A+K Weltenbummler

Reisen rund um die Welt

Osttour Mietwagen

Da die Mindestmietdauer für ein Auto in unserem Fall zwei Tage betrug, hatten wir noch einen Tag übrig. Gestern fuhren wir noch einmal durch den Westen Madeiras. Heute wollten wir die Wanderung zum Ponta de Sao Lourenco unternehmen, dem östlichsten Ende der Insel. Von Ribeira Brava sind es gut 50km auf der Schnellstraße, die bis Canical reicht. Dabei fährt man durch Funchal und am Flughafen vorbei. Die Straße führt unter der auf unzähligen Stützen stehenden Landebahn, die im Jahre 2000 noch einmal verlängert wurde, damit alle Flugzeugtypen dort landen können, hindurch. Unglaublich, welcher Aufwand hier betrieben wurde.

Hinter Canical folgten wir der Straße bis Baia d´Abra, wo sie endet. Der große Parkplatz war schon voll. Es müssen eine Unmenge Leute auf diesem Zipfel Madeiras unterwegs sein. Von hier geht es nur noch zu Fuß weiter. Auf einer knapp 8km langen Rundwanderung lässt sich die Landzunge entdecken. Das war auch unser Ziel, denn die Landschaft hebt sich gänzlich vom Rest der Inselvegetation ab. Das Wetter ist rau und so halten sich nur wenige niedrige Pflanzen. Im größten Teil des Jahres sieht es sogar aus, als wäre diese Landschaft eine Wüste. Leider spielte das Wetter erneut nicht mit. Es schauerte ständig und der Wind blies ziemlich stark. Zweieinhalb Stunden durch dieses Wetter laufen? Schöne Bilder hätte es auch nicht gegeben.

So ließen wir von unserem Vorhaben ab und hielten noch einmal am Praia, dem kleinen Strand zwischen Canical und dem Kap. Hier kam sogar die Sonne heraus. Ein schmaler gepflasterter Weg führt zum Strand hinunter, auf dem eine Art Strandpavillon steht. Die Aussichten nach Canical und Funchal sind großartig. Der kleine Lavafelsen mit dem Loch hat sogar einen Namen: Elephant Rock.

Nachdem wir uns satt gesehen hatten fuhren wir nach Machico, der ersten Hauptstadt Madeiras. Die ersten portugiesischen Entdecker landeten 1419 an diesem Naturhafen. 1425 wurde Machico zur Hauptstadt erklärt, aber schon 1497 lief Funchal der Stadt ihren Rang ab. Durch ihre Industrie, vor allem Zuckerrohr, wurde Funchal relativ schnell reich und damit attraktiver als Hauptstadt Madeiras. Zudem ließ sich ein größerer Hafen anlegen.
Machico ist nach Funchal heute die zweitgrößte Stadt der Insel. Der alte Stadtkern ist noch fast original erhalten, was die Besucher in die Entstehungszeit zurück versetzt. Reste der kleinen Festung sind ebenfalls erhalten. An der Front der Festung entlang steht eine Allee mit alten Bäumen.

Die Capela dos Milagres ist eine der ersten Kapellen, die auf Madeira gebaut wurden. Sie steht genau an der Stelle, an der die erste Messe am 2. Juli 1419 unter freiem Himmel gelesen wurde. Die Fassade ist in dem für die Vulkaninsel typischen Weiß-Schwarz ausgeführt. Die innere Ausstattung ist in schlichtem Barock gehalten, ebenso, wie die Kirche der Altstadt. In deren Nähe steht eine Kupfertafel, auf der an die Entdeckung und erste Landung der Portugiesen auf Madeira gedacht wird. Vor der Kirche steht eine Bronze des Entdeckers Zarco.
In den kleinen hübschen Gassen lässt es sich gut schlendern oder in das ein oder andere Café oder Restaurant einkehren.

Wendet man sich Richtung Wasser, gelangt man von der Promenade im Westen, über den Strand mit marokkanischem gelben Sand, bis zur alten Festung hoch auf dem Felsen im Osten, die den Namen des Entdeckers trägt. Sein voller Name war Tristão Vaz Teixeira João Goncalçes Zarco. Die vielen Sonderzeichen in den portugiesischen Namen habe ich in meinen Berichten der Einfachheit halber weggelassen. Ich bitte dafür um Entschuldigung.

Im Restaurant Baia Beach Club am Hafen probierten wir das Gericht, welches man unbedingt auf Madeiras essen sollte: schwarzer Degenfisch mit frittierter Banane. In unserem Fall waren noch Pommes frites und Salat mit auf dem Teller. Der Fisch mit der Banane waren sehr lecker, nur unter leckeren Pommes verstehen die Portugiesen etwas anderes.

In Machico kann man wirklich eine schöne und interessante Zeit verbringen, aber wir wollten uns heute auch noch einmal Camara do Lobos ansehen. Das Dorf gefiel uns auf der Osttour mit dem Bus sehr gut, leider blieb nur wenig Zeit dafür. Da es schon Nachmittag war und die Sonne im Winter nicht so hoch steht, lag der größte Teil der Bucht schon im Schatten und der Reiz von Camara do Lobos war nur noch halb so groß. Bei früheren Vorbeifahrten hatten wir gesehen, dass im Westen der Bucht ein Aussichtspunkt mit einem Boot darauf liegt. Er trägt den Namen Bairro do Illheu und den steuerten wir an. Es gibt mehrere Zugänge. Wir kamen über die schmalen Straßen des Zentrums hinauf. Oben angelangt, klärt eine Tafel über den Hügel auf. Bis 2004 reihten sich die Fischerhäuser an den Hängen des Hügels, der damit ein wichtiger Teil von Camara do Lobos war. Dann riss man die meisten Häuser ab und machte einen Entspannungspark daraus. Das Fischerboot mit dem mosaikbesetzten Mann darauf erinnert an die alten Zeiten. Wie fast überall auf Madeira hat inzwischen der Tourismus die Oberhand.

Verlassen haben wir den Hügel über eine Treppe zum Meer hinunter, wo man wieder den Hafen erreicht. Ein paar wenige der bunten Fischerboote sind übriggeblieben. Wenn die Fischer zu Hause sind, dümpeln die Boote in den Wellen des Hafens.

