A+K Weltenbummler

Reisen rund um die Welt

Northumberland Shore – Nova Scotia

Pictou ist die eigentliche Geburtsstätte von Neu Schottland. 1773 landete an dieser Stelle das Segelschiff „Hector“ mit 200 Schotten an Bord, denen nach einer Weile weitere Menschen folgten. Sie bauten Häuser aus Stein, wie zu Hause, von denen viele immer noch das Stadtbild von Pictou prägen. Ein Nachbau der „Hector“ liegt am Hector Heritage Quay. Weitere Sehenswürdigkeiten sind das Fischerei-Museum mit der Hummer-Aufzuchtstation, das Factory Outlet von Grohmann Knives und das Haus von Cunard.

Am Abend spazierten wir am Strand des „Harbour Light Campgrounds“ am Strand entlang und suchten nach interessanten Dingen. Da fiel mir ein großes Loch an der Wasserlinie auf, aus dem Blasen kamen, sobald das Wasser der Flut darüber hinweg floss. Da wir ja von den Clams erfahren hatten, grub Klaus ein Loch an dieser Stelle und holte eine gigantische Muschel heraus. Endlich können wir auch eine Clam probieren. Weitere kleine Muscheln gesellten sich dazu, später noch eine Clam, die auf dem Grund im Wasser lag. Die eine Clam war 14,5 cm breit, die andere Muschel maß 13 cm. Welch ein Erfolg. Wir kochten die Muscheln im mitgenommenen Meerwasser und buken sie in einem Teig unter anderem aus Maismehl, Knoblauch und dem Grün einer Frühlingszwiebel aus. Aber wie sich schon in den letzten 25 Jahren mehrfach herausstellte, wenn wir uns aus der Natur ernähren wollten: der Aufwand rechtfertigt das Ergebnis nicht. Von den Riesenmuscheln blieb nicht viel übrig, was man essen konnte. Lecker waren sie trotzdem.

Entlang des „Sunrise-Trails“ in Richtung Amherst erreichten wir die Lavendel-Farm in Seafoam, die leider keinen Parkplatz für unser Gespann hatte. So fuhren wir weiter nach Denmark, wo wir einen offensichtlich deutschen Fleischer fanden, der sehr gut besucht war. Verschiedene Arten von Bockwürsten, Wiener, Aufschnitt, Grillfleisch und einiges andere mehr zählten zu seinem Angebot. Dazu lagen deutsche Kräuterbonbons und Brötchen aus.
Etwas weiter steht die Sutherland Steam Mill, die 1894 gebaut wurde. Die erste Mühle, die A.R. Sutherland einige Jahre zuvor gebaut hatte, war kurz vorher abgebrannt. Der Betrieb in der seit 1975 als lebendiges Museum dastehenden Mühle wurde 1958 eingestellt, nachdem A.R. Sutherland gestorben und sein Sohn Wilfried in Rente gegangen war. Mit Hilfe von Dampf entstanden in der Mühle neben Dielen und Bohlen auch Kutschen, Schlitten, Türen, Fenster bis hin zu Spielzeug. Die Dampfmühlen lösten zu dieser Zeit auf Grund ihrer wesentlich höheren Produktivität die bisher gebräuchlichen Wasserturbinen-Mühlen, wie wir in den Great Smoky Mountains eine besichtigt haben, ab.  

Tatamagouche ist ein hübscher Ort an einer schmalen Bucht gelegen. Highlights sind hier der Creamery Square und die alte Railroad-Station. In einem der Waggons ist ein Restaurant eingerichtet, ein anderer Waggon diente der kanadischen Regierung bis Ende der 70er Jahre als Reise- und Speisewagen.
Nach unserem Rundgang durch den Ort schloss sich der Rückweg an der Bucht entlang an. Klaus fand am Ufer jede Menge schöne Austern. Leider taugten sie nicht zum Verzehr, denn Hinweisschilder wiesen darauf hin, dass alle Schalentiere in dieser Bucht kontaminiert sind. Zu schade. Am Abend, bei Ebbe rochen wir dann, was der Grund für die Kontamination sein könnte: Die schmale, ziemlich lange Bucht hat nicht genug Selbstreinigungskraft, der Schlamm riecht faulig.

