A+K Weltenbummler

Reisen rund um die Welt

Backwater-Tour

Hausboot mit Guide

Hausboot mit Guide

Wir sind im Land des Pfeffers, des Zimts und der Muskatnuss. Das haben wir selbst gesehen, aber von vorne:
Wer in Kerala ist, sollte unbedingt eine Backwater-Tour machen, am besten eine 9-Stunden Tour, damit man auch etwas davon hat. Nach einem Sammeltransport über mehrere Hotels in verschiedenen Stadtteilen bestand unsere Gruppe aus vierzehn Personen. Da unser Zubringerauto zum Sammelbus kaputt war, brachte man uns mit zwei Motorrollern dort hin. Für mich, die sich auf kein motorisiertes Zweirad setzt, sozusagen die Feuertaufe. Zusammen stiegen wir irgendwo außerhalb des neuen Stadtteils von Kochi, Ernakulam auf dem Festland, in ein großes Hausboot. Auf dieser Busfahrt erkannten wir, weshalb Kochi das Venedig Indiens genannt wird. Kochi, oder wie die Stadt auch heißt, Cochin, liegt auf mehrere Inseln verteilt, die durch Brücken oder Fähren miteinander verbunden sind.
Die Backwaters sind Wasserarme, die sich ins ein Stück weit ins Landesinnere erstrecken, Brackwasser enthalten und zusammen mehrere tausend Kilometer lang sind.
Das Hausboot ist eines der wenigen, die von ehemals tausend Stück übriggeblieben sind. Der Rumpf ist aus Holzplanken, die praktisch mit Seilen zusammengenäht sind. Den Aufbau bildet ein kunstvoll aus Holz und Kokosstricken geflochtenes Dach und einer natürlichen Deckung. Die Leute nehmen auf Gartenstühlen Platz. Das Boot wird hinten und vorn von je einem Mann durch die Flussarme gestakt. Durch das absolut lautlose Gleiten des Bootes bekommt man die ganze Geräuschkulisse der Natur mit.

Backwater

Backwater

Zu sehen sind kaum Tiere, nur hier und da ein weißer Reiher. Zu hören sind verschiedene Vögel und Hörnchen. Dafür ist die Vegetation sehr üppig. Kokospalmen, Bananen, Schraubenbäume, Wasserhyazinthen und vieles mehr bilden ein dichtes Gewirr im Wasser und an Land.

Aus Muscheln wird Kalk

Aus Muscheln wird Kalk

Unser erstes Ziel war eine Kalkfabrik. Es ist ein kleiner Wirtschaftszweig, der jedoch großen Nutzen hat. Hier wird der Kalk aus Muschelschalen hergestellt. Nachdem die Muschelschalen von den Märkten zu den Fabriken gekommen sind, das Fleisch der Muscheln wird verkauft, werden sie gesammelt. Ein großer Bottich wird am Grunde mit Kokosschalen befüllt, darauf kommt eine dünne Schicht Kohle. Dann werden die Muschelschalen hoch eingefüllt und das Ganze auf tausend Grad erhitzt, bis sich die Kalkbestandteile herausgelöst haben. Die gebrannten Muschelschalen werden dann in kleineren Haufen gelagert und mit Wasser begossen. Dadurch wird der Kalk in den Muschelschalen gelöscht und alles zerfällt zu einer Art Mehl. Dieser reine Kalk kann nun als Bodenverbesserer im Garten, als Wandfarbe oder in der Kosmetik oder Industrie weiterverwendet werden. Alles ist mühevolle Handarbeit und gerade beim Herausholen der gebrannten Muschelschalen wohl auch gesundheitsgefährdend. Deshalb arbeiten die Männer mit Atemschutz, der gerade einmal aus einem Tuch besteht. Das war ein interessanter Einblick.

Seil aus Kokosfasern

Seil aus Kokosfasern

Als nächstes besuchten wir Seilmacher, die zu einem großen Wirtschaftszweig gehören. Uns wurde gezeigt, wie die Seile aus Kokosfasern hergestellt werden. Zuerst werden die Kokosschalen sechs Monate in Wasser gelegt. Danach kann man ganz einfach die äußere Schale von den Fasern lösen. Die Fasern werden dann soweit bearbeitet, dass sie bald so fein wie Haare sind. Diese feinen Fasern werden dann an die Seilmacher geliefert, dass heißt, diese Arbeit ist Frauensache. Ein Teil der Fasern kommt in einen Korb vor dem Bauch der Seilflechterin. Daraus zieht sie zwei Enden, die gedrillt werden und an einem Haken befestigt werden. Dann läuft sie einfach nur rückwärts und zieht und dreht die Fasern, die sich wie von Geisterhand automatisch miteinander verflechten, aus dem Korb. Zum Schluss werden diese zwei Stränge miteinander verdrillt, so dass ein dünnes Seil entsteht.
Diese Seile und andere Produkte aus Kokosfasern werden dann über eine Genossenschaft, der einhundertfünfzig Erzeuger angehören, verkauft. Daraus entstehen Artikel für den Haushalt wie Teppiche, Decken oder auch Taschen usw.
Die Menschen, die auf den Inseln der Backwaters wohnen, führen ein beschauliches Leben. Es erinnerte uns an das Leben auf den Philippinen. Eine Kuh, ein paar Ziegen, Hühner oder Enten dienen dem Lebensunterhalt.

Mahlzeit auf Bananenblatt

Mahlzeit auf Bananenblatt

Irgendwann kehrten wir zum Lunch in eine Hütte ein, die auf einer Insel steht. Dazu gehört ein kleines Häuschen für die Küche und ein abenteuerliches Klo. Uns wurde ein typisch indisches Essen gereicht, kleine vegetarische Kostproben mit Reis auf einem Bananenblatt serviert. Fleisch gibt es für die Landbevölkerung nur selten. Selbst wir können immer nur auf Hühnchen zurückgreifen, wenn wir etwas mit Fleisch essen wollen. Anderes Fleisch kommt äußerst selten auf den Teller.