Die letzte Station unserer Mietwagentour durch den Osten Madeiras war die Seilbahn Faja dos Padres. Die Fahrt mit ihr ist mit 12,50€ relativ teuer. 300 Meter tiefer liegt eine kleine Gemüseplantage. Auf einem schmalen Fußweg kann man am Strand entlang spazieren. Von der Bergstation aus schweift der Blick über Camara do Lobos bis nach Funchal an der Küste entlang.

Westtour Mietwagen

Wir hatten uns einen Mietwagen bestellt, um nach Rabacal zu fahren und die beliebteste Levada-Wanderung auf Madeira in Angriff zu nehmen. Man hatte uns gesagt, dies wäre das Beste, denn es fährt am Tag nur ein Bus über Rabacal nach Porto Moniz und vielleicht irgendwann einer wieder zurück. Mit dem Mietwagen ist man unabhängig. Die Übergabe klappte auch prima und wir freuten uns auf den Ausflug.
Bis Rabacal ist es nicht wirklich weit, 22 Kilometer, aber es liegen Welten dazwischen. Zuerst fuhren wir auf der Küstenstraße, dann bogen wir kurz vor Calheta in die Berge ab. Wir hatten keine Ahnung, das Rabacal ganz oben in der Paul de Serra liegt, auf über 1000 Meter. Die Straßen sind teilweise sehr, sehr steil, meist sind sie nicht mal mehr geräumt. Die Stürme reisen Zweige, Blätter und Rindenstücke von den Eukalyptusbäumen, sogar Steinschlag kommt vor. Die Straßen sehen entsprechend aus und man muss aufpassen, wo man hinfährt.

Jedenfalls hingen die Wolken tief, dazu wehte ein kräftiger Wind und der Regen peitschte quer. Mit den Wolken hätten wir leben können, aber in Wind und Regen gut drei Stunden durch die Gegend zu laufen, dass musste wirklich nicht sein. Die Levada-Wanderung zu den 25 Quellen ist mit Hin- und Rückweg 9,2km lang und der Wanderer wird mit einem Bergsee, den angeblich 25 Quellen speisen, belohnt. Genau zu zählen sind die vielen Wasserfälle wohl nicht.

Nun standen wir hier oben in der baumlosen Ebene, in der nur die freilaufenden Kühe ein Auskommen haben. Was sollten wir jetzt machen? Wir mussten wieder runter an die Küste, wo das Wetter besser war. Also änderten wir unsere Pläne und fuhren noch einmal nach Porto Moniz.
Diesen Ort besuchten wir schon einmal auf der Westtour mit dem Bus, aber ein zweites Mal konnte nicht schaden. Als wir das erste Mal dort waren, badeten die Leute in den natürlichen Lavabecken. Heute war das nicht möglich, denn das Meer peitschte die Wellen an die Küste. Welch ein Unterschied zum ersten Besuch von Porto Moniz.
Wir spazierten im windgeschützteren Ort bis an die linke Felswand, wo sich eine Aussichtsplattform und ein Hotel befinden. Von hier wird die Küste wieder sich selbst überlassen.

Es war ungemütlich und so stiegen wir ins Auto, um nach Achados da Cruz zu fahren, ein Stück die Westküste hinunter. Über eine kleine Straße erreicht man eine der steilsten Seilbahnen Europas. Es geht rund 600 m in die Tiefe. Die Fahrt, wir nehmen an, die Rückfahrt ist eingeschlossen, kostet max. 5,-€. An der Bergstation steht ein kleines Café mit phantastischem Ausblick. Wer gut zu Fuß ist, kann die 600m nach unten auch laufen. Nur die Knie sollten in Ordnung sein.
Der Wind war immer noch unangenehm und wir verzichteten auf die Schaukeltour in der Gondel. Das war uns nicht geheuer.

So steuerten wir das nächste Ziel an, den westlichsten Punkt Madeiras, Ponta do Pargo. Dort ist nicht viel zu sehen, nur ein Leuchtturm, der auf einer 290m hohen Klippe steht. Damit ist es wohl der höchstgelegene Leuchtturm Portugals. Er beherbergt eine Ausstellung über die Leuchttürme der Insel, die aber gerade geschlossen hatte. Dafür sind die Aussichten an der Küste entlang nach Süden und Norden atemberaubend. Die Brandung lässt bei dem Wind eine weiße Gischt auf der Wasseroberfläche entstehen.

Den Weg zurück nach Ribeira Brava nahmen wir über die Küstenstraße und bogen in Paul do Mar noch einmal zur Küste ab. Die steile und kurvenreiche Straße führt durch ein enges Tal mit schroffen Lavafelsnadeln. Dort, wo das Tal den schönsten Ausblick bietet, führt die Straße durch einen Tunnel. Leider gibt es keinen Parkplatz zum Fotos schießen.

Das kleine Dorf Paul do Mar entpuppte sich als ziemlich interessant. Der alte Dorfkern existiert noch, mit seinen winzigen Gassen und Treppen, mit den Mosaikfußböden, einem 4 Meter hohen Bronzemann und einem kleinen Hafen. Es ist zudem ein Surfspot, denn die Wellen formen sich hier zu schönen Surfwellen. Wer es also ruhig und authentisch mag, der ist in Paul do Mar richtig.

Nun führt die Straße an der Küste entlang weiter zum nächsten Ort, Jardim do Mar. Hier hatten wir uns mehr versprochen, denn ein Ort mit Promenade ist eigentlich etwas Sehenswertes. Jetzt wissen wir jedoch, warum der Ort Jardim do Mar heißt. Hinter der Promenade ist es nur Grün, Bäume, Sträucher, Blumen, sonst nichts. Das ist der Garten des Dorfes. Die Häuser stehen alle auf den Klippen oberhalb. Nur die Reste einer Zuckermühle zieren die Promenade. Auch hier türmen sich wieder die typischen Surfwellen auf, die länger sind als die in Paul do Mar.

Eigentlich wollten wir noch einmal in Calheta stoppen, fanden jedoch keinen Parkplatz. Der Tag war auch lang genug und wir hatten wieder jede Menge erlebt, so beendeten wir die Westtour mit dem Mietwagen, aber zwei Überraschungen erwarteten uns noch an der Küstenstraße. Kurz vor Ponta do Sol stürzt ein Wasserfall direkt auf die Straße, der Cascata dos Anjos. Na so was? Eine Gelegenheit für die Autowäsche, und das gratis. Haben wir auch noch nicht gesehen.

