A+K Weltenbummler

Reisen rund um die Welt

Mikolajki (Nikolaiken)

Fußgängerbrücke Mikolajki

Die Wälder sind nun noch tiefer, die Seen noch größer. Der größte See Polens, der Spirdingsee, grenzt an die Stadt Mikolajki. In der Stadt herrscht Gedrängel von Menschen, auf dem Wasser Gedrängel von Booten. Unzählige Bootsverleihe reihen sich am Ufer des Spirdingsees, dort wo sich die Promenade von Mikolajki befindet. Kleine Boote, große Boote, Ausflugsboote, Segelboote, Tretboote, es ist kaum noch ein freies Fleckchen auf der Wasserfläche in der Nähe der Stadt zu finden. Im Zentrum drängen sich die Touristen an den zahllosen Souvenirständen. Restaurants und Cafés gibt es ebenso viele, die alle nicht über Gäste klagen können. So geht es jedenfalls sonntags und bei schönem Wetter zu. Am Montag, als wir noch einmal in der Stadt waren, wirkte alles wie ausgestorben. Nur wenige Leute sind unterwegs, die Boote haben Ruhetag.
An der schmalen Stelle, wo sich Spirdingsee und Tałtysee treffen, führen drei Brücken von einem Ufer zum anderen. Dies sind eine Fußgängerbrücke, eine Autobrücke und eine Eisenbahnbrücke. Auffallend sind im Stadtbild die neue Fußgängerbrücke und das moderne Hotel Mikolajki.

Enten statt Schwäne

Fünf Kilometer östlich von Mikolajki liegt der Luknainer See, ein Biospährenreservat. Nach unterschiedlichen Angaben sollen auf und am See 1300 bis 2000 Höckerschwäne leben. Dies soll die größte Kolonie Europas sein. Neugierig auf dieses Schauspiel fuhren wir die absolut katastrophale Straße bis nach Luknaino. Neben einem Restaurant steht ca. 100m weiter ein Aussichtsturm. Dieser ist jedoch soweit vom Seeufer entfernt, dass man die Schwäne eigentlich nur als kleine weiße Flecken ausmachen kann. Davon gab es jedoch so wenige, dass wir zum Aussichtsturm am Westufer des Luknainer Sees fuhren. Der Weg ist zwar auch unbefestigt, aber deutlich besser und wesentlich kürzer als die Katastrophenstraße nach Luknaino. Auf den Turm gestiegen, konnten wir aber auch hier nur knapp 30 Schwäne ausmachen. Auch auf den umliegenden Feldern waren keine Schwäne zu finden. Hat sich die Kolonie einen neuen See gesucht?

Polnische Pferde

Ein anderes Ziel im Masuren Park Krajobrazowy ist der Ort Krutyń. Die kleine Rundfahrt dorthin begannen wir an der einzigen Seilfähre der Großen Masurischen Seen bei Popielno. Seit 1. Juni fährt sie, täglich ab 10 Uhr, wochentags ab 11 Uhr.
Ein kurzer Stopp in Popielno brachte uns zu einer Station, die sich für den Schutz der Polnischen Pferde einsetzt. Ich weiß nicht, wie groß die Herde ist, denn auf dem Gelände standen nur vier Tiere. Gleich hinter dem Ortsausgang nach Süden schließt sich ein großer Wald an, in dem die Pferde halbwild leben können.

Schleuse Guzianka

Durch noch mehr Wald fuhren wir nach Wejsuny weiter. Kurz vor dem Ort überquert man eine kleine Brücke. Unter der Brücke befindet sich die Schleuse Guzianka, die zwei Seen miteinander verbindet. Wer Zeit hat, kann sich eine der Schleusungen ansehen.
Gleich neben der Brücke ist ein Restaurant an einen alten Maschinengewehrbunker gebaut worden. Der Bunker weist in drei Etagen nach drei Seiten mehrere Schießscharten auf, durch die Maschinengewehre für die Sicherheit der Schleuse sorgten.

Startpunkt Stakfahrt

Nun fährt man über Ruciane-Nida nach Ukta. Der Ort liegt an einem kleinen Fluss und besteht eigentlich nur aus Kajak- und Kanuverleihen. Das Ziel der allermeisten Touristen ist jedoch Krutyń am idyllischen Flüsschen Krutynia (Kruttinna). Wenn man dort ankommt, wird man aber von den vielen Kajak- und Kanuverleihen regelrecht erschlagen. Unser Ziel war eine Fahrt in einem der Stakboote. Nach einigem Durchfragen fanden wir den Anbieter an der Brücke im Ort. Dort ist auch der Startpunkt der Bootstour. Wir bezahlten 80,-Zl für beide und buchten damit eine Privatfahrt. Hätten wir auf weitere zwei Teilnehmer gewartet, die vielleicht mehr als eine Stunde hätten auf sich warten lassen, hätten wir nur 60,-Zl bezahlt.

seltene Rotalge

Unser deutschsprechender Bootsführer stakte uns zuerst flussaufwärts. Das Wasser ist sehr flach und sehr sauber. Es ist so sauber, dass es Trinkwasserqualität hat. Das hat der Fluss dem Schutz zu danken, der ihm zukommt. Der Mensch darf nicht in die Natur eingreifen. Der Fluss und seine Ufer bis in eine Tiefe von 250m bleiben sich selbst überlassen. Selbst das tote Holz und umgefallene Bäume dürfen nicht weggeräumt werden. Felder liegen soweit entfernt, dass keine Düngemittel in den Fluss gelangen können. Ein Indikator für solch sauberes Wasser ist eine besondere Rotalge, die auf den Kieseln im Fluss lebt.
Jede Menge Fische, sogar einen Hecht sahen wir, Wasserpflanzen und verschiedene Libellenarten sorgen für Kurzweil während der Fahrt, natürlich auch die Erläuterungen des Bootsführers. Sehr angenehm war, dass es keine Mücken an dem Fluss gibt. Nach Auskunft des Bootsführers gibt es eigentlich nur zweimal im Jahr, im Mai und im August, eine 14tägige Mückenplage. Ansonsten halten allerlei Tiere wie Vögel, Libellen und Fledermäuse die Mücken in Schach.

Flüsschen Kruttinna

Irgendwann, im Bereich des goldenen Sandes, eine beliebte Badestelle, ist der Wendepunkt der Bootstour erreicht und der Bootsführer hat mit dem Staken nur noch wenig Arbeit. Die Strömung lässt das Boot ganz ruhig dahingleiten. Nach einer Stunde ist die Tour zu Ende.
Noch einen Tipp: Am besten kommt man in den frühen Morgenstunden oder nach 16 Uhr nach Krutyń, besser noch wochentags. Dann herrscht mehr Ruhe als tagsüber, als wir unterwegs waren.

Übernachtet haben wir auf dem Campingplatz Vagabundo in Mikolajki. Für uns war der billiger als der Stellplatz in der Stadt, wo man dazu noch abgezockt wird. Ein Fußweg führt in 10min zum Strand und in einer viertel Stunde in die Stadt.

Mragowo (Sensburg)

Rastplatz

Eine Hitzewelle hat uns nun im Griff. Für uns ist das super, auch wenn fast alles etwas langsamer geht. Lange Spaziergänge sind kaum drin, ohne Wasser geht gar nichts. Es ist sehr drückend. Hitze macht uns eigentlich nichts aus, aber die drückende Schwüle ist nicht wirklich angenehm. Wir beschweren uns nicht, es ist besser als schlechtes oder kaltes Wetter, aber die Bauern sehen ihre Ernten schon wieder in Gefahr. Man kann gar nicht soviel wässern, wie nötig wäre.
Wälder, Seen, Felder, dazwischen kleine Dörfchen oder lockere Siedlungen, in Masuren hat die Natur noch ihren Platz. Trotz der Trockenheit sprießt es überall, denn die Luft der Nächte ist recht feucht. Vögel singen den ganzen Tag, abends beginnt das Froschkonzert, sonst es ist ruhig in Masuren. Die Landschaft ist ein Idyll für Ruhesuchende und Naturliebhaber.

Mragowo

Die kleine Stadt Mragowo lohnt einen Abstecher. Schön gestaltet ist der Bereich zwischen dem Museum Ermland-Masuren und dem großen Steg am Seeufer. In der Altstadt lässt es sich gut bummeln. Die vielen kleinen Geschäfte lassen keine Langeweile aufkommen. Ein Weiher, ein weiterer kleiner See und mehrere Parks laden zum Entspannen ein.

