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Reisen rund um die Welt

Archiv für die Kategorie “Rumänien”

Surdesti

Von Sighetu Marmatiei aus wollten wir nach Surdesti. Wir hatten die Wahl zwischen zwei Routen: einmal über Ocna Sugatac, wo ein schöner See liegt, oder aber die Fernstraße 18 über Sat Sugatag, Desesti und Mara nach Mittelstadt. Diese Straße ist bekannt für ihre Holzhäuser und Holzkirchen. Wir besuchten die Holzkirche in Sat Sagutag, da wir dort am Besten einen Zugang fanden. Die Optik der Kirche ist sehr schön, aber die Zimmermannskunst dahinter ist schon beeindruckend. Die Kirche stammt aus dem Jahre 1642 und ist offensichtlich mehrmals rekonstruiert worden. Die Kirche selbst war geschlossen, aber der Friedhof ist auch recht interessant. Manche Gräber sind sehr prunkvoll, anderen sieht man schon die Jahre an. Zu den Kirchhöfen und auch zu den privaten Wohnhäusern gelangt man oftmals durch prächtige Holztore mit zum Teil kostbaren Schnitzereien.

In den alten Holzwohnhäusern wohnt meist niemand mehr, denn die meisten Eigentümer bauten sich moderne Häuser daneben.

In Surdesti lockt die prächtige Eichenholzkirche. Ihr Kirchturm ist 54m hoch und somit eine der höchsten Holzkonstruktionen in Europa. Das Innere soll ebenfalls sehenswert sein, aber auch sie war geschlossen. Zu beiden Kirchen gibt es ein neues Holzhaus mit Informationen, aber die sind wohl nur im Sommer geöffnet. Schade.

Auf der Wiese vor der Kirche von Surdesti wachsen gerade viele Herbstzeitlose. Sie bringen ein wenig Farbe in die triste Herbstwelt, in der wir stecken.

In Mara stießen wir auf einen Forellen-Hof namens Alex, alles vom Feinsten: Holztor, Holzbrücken, Holzhäuser, Teiche. Wir kamen uns vor, wie in einem japanischen Garten. Die Gelegenheit konnten wir uns nicht entgehen lassen und wir bekamen die beste Forelle, die wir je gegessen haben. Für eine Portion mit zwei gegrillten Forellen, Grillgemüse, Salat und Knobi-Soße bezahlten wir beide zusammen 30,-€, dazu das großartige Ambiente.

Gut einen Kilometer weiter kann man sich an einer Quelle erfrischen, bevor ein großer Berganstieg in Richtung Turda folgt.

Sapanta

Auf dem Weg nach Sapanta kamen wir durch Sighetu Marmatiei. Diese Kleinstadt liegt direkt an der ukrainischen Grenze. Das wollten wir uns ansehen. Wir parkten das Wohnmobil bei Jysk und folgten dem Weg zum Fluss Theiß hinunter. Leider ist vom Weg aus nichts zu sehen, aber ein kleiner Trampelpfad gab uns Gelegenheit, zum Flussufer zu gelangen. Die Grenze zwischen Rumänien und der Ukraine verläuft mitten in der Theiß. Deshalb sind keine Grenzpfähle zu sehen, aber ein Stück weiter links steht ein Beobachtungsturm. Der Weg dient wahrscheinlich der rumänischen Grenzpolizei, die wir unterwegs schon gesehen haben.

Bis nach Sapanta sind es dann noch ca. 15km. Unser Ziel: Cimitirul Vesel, der Fröhliche Friedhof. Schon die Kirche ist beeindruckend. Sie strahlt mit den weißen Wolken und dem blauen Himmel um die Wette. Der Kirchturm ist wunderschön und eine Kombination aus Wehrturm und Kirchturmspitze, die noch zusätzlich mit kleinen Türmchen verziert ist.

Der Eintritt kostet 5,-Lei pro Person, also 1,-€. Die meisten Grabkreuze sind in blau und weiß gestaltet. Auf jeder Vorderseite ist eine Alltagsszene der verstorbenen Person eingeschnitzt, auf der Rückseite wird meistens das Lebensende beschrieben. Unter den Bildern wird in heiteren Geschichten das Leben, aber auch die Tragik des Sterbens erzählt. Ein lokaler Schreinermeister hat hier sein Lebenswerk 1935 begonnen. Sein Nachfolger führt sein Werk fort, aber ich glaube, nicht jeder Rumäne kann sich solch ein Kreuz leisten. Es gibt in Sapanta noch einen zweiten Friedhof.

