A+K Weltenbummler

Reisen rund um die Welt

Riga

Vollmond über Riga

So langsam merken wir, dass die ewigen Sandlandschaften langsam auf´s Gemüt gehen. Sand, Sand und immer nur Sand. Wenn es keinen Sand gibt, hat das Moor die Herrschaft übernommen. Ein Königreich für einen Felsen und festen Boden. 🙂
Dafür: Kaiserwetter beim Besuch von Riga. Neben Danzig ist Riga die wohl schönste Stadt im Baltikum. Die Skyline sieht aus wie eine Mischung aus Kopenhagen und Moskau. Von Kopenhagen scheint die Stadt die schlanken Türme übernommen zu haben, von Moskau die goldenen Kuppeln und den Hauptturm der Lomonossow-Universität.

Blick über Riga

An der Daugava gelegen und von einem Kanal durchflossen, mit viel Grün, spannenden Gebäuden und tollen Plätzen beeindruckt die Altstadt, die inzwischen UNESCO-Weltkulturerbe ist.
Es gibt zwei Möglichkeiten, diese schöne Stadt von oben zu sehen: den Turm der Petri-Kirche, das kostet allerdings inkl. Besichtigung der Kirche selbst, 9,-€ Eintritt. Einen Gratisblick bekommt man jedoch von der Skyline Bar im Radisson Blu, gleich hinter der orthodoxen Kirche. Man muss nicht gleich etwas konsumieren, wenn man aus dem 26. Stockwerk der Skyline Bar auf Riga hinabsehen will.

orthodoxe Kirche

Ein Glanzstück ist die orthodoxe Kirche von außen und von innen. Die goldenen Kuppeln glänzen weit ins Land. Der Innenraum der Kirche, mit der Kuppelkonstruktion, den starken Pfeilern und dem runden Grundriss, erinnert stark an die Haghia Sophia in Istanbul. Diese muss vor der osmanischen Herrschaft einmal genauso ausgesehen haben. Die Malereien, die goldstrotzenden Ikonen und der goldene Altar der orthodoxen Kirche von Riga sind einfach nur großartig.

deutsche Botschaft

Um von hier aus zur Altstadt zu gelangen, passiert man das Freiheitsdenkmal aus dem Jahre 1935. Es wurde mit Volksspenden finanziert. In der Umgebung stehen viele schön restaurierte Jugendstilgebäude. Das Gebäude der deutschen Botschaft sieht jedoch eher orientalisch aus.

Schwarzhäupterhaus

Ist man in die Rigaer Altstadt eingetaucht, läuft die Zeit anders. Enge Gassen mit Pflasterstraßen verbinden die Sehenswürdigkeiten wie den Pulverturm, das Schwedentor, die Große und Kleine Gilde, den Rigaer Dom und das Schloss, von dem aus der lettische Präsident regiert. Dazwischen der Domplatz und der Rathausplatz mit dem beeindruckenden Schwarzhäupterhaus.

Moonshine-Bar

Ein sehr gemütlicher Platz mit vielen Einkehrmöglichkeiten ist der Livu Platz. Auch sonst laden unzählige Kneipen und Cafés mit Außenplätzen und leckerem Angebot ein. Da möchte man doch alles ausprobieren. Uns hat es vor allem das „Moonshine“ angetan. Wer sich für das nostalgische Amerika begeistern kann, der ist in dieser Bar ganz richtig. Authentischer geht es nicht mehr und wir haben die besten Spareribs ever (jemals) gegessen. Das „Moonshine“ wirbt mit den besten Spareribs der Welt, und sie haben nicht übertrieben. Für ein Kilo zarteste Ribs mit Peperoni und frittierten Zwiebelringen, in einer Pfanne serviert, haben wir 16,-€ bezahlt.
Wer sich dazu mit Amerika auskennt, der weiß auch, dass „Moonshine“ nicht vom Mond herrührt, sondern der Schwarzgebrannte so genannt wird. Da der wirkliche Moonshine gerade nicht verfügbar war, musste der Rigaer Samogon zum Essen herhalten. Den hatten wir schon in der Markthalle kennengelernt, der wir am Abend zuvor einen Besuch abstatteten.

Zeppelinhallen

Der Zentralmarkt von Riga ist der größte Markt Lettlands. Der Markt nutzt heute die Zeppelinhallen am Ufer der Daugava. In jeder Halle ist ein anderes Angebot zu finden, eine Halle mit Fisch, eine Halle mit Fleisch und so weiter. Auf dem Außengelände wird zum größten Teil Obst und Gemüse angeboten. Kirschen gibt es jetzt ohne Ende. Nie haben wir so viele Kirschen gesehen, schön schwarz, groß und süß. Das Kilo kostet bis zu 2,50€. Da greift man gerne zu. Es werden aber auch weitere Gebäude für den Markt genutzt. Man kann hier stundenlang schlendern und einkaufen.
Wie schon erwähnt, wird der russische Selbstgebrannte Samogon angeboten. Er hat zwar nur 43%, aber schmeckt wie in alten Zeiten, reinster Schnaps von bester Qualität. Dieser Samogon wird im Rigaer Stadtviertel Mezaparks aus lettischem Blütenhonig hergestellt, ganz legal. Er ist zweimal destilliert und anschließend durch Moos und Aktivkohle gefiltert. Privat Selbstgebrannter, offiziell eigentlich verboten, hat irgendetwas zwischen 60 und 90% Alkohol.
Noch einen Hinweis: bloß nicht mit dem Auto in die Stadt fahren. Die Parkgebühren sind enorm. An der Markthalle haben wir für 1,5 Stunden 4,90€ bezahlt. Bisher kostete eine Stunde Parken in den baltischen Staaten 60 oder 90 Cent.

Aida cara vor Riga-Silhouette

Das Wohnmobil haben wir auf dem Riverside Camping auf der Insel Kipsala stehen. Zweihundert Meter entfernt befindet sich die Station für den Autobus in die Stadt. Eine Fahrt kostet 2,-€, egal wohin, egal wie lange. Der Campingplatz besitzt eine schöne große Terrasse direkt am Ufer der Daugava, mit einem tollen Blick auf den Fluss, das Speicherviertel und die Altstadt, sowie ankommende und abfahrende Kreuzfahrtschiffe. Die Aida cara stattete gestern Riga einen Besuch ab.

Den besten Blick auf Rigas Skyline hat man übrigens abends und bei schönem Wetter. Dann ist die Beleuchtung super. Den besten Standpunkt findet man am gegenüberliegenden Ufer, gleich neben der Hängebrücke.

Engure-See

Ried

Seit fünf Tagen regnet es mehr als die Sonne scheint, dazu ist es mit ca. 15 Grad kalt. Hoffentlich bleibt das nicht so.
Zwischen Roja und Jurmala, an der Küste der Rigaer Bucht, liegt der Engure-See. Er ist der drittgrößte See Lettlands, allerdings mit 2,50m an der tiefsten Stelle doch recht flach. Im See haben sich viele Inseln gebildet, die Seevögeln sichere Plätze zum Aufenthalt bieten. In der Sprache der Prussen und Liven heißt Engure „Aal“. Anfang des 20. Jahrhunderts fischte man hauptsächlich Aale. Im Laufe des 1. Weltkrieges war die Fischerei eingestellt und der Bestand der Aale explodierte. 1929 starb der Aal dann aus ungeklärten Gründen im Engure-See aus. Der See wurde 1957 unter Schutz gestellt, seit 1998 gibt es den gleichnamigen Naturpark. Inzwischen werden im Park 186 Vogelarten, davon viele in Lettland auf der Roten Liste stehend, beobachtet. Dazu kommt eine reiche Fauna, mit vielen Orchideenarten.

Beobachtungsturm

Rund um den See stehen mehrere Aussichtstürme, die eine Beobachtung der Tierwelt am und auf dem Engure-See möglich machen. Am mittleren West- und auch Ostufer sollen Wildpferde und wilde Rinder beobachtet werden können. Wir fuhren zum östlichen Ufer. Ein Wanderweg führt durch den Wald immer am Ufer entlang. Zwischen diesem Wanderweg und dem Aussichtsturm befindet sich ein großzügig eingezäuntes Gelände, in dem die wilden Pferde und Rinder unter Beobachtung gehalten werden. Wahrscheinlich aber gehört auch noch ein großes Stück Wald dazu, in den sich die Tiere zurückziehen können.

Koni-Pferde

Am meisten waren wir auf die lettischen blauen Kühe gespannt, die hier eine Heimat haben. Leider konnten wir nicht ein Exemplar finden. Seit wir in Lettland unterwegs sind, sahen wir jedoch mehr oder weniger vereinzelte Tiere dieser alten Rasse auf den Weiden stehen, meist zusammen mit den allgegenwärtigen schwarz-weißen Hausrindern. Die blauen Kühe haben ein blaugraues Fell und fallen sofort ins Auge. Sie werden wegen der Fellfarbe auch „Meereskühe“ genannt. Der Engure-See war für uns wohl die letzte Gelegenheit, diese Kühe zu beobachten und vielleicht noch ein Foto zu machen.
Dafür trafen wir vier der polnischen Koni-Pferde, und eines ihrer Fohlen, an. Sie standen direkt am Weg zum Aussichtsturm und nahmen Kontakt mit uns auf, ein tolles Erlebnis.

Orchidee

Bevor man zum Aussichtsturm abbiegt, kann man dem Orchideen-Pfad folgen. Mückenspray nicht vergessen! Auf diesem Weg sind tatsächlich jede Menge Orchideen zu sehen, aber eher die von der Art des Knabenkrauts. Es soll jedoch auch die Arten geben, bei denen man anhand der charakteristischen Blüten sofort erkennt, dass es sich um Orchideen handelt.

Der Engure-See ist durch einen Kanal mit der Rigaer Bucht verbunden. In Mērsrags kann man sich z.B. im Yachtclub Kajaks ausleihen und den 4km langen Kanal abfahren. Im Engure-See angekommen, sollte man sich unbedingt eine Landmarke aussuchen, damit man um die vielen Inseln herum die Einfahrt zum Kanal wiederfindet. Der Yachtclub bietet ein paar Womo-Stellplätze, die auch wir nutzen.

Strand bei Mersrags

Ein anderes Ausflugsziel in Mērsrags ist der kleine Leuchtturm. Er ist zwar nicht öffentlich, aber hübsch anzusehen. Er steht in einer Ferienanlage. Der Strand ist an diesem Küstenabschnitt sehr steinig. Große runde Steinbrocken zieren in Massen den Strand bis ins Wasser hinein. In der Nähe des Leuchtturms liegen ein paar Steine in einer Zick-Zack-Linie im Wasser, an deren Ende der Teufelsfelsen liegt. Der Legende nach soll der Teufel hier eine Brücke gebaut haben, dies sind die Überbleibsel.
Von zwei Aussichtstürmen aus hat man einen schönen Blick über die Schilfwiesen zur Rigaer Bucht.

Kap Kolka

Kreuzsee am Kap Kolka

Im äußersten Norden des Bezirkes Kurland befindet sich der Slitere Nationalpark, der das Kap Kolka einschließt. Es ist eine kleine Landzunge, die wie das Kap Skagen (Dänemark) in zwei Meere hineinragt und seine Form ständig ändert. Kap Kolka ist zwar nicht so spektakulär, aber auch beeindruckend. Auf der linken Seite branden die Ostseewellen ans Ufer, an der rechte Seite grenzt die Rigaer Bucht an das Kap. Beide Meere treffen sich an dieser Stelle und bilden auch hier eine kleine Kreuzsee. Am Ufer liegen die letzten Reste eines alten Leuchtturms, dessen Geschichte 500 Jahre zurückreicht. Der neue Leuchtturm steht weit draußen vor der Küste, am Ende einer Sandbank, die immer wieder Seefahrern zum Verhängnis wurde.

Entzündung des Sonnenwendfeuers

Genau hier wollten wir das Sommer-Sonnenwendfest mit den Einheimischen feiern. Schon zwei Tage vorher traf man Vorbereitungen für ein großes Feuer am Kap und Musik. Seit zwei Monaten begleitete uns schönstes Wetter. Ausgerechnet an diesem Tag, regnete es immer wieder. Genau eine Stunde, bevor das Fest um 21 Uhr losgehen sollte, setzte ein furchtbarer Dauerregen ein, gekoppelt mit einem steifen Wind. Die Leute kamen trotzdem, in Regencapes gehüllt und mit Blumen- oder Blätterkränzen auf dem Kopf. Der Organisator, mit einem dicken Eichenlaubkranz auf dem Kopf, verteilte Texte, damit die Leute zusammen singen konnten. Trotz strömenden Regens, begrüßte man den Sommer und begann zu singen. Nach einer Weile entzündete man das große Feuer. Da die Musik bei dem Regen nicht einsetzbar war, sangen die Leute eben selbst. Das Fest dauerte bis nach Mitternacht, aber wir waren mit unseren Schirmen so durchgeweicht, das wir uns bald verabschieden mussten.

Camping bei livischer Familie

Eine Nacht standen wir auf dem kostenlosen Parkplatz auf der linken Kapseite, von wo aus wir das ganze Kap Kolka erkunden konnten. Ein Aussichtsturm und ein Kiefern-Pfad sorgen für mehr Übersicht und Aufklärung. Am nächsten Morgen zogen wir zum Ferienhaus und Campingplatz „Ūši“ in Kolka um. Die Anlage wird von einer livischen Familie betrieben. Der Volksstamm der Liven lebt schon ewig hier, zählt jedoch mit nur noch ca. 230 Mitgliedern zu den aussterbenden Völkern. Die Familie begrüßt auch Reisebusreisende, um sie mit ihren livischen Spezialitäten zu bewirten. Das sind zum einen Sklandrausis (Karottenkuchen), wirklich sehr lecker, und Graupengrütze, die über offenem Feuer vom Opa gekocht wird.

„nasser Strand“

Im Norden Kurlands ist einiges zu sehen und zu erleben. Leider ist nur die Küstenstraße asphaltiert. Deshalb wandten wir uns zuerst der Küste an der Rigaer Bucht zu. Bei Evazi führt ein kurzer Weg (300m) durch den Wald zum einzigen „nassen Strand“ in Lettland. Klingt komisch, aber es ist eigentlich das Riff gemeint, welches vor der Küste liegt. An der Wasserlinie selbst wachsen einige kleine Pflanzen, die sicher ein Hinweis auf die Vielfalt im Wasser sind.

„weiße Düne“ von Pūrciems

Ein paar Kilometer weiter gibt es einen anderen Pfad. Der führt zur „Weißen Düne“ von Pūrciems. Der Bretterweg führt zuerst nach unten und überquert das Flüsschen Pilsupe, dann steigt man wieder ein paar Stufen nach oben auf die Düne und läuft ein wenig durch den Wald. Das Flüsschen wird noch einmal überquert, danach steigt man noch einmal ein paar Stufen nach oben, bevor man an der „Weißen Düne“ steht. Im Laufe vieler tausend Jahre grub sich das Flüsschen in die Düne. Die Düne ist so hoch und deren Hang so steil, dass dieser nie wieder Pflanzen einen Halt gab. Der Sand liegt in Form eines Amphitheaters offen, direkt an einer Kehre der Pilsupe.

Bootsfriedhof im Wald

Dann wollten wir von Gipka aus durch das Tal des Flüsschens Pilsupe nach Westen fahren, um nach Slitere zu gelangen. Leider sind wohl alle Straßen im Norden Kurlands unbefestigt, jedenfalls alle, die wir zu sehen bekamen, außer wie gesagt der Küstenstraße. So fuhren wir nach Kap Kolka zurück und fuhren nun die Ostseeküstenstraße nach Süden. In Mazirbe ist der „Bootsfriedhof im Wald“ zu finden. 1976 nahmen die Russen den einheimischen Fischern ihre Boote weg, um deren Fischerei einzudämmen. Die Fischerboote landeten im Wald hinter der Stranddüne, wo sie seitdem verrotten. Heute sind nur noch zwei Boote zu erkennen, wenige Reste zweier weiterer Boote sind kaum noch auszumachen.

am Leuchtturm gefunden

Der Leuchtturm von Slitere steht weit im Landesinneren, obwohl er erst Ende des 19. Jahrhunderts gebaut wurde. Heute dient er als Aussichtsturm, aus dessen vielen Fenstern im obersten Geschoss nach allen Seiten sehen kann. Blickt man über die Meerenge zwischen Ostsee und Rigaer Bucht entdeckt man bei schönem Wetter die estnische Insel Saaremaa.
Den Weg nach oben verkürzt eine Ausstellung zum Nationalpark, Leuchttürmen und die Kultur in diesem Landstrich. In dem Gebäude neben dem Leuchtturm zeigt eine Ausstellung, welche Pflanzen und Tiere im Slitere Nationalpark zu finden sind.

am See Pēterezers

Ein sehr schöner Wanderweg, der 3,4km lange Naturpfad des Sees Pēterezers, gelegen zwischen Slitere und Mazirbe, zeigt die unterschiedliche Natur des Nationalparks. Der Pfad führt über viele Dünen durch einen Kiefernwald, an mehreren Sumpf- und Wasserlöchern vorbei, durch einen Wald von Schachtelhalmen weiter zum Pēterezers, in einer großen Lichtung gelegen. Dessen Wasser ist durch den Moorboden, in dem er liegt, schwarz. In diesem Moorland fühlen sich Orchideen und Sonnentau wohl. Es ist der abwechslungsreichste Weg, den wir in den Baltischen Staaten gegangen sind.