Stellplatz in Ruska-Wies

Wir übernachteten ca. 8km nördlich von Mragowo, auf dem Agrocamping „Salent Pensjonat“ in Ruska-Wies. Die ganze Anlage sieht sehr neu aus, alles vom feinsten und sehr ruhig. Im großen Fischteich darf geangelt werden. Fängt man etwas, es schwimmen vor allem Karpfen, Schleie und Karauschen im Teich, bezahlt man einen kleinen Preis pro Kilo. Klaus hatte den Fang seines Lebens: einen 4Kilo-Karpfen. Außerdem kann der Platz unter anderem Ausgangspunkt für Ausflüge nach Rastenburg, Heiligelinde und Reszel sein. Ferienwohnungen werden auch angeboten.

Święta Lipka (Heiligelinde)

Orgel in Heiligelinde

Nur wenige Kilometer von Ruska Wies entfernt liegt die kleine Stadt Heiligelinde. Der Name ist Programm. Der schon seit legendären Zeiten existierende Wallfahrtsort besteht eigentlich nur aus der Basilika aus dem Jahre 1730 und Touristeneinrichtungen. Es gibt nur wenige Wohnhäuser. Unterwegs trafen wir auf Leute, die uns eindringlich empfahlen, Heiligelinde nicht auszulassen und uns unbedingt das Orgelkonzert anzuhören. Na, da kann man doch nicht anders, und es war ein einzigartiges Erlebnis. Die Basilika an sich, umschlossen von einem Kreuzgang, ist schon einen Besuch wert. Von außen ein stolzes Bauwerk, überrascht es im Inneren mit einer Schönheit, die ihresgleichen sucht. Kunststück, bei den Einnahmen, der Eintritt ist jedoch frei. Blau, jede Menge Gold und Weiß sind die vorherrschenden Farben, dazu prächtige Deckenmalereien, und erst der riesige Altar. Gegenüber des Altars schwebt praktisch die Orgel über den Köpfen der überwältigten Besucher. Das ist aber immer noch nicht alles. Da war ja noch das Orgelkonzert. Die Orgel ist mit verschiedenen goldenen Elementen geschmückt, Sterne, Figuren, ein Glockenspiel, die sich teilweise zum Musikstück bewegen oder drehen. Zum Finale des Orgelkonzertes bewegt sich dann alles, was sich überhaupt bewegen kann. Es ist einfach nur ein grandioses Schauspiel. Im Anschluss an die „Vorstellung“ sammelt der Priester die Spenden ein, die man nur zu gerne gibt.

Kreuzgang

Ein Spaziergang durch den Kreuzgang sollte man sich auch nicht entgehen lassen. Im vorderen Teil wurden bereits die Deckenmalereien rekonstruiert, ebenso die Malereien in den vier Ecken. Weitere Teile des Kreuzganges wurden begonnen.


Reszel (Rössel)

Rössel

Die kleine Stadt beeindruckt mit ihrer Ordensburg aus dem 13. Jahrhundert, die auf einem Hügel steht. Nach einer wechselvollen Geschichte sind heute ein Museum und ein Hotel in den alten Mauern untergebracht. Die Kirche in der Nachbarschaft der Burg, die hübschen Gassen unterhalb der Burg und die Backsteinbrücke ein Stück abseits des Zentrums sind einen Besuch wert.

Kętrzyn (Rastenburg)

St. Georg Rastenburg

Die Ordensburg, die früher einmal Zentrum Rastenburgs war, ist eher unscheinbar. Den Rang hat ihr inzwischen der wuchtige Bau der Basilika St. Georg abgelaufen, die eigentlich eine Wehrkirche war und aus dem 14. Jahrhundert stammt. Im Inneren der Kirche beeindruckt das netzartige Deckengewölbe. Solch ein fein gegliedertes Gewölbe will erst einmal gebaut werden. Leider ist alles weiß übertüncht und nichts mehr von der vermutlich einstigen Pracht zu sehen.
Wer nach Rastenburg kommt, hat allerdings meist ein anderes Ziel: die „Wolfsschanze“

Wilczy Szaniec (Wolfsschanze)

Bunker Typ A

Das Führerhauptquartier „Wolfsschanze“ ist die größte von mehreren über Europa verteilten Führerhauptquartieren. Die Einrichtung diente 1940-1944 Hitler und seinen Generälen der Planung eines Angriffs auf Russland, vor allem St. Petersburg und Moskau. Der Komplex tief im masurischen Wald bestand aus sieben riesigen Bunkern des Typs A, deren Decken und Wände bis zu 3,5m dick waren. Später kamen weitere Betonschichten dazu. Hitlers Bunker hatte am Ende eine Deckenstärke von 8m. Dies waren die Unterkünfte und Wirkungsstätten für Hitler, Bormann und Göring, die Funkzentrale, eine Gästeunterkunft sowie Luftschutzbunker. Dazu kamen dutzende leichtere Bunker, gemauerte Gebäude und Baracken. Insgesamt sollen es um die 200 Gebäude gewesen sein. Die Anlage „Wolfsschanze“ wurde durch Stacheldraht und Minenfelder geschützt, war in drei Sicherheitszonen aufgeteilt und von 2000 Mann bewohnt. Am 20. Juli 1944 scheiterte hier das Attentat auf Hitler, welches unter Führung von Oberst Graf von Stauffenberg stattfand. Leider verschob jemand kurz vor der Explosion die sorgfältig platzierte Kofferbombe, so dass sich deren Sprengkraft nicht voll entfalten konnte. Hitler überlebte das Attentat.

Gedenktafel an der Lagerbaracke

Heute ist die Anlage ein Museum. Nach dem Krieg wurden die Bunker und Gebäude gesprengt, allerdings widerstanden die meisten Bunker des Typs A die Aktion und barsten lediglich. Manche unbedeutenden Gebäude, wie das Kasino oder das Gebäude des Reichssicherheitsdienstes überlebten die Verwüstung. Zumeist aber sind die Trümmer über das gesamte Gelände der Sicherheitszone I verteilt. Die Lagerbaracke, in der das Attentat verübt wurde, ist eines der Gebäude, die vollkommen zerstört sind. Eine Gedenktafel erinnert an das Geschehen.

Man kann sich einer Führung anschließen, um die „Wolfsschanze“ zu besuchen, oder man nimmt sich einen Lageplan in die Hand und geht in eigenem Tempo. Für den Eintritt und Parkgebühren PKW bezahlten wir 35,-Zl. Ein Womo-Stellplatz mit Bäumen und unebenen Gelände ist vorhanden.

Olsztyn (Allenstein)

Irgendwann gibt es ein besseres Bild

Woran erkennt man, das man in Masuren ist? …? Mückenalarm!!!! Riesenmücken. Der Körper ist über 1cm lang. So schön die Natur ist, so wenig kann man sie genießen. Das ist sehr schade, aber irgendwie muss man damit leben. Da habe ich gleich ausgiebig Gelegenheit, mein neues DIY-Mückenspray zu testen. Es funktioniert einwandfrei, allerdings sollte man vielleicht den Anteil an Lavendelöl erhöhen, damit die Wirkung länger anhält.

Seit unglaublichen fünf Wochen hatten wir jetzt, bis auf zwei halbe Nebeltage und ein Gewitter, das schönste Wetter. Ich weiß nicht mehr, wann wir das zum letzten Mal hatten. Mindestens drei Jahre ist das mindestens her. Nach eineinhalb Regentagen mit Gewittern setzt sich jedoch das schöne Wetter wieder durch, mit an die 30 Grad.

Stellplatz bei Allenstein

Die Grenze zwischen dem Ermland und Westmasuren überquert man kurz hinter Lukta in Richtung Olsztyn. Dort fanden wir einen schönen Stellplatz in Pelnik, auf Privatgrund, sehr ruhig, direkt am Isag-See und mit viel Natur drumherum. Der nette Besitzer des Grundstücks, er vermietet auch Ferienwohnungen, spricht deutsch, gibt Tipps für Ausflüge und Unternehmungen und ist in allen Dingen sehr hilfsbereit. Gemeinschaft wird bei ihm groß geschrieben, wenn man das möchte.
Tagsüber kann man angeln oder Kajak fahren, abends sitzt man zum Sonnenuntergang am Ufer des Sees. Jetzt, Ende Mai, sind die Abende schon sehr lang, bevor sich langsam die Nacht über den See senkt. Die Vögel gehen schlafen, die Eintagsfliegen legen ihre Eier im Wasser ab und werden dabei von den hungrigen Fischen verfolgt, irgendwo ruft noch der Kuckuck. Idylle pur.