Ich hätte gerne eine dieser Geschichten als Beispiel hier präsentiert, aber der Google-Übersetzer hat nur Kauderwelsch preisgegeben.

Rund um den Fröhlichen Friedhof säumen Stände die Straße, in denen Volkskunst und Souvenirs verkauft werden.

Übernachtet haben auf dem neuen Campingplatz Pastravul, ca. 3,5km weiter. Für 14,-€ steht man auf einer schönen großen Wiese, mit Strom und einem neuen Sanitärgebäude. Im dazugehörigen Restaurant werden frische Forellen angeboten, die auf dem Nachbargrundstück gezüchtet werden. Forelle heißt auf Rumänisch: Pastrav.

Viseu de Sus

Unser erstes Ziel in Rumänien befindet sich Richtung Norden, im Bezirk Maramures, nahe der ukrainischen Grenze. Die einzig noch existierende Waldbahn, Mocanita Maramures, mit holzbefeuerten Dampflokomotiven lädt zu einer Fahrt durch das wildromantische Wassertal ein. Wer mit dem Wohnmobil da ist, kann direkt auf dem Parkplatz des Bahnhofes übernachten. Es ist gratis, mit Nutzung der öffentlichen Toiletten.

Auf dem Bahnhofsgelände stehen alte Dampfloks verschiedener Fabrikationen. Ein kleines Museum mit traditionellen Wohnhäusern zeigt das Leben in vergangenen Zeiten. Die Gegend Maramures ist die Hochburg des Holzhandels in Rumänien. 1932 baute man deshalb ein Netz von Waldbahnen, um die Flößerei abzulösen, was ein enormer wirtschaftlicher Fortschritt war. Um dem Flusslauf mit manchmal engen Kurven folgen zu können, baute man die Bahnen in Schmalspur (760mm).
In den 1950/60er Jahren kam der Straßentransport auf und die Waldbahnen verloren an Bedeutung. Nur in Rumänien, wo der Fortschritt sehr lange brauchte, um anzukommen, fuhren die Bahnen noch bis mindestens 1986. Bis dahin wurden immer noch neue Dampflokomotiven gebaut.

Heute existiert wie gesagt nur noch diese eine Bahn in Viseu de Sus. Sie fährt fast täglich auf einer Strecke von 21,6km, bis nach Paltin, mitten im Naturpark Muntii Maramuresului. Die gesamte Fahrt dauert 5 Stunden, mit mehreren Pausen. Für 65 Lei Seniorenticket (13,-€) inkl. Verpflegung ruckelt man dann auf ziemlich maroden Schienen durch das Wassertal. Viele Furten durch den Fluss, abenteuerliche Hängebrücken und die Brücken für die Bahn sorgen für Abwechslung. Hohe Berge rechts und links, vor allem jetzt mit der Herbstfärbung, Holzlagerplätze und die Rastplätze für die Bahn machen die Fahrt noch interessanter. Nach zwei Stunden Fahrt ist Paltin erreicht. Während die Fahrgäste mit leckerem Essen und Getränken sowie traditioneller Musik und Tanz zum Mitmachen ihre Pause an der Vaser genießen, verschwindet die Bahn und kehrt erst nach 1,25 Stunden zurück. Die Dampflok hat die Position gewechselt, aber die Fahrgäste steigen wieder dort ein, wo sie auch auf der Hinfahrt saßen. Wir saßen auf der Hinfahrt im ersten Wagon, wo die Dampflok sehr laut zu hören ist. Auf der Rückfahrt war dies dann der letzte Wagon und die Fahrt war wesentlich entspannter.

Gegen 15 Uhr fuhr die Bahn wieder in Viseu de Sus ein. Während der Start um 10 Uhr noch verrregnet war, wie die ganz Nacht, klarte das Wetter mit Beginn der Fahrt auf und die Sonne begleitete uns auf der Fahrt. Es wurde sogar noch recht angenehm von der Temperatur her.

Da wir noch Besorgungen zu machen hatten, übernachteten wir ein weiteres Mal, um am nächsten Morgen die zweite Station unserer Rumänien-Rundfahrt anzugehen.

Bistrita (Bistritz)

Ein guter Zufall verhalf uns zu einer Rumänienreise. Wie ihr wisst, fährt unser eigenes Womo nirgends mehr hin. Dadurch mussten wir auch die geplante nächste Tour auf Eis legen, die uns nach Südost-Europa gebracht hätte.

Nun haben wir das Glück, mit dem Wohnmobil eines ganz netten Bekannten dieses Land zu erkunden, wofür wir ihm sehr dankbar sind. Wir konnten es gleich in Bistrita (Bistritz), in der Region Siebenbürgen, übernehmen. Nach Rumänien sind wir mit einem WizzAir-Flug gelangt, mit dem wir in Cluj-Napoca gelandet sind. Unser Bekannter holte uns vom Flughafen ab und brachte uns nach Bistrita, wo er uns eine Wohnung in seinem gemieteten Haus überließ. Wir hatten nun zwei Tage Zeit, uns auf das Land einzulassen. Er fuhr uns in der näheren Umgebung von Bistritz durch die Hügellandschaft. Oft findet man dort Hirten mit ihren Tierherden, zumeist Schafen, aber auch Pferde und Rinder sind zu finden. Kleine Dörfer und Ortschaften schmiegen sich in die Landschaft.

Siebenbürgen beherbergte in den letzten Jahrhunderten viele Deutsche, die sich hier niedergelassen hatten. Nach und nach verließen die meisten jedoch aus politischen Gründen diese Gegend wieder, aber ihr bauliches Erbe ist immer noch zu sehen. Viele der Häuser zeigen sich in deutscher Architektur, an manchen Kirchen stehen noch deutsche Texte. Aber auch Neubauten sehen deutsch aus. Wir gehen einmal davon aus, dass viele Rumänen lange in Deutschland leben, bevor sie wieder nach Hause kommen und sich ein Haus bauen, eben nach deutschem Vorbild.
Viele der alten Häuser erscheinen aber auch in traditioneller Bauweise, in Holz, mit kleinen Fenstern und Verzierungen. Fast überall befindet sich ein kleiner Garten am Haus, damit die Menschen sich ein bisschen Gemüse anbauen können, oder sich eine Kuh, ein Pferd, Hühner oder andere Tiere für ihren Unterhalt halten können. Es gibt jedenfalls eine Menge neues für uns zu sehen.

Ein Ausflug führte uns nach Colobita. Die Stadt liegt am Ufer der gleichnamigen Talsperre. Vor wenigen Jahren war dies noch eine verschlafene Gegend. Heute hat der Tourismus Einzug gehalten. Überall wird gebaut, vor allem Hotels und Pensionen. Die gegenüberliegenden Berge sind nun, Ende September, schon leicht verschneit.

Unser Bekannter hatte uns dort mit einem seiner Freunde zusammengebracht. Er betreibt am Ufer der Talsperre eine kleine Pension, einen Wohnmobil-Stellplatz, verleiht Boote und schnitzt und gestaltet in seinem Atelier nebenbei wunderschöne Dinge aus Holz, welches er in der Gegend findet.

Außerdem wurden wir zu einem Hirtenessen eingeladen. Die Gastgeber bewirteten uns überreich mit verschiedenen Gerichten wie Brot, gefüllte Paprika in Sahnesoße, Schweinegulasch und Kuchen. Dazu gab es selbstgemachten Wein und Palinka, den rumänischen Selbstgebrannten.

In der Stadt fand dann auch noch ein Zigeuner-Festival statt. An vielen Ständen wurden regionale Produkte, frisch vom Feld oder in verschiedener Weise konserviert, angeboten. Für das leibliche Wohl war ebenfalls gesorgt. Die kulturelle Umrahmung gestalteten mehrere Volksensemble.

Das waren für zwei Tage viele Erlebnisse, die wir dankend in uns aufsogen. Nun waren wir gerüstet, uns selbst auf Tour zu begeben und möglichst viel von Rumänien zu erkunden.

Eines bekamen wir eindringlich noch mit auf den Weg, die Kreisverkehre betreffend: Wenn man den Kreisverkehr nach links verlassen will, muss man bei der Einfahrt auch links blinken, sonst kommt es unweigerlich zum Unfall. Das wir bloß daran denken!

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