A+K Weltenbummler

Reisen rund um die Welt

Halifax – Nova Scotia

Bevor ich jetzt über Halifax berichte, liegt mir etwas anderes am Herzen. Nachdem wir nach 5 Tagen gemerkt haben, dass wir Bier-mäßig auf dem Trockenen sitzen, haben wir festgestellt, dass es in Kanada nicht einmal Bier, geschweige denn Wein in den Supermärkten zu kaufen gibt. Wir haben bis jetzt gedacht, die US-Amerikaner haben sich so eng mit dem Alkohol, weil es dort in den Supermärkten nur Bier und Wein zu kaufen gibt. Harte Getränke bekommt man nur in den Liquor-Stores. In solch einem sind wir jetzt in Kanada gewesen und sind schockiert. Während man in den USA für eine 12er-Packung 0,33l-Flaschen Bier zwischen 10,- und 20,-$ bezahlt, sind es in Kanada zwischen 23,- und 43,-CAD ($ und CAD haben fast den gleichen Kurs zum €). Da werden wir wohl für die nächsten Wochen Abstinenz üben müssen.

Halifax ist die Hauptstadt der Provinz Nova Scotia. Sie wird als ruhig und übersichtlich beschrieben. Das trifft wahrscheinlich auch zu, wenn, ja wenn da nicht gerade ein Festival veranstaltet wird und sich die halbe Welt dort trifft. Außerdem zählt Halifax nicht weniger als 17 Hochschulen. Am Besten lässt sich die Downtown entdecken, wenn man die Hafenpromenade entlang läuft. Am südlichen Ende findet man den ältesten Farmers-Market Nordamerikas, der seit 1750 besteht, allerdings in einem sehr neuen, modernen Gebäude. Weitere Sehenswürdigkeiten sind die 2 Brauereien, das Waterfront-Warehouse, welches heute einen Pub und ein Seafood-Restaurant beherbergt, die HMCS Sackville, die im 2.Weltkrieg die Konvois der Handelsschiffe begleitete, 2 weitere Museums-Schiffe und das „Maritime Museum of the Atlantic“, in dem unter anderem Artefakte von der Titanic ausgestellt sind. Halifax sandte damals Bergungsschiffe zur Titanic, weil der Hafen am nächsten an der Unfallstelle lag. 150 Opfer des Unterganges sind auf 3 Friedhöfen in Halifax begraben.
 Über der Stadt, die an einem ziemlich hohen Hügel liegt, thront die Zitadelle, an deren Fuße seit 1803 die „Town Clock“ steht. Der Duke of Kent, Oberhaupt der Garnison von 1794 – 1800 brachte sie von England nach Halifax. 
 Die Stadt beeindruckt insgesamt durch ihre Architektur, in der die alten und neuen Gebäude, sowie die modernen Hochhäuser, Backstein und Glas, miteinander harmonieren. Dazu die in Etappen steil zum Hafen abfallenden Straßen und das Grün, uns hat Halifax sehr gut gefallen.

Upper Tantallon – Nova Scotia

Auf dem Weg nach Halifax haben wir einen Zwischenstopp bei „Acadian Maple Products“ in Upper Tantallon eingelegt. Der Nordosten der USA bis nach Kanada ist das Gebiet des Ahornsirups und wir wollten uns über dieses überaus leckere Produkt informieren. An Hand eines Videos erfährt der Besucher etwas über die Gewinnung des Ahornsaftes, aus dem, wie beim Zucker, durch langes Kochen der Ahornsirup entsteht. Aus 40 Litern Saft gewinnt man 1 Liter Sirup, der einen Zuckeranteil von um die 66% hat. So haben es die Ureinwohner schon immer gemacht und die Europäer haben es sich abgeschaut. Außer Sirup kann man so ziemlich alles mit dem Ahornsaft machen: Keksfüllungen, Pralinen, Tee, Wein, Zucker, Seife usw. Bevor man kauft, darf man probieren. Es gibt 4 verschiedene Sirups, die nach ihrer Farbe bezeichnet werden: Light, Medium, Amber, Dark. Die Farbe und Geschmacksintensitäten hängen von der Erntezeit ab. Je später im Jahr geerntet wird (Frühjahr bis Herbst), umso dunkler und gehaltvoller wird der Sirup. Durch eine Glasscheibe ist es möglich, dem Produktionsprozess zu folgen, wenn denn jemand dort arbeitet. Wir hatten einen Feiertag erwischt.