Nur ein Stück weiter die nächste Überraschung, eine alte Brücke, direkt am Tunneleingang zu Ponta do Sol. Sie führt zu einem alten Tunnel, der jedoch verschlossen ist. Links daneben befindet sich ein Loch im Felsen, durch das man gehen und hinter die andere Seite des Felsens sehen kann. Dies ist ein aufregendes Stück Welt. Es ist so viel zu sehen auf der kleinen Fläche.

Nun fuhren wir endgültig zum Hotel zurück.

Funchal

Einen Tag lang wollten wir uns Funchal ansehen, die Hauptstadt von Madeira. Auf der Insel Madeira leben rund 250.000 Menschen, 120.000 haben sich in Funchal niedergelassen, also knapp die Hälfte. Hochhäuser verschandeln hier nicht die Landschaft, dafür zieht sich die Bebauung weit in die Breite und weit die Berghänge hinauf. Das Zentrum von Funchal ist noch recht authentisch, aber überfüllt, vor allem, wenn Kreuzfahrtschiffe im Hafen liegen. Die Gäste von bis zu drei Kreuzfahrtschiffen überfallen quasi alle auf einmal Funchal. Deshalb wartet die Stadt mit sehr vielen Restaurants und Bars auf. Es ist jedoch unmöglich, sich die ganze Stadt an einem Tag anzusehen.
Der Name Funchal basiert auf dem portugiesischen Wort für Fenchel, der hier bei der Ankunft der Europäer überall zu finden war.

Wir fuhren mit dem Bus nach Funchal und stiegen an der Endstation am Hafen aus. Oh je, wo ist denn die Haltestelle, wenn wir nach Ribeira Brava zurück wollen? Hier fahren eine Unmenge Busse an vielen Haltestellen ab. Da sollten wir nicht zu spät zurück sein, damit wir die richtige Haltestelle finden können. Egal, jetzt wollten wir uns erst einmal die Stadt ansehen.

Der Hafen, in dem die Kreuzfahrtschiffe liegen, ist nicht groß und es gibt dort nicht wirklich etwas zu sehen. So spazierten wir zu der kleinen Festung, die im Osten an der Küste zu sehen ist. Dabei kommt man an der Talstation der Seilbahn zum Monte vorbei. Gegenüber steht ein kleiner Leuchtturm am Wasser.
Die kleine gelbe Festung, die wir gesehen hatten, ist das Fort Sao Tiago. Sie wurde im Jahre 1614 gebaut und beherbergt heute ein Restaurant. Die meisten Außenbereiche des kleinen Forts kann man trotzdem erkunden. Unterhalb des Forts befinden sich ein kleines Schnellrestaurant und eine Bademöglichkeit.

Wenn man das Fort verlässt und geradeaus geht, kommt man in die Largo do Corpo Santo. Das ist eine schöne kleine alte Gasse mit unzähligen kleinen Restaurants und Geschäften. Das Beste jedoch sind die vielen bemalten Haustüren, von denen wir schon im Fernsehen erfahren haben. Da kann man alle möglichen Motive bestaunen, von naiver Malerei bis hin zu einem ausgezeichneten Werk des deutschen Künstlers Wolfgang Lass in der Rua Santa Maria. Es stellt eine Nixe in ihrer Unterwasserwelt dar, die auf einer Schaukel sitzt und einen wunderschönen Haarknoten hat. Die Schaukel integriert den Briefschlitz der Türe, der Haarknoten den Türklopfer. Ein sehr schönes Bild und verdient ausgezeichnet. Man sollte sich also für diese Gassen einige Zeit lassen und auch einmal hinter die geöffneten Türen schauen. Man trifft dort auf viele Überraschungen.

Die Rua Santa Maria trifft am westlichen Ende auf eine vierspurige Hauptstraße. Geht man dort nach links, trifft man an der nächsten Ecke auf den Farmers Markt, den Mercado dos Lavradores. Er wurde erst 1940 eröffnet und mit tollen Fliesenbildern verschönert. Um einen Innenhof gruppieren sich die Warenstände mit Pflanzen, Blumenzwiebeln, Obst, Gemüse und allerlei Kitsch. In einem separaten Teil ist der Fischmarkt untergebracht. Um hier das Treiben zu beobachten, muss man allerdings früh da sein. Wir hatten uns auf die Markthalle sehr gefreut und waren halbwegs enttäuscht. Da haben wir schon wesentlich bessere und interessantere Markthallen gesehen. Außerdem sind die Waren meist überteuert.

Gegenüber dem Mercado dos Lavradores steuerten wir in eine modernere Geschäftsstraße und spazierten weiter durch kleinere Gassen bis zur Kathedrale von Funchal. Sie stammt vom Anfang des 16. Jahrhunderts und ihre Architektur passt sich der Insel mit ihrem schwarzen Lavasteinen an. Sie erstrahlt in weiß mit schwarzen Akzenten, ist aber recht klein. Das Innere der Kathedrale ist dafür umso prunkvoller. Viel Gold verziert die Altäre, die im Barock gehalten sind. Umso mehr erstaunt die Decke. Deren Ornamentik kennen wir von den maurischen Bauwerken Spaniens und Marokkos, ein krasser Gegensatz.

Nun setzten wir unseren Weg über die Avenida Arriaga, die Flaniermeile Funchals fort. Das alte Golden Gate Grande Café und das Gebäude der Banco de Portugal beeindrucken. Viel Grün säumt die Straße und es hat genug Platz.
Rein zufällig kamen wir zur Weinkellerei Blandy´s. Diese hatten wir ganz woanders vermutet, aber es war gut, dass wir auf sie gestoßen sind. Die Blandy´s Wine Lodge zog 1913 in ein altes Kloster ein und produziert seit dieser Zeit den berühmten Madeirawein. Er gehört zu den vier Sherry´s, die in Europa hergestellt werden: Sie kommen aus Porto (Portugal), Jerez de la Frontera (Spanien), Marsala (Sizilien) und eben der Madeirawein. Es ist eines unserer Lieblingsgetränke.

Bei Blandy´s werden Führungen angeboten, die aber nicht oft am Tag durchgeführt werden. Es sind jedoch viele Teile auch frei zu besichtigen. Man kann die verschiedenen Weine in zwei netten Räumen probieren und kaufen.

Irgendwann trafen wir auf eine Shoppingmall, die wir interessehalber besuchten, kehrten in ein kleines Café für einen Kaffee und ein Stück Kuchen ein und suchten dann am Hafen nach der richtigen Haltestelle, um mit dem Bus zurück nach Ribeira Brava zu fahren. In der Touristinfo, die wir in der Avenida Arriaga gefunden hatten, ließen wir uns die Haltestelle auf einem Stadtplan zeigen. Trotzdem war es ziemlich knifflig. Der dortige Busverkehr überfordert einfach.

Während der Bus nach Funchal über die Schnellstraße fuhr, nahm der Bus zurück den Weg über die kurven- und aussichtsreiche Straße an der Küste entlang. Das dauerte gut eineinhalb Stunden. Den armen Busfahrern wird dabei einiges abverlangt: Berg hoch, Berg runter, eine Kurve nach der anderen und alle Nase lang an einer Haltestelle stoppen. Die Passagiere sollten keinen empfindlichen Magen haben.

Osttour

Die zweite große Bustour vom Hotel aus führt über den Ostteil Madeiras. Die Westtour war schon interessant, aber die Osttour hat uns noch besser gefallen. Das erste Ziel der Fahrt war Ponta de Garajau, 180m über dem Meer, östlich von Funchal. Es ist noch immer ein kleiner Ort, wartet jedoch mit der kleinsten und ältesten Christusstatue der Welt auf. Sie ist geschätzte 10m hoch und sieht auf das Meer. Zu beiden Seiten fallen die Lavaklippen fast senkrecht bis zum Wasser ab. Eine kleine Seilbahn bringt die Leute an den Strand hinunter, wenn sie dann in Betrieb ist.

Camacha, Richtung Norden, war einst das Korbmacherdorf. 80 Prozent der Einwohner waren im Korbmachergeschäft tätig. Vor Kurzem hat die Fabrik geschlossen und es werden nur noch in Souvenirgeschäften Korbwaren verkauft.
Das kleine Stadion ist berühmt, weil hier das erste Fußballspiel ausgetragen wurde, nachdem die Engländer den Einheimischen gezeigt hatten, wie es geht.

Nun folgte der aufregendste Teil der Osttour, der Pico do Arieiro mit seinen 1818 Metern Höhe. Die Einfahrt zum Gipfel ist nur bei eisfreier Straße zu befahren, sonst wird die Schranke auf 1400 Metern Höhe geschlossen. Die Straße ist wie immer auf Madeira sehr kurvenreich und bietet wundervolle Aussichten. Kurz vor dem Gipfel sah man, dass der Boden über Nacht gefroren war. Kleine Eisfelder säumten auf der Nordseite die Straße. Die Bäume sind verschwunden, es gibt nur noch niedrige Gehölze wie Stachelginster, Erika und Blaubeeren.

Auf dem Gipfel des Pico do Arieiro steht eine Radarstation des Nationalen Verteidigungsministeriums. Gleich daneben befindet sich der höchste Punkt des Berges. Das Bergpanorama mit den schroffen Bergspitzen ist gewaltig, umso mehr, wenn man bedenkt, dass das alles Vulkangestein ist. Der letzte Ausbruch auf Madeira soll vor 7500 Jahren stattgefunden haben. Es gibt also keine aktive Vulkantätigkeit mehr, wie wir es auf Lanzarote erlebt haben.
Vom Pico do Arieira startet ein Wanderweg, der die drei höchsten Berge Madeiras verbindet. Um den zu begehen, sollte man schon fit und schwindelfrei sein, denn es geht oft auf Bergkämmen entlang und über schwierige Wege. Wir schätzen aber, dass die Anstrengungen alles wieder wett machen.

Irgendwann ging unsere Fahrt weiter, wieder bergab bis nach Ribeira Frio, was kalter Fluss bedeutet. Hier hat sich eine Forellenzucht angesiedelt. Die Fische sind allerdings nicht zum Verzehr bestimmt, sondern werden in die Gewässer Madeiras ausgesetzt, damit die Angler etwas zum Angeln haben. Etwas unterhalb lädt eine kleine Bar die Gäste zu einem Kaffee mit einem Schuss Madeirawein und abgeriebener Zitronenschale ein. Das schmeckt echt lecker. Gegenüber steht ein Restaurant.
In Ribeira Frio beginnt die Levada Balcoes. Sie ist nur 1,5 Kilometer lang. Am Ende der Wanderung steht man auf einem Aussichtspunkt mit phantastischem Blick in die Berglandschaft und bis zum Meer. Jede Menge Buchfinken begrüßen die Besucher. Sie zeigen wenig Scheu.

Von Ribeira Frio aus geht die Fahrt weiter abwärts, durch den Naturpark mit dem Lorbeerwald in Richtung Norden. Durch diesen Lorbeerwald führt ebenfalls ein Levadawanderweg.
Unser Busfahrer fuhr nicht die große Straße nach unten, sondern über die Dörfer am Berghang, die teilweise nur auf einer Felsnase thronen. Unglaublich, wo die Leute hier ihre Häuser hinsetzen. Mit ein paar Schnaps im Kopf sollte man dort wirklich nicht mehr vor die Türe gehen. Die Leute versorgen sich meist selbst. Sie pflanzen Kartoffeln, Süßkartoffeln, Wein und viel für uns exotisches Obst an, wie Papaya, Mispeln, Guave usw. Eine große Landwirtschaft, außer den Bananen, gibt es auf Madeira nicht.
An der Küste angekommen, befanden wir uns unterhalb von Santana, am Aussichtspunkt von Faial. Hier hat man zwei kleine gläserne Plattformen über das Wasser gebaut. Wenn man nach rechts an der Küste entlang sieht, ist das Ostende von Madeira, das Kap von Sao Lourenco zu sehen.

Santana ist berühmt für seine Strohhäuser. Das sind kleine, strohgedeckte Häuser mit steil abfallenden Dächern. Sie standen früher fast überall auf Madeira, aber inzwischen sind nur noch einige wenige in Santana erhalten. Entgegen der Vorstellung der Besucher, stehen sie im Dorf verstreut, nur wenige sind noch bewohnt und in gutem Zustand. Im Zentrum von Santana hat man ein paar der Strohhäuser zusammengetragen und aufgehübscht, um sie den Besuchern zu zeigen. Eines dient einem Souvenirladen, ein anderes einer Galerie. Gleich in der Nähe befindet sich der kleine Marktplatz, Restaurants gibt es dagegen mehr als genug.

In Porto da Cruz steht die Zuckermühle Engenho do Norte, eine von Dreien, die heute noch auf Madeira produzieren. Zur Erntezeit April und Mai presst man den Saft aus dem angelieferten Zuckerrohr und verarbeitet ihn zu Rum und Schnaps. Im angeschlossenen Verkaufsraum kann man den Rum probieren und kaufen. Der Rum hat 40, 50 oder 60 Prozent Alkoholgehalt.
In einer kleinen Ausstellung kann man außerhalb der Zuckerverarbeitungszeit sehen, wie der Ablauf der Zuckerverarbeitung war und ist. Die große Zuckerpresse, die alten Kupferkessel und die Dampfmaschine sind schon beeindruckend. Der Dampf wurde inzwischen vom Diesel abgelöst.
Porto da Cruz ist ein kleines Dorf, dessen Strand zwischen hohen Lavafelsen eingeklemmt ist.

Das letzte Ziel der Osttour ist das Ostende Madeiras, das Kap Sao Lourenco. Während die Insel sonst grün und üppig bewachsen ist, sieht das Ostende eher wie eine Wüste aus. Nur im Winter, wenn es regnet, sprießt etwas Gras. Hier wächst nichts, weil das Kap den Elementen schutzlos ausgeliefert ist. Der letzte Ort vor dem Kap ist Canical, wo sich auch der Frachthafen Madeiras befindet. In Funchal legen nur die Kreuzfahrtschiffe an.
Etwas weiter östlich von Canical liegt der kleine Strand Prainha. Von hier aus startet die Wanderung bis zum Kapende, die wir uns noch vorgenommen haben. Auf der Bustour sahen wir uns den Aussichtspunkt Ponta do Rosto an, der an der nördlichen Küste liegt. Von hier aus kann man beide Küsten Madeiras, die Süd- und die Nordküste zugleich sehen. Das ist sehr interessant.
Bei Sonnenschein kommen die verschiedenen Farben der Lava und Ascheschichten in den Klippen richtig zur Geltung. Einzelne Felsnadeln schauen aus dem Wasser vor der Steilküste, auf der eine weitere Militärstation steht.
Das beste sind die Lavablasen, die die Erosion im Boden freigelegt hat. So etwas haben wir noch nie gesehen. Sieht richtig toll aus.

Nach diesem Erlebnis fuhren wir noch durch Machico, welches die erste Hauptstadt Madeiras war, bevor man aus wirtschaftlichen Gründen Funchal dazu ernannte. Hier kamen im 15. Jahrhundert die Portugiesen an und nahmen die Inseln in Besitz. Heute ist Machico die zweitgrößte Stadt Madeiras.

Levada Nova

Man sagt: Wer keine Levada-Wanderung (an einem traditionellen, künstlichen Wasserlauf) gemacht hat, hat Madeira nicht erlebt. Da die Levada Nova direkt in unserer Nähe liegt, war dies die erste Wanderung dieser Art. Läuft man vom Hotel aus und kommt dort auch wieder an, misst die Levada Nova-Wanderung ca. 14 Kilometer. Die ersten anstrengenden Kilometer bergauf sparten wir uns diesmal und fuhren mit dem Bus. Das ist doch wesentlich entspannter.
Die Wanderung ist sehr leicht, was die Höhenunterschiede angeht. Die sind minimal. Man sollte nur keine Höhenangst und ein halbwegs vernünftiges Gleichgewichtsgefühl haben. Der Weg neben dem Wasserlauf ist sehr schmal und es geht gleich daneben steil und weit bergab. Manchmal sind Geländer vorhanden, manchmal eben nicht.

Nachdem man den bewohnten Teil und dessen Terrassen verlassen hat, wird es grüner. Bäume, Sträucher und Blumen säumen den Weg. Der schlängelt sich an den Berghängen entlang und die Aussichten wechseln ständig. Die Levada verläuft über dem Tal, welches nach Tabua führt.

An einer Ecke grub man den Weg durch den Fels, so dass man durch eine Art Klamm geht. Bald danach kommt man zu einem Tunnel. Der ist nicht sehr lang, denn man sieht den Ausgang am anderen Ende. Da der Weg im Tunnel aber sehr uneben ist, sollte man eine Taschenlampe dabei haben. Wir hatten unsere vergessen, aber die Taschenlampe im Handy tut auch ihren Dienst, halbwegs wenigstens.

Nach etwa 4 Kilometern erreicht man den Scheitelpunkt der Levada Nova und der Weg führt etwa genauso weit zurück zur Küste. In dem Dorf Ribeira da Tabua kreuzt der Weg eine Straße. Nur ein kurzes Stück oberhalb befindet sich der Wasserfall Ribeira da Tabua. Allerdings ist er nur über einen zugewucherten Pfad und mit Klettereinlagen zu erreichen.
Auf dem Rückweg an der Levada Nova entlang hat man fast immer das Meer im Blick. Eine Biegung führt um ein kleines Eukalyptuswäldchen herum. Hier und da säumen Lorbeerbäume und Mimosen den Weg. Auf der Talsohle sieht man die Straße nach Tabua mit ein paar Häusern. Ein leichter Anstieg ist zu bemerken.

Wir hatten gehofft, die Levada-Wanderung endet an einer Straße mit Busverkehr, aber weit gefehlt. Wenn man die Zivilisation wieder erreicht hat, beginnt ein sehr steiler Abstieg aus über 500 Metern Höhe. Das halten nicht viele Knie auf Dauer aus. Hier möchten wir wirklich kein Haus haben, so idyllisch das auch wäre. Kommt man zur Haustüre heraus, muss man immer entweder hoch oder runter laufen. Zu vielen Häusern kommt man nicht einmal mit dem Auto.

Nachdem wir gut die Hälfte abgestiegen waren, erreichten wir endlich die rettende Straße. Von nun an geht es zwar immer noch bergab, aber es ist angenehmer. Die Knie jubelten jedenfalls, als wir die Straße bergauf zum Hotel do Campo in Angriff nahmen. Zwei Kilometer später hatten wir es geschafft.

Monte

Vom Nonnental führte der zweite Teil der Halbtagestour nach Monte, oberhalb von Funchal gelegen. Dort oben ist einiges zu erleben, wie den Tropischen Garten Monte Palace, die Kirche Nossa Senhora do Monte und die Seilbahnstation nach Funchal. Aber die Attraktion, wegen der 100 Prozent der Touristen hier hoch kommen, ist die Korbschlittenfahrt. Es ist die einzige Fahrt dieser Art auf der Welt und „Eine der 7 coolsten Fahrten der Welt“, wie an der Bergstation zu lesen ist. Die Fahrt kostet pro Schlitten 30,-€ und die sind es wert.

Bevor wir selbst einstiegen beobachteten wir das Treiben. Die Leute stiegen ein, die zwei Korbschlittenfahrer griffen sich jeder ein Seil, um den Schlitten zu halten und schon ging es los, bis um die erste Kurve. Dort wurde der Schlitten abgebremst und in die neue Richtung gelenkt. Dabei hatten die beiden Schlittenfahrer alle Hände voll zu tun. Einzigartig.

Bald stiegen wir selbst ein. Unser Reiseleiter schoss noch ein paar Fotos von uns und schon ging es los. Es sind zwei unglaubliche Kilometer. Die Kufen des Schlittens schlittern über den blank gefahrenen Asphalt. Zum Gaudi drehen die Schlittenfahrer das Gefährt auch manchmal fast quer zur Fahrtrichtung, und das auf der ziemlich abschüssigen Straße. Dann nahm das Gefälle etwas ab und der Schlitten bewegte sich nicht mehr alleine fort. So wurde der Schlitten ein Stück gezogen, bevor es wieder in rasantem Tempo abwärts ging. Das macht echt Spass.

Irgendwann sind die zwei Kilometer zu Ende und man erreicht die Endstation im Stadtteil Livramento. Es ist ein kleiner Platz und die Schlittenfahrer haben Mühe ihr Gefährt mit den Gästen rechtzeitig vor der Hauswand zum Stehen zu bringen.
Nachdem wir ausgestiegen waren, hatte ich etwas weiche Knie. Dort wartete auch schon ein Souvenir auf uns. Ein Foto, das unterwegs geschossen wurde, auf einem Klappkarton mit historischen Bildern der Korbschlittenfahrten. Es kostete nur 10,-€. Wenn man bedenkt, was sonst nur das Foto kostet!

Ein kleines Café lädt nach dieser rasanten Fahrt zu einer Erfrischung ein. Gleich daneben werden die angekommenen Schlitten eine Rampe hinunter bugsiert und auf einen LKW geladen. Der bringt sie zurück zur Abfahrtstation. Vor den LKW übernahmen Maultiere diese Arbeit.

Unser Reiseleiter erzählte dann auch, dass diese Korbschlittenfahrten die einzige Möglichkeit boten, im 19. Jahrhundert die Waren der Bauern, schneller als bisher zu Fuß, aus den Bergen zu den Lagerhäusern in Funchal zu bringen. Der Erfinder soll ein Engländer gewesen sein. Damals war die Strecke 6 Kilometer lang und bestand aus Kopfsteinen und Treppenstufen. Da hat sich wohl so mancher Korbschlittenfahrer den Fuß oder Schlimmeres gebrochen, wenn er nebenher gelaufen ist. Steil war die Strecke schon immer.

Nonnental

Auf der Halbtagestour, die vom Hotel angeboten wird, werden zwei Ziele angefahren: das Nonnental und Monte.
Der Ausflug zum Nonnental, dabei geht es zum Aussichtspunkt Eira do Seerado, ist unglaublich. Die Fahrt dorthin über die schmalen Serpentinen, durch einen Eukalyptuswald, ist schon toll. Oft bieten sich Ausblicke auf die Küste oder in Bergtäler.
Eira do Serrado liegt auf 1094 Meter Höhe. Knapp unterhalb befindet sich der Parkplatz, an dem ein Hotel, ein Souvenirladen und ein Café liegen. Vom Parkplatz aus führt ein Weg bergauf zum Aussichtspunkt. Man ist direkt geflasht von dem, was sich bietet. Schroffe Bergspitzen, steile Abhänge und ganz unten, 700m tiefer im engen Talkessel, liegt das Dorf Curral das Freiras, auch als Nonnental oder Stall der Nonnen bekannt.

Der Ausblick von ganz oben ist atemberaubend. Auf mehreren Stufen verteilen sich die Häuser bis weiter hinunter zum Fluss, der durch das Tal fließt. Es ist nicht zu glauben, an was für Stellen manche Häuser stehen und wie weit die steilen Berghänge hinauf diese gebaut wurden. Man kann nicht in Worte fassen, was man sieht. Das muss man einfach mit eigenen Augen sehen.

Bevor um 1960 eine Straße durch die Berge bis ins Nonnental gebaut wurde, führte eine 4km in den Fels gehauene schmale Straße dort hin. Wenn sich dann zwei Fahrzeuge begegneten, musste einer von ihnen die ganze bis dahin gefahrene Strecke rückwärts fahren. Diese Straße ist noch zu sehen, aber wegen Steinschlaggefahr und einsturzgefährdeten Tunneln gesperrt. Vor dem Bau dieser Straße mussten die Leute laufen. Bis nach Funchal war das eine beschwerliche Wanderung von 5-7 Tagen. In großen Abständen, quasi Rastplätzen, wurden kleine Höhlen in die Lavafelsen gehauen, um die verderbliche Ware wenigstens über Nacht kühl zu halten. Wenn es regnete fanden auch die Menschen etwas Platz darinnen.

Die ersten Einwohner des Nonnentals waren Nonnen, die dort Landwirtschaft betrieben. Das Land gehörte schon lange dem Kloster Santa Clara in Funchal, aber erst 1566 flüchteten die Nonnen und Bauern vor den Angriffen der Piraten dorthin. Die Bauern pachteten das Land von den Nonnen, um ihre Schafe und Ziegen zu weiden. Deshalb nannte man den Talkessel auch Stall der Nonnen. Seither wuchs das Dorf Curral das Freiras und ist heute eine Attraktion.

Auf dem Weg zum Nonnental legten wir einen Stopp am Aussichtspunkt Pico dos Barcelos über Funchal ein. Von der Hügelspitze aus bietet sich ein 360°-Rundumblick über die Stadt, die Küste und zu den umliegenden Berghängen.

Westtour

Um einen ersten Eindruck von der Insel zu bekommen, buchten wir drei Ausflüge mit dem Bus: die Westtour, die Osttour und die Tour ins Nonnental. Wenn wir dann noch einmal einen Ort besuchen wollen, der uns gut gefallen hat, können wir mit einem der Linienbusse fahren.

Die Westtour führt zuerst nach Camara de Lobos. . Der kleine Fischerhafen liegt idyllisch zwischen Lavafelsen eingebettet. Die Häuschen gruppieren sich um die Küstenlinie herum, wie immer auf Madeira sich an die Berghänge schmiegend. Sehenswert ist die kleine Kapelle der Seeleute Nossa Senhora da Conceicao, direkt am Hafen. Gleich links daneben steht das Restaurant Pestana Churchill Bay. Vor dem Eingang hat man dem ehemaligen englischen Premierminister Winston Churchill ein Denkmal gesetzt. In Bronze gegossen sitzt er mit dem Pinsel in der Hand am Hafen von Camara de Lobos und malt, was er sieht. Das war im Januar 1950. Es ist kaum bekannt, dass Churchill auch eine künstlerische Ader hatte.

Dann weiter nach Capo Girao, der höchsten Steilküste Europas. Auf einer Höhe von 580m lädt eine gläserne Plattform die Besucher ein, an der Steilküste entlang in die Tiefe zu schauen. 589 Meter sind einiges höher als die gläsernen Erker im Skydeck im 103. Stock (412m) des Willis Towers in Chicago. Da dies jedoch ein Muss für die Bustouren auf Madeira ist, sollte man Cabo Girao als Individualreisender am Besten früh oder abends ansteuern. Dann kann man dieses Erlebnis in Ruhe geniesen.

In Ribeira Brava hielt der Bus als nächstes. Von dort aus geht es ins Landesinnere zum zentralsten Punkt der Insel Madeira, Encumeada. Es ist nur ein Aussichtspunkt mit Souvenirbude und einem kleinen Café, aber man kann in Richtung Süden bis zum Meer und in Richtung Norden bis zum Meer sehen. Madeira misst in der Nord-Südausdehnung nur ca. 22km. In der West-Ost-Richtung sind es immerhin ca. 57km. Der Gesamtumfang Madeiras beträgt ca. 150km. 150 Kilometer? Die Zahl kennen wir doch. Genauso lang ist die Ringstraße um den Fuß des Ätna, dem Vulkan auf Sizilien.

Nun geht die Tour wieder zum Meer. An den Nordhängen breiten sich die letzten Lorbeerwälder aus, die vor den Kolonisierung Madeiras noch die gesamte Insel bedeckten. Vom Meeresspiegel bis in 1000 Meter Höhe wachsen heute Eukalyptusbäume. Die hatte man gepflanzt, weil der Wald immer kleiner wurde und man Holz für die Zuckerrohrverarbeitung brauchte. Eukalyptus wächst sehr schnell, ca. 5m pro Jahr. Das war ideal.

An der Nordküste angekommen, besuchten wir Sao Vicente, wo die Bauern vor langer Zeit einen Tunnel in den Felsen gegraben haben, fuhren durch Seixal, um 2 Stunden Mittagspause in Porto Moniz zu machen. Seit einigen Jahren führt eine neue, gut ausgebaute Straße mit vielen Tunneln nach Porto Moniz. Die alte Straße an der Küste entlang ist gesperrt. Durch die häufigen Steinschläge, die Straße wurde in die Lavafelsen gehauen, war sie zu gefährlich geworden. Porto Moniz ist berühmt für seine natürlichen Lavabecken, die zum Schwimmen freigegeben sind. Das Wasser hat ca. 20 Grad Temperatur, wenn nicht ein Sturm für Wasseraustausch gesorgt hat. Ein kleines Aquarium zeigt die Unterwasserwelt vor Madeiras Küsten.

Nun führte die Westtour wieder über die Berge, das 1500m hohe Massiv Paul da Serra, zurück zur Südküste Madeiras. Eigentlich war noch ein Stopp auf den Bergen mit „wundervoller Aussicht“ geplant, aber die Wolken machten einen Strich durch die Rechnung. Es war nichts zu sehen. Hier oben grasen Kühe, die sich frei bewegen können. Sie halten sich auch oft auf der Straße auf, so dass man hier vorsichtig fahren muss. Die frühere Milchproduktion wurde eingestellt. Heute sind die Rinder nur noch Fleischlieferanten.

Calheta im Südwesten Madeiras war das letzte Ziel der Fahrt. Hier findet man den einzigen künstlichen gelben Sandstrand der Insel. Der gelbe Sand kam von der bewohnten Nachbarinsel Porto Santo. Ein alter Schornstein und ein paar Teile einer Dampfmaschine erinnern daran, dass hier einst eine Zuckerfabrik ihren Dienst tat. Sonst gibt es in Calheta nicht viel zu sehen, außer ein paar Hotels.

Spaziergang zum Eingang der Levada Nova-Wanderung

Ganz in der Nähe, 1,7 km vom Hotel do Campo entfernt, beginnt die Levada Nova. Natürlich gehen diese 1,7 km immer nach oben. Man kann diese Entfernung direkt auf der moderat ansteigenden, aber viel längeren Straße zurücklegen, oder die Abkürzungen nehmen, die sehr steil sind. Wir haben uns bergauf für die Abkürzungen entschieden. Den Rückweg nahmen wir auf der Straße.

Oben angekommen, waren wir vollkommen fertig. Die herrlichen Aussichten entschädigen für die Anstrengungen. Hier und da stehen kleine Brunnen mit Trinkwasser zur Verfügung, die sehr willkommen sind. Überall blühen Blumen, vom Weihnachtsstern über weiße Schwertlilien bis hin zu Hibiskus und Pfennigbaum (der bei uns auch als Affenbrotbaum bekannt ist). Das viele Grün tut den Augen gut.

Der Eingang zur Levada Nova-Wanderung liegt etwas unterhalb der Hügelspitze. Es ist nur ein schmaler Weg, aber den wollen wir an einem anderen Tag nehmen. Auf dem Weg zurück nach unten, zum Hotel, kam uns ein Bus entgegen. Es war die Linie 7 nach Furna. Das ist gut, so wissen wir wenigstens, welchen Bus wir nehmen müssen. Damit legen wir den Weg bis zum Eingang der Levada Nova zurück und können dann ganz entspannt die Wanderung in Angriff nehmen.

Am Straßenrand wachsen sehr viele Bananenstauden, auch Zuckerrohr haben wir gesehen. Bevor der Zuckerrohr aus Südamerika importiert wurde, war Madeira das Hauptanbaugebiet von Zuckerrohr für Europa. Als der Absatz wegen Südamerika zurück ging, stellte man auf Bananen um. So sind die Bananen seitdem der Hauptexportartikel Madeiras. In Europa werden sie nur nach Portugal exportiert. Die Einfuhr der Madeira-Bananen in den Rest Europas ist verboten, weil sie zu klein sind. Dabei gehören diese Bananen zu den besten weltweit. Paradox.

Am Ende der oberen Abkürzung befindet sich eine kleine Bar. Sie hatte inzwischen geöffnet und wir kehrten ein. Ein Kaffee und ein Eis taten jetzt gut. Das Nationalgetränk auf Madeira ist der Poncha. Den wollten wir bei der Gelegenheit unbedingt probieren. Es ist ein Cocktail aus Zuckerrohrschnaps (am besten 50%ig), Zuckerrohrsaft, Honig und Zitrone. Der Geschmack ist sehr eigen, aber lecker. Den werden wir auf jeden Fall noch ein paarmal trinken. Den Rest des Weges nach unten spazierten wir gemütlich, sahen uns dabei die Häuser und Grundstücke an und genossen die Ausblicke.

Tabua

Heute lenkten wir unsere Schritte gen Westen, über die zweite mögliche Straße vom Hotel aus, nach Tabua. Man läuft gut eine halbe Stunde bis dorthin. Zuerst ist man auf sehr moderaten Steigungen und Gefällen unterwegs, dicht an der Küstenlinie und mit dem Blick zum Meer. Schöne Einfamilienhäuser säumen den Weg, zum Teil sehr neu. Eine Wohnanlage entsteht gerade. Daneben laufen Vorbereitungen für weitere Neubauten.

Auf dem weiteren Weg kommt man an Gärtnereien und Gewächshäusern vorbei. Die Straße biegt ein Stück ins Landesinnere ab. Kurz bevor sie auf der anderen Seite des Tales zurück zur Küste führt, zweigt ein kleiner Weg, der auch als Fahrstraße genutzt wird, ab. Von nun an geht es steil bergab zum Meer hinunter. In der Mitte des Weges sind einige Stufen eingelassen, rechts und links davon hat man Fahrspuren vorgesehen, wieder mit den Querrillen zur besseren Reifenhaftung. In Rumänien dachten wir, dass es dort die besten Auto- und LKW-Fahrer gibt, aber auf Madeira sind die Ansprüche noch viel höher. Hier möchten wir kein Haus haben, das ist viel zu anstrengend.

Unten angekommen, steht man gleich vor zwei Tunneln. Nach Ribeira Brava führt aber auch eine kleine Küstenstraße, die nur in Richtung Ribeira Brava befahrbar ist. Wer in der anderen Richtung unterwegs ist, muss durch den Tunnel. Aber auch die Küstenstraße ist dreimal halb untertunnelt. Der Blick Richtung Meer ist frei. Vor dem ersten Halbtunnel befindet sich eine Tankstelle mit angeschlossenem kleinen Café. Dort kehrten wir ein, um einen Kaffee zu trinken und die Atmosphäre auf uns wirken zu lassen.

Dann spazierten wir weiter nach Ribeira Brava, wo wir uns die kleine Geschäftsstraße R. do Visc. ansahen. Dort gibt es viele Souvenirläden und Bekleidungsgeschäfte. In den Souvenirläden werden überall Waren aus Kork angeboten. Man kann aus diesem Rohstoff von Schuhen über Taschen bis hin zu Bekleidung fast alles herstellen. Ist jedoch nicht ganz billig, sieht dafür sehr gut aus.

Irgendwann biegt die Straße zur Hauptstraße ab und schon ist man am Busbahnhof angekommen. Den hatten wir nun gefunden. Jetzt brauchten wir nur noch den richtigen Bus, der uns zurück zum Hotel bringt. Es herrscht ein heilloses Durcheinander. Es kommen immer wieder Busse an, die in alle möglichen Richtungen fahren, aber alle in einer Richtung stehen. Da wir keine Ahnung von den Zielen haben, die an den Bussen und Fahrplänen stehen, standen wir ganz schön dumm da. Wir hatten Glück und es sollte gleich der richtige Bus eintreffen, eine Linie 7 nach Furna. Da es laut Fahrplänen weitere Ziele Richtung Hotel do Campo gibt, sahen wir zwischen den vielen Bussen nicht durch. In unserer Verzweiflung fragten wir jeden Busfahrer, ob er Richtung Hotel do Campo fährt und bekamen jedes Mal zu hören: es ist der nächste Bus. Ich sah uns schon am Abend immer noch dort stehen. Es war 13.30 Uhr. Zehn Minuten später kam dann die Linie 7 mit dem richtigen Ziel und wir stiegen ein. Im Handumdrehen waren wir zurück am Hotel. Das ist doch wesentlich besser als die ganzen 1,5km bergauf zu laufen. Jetzt wissen wir auch, wo wir vom Hotel aus in Richtung Ribeira Brava einsteigen müssen, theoretisch.

Das Wetter ist ein Sonne-Wolken-Mix bei 23 Grad.

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