Pfeffer - weiß, grün oder schwarz, alles von einer Pflanze

Pfeffer – weiß, grün oder schwarz, alles von einer Pflanze

Dann brachte uns das Hausboot an ein anderes Ufer und wir stiegen in einen Bus, der uns ein Stück weiter zu Kanus brachte. Unser Gruppe wurde auf drei Kanus aufgeteilt, die ebenfalls gestakt werden. Durch einen schmalen Wasserarm, vorbei an kleinen Wohnhäusern und Grundstücken, erreichten wir eine Brücke. Dort stiegen wir aus und wurden ein Stück weiter in die Welt der Gewürze eingeführt. Während wir nur Bäume und Büsche sehen, stehen wir mitten in einem Wald aus Gewürzen. Pfefferpflanzen, Chillibüsche, Zimtbäume, Nelken-, Muskatnuss und Lorbeerbäume, sogar Kaffee stehen überall. Unser Guide ließ uns von allem kosten oder an den Blättern riechen. Ganz unscheinbare Pflanzen sind doch so begehrte Gewürze. Zudem stehen hier und da Büsche, dessen Früchte wie Mangos aussehen. Es sind Wassermangos und deren Früchte werden Suizidfrüchte genannt, da ihr Kern, der von einer dicken, harten Schale geschützt wird, sehr giftig ist und sich viele Leute schon damit das Leben genommen haben. Es ist also, wie immer, nicht alles Gold, was glänzt.
Es war eine sehr erholsame und lehrreiche Fahrt durch die Backwaters Keralas.

Kochi Erkundung

Kerala ist ein kleiner Bundesstaat Indiens am südwestlichen Ende des Subkontinents. Seit der Entdeckung dieses Landes durch Vasco da Gama und die Gründung der Ostindischen Kompanie hat sich das Leben der Menschen hier in vieler Hinsicht geändert. Der Gewürzhandel brachte das Land zu Wohlstand. Dann kamen die Engländer und die Holländer, die alle ein Stück vom Kuchen abhaben wollten, was nicht ohne Konflikte blieb.
Die religiöse Vielfalt sucht heute seinesgleichen. Inder mit ihren vielen Religionen, Christen, Moslems und Juden leben in Eintracht nebeneinander. Da stehen z.B. Kirchen und hinduistische Tempel auf einem Grundstück.

3D-Darstellung im Maritimen Museum Kochi

3D-Darstellung im Maritimen Museum Kochi

Wir haben uns das Maritime Museum angesehen, in dem über die Geschichte der indischen Marine berichtet wird. Die Anfänge dieser Einrichtung liegen mindestens 400 Jahre vor Christus. Damals noch zum größten Teil Handel treibend, baute man die ersten Schiffe, die mit der Zeit immer ein wenig weiterentwickelt wurden. Kochis Werft ist eine der ältesten Werften an der indischen Küste.
Seit die Europäer auftauchten, wurden die Aktivitäten der Königlich-Indischen Marine aufgezeichnet. Seit dem ist dieser Militärzweig fast ständig bei irgend welchen Auseinandersetzungen und Kriegen dabei gewesen. Die Liste endet 1950.
Bisher noch nie in einem Museum gesehen haben wir die großen 3D-Darstellungen. Wie ein tiefes Relief sind Szenen aus dem Leben, Kriegsschiffe damals und heute, Karten usw. dargestellt. Durch die farbige Gestaltung sieht alles fast echt aus. Dazu sind unter anderem Uniformen, Urkunden, Bildmaterial, Bordgeschütze und Lenkraketen zu sehen.

Nach diesem Besuch verbrachten wir eine Weile am Badestrand von Fort Kochi, wie der Stadtteil heißt, in dem wir uns befinden. Na ja, Badestrand ist zuviel gesagt, da die Inder kaum baden gehen und wenn, dann mit all ihren Sachen. An diesem Strand ist noch das Problem, dass überall Fischnetze liegen. Hier und da stehen Fischer im Wasser, die mit Handnetzen ihr Glück versuchen. Baden gehen können wir somit abhaken.

Jedenfalls fühlen wir uns hier in Fort Kochi wesentlich aufgehobener als in Delhi. Es ist viel ruhiger, sauberer und entspannter, wenngleich man ständig wegen einer Stadtrundfahrt mit dem Tuk-tuk oder vor einem Restaurant oder Laden angesprochen wird.
In Kerala gibt es keine Analphabeten, während über die Hälfte der Rajasthani nicht lesen oder schreiben können. Die Anzahl der Bettler ist hier sehr gering, während man in Delhi ständig Hände entgegengestreckt bekommt.

gemütliches Sträßchen in Fort Kochi

gemütliches Sträßchen in Fort Kochi

Bei unserem nachmittäglichen Spaziergang lenkten wir unsere Schritte in die der Touristenecke entgegengesetzte Richtung und fanden dort gemütliche Sträßchen mit zum Teil sehr schönen Häuschen. Jede Menge große und kleine oder kleinste Kirchen standen an unserem Weg. In Hotelnähe, nur ein paar Schritte weiter, entdeckten wir kleine Läden mit allem Nötigen wie Wasser, Obst und Gemüse, einem Bäcker bis hin zur Drogerie. In einer Art Hinterhof ging ein Fleischer seinem Geschäft nach. Hier können wir uns versorgen.

Straßenschmuck für Weihnachten

Straßenschmuck für Weihnachten

Heute ist Heilig Abend und fast überall wird auf die Schnelle noch für die Feiertage geschmückt. Sterne, Girlanden, Lampions, seltener ein kleiner Weihnachtsbaum prangen an und vor den Häusern. Teilweise sind ganze Straßen mit Girlanden praktisch überdacht.
Ein kleines und feines Restaurant fanden wir heute auch, in das wir zum Kaffee und zum Abendessen einkehrten. Es hat ausgezeichnete Speisen, vor allem Fischgerichte. Für zusammen ganze 8 Euro aßen und tranken wir vorzüglich. Das Restaurant wurde am Nachmittag noch geschmückt. Jetzt spielte im Hintergrund sogar Weihnachtsmusik.