In der britischen Gründung Amherst haben wir nur einen kurzen Zwischenstopp eingelegt, da uns bei der Durchfahrt die großen, alten Steinbauten interessierten. Diese waren einmal die Post oder sind heute noch das Gericht, die Kirche oder die Bank.

Cape Breton – Nova Scotia

Unser erstes Abendessen auf Cape Breton bestand aus selbst gesammelten Pfifferlingen, geräuchertem Lachs mit Ahornsirup angemacht, den wir in St.Mary´s Smokehouse in Sherbrooke gekauft haben, und dazu ein Gläschen kanadischem Sherry. Dafür hat es den ganzen Tag geregnet.

In St.Peters gibt es die einzig funktionierende Schleuse auf Nova Scotia und es ist die Einzige in ganz Nordamerika, die auf beiden Seiten 2 hintereinander liegende Schleusentore hat. Das hängt irgendwie mit dem Tidenhub zusammen, denn auf der einen Seite liegt das Meer, auf der anderen Seite der Bras d´Or Lake. Da kann schon mal der Druck auf die Schleusentore etwas höher sein.

Die Drehbrücke über diesen Isthmus ist seit 1868 schon die 4. verschiedene Ausführung. Die Europäer begannen den Bau des 800 Meter langen Kanals 1854 und er dauerte 15 Jahre. Bis dahin trugen die Mi´kmaq-Indianer ihre Kanus über den schmalen Landstrich, um zwischen ihren Winter- und Sommerlagern zu wechseln. In den 1820er Jahren bauten die Europäer, die mit den Mi´kmaq Handel trieben, zusammen mit den Mi´kmaq eine Art Straße. Über diese zogen sie dann ihre Schiffe mit Hilfe von Ochsen oder auch Menschen vom Meer zum See oder umgekehrt.
Der „Battery Provincial Park“, der direkt am Isthmus liegt, beinhaltet neben einem weit angelegten Campingplatz auch die Überreste des französischen Forts und Ports „Toulouse“ (1713 – 1758), des englischen Forts „Dorchester“ (1793 – 1798) und die Grundmauern des Anwesens des reichen irischen Händlers Lawrence Kavanagh Jr.. Das dreistöckige Haus stand 90 Jahre und beherbergte 3 Generationen der Familie.
Die Reste eines Kalkbrennofens liegen ebenfalls in der Nähe. Es ist schon merkwürdig, soviel über die Geschichte des Ortes zu wissen, an dem man sich aufhält.
St. Peters war zugleich der nördlichste Punkt dieses Reiseabschnittes unserer Rundreise durch die USA und Kanada.

Ein festes Ziel, das wir ins Auge gefasst hatten, war die Insel Janvrin. Diese Insel kennt kaum ein Tourist. Eigentlich finden nur natur- und tauchbegeisterte, meist deutsche Urlauber, dorthin. Vor über 25 Jahren kamen Arthur und Maria Vollmer aus Deutschland hierher und bauten sich eine Lodge auf. Ihr Sohn Ingo betreibt mit seiner Frau Anita seit langer Zeit eine Tauchbasis. Wir wollten bei Ihnen tauchen und sehen, wie die Unterwasserwelt vor Nova Scotia aussieht, die dank des kalten Labrador-Stromes schon arktischer Natur ist. Bis jetzt sind wir nur „Warmwasser-Taucher“ gewesen. 2 Tauchgänge am Heck des Wracks der „Arrow“, was bis zum Jahr 1970 einmal ein Tanker war, und ein Tauchgang nahe einer Insel, die Seehunden zur Ebbe einen Ruheplatz bietet, vermittelten uns einen sehr kleinen Eindruck, da wir nur 2 volle Tage dort waren. Zu den Stars am Wrack gehören ein Seewolf und ein ziemlich alter Hummer. Aber auch Seeteufel, Makrelen sowie Kelb und andere Kaltwasser-Bewohner machen das Tauchen in diesem Gebiet interessant.