Mahone Bay – Nova Scotia

Eigentlich wollten wir in Mahone Bay nicht mehr anhalten. Noch so ein Touristenort und kein Platz für unseren Zug, dachten wir. Jedoch haben uns das Piraten-Festival an diesem Wochenende und Mahone Bay so herzlich eingeladen, dass wir den ganzen Tag und sogar noch die Nacht dort verbrachten. Den wunderschönen Übernachtungsplatz direkt an der Bucht konnten wir nicht ablehnen. Zum Nachmittagskaffee in unseren Liegestühlen meinte jemand, der gerade vorbei kam, was wir doch für ein toughes Leben führen würden.

Die halbe Stadt war als Piraten verkleidet, es gab einen Piraten-Umzug und kleine Theater-Aufführungen. In den alten Häusern an der Straße befinden sich jede Menge unterschiedlicher Läden und Lokale, sehr nett, sehr bunt und sehr offen. Der kleine Ort mit der schönsten Klein-Altstadt (laut einigen Reiseführern) kann mit 5 Kirchen aufwarten. Die erste davon wurde ab 1833 gebaut und bis in die jüngste Neuzeit mit Spenden erweitert. Die halbe Welt hat sich in die ausliegenden Gästebücher eingetragen.
 Nachdem Lunenburg nach einem Jahr Besiedelung keinen Platz mehr bot, gründete man Mahone Bay und anschließend weitere Orte in Richtung Osten, wie z.B. Chester. Fünf Familien kontrollierten das Ganze wie z.B. die des Schiffsbauers Zwicker aus Lunenburg, wo man mehrere Häuser und das Werftgebäude der Zwickers bewundern kann.

Für den Abend war ein Feuerwerk angesagt, das wir an unserem Stellplatz abwarteten. Es fand aber kein herkömmliches Feuerwerk statt, sondern offensichtlich wurde ein Stück Geschichte nachgespielt. Ein paar „Rotröcke“, wie damals die englische Armee auf Grund ihrer Uniformen bezeichnet wurde, und 2 Siedlerfrauen hielten sich den Abend lang auf einem der Piere auf. Auf Grund der Dunkelheit konnten wir nichts mehr erkennen, sahen aber immer wieder „Mündungsfeuer“ an 3 Seiten aufblitzen, dann ließen sich Kanonenschläge hören. Segelschiffe waren ebenfalls im Spiel. Da haben wir wohl etwas verpasst.

Lunenburg – Nova Scotia

Über die US 10 sind wir vom Norden Nova Scotias nach Süden gefahren und durchquerten die große Siedlung “New Germany”. Dabei kamen wir durch unendliche Wälder, fuhren an vielen Seen vorbei und hatten an einer Stelle einen schönen Blick über die Wildnis Nova Scotias. Nach unserer Erfahrung mit dem Fundy National Park haben wir den Kejimkujik National Park ausgelassen. Der Park ist zu groß, um ihn an einem Tag erkunden zu wollen.
Lunenburg wurde 1753 von Bauern und Händlern aus Deutschland, der Schweiz und Frankreich gegründet, die König George II., König von England, nach Neu Schottland geholt hatte. Hier hatten sie die Möglichkeit der freien Religionsausübung, die sie in der Heimat nicht hatten, so wie die Amish auch. Da König Georg II. gleichzeitig Kurfürst von Braunschweig-Lüneburg war, nannten die Siedler ihre Neugründung Lunenburg. Lunenburg war und ist eine Fischer- und Schiffsbauerstadt, dazu war sie 300 Jahre lang Piraten- und Schmugglernest. Die Stadt ist heute Weltkulturerbe und auf jeden Fall einen Besuch wert. Ein Spaziergang am Hafen entlang oder durch die Straßen mit den knallbunten, alten Häusern sollte man sich nicht entgehen lassen. Die Ironwork-Distillery ist eine Mikro-Destillerie, die sich in dem alten Gebäude etabliert hat, das früher als Schmiede für Schiffszubehörteile diente. Der alte Kamin steht noch, neben dem die kleine, moderne Destille aufgebaut ist. Diese wurde von einer Firma Müller aus dem Schwarzwald hergestellt. Hier entstehen aus lokalen und frischen Produkten Wodka, Rum und Liköre.