Brauerei Warmia Allenstein

Ein Ausflug nach Allenstein, der Hauptstadt Ermland-Masurens, ist obligatorisch. Die Altstadt ist sehr überschaubar. Wir besuchten zuerst die Brauerei Warmia in der Nähe der Deutschordensburg. Der Bau ist von außen sehr modern gestaltet, innen aber im Stil eines Brauereikellers gehalten, sehr gemütlich. Unter dem Gebäude fließt ein Bach, den man durch im Fußboden eingelassene Glasscheiben sehen kann. Die Beleuchtung erfolgt durch zu Lampenschirmen umgestalteten Bierflaschen. Die Brauerei bietet neun verschiedene Biersorten an. Wenn man sich nicht entscheiden kann, bestellt man das Probenset. Zu Essen gibt es natürlich auch etwas.

Deutschordensburg Allenstein

Somit gut gerüstet, kann man zum Stadtrundgang starten. Die Deutschordensburg, oder wie sie heute heißt, Burg des ermländischen Domkapitels, stammt aus dem 14. Jahrhundert. Das heißt, die ursprüngliche Burg stammt aus dem 14. Jahrhundert. Brände und Zerstörungen sorgten im Laufe der Jahrhunderte dafür, dass die heutige Burg ein kompletter Nachbau ist, bis auf vielleicht die Grundmauern. Die Burg beherbergt das Museum für Ermland und Masuren (montags geschlossen).

Nikolaus Kopernikus

In Allenstein trafen wir wieder auf die Spuren von Nikolaus Kopernikus, dem wir schon in Frombork begegnet waren. Der Astronom lebte und arbeitete von 1516-1521 in Allenstein und war in dieser Zeit auch Domherr in der Stadt.

Sonnenuhr

Gleich an die Burg grenzt die Altstadt von Allenstein, mit dem Hohen Tor, dem einzigen Überbleibsel der mittelalterlichen Wehranlagen der Stadt. Viele Häuserfassaden zieren Reliefs mit Darstellungen des früheren Lebens. Den Mittelpunkt der Altstadt bilden die Bibliothek und das alte Rathaus.

Fischbrunnen

Wenn man die Fußgängerzone entlang nach unten spaziert, kommt man zum kleinen Fluss Łyna. Am Ufer entlang gelangt man zurück zur Burg und zum Park mit dem Fisch-Brunnen. Damit hat sich der Kreis fast wieder geschlossen.
Allenstein verfügt neben weiteren Einrichtungen auch über ein Planetarium, eine Sternwarte und ein Naturkundemuseum.

Promenade Osterode

Einen weiteren Ausflug ist die Stadt Ostróda (Osterode) wert. Hier locken vor allem die Mole mit der Promenade und der Drewenz-See. Ausflugsfahrten mit dem Schiff, eine Wasserski-Anlage sowie weitere Sport- und Freizeitvergnügen werden hier angeboten.

Kreuzritterburg Osterode

In unmittelbarer Nähe steht die Kreuzritterburg, ein vierflügeliger Backsteinbau. Gegenüber den bisher gesehenen Burgen ist diese in Osterode eher unscheinbar. Dafür beherbergte sie viele große Persönlichkeiten der Geschichte Europas. So lenkte z.B. Napoleon Bonaparte von Februar bis April 1807 in der Osteroder Burganlage die Geschicke Europas. Heute ist die Burg Kulturzentrum und Museum.

Oberländischer Kanal

Bergstrecke

Sowie man ihn zu Gesicht bekommt, hat der Kanal einen auch schon in seinen Bann gezogen. Es ist einfach geniale Technik, dazu sehr einfach und nur durch die Kraft des Wassers betrieben. 1860 in Betrieb genommen, verbindet er Ostróda (Osterode), die oberländischen Seen und Elbląg. Der Kanal ist um die 37km lang. Im zentralen Abschnitt, südwestlich von Pasłęk, wartet der Kanal mit einer Besonderheit auf, eigentlich mit fünf Besonderheiten. An fünf Stellen werden die Schiffe auf Schienen über Berge gezogen. Dafür werden die Schiffe auf Loren verladen, die die Schiffe über Land bis zum nächsten Kanalabschnitt befördern. Der Höhenunterschied beträgt dabei insgesamt 104m.

obere Station des Kanals

Der einzige Campingplatz, am Kanal oder in dessen Nähe, befindet sich am Fuße des obersten Berges. Wir suchten uns einen Stellplatz direkt am Geschehen. Wir richteten uns gerade noch ein, als auch schon Besuch vor der Türe stand. Ein Mann in Schifffahrts-Uniform lud uns zu einer Fahrt ein. Für 70,-Zl pro Person könnten wir gleich heute auf ein Schiff steigen und die Fahrt bergab machen. Später kam er noch einmal und meinte, wir könnten für den gleichen Preis runter und hoch fahren. Das würde vier Stunden dauern. Heute war so schönes Wetter, da würde die Fahrt sicher Spaß machen. Interessant wäre sie in jedem Fall. Wir sagten zu.

Scheitelpunkt der Lorenfahrt

Eine dreiviertel Stunde vor Abfahrt gingen wir den letzten Berg nach oben, um am Startpunkt auf das Schiff, die „Marabut“, zu steigen. So bekamen wir die besten Plätze auf dem Sonnendeck. Um 14.15 Uhr ging es los, rauf auf die Lore, runter den Berg, runter von der Lore. Dann folgt eine gemütliche Fahrt den Kanal entlang, bis zum nächsten Berg. Das geschah dreimal. Nach zwei Stunden drehte das Schiff kurz vor dem vierten Berg um und fuhr die Strecke wieder bergauf zurück.

Windentechnik und Maschinenhaus

Auf dieser Fahrt wird das Funktionsprinzip des Oberländischen Kanals deutlich. Jeder Berg besitzt seine eigene Technik. Die Seile, die die Loren auf Schienen bewegen, werden durch ein großes Wasserrad angetrieben. Dieses wiederum wird durch einen Wasserstrom bewegt, der aus dem Kanal abgezweigt wird. Das Wasser fällt in einem Schacht nach unten und wird zum Wasserrad geleitet. Nachdem es das Wasserrad passiert hat, verlässt es das Maschinenhaus durch einen Bypass, der parallel zum Kanal verläuft. Der Bypass entlässt das Wasser dann unterhalb des Berges in den nächsten Abschnitt des Oberländischen Kanals. Zwei Loren laufen zur gleichen Zeit bergauf bzw. bergab. Wartet ein Schiff auf den Transport, wird es mitgenommen, ist kein Schiff da, fährt die Lore leer. Ist der Transfer abgeschlossen, wird die Wasserzufuhr zum Wasserrad gestoppt und erst wieder in Gang gesetzt, wenn der nächste Transfer ansteht. Die ganze Sache ist so simpel, dass es praktisch keinen technischen Ausfall geben kann.

Die Schifffahrt auf dem Oberländischen Kanal ist eine Mischung aus Action und Entspannung, die direkt in einer tollen Landschaft und Natur abläuft. Es ist wirklich ein Erlebnis.