Die Seehunde ließen sich leider nur aus sicherer Entfernung beobachten. Sie sind zu scheu, da sie immer noch gejagt werden. An manchen Abenden kann man ihr Geheul hören, das denen von Wölfen ähnelt.
Über Wasser konnten wir neben den allgegenwärtigen Kormoranen und Möwen auch ein Seeadlerpärchen mit seinen beiden Jungen und Basstölpel beobachten. Das war alles sehr aufregend. Die Sunset-Tour mit dem Schlauchboot war ein extra Erlebnis, bei der wir noch einmal die Seeadler-Familie, einen kleinen Delphin und die Seehunde beobachten konnten. Bei den gemeinsamen Abenden im Clubhaus oder im Pavillon am Strand werden dann bei entspannter Atmosphäre die Erlebnisse ausgetauscht. Uns hat es bei den Vollmers sehr gut gefallen.

Arichat auf der Isle Madame, zumeist von Nachkommen der Akadier bewohnt, wartet mit einer historischen, katholischen Kirche und einem alten Friedhof auf. Zwei Kanonen am Ufer berichten über die hier stattgefundenen Kämpfe der Amerikaner gegen die Engländer. 5 Werften hat es im 19.Jahrhundert in Arichat gegeben.

Eastern Shore – Nova Scotia

Endlich haben wir mal Ruhe gefunden. Auf dem „E&F Webber Lakeside Park“ in Upper Lakeville haben wir vier geruhsame Tage verbracht. Nach drei Tagen Nebel und Regen schien dann wieder die Sonne. Wir sind kostenlos Kanu (1 Nacht Campingplatz = 1 Stunde Kanuausleih) auf dem riesengroßen See gefahren, an dem direkt der Campingplatz liegt. Klaus hat ein paar Goldröhrlinge im Wald gefunden, aus denen wir eine prima Pilzmahlzeit gezaubert haben. Bei der Rundfahrt über die Halbinsel, an deren Spitze der Clam Harbour Beach liegt, haben wir 4 schöne, große, fangfrische Makrelen von einem Fischer geschenkt bekommen. Er wollte seine eben gefischten Makrelen als Köder für den Hummerfang haben. Ich bin kein Markrelenfan, aber die waren lecker, gebraten und dazu grüner Spargel.

Mit den Makrelenköpfen und -innereien fing Klaus am späten Abend 2 Aale in dem See.
Der Clam Harbour Beach heißt wahrscheinlich so, weil es dort wohl die meisten Clams (ziemlich große helle Muscheln) gibt. Wir haben leider nur leere Schalen gefunden. Die Muscheln verstecken sich im Sand. An jeder Ecke werden gebratene Clams angeboten. Die werden die nächsten sein, die wir probieren.

Auf der Muschelfarm bei Ship Harbour haben wir ein 3 kg-Netz Miesmuscheln für ganze 7,- CAD gekauft, ganz frisch geerntet. Die haben wir uns mit Sahne und Sherry schmecken lassen.
Die Krauch´s Räucherei in Tangier, in der man geräucherten Lachs kaufen kann, hat bei uns dagegen keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Auf der Weiterfahrt, bei East Quoddy, sahen wir unsere ersten Elche. Eine Elchkuh mit ihrem Kalb hielten sich in einer Lichtung zwischen Straße und Bucht auf, sonnenbeschienen und klar. Ein tolles Erlebnis.

Bei Marie Joseph legten wir eine Rast auf einem Picknick-Platz ein. Der gefiel uns so gut, dass wir uns schnell entschieden, dort zu übernachten. Dort trafen wir auf ein deutsches Ehepaar. Herr Oberdorfer hat seit langem den gleichen Traum, den wir uns jetzt erfüllen, aber sein Job und seine Frau spielen noch dagegen. Wir haben ihm ein paar Tipps gegeben und er wünschte uns eine gute und erlebnisreiche Weiterfahrt. Auf diesem Platz erlebten wir unseren schönsten Abend der bisherigen Reise. Stille, Frieden, milde Luft, Sherry und eine Kerze, die nach Melone duftet, waren die Zutaten. Um 22 Uhr zog die ISS von Südwest nach Nordost.