Nach dem Abendessen gingen wir noch einmal an den Strand, wo immer noch das Leben tobt. Nur gut, dass wir heute mit Mückenspray vorgesorgt haben.

Ankunft in Kochi

Gegen Mitternacht, es waren immer noch 29°C bei ziemlich hoher Luftfeuchtigkeit, kamen wir bei unserem gebuchten Hotel an. Die gute Dame des Hauses meinte, wir sollten am nächsten Tag die Formalitäten erledigen, damit wir jetzt endlich ins Bett kämen. Nachdem wir durch ihre Wohnräume im Haus gegangen waren, zeigte sie uns ein Zimmer in der oberen Etage. Hotel mit Familienschluss? Wir hatten keinen Nerv mehr für irgend etwas. Das Bett war viel zu schmal und viel zu hart, kein Schrank und ein Gemeinschaftszimmer.
Sobald es hell wurde, begannen Vögel Melodien zu trällern, die wir noch nie gehört hatten. Daran schlossen sich die Krähen an, die stundenlang lauthals krächzten. Derweil begann das Leben im Haus und auf dem Hof. An Schlafen war nicht mehr zu denken. Gegen halb 8 Uhr standen wir genervt auf.
Wer uns kennt, weiß, dass bei unseren selbst gebuchten Reisen fast immer etwas daneben geht. Jetzt war es soweit. Wir waren in keinem Hotel, sondern in einem Gästezimmer gelandet. Die Wirtin hatte uns wohl schon am Abend angemerkt, dass wir bei Ihr falsch sind. Nachdem ich erzählt hatte, wie es uns ergangen war, half sie uns aus der Misere herauszukommen. Sie sah selbst im Internet (Booking.com) nach und sah, dass ihre Pension als Hotel dargestellt wird. Wir hatten ja schon die 11 Nächte im Voraus gebucht. Jetzt brauchten wir nur die Taxifahrt hierher und die eine Nacht bezahlen. Sie meinte, wir sollten uns ein Hotel suchen, wo es uns besser gefallen würde.

Gama Hertitage Residenz

Gama Hertitage Residenz

Auf der Straße wird man hier ständig gefragt, ob wir ein Tuk-tuk haben möchten. Diesmal sagten wir zu und der Fahrer half uns, ein Hotel in unserer Preislage zu finden. Alleine hätten wir uns wohl den Wolf gelaufen. Schnell fanden wir ein schönes Hotel, das „Gama Heritage Residenz“. So checkten wir in der Pension wieder aus und im Hotel ein.

chinesisches Fischernetz

chinesisches Fischernetz

Danach spazierten wir ein bisschen durch die Gegend und kamen zuerst am Strand heraus, dort wo die chinesischen Fischernetze stehen, die es so schon fünfhundert Jahre lang gibt und die Kochis Attraktion sind. Noch heute fangen die einheimischen Fischer ihre Beute mit diesen Netzen und verkaufen sie direkt am nebenan gelegenen Markt. Wenn man möchte, kauft man beim Fischhändler den Fisch und der wird dann sofort von einem Koch in einem nahegelegenen Restaurant zubereitet. Heute wollten wir jedoch nur erst einmal schauen. Eine frische Kokosnuss gönnten wir uns, weil wir Durst hatten. Ansonsten treten sich die Souvenirhändler gegenseitig auf die Füße.

Kirche in Kochi

Kirche in Kochi

Auffallend ist, dass Kochi sehr viele Kirchen und ein jüdisches Viertel hat. Nähere Informationen dazu haben wir jedoch noch nicht.

Nach einigen Kilometern Weg in der heißen Sonne und einem frisch gepressten Saft, gingen wir zum Hotel zurück. Am Abend ließen wir uns eine Kleinigkeit in einem der Straßenrestaurants am Vasco-da-Gama-Platz schmecken. Allerdings fraßen uns dort die Mücken auf, mit denen wir so gar nicht am Meer gerechnet hatten.

Erholungstag

improvisierte Bühne für ein Götterfest

improvisierte Bühne für ein Götterfest

Am Abend des 21. Dezember wurde im Nachbarhotel eine kleine Bühne aufgebaut und um 20 Uhr begann Musik zu spielen. Wir sahen uns das einmal an. Vor einer bunten Bühne mit Götterbildern saßen zwei Männer vor einem Feuer. Dazu indischer Gesang und Musik, natürlich live. Ab und zu gingen ein paar Leute an die Bühne und ließen sich offensichtlich segnen. Auf unsere Frage im Hotel bekamen wir zur Antwort, dass heute die heilige Nacht des Gottes Shiva sei und die Menschen in dieser Nacht beten und sich segnen lassen. Ein wenig früher kam eine Gruppe feierlich gekleideter Menschen die Straße entlang gelaufen. Sie wollten anscheinend ebenfalls zu solch einem Fest.
Den 22. Dezember verbrachten wir bis zum Check-out mittags im Zimmer, dann checkten wir aus, verstauten unsere Koffer und machten noch einen kleinen Spaziergang durch die Hotelstraße. Gegen 15 Uhr brachte uns ein Taxi zum Flughafen, wo wir die restliche Wartezeit verbrachten. Mit einer dreiviertel Stunde Verspätung startete unser Flugzeug nach Kochi in Kerala.