Bärlauchsuppe

Versüßt hat uns diesen Ausflug ein Wildkirschbaum am Leuchtturm Slitere, wo wir uns den Bauch vollschlugen. Hmm, waren die lecker. Bei einem Spaziergang durch den feuchten Wald fanden wir eine Stelle mit ganz viel Bärlauch. Davon nahmen wir uns zwei Hände voll mit, um eine schöne Bärlauchsuppe daraus zu machen. Das Rezept:
2 Hände voll Bärlauch, 3 große Kartoffeln, 1 Zwiebel, 1/2l Gemüsebrühe, Sahne oder Creme fraiche nach Belieben, Salz, Pfeffer, Muskat. Die Zwiebel in Butter anbraten, geschnittenen Bärlauch (ein paar Blätter für Deko aufheben) und gewürfelte Kartoffeln dazugeben und mit der Brühe ablöschen. Kochen, bis die Kartoffeln weich sind, dann pürieren. Mit Sahne und den Gewürzen verfeinern. Die Suppe in einen Teller füllen und mit den beiseite gelegten Bärlauchblättern garnieren. Wir gaben noch einige Garnelenschwänze obendrauf. Superlecker.

Ventspils (Windau)

Sonnenuntergang in Ventspils

Bevor wir nach Ventspils weiter fuhren, legten wir einen Ruhetag in Pavilosta ein. Ende des 19. Jahrhunderts gründete ein deutscher Baron den kleinen Fischerort. Ein Jahr später errichtete er das erste feste Gebäude mit Ziegeln und Feldsteinen, welches heute noch besteht. In ihm ist das Museum der Stadtgeschichte untergebracht. Am gegenüberliegenden Flussufer liegt die Marina von Pavilosta, auf deren Gelände ein Stellplatz zur Verfügung steht. Er ist sehr geeignet, um einfach mal zu chillen und nichts zu tun. Der kleine Ort ist schnell erkundet und sonst gibt es kaum etwas Interessantes in der Umgebung. So hat man Zeit zum Planen, Lesen oder für Strandspaziergänge. Bei schönem Wetter sind auch die Sonnenuntergänge sehr beliebt.

Kuhparade

Der Hafen von Ventspils ist ein Hauptumschlagplatz vor allem für Öl und Kohle. Es gibt jedoch keine Schornsteine, die schwarzen Rauch in den Himmel pusten, oder etwas in der Art. Außer dem unschönen Anblick ist der Hafen kaum zu bemerken. Die Altstadt, die sich auf der anderen Seite des Flusses Venta ausbreitet, ist ganz hübsch. Vor allem fallen die vielen Kühe (Kunstobjekte) auf. Auf Nachfragen in der Touristinfo sagte man uns, dass sei nur eine Promotionaktion. Es gibt in dieser Gegend nichts, was mit Kühen zu tun hat. Uns kommt es so vor, als hätte es einmal eine Ausschreibung an Künstler gegeben, eine Kuh, welcher Art auch immer, zu gestalten. Diese stellte man dann, in Ventspils verteilt, an öffentlichen Plätzen auf.
Eine Riesenkuh, etwa vier Meter hoch, die an der Promenade steht, ist aber etwas Besonderes. Sie ist nicht bunt, aber auf ihr kleben jede Menge Sticker aus aller Welt. Diese Riesenkuh besucht im Rahmen eines Kunstprojektes immer andere Städte in der Welt und bekommt dort jedes Mal einen neuen Sticker.

Brunnen „Walfisch“

Blumenobjekte verschiedener Art, Parks, der Brunnen „Walfisch“, der gleichnamigen Dreimast-Fregatte aus dem 17. Jahrhundert nachempfunden und international ausgezeichnet, die Ordensburg aus dem 13. Jahrhundert, und der Marktplatz sorgen außerdem für Abwechslung im Stadtbild.

Ankerpfad

Wir stehen auf dem Seaside-Camping. Zwischen diesem und dem Strand befindet sich ein weiterer Park. In dem fährt eine Schmalspurbahn, mittwochs bis sonntags zweimal, auf einer 2,6km langen Strecke. Außerdem ist im Park der „Ankerpfad“ angelegt. Anker verschiedener Bauart und Größe werden an den Wegen gezeigt. Es ist die größte Ankersammlung der Baltischen Staaten und eine der größten der Welt. Der größte Anker, den wir gefunden haben, wiegt 11 Tonnen und ist sicher knapp dreieinhalb Meter hoch.

Noch eine Anmerkung: etwas weiter östlich liegt die Stadt Kuldiga, ebenfalls an der Venta. Dort findet man die mit 269m breiteste Stromschnelle Europas. Da die Straßen in Lettland zumeist ziemlich schlecht sind, haben wir die 50km Umweg dorthin nicht in Kauf genommen, obwohl uns die Bilder dazu schon neugierig gemacht haben.

Ventspils Radioteleskop

Gut 30km nördlich von Ventspils, bei Irbene, steht ein vollständig drehbares Radioteleskop (Parabolantenne) mit 32m Durchmesser. Es ist das größte seiner Art in Nordeuropa und das achtgrößte der Welt. Nach Voranmeldung, drei Tage vor dem geplanten Besuch, ist eine Besichtigung der Anlage möglich. Einen Blick auf das Radioteleskop kann man trotzdem werfen, wenn man der Straße am Besucherzentrum vorbei weiter folgt.
Eines der größten Radioteleskope der Welt ist mit 100m Durchmesser die Anlage in Effelsberg (Deutschland), die wir auch schon besuchten. Das Radioteleskop Ventspils steht auf dem Gelände eines ehemaligen russischen Militärgeländes. Überall sind noch Reste der alten Anlagen im Wald zu finden. Überhaupt waren weite Teile der Küste der Baltischen Staaten russisches Sperrgebiet, wie auch die Marina von Pavilosta.

Liepaja

Traumwetter

Schon haben wir Litauen wieder verlassen und sind in Lettland. Seit knapp zwei Monaten ist das Wetter uns gewogen. Mit nur ganz kurzen Unterbrechungen wie Schauer, Gewitter oder Nebel erfreut uns die Sonne. Zum letzten Mal durften wir uns auf unserer USA-Rundreise 2012/2013 darüber freuen. Dazu sind die Tage jetzt richtig lang. Noch um 23.30 Uhr ist es halbwegs hell, dank der einen Stunde Zeitverschiebung. Nach zwei Jahren, in denen uns das schlechte Wetter, Kälte und Regen verfolgten, können wir uns nun kein bisschen mehr beschweren. Es geht uns richtig gut.

Blindschleiche

Eigentlich wollten wir uns ein paar Tage am Papesee kurz hinter der litauisch-lettischen Grenze aufhalten. In einem Fernsehbericht hatten wir erfahren, dass sich an diesem See abends Wildpferde und Auerochsen zum Trinken einfinden. Dieses Schauspiel wollten wir uns nicht entgehen lassen. Leider führt eine zwölf Kilometer lange, unbefestigte Waschbrettpiste der übelsten Sorte zu den Campingplätzen am Papesee. Wir haben es versucht, aber beim besten Willen, da bleibt ja keine Schraube an ihrem Platz.
Also fuhren wir nach Liepaja. Drei Kilometer vor der Stadtgrenze fanden wir den Campingplatz „Verbelnieki“. Für 19,-€ inkl. ADAC-Rabatt blieben wir aber nur eine Nacht. Der Platz liegt an der Ostseeküste, zu Fuß ca. 150m entfernt. Da wir früh genug ankamen, blieb vor der Stadtbesichtigung in Liepaja noch etwas Zeit zum Sonnen am Strand.

Markthalle von Liepaja

Liepaja ist eine große Stadt, die sich durch ein unglaubliches Durcheinander von Architekturstilen auszeichnet. Über das gesamte Stadtzentrum verteilen sich die alten Holzhäuser: vom einstöckigen, kleinen Wohnhaus, über zweistöckige, sehr schmucklose Wohnhäuser, bis hin zu dreistöckigen Villen mit Erkern und Türmchen. Dazwischen tummeln sich Steinhäuser im Jugendstil und Barock, Gebäude in Backsteingotik, sowie öffentliche Gebäude und Wohnblöcke aus sozialistischen Zeiten. Viele dieser Wohnblöcke sehen aus, als wurden sie durch die DDR errichtet. Dem nicht genug, ergänzen modernste Glaspaläste, wie der Konzertsaal, das zusammengewürfelte Stadtbild. Noch nie sahen wir ähnliches. An vielen der Bauten nagt der Zahn der Zeit, sie sind renovierungsbedürftig oder schon verfallen. Andere strahlen in neuem Glanz. Sehenswert sind die Markthalle und die Kathedrale.
Liepaja besitzt jedoch auch einen sehr großen Park mit Spielplätzen, Sportstätten, und auch ruhigen Ecken, der praktisch der Lebensmittelpunkt der Einwohner ist. Der Liepaja Jurmala Park grenzt zudem an den Strand.
Durch die Stadt führt ein Handelskanal, der die Ostsee mit dem Liepajasee verbindet, und über den drei Brücken führen.

Klaipeda (Memel)

Fähre in Klaipeda

Die Stadt Klaipeda interessierte uns nicht, aber sie ist ein prima Ausgangspunkt für die Kurische Nehrung, die das Kurische Haff von der Ostsee trennt. Einen Blick aus der Ferne konnten wir bereits von Venté aus werfen. Nun wollten wir die Nehrung selbst entdecken.
Normalerweise fahren Fähren von Klaipeda an der Kurischen Nehrung entlang nach Nida, dem letzten litauischen Ort vor der Exklave Kaliningrad, auf die die südliche Hälfte der Kurischen Nehrung entfällt. 2018 existiert diese Fährverbindung nicht, aus welchem Grund auch immer. Erst 2019 soll die Verbindung wieder aufgenommen werden. Also haben wir die Fähre vom neuen Terminal in Klaipeda nach Smiltyné genommen. Mit dem Auto kostet die kurze Überfahrt 12,30€. Auf der Nehrung (Neringa) angekommen, fuhren wir erst ein kurzes Stück nach Norden, bis zum Yachthafen. Von dort kann man in Ruhe nach Klaipeda hinüberschauen. Allerdings sieht man auf Kilometer nur Hafen und Schiffe.

Strand der Kurischen Nehrung

Deshalb lenkten wir unser Auto Richtung Süden. Bis Nida beträgt die Strecke 43km. Wo der „Naturpark Neringa“ beginnt, bezahlt man Maut. Bis zum 19.6. sind es noch 5,-€ pro PKW, ab 20.6. werden 20,-€ fällig. Auf den Kilometern nach Nida gibt es jedoch jede Menge zu sehen. Immer wieder zweigen Fußwege rechts und links von der Straße ab, die zu Aussichten über das Haff oder die Ostsee führen. Auf der gesamten Länge an der Ostsee entlang breitet sich ein herrlicher, ruhiger Sandstrand aus, der hinter einer ebenso langen Düne liegt.

Skulptur aus Sand

Auf knapp halbem Weg liegt der Ort Juodkranté. Während Nida stark beworben wird, ist von Juodkranté kaum die Rede, aber ein kurzer Halt lohnt sich trotzdem. Vor allem zwei Kunstprojekte an der Promenade, oder auch der „Hexenpfad“, machen von sich Reden. Hübsche Holz- oder auch Fachwerkhäuser prägen den Ort.

Der außergewöhnlichste Ort auf der Nehrung ist die Kolonie von Reihern und Kormoranen. Seit dem 18. Jahrhundert besteht diese Kolonie. Früher hatten die Graureiher die Oberhand. Seit irgendwann die Kormorane aufgetaucht sind, schwindet die Population der Reiher in gleichem Maße wie die Kormorane an Zahl zunehmen. Heute gibt es nur noch wenige Reiherpaare in dem Gebiet. Das Auto kann man auf dem Parkplatz abstellen. Verlässt man es, steigt ein ziemlich kräftiger Fischgeruch in die Nase. Die Luft ist vom Stimmengewirr der Kormorane erfüllt, die Bäume sind weithin vom Kot der Kormorane abgestorben. Es müssen tausende Vögel sein, die den Wald bevölkern. Es ist einfach nur grandios. Ganz dicht ist man am Geschehen, wenn man die Aussichtsplattform erklimmt. Hin und wieder lässt sich auch ein Reiher sehen.

Kormoran-Kolonie

in den Dünen Neringas

Nur ein Stück weiter, die Straße steigt steil an, weist eine Tafel auf einen der schönsten Panoramablicke auf der Kurischen Nehrung hin. Ein kurzer Weg führt zum Ausguck. Leider ist man weit vom Wasser weg und die Bäume versperren den größten Teil des Blickes. Schade.
Hier beginnt auf der Haffseite die „Tote Düne“. Sie ist für Wanderungen gesperrt. Es gibt aber einen Zugang, den man zum höchsten Punkt der Düne (48m), nutzen kann. Der Weg dorthin beträgt 1,3km. Die Düne wandert nicht mehr. Als sie es noch tat, begrub sie vier Dörfer unter sich.
Ein kurzer Abstecher nach Pervalko sollte noch drin sein. Der Ort gehört ganz den Feriengästen. An dessen nördlichem Ende steht ein kleiner Leuchtturm im Wasser, der jedoch nur zu Fuß zu erreichen ist.

Weitere Dünen können auf dem Weg nach Nida bestiegen werden. Darunter sind die höchsten Dünen Europas. Die wirklich beste Aussicht nach fast allen Seiten bekommt man aber von der Parnidžio Düne südlich von Nida. Sie ist zwar nicht zu vergleichen mit der Düne in Leba, aber mit 61m ist sie doppelt so hoch. Die Aussicht ist wunderschön. Wer mag, kann durch die Dünen bis zum „Tal des Todes“ an ihrem Fuß laufen. Einige Teile der Parnidžio Düne sind aber schon bewachsen.

Parnidžio Düne

Sonnenuhr/Kalender

Auf der Düne, überraschenderweise kann mit dem Auto bis fast ganz nach oben gefahren werden, steht seit 1995 eine riesige Sonnenuhr, mit einem Kalender kombiniert. Sie ist ein wahres Kunstwerk aus Granit, welches teilweise mit sehr fremdem Zeichen geschmückt ist. Die Stundenanzeigen sind in Stufen angeordnet, die bis zum Mittag ansteigen. Der Zeiger ist ein 12m hoher Obelisk, dessen Fußpunkt sich 53m über dem Meeresspiegel befindet. Die hellsten Steinreihen stellen die Monate dar, die grauen Reihen die Tagundnachtgleiche sowie die Sonnenwenden, und die dunklen Steinreihen sind die Nachtstunden. Wie ließt man bloß in den Nachtstunden die Uhrzeit ab?

Nida

Bevor wir nach Nida hineinfuhren, nahmen wir den Grenzübergang nach Kaliningrad in Augenschein. Hier verlässt man die EU und ohne Visum bleibt die Grenze dicht.
Im alten Nida lässt es sich gut bummeln. Die alten Holzhäuschen und Vorgärten mit ihren Schmuckelementen sind liebevoll gepflegt. Kleine Restaurants laden zur Einkehr ein. Überall strecken sich Wetterfahnen in den Himmel, die aussehen, als würde jeder „Clan“ sein eigenes Wetterfahnendesign besitzen.
Von dem kleinen Hafen aus starten verschiedene Ausflugsboote zu einstündigen Touren über das Haff zur Windenberger Insel. Die Tour kostet 10,-€.

Damit hatten wir eine wunderschöne Tour hinter uns gebracht, die wir nur weiterempfehlen können.

Seebrücke Palanga

Ein anderer Ausflug führte uns nach Palanga. Der Kurort hat uns nicht begeistert. Ein Kurort ist kaum noch auszumachen, Palanga ist eigentlich nur noch eine Touristenstadt. Die Preise sind doppelt so hoch wie auf der bisherigen Route durch Litauen.
Die 450m lange Seebrücke beeindruckt nur durch ihre Länge, die im letzten Viertel um 90° abgewinkelt ist. Keine Bude befindet sich darauf, kein Anleger wartet auf Schiffe, nicht einmal ein Yachthafen, wie in Sopot, wurde angebaut.

Unser Wohnmobil steht in Karklé, zwischen Klaipeda und Palanga, auf dem Campingplatz „Karklecamp“, für 15,-€ pro Nacht mit allem. Es gibt hier mehrere Campingplätze, die alle so um die 15,-€ nehmen, sehr ungewöhnlich in Anbetracht der Lage. Zum Strand sind es nur ein paar hundert Meter.

Etwas nördlich von Karklé liegt der Plocis Lake im Wald, der jedoch nur zu Fuß oder per Fahrrad zu erreichen ist. Das sind 2km Weg. An diesem See soll man eigentlich Vögel beobachten können. Wie sich herausgestellt hat, ist das aber nur in den Vogelzugzeiten möglich. Jetzt im Frühsommer ist außer Kormoranen, die dort in einer Kolonie leben, nichts los. Trotzdem ist der Weg durch den Wald ein Erlebnis.

Memeldelta

Brücke über die Minija

Es ist in Litauen nicht so einfach, einen Stellplatz unter 20,-€ zu bekommen, der auch noch groß genug für unser Wohnmobil ist. Eine Nacht standen wir auf einem freien Platz an der Minija, dort wo die Straße 4217 den Fluss kreuzt, südlich von der Brücke. Da es Wochenende war, war der Platz sehr gut von Tagesgästen besucht. Deshalb wollten wir auf den Campingplatz am Hotel Kintai-Ventainé. Es gibt überhaupt nur einen Campingplatz in der Nähe von Venté. Als wir dort ankamen, der Platz ist für Wohnmobile bis 10m ausgewiesen, wollte man den doppelten Stellplatzpreis von uns haben. Der liegt mit 25,-€ sowieso schon hoch. Unser Wohnmobil ist nicht länger als 10m, trotzdem hätten wir den doppelten Preis zahlen sollen. Das ist einfach nur unverschämt. Zu unserem Glück fanden wir auf der anderen Seite der vorher erwähnten Brücke einen schönen kleinen und ruhigen Stellplatz, für 14,-€, am Restaurant Mélynasis Karpis. Zwischen der Minija und einer riesigen Fischteichlandschaft hat der Besitzer ein wahres Imperium aufgebaut: Restaurant mit eigenem Fisch (das teuerste Gericht mit Stör kostet 11,50€), Angelteichen, Wasserwanderrastplatz, Bootsverleih, im Hochsommer Kreuzfahrten auf dem Kurischen Haff, Zimmervermietung, kleiner Campingplatz und Spielplatz. Es ist ein guter Platz, um das Memeldelta zu erkunden. Mit dem Kurischen Haff, eigentlich Frisches Haff, hatten wir schon in Elbląg und Frombork Bekanntschaft gemacht.

Ornithologische Station Venté

Am weitesten in das Kurische Haff hinein ragt die Halbinsel mit dem Ort Venté. Von dem weit ins Wasser ragenden Anleger aus fährt zweimal am Tag eine Fähre nach Nida auf der kurischen Nehrung. Im Juni fährt mittwochs auch vom Hotel Kintai-Ventainé eine Fähre. Die Fahrpreise liegen bei 17,-€ pro Person plus 4.-€ pro Fahrrad. Autos werden nicht mitgenommen. Damit entfällt die Gebühr für den Nationalpark Kurische Nehrung.
An der Halbinselspitze bei Venté steht ein Leuchtturm, den man besteigen kann. Der größte Teil des Geländes ist jedoch von einer ornithologischen Station in Beschlag genommen. Schon seit dem frühen 20. Jahrhundert werden hier Vögel mit großen Netzen gefangen und registriert.

Hinweis auf die Moorkolonie Bismarck

Im Memeldelta wurden ab 1835 vier Moorkolonien gegründet. Die größte und bekannteste Kolonie hieß Bismarck. Auf deren Spuren kann man sich begeben, wenn man ein bisschen sucht. Drei der Kolonien sind auf einer Infotafel in Kintai lokalisiert. Zu der Pakalné-Kolonie gibt es keinen weiteren Hinweis. Von der Bismarck-Kolonie, ich hatte vor kurzer Zeit einen Fernsehbericht über diese Kolonie gesehen und kam deshalb auf das Thema, erinnert nur noch das Straßennamensschild „Oto Bismarck g.“ an die Vergangenheit. Vier der alten Gehöfte, halb verfallen, aber bewohnt, stehen noch im Wald bei der Ortschaft Žalgiriai an der Straße 206. Es wurde einmal ein Lehrpfad über die Geschichte der Kolonie angelegt, aber leider nicht gepflegt. Hinter der ersten, halb verblassten Infotafel ist Schluss, der Weg ist zugewachsen. Dieser Lehrpfad hätte uns wirklich interessiert, aber wer die interessante Geschichte der Moorkolonien nachlesen möchte, dem empfehle ich die Seite: www.wiki.de/genealogy.net.

typische Ostpreußenhäuser

Rusné (das alte Ruß) ist ein nettes kleines Städtchen, welches auf der Windenberger Insel zwischen den Flüssen Atmata und Rusné liegt. Die dritte Seite wird vom Kurischen Haff begrenzt. Auf der südwestlichen Spitze der Insel steht ein Grenzpfahl, denn dort, wo sich die zwei Flüsse treffen, verläuft die Grenze zur russischen Exklave Kaliningrad. Atmata heißt das letztes Stück der Memel, bevor sie in das Haff mündet.

am Leuchtturm Uostadvaris

Gegenüber von Rusné befindet sich der Ort Uostadvaris, im Norden der Insel. Dort kann man den kleinen Hafen ansehen, von dem ein Boot über mehrere Flüsse durch das Memeldelta und über das Haff zur Kurischen Nehrung fährt. Die Fahrzeiten kennen wir nicht. Der kleine Leuchtturm aus den 70ern des 19. Jahrhunderts tut zwar keinen Dienst mehr, aber von seiner Plattform aus kann man weit über das Land blicken.

Torfgewinnung

Šiluté (das alte Heydekrug) ist die größte Stadt der Region, aber wenig interessant. Die alte Gründung war etwas weiter westlich gelegen, ist aber nicht mehr erhalten.
Zwischen Šiluté und der Straße nach Minija findet man rechts im Wald ein riesengroßes Gelände, auf dem man Torf in einer Art Tagebau gewinnt. Wie es aussieht, wird es mit Maschinen einfach nur in dünnen Schichten abgeschabt. Große Haufen Torfmehl liegen zum Abtransport bereit.

rundblättriger Sonnentau

Am westlichen Ende dieses Torfgebietes befand sich die Moorkolonie Augstumal. Von dieser Kolonie ist auch nichts mehr übrig, aber hier hat man einen wunderschönen Lehrpfad eingerichtet, und erhält ihn auch. Es lohnt sich, die 1,2km in das Moor zu laufen. Auf Infotafeln wird von der Kolonie berichtet, sowie von den heimischen Tieren und Pflanzen, wovon viele seltene Arten geschützt sind. Es soll sogar Elche geben. Kein Wunder bei dieser wasserreichen, einsamen Natur. Zuerst läuft man durch Wald, der nach und nach immer lichter wird. Später gibt es nur noch niedrige Pflanzen, zwischen denen sich der seltene Sonnentau wohlfühlt. Es sind zwar nur sehr kleine Formen dieser fleischfressenden Pflanze, dafür kommen hier beide Arten vor: der rundblättrige wie auch der langblättrige Sonnentau.

Hochmoor Augstumal

Von zwei Aussichtsplattformen hat man schöne Blicke über das Hochmoor von Augstumal. Um den letzten Aussichtsturm liegen ein paar Wasserlöcher, im Hintergrund recken abgestorbene Birken ihre weißen Stämme in den Himmel. Die ehemaligen Einwohner der Moorkolonien hatten die Moore mühevoll entwässert, um sich ein Leben auf Grundlage der Landwirtschaft aufzubauen. Seit die Kolonien untergegangen sind, erobert sich das Wasser weite Teile der Moore zurück.

Trakai/Vilnius

Meerschaumpfeife mit Bernsteinmundstück

Wir sind in Litauen angekommen. Zuerst: die Uhr eine Stunde vorstellen, Zeitzonenüberschreitung. Wir durften auf dem Grundstück der Schwester einer Bekannten stehen, 10km südlich von Marijampolé. Von hier aus unternahmen wir unsere Tour nach Trakai und Vilnius. Nach zwei kalten Tagen und Nächten ist es nun wieder warm und sonnig.
Seit 1409 steht die Burg Trakai auf einer Insel und war Wohnsitz der litauischen Herzöge. Nach der Zerstörung im 2. Weltkrieg baute man die Burg über Jahrzehnte komplett wieder auf. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Entsprechend groß ist der Andrang.
Zu betreten ist die Burg über eine hölzerne Brücke. Hinter dem Tor öffnet sich ein Hof, um den sich verschiedene Bauwerke gruppieren. In den Kasematten links vom Eingang befinden sich verschiedene historische Ausstellungen. Wir fanden die Sammlung von Meerschaumpfeifen sehr interessant.

Innenhof

Über eine weitere Holzbrücke kommt man zum Wohntrakt. Hier kann man verschiedene Räume wie den großen Saal und den Gerichtssaal bewundern. Der Innenhof ist mit seinen hölzernen Umgängen und gemusterten Mauerfriesen um die Eingänge recht imposant. Erwähnenswert ist hier die Schatzsammlung. Viele der früher versteckten kleinen Schätze, in Beuteln, Krügen oder Kästchen verstaut, sind von ihren Besitzern nie wieder ans Tageslicht geholt worden. Sie fand man bei den Rekonstruktionsarbeiten. Viele Stücke sind aus Münzen und Medaillen gefertigt, was wir bisher noch nie gesehen haben.
Der Eintritt in die Wasserburg Trakai kostet 7,-€, für Senioren 3,50€.

Berg der Drei Kreuze

Vilnius ist die Hauptstadt Litauens. Auf dem Weg zur Altstadt kommt man an den nagelneuen gläsernen Hochhäusern des Geschäftsviertels vorbei, welches am Ufer des Flusses Neris liegt.
Unser erster Punkt, den wir in Vilnius besuchten, war der Berg der Drei Kreuze. Kurz unterhalb des Gipfels kann man das Auto stehen lassen, kostenlos. Es ist nur ein kurzer Fußweg bis zu den leuchtend weißen Kreuzen und einer tollen Aussicht über die Stadt.
Der Legende nach sollen 14 Franziskaner in diese Gegend gekommen sein, um die Einheimischen zu bekehren. Die hatten jedoch etwas dagegen und kreuzigten die Franziskaner auf diesem Berg, weithin sichtbar. 1613 baute man dann hölzerne Kreuze auf, die immer wieder rekonstruiert wurden. 1863 entfernte die russische Regierung jedoch die Kreuze nach einer Revolte. 1916 baute man neue Kreuze auf, die wiederum von den Russen zerstört wurden. Seit der Unabhängigkeit Litauens baute man die heutigen massiven Kreuze 1989 an der originalen Stelle auf. Seitdem leuchten sie über die Stadt Vilnius. Archäologische Ausgrabungen Ende des 20. Jahrhundert zeigten, dass der Berg schon seit dem 3.-2. Jahrhundert vor Christus bewohnt wurde.

Verfassung von Užupis in 28 Sprachen

Unser nächstes Ziel war das älteste Viertel von Vilnius, Užupis. Der kleine Stadtteil liegt auf einer Art Halbinsel, die vom Flüsschen Vilnia umschlossen wird. Früher ein Armenviertel ist es heute eine beliebte Gegend, vor allem bei Künstlern. Die waren sogar so begeistert davon, dass sie eine „unabhängige Republik Užupis“ gründeten. Die Gründung und Niederlegung der Verfassung fanden in der „Užupis Kavina“ statt. Das alte Café befindet sich an der Brücke über die Vilnia, auf der man in die neuere Altstadt Senamiestis kommt. In einer Fernsehreportage hatten wir gesehen, dass in diesem Kaffee die Bronzetafeln mit der Verfassung in 28 Sprachen an den Wänden hingen. Wahrscheinlich war dadurch keine Gästebedienung mehr möglich, weil alle die Tafeln sehen wollten. Deshalb hängen sie heute gut zugänglich an einer Wand in der Paupio Gatve in der Nähe des „Užupis Kavina“. Nach einem Kaffee oder Bier kann man ein wenig durch die alten Gassen schlendern. Zu der Verfassung, mit der man sich sofort identifizieren kann, besitzt die „unabhängige Republik Užupis“ natürlich auch eine Hymne und einen Präsidenten.

Kathedrale St. Stanislaus

Die neuere Altstadt Senamiestis wurde komplett rekonstruiert und gilt heute als die schönste Barockstadt Nordeuropas. Viele Kirchen, Cafés und Restaurants prägen das Stadtbild, welches durch schmiedeeiserne Balkongeländer und kunstvolle Erker ergänzt wird.
Die Kathedrale St. Stanislaus sticht mit ihrer Optik aus dem allgemeinen Kirchenarchitekturschema heraus. Zuerst steht ihr Glockenturm separat und ist gleichzeitig Aussichtsturm. Dadurch erscheint der dreischiffige Kirchenbau wie ein Palast, oder eher wie ein griechischer Tempel. Die ehemals gotische Kirche besitzt dieses Erscheinungsbild erst seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Hohe dorische Säulen schmücken den dreieckigen, nach vorne gezogenen Giebel des Eingangsbereiches. Große, in die Wand eingelassene Statuen von kirchlichen Vertretern sind im griechischen Stil gearbeitet. Die ganze Kathedrale ist strahlend weiß. Im Inneren ist die Kathedrale eher schlicht. Ein Tonnengewölbe wird von dicken quadratischen Pfeilern gestützt.

im Stadtteil Senamiestis

Um zurück zum Parkplatz zu kommen, spazierten wir am 130m langen, leicht gewölbten Gebäude des Nationalmuseums entlang. Dahinter erhebt sich der Burgberg. Die Burg wurde abgetragen, aber ein Wehrturm steht noch. Anscheinend wird daran gearbeitet, die Burg wieder zugänglich zu machen.
Am Ufer der Neris entlang kommt man bald zu einer kleinen Brücke über die Vilnia, die hier in die Neris mündet. Jetzt muss nur noch der Berg zum Parkplatz erklommen werden.
Vilnius hat uns mit seiner Vielfalt überrascht. Es ist eine interessante und junge Stadt, wofür auch die Universität sorgt.

Suwalki (Suwalken)

typisches Bild in Ostpolen

Am östlichen Rand der Masurischen Seenplatte liegt die Stadt Suwalki. Es ist die letzte große Station auf dem Weg nach Litauen.
Zwischen Orzysz und Ełk beginnt die Region der Elche. Warnschilder am Straßenrand weisen auf deren Anwesenheit hin. Zu Gesicht wird man hier sicher aber keinen bekommen, dafür ist zu viel Verkehr. Wisente gibt es nur im Urwald von Augustow, sagte man uns in einem der Infozentren.
Von Suwalki aus kann man zwei große Ziele erkunden: den Wigry Naturpark und den Suwalki Naturpark.

Wigry Naturpark

Insektenhotels

In der kleinen Stadt Krzywe, 6km östlich von Suwalki, befindet sich eine der Parkverwaltungen. Dort bekommt man Infomaterial sowie Eintrittskarten in den Park, die 5,-Zl pro Person kosten.
Direkt neben dem Gebäude der Parkverwaltung beginnt der Lehrpfad „Las“. Er ist 1,5km lang und erklärt an 12 Stationen die Natur und die Vergangenheit dieser Region. Verschiedene Waldarten treffen sich hier, mehrere kleine Seen lassen sich erkunden, viele verschiedenen Pflanzen- und Tierarten leben im Park. Harz wurde gewonnen, Wildbienen gaben Honig und Torf konnte gestochen werden. Heute wird die Natur in Ruhe gelassen. Alles kommt, wie es kommen muss.
Wer Lust an einer längeren Wanderung hat, kann zwischendurch auf den zweiten Lehrpfad „Suchary“ wechseln. Auf 2,5km Länge sind 7 Stopps eingebaut.
Am Ende des Rundweges steht ein altes Bauernhaus mit vier Räumen. Es ist frei zugänglich und enthält Gegenstände des täglichen Lebens.

Płociczno Schmalspurbahn

Unsere Rundfahrt um den Wigrysee starteten wir von Krzywe aus Richtung Süden. Durch eine offene Landschaft mit relativ wenig Wald erreicht man den Ort Płociczno Tartak. Dies ist der Ausgangspunkt für eine 10km lange Strecke der dortigen Schmalspurbahn. Der kleine Bahnhof ist gleichzeitig ein kleines Museum im weitesten Sinne. Früher benutzte man die Bahn für den Holztransport und die Strecke war 36km lang. Heute ist sie nur noch eine Touristenattraktion. Eine Fahrt dauert 2,5 Stunden und führt Richtung Osten. Unserer Information nach ist in dem Ticket für den Naturpark die Fahrt mit der Schmalspurbahn enthalten.

Wigrysee

Wir setzten unsere Fahrt am Südufer des Wigrysees fort. An mehreren Stellen sind Zugänge zum Seeufer und zu Aussichtspunkten. Von jedem dieser Punkte sieht der See anders aus. Der Wigrysee zeichnet sich durch unzählige kleine Buchten und Inseln aus, was die Aussichten auf den See sehr abwechslungsreich und spannend macht. An allen Haltepunkten stehen Übersichtstafeln mit den Wegen und interessanten Orten.
Den schönsten, weil erhöhten Blick, bietet sich vom Camperpark „Widok“ in Bryzgiel. Terrassenartig fällt das Privatgelände zum Seeufer ab. Das Restaurant bietet Essen und Getränke, die Pension Zimmer, Kajaks und Tretboote können ausgeliehen werden. Kutschfahrten werden organisiert. Für Naturliebhaber ist dieser Ort genau das Richtige.

helle Wildkirschen

Kurz hinter Bryzgiel folgt man der kleinen Straße nach links und bleibt so weiter am Wigrysee. Bald hört der Asphaltbelag auf und die Straße wird unbefestigt. Hier kann man ab und zu den Wegen nach links folgen und trifft so auf weitere Uferstellen und einen neuen Aussichtsturm.
Durch Wald hindurch, jetzt sind die Walderdbeeren reif, hmm lecker, dreht der Fahrweg nach Norden und kommt irgendwann zum Piski-Platz. Ein kleiner Fußweg führt 200m zum Seeufer hinunter. Dies ist die Badestelle am Goldstrand. Das Wasser soll so flach sein, dass man weit in den See laufen kann, wenn man baden will. Ein Strand im üblichen Sinn ist es jedoch nicht, sondern nur eine Wiese. In der Nähe des oberen Klohäuschens steht ein Wildkirschbaum, dessen Früchte gerade ebenfalls reif und lecker sind. Da dies noch niemand entdeckt hat, konnten wir uns an den gut erreichbaren Ästen bedienen. Walderdbeeren und Kirschen, da braucht man kaum etwas anderes zu essen.

Idylle pur

In Czerwony Folwark, die Straße ist wieder asphaltiert, sollte man links am Hinweisschild nach Rosochaty Róg abbiegen. Den Amphibien-Lehrpfad haben wir zwar nicht gefunden, aber die Lage des Ortes ist einmalig schön, mehr Idylle geht nicht. Wir kamen uns dort fast wie im weiten Russland vor, Birken, sattes grünes Gras, Fischteiche und ein See, dazu verschiedene Tiere bis hin zu den Polnischen Pferden. Da muss man einfach eine Weile verbringen und den Anblick genießen.

Kamaldulenserkloster Wigry

Langsam kommt man nun wieder in die Zivilisation zurück. Wigry liegt auf einer Halbinsel im Nordosten des gleichnamigen Sees. Der Parkplatz kostet 5,-Zl, aber der Besuch des ehemaligen Kamaldulenser-Klosters ist im Naturparkticket enthalten. Bis 1796 behielt das Kloster seine Funktion, bevor die Preußen die Einwohner vertrieben. Im 2. Weltkrieg wurde das Kloster weitestgehend zerstört, nach dem Krieg baute man es wieder auf. 1999 besuchte der alte Papst, Johannes Paul II. den Komplex drei Tage lang. Überall findet man Zeugnisse aus dieser Zeit. Inzwischen kann man sich in alten Einsiedeleien einmieten.
Vom Uhrturm aus hat man einen schönen Blick über das Kloster und die Umgebung.
Kleine Kreuzfahrten über den See werden angeboten, Kajaks verliehen und ein schöner Womo-Stellplatz ist auch vorhanden.
In Krzywe schließt sich der Kreis dann wieder. Es war ein unglaublich abwechslungsreiche Rundfahrt und wir haben Neues gelernt.

Findling als Mahlstein genutzt

Suwalki Naturpark

Wie schon erwähnt, lässt sich nördlich von Suwalki der gleichnamige Naturpark erkunden. In dieser Gegend im äußersten Nordosten Polens hat sich das Landschaftsbild wieder geändert. Gletscher aus Skandinavien gestalteten eine anmutige Hügellandschaft. Felder und Weideflächen halten die Vegetation offen. Lockere Ansiedlungen verteilen sich darin. Man kommt sich wie im Voralpenland vor. Außerdem ist die Gegend nördlich von Suwalki der „Kältepol Polens“. In Ostpolen, bis zu den Masuren, herrscht Kontinentalklima. Das heißt, Sommer ist Sommer, und die Winter sind kalt, mit viel Schnee. Die niedrigsten Temperaturen liegen im Schnitt bei ca. -25°.
Wir starteten unsere Rundfahrt mit dem Findlingsfeld Bachanowo im Westen des Suwalki Naturparks. Auf einer Fläche von knapp einem Hektar liegen viele Findlingen verteilt. Am Bachufer unterhalb liegt ein Findling, der offensichtlich von Steinzeitmenschen als Mahlstein verwendet wurde. Im Bachbett liegen viele Steine, auf denen die schon auf der Kruttinna erwähnte Rote Alge lebt. Damit ist das Wasser absolut sauber. Hier stellten wir wieder fest, dass im Umfeld solcher sauberen Gewässer keine Mücken zu finden sind, außer in den erwähnten zwei Zeiten im Jahr. Wenn wir sonst in den Wäldern Ostpolens unterwegs sind, ist ohne Mückenschutzmittel gar nichts zu wollen.
Die Findlinge mit einem Durchmesser von 8m, die in der Übersicht über den Suwalki Naturpark erwähnt werden, haben wir allerdings nicht gefunden.

Taucboot am Hánczasee

Nun setzten wir unseren Weg am Südufer des Hánczasees fort. Dieser See ist mit 108,5m Tiefe der tiefste See Polens. Das Wasser scheint sehr sauber, aber nach Angaben der Tauchbasis in Blaskowizna betragen die Sichtweiten nur zwischen 4 und 7m. Dort befindet sich auch ein öffentlicher Badestrand.
Folgt man der Straße weiter ostwärts kommt man irgendwann an einem weiteren Findlingsfeld vorbei. Noch ein Stück weiter liegt eine Art Museumsdorf am Straßenrand. Leider war es geschlossen, als wir kamen.

Am Ende der Straße passiert man den „Fudschijama von Suwalki“. Es ist mit 256m der höchste Berg der Suwalkiregion. Sein Beiname kommt von der Form des Hügels, der aus der Landschaft aufsteigt. Eigentlich heißt der Berg „Cisowa Góra“ (Eibenberg). Auf dem Gipfel steht ein großes Kreuz, welches 1999 Besuch von Papst Johannes Paul II, hatte. Am besten ist jedoch die Aussicht auf die Eiszeitlandschaft mit ihren Seen.
An der Einmündung auf die Straße 655 biegt man nach links ab, um dann gleich noch einmal nach links auf die Straße nach Smolniki einzubiegen. Immer wieder kommt man an Seen vorbei. Nach ein paar Kilometern erreicht man den Aussichtspunkt „U Pana Tadeusza“. Um diesen zu besuchen werden allerdings 2,-Zl pro Person fällig. Von einer Plattform aus sieht man nun in Richtung Süden, bis zum „Fudschijama von Suwalki“.

Blick vom Cisowa Góra

Blick vom Cisowa Góra

Dreiländereck bei Bolcie

Das letzte Ziel der Rundfahrt im Suwalki Park war das Dreiländereck Polen-Russland (Exklave Kaliningrad-Litauen) bei Bolcie. Eine Granitsäule markiert die Stelle. Auf ihr sind die Grenzen markiert, die Wappen und Namen der Staaten eingraviert. Selbstverständlich läuft man rund um die Säule herum, ohne sich irgendwelche Gedanken zu machen. Eine Überwachungskamera auf russischer Seite hat alles im Blick. Ganz in der Nähe informiert eine Informationstafel über das Dreiländereck. Dort ist auch ein Bild zu sehen, welches das Betreten des russischen Sektors an der Säule untersagt, auch das fotografieren ist verboten. So ein Quatsch, jeder läuft zuerst zu der Säule und guckt sich dann vielleicht die Tafel an. Wenn das ernst gemeint wäre, sollte der russische Sektor an der Säule gesperrt werden. Die Grenze zwischen Polen und Litauen ist als innere EU-Grenze grün, also offen. Nur Pfähle markieren den Verlauf der Grenze.

Das war eine sehr interessante Fahrt. Diese Gegend Polens ist noch kaum von Touristen besucht. Das ist sehr schade, denn alles steht auf Start. Trotzdem ist diese Region, das gilt auch für die Masuren, nicht mehr von der Zeit vergessen und im Aufbruch. Mit Hilfe der EU wurde schon viel unternommen, um den Anschluss an ein modernes Leben zu bekommen. Zum größten Teil haben die Polen Deutschland in vielen Dingen schon überholt, z.B. der Straßenverkehr, das WLAN-Netz oder der Tourismus. Die alten, traditionellen Holzhäuschen, die ich gerne fotografieren wollte, sind kaum noch zu finden. Viele neue Eigenheime sind entstanden oder werden gebaut, Traktoren haben die Pferdefuhrwerke auf dem Feld abgelöst. Es ist kaum noch etwas vom alten Leben in Polen übrig.

Mikolajki (Nikolaiken)

Fußgängerbrücke Mikolajki

Die Wälder sind nun noch tiefer, die Seen noch größer. Der größte See Polens, der Spirdingsee, grenzt an die Stadt Mikolajki. In der Stadt herrscht Gedrängel von Menschen, auf dem Wasser Gedrängel von Booten. Unzählige Bootsverleihe reihen sich am Ufer des Spirdingsees, dort wo sich die Promenade von Mikolajki befindet. Kleine Boote, große Boote, Ausflugsboote, Segelboote, Tretboote, es ist kaum noch ein freies Fleckchen auf der Wasserfläche in der Nähe der Stadt zu finden. Im Zentrum drängen sich die Touristen an den zahllosen Souvenirständen. Restaurants und Cafés gibt es ebenso viele, die alle nicht über Gäste klagen können. So geht es jedenfalls sonntags und bei schönem Wetter zu. Am Montag, als wir noch einmal in der Stadt waren, wirkte alles wie ausgestorben. Nur wenige Leute sind unterwegs, die Boote haben Ruhetag.
An der schmalen Stelle, wo sich Spirdingsee und Tałtysee treffen, führen drei Brücken von einem Ufer zum anderen. Dies sind eine Fußgängerbrücke, eine Autobrücke und eine Eisenbahnbrücke. Auffallend sind im Stadtbild die neue Fußgängerbrücke und das moderne Hotel Mikolajki.

Enten statt Schwäne

Fünf Kilometer östlich von Mikolajki liegt der Luknainer See, ein Biospährenreservat. Nach unterschiedlichen Angaben sollen auf und am See 1300 bis 2000 Höckerschwäne leben. Dies soll die größte Kolonie Europas sein. Neugierig auf dieses Schauspiel fuhren wir die absolut katastrophale Straße bis nach Luknaino. Neben einem Restaurant steht ca. 100m weiter ein Aussichtsturm. Dieser ist jedoch soweit vom Seeufer entfernt, dass man die Schwäne eigentlich nur als kleine weiße Flecken ausmachen kann. Davon gab es jedoch so wenige, dass wir zum Aussichtsturm am Westufer des Luknainer Sees fuhren. Der Weg ist zwar auch unbefestigt, aber deutlich besser und wesentlich kürzer als die Katastrophenstraße nach Luknaino. Auf den Turm gestiegen, konnten wir aber auch hier nur knapp 30 Schwäne ausmachen. Auch auf den umliegenden Feldern waren keine Schwäne zu finden. Hat sich die Kolonie einen neuen See gesucht?

Polnische Pferde

Ein anderes Ziel im Masuren Park Krajobrazowy ist der Ort Krutyń. Die kleine Rundfahrt dorthin begannen wir an der einzigen Seilfähre der Großen Masurischen Seen bei Popielno. Seit 1. Juni fährt sie, täglich ab 10 Uhr, wochentags ab 11 Uhr.
Ein kurzer Stopp in Popielno brachte uns zu einer Station, die sich für den Schutz der Polnischen Pferde einsetzt. Ich weiß nicht, wie groß die Herde ist, denn auf dem Gelände standen nur vier Tiere. Gleich hinter dem Ortsausgang nach Süden schließt sich ein großer Wald an, in dem die Pferde halbwild leben können.

Schleuse Guzianka

Durch noch mehr Wald fuhren wir nach Wejsuny weiter. Kurz vor dem Ort überquert man eine kleine Brücke. Unter der Brücke befindet sich die Schleuse Guzianka, die zwei Seen miteinander verbindet. Wer Zeit hat, kann sich eine der Schleusungen ansehen.
Gleich neben der Brücke ist ein Restaurant an einen alten Maschinengewehrbunker gebaut worden. Der Bunker weist in drei Etagen nach drei Seiten mehrere Schießscharten auf, durch die Maschinengewehre für die Sicherheit der Schleuse sorgten.

Startpunkt Stakfahrt

Nun fährt man über Ruciane-Nida nach Ukta. Der Ort liegt an einem kleinen Fluss und besteht eigentlich nur aus Kajak- und Kanuverleihen. Das Ziel der allermeisten Touristen ist jedoch Krutyń am idyllischen Flüsschen Krutynia (Kruttinna). Wenn man dort ankommt, wird man aber von den vielen Kajak- und Kanuverleihen regelrecht erschlagen. Unser Ziel war eine Fahrt in einem der Stakboote. Nach einigem Durchfragen fanden wir den Anbieter an der Brücke im Ort. Dort ist auch der Startpunkt der Bootstour. Wir bezahlten 80,-Zl für beide und buchten damit eine Privatfahrt. Hätten wir auf weitere zwei Teilnehmer gewartet, die vielleicht mehr als eine Stunde hätten auf sich warten lassen, hätten wir nur 60,-Zl bezahlt.

seltene Rotalge

Unser deutschsprechender Bootsführer stakte uns zuerst flussaufwärts. Das Wasser ist sehr flach und sehr sauber. Es ist so sauber, dass es Trinkwasserqualität hat. Das hat der Fluss dem Schutz zu danken, der ihm zukommt. Der Mensch darf nicht in die Natur eingreifen. Der Fluss und seine Ufer bis in eine Tiefe von 250m bleiben sich selbst überlassen. Selbst das tote Holz und umgefallene Bäume dürfen nicht weggeräumt werden. Felder liegen soweit entfernt, dass keine Düngemittel in den Fluss gelangen können. Ein Indikator für solch sauberes Wasser ist eine besondere Rotalge, die auf den Kieseln im Fluss lebt.
Jede Menge Fische, sogar einen Hecht sahen wir, Wasserpflanzen und verschiedene Libellenarten sorgen für Kurzweil während der Fahrt, natürlich auch die Erläuterungen des Bootsführers. Sehr angenehm war, dass es keine Mücken an dem Fluss gibt. Nach Auskunft des Bootsführers gibt es eigentlich nur zweimal im Jahr, im Mai und im August, eine 14tägige Mückenplage. Ansonsten halten allerlei Tiere wie Vögel, Libellen und Fledermäuse die Mücken in Schach.

Flüsschen Kruttinna

Irgendwann, im Bereich des goldenen Sandes, eine beliebte Badestelle, ist der Wendepunkt der Bootstour erreicht und der Bootsführer hat mit dem Staken nur noch wenig Arbeit. Die Strömung lässt das Boot ganz ruhig dahingleiten. Nach einer Stunde ist die Tour zu Ende.
Noch einen Tipp: Am besten kommt man in den frühen Morgenstunden oder nach 16 Uhr nach Krutyń, besser noch wochentags. Dann herrscht mehr Ruhe als tagsüber, als wir unterwegs waren.

Übernachtet haben wir auf dem Campingplatz Vagabundo in Mikolajki. Für uns war der billiger als der Stellplatz in der Stadt, wo man dazu noch abgezockt wird. Ein Fußweg führt in 10min zum Strand und in einer viertel Stunde in die Stadt.

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