Am Morgen wurden wir durch das Getrappel einer Möwe auf unserem Dach geweckt und ein Kolibri besuchte uns zum Frühstück.
Nach nur ein paar Kilometern weiter überquerten wir den Liscomb-River. Auf dem dahintergelegenen Parkplatz fanden wir einen Trail, der uns entlang des Flusses führt. Im Herbst ist er voller Lachse, aber auch so liegt der Liscomb-Fluss wunderschön eingebettet in der kanadischen Wildnis. Nach knapp 10 km über Stock, Stein, Felsen, Wasserlöcher und ausgelegten schmalen Baumstämmen wollten uns unsere Beine kaum noch weiterbringen. Wenn wir gewusst hätten, was uns da auf dem Trail erwartet, hätten wir wahrscheinlich kapituliert, aber es war trotz allem ein wunderschöner Weg. Die ein oder andere Handvoll Blaubeeren lieferten einen Teil der benötigten Energie. Eine Sonnentau-Pflanze haben wir aufgespürt und Pfifferlinge zum Abend gab es noch obendrauf.

In Sherbrooke kamen die ersten Franzosen 1655 an und bauten in 160 Jahren eine florierende Wirtschaft, bestehend aus Landwirtschaft, Fischerei und Holzhandel auf. 1861 wurde der Ort vom Goldfieber erwischt. In 20 Jahren Goldabbau siedelten sich 19 Goldminenfirmen an. In dem historischen Dorf „Sherbrooke Village“ wird man in das 19. Jahrhundert zurück versetzt. Die Gebäude wurden teilweise bis ins Jahr 2000 genutzt. Auch heute noch wird hier für die Erhaltung des Dorfes produziert.

Für uns ist der Eastern Shore der schönste Abschnitt auf Nova Scotia, zudem noch wenig von Touristen besucht. Noch ein Tipp fürs Lagerfeuer: Treibholz brennt prima.

Halifax – Nova Scotia

Bevor ich jetzt über Halifax berichte, liegt mir etwas anderes am Herzen. Nachdem wir nach 5 Tagen gemerkt haben, dass wir Bier-mäßig auf dem Trockenen sitzen, haben wir festgestellt, dass es in Kanada nicht einmal Bier, geschweige denn Wein in den Supermärkten zu kaufen gibt. Wir haben bis jetzt gedacht, die US-Amerikaner haben sich so eng mit dem Alkohol, weil es dort in den Supermärkten nur Bier und Wein zu kaufen gibt. Harte Getränke bekommt man nur in den Liquor-Stores. In solch einem sind wir jetzt in Kanada gewesen und sind schockiert. Während man in den USA für eine 12er-Packung 0,33l-Flaschen Bier zwischen 10,- und 20,-$ bezahlt, sind es in Kanada zwischen 23,- und 43,-CAD ($ und CAD haben fast den gleichen Kurs zum €). Da werden wir wohl für die nächsten Wochen Abstinenz üben müssen.

Halifax ist die Hauptstadt der Provinz Nova Scotia. Sie wird als ruhig und übersichtlich beschrieben. Das trifft wahrscheinlich auch zu, wenn, ja wenn da nicht gerade ein Festival veranstaltet wird und sich die halbe Welt dort trifft. Außerdem zählt Halifax nicht weniger als 17 Hochschulen. Am Besten lässt sich die Downtown entdecken, wenn man die Hafenpromenade entlang läuft. Am südlichen Ende findet man den ältesten Farmers-Market Nordamerikas, der seit 1750 besteht, allerdings in einem sehr neuen, modernen Gebäude. Weitere Sehenswürdigkeiten sind die 2 Brauereien, das Waterfront-Warehouse, welches heute einen Pub und ein Seafood-Restaurant beherbergt, die HMCS Sackville, die im 2.Weltkrieg die Konvois der Handelsschiffe begleitete, 2 weitere Museums-Schiffe und das „Maritime Museum of the Atlantic“, in dem unter anderem Artefakte von der Titanic ausgestellt sind. Halifax sandte damals Bergungsschiffe zur Titanic, weil der Hafen am nächsten an der Unfallstelle lag. 150 Opfer des Unterganges sind auf 3 Friedhöfen in Halifax begraben.
 Über der Stadt, die an einem ziemlich hohen Hügel liegt, thront die Zitadelle, an deren Fuße seit 1803 die „Town Clock“ steht. Der Duke of Kent, Oberhaupt der Garnison von 1794 – 1800 brachte sie von England nach Halifax. 
 Die Stadt beeindruckt insgesamt durch ihre Architektur, in der die alten und neuen Gebäude, sowie die modernen Hochhäuser, Backstein und Glas, miteinander harmonieren. Dazu die in Etappen steil zum Hafen abfallenden Straßen und das Grün, uns hat Halifax sehr gut gefallen.