Delhi Stadtrundfahrt

Rotes Fort Delhi

Rotes Fort Delhi

Unser nepalesischer Fahrer, den wir die ganze Woche hatten, machte mit uns auch die Stadtrundfahrt. Um 10 Uhr ging es los und wir begannen mit dem Roten Fort. Von außen sieht es fast genauso aus, wie das Agra Fort, doch im Inneren ist es in einem ziemlich schlechtem Zustand, Gebäude wie Garten. Bis 2003 gehörte das Fort der indischen Armee. Viele Gebäude sind innen und außen weiß übertüncht worden. Die öffentliche Audienzhalle ist nur noch von der einer Seite im originalen roten Sandstein erhalten. Hinter dieser Audienzhalle befinden sich die Audienzhalle für Kuriere und hohe Besucher, die Privatmoschee, ein Hamam und ein großer Garten. Die zuletzt genannten Gebäude sind aus Marmor gebaut. Weitere, für Besucher unzugängliche, große Gebäude stehen ebenfalls auf den riesigen Gelände. Hier und dort sind Rekonstruktionsarbeiten im Gange.
Hinter dem heute zugänglichen Tor kommt man durch den Basar, den es schon früher gab.
In einem der Kasernenblocks ist eine Ausstellung untergebracht, die von der Eroberung Indiens durch die Briten und den Befreiungskampf der Inder berichtet. Gandhi und Neru, der nach der Unabhängigkeitserklärung am 15. August 1947 der erste Ministerpräsident Indiens wurde, dürfen da auf keinen Fall fehlen.

India Gate

India Gate

Unser nächstes Ziel war das India Gate, ein 42 Meter hoher Triumphbogen, der an die Toten des 1. Weltkriegs, des Afghanistan-Krieges 1919 und des Bangladesh-Krieges 1971 erinnert. Vom India Gate führt eine breite Straße, die für Paraden genutzt wird, bis zum Regierungspalast. In dessen Nähe stehen das Parlamentsgebäude und jede Menge Ministerien.

Unsere Quellen, die wir für die Stadtbesichtigung dabei hatten, berichteten vom Humayun-Grabmal, doch wir hatten kein Bild, wie das Ganze aussieht. Wir standen zwar vor der Einfahrt, aber konnten nichts weiter sehen. Es gab auch keine Parkplätze. So fuhren wir weiter. Jetzt, da ich im Internet geforscht habe, fand ich heraus, dass dieses Grab wohl ein genauso prächtiger Bau wie das Taj Mahal ist.

Qutab Minarett

Qutab Minarett

Unsere letzte Besichtigung galt dem Qutab Minarett. Es ist ein über 72 Meter hoher Turm aus roten und hellem Sandstein und ist noch heute einer der höchsten Türme der islamischen Welt. Er wurde wahrscheinlich nach dem Sieg der Moslems über die Hindus im 12. oder 13. Jahrhundert erbaut. Ihm gegenüber steht ein um die 24 Meter hohes Rudiment. Es sollte der gleiche Turm werden, wie der schon vollendete. Nach dem Tod des Erbauers wurde der Bau abgebrochen.
Zwischen diesen beiden Minaretten stehen die Ruinen einer Moschee und mehrere Grabmale. Ein College war auf dem Gelände auch untergebracht. Alle diese Bauten auf dem Gelände des Qutab Minaretts sind nur noch Ruinen. Im Laufe der Zeit sind einige hinduistische Schnitzereien an vielen der Säulen entstanden.
Trotz allem ist das Gelände um das Quatab Minarett ein sehr imposanter Komplex.
Mehrfach wurden wir darum gebeten, uns mit den indischen Besuchern fotografieren zu lassen. Vielleicht wollen diese Leute mit solch einem Foto zu Hause angeben oder so. Uns hat es gefallen.

Fahrradtransport (durch unser Fenster fotogafiert)

Fahrradtransport (durch unser Fenster fotogafiert)

Heute, am Sonntag wird das Auto in Delhi stehen gelassen und die Menschen gehen zu Fuß. Das gilt zwar nicht für Taxen, Touristenautos, Tuk-tuks usw., aber es ist zu merken, dass der Verkehr ein bisschen weniger geworden ist.
In Indien, was wir so gesehen haben, muss man ganz genau wissen, wo sein Auto anfängt und wo es aufhört. Jederzeit ist Millimeterarbeit gefragt und man muss Argusaugen haben, um wirklich nichts und niemanden zu übersehen. Mit dem PKW hat man sowieso das Nachsehen, denn Fahrräder, Mopeds, Karren und Tuk-tuks quetschen sich immer und überall dazwischen. Da dauert es eine Weile, bis man mit seinem großen PKW durchkommt. Die Vorfahrt der Linienbusse kann nur begrenzt durchgesetzt werden. Die großen Reisebusse, die man auch hin und wieder sieht, haben es am allerschwersten. Als Europäer schmeißt man entweder nach einem halben Kilometer das Handtuch oder spätestens nach drei Tagen.

Morgen warten wir auf unseren abendlichen Flug nach Kerala. Da müssen wir irgendwie die Zeit vertun und es wird keinen Bericht von uns geben. Bis dann in Kerala.

Pushkar

Brahma Tempel in Pushkar

Brahma Tempel in Pushkar

Am Vormittag besichtigten wir den Brahma-Tempel. Indien hat drei höchste Götter: Brahma, den Schöpfer, Vishnu, den Erhalter und Shiva, den Zerstörer. Zusammen sind sie GOD (Gott) und die heilige Dreifaltigkeit.
Während Vishnu und Shiva tausende Tempel in ganz Indien haben, besitzt Brahma nur einen einzigen Tempel, eben den in Pushkar. Hier findet jedes Jahr im November ein fünftägiges Festival zu Ehren Brahmas statt. Dann pilgern Angehörige aller Glaubensrichtungen des Hinduismus nach Pushkar, zusammen mit tausend Kamelen, tausend Pferden und vielen anderen Tieren. Dann findet nicht nur eine zweitägige Zeremonie auf dem heiligen Pushkarsee statt, sondern auch ein großer Viehmarkt. Die Stadt, im Normalfall hat sie 25.000 Einwohner, platzt dann aus allen Nähten. Sie liegt am Rande der Sandwüste Thar, die sich von hier weiter nach Westen erstreckt. Einen Finger streckt die Wüste Thar dann auch noch an die Straße Jaipur-Delhi, wie wir sehen konnten.
Um den Brahma-Tempel zu besichtigen, muss man die Kameras abgeben, die weggeschlossen werden, und natürlich, wie in allen Tempeln, die Schuhe ausziehen. In dieser Jahreszeit ist das kein Vergnügen, barfuß oder mit dünnen Socken auf dem eiskalten Marmorfußböden zu gehen.
Eine Treppe führt nach oben zum Tempel, in dem ein Mönch steht und die Opfergaben der Gläubigen, Blumenblüten oder andere kleine Dinge, entgegen nimmt. In dem Tempel leben fünf Mönche. In dem Boden rund um den Altar, der eine silberumrahmte Brahma-Figur zeigt, sind Silbermünzen eingelassen, die im Laufe der Zeit ganz glatt geschliffen wurden.
Der Brahma-Tempel ist um die tausend Jahre alt und im Besitz einer Regierungsstiftung. Die Spenden, die am Tempel und rund um den See eingenommen werden, fließen zu einhundert Prozent an die Stiftung, die damit wiederum Gutes für die Stadt tut, wie den Tempel und den See sauber halten, sich um das öffentliche Leben kümmern usw.
Die Namen großer Spender werden direkt an die Stiftung gegeben. Dafür erhalten diese Spender eine Danksagung in eine der Marmorplatten an Wänden oder dem Boden gemeißelt. Da sind neben indischen Eintragungen auch ein paar arabische, englische und sogar eine spanische Eintragung zu finden. Viele freie Platten gibt es allerdings nicht mehr.

Pushkarsee

Pushkarsee

Nach dieser Besichtigung holten wir unsere Kameras und Schuhe wieder ab und spazierten anschließend noch um die vordere Hälfte des Pushkarsees, der zur Abwechslung einmal ein natürlicher See ist. Hier waschen sich die Gläubigen, bevor sie zum Tempel gehen. Kühe, Affen und Tauben gehören genauso zum Bild.
In einiger Entfernung sieht man einen Tempel auf einer Bergspitze stehen. Dies ist der Sitz der himmlischen Frau des Brahma, die zum Festival herabkommt und versucht, die Rolle der irdischen Frau Brahmas zu übernehmen. Den Kampf gewinnt dann immer die irdische Frau und die himmlische Frau muss zurück in ihren Bergtempel oder in den Himmel.

Nach zwei Stunden Stadtbesichtigung stiegen wir wieder in unser Auto und fuhren in sieben Stunden, mit drei kleinen Pausen, zurück nach Delhi, wo der ganz normale Wahnsinn seinen Lauf nimmt.
Diesmal bekamen wir im Hotel Staywell ein Zimmer mit Fenster. Das ist zwar schön, aber nicht den ganzen Tag auszuhalten. Morgen steht eine Stadtrundfahrt durch Delhi an.

Bonbon: ein einmaliges Bild, gefunden am Pushkarsee:

Cowcleaning

 

 

 

Fahrt nach Pushkar

einmal Tuk-tuk bitte

einmal Tuk-tuk bitte

Wir sind leicht erkältet. Tagsüber ist es zwar halbwegs warm, aber nachts fällt das Thermometer bis auf 2,5 °C. Die Hotelzimmer kann man allesamt nicht heizen.
Zum Beginn unserer Rückreise nach Delhi stiegen wir für eine kurze Strecke ins Tuk-tuk, da unser Fahrer sich nicht mit seinem Auto noch einmal durch die engen Gassen zu unserem Hotel quälen wollte. Dann fuhren wir mit dem Auto Richtung Norden, mit ein paar Umwegen, weil sich unser Fahrer verfahren hatte, nach Pushkar. Durch diese Umwege kamen wir in den Genuss, uns noch einmal das indische Landleben anzusehen. Dieses geht wesentlich ruhiger zu, als das in den Städten.

starkes LKW-Aufkommen

starkes LKW-Aufkommen

Am Rande des Highways, den wir meistens fuhren, befinden sich viele Rastplätze, die sehr von den vielen LKW´s frequentiert werden. Inzwischen bekommen wir ein Auge, was da am Straßenrand alles angeboten wird. Vor allem fanden sich viele LKW-Waschplätze am Straßenrand. An vielen Orten werden die Fetische verkauft, die von den Hindu-Fahrern gern an Ihre Fahrzeuge gehangen werden. Bis jetzt war ja alles nur ein großes Durcheinander.

Garküche am Straßenrand

Garküche am Straßenrand

Gegen 14 Uhr legten wir eine kleine Pause ein, um etwas in einer der vielen Garküchen zu essen. Das Essen, welches dort über einer offenen Flamme gekocht wird, nennt sich Dal. Das sind verschiedene Gewürze mit Tomaten, Zwiebeln und Chilli in Öl gegart. Dazu gab es Joghurt mit irgendeinem braunen Gewürz bestreut, und das übliche kleine Fladenbrot. Das schmeckte alles sehr lecker, und vor allem war es nicht zu scharf.

Gegen 16 Uhr trafen wir in Pushkar ein. Der Ort liegt in den Bergen und ist eine heilige Pilgerstadt, mit dem einzigen Brahma-Tempel Indiens. In der Stadtmitte befindet sich der heilige Pushkarsee.
Durch diese Tatsachen müssen sich die Besucher Pushkars an bestimmte Regeln halten. Es herrscht vollkommenes Fleisch- und Alkoholverbot. Es müssen die Knie bedeckt sein, Pärchen dürfen kein Händchen halten oder gar mehr, und rund um den See müssen die Schuhe ausgezogen werden.

Pushkarsee

Pushkarsee

Nachdem wir unser Hotelzimmer im New-Park bezogen haben, machten wir noch einen Spaziergang durch die Straßen rund um den See. Pushkar ist zudem Touristenstadt und so ist alles auf Touristen ausgerichtet. Kein Flecken entlang der gesamten Straße ohne Laden, in denen Kleidung, Tücher, Schmuck, fein geschnitzte Marmorstücke oder Snacks verkauft werden. Wer an den See will, wird an vielen Zugangstellen um eine Spende gebeten.
Als es dunkel wurde, gingen wir zum Hotel zurück und tranken an einem Stand, von wegen der Vitamine, einen frisch gepressten Orangen- bzw. Ananassaft, die echt lecker waren.

Udaipur

Natural Lake View Hotel Udaipur

Natural Lake View Hotel Udaipur

Heute morgen mussten wir erst einmal das Hotel wechseln, denn im Natural Lake View Hotel hat gar nichts gestimmt. Es ist dreckig, durch die Fenster kann man kaum durchsehen, der Service stimmt nicht, auf das Essen warteten wir ewig und Internet war auch nicht verfügbar. Heute zum Frühstück hat man nach einer geschlagenen halben Stunde festgestellt, dass man uns keine Omeletts machen kann, weil keine Eier da sind. Nach über einer halben Stunde hatten wir unser Frühstück immer noch nicht. Trotzdem wir mehrmals darauf aufmerksam gemacht hatten, dass wir um 9 Uhr zur Stadtbesichtigung abgeholt werden, hielt man es nicht für nötig, sich ein bisschen zu beeilen, so dass wir ohne Frühstück das Hotel verließen. Gestern Abend bestellten wir Gerichte mit Ziege und Lamm, als es hieß, dass diese Bestellungen bis zu einer Stunde dauern würden. Gut, dann bestellten wir auf ein ganz normales Gericht um, worauf wir dann ebenfalls fast eine Stunde warteten. Unglaublich.
Unser Fahrer kümmerte sich dann um ein neues Hotel, was nicht so einfach war, weil wir dieses eben für zwei Nächte gebucht hatten. Der Guide, der inzwischen eingetroffen war, sprach nicht deutsch, obwohl wir einen deutschen Guide gebucht hatten. Der fuhr dann wieder weg, aber ein deutschsprechender Guide war in Udaipur nicht verfügbar. Von denen gibt es nur zwei oder drei und die waren ausgebucht. Also mussten wir uns doch mit einem englischsprechenden Guide begnügen, der dann auch erst wieder zu uns stoßen musste. So vergingen fast eineinhalb Stunden.

Hotel Sarovar am Pichola Lake

Hotel Sarovar am Pichola Lake

Das neue Hotel bezogen wir auch noch, bevor die Stadtbesichtigung begann. Es ist das „Sarovar“. Hier stimmte dann alles wieder. Endlich konnte es losgehen.
Udaipur wurde im 16. Jahrhundert gegründet und ist umringt und berühmt für seine Seen, deren es sieben Stück geben soll, die allesamt von Menschen gemacht wurden. Der erste See, an dem wir auch wohnten, heißt Swaroop Sagar-See. Am Ufer des zweiten Sees, dem Pichola See, an dem wir jetzt wohnen, befindet sich der Stadtpalast, der Winterwohnsitz des Maharana von Udaipur. Maharana ist eine Variation des Hindu-Herrschertitels Maharaja.

Pichola Lake

Pichola Lake

Im Pichola-See steht das Sommerschloss „Taj Lake Palace“ der Herrscherfamilie. Es ist durch den James Bond-Film „Octopussi“ berühmt geworden. Das war ein Grund, uns bis nach Udaipur fahren zu lassen, obwohl die Stadt ganz schön weit ab vom Schuss liegt.
Neben diesen beiden Schlössern gibt es auch noch das Monsunschloss, hoch oben auf einem Berg. Es ist das Schloss, welches die Herrscherfamilie in der Monsunzeit bewohnt. Ebenfalls im See liegt die Partyinsel Jagmandir mit kleinem Garten, einem kleinen Schloss und einem Tempel.

Taj Lake Palace

Taj Lake Palace

Unsere Besichtigung begann mit einer einstündigen Bootsfahrt auf dem See, bei der wir an der königlichen „Yacht“ vorbeikamen und dann am Sommerschloss. In seinem Restaurant bezahlt man für ein Diner um die 2000,- Dollar.

Partyinsel Jagmandir in Pichola Lake

Partyinsel Jagmandir in Pichola Lake

Auf der Partyinsel hatten wir Gelegenheit, uns ein wenig umzusehen. Unter dem strahlend blauen Himmel leuchten die weißen Häuser rundherum. Udaipur wird die „weiße Stadt“ genannt. Hier wird in großem Stil Marmor abgebaut. Zudem hat Udaipur die größte Silber- und Zinkmine in ganz Asien. Die Stadt hat nur eine halbe Million Einwohner, dafür sieben Universitäten, z.B. für Management, Architektur, Mode usw.

Stadtschloss und Winterpalast

Stadtschloss und Winterpalast

Im Anschluss an die Bootsfahrt besichtigten wir den Stadtpalast, also den Winterpalast des Maharana. Er ist im Aussehen einfach gehalten. Die unteren Etagen haben nur wenige Fenster und zeigen gar keinen Schmuck. Das hat mit den Angreifern zu tun, die das Schloss manchmal heimsuchten. Aus Gründen der Verteidigung sind die Türen im Inneren der Anlage alle sehr klein gehalten. So mussten sich die Angreifer beim Durchgehen bücken. Neben den Türen haben dann die Verteidiger mit Schwertern gestanden und konnten so leicht die Köpfe der Angreifer abschlagen. So erzählte es uns unser neuer Guide Wino. Im oberen Teil, der Anlage findet man dann wieder kleine Erker mit vielen Fenstern.
Ein Teil des Schlosses ist als Museum zu besichtigen. Die einzelnen Räume und Etagen sind durch sehr schmale Gänge miteinander verbunden. In der Silbergalerie sind viele Gegenstände aus Silber ausgestellt, von Flakons über Trinkbecher bis hin zu Pferdegeschirr. Der Rundgang war ganz interessant, ist aber kaum mit den bisher gesehenen Forts zu vergleichen.

Jagdish-Tempel

Jagdish-Tempel

Nach der Besichtigung des Stadtpalastes nahmen wir eine kleine Stärkung in einem kleinen Restaurant vor den Toren des Palastes zu uns, bevor wir uns noch den Jagdish-Tempel ansahen. Darin fand gerade eine Betstunde statt, bei der fast nur Frauen zugegen waren. Sie saßen eng beisammen und sangen wahrscheinlich Gebete, von Musik und dem Duft der Räucherstäbchen begleitet. Überall lagen Maiskörner auf dem Boden, offensichtlich Opfergaben. Außerhalb des Tempels stehen kleine Schreine auf dem Gelände.

Altstadt von Udaipur

Altstadt von Udaipur

Gegen 16 Uhr war der Tag für uns zu Ende und wir gingen zum Hotel zurück. Nach einem Kaffee spazierten wir noch einmal durch unsere Umgebung und zum See, bevor wir zum Abendessen auf das Dach unseres Hotels „Sarovar“ stiegen. Von dort oben haben wir einen schönen Blick auf die Altstadt gegenüber und die Dächer unseres Stadtteils.

Noch eine Anmerkung: unser Guide klärte uns über den Ursprung der Stadtnamen mit den Endungen pur und bad auf. Die Städte, die mit pur enden, wie Udaipur sind hinduistischen Ursprungs, die auf bad enden, wie Islamabad sind moslemischen Ursprungs, wieder etwas gelernt.

Fahrt nach Udaipur

Alle Tiere sind sehr zahm

Alle Tiere sind sehr zahm

Fahr´n, fahr´n, fahr´n, immer Richtung Udaipur. Ab und zu wird die Fahrt durch eine Teepause, einen Tankstopp oder zum Luft pumpen unterbrochen.
Die Landschaft ist flach und weiter eine Halbwüste, aus der sich vereinzelt Hügel erheben. Es wird wieder mehr Raps angebaut. In den größeren Städten trifft man manchmal auf Menschenansammlungen. Das sind praktisch Arbeitsämter für Tagelöhner, die sich auf diese Weise ihr karges Auskommen verdienen. Hier muss ich noch erwähnen, dass die Ärmsten der Armen teilweise in Zelten oder aus allem Möglichen zusammengezimmerten Hütten direkt am Straßenrand wohnen. Mancher Friseur stellt sich einfach einen Stuhl auf den Fußweg, hängt einen Spiegel an die Mauer und verrichtet derart sein Handwerk. Viele verkaufen Obst und Gemüse oder Gebäck auf ihren Karren. Ständig werden wir angebettelt, wenn wir uns einmal zu Fuß auf den Weg machen.

Am Fuße der Aravoli-Berge

Am Fuße der Aravoli-Berge

Nach einem kürzeren Stück Highway bog unser Fahrer auf eine kleine Straße ab und bald führte uns unser Weg durch das tiefste Hinterland von Rajasthan. Die Orte dort sind so klein, dass nur die durchführende Hauptstraße asphaltiert ist. Alle anderen Straßen und Wege sind unbefestigt. Es leben nicht so viele Leute dort. So gefällt uns Indien schon besser, es ist fast gemütlich. Dann wurde die Landschaft bergig.

Jain-Tempel in Ranakpur

Jain-Tempel in Ranakpur

Am Beginn der Aravalli-Bergkette besuchten wir den Ranakpur-Tempel aus dem 15. Jahrhundert. Es ist ein Jain-Tempel und ein Beispiel des Zusammenwirkens von Religion und Kunst, so steht es in unserem Prospekt geschrieben.
Die Jain-Religion schreibt ein Dasein annähernd den gleichen Regeln wie die zehn Gebote des Christentums vor. Meditation und Entsagung aller irdischen Versuchungen bestimmen das Leben. Nach dem Tode wird man wiedergeboren, wenn man es sich verdient hat. Das wiederholt sich einige Male, bis man am Ende das Nirwana erreicht und sich die Seele von Körper und Geist gelöst hat, oder so ähnlich.
Der Tempel aus Marmor, der aus zwei verschiedenen Regionen kommt, besteht aus einer großen Mittelkuppel, um die sich vier kleinere Kuppeln anschließen. An diese wiederum sind weitere vier Kuppeln angebaut, die vier Eingänge bilden, alles ist auch hier wieder symmetrisch. Die ganze Konstruktion wird von 1444 reichverzierten Säulen getragen, die Geschichten aus dem Jainismus erzählen. Keine einzige Säule gleicht einer anderen. Es ist ein sehr beeindruckender Bau, der in einem bezaubernden Tal errichtet wurde.
Meerkatzen spielen auf dem Gelände oder auf dem Tempel. Sie leben in diesem Tal.
Auf der Weiterfahrt nach Udaipur überquerten wir das Aravalli-Gebirge, kamen wieder auf den Highway und waren schon bald, sechseinhalb Stunden nach der Abfahrt morgens, in Udaipur an. Eine Besichtigung stand nun nicht mehr an, deshalb wurden wir am Natural Lake View-Hotel abgesetzt, wo wir nun zwei Nächte verbringen werden. Aus unserem Zimmer können wir über den Swaroop Sagar, einem der sieben künstlichen Seen in Udaipur, sehen. Auf der Dachterrasse nahmen wir unser Abendbrot ein.
Für Morgen ist eine Stadtrundfahrt nach Udaipur angesagt.

Jodhpur

indischer Transport

indischer Transport

335 Kilometer von Jaipur nach Jodhpur in sechs Stunden. Langsam gewöhnen wir uns an den Verkehr, aber nicht an das pausenlose Hupkonzert. Da sind die sehr melodischen Hupen der LKWs eine schöne Abwechslung. Am schönsten sehen die von Hindus gefahrenen LKW´s aus, die bunte Bemalungen und Zierrat, der natürlich eine Bedeutung hat, aufweisen.
Das Fahren auf den Überlandstraßen wird immer entspannter, da die Orte immer weiter auseinander liegen und immer kleiner werden. Dafür muss man öfters mit Tieren rechnen, die die Straße überqueren oder einfach nur auf ihr entlang laufen. Das können Rinder und Kamele sein, aber auch Ziegen und Schafe, die jedoch von Menschen geführt werden.

Marmorblöcke

Marmorblöcke

Es fällt auf, dass die Orte mit jedem Kilometer ein klein wenig sauberer werden. Die Landschaft verändert sich, wie auch die Vegetation. Die Halbwüste nimmt das Zepter in die Hand und irgendwann beherrschen Akazien und Olivenbäume, die nicht kultiviert sind, die Landschaft. Raps konnten wir so gut wie keinen mehr entdecken.
Die Stadt Kishangarh ist die Hochburg der Marmorverarbeitung. Von dort kamen uns ständig LKW´s entgegen, die große Marmorblöcke geladen haben. Die Steinbrüche müssen irgendwo bei Ajmer liegen, wo dann auch eine Bergkette beginnt, die bis nach Jodhpur führt.
Kurz vor Ajmer besichtigten wir kurz einen wunderschönen Jain-Tempel.

Meherangarh- Fort in Jodhpur

Meherangarh- Fort in Jodhpur

In Jodhpur angekommen, besuchten wir das schönste Fort Rajasthans, das Meherangarh-Fort, einhundertzwanzig Meter über der Stadt gelegen. Es breitet sich, wie die anderen Forts, auf einen Bergkamm aus und wird ebenfalls von einer zehn Kilometer langen Mauer umgeben. Ein Rundgang führte uns durch verschiedene Trakte, deren Wände und Decken weiß gestrichen sind. In einem Teil sind verschiedene Waffen ausgestellt wie Schwerter, Gewehre und Speere. In einem anderen Teil sind Miniaturmalereien ausgestellt, die mit Hilfe von Haaren der hier häufig vorkommenden Streifenhörnchen gemalt sind. Die verwendeten Farben sind Naturfarben aus Pflanzensäften bis hin zu Rinderurin. Die Darstellungen zeigen Mandalas mit der Darstellung der Hindugötter oder das Leben am Hofe des Maharajas. Die hier gezeigten Motive gibt es nur in Jodhpur und wurden früher geheim gehalten. So hat jede Region ihre eigenen Motive hervorgebracht.

Elefantenreithilfe für Maharaja

Elefantenreithilfe für Maharaja

Außerdem sind Sänften, Reithilfen für die Elefantenrücken sowie Babywiegen ausgestellt. Die Wiege des heutigen Maharajas wurde elektrisch bedient.
Nur zwei Räume zeigen die Originalmalereien und -ausstattung: das Schlafzimmer des Maharajas und der Tanzsaal, reich mit Ornamenten, Spiegeln und bunten Fensterscheiben verziert, eben königlich.
Bei diesem Fort konnten sich die Leute bei der äußeren Farbgestaltung nicht entscheiden. So sind die unteren Bereiche gelb bemalt und die oberen Bereiche mit roten Sandstein gebaut. Die Fassaden sind sehr reich und sehr filigran aus dem Stein herausgearbeitet, unglaublich filigran. Es fallen auch wieder viele Erker mit vergitterten Fenstern auf.

Denkmal für die Maharajas ab 1899

Denkmal für die Maharajas ab 1899

Am Fuße des Forts steht ein Denkmal für die letzten Maharajas und ihre Söhne seit 1899. Das Denkmal wurde 1906 eingeweiht und beherbergt Bilder der verstorbenen und hier verbrannten Herrscher. Alles ist aus  weißem Marmor hergestellt, der so fein ist, dass sogar das Sonnenlicht durch die Wände in das Innere durchscheint. Drinnen steht ein Tempel, vor dem die gläubigen Besucher beten und kleine Stofffetzen dalassen, mit der Bitte um Gutes für sie.
Außerhalb des Denkmals stehen kleine Grabmale, die an die Familienmitglieder der Maharajas erinnern. Alle diese Leute werden an der gleichen Stelle hier vor Ort verbrannt. Die Frauen der Maharajas wurden nur mit ihrem Mann verbrannt, wenn sie keine Kinder geboren hatten, bekamen wir erzählt. Der heutige Maharaja, 64jährig, wird genauso hier verbrannt und geehrt werden, wie seine Vorgänger. Er hat heute die gleiche Position wie die Queen oder unser Bundespräsident.

Vom Fort aus erkennt man den derzeitigen Herrschaftspalast des Maharajas am anderen Ende der Stadt. Außerdem sieht man ein großes Wasserbecken. Das war zu Maharajas Zeiten die Viehtränke.

lokaler Markt von Jodhpur

lokaler Markt von Jodhpur

Zum Schluss spazierten wir über den lokalen Markt, der sich um den englischen Uhrturm herum erstreckt und sieben Quadratkilometer groß sein soll. Zwischen den Händlern und Käufern wuseln auch noch Tuk-tuks, Mopeds und wo möglich, Autos herum. Man hat nicht wirklich ruhe zum Stöbern.

Heritage Kuchaman Haveli Hotel

Heritage Kuchaman Haveli Hotel

Unser Hotel für diese Nacht ist das Heritage Kuchaman Haveli. Es liegt mitten in der Altstadt und ist ein altes Gebäude. Als wir es betraten, glaubten wir unseren Augen nicht zu trauen. Es hat ein wahrhaft herrschaftliches Ambiente mit Atrium, roten Vorhängen und Marmorfußboden. Klaus probierte zum Abendbrot das nationale Gericht Thali. Das besteht aus mehreren kleinen Portionen warmer Speisen, Joghurt, Brot und Soßen. Das hatte uns unser heutiger Reiseleiter empfohlen und ist ein Querschnitt durch die indische Küche.

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