 Seit 2010 wird die „Bluenose II“ von Grund auf rekonstruiert. Die originale „Bluenose“ wurde 1921 als Fischerei-Gaffelschoner gebaut und war mit dem damals größten Großsegel ausgestattet. Auf Grund ihrer Schnelligkeit nahm sie an den Rennen des „Fisherman´s Cup“ teil, die zwischen Fischerbooten aus Nova Scotia und Massachusetts ausgetragen wurden. Die „Bluenose“ blieb 17 Jahre nacheinander unbesiegt. Als die Dampfschiffe die alten Segler verdrängten, wurde sie anderweitig genutzt, später ausgemustert. Die „Bluenose II“ wurde nach dem Original Anfang der 60er Jahre gebaut, allerdings mit einem Dieselmotor und Luxuskabinen. 2012 soll sie erneut vom Stapel laufen.
Überall, wo man erfährt, dass wir aus Deutschland sind und dass wir uns auf einer großen Rundfahrt befinden, ist man von unserem Vorhaben begeistert und heißt uns „Herzlich Willkommen“. Vor allem die Kanadier freuen sich, so weiten und individuellen Besuch zu haben.

 

 

Bay of Fundy; Annapolis Valley – Nova Scotia

Nova Scotia wird von vielen Amish, erkennbar an ihrem Lieblingszeichen, dem Stern am Haus bewohnt. Der Touristenführer spricht zudem von mehreren tausend Akadiern, die Nachkommen der ersten ab 1604 eingetroffenen Siedler aus Frankreich sind. Ursprünglich gehörte das Land jedoch den Mi´kmaq-Indianern. Diese leben heute, wie die Einheimischen überall in Amerika, abseits unserer Welt. Nur ihr Kunsthandwerk wird hier und da für viel Geld verkauft. In Museen kann man sich über sie informieren.

Wir haben bei Aylesford einen schönen Campingplatz  „Klahanie-Kamping“ gefunden. Von hier aus erkundeten wir die Küste. In dem kleinen Hafen von Harbourville soll es gute Hummer geben, aber der Laden war geschlossen. Dafür fanden wir das „Schnitzelhaus“, ein anscheinend von einem Bayern betriebenes kleines Restaurant, rustikal eingerichtet, wie wir durch die Fenster sehen konnten. Dieses kann es sich sogar leisten, von Montag bis Donnerstag geschlossen zu haben. So bekamen wir dort auch nichts. Wer Interesse hat, hat die Möglichkeit, sich direkt dort ein schönes Cottage mieten.
Die Küstenstraße Richtung Westen führte uns durch eine herrliche Landschaft mit atemberaubenden Blicken auf die Bucht, Wälder und Lichtungen.  

Unser nächster Besuch galt dem „Dempsey Corner Orchards Upick & Farm Market“, langer Name. Nach einem Rundgang über die Farm mit Blaubeeren, Himbeeren, Wein und Äpfeln sowie verschiedenen Jungtieren zum Anfassen, aßen wir die köstlichste Bier-Käsesuppe mit hausgemachten, gerösteten Brotkrumen darin, die man bekommen kann. Der Köchin, die eine gebürtige Heidelbergerin ist, wie sie uns mitteilte, aber nur ein paar Worte deutsch spricht, sprachen wir ein großes Kompliment aus. Mit der Suppe kann sie in jedem Kochwettbewerb antreten.
Hier haben wir die erste Katze gesehen, die ihre „Daumen“ noch hat. Das sah schon sehr komisch aus.

Zum Baden laden der Lake George und der Aylesford Lake etwas weiter im Landesinneren ein. Die beiden Seen haben glasklares, wenn auch ziemlich braunes Wasser und überraschten mit einer Wassertemperatur im Juli von 20 °C. Habt ihr schon einmal eine Heuschrecke gesehen, die beim Fliegen „klappert“?

Sehr viele U-Pick-Farmen laden dazu ein, sich selbst seine Früchte zu pflücken. Erdbeeren, Himbeeren, Blaubeeren, bald werden die Äpfel reif. Dann bezahlt man für die Ernte nur die Hälfte dessen, was sie sonst kosten, man hat den Spaß am Pflücken und man kann sich die schönsten und besten Früchte heraussuchen.
Zum Nachmittags-Kaffee vor unserem „Haus“ hat uns ein niedliches Streifenhörnchen besucht. Klaus hatte schon einmal eines gesehen. Das hatte mit Hühnern zusammen gefrühstückt.