Upper Tantallon – Nova Scotia

Auf dem Weg nach Halifax haben wir einen Zwischenstopp bei „Acadian Maple Products“ in Upper Tantallon eingelegt. Der Nordosten der USA bis nach Kanada ist das Gebiet des Ahornsirups und wir wollten uns über dieses überaus leckere Produkt informieren. An Hand eines Videos erfährt der Besucher etwas über die Gewinnung des Ahornsaftes, aus dem, wie beim Zucker, durch langes Kochen der Ahornsirup entsteht. Aus 40 Litern Saft gewinnt man 1 Liter Sirup, der einen Zuckeranteil von um die 66% hat. So haben es die Ureinwohner schon immer gemacht und die Europäer haben es sich abgeschaut. Außer Sirup kann man so ziemlich alles mit dem Ahornsaft machen: Keksfüllungen, Pralinen, Tee, Wein, Zucker, Seife usw. Bevor man kauft, darf man probieren. Es gibt 4 verschiedene Sirups, die nach ihrer Farbe bezeichnet werden: Light, Medium, Amber, Dark. Die Farbe und Geschmacksintensitäten hängen von der Erntezeit ab. Je später im Jahr geerntet wird (Frühjahr bis Herbst), umso dunkler und gehaltvoller wird der Sirup. Durch eine Glasscheibe ist es möglich, dem Produktionsprozess zu folgen, wenn denn jemand dort arbeitet. Wir hatten einen Feiertag erwischt.

Mahone Bay – Nova Scotia

Eigentlich wollten wir in Mahone Bay nicht mehr anhalten. Noch so ein Touristenort und kein Platz für unseren Zug, dachten wir. Jedoch haben uns das Piraten-Festival an diesem Wochenende und Mahone Bay so herzlich eingeladen, dass wir den ganzen Tag und sogar noch die Nacht dort verbrachten. Den wunderschönen Übernachtungsplatz direkt an der Bucht konnten wir nicht ablehnen. Zum Nachmittagskaffee in unseren Liegestühlen meinte jemand, der gerade vorbei kam, was wir doch für ein toughes Leben führen würden.

Die halbe Stadt war als Piraten verkleidet, es gab einen Piraten-Umzug und kleine Theater-Aufführungen. In den alten Häusern an der Straße befinden sich jede Menge unterschiedlicher Läden und Lokale, sehr nett, sehr bunt und sehr offen. Der kleine Ort mit der schönsten Klein-Altstadt (laut einigen Reiseführern) kann mit 5 Kirchen aufwarten. Die erste davon wurde ab 1833 gebaut und bis in die jüngste Neuzeit mit Spenden erweitert. Die halbe Welt hat sich in die ausliegenden Gästebücher eingetragen.
 Nachdem Lunenburg nach einem Jahr Besiedelung keinen Platz mehr bot, gründete man Mahone Bay und anschließend weitere Orte in Richtung Osten, wie z.B. Chester. Fünf Familien kontrollierten das Ganze wie z.B. die des Schiffsbauers Zwicker aus Lunenburg, wo man mehrere Häuser und das Werftgebäude der Zwickers bewundern kann.

Für den Abend war ein Feuerwerk angesagt, das wir an unserem Stellplatz abwarteten. Es fand aber kein herkömmliches Feuerwerk statt, sondern offensichtlich wurde ein Stück Geschichte nachgespielt. Ein paar „Rotröcke“, wie damals die englische Armee auf Grund ihrer Uniformen bezeichnet wurde, und 2 Siedlerfrauen hielten sich den Abend lang auf einem der Piere auf. Auf Grund der Dunkelheit konnten wir nichts mehr erkennen, sahen aber immer wieder „Mündungsfeuer“ an 3 Seiten aufblitzen, dann ließen sich Kanonenschläge hören. Segelschiffe waren ebenfalls im Spiel. Da haben wir wohl etwas verpasst.

Lunenburg – Nova Scotia

Über die US 10 sind wir vom Norden Nova Scotias nach Süden gefahren und durchquerten die große Siedlung “New Germany”. Dabei kamen wir durch unendliche Wälder, fuhren an vielen Seen vorbei und hatten an einer Stelle einen schönen Blick über die Wildnis Nova Scotias. Nach unserer Erfahrung mit dem Fundy National Park haben wir den Kejimkujik National Park ausgelassen. Der Park ist zu groß, um ihn an einem Tag erkunden zu wollen.
Lunenburg wurde 1753 von Bauern und Händlern aus Deutschland, der Schweiz und Frankreich gegründet, die König George II., König von England, nach Neu Schottland geholt hatte. Hier hatten sie die Möglichkeit der freien Religionsausübung, die sie in der Heimat nicht hatten, so wie die Amish auch. Da König Georg II. gleichzeitig Kurfürst von Braunschweig-Lüneburg war, nannten die Siedler ihre Neugründung Lunenburg. Lunenburg war und ist eine Fischer- und Schiffsbauerstadt, dazu war sie 300 Jahre lang Piraten- und Schmugglernest. Die Stadt ist heute Weltkulturerbe und auf jeden Fall einen Besuch wert. Ein Spaziergang am Hafen entlang oder durch die Straßen mit den knallbunten, alten Häusern sollte man sich nicht entgehen lassen. Die Ironwork-Distillery ist eine Mikro-Destillerie, die sich in dem alten Gebäude etabliert hat, das früher als Schmiede für Schiffszubehörteile diente. Der alte Kamin steht noch, neben dem die kleine, moderne Destille aufgebaut ist. Diese wurde von einer Firma Müller aus dem Schwarzwald hergestellt. Hier entstehen aus lokalen und frischen Produkten Wodka, Rum und Liköre.

 Seit 2010 wird die „Bluenose II“ von Grund auf rekonstruiert. Die originale „Bluenose“ wurde 1921 als Fischerei-Gaffelschoner gebaut und war mit dem damals größten Großsegel ausgestattet. Auf Grund ihrer Schnelligkeit nahm sie an den Rennen des „Fisherman´s Cup“ teil, die zwischen Fischerbooten aus Nova Scotia und Massachusetts ausgetragen wurden. Die „Bluenose“ blieb 17 Jahre nacheinander unbesiegt. Als die Dampfschiffe die alten Segler verdrängten, wurde sie anderweitig genutzt, später ausgemustert. Die „Bluenose II“ wurde nach dem Original Anfang der 60er Jahre gebaut, allerdings mit einem Dieselmotor und Luxuskabinen. 2012 soll sie erneut vom Stapel laufen.
Überall, wo man erfährt, dass wir aus Deutschland sind und dass wir uns auf einer großen Rundfahrt befinden, ist man von unserem Vorhaben begeistert und heißt uns „Herzlich Willkommen“. Vor allem die Kanadier freuen sich, so weiten und individuellen Besuch zu haben.

 

 

Bay of Fundy; Annapolis Valley – Nova Scotia

Nova Scotia wird von vielen Amish, erkennbar an ihrem Lieblingszeichen, dem Stern am Haus bewohnt. Der Touristenführer spricht zudem von mehreren tausend Akadiern, die Nachkommen der ersten ab 1604 eingetroffenen Siedler aus Frankreich sind. Ursprünglich gehörte das Land jedoch den Mi´kmaq-Indianern. Diese leben heute, wie die Einheimischen überall in Amerika, abseits unserer Welt. Nur ihr Kunsthandwerk wird hier und da für viel Geld verkauft. In Museen kann man sich über sie informieren.

Wir haben bei Aylesford einen schönen Campingