europa im Griff. Am späten Nachmittag, der heißesten Tageszeit, werden 34° gemessen. Jeden Tag wurde es jetzt heißer. Uns gefällt es, auch wenn das bei jeder Bewegung schwitzen bedeutet, denn die Luftfeuchtigkeit ist dazu durch die vielen Moore und Sümpfe sehr hoch. Nur nachts könnte es doch etwas mehr abkühlen. Die Luft steht in unserem Wohnmobil und schlafen ist kaum möglich. Es ist wirklich ein Supersommer und das seit Ende April, mit nur ganz wenigen Unterbrechungen. Wir glauben, so etwas gab es noch nie in Europa.

Schanze von Otepää

Inzwischen sind wir wieder im Süden Estlands. Die Stadt Otepää, zwischen Tartu und Vöru gelegen, liegt in einer wunderschönen Berglandschaft, in der überall Seen versteckt sind. Wobei Berglandschaft relativ ist. Otepää liegt auf etwa 165m Höhe über NN. Das klingt lächerlich, trotzdem ist die Stadt internationales Wintersportgebiet, sogar Worldcups werden hier ausgetragen. Das Tehvandi Sportzentrum bietet im Sommer Trainingsmöglichkeiten für alle Sportler. Im Winter ist das Gelände von Loipen durchzogen. Sogar eine Sprungschanze gibt es. Die Plattform, die auch von Touristen besucht werden kann, befindet sich 33,36m über dem Gelände. Der Schanzenkopf hat eine Höhe von knapp 55m. Die besten Sprungweiten liegen bei um die 100m. Die Aussicht von der Plattform ist überwältigend. Der Eintritt kostet per Treppe (10 Etagen) 2,-€ und per Aufzug 3,-€. Wir konnten sogar Skispringer beim Training hautnah beobachten. Die Anlaufspuren auf der Schanze bestehen aus Keramik, das Landestück ist mit Plastikmatten ausgelegt, die nass gehalten werden, und das Auslaufstück ist mit Holzspänen aufgefüllt. Diese Kombi ermöglicht ein optimales Skispringen, wenn kein Schnee liegt. Dieser Besuch war mehr als interessant.

Auf jeden Fall ist es das schönste Gelände, das ich überhaupt gesehen habe: verschlungene Wege durch Wald, bergauf- und bergab, Über- und Unterführungen, Lichtungen und Teiche. Markierte Hauptwege von 3-5km Länge und zahlreiche kleinere Wege durch Wald und Flur sorgen für jede Menge Abwechslung beim Laufen. Skilangläufer und Biathlonläufer finden in Otepää ideale Bedingungen.

Hügel mit Fort

Otepää, eine der ältesten Siedlungen Estlands, besaß schon vor 2000 Jahren ein Fort, welches auf einem 30m hohen Hügel errichtet wurde. Der Hügel an sich ist rätselhaft, da er sich mitten in einem ziemlich runden Tal erhebt. Von hier aus konnte die Besatzung des Forts die beiden großen, sich kreuzenden Handelswege kontrollieren. 1116 übernahmen die Russen das Fort, Anfang des 13. Jahrhunderts baute der Bischof von Tartu, Hermann, das Fort zu einer Burg aus. Von der ist jedoch so gut wie nichts mehr übrig, aber man hat einen schönen Blick auf die Stadt und die Umgebung.

St. Mary´s

Die St. Marys Lutherian Church, der Kirche Otepääs, ist der Ursprungsort der Estnischen Nationalflagge. Am 4. Juni 1884 „erfand“ die Estonische Studentengesellschaft die blau-schwarz-weiße Flagge, die 1992 zur Nationalflagge der Republik Estland wurde.
Otepää hat uns also vollauf überrascht. Übernachtet haben wir auf dem großen Parkplatz des Tehvandi Sportzentrums. 

Tartu

Hauptgebäude der Universität

Tartu ist Universitätsstadt. Das ist auf Schritt und Tritt zu sehen. Das Hauptgebäude der Universität ist beeindruckend. Das Hauptportal ist, wie so oft im Baltikum, dem griechischen entlehnt. Ein dreieckiger Giebel wird von großen Säulen getragen. Überall in der Stadt sind Gebäude verteilt, die zur Uni gehören. Viele davon waren früher schon Akademien für verschiedene Bereiche. Die Universität gründete 1632 Schwedens König Gustav II Adolf von Schweden.

Rathausplatz

Der Rathausplatz ist sehr schön und großzügig. Schicke Jugendstilbauten schmücken ihn, wie den Großteil von Tartus Altstadt. Der Brunnen der „Küssenden Studenten“ ist fast schon berühmt. Am unteren Ende des Rathausplatzes ist das Schiefe Haus von Tartu zu finden, gebaut um 1790. Inzwischen hat ein Teil der hölzernen Pfahlgründung nachgegeben. Trotz der doch großen Schieflage ist es tadellos in Ordnung. Das Schiefe Haus ist heute Heimat für die Städtische Kunstsammlung.

Pulverkeller

Wenn man durch die Straßen schlendert, trifft man auf viele besondere Restaurants, Bierkeller und Bars. Darunter ist auch der „höchste Pub der Welt“, der es ins Guinessbuch der Rekorde geschafft hat. Ehemals war es der Pulverkeller der Stadt, im 18. Jahrhundert von der Zarin Katharina in Auftrag gegeben. Das Gewölbe ist 10,2m hoch. Neben vielen anderen Biersorten wird auch das Hausbier Püssirohu angeboten. Wer sich dafür entscheidet, muss eine weitere Entscheidung treffen: das Männerbier (1l), das Frauenbier (0,5l) oder das XS-Frauenbier (0,25l). Die Suppen werden alle in einer Brotschüssel serviert.

Pendel zum Anzeigen der Erdrotation

Zu Tartu gehört auch der Domberg, auf den man über viele Stufen kommt. Obendrauf steht die Ruine des Doms aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Einst war die Kathedrale die größte in Osteuropa. Ein Viertel des Doms wurde rekonstruiert, um das Universitätsmuseum und einen Shop. darin unterzubringen. Vor dem Shop hängt ein Pendel. Es wurde am obersten Punkt der Halle angebracht. So ist es mit 20,8m lang genug, um die Rotation der Erde sichtbar zu machen. Dafür muss man jedoch das Pendel mindestens eine halbe Stunde beobachten. Das Gewicht am Ende des Pendels wiegt 60kg.

Engelsbrücke

Man kann den Domberg, der von einem Park umgeben ist, aber auch über die Lossistraße wieder verlassen. Dadurch erreicht man bald zwei Brücken: die Engelsbrücke und die Teufelsbrücke. In der Nähe der Engelsbrücke ist das Observatorium zu finden.
Ist man unter der Engelsbrücke hindurch gegangen, ist man wieder auf dem Weg in die Altstadt, Richtung Rathausplatz.

Schwein vor der Markthalle

Auch sehr schön ist der Botanische Garten Tartus. Er ist frei zugänglich und zeigt viele exotische und einheimische Pflanzen, inkl. einem Teich und einem kleinen Pavillon. Von hier aus kann man immer am Ufer der Emajõgi, die sich durch die Stadt schlängelt, zurück zur Altstadt spazieren. Dabei kommt man an der Freiheitsstatue Tartus vorbei und passiert mehrere Brückenköpfe. Irgendwann erreicht man die Anleger der Ausflugsboote und die Markthalle, vor der ein riesiges Bronzeschwein auf einem Sockel steht. Auf ihm sind die verschiedenen Fleischteile markiert, wie sie beim Fleischer zu bekommen sind. Die Markthalle, ein alter Bau, ist im Inneren sehr neu und übersichtlich. Der offene Markt lädt an der Flussbiegung an der Turubrücke ein.

Tartu hat aber auch viele moderne Bauten mit überraschender Architektur zu bieten. Große Schoppingcenter gibt es mehr als Finger an einer Hand. Das größte von ihnen, mit 160 Shops und einer Eisbahn, ist das „Lõunakeskus“.
Das Womo haben wir im Hafen Karlova Sadam stehen, zwei Kilometer östlich der Altstadt.

Peipussee

Nordufer des Peipussees

Der Peipussee ist das viertgrößte Binnengewässer Europas und siebenmal größer als der Bodensee. Fährt man an seiner Nordküste entlang, kommt man sich wie an die Ostsee versetzt vor. Beide Landschaften sind austauschbar: Sanddünen, Kiefernwald, Strandzugänge, Ferienwohnungen und -häuser sowie Zeltplätze. Der einzige Unterschied ist, dass der Peipussee wärmer als die Ostsee ist, na ja, vom Salzgehalt abgesehen.  Jetzt, Mitte Juli, hat das Wasser des Sees 24 Grad. Da habe selbst ich mich überwinden können, in die Fluten zu steigen. Ein gegenüberliegendes Ufer ist nicht zu sehen.

Mündung des Rannapungerja

Wir haben ein schönes Plätzchen direkt an der Mündung der Rannapungerja im gleichnamigen Ort gefunden. Nicht auf dem Campingplatz, der 25,-€ haben will, sondern direkt am Ufer des Flusses für 5,-€. Es ist wirklich ein sehr schönes Fleckchen. Leider ist es zumindest an den Wochenende eine Hochburg für Motorboot- und Jetskifreunde. Von Mittag bis abends wird die Luft vom Dröhnen der Motoren erfüllt. In dieser Zeit hat die Natur keine Chance. Da bleibt bloß noch, sich aufzumachen und die Gegend zu erkunden.

Strand Kauksi

Es führt immer direkt am Nordufer des Peipussees entlang eine Straße Richtung russische Grenze. Will man am Strand von Kauksi baden gehen, kostet das 15,-€ Parkgebühr für den Tag. Dafür ist der Strand breit, aufgeräumt und eine Imbissbude sorgt für das leibliche Wohl. Für den Rest des Weges kann man überall am Straßenrand parken. Ein paar Meter Fußweg führen dann durch den Kiefernwald zum nicht ganz so breiten Strand.
Der Peipussee ist mit durchschnittlich 8m sehr flach. Da muss man schon ganz schön weit rein laufen, wenn man schwimmen will. Baden macht aber in jedem Fall Laune.

in Vasknarva ist Schluss

Am Ende der Norduferstraße liegt der kleine Grenzort Vasknarva. Vor dem Krieg zählte der Ort 840 Einwohner, danach waren es nur wenige, heute vierzig. Hauptsächlich Rentner und Sommerurlauber beleben Vasknarva, das doch sehr abgeschieden liegt. Von der Vasknarvafestung ist nur noch eine kleine Ecke übrig. Von hier aus sieht man über die Narva, die wir schon in der Stadt Narva kennenlernten, nach Russland hinüber. Es gibt allerdings keine Verbindung mit der anderen Seite, keine Brücke, keine Fähre. Es ist einfach nur idyllisch und sehr russisch. Überhaupt wird es immer russischer, je näher man der Grenze kommt. Die Autos haben alle estnische Nummern, aber es wird zu 95% russisch gesprochen. Die Häuschen, das Drumherum, alles erinnert uns an vor über dreißig Jahren, als wir vier Jahre lang in der Sowjetunion an der Erdgastrasse arbeiteten.

Kallaste liivakivipaljand

Den zweiten Halt am Peipussee legten wir kurz vor Kallaste ein. Direkt zwischen der Straße 43 und dem Kiesstrand liegt der Campingplatz „Nemo“. Ein wunderschöner Platz, frei und ruhig. Nur 6km weiter liegt Kallaste. Im Gegensatz zu den Dörfern, die wir bisher am Peipussee kennenlernten, ist Kallaste direkt groß. Die Stadt besitzt sogar so etwas wie ein Kaufhaus, wo man alle Waren des täglichen Bedarfs bekommt. Das sah in den letzten Tagen anders aus. Da mussten wir uns in den winzigen Lädchen unsere Einkäufe zusammensuchen.
Während der Nordstrand des Peipussees sandig ist, gibt es am Westufer nur wenige Stellen, die zum Baden geeignet sind. Eigentlich hat hier das Schilf die Oberhand. Kallaste ist da wieder bevorteilt. An dem ausreichend großen Sandstrand kann man gut baden gehen, auch einen Aussichtsturm gibt es.
Am südlichen Ufer der Stadt gibt es sogar eine kleine Steilküste, Kallaste liivakivipaljand, nicht groß und nicht hoch, aber rot, mit Höhlen darin. Steigt man auf den Felsen, hat man eine schöne Sicht auf die Küste des Sees. Sieht irgendwie wie an der Cote d´Azur aus, mit kleinen Buchten, die durch Steinreihen voneinander getrennt sind, mit viel Grün.

ausgedient

Liebhaber von Süßwasserfischen kommen am Peipussee auf ihre Kosten. Sehr lecker sind die frischen maränenähnlichen Fische. Geräuchert sind diese Fische mit 15,-€ pro Kilo kaum zu bezahlen.
Den Peipussee teilen sich übrigens die Esten mit den Russen. Die Grenze verläuft mitten durch den See, daher gibt es bestimmte Regeln für den Bootsverkehr. Private estnische Boote dürfen sich bis zu einem Kilometer vom Ufer entfernt aufhalten. Estnischen Berufsfischern steht die ganze Seite bis 200m vor der Grenze zur Verfügung. Wird diese Grenze überschritten, kann es schnell vorkommen, dass die russische Marine die Sünder aufgreift und in Russland inhaftiert. Dann dürfen sich die Botschaften beider Länder mit dem Fall beschäftigen. So haben wir es jedenfalls von mehreren Einheimischen erzählt bekommen. Wie es auf der russischen Seite aussieht, wissen wir jedoch nicht.

Alutaguse

Herbststimmung in Kuramäe- Ende Juli

Die ganze Gegend in Nordosten Estlands, zwischen Jõhvi und dem Peipussee wird Alutaguse genannt. Es ist die Gegend für Bärenbeobachtungen. Da man jedoch keine Ahnung hat, wo sich die Tiere bevorzugt aufhalten, hat es auch wenig Zweck, sich irgendwo auf die Lauer zu legen. Es gibt zwar Anbieter für Bärenbeobachtungstouren, aber da kostet eine Nacht um die 105,-€. Von einer Hütte aus können Bären, Marderhunde, Füchse usw. beobachtet werden. Sie werden mit Futter in der Nähe gehalten, so dass Sichtungen fast garantiert werden.
Wir fuhren frohen Mutes, vielleicht doch ganz zufällig irgend etwas vors Gesicht zu bekommen, nach Alutaguse. Schon der erste Versuch, in der Wildnis aus dem Auto zu steigen und sich im Wald zu bewegen, scheiterte kläglich an den Myriaden von Pferdefliegen. Da hilft auch kaum ein Antimückenmittel. Bei Temperaturen um 28 Grad will man nicht mehr als nötig anziehen. Da wäre ein Ganzkörperkondom aus Gaze eine glänzende Idee. Wir übernachteten auf dem Parkplatz des Kuramäe-Klosters. Von dort wollten wir uns die Kurtna-Seen ansehen. Gerade einmal zwei von ihnen konnten wir besuchen, dann waren uns die Bremsen zu viel. Das macht einfach keinen Spaß.

Kuramäe-Kloster

Dafür besichtigten wir das Kuramäe-Kloster, oder wie es richtig heißt: Nonnenkloster des Einschlafens der Gottesmutter in Püchtitz. Es ist das letzte noch arbeitende Frauenkloster in Estland und steht auf dem mit 91m höchsten Hügel der Umgebung. Bauern dieser Gegend sollen im 16. Jahrhundert auf diesem Hügel eine Vision gehabt haben. Wenig später fanden sie bei der alten Eiche eine Ikone. Diese Szene wird auf einem Wandgemälde am Haupteingangstor des Klosters abgebildet. Zuerst bauten die Bauern eine Kapelle, später wurde ein Kloster daraus. 150 Nonnen leben und arbeiten heute noch autark innerhalb der Mauer, die das Klostergelände umfasst. Neben der orthodoxen Kirche gehören weitere Kirchen, Wohnhäuser und ein Park zum Kloster. Der Besuch ist kostenfrei, aber es werden Souvenirs, Ikonen, Süßigkeiten usw. zum Kauf angeboten. Alles ist in einem einwandfreien Zustand.

altes Apothekengebäude

Zum Dorf gehören neben dem Kloster u.a. die alten Gebäude der Schule, des Hospitals, der Apotheke und das Haus des Arztes. Im Hospital sind heute die Post und die Internetstelle untergebracht. Die Apotheke wird inzwischen als Hostel genutzt. In dem kleinen einfachen Restaurant, welches dazugehört, wird original estnisch-russische Küche angeboten. Da stehen Soljanka, Borschtsch und Pelmeni auf der Speisekarte. Wir entschieden uns für die hausgemachten Pelmeni, gefüllt mit Hackfleisch, zu denen Smetana, Salat und Brot gereicht wurden.

heilige Quelle von Kuramäe

Etwas abseits des Klosters, in der anderen Richtung vom Parkplatz aus, ist die heilige Quelle zu finden. Es gibt ein primitives Badehaus, um im heiligen Wasser zu baden. Noch etwas weiter befindet sich ein Quelltopf, in dem man das heilige Wasser schöpfen kann. Kanisterweise schleppen es die Leute nach Hause. Natürlich nutzten auch wir die Gelegenheit, unsere Wasserreserven mit gutem Quellwasser aufzubessern.

Narva

Russland-Narva-Estland

Die Stadt Narva ist Grenzstadt der EU, die nordöstlichste Stadt Estlands und der nordöstlichste Punkt unserer Baltikum-Rundreise. Auf der Fernstraße 1 erreicht man direkt das Zentrum Narvas. Fährt man über den Fluss Narva hinüber, ist man schon in Russland, Grenzkontrolle inklusive. Wir wollten eigentlich unsere Rundreise über St. Petersburg machen, aber die Formalitäten (Visa, Einladung, Versicherungen für jedes Fahrzeug und jede Person und weiteres) fanden wir für die kurze Zeit, die wir in Russland gehabt hätten, viel zu üppig. Aus dem gleichen Grund hatten wir auch Kaliningrad ausgelassen. Wir werden es überleben.
Die Peterburgi Brücke verbindet also nicht nur Estland mit Russland, sondern auch die beiden Burgen, die sich bedrohlich gegenüber stehen. Die Burg auf estnischer Seite, die Hermannsburg, errichteten ab 1276 die Dänen. Im 14. Jahrhundert kamen die deutschen Ordensritter und bauten die Hermannsburg aus. 1492 bekam sie Gesellschaft von der Festung Ivangorod auf der anderen Seite der Narva.

Narvas Promenade

Um über Narvas Promenade zu wandeln, muss man einige Stufen hinabsteigen, denn auch hier spielt die Kalksteinwand, von Gotland über Saareema kommend, eine große Rolle. Sie ist in Narva allerdings durch mächtige Mauern verkleidet worden. Das ganze ergibt jedenfalls ein wunderschönes Ensemble am Ufer der Narva, zu dem zwei in den Fluss ragende Plattformen gehören. Von denen aus bekommt man einen schönen Blick auf beide Burgen, die Peterburgi Brücke und den Fluss.

Narvas Rathaus

Das imposante Rathaus aus dem 17. Jahrhundert vereint verschiedene Stilrichtungen und besaß im Laufe der Zeit verschiedene Funktionen. Leider ist wohl seit der Unabhängigkeit von Russland nichts mehr an den Gebäude gemacht worden. Danach sehen viele Gebäude Narvas aus, was dem allgemeinen Stadtbild wenig zuträglich ist. Dafür bietet die Stadt drei große Shoppingcenter.

Umkleidewagen

Etwa 10km nördlich von Narva, an der Küste und an der Mündung der Narva in den Finnischen Meerbusen, liegt Narva-Jõesuu, das Seebad der Städter. Die Blütezeit des Seebads lag in den „goldenen Dreißigern“. Daran erinnern die hübschen weiß-roten Umkleidewagen, die den Strand zieren. In Narva-Jõesuu beginnt ein Sandstrand, der sich 12km Richtung Westen ausdehnt. Es ist damit der längste Küstenstrand Estlands.

Fallen für Neunaugen

Im kleinen Fischerhafen liegen überall Bündel mit kleinen Plastiktüten. Da wir uns nicht recht erklären konnten, was man damit fängt, soviel war klar, fragten wir einfach einen der Fischer. Es ist an der Narva die Fangtechnik für Neunaugen. Während man in der Salaca die Neunaugen mit einem über den Fluss gespannten Netz und Reusen fängt, übernehmen das in der Narva diese merkwürdigen Tüten.

Valaste juga

Die höchste Steilküste Estlands findet man zwischen Aseri und Toila. Es ist das Ontikacliff und unser Womo steht mittendrauf, 55m hoch über dem Meeresspiegel, beim Feriendorf Valaste Pohkaküla. Genau an dieser Stelle ist auch der 33,8m hohe Wasserfall Valaste juga zu finden. An der Stelle, an der sich das Wasser in die Tiefe stürzen soll, ist bogenförmig ausgewaschen. Dadurch wurden die Kalksteinschichten freigelegt, die zudem durch die Mineralien verschiedene Farben angenommen haben. Das Problem ist nur, dass gerade kein Wasser fließt, was sich bis zum Herbst sicher auch nicht ändern wird. Damit hätten wir uns abgefunden, aber es ist auch nicht mehr möglich, sich den Wasserfall vernünftig anzusehen. Es gab einmal eine Zeit, da konnte man von einer Brücke aus direkt das Naturwunder bestaunen. Inzwischen ist die Brücke baufällig und der Zugang wurde schon demontiert. Schwindelfreie finden linker Hand einen abenteuerlichen Weg zu einem Punkt, von dem aus sie trotzdem auf den Wasserfall blicken können.

Strand bei Saka

In der Hoffnung, die 55m hohe Steilwand von unten bewundern zu können, fuhren wir nach Saka. Dort führt zwar ein Weg an den Strand, aber von der Steilwand ist nichts zu sehen. Ein ganzer Wald verhindert das, der sich an der Steilwand angesiedelt hat. Nur gut, dass wir das Pangacliff sehen durften. Ein anderer Weg führt zur oberen Kante des Durchbruchs, von wo aus sich ein schöner Blick über das Gebiet eröffnet.

Toila

In Toila versuchten wir es erneut, aber wieder kein Blick auf die Steilwand, nur Bäume. Beim Hafen liegt ein schöner Strand. Der Parkplatz kostet allerdings 5,-€. Der Hafen und der Strand werden von einem schönen großen Park umrahmt, der auch den Fluss umfasst, der in Toila mündet. Vor dem Park kann man das Auto gratis stehen lassen. Der Höhenunterschied von 55m muss dann zu Fuß überwunden werden.

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