Elbląg (Elbing)

Nikolauskirche Elblag

Wir haben die Woiwodschaft Pommern verlassen und sind nun im Ermland, zur Woiwodschaft Ermland-Masuren gehörig.
In Elbląg steht nicht mehr viel, was an die Zeit vor dem 2. Weltkrieg erinnert. Vereinzelte Bauwerke über die Altstadt verteilt vermitteln noch etwas von dem Eindruck, den diese Stadt einst gemacht haben muss. Wie in Pommern auch, herrschte die Backsteinbauweise vor. Heute erstrahlt die Altstadt von Elbląg in neuem Glanz. Die neuen Fassaden sind mit modernen Mitteln den alten nachempfunden und zeigen wohl das Bild, welches die Stadt vor dem Krieg besaß. Dabei ist der Gesamteindruck sehr hell gehalten, teilweise ist Fachwerk ein Thema. Wie in Danzig legt man auch hier Wert auf die Beischläge, die Terrassen vor den Häusern, zu denen mehrere Stufen hinaufführen.
Vor der Nikolauskirche breitet sich ein großer Platz aus, an den die Promenade und das Ufer der Elbląg grenzen. Folgt man diesem Fluss nach Norden, kommt man zum Frischen Haff. Wendet man sich an seinem Ufer nach Süden, gelangt man bald zum Elbląg-Kanal, oder besser bekannt als Oberländischer Kanal (ihm werde ich den nächsten Beitrag widmen).

am Frischen Haff

Von Elbląg aus kann man eine Rundreise zum Frischen Haff auf der Landstraße 503 starten. Kurz hinter Kamionek Wielki biegt eine kleine Straße nach links ab. Ein Hinweisschild weist zu einem Campingplatz. Dem sind wir gefolgt und haben dabei ein sehr schönes Fleckchen Erde gefunden. Eigentlich ist es ein Wasserwanderrastplatz mit der Möglichkeit zum Campen und Kajakfahren, mit kleinem Strand und absoluter Ruhe. Hier beginnt der Fjord nach Elbląg. Gegenüber dem Strand ist das Ende der schmalen Landzunge zu sehen, die den Fjord auf der anderen Seite begrenzt. In der Ferne erheben sich die Berge der Nehrung Wiślana, die bis nach Kaliningrad reicht.

Gestüt Kadyny

Den nächsten Halt sollte man in Kadyny einlegen. In deutschen Zeiten hieß die Stadt Cadinen und besaß ein berühmtes Gestüt. 1898 übernahm der deutsche Kaiser Wilhelm II. das Objekt und baute es aus. Er baute eine Trakehner-Zucht auf und machte das Schloss zu seiner Sommerresidenz. Heute haben die neuen Eigentümer Mühe, das Anwesen zu erhalten. Das Haupthaus des Gestüts ist inzwischen ein Hotel „Kadyny Folwark Hotel&Spa“. Das Schloss gehört zum Gedenkpark.

Frauenburger Kathedrale

Das große Ziel der Rundreise war Frombork (Frauenburg). Die Stadt liegt ebenfalls am Frischen Haff und hatte einen berühmten Bewohner. 1497 wurde der Astronom und Arzt Nikolaus Kopernikus Domherr von Ermland mit Sitz in der Frauenburger Kathedrale. 1543 starb Kopernikus und wurde in der gleichen Kathedrale beigesetzt. Niemand weiß, wo genau das Grab zu finden ist, aber an vier Stellen im Innenraum verteilt wird auf verschiedene Weisen an Kopernikus erinnert.
Die Frauenburger Kathedrale thront auf einem Hügel über der Stadt und stammt aus dem 13. Jahrhundert. Der Innenraum ist einer der schönsten, den wir bisher in Kirchen gesehen haben. Die Pfeiler und Gewölbe sind mit ihrem Malereien beeindruckend. Viele mächtige Altäre, aus Holz geschnitzt und teilweise vergoldet, ziehen die Besucher in ihren Bann. Der Chorraum, die Orgel, alles bildet eine großartige und wunderschöne Einheit.

Wasserturm Frombork

Die Kathedrale ist Teil der Domburg, zu der auch der Bischofspalast mit Kopernikus-Museum und ein Glockenturm gehören. Eine Mauer umschließt die Anlage. Der Eintritt in die Kathedrale kostet 9,-Zl, Rentner bezahlen 6,-Zl. Der Glockenturm kann gegen ein zusätzliches Eintrittsgeld bestiegen werden.
Unterhalb der Domburg steht das Nikolaus Kopernikus-Monument. Gleich unterhalb erhebt sich der Wasserturm aus dem 16. Jahrhundert. Eine Förderschnecke entnahm dem Kanal Wasser und hob es auf den Hügel zur Domburg. Es war das zweite Wasserleistungssystem dieser Art nach Augsburg in Europa. Der Kanal brachte das Wasser aus 6km Entfernung aus dem Fluss Baude. Der Wasserturm funktionierte 200 Jahre lang. Von diesem Wasserturm kann man ebenfalls einen Blick über das überschaubare Zentrum Fromborks werfen.

Frombork

Vom Anleger der Stadt legen Fähren ab. Sie bringen Passagiere in die auf der Nehrung liegende Stadt Krynica Morska oder Elbląg. In dem Restaurant „Bratfisch am Hafen“ ist die leckere Fischsuppe sehr zu empfehlen.

Malbork (Marienburg)

Marienburg

Die Marienburg in Malbork ist die größte gotische Burganlage und das größte Backsteinbauwerk der Welt. Sie ist einfach nur gewaltig. Sie erhebt sich protzig am Ufer der Nogat, einem Nebenfluss der Weichsel.

Innenhof des Hochschlosses

Der älteste Teil der Burg, das Hochschloss, wurde in den Jahren 1270-1300 erbaut. Nach und nach entstanden das Mittelschloss und das Vorschloss. Die Marienburg wurde früher von einem Wassergraben und der Nogat geschützt wurde. Ein künstlicher See, er existiert heute nicht mehr, sorgte für das nötige Brauchwasser. Ein Brunnen steht im Innenhof des Hochschlosses. Die drei Burgteile sind durch mehrschichtige Torkonstruktionen geschützt. Zugbrücken, Falltore, Flügeltore und Abwehrmöglichkeiten aus Erkern erschwerten es den Angreifern, die Burg zu erobern. Tatsächlich konnte die Marienburg nie eingenommen werden. Zur Burg gehörten früher weitere Gebäude, die inzwischen zerstört sind oder in Ruinen die Zeit überdauert haben. Der Komplex war 1,2km lang, 220m breit und wurde von einer 10km langen Mauer umgeben.

Die Natur übernimmt die Mauern

Im Jahre 1309 verlegte der damalige Großmeister des Deutschen Ordens Siegfried von Feuchtwangen den Ordenssitz von Venedig nach Malbork. Zu dieser Zeit endete die Herrschaft des Ordens und der Tempelritter in Jerusalem. Der Deutsche Orden richtete seine Kreuzzüge nun nach Litauen aus. Über die Jahre wurde die Marienburg in ganz Europa berühmt und um ultimativen Veranstaltungsort. Feste, Gelage und Spiele lockten jede Menge Ritter auf die Burg.
1410 gab es eine große Belagerung durch die Polen und Litauer, die jedoch ergebnislos blieb. 1454 schafften sie es durch kontinuierlichen Druck doch endlich und die Marienburg kam zur polnischen Krone. Die offizielle Übergabe erfolgte im Jahre 1457. 1772 wurde die Burg preußisch und 1945 wieder polnisch.

Marienburg 1945

Im Krieg stark zerstört, begann der langsame und mühevolle Wiederaufbau des Hauptkomplexes der Marienburg, der erst 2016 mit der Rekonstruktion der Schlosskirche seinen Abschluss fand. Wenn man sich das Bild der Zerstörung ansieht und sieht, was sich heute wieder gen Himmel reckt, dann kann man nur den Hut ziehen. Das war eine gewaltige Leistung. Sieht man genau hin, erkennt man an den Mauern, was alt und was neu ist. Im Kirchenschiff ist eine Gegenüberstellung sogar gewollt, um die Rekonstruktions- und Konservierungsleistungen zu verdeutlichen.

Großmeisterkapelle

Mit Hilfe des Audioguides wird man durch die Burg geführt. Das Tempo bestimmt dabei jeder selbst. Der Schwerpunkt liegt aber auf dem Wohnsitz der Ordensbrüder, dem Hochschloss. Nach dem Zwischenmauerweg einmal rundherum, auf dem sich die Kapelle mit den Grabstätten von 12 Großmeistern, der Friedhof und der Rosengarten des Großmeisters befinden, gelangt man in den Innenhof mit dem Brunnen. Im Erdgeschoss des Hochschlosses befanden sich die Wirtschaftsräume, im ersten Geschoss, dem Kreuzgang, die Wohn- und Empfangsräume, und im Obergeschoss die Speicher. Wer möchte kann den Turm gegen einen Zusatzobolus von 8,-Zl besteigen. Zum Abschluss des Rundganges ist noch der „Heizkeller“ zu besichtigen. Die Burg verfügt sogar über einen Toilettenturm.
Winzige Parallelen zum Orient konnten wir in der Marienburg finden, wie z.B. der Brunnen im Rosengarten, die Bodenfliesen in der Kapelle oder der Brunnen an der Wand vor dem Heizkeller.

Riesengrill

Zur Marienburg gehören mehrere Ausstellungen, die jedoch montags und feiertags nicht zugänglich sind. Dafür kostet der Eintritt auch nur 9,-Zl pro Person, inkl. Audioguide, auch in deutsch. Um die zwei Stunden sollte man für den Besuch schon einplanen, um das Ganze auf sich wirken zu lassen. Bitte möglichst die Sommermonate meiden und auch sonst so früh wie möglich da sein. Die Besucherströme reißen dann nicht ab.
Mittelalterlich essen kann man ebenfalls, und das ganz lecker. Gargeräte sind ein kreativer Riesengrill, ein ebenso kreativer Herd und Kessel über offenem Feuer. Das alles, sowie stilgerechte Sitzgelegenheiten, gehören zum Lager „KARCZMA RYSERSKA“, welches zwischen der Nogat und der Burg aufgebaut ist.

ohne Kommentar

Unser Womo steht in Sichtweite der Marienburg direkt am anderen Ufer, auf dem sehr schönen, weitläufigen Campingplatz „Nad Stawern“, mit See. Man kann also zu Fuß die Burg besuchen. Danach bietet sich ein kleiner Bummel durch das angrenzende Zentrum der Stadt Malbork an.

Polens Dreistadt

Gdynia (Gdingen)

Dar Pomorza

Gdynia ist für seine moderne Architektur bekannt. Uns interessierte in Gdynia der südliche Kai des Stadthafens, in dem die Museumsschiffe liegen, der Großsegler „Dar Pomorza“, ehemaliges Segelschulschiff, und der Zerstörer „Błyskawica“. Bei unserem Besuch lag auch noch das jetzige Segelschulschiff der polnischen Marine „Dar Młodziezy“ am Kai vertäut. Beide Großsegler sind stolze Schiffe, auf denen die Arbeit sicher Spaß macht, obwohl die Tätigkeiten seit dem Mittelalter mit der Größe der Segelschiffe proportional gewachsen sein dürften.

Das Ende der Promenade am Kai entlang, auf der anderen Seite befindet sich das Aquarium, wird von zwei Denkmälern geschmückt. Es ist eine weitläufige und schön gestaltete Anlage, in der man gerne ein Päuschen einlegen kann.

Sopot (Zoppot)

Kurviertel Sopot

Einst ein mondänes Seebad, das Grand Hotel spricht noch aus dieser Zeit, lockt Sopot auch heute noch Menschen aus aller Welt. Das meiste Leben spielt sich jedoch direkt vorm Brückenkopf ab, dort wo das schönste Bauwerksensemble der Stadt steht. Zu beiden Seiten breitete sich einst der Kurpark aus, von dem nur noch wenig übrig ist.
Um die Seebrücke betreten zu dürfen, wird ein Eintrittsgeld von 9,-Zl verlangt. Mit 512 Metern ist die Sopoter Seebrücke die längste Seebrücke aus Holz in Europa. Vom im Meer stehenden Ende blickt man wieder auf das Ensemble am Brückenkopf zurück. Ein Restaurant lädt zur Einkehr ein.
Leider wird die Seebrücke inzwischen von einem Yachthafen verschandelt, der noch nicht da war, als ich als Kind zum ersten Mal Sopot besuchte. Damals kostete der Besuch der Seebrücke auch noch kein Geld.

Krummes Häuschen

Die Fußgängerzone Sopots ist ebenso einen Besuch wert, obwohl auch sie vollkommen überfüllt ist. Man findet dort den ältesten Pub Sopots, übrigens gleich gegenüber vom „Krummen Häuschen“. Seine eigenwillig verformte Architektur lenkt alle Blicke auf sich. Im Café darinnen bestellten wir einen Kaffee, Größe Medium. Bekommen haben wir eine riesen Tasse mit 300ml Kaffee. Auf meine Frage, wie groß denn der große Kaffee wäre, bekam ich zur Antwort: ½ Liter. Für den Medium-Kaffee haben wir wenig mehr als 3,-€ bezahlt.
Wer noch Zeit hat, kann auch gerne durch die kleinen Straßen in der zweiten und dritten Reihe hinter dem Strand spazieren und die schönen, alten Fachwerkhäuser bewundern.

Gdansk (Danzig)

Neptunbrunnen

Danzig besitzt an der Ostsee wohl den ältesten Hafen. Es ist geschichtlich belegt, dass die Stadt schon im Jahre 997 einen Hafen besaß. Seine Blütezeit hatte Danzig jedoch erst im 14. Jahrhundert zur Hansezeit. Ihr Reichtum war legendär, zudem war die fast immer Freie Stadt schon immer multikulti. Zuerst polnisch, wurde sie Ende des 18. Jahrhunderts preußisch, 1939 deutsch und 1945 wieder polnisch.
Heute strahlt die Altstadt wieder im schönsten Glanz. Die meisten Besucher wählen den Weg durch das Goldene Tor, die Langgasse entlang, an schönen Patrizierhäusern vorbei, zum Langen Markt mit dem berühmten Neptunbrunnen, bis hin zum Grünen Tor.

neue Zugbrücke

Dann kann man entweder weiter geradeaus gehen, über die Mottlau zum Milchkannen-Tor, biegt dann hinter der Neuen Mottlau nach links ab und spaziert am Ufer entlang weiter, um über die nächste Brücke die Speicherinsel zu erreichen. Von dieser Seite hat man einen schönen Blick auf die Häuserfront der Altstadt mit dem ebenfalls berühmten Krantor. An Museen und der neuen Philharmonie entlang erreicht man die neue Zugbrücke, die einen wieder auf die Altstadtseite führt. Achtung: die Brücke ist alle halben Stunden für eine halbe Stunde geöffnet, um den großen Ausflugsschiffen die Durchfahrt zu ermöglichen.

Krantor

Am Ufer der Mottlau spaziert man dann am Krantor vorbei zurück. Will man die große Runde nicht machen, kann man auch am Grünen Tor direkt zum Krantor abbiegen. Dann sollte man allerdings durch das Krantor gehen und sich durch die Gasse hinter der Uferfront schlagen.

Häuserzeile mit Beischlägen

Am Archäologischen Museum dreht man nach rechts und kommt dadurch die ul. Mariacka zur Marienkirche. Vor den Häusern befinden sich die sogenannten Beischläge. Das sind kleine Terrassen, zu denen Treppenstufen hinaufführen. Leider ist von diesen Beischlägen nicht viel zu sehen, denn fast überall stehen kleine Verkaufsstände davor. Die Waren sind hier fast alle extrateuer.

Die Marienkirche wird als die größte mittelalterliche Backsteinkirche Europas gehandelt. Gespannt auf ihr Inneres wird man leider sehr enttäuscht. Der Innenraum ist komplett weiß getüncht, vom Boden bis zur Decke. Da hat man es sich sehr einfach gemacht und der Kirche keinen Gefallen getan.

Zeughaus

An der Marienkirche vorbei, die ul. Piwna entlang, stößt man automatisch auf das sehr schmucke Zeughaus. Dreht man nun nach rechts, trifft man bald auf das schöne Gebäude der Markthalle. Leider war diese am Samstag ab 15 Uhr geschlossen. Davor hat sich aber ein kleiner Markt aufgebaut, wo man Obst, Gemüse und Blumen bekommt.

Danzig hat sehr viel mehr zu bieten, aber da sollte man sich doch ein paar Tage mehr Zeit dafür nehmen. Stadtpläne bekommt man in den Touristinfos.

Unser Womo stand auf dem „Camperpark Stogi“ in Stogi, gleich östlich von Danzig. Von dort aus fährt eine Straßenbahn in einer knappen halben Stunde in die Stadt. Tickets bekommt man entweder an der Rezeption des Campingplatzes, oder zur Not auch beim Bahnfahrer. Wenn man ein Tagesticket für 13,-Zl nimmt, kann man problemlos mit allen Bahnen durch die ganze Stadt fahren. Das geht sehr leicht, da an jeder Haltestelle Linienpläne hängen.

Westerplatte

Von Stogi aus erreicht man mit dem Auto in wenigen Minuten die Westerplatte. Sie war ein polnischer Militärposten und der Ausgangspunkt für den 2. Weltkrieg, als Deutschland Polen überfiel. Der erste Schuss kam aus dem deutschen Leuchtturm von Danzig-Neufahrwasser auf der anderen Seite der Hafeneinfahrt, und zwar am 1. September 1939 um 4.45 Uhr.

Zeitball am Leuchtturm Danzig-Neufahrwasser

Der Leuchtturm von Danzig-Neufahrwasser wurde 1894 gebaut und war der erste Leuchtturm des damaligen Deutschland, der eine eigene elektrische Beleuchtung hatte, inkl. E-Werk. Außerdem ist dieser Leuchtturm einer von weltweit drei Leuchttürmen (die anderen stehen in Greenwich, London und Lyttelton, Neuseeland), die einen Zeitball besitzen. Diese Einrichtung gab den Kapitänen die Möglichkeit, ihre Chronometer auf die genaue Zeit zu stellen. Das Signal für den Fall des Zeitballs kam telegrafisch aus der königlichen Sternwarte Berlin.
Heute ist der Zeitball eine Touristenattraktion. Wir hatten gehört, dass der Zeitball mittags um 12 Uhr fällt. Wir waren um 16 Uhr dort und durften dieses Erlebnis auch genießen, zusammen mit einer bekannten englischen Melodie.
Für 10,-Zl darf man den Leuchtturm erklimmen und einen Rundumblick über die Westerplatte, den Danziger Hafen und die Danziger Bucht genießen.

Also, für uns zählt Danzig zu einer der schönsten Städte der Welt.

Halbinsel Hel

Die Halbinsel Hel ragt ca. 35 km in die Danziger Bucht hinein und ist nur ein schmaler Landstreifen. Auf der südlichen Seite grenzt die Puck-Bucht an die Halbinsel, im Norden die Ostsee mit ihrem Sandstrand, dazwischen befindet sich Wald, der von etlichen Campingplätzen und ein paar Städten unterbrochen wird.

Fischerboot als Kanzel

Fast in der Mitte erhebt sich die Stadt Jastarnia mit ihrem Hafen, einem Leuchtturm und der Fischerkirche. Was von außen nicht zu erahnen ist, ist die reiche spätbarocke Innenausstattung. Die Farben Creme, Blau und Gold sind vorherrschend. Die Kanzel kommt in Form eines Fischerbootes daher. Diese Kirche wird als eine der schönsten Fischerkirchen an der Ostseeküste bezeichnet.

kaschubischer Grabhügel

Der Ort Hel am Ende der Halbinsel ist wieder ganz auf Tourismus ausgerichtet. Kneipen und Geschäfte sorgen für alles, was der Urlauber so braucht. Außerdem kann man am Hafen entlang bummeln, die Seehundstation besuchen, die sich für den Schutz der Tiere einsetzt, oder einmal rund um das Halbinselende laufen. Irgendwann trifft man dann auch auf den Leuchtturm.

Grundmauer für Funkmessortungsgerät „Würzburg-Riese“

Woran man allerdings auf Hel nicht vorbei kommt, sind die unzähligen Relikte aus dem 2. Weltkrieg und danach: Bunker, Beobachtungstürme und Geschützstellungen sind überall im Wald zu finden. Besonders viele Relikte findet man auf dem Inselkopf, wo man auch mehrere Museen zu den einzelnen Anlagen besuchen kann.

Wir sind Mitte Mai unterwegs und es ist relativ ruhig. Die unzähligen Parkplätze, die jetzt zum großen Teil noch kostenfrei sind, deuten auf jede Menge Betrieb in den Sommermonaten hin. Dann kosten sie auch Geld.

Bisher dachten wir immer, dass nur in Deutschland für öffentliche Toiletten Geld verlangt wird, aber so ist es auch in Polen. Überall sonst, zumindest in den Ländern, die wir bisher besucht haben, sind sie kostenlos.

Camping direkt am Meer

Wir stehen auf dem sehr schönen, direkt an der Steilküste gelegenen Campingplatz „Pole Namiotowe Horyzont“ am Ostende von Władisławowo. Der Ort liegt am Beginn der Halbinsel Hel. Im Moment hat der Campingplatz eine Hand voll Gäste und es ist gemütlich. Auf Bildern sieht man jedoch, dass die Campingplätze im Sommer gerammelt voll sind. Da geht wohl ohne Voranmeldung gar nichts. Zum Strand führt ein 5-min-Fußweg hinunter.

Essen aus der Natur

– neues Rezept: Hirtentäschel-Salat

Bei Lebensmitteln weiß man ganz gerne, wo es herkommt und was drin ist. Am besten geht das, wenn man sein Essen und Trinken selbst herstellt. Schon lange nehmen wir dafür auch was die Natur uns bietet. Es ist einfach zu schade, die guten Gaben nicht zu beachten. Gerade jetzt im Frühling, wenn es überall blüht und grünt, bekommt man wieder Appetit auf Frisches. Der Sommer und der Herbst verwöhnen uns dann mit Früchten aller Art. Wir haben schon einiges ausprobiert, wie ein Gemüsebett aus Brennnesseln, oder Miesmuscheln direkt mit Meerwasser gekocht. Ich möchte Euch gerne ein paar Anregungen und Rezepte weitergeben, aber beachtet bitte beim Sammeln und Pflücken, dass das Erntegut in einer sauberen Umgebung wächst.

HirtentäschelsalatHirtentäschel-Salat  -neu-

Ein Salat aus Hirtentäschel ist etwas, das man öfter essen sollte. Das Kraut ist angenehm würzig. Man kann alle Teile des Hirtentäschel verwenden, nur bei älteren Pflanzen, bei denen die Stiele zäh sind, sollte man die Blätter, Blüten und Samenkapseln von denselben zupfen. Alles gründlich waschen und in mundgerechten Stücken auf dem Teller anrichten. Dazu eine Vinaigrette aus Apfelessig, Ahornsirup, Salz, Pfeffer, Senf, selbstgemachtem Pesto aus getrockneten Tomaten und Sonnenblumenöl herstellen. Diese über den Salat geben.

Pesto aus getrockneten Tomaten: Getrocknete Tomaten ohne Öl in sehr kleine Stücke schneiden. Mit einem sehr scharfen Pürierstab geht das besser. Mit Salz und Pfeffer würzen, etwas Zitronensaft für die Konservierung dazu. Das Ganze in ein Glas geben und mit Olivenöl soweit auffüllen, das alles bedeckt ist. Das Glas gut verschließen und in den Kühlschrank stellen. So hält sich das Pesto einige Wochen und es kann für Salate, Soßen oder als Brotaufstrich verwendet werden.

Melde-Quiche  

Sehr einfaches und schnelles Rezept und das Ergebnis ist mehr als überzeugend: Für den Boden nehmt Ihr einfach eine fertige Hefeteigplatte aus dem Supermarkt. Ist zusammengerollt wie der Blätterteig. Den gebt Ihr so in eine Kuchenform, dass ein Stück Rand nach oben steht, überflüssigen Teig wegschneiden. 750g Meldeblätter mitsamt den nicht zu alten Stängeln (wächst im Frühsommer/Sommer überall) waschen, abtrocknen, etwas kleiner schneiden und auf dem Hefeteigboden verteilen. In einer Schüssel 1 kleingeschnittene Zwiebel, Knoblauch nach Geschmack, 2 Eier, 1/8 l Sahne, Salz und Pfeffer mischen. Dieses über die Meldeblätter geben und das Ganze in den Backofen schieben. Bei 200° etwa 25-30 min backen. Am besten noch warm genießen.

Ich habe ein weiteres Rezept mit Melde ausprobiert: Inzwischen (Ende Juli) hat die Pflanze eine stattliche Größe erreicht und die Stiele sind sehr hart geworden, bis in die Spitzen. Am besten zupft man die Blätter und Blüten von den Stielen, um sie in der Küche zu verwenden.
Reichlich Olivenöl in einer Pfanne erhitzen, Bauchspeck anbraten, kleingeschnittene Zwiebel dazugeben, leicht anbräunen lassen. Dann die Melde zusammen mit kleingeschnittenem Knoblauch in die Pfanne geben und mitbraten. Um ein Anbrennen zu verhindern habe ich mit wenig Nudelwasser abgelöscht. Die Nudeln kochte ich nebenbei. Mit Salz und Pfeffer abschmecken und nach 10 Minuten ist alles fertig. Die Meldemischung über die Nudeln geben und Guten Appetit.

Paprikasalat mit Löwenzahn und Gänseblümchen 

Roten Spitzpaprika in mundgerechte Stücke schneiden und mit jungen Löwenzahnblättern mischen, Dazu ein Dressing Eurer Wahl, vielleicht etwas mit Honig, darübergeben. Zuletzt mit reichlich Gänseblümchen garnieren. Sieht gut aus und schmeckt lecker.

Wiesenkräutersalat 

Vogelmiere (die grüne, nicht die mit den roten Stängeln), etwas Bitterkresse und Löwenzahnblätter gut waschen und schonend abtrocknen. Z.B. auf Rote Beete Capaccio verteilen. Salatsoße aus Knobi, Senf, Zitronensaft und Sonnenblumenöl herstellen und über den Salat träufeln. Zum Schluss mit krossem Bacon garnieren. Das ist ein schöner leichter Salat vom Frühjahr bis in den Spätsommer.

Kiefernzapfensirup

Grüne Kiefernzapfen bis 3cm Länge (können Ende Mai bis Ende Juni gesammelt werden), brauner Rohrzucker

Kiefernzapfen waschen und gründlich reinigen, danach mit einem scharfen Messer vierteln. Jedes Stück in Zucker wälzen und in ein Glas schichten. Zwischenräume mit Zucker ausfüllen. Die Zapfenstücke müssen mit einer 2cm hohen Zuckerschicht abschließend bedeckt werden. Glas verschließen und möglichst in die Sonne stellen. Durch die Hitze im Glas sollte der Zucker schmelzen. Nun sind die Nährstoffe von den Zapfen in den Sirup übergegangen und er kann abgefüllt werden. Die Zapfen entsorgen. Wer den Geschmack mag, der wird von diesem Sirup begeistert sein.

Bei mir hat sich der Zucker nicht ganz aufgelöst, deshalb gab ich alles in einen Topf und half mit der Hitze des Herdes ganz kurz nach, um nicht die wertvollen Inhaltsstoffe zu zerstören.

Achtung: Der Sirup ist eigentlich ein Heilmittel mit vielerlei Anwendungsmöglichkeiten, vor allem der Stärkung des Immunsystems. Durch die Stärke der Inhaltsstoffe sollte die tägliche Dosis nicht mehr als einen Teelöffel betragen!

eine Art Goldröhrlinge

Pilze

Waldpilze putzen, nicht waschen (bei Goldröhrlingen die schmierige Haut auf dem Hut abziehen), in mundgerechte Stücke schneiden, Schinkenspeck und Zwiebeln würfeln, Butter, Salz, reichlich Pfeffer, Thymian oder andere mediterrane Kräuter, Petersilie

Schinkenspeck anbraten, Zwiebelwürfel dazu, später Butter nach Belieben (hebt den Geschmack), Pilze in die Pfanne, würzen, Kräuter (außer der Petersilie) dazugeben und mindestens 20min bei geschlossenem Deckel dünsten. Wenn zu wenig Wasser, dann mit kochendem Wasser etwas nachgießen. Ganz zum Schluss die geschnittene Petersilie unterheben und sofort servieren. Ein Gedicht.

Herzmuscheln

Herzmuscheln, Olivenöl, feingeschnittene Zwiebel und Knoblauch, etwas Chilli, kleine Zucchiniwürfel, Weißwein, Sahne, Petersilie

Eine Schüssel voll Herzmuscheln sammeln und zusammen mit Meerwasser zwei Tage lang kühl stehen lassen. Wenn sich die Muscheln vom Sand befreit haben, das Wasser abgießen. Nur geschlossene Muscheln verwenden.
Olivenöl in einem großen Topf erhitzen, Zwiebel anschwitzen, Knoblauch, Chilli, Zucchini dazugeben, weiter kurz anschwitzen, dann die Muscheln hineingeben. Mit Weißwein und etwas Sahne ablöschen, Wenn sich die Muscheln geöffnet haben, kurz weiter garen, dann mit Petersilie bestreuen und servieren.

Holundersuppe  

Einen halben 10l-Eimer voll Holunderdolden, Wasser, Rotwein oder Apfelsaft, Prise Salz, Zucker nach Geschmack, Zimt, Zitronensaft, Speisestärke (reicht für 4 Portionen)

Holunderdolden gründlich waschen, Beeren von den Stielen befreien und in einen großen Topf geben. Mit etwa dreiviertel soviel Wasser wie Beeren aufgießen, dazu etwas Rotwein, Salz und Zucker, aufkochen lassen. Zwei Minuten kochen, dabei Vorsicht vor Überkochen, dann die Beeren mit einem Kartoffelstampfer zerdrücken. Etwas Zitronensaft und Zimt zugeben und mit Speisestärke binden. Fertig. Wir mögen es immer, wenn alle Inhaltsstoffe auf den Teller kommen und haben die Beeren in der Suppe gelassen. Dann sollte man jedoch sehen, dass möglichst wenige Stielansätze in den Topf gelangen. Wer die Beeren aus der Suppe filtert, braucht dabei nicht so gründlich sein.

Wer viel Holunder zur Verfügung hat, kann die Suppe auch heiß in saubere Gläser füllen und für den Winter zurückstellen. Wenn man die Beeren entfernt und die Suppe in Flaschen abfüllt, hat man einen gesunden Holundersaft für die kalte Jahreszeit.

Brotaufstrich mit Beifuß

Beifuß ist für seine Fähigkeit bekannt, fettige Speisen bekömmlicher für den Magen zu machen. Ich habe jetzt eine andere Möglichkeit gefunden, Beifuß zu verwenden, und zwar als leckeren Brotaufstrich.

2 mittelgroße Äpfel, dazu von der Menge her doppelt soviel Zwiebel, 5 Rispen Beifuß (frisch oder getrocknet), 200g Butter

Äpfel waschen, vom Kerngehäuse befreien und raspeln. Beifußrispen vom Stängel streifen. Butter in einem Topf erhitzen, Zwiebel und Beifuß dazu geben, eine halbe Stunde schmoren, bis eine leichte Bräune entstanden ist. Dann die geriebenen Äpfel dazugeben und noch einmal eine halbe Stunde auf der Flamme lassen. Öfter umrühren, damit nichts anbrennt. In saubere, mit kochendem Wasser ausgespülte Gläser geben und diese verschließen. Ergibt ungefähr 250-300ml zum Probieren.

Seekohl, Meerkohl

Seekohl, Meerkohl

Für dieses Rezept können alle Teile der jungen Pflanze verwendet werden. Ist sie schon älter, einfach probieren, was noch nicht so viele Bitterstoffe enthält. Die Blätter schmecken roh ähnlich wie Kohlrabi und man kann Salat daraus machen, z.B. mit Vinaigrette oder Sauce Hollandaise.

Wir haben die weichen Stiele, Blätter und die Blütendolden verwendet, in mundgerechte Stücke geschnitten und für ca. 10min in kochendes Salzwasser gegeben. Danach gießt man den Kohl ab (Wasser auffangen). Olivenöl erhitzen, geschnittene Zwiebel anschwitzen, den geschnittenen Seekohl dazugeben. Mit Knobi, Pfeffer und Muskat würzen, ein Stück Butter dazugeben, drei Minuten durchschwenken. Wir haben dazu Spaghetti gekocht, diese mit in den Kohl gegeben und mit ein wenig Kohlwasser aufgegossen. Fertig und richtig lecker.

Holunderblüten, frittiert

einige Holunderblütendolden (voll in Blüte stehend), 150g Mehl, 2 Eier, 20ml Öl, 250ml Milch, 1 Eßl Zucker, Prise Salz

Holunderblütendolden von Insekten befreien und grob reinigen (nicht waschen), mit dem Schneebesen Mehl, Eigelben, Öl, Milch, Zucker und Salz zu einem glatten, nicht zu dicken Teig verrühren, 20 min quellen lassen, dann das steifgeschlagene Eiweiß unterheben. Die Blütendolden durch den Teig ziehen und im heißen Ölbad ausbacken, bis der Teig goldgelb ist.

Löwenzahnblütenhonig

400 g Löwenzahnblüten, möglichst ohne Stile, 2 Zitronen, 2 kg Zucker, wenig Gelatine oder Agar-Agar

Löwenzahnblüten von evtl. Insekten befreien und zusammen mit entkernten Zitronenscheiben einschl. Schale in 1 Liter Wasser kochen. 24 h stehen lassen. Dann durch ein Sieb drücken und mit dem Zucker 1 Std. lang kochen. Dabei öfter umrühren, zum Schluss Agar-Agar zugeben. In Gläser füllen und Gläser verschließen.

Kaktusfeigengelee

Reife Kaktusfeigen, die roten geben eine sehr schöne Farbe, Gelierzucker

Kaktusfeigen von Stacheln befreien, aufschneiden und aushöhlen. Das Fruchtfleisch in einen Topf geben und kochen, abkühlen und durch ein Sieb streichen. Den Saft mit Gelierzucker, Verhältnis laut Packungsanweisung, aufkochen, bis sich der Zucker aufgelöst hat. Heiß in die Gläser füllen und verschließen.
Die Prozedur ist zwar eine große Sauerei, durch die kleinen Stacheln und die starke Farbe, aber das Ergebnis wiegt alles auf.

Tannenspitzenlikör

3-4 handvoll hellgrüne frische Tannenspitzen, 0,7l Gin 40%, 120-130g brauner oder weißer Kandiszucker

Tannenspitzen in ein Gefäß mit weitem Hals einfüllen, Kandiszucker dazu (dunkler Kandis macht dunklen Likör), mit Gin auffüllen, Gefäß verschließen. Jeden Tag durchschütteln. 6-8 Wochen, besser ein halbes Jahr, ziehen lassen. Wenn der Likör fertig ist, filtern und in Flaschen abfüllen. Gut gekühlt servieren. Das Aroma passt gut zur Winterzeit.
PS: Endlich haben wir den Likör in Flaschen abgefüllt. Es ist November und er ist sehr gut. Das Warten hat sich gelohnt.

Brennnesseln

Brennnesseln sind sehr beliebt in der alternativen Küche. Man kann die jungen Triebe oder auch im Sommer die Triebe mitsamt den Blütenständen verwenden. Die Pflanzen sollten jedoch nicht zu alt sein. Vorsicht, mit Handschuhen arbeiten!

Blätter und Blüten von den Stängeln streifen, Stängel wegwerfen. In einer Pfanne kleingeschnittene Zwiebel in Butter glasig dünsten, dann die Brennnesseln dazugeben. Ca. 10 min mit geschlossenem Deckel gar dünsten. Mit Salz und Pfeffer würzen. Das Ergebnis kann man als Gemüsebett unter einer heißen Fleischwurst essen.

Miesmuscheln

Im Norden Skandinaviens gibt es sauberes Meerwasser und jede Menge Miesmuscheln an den Küsten. Die Muscheln sind schnell gesammelt, gesäubert (nur die geschlossenen Muscheln verwenden) und direkt im Meerwasser gekocht. Da braucht es nicht mehr. Wer möchte kann gerne Zwiebeln und Petersilie dazugeben. Fertig ist das schnelle und kostenlose Gericht.

Wir werden diese Reihe unbedingt fortsetzen.

Łeba

Stadthafen Leba

Die Straße von Lebork nach Łeba ist an vielen Stellen sehr schlecht, aber es wird daran gearbeitet, dass sich dies in 1-2 Jahren ändert. Łeba ist zu dieser Jahreszeit ein verschlafener Ort, nur in der Fußgängerzone sind nennenswert Menschen unterwegs. In den Sommermonaten ist es mit der Gemütlichkeit dann vorbei. Unmengen von Unterkünften, Restaurants und Freizeitangeboten deuten auf ein hohes Aufkommen an Touristen hin. Im Moment ist vieles noch geschlossen. Die Saison ist hier an der Ostseeküste wohl sehr kurz.
Im Stadthafen liegen wieder Nachbauten von großen Segelschiffen, die zu Ausfahrten auf die Ostsee einladen. Fischer landen auf Kuttern ihre täglichen Fänge an und verkaufen sie auch gleich vor Ort, heute dieser, morgen jener, Fisch ist knapp geworden.

Saugspüler

Vor der Hafeneinfahrt wird die Fahrrinne ausgebaggert. Das Sand-Wasser-Gemisch wird am Strand wieder abgelagert. Es gelangt über eine lange Rohrleitung, die im Moment den breiten Strand verschandelt, an den gewünschten Ort.

Spazieren gehen kann man auf langen Wegen, z.B. durch den an den Strand angrenzenden Wald, am Strand entlang oder zum Sarbsko-See.

Wegweiser im Nationalpark

Die allermeisten Besucher Łebas sind jedoch nur wegen einer Attraktion gekommen – der polnischen Sahara. Vom Zentrum Łebas aus sind es zwei Kilometer bis zum Parkplatz Rąbka vor dem Eingang in den Slowinzischen Nationalpark. Die Slowinzen sind eine Volksgruppe der Kaschuben, einem westslawischen Volk. Das slowinzisch-kaschubische Gebiet erstreckt sich über die mittlere Ostseeküste Polens bis weit in den Süden hinein. Die slowinzische und die kaschubische Schweiz sowie die kaschubische Seenplatte gehören zu diesem Gebiet westlich der Danziger Bucht.

Küstenwald

Der Eintritt in den Nationalpark kostet 9,-Zl. Bis zur polnischen Sahara, wie die Lonsker Düne (Góra Łącka) genannt wird, sind es dann immer noch 5,5 Kilometer durch einen schönen lichten Küstenwald. Diese Entfernung kann man entweder zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem kostenpflichtigen EcoTaxi zurücklegen.

Baumreste in der Düne

Die Lonsker Düne ist eine Wanderdüne, die irgendwann in der Vergangenheit den Ort Łącka unter sich begraben hat. Daher stammt der Name der Düne, die jedes Jahr 10 Meter nach Osten wandert. Der höchste Punkt der Düne misst 42m. Die Düne will allerdings erst einmal erklommen werden. Der Hang ist sehr steil und hoch. Jeden Schritt muss man dreimal machen, da der feine Sand immer wieder unter den Füßen nachgibt. Wenn man es dann aber irgendwann geschafft hat, wird man mit einem Bild belohnt, welches in Europa einzigartig ist. Nichts als heller feiner Sand. Dort, wo die Düne den Waldrand bedeckt hat, schauen noch kahle Reste der Baumstämme, verzweifelt nach Luft ringend, aus dem Sand. Für die meisten Bäume ist es jedoch schon zu spät. Flechten besiedeln das tote Holz.

Noch eine letzte Anstrengung und man steht auf der mit 42m höchsten Düne. Dort geht es nicht mehr weiter, denn der Rest der Düne und des Nationalparks ist geschützt. Von dort oben hat man einen Rundumblick vom Feinsten. Der Blick schweift über die Ostsee, ans andere Ende der Lonsker Düne, weiter über den Leba-See und über den Wald, durch den wir gekommen sind. Über allem strahlt ein blauer Himmel, der einfach nur Freude macht. Man fühlt sich der Welt ein Stück weit entrückt, wenn…, ja wenn da nicht so viele Menschen wären. Dabei haben wir jetzt noch nicht einmal Saison.
Einen Zugang zum Strand gibt es von der Düne aus auch. Vom Strand aus ist jedoch nichts von dem Wunder der Natur zu sehen. Wer davon nichts weiß, läuft einfach vorbei.

Lonsker Düne

Fundament für Radioantenne

Auf dem Weg vom Parkplatz Rąbka zur Wanderdüne befindet sich auf der rechten Seite ein kleines Museum. Hier stand im 2. Weltkrieg eine große Radioantenne mit 7,5 Metern Durchmesser. Sie gehörte zu einer ganzen Kette von Radarstationen, die die Küste überwachten. Unweit befand sich ein Versuchsgelände für verschiedene Raketen. Das Fundament für die Antenne steht noch. Das Museum berichtet über die Tätigkeiten auf diesem Gelände während des Krieges und zeigt verschiedenes Gerät. Einige Tafeln besitzen Rückseiten, auf denen der polnische Text ins Deutsche übersetzt ist. Ein Aussichtsturm steht ebenfalls auf dem Gelände.

am Leba-See

Gegenüber hat man die Möglichkeit, einen Blick über den Leba-See zu werfen. Ein breiter Schilfgürtel schützt den See. Wer Interesse am Leben der Slowinzen hat, kann das Freilichtmuseum in Kluki am anderen Ende des Sees besuchen. Wir haben über das Fernsehen von dem Museum erfahren. Leider liegt es sehr weit ab vom Schuss.

Unser Wohnmobil steht auf dem schönen und ruhigen Camping Nr. 51 „Leśny“ am Ostrand von Łeba, 350m vom Strand entfernt.

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