Kennetcook – Nova Scotia

Da wir kein richtiges Ziel an diesem Tag erreichen konnten und keine Lust mehr hatten, weiter Küstenstraße zu fahren, weil das auf die Dauer ganz schön anstrengend und spritintensiv ist, sind wir einfach die kürzeste Strecke gefahren, die möglich war. Diese führte uns von Truro aus durch die Berge nach Windsor. In Kennetcook haben wir gehalten und ein wunderbar leckeres Softeis gegessen. Während wir aßen, spazierten wir in der Gegend herum und fanden ein paar große, alte Maschinen. In einem Schuppen standen alte Traktoren und LKWs. Ein Schild davor bat uns einzutreten und uns umzuschauen. Wir hatten die Schwelle noch gar nicht übertreten, da wurde draußen eine Maschine gestartet. Dann kam ein alter Mann auf uns zu und meinte, wir sollten uns doch seiner kostenlosen Führung anschließen. Wir gingen mit ihm in eine andere Scheune, in der schon Leute standen. Es stellte sich heraus, dass der alte Mann, seine Name ist Craig Anthony (67 Jahre), eine ganze Sammlung alter Transmissionsmaschinen hat, vom Sägewerk bis zum Dichtungsschneidgerät. Früher wurden die Maschinen mit Dampf angetrieben, heute übernimmt das ein Kompressor. Sämtliche Maschinen sind in einem sehr guten Zustand und funktionieren ausnahmslos. Einige Maschinen sind von ihm selbst, andere hat er erworben. Außerdem hat er zwei Oldtimer-Autos und andere Kleinigkeiten aus vergangenen Tagen wie Nähmaschinen, Spinnräder usw. Die anderen Gäste waren ein älteres Ehepaar und noch drei Leute. Der Mann sprach deutsch und übersetzte uns freundlicherweise einige Dinge, da wir als Deutsche vorgestellt wurden. Er und seine Frau waren Mennoniten aus Manitoba, die zu ihrem 61. Hochzeitstag, der gerade an diesem Tag war, nach Nova Scotia zum Sohn mit Frau und Tochter gekommen waren. Sie waren alle begeistert, dass sie so weiten Besuch aus Deutschland in Nova Scotia begrüßen durften. Dieser zufällige Stop war wirklich besonders.

Fundy Coast – News Brunswick

Es ist kein Joke, es ist Reality, wir haben gesehen einen Kolibri.
Die erste Stadt in Kanada, gegenüber Calais am St. Croix River gelegen,  ist Kanadas Schokoladenstadt St. Stephan. In der dortigen Tourist-Info haben wir uns Prospekte über New Brunswick, die einzige zweisprachige Provinz Kanadas, und Nova Scotia besorgt. Damit konnten wir unsere weitere Reiseplanung vornehmen. Auf dem Parkplatz, direkt am Fluss gelegen, haben wir den Abend und die Nacht verbracht. Das war so ein toller Platz, dass wir beschlossen haben, für diesen Tag nicht weiterzufahren. Dort haben wir an einer Blumenampel unseren zweiten Kolibri auf dieser Tour gesehen. Es gibt im Sommer tatsächlich Kolibris in Amerikas Norden. Das haben wir schon im Fernsehen gesehen. Es sind beeindruckende Vögel, an denen wir uns nie sattsehen können.
Genauso beeindruckend sind Ebbe und Flut, die wir im St. Croix-River beobachten konnten. Bei Ebbe liegt der halbe Fluss samt seinen Buchten trocken. Dann kommen neben interessanten Ansichten auch die hölzernen Überreste der Schiffswerft, die um die 19. Jahrhundertwende an dieser Stelle existierte, zum Vorschein. Vom  anderen Ufer her erreichte uns New Country Music von einem Open Air-Konzert. Es war ein wirklich schöner Abend.

Ein weiteres wunderschönes Ziel war der Irving Nature Park kurz vor St. John, der Hauptstadt New Brunswicks. Nach einer fast 5-stündigen Wanderung durch den Park mit aufregenden Aussichten auf die Bay of Fundy, die Küste und die Inseln in der Bucht. Ganz weit am Horizont haben wir schon Nova Scotia gesehen. Kleine braune Eichhörnchen mit weißem Bauch, exotische Vögel und sogar kleine Robben bereiteten uns viel Spaß. Zum Schluss führte uns ein Steg in die Marsch-Landschaft, wo gerade wieder einmal die Flut mit aller Macht das Ruder in die Hand nahm. Unzählige Kanadagänse reckten ihre schwarzen Hälse über die Grashalme. Die 5 Stunden vergingen wie im Flug, aber in den Beinen merkten wir sie schon. Übernachtet haben wir frei am Strand stehend, wo wir in der Dämmerung noch einen Strandspaziergang entlang des zusehends zurückgehenden Wassers unternahmen. In der Steilküste und am Strand entdeckten wir die Überreste von Häusern, die wohl mit samt einem Teil der Küste ihren Tribut an Wind und Wetter zahlen mussten.

Im Fundy National Park, südlich von Alma, gibt es jede Menge Wanderwege in fast unberührter Natur. Wenn man Glück hat, trifft man sogar auf einen Elch. Wir hatten dieses Glück leider nicht. Auf unserem Caribou Plain Trail, ein kürzerer Wanderweg, haben wir jedoch andere interessante Entdeckungen gemacht wie große fleischfressende Pflanzen in den Sumpflöchern, eine Schlange, weitere Vogelarten und ein, wie für Elche gemachter, lichter Wald. Ab und zu roch es sehr angenehm nach einem süßlichen Harz. Auf Tafeln wird der Wanderer über die heimische Flora und Fauna und deren Zusammenhänge informiert. Anschließend besuchten wir noch den wunderschönen Bennett Lake, der als einziger See im Park mit Ruder- oder Paddelbooten befahren werden und auch beangelt werden darf. Während die meisten kleinen Parks kostenlosen Zutritt bieten, haben wir für den Fundy National Park um die 17,- Dollar bezahlt.

In der Bay of Fundy gibt es den größten Tidenhub der Welt, der bis zu 16 m betragen kann. An deren Küste sind wir in New Brunswick (Neu Braunschweig) und weiter auf Nova Scotia (Neu Schottland) gefahren. Dieser große Gezeitenunterschied legt an manchen Stellen bizarr geformte Felsen frei. Bei den Hopewell Rocks hat man dann die Gelegenheit, auf dem Meeresgrund spazieren zu gehen und die Felsensockel zu berühren. Wenn man dann nach oben sieht, kann man nicht glauben, wie viel Wasser nötig ist, die Buchten wieder zu füllen. In der Bay of Fundy wird soviel Wasser benötigt, wie alle Flüsse der Welt an einem Tag in die Ozeane tragen. Unvorstellbar. Bei Hochwasser gibt es die Möglichkeit, eine Kajak-Tour um die Felseninseln herum zu unternehmen. Immer wieder bieten sich uns wunderschöne Aussichten auf und in die Buchten, wenn Niedrigwasser herrscht.

Auf unserem Weg von Amherst nach Parrsboro sind wir an riesigen Blaubeerfeldern vorbeigefahren. Natürlich mussten wir einmal anhalten und ein paar davon naschen. Groß und süß sind diese Heidelbeeren, die es in allen Varianten fast die ganze Ostküste Nordamerikas entlang gibt.
An der Küste von Partridge Island bei Parrsboro auf Nova Scotia hat das Meer 1984 die ältesten Dinosaurierknochen Kanadas freigespült. Diese kann man heute im Geologischen Museum von Parrsboro bewundern. Außerdem werden dort bis heute neben weiteren Fossilien auch Edelsteine wie Achate und Amethyste aus dem Felsen gespült. Uns beeindruckte ein weiteres Mal, wie tief das Wasser gefallen war. In einem Stellnetz, das komplett aus dem Wasser ragte, fischten Kinder die letzten gefangenen Kalmare.
Zum Abendbrot haben wir heute große, selbst gesammelte Muscheln aus einem See probiert.

Küste von Maine

Wir haben den nördlichsten Bundesstaat an der Ostküste der USA, Maine, erreicht. Das Bild hat sich geändert. Es gibt viele Felsen in der Landschaft, die Küste ist rauher und riecht nach Seetang, es gibt wieder richtige Gezeiten und der Baustil, die kleinen Steinmauern und Ziehbrunnen erinnern manchmal an die keltisch geprägten Küsten der Normandie und Bretagne. Manchmal sieht man normannisches Fachwerk. Es gibt Birkenwälder und anscheinend beginnt hier das Reich der Elche. Der sonst so kostbare Hummer ist hier ein Grundnahrungsmittel, den man an jeder Ecke bekommt. In Kennebunkport, einem historischen kleinen Hafen, haben wir uns ein Lobster-Diner (ein 1¼-Pfund-Hummer, Pommes frites, Salat und ein Schälchen zerlassene Butter) für ganze 12,99 $ (das sind um die 10,- €) schmecken lassen. Dabei war der Hummer auf den Punkt gegart, herrlich saftig und aromatisch, wie er sein soll. Das werden wir auf jeden Fall wiederholen. 

Unser nächstes Ziel war „Len Libby“ kurz vor Scarborough. Das ist eine kleine Schokoladen- und Bonbonfabrik, die einen lebensgroßen Schokoladenelch, aus 1700 Pfund Milchschokolade gemacht, im Laden stehen hat. Umrahmt wird „Lenny“ von Mutter-Schwarzbär Libby und ihren Bärenkindern Cocoa und Chips, die alle drei aus Dunkler Schokolade gemacht sind. Die Schoko-Tiere sind umrahmt von einem Stück authentischer Landschaft. Wir finden das eine schöne Idee. Über einen Bildschirm werden die Leute darüber informiert, wie „Lenny“ entstanden ist. Also, ich finde, mit Schokolade zu modellieren ist ganz schön lustig. 

In South Freeport kamen wir in den Genuss einer kleinen Führung durch die kleine „Maine-Distilleries“, in der aus feinsten Maine-Kartoffeln und bestem Quellwasser Wodka hergestellt wird. Durch Beigabe von Blaubeeren bekommt man Blaubeer-Wodka und durch verschiedene andere natürliche Zusätze erhält man auch einen hervorragenden Gin. Das Sortiment dieser Destillerie umfasst ganze drei Schnapssorten. Übrigens haben wir in Rockland den ersten Supermarkt in den USA gefunden, der Schnaps und Likör verkauft. Sonst bekommt man dort maximal Wein. Selbst die Cocktails gibt es nur ohne Alkohol. Den muss man sich im Licour-Store dazu holen.  

Kurz vor Rockport steht eine kleine Käserei, die jedoch horrende Preise verlangt. Im Verkaufssortiment hat sie allerdings auch andere regionale Produkte von verschiedenen Farmen und Handwerksbetrieben. 

Bevor man nach Bucksport kommt, überquert man eine nagelneue Hängebrücke. Die alte, ebenso sehenswerte Fachwerkbrücke aus Stahl, steht noch daneben. Mit einem Fahrstuhl in einem der zwei Pylone der neuen Brücke gelangt man in dessen 400 Fuß hohe Spitze. Von dort aus soll man einen schönen Blick auf Fort Knox, Maines größtes historisches Fort, haben. Dieses wurde zwischen 1844 und 1869 gebaut und war im Bürgerkrieg und im Spanisch-Amerikanischen Krieg besetzt. 

Den Acadia National Park haben wir nicht besucht. Es ist der zweitmeist besuchte Nationalpark der USA und nach der anstrengenden Reise an der gerade zu dieser Jahreszeit (Juli/August) überfüllten Ostküste wollten wir uns das nicht mehr antun. Die wunderschönen Berge des Parks haben wir von einem Aussichtspunkt an der US1 bewundert.

Ab Gouldsboro änderte sich das Bild der Landschaft ein zweites Mal. Es gibt Lärchen in den Wäldern, die lichter geworden sind. Dazwischen sieht man immer mehr tundraartige Flächen, die nur ein kleines Wachstum zulassen. Meinen ersten frei fliegenden Weißkopf-Seeadler habe ich gesichtet und die Häuser und Einkaufsmalls sind kleiner geworden. Der Verkehr ist geringer und die Wasserflächen nehmen zu. Es sind keine 30°C mehr, aber immerhin noch 26°C. Die Nächte sind für unser derzeitiges Empfinden dafür schon ganz schön kalt.  

Der letzte Ort vor der kanadischen Grenze ist Calais. Kurz vor Calais liegt die kleine Insel „St. Croix Island“ in der Passamaquoddy Bai. Auf dieser winzigen Insel landeten am letzten Augusttag 1604 die ersten 78 Franzosen mit ihren Segelschiffen unter Pierre Dugua, Sieur de Mons, Nobelmann, Entdecker und Generalleutnant der Akadier. Das Land um die Insel herum gehörte den Passamaquoddy, ansässigen Indianern. Warum die Franzosen im nächsten Winter nicht aufs Festland gingen, sondern 50 Mann von Ihnen auf der Insel starben, weil sie nicht auf den Winter vorbereitet waren, kann ich mir nicht erklären. Lagen sie in den paar Monaten mit den Einheimischen im Klintsch? Es war jedenfalls eine harte Lehre für die Franzosen, aus der sie gelernt hatten und es folgten bald noch mehr Siedler. Heute ist die Insel ein International historischer Ort, der von den USA in Gemeinschaft mit der kanadischen Regierung gepflegt wird. 

Bald hätte uns die Flut festgehalten. Am „Devils Head“ etwas nördlich vom historischen Punkt „St. Croix Island“, haben wir es uns am Strand der Passamaquoddy-Bucht gemütlich gemacht, den es nur gibt, wenn Ebbe ist. Ansonsten findet man dort nur zerklüftete Felsen. Wir haben zwar die Flut immer im Auge gehabt, jedoch war der erste Strand, der durch eine Felsnase vom zweiten Strand, den wir uns ausgesucht  hatten, getrennt und daher für uns unsichtbar war, offensichtlich etwas niedriger gelegen. Als das Wasser vermeintlich hoch genug war, um den Rückweg anzutreten, war es schon fast zu spät. Uns blieb nur noch, über die am höchsten gelegenen Felsen zu klettern, um den Ausgang zum Parkplatz zu erreichen. Man sollte doch vorsichtiger sein. Der Tidenhub ist in der Bucht schon ziemlich gewaltig. Als Notausgang hätte dann nur noch das Dickicht des dahinterliegenden Waldes gedient. 

Übrigens, das meistgebrauchte Wort auf dieser Reise ist bis jetzt: Tüte. In jedem Supermarkt bekommt man eine Unmenge Plastiktüten, in die die eingekauften Waren verstaut werden. Meist sind in einer Tüte gerade drei bis vier kleine Artikel, dann kommt die nächste Tüte dran. Sogar die Gallonenbehälter für das Trinkwasser kommt in eine solche Tüte, die dann fast zu reißen droht. Hauptsache, es ist alles in Tüten verstaut. An den Kassen stehen praktischerweise gleich Tütenrondelle. Wir nutzen dann diese Tüten als Mülltüten, wobei wir so viele Mülltüten gar nicht verbrauchen können. Es ist bis jetzt nur zweimal vorgekommen, dass die Waren wieder im Einkaufswagen landen und einmal, dass wir eine Papiertüte bekamen. Der blanke Plastiktütenwahnsinn. Unsere Ablehnung gegenüber dieser Tüten stößt da schon manchmal auf Unverständnis. Einmal kam es sogar vor, dass die Kassiererin partout den einen kleinen Artikel unseres Einkaufs in eine Plastiktüte steckte. Sie bekäme sonst Ärger mit dem Chef.

 

Rye Harbor – New Hampshire

Nachdem wir einige Angebote für eine Whale-Watching-Tour verglichen haben, haben wir uns für Rye Harbor entschieden. Es ist ein sehr kleiner Hafen, ein Stück weit vom eigentlichen Ort weg und daher kaum von Menschen bevölkert, nur eben von denen, die eine Whale-Watching-Tour machen oder zum Hochseeangeln wollen. Der Veranstalter, Granite State Whale Watch, ist im Bereich der Walforschung tätig und will den Menschen die Wale ein Stück näher bringen. Wie heißt es so schön: Nur was man gesehen hat, kann man auch schützen. Sie verstehen ihr Handwerk, denn mit 99% Sichtung auf den Fahrten kann man kein Pech haben und keinen Wal sehen. Die Wale halten sich vor der Küste New Hampshires sehr weit draußen auf, was eine ziemlich lange Fahrt bedeutet. Trotzdem ist so eine Whale-Watching-Tour für jemanden, der noch keinen Kontakt zu den größten Säugetieren der Meere hatte, ein Erlebnis. Leider hatten die Wale bei unserer Tour keine Lust auf näheren Kontakt zu den Booten. Wir haben zwar ein paar Rücken von Finnwalen und Buckelwalen gesehen, viele Blows (Atem-Fontänen) und die Schwanzflosse eines abtauchenden Buckelwales, aber richtig dicht kam keiner. Trotzdem waren wir begeistert.
 Die Nacht durften wir freundlicherweise im Hafen verbringen, denn wir kamen erst nach 18 Uhr zurück.
 

Boston – Massachusetts

Vor einiger Zeit haben wir durch das Fernsehen eine Empfehlung für das „Barking Crab“ in Boston bekommen, in dem es angeblich das beste Seafood der Ostküste geben soll. Bei meiner Recherche habe ich herausgefunden, dass die Gaststätte einen riesigen Parkplatz haben soll, auf dem unser Gespann Platz haben wird. Deshalb haben wir in der Nähe von Boston noch einmal auf einem Walmart-Parkplatz genächtigt, um gleich frühmorgens in Boston zu sein. Das ging ganz schön nach hinten los, denn wir sind mitten in den morgendlichen Berufsverkehr geraten und haben ewig bis in die Stadt gebraucht. Dazu haben wir uns noch verfahren und sind am Flughafen herausgekommen. Bei der Ausfahrt aus dem Gelände mussten wir Maut bezahlen, da wir durch einen mautpflichtigen Tunnel gefahren waren. Da wir den Flughafen wieder durch einen Tunnel verlassen mussten, wurden wir gefragt, ob wir Flüssiggas in unserem Auflieger hätten. Das wäre in den USA generell in Tunneln verboten und wir sollten uns links an den Rand stellen und warten, bis der Trooper (Polizist) kommt und eine Entscheidung trifft. Ohne einen weiteren Tunnel zu benutzen, gibt es allerdings keine Möglichkeit, wieder vom Gelände zu kommen. Sehr schnell war der Polizist da und wir erklärten ihm unsere Lage. Wir haben uns verfahren und wollten eigentlich zum „Barking Crab“. Er sah uns sehr amüsiert an und meinte, wir sollten hinter ihm herfahren, er zeigt uns den Weg. Mit Polizeieskorte erreichten wir dann den Ort, wo wir hin wollten. Wir sagten ihm, dass wir so etwas nie wieder machen würden und dankten ihm sehr. Immer noch amüsiert verließ der Trooper uns. Doch unsere Suche nach einem Parkplatz blieb erfolglos, die meisten Parkplätze sind langzeitvermietet und auf dem einen, riesigen Parkplatz, der noch zur Verfügung stand und sehr viel Geld kostete, ließ man uns wegen unserer Länge nicht drauf. Das war´s mit dem besten Seafood der Ostküste und unserem Spaziergang durch die Innenstadt von Boston. Wir konnten nur noch sehen, dass wir uns irgendwie wieder heraus fitzten. So hatten wir wenigstens einen kleinen Eindruck, wie es inmitten von amerikanischen Hochhaus-Städten ist. Boston hat eine Schlüsselrolle im Unabhängigkeitskampf der USA gehabt. Die meisten historisch interessanten Sehenswürdigkeiten kann man auf dem „Freedom-Trail“ besichtigen.

In Salisbury, nördlich von Boston, stellten wir unser Gespann auf der „Salisbury Beach State Reservation“ ab, wo wir jedoch nur eine Nacht bleiben dürfen, weil ausgebucht. Wir machten eine kleine Rundfahrt nach Newburyport und aßen anschließend im „Hungry Traveler“ in der Nähe unseres Campingplatzes eine leckere Seafood-Casserole. Da wir direkt am Strand stehen, blieb auch ein Strandbesuch nicht aus. Anscheinend hat sich der Golfstrom nun verabschiedet, der bisher für das warme Wasser gesorgt hat, denn das Wasser hier war ganz schön kalt. Deshalb finden ab hier viele Whale-Whaching-Touren statt und Weiße Haie gibt es anscheinend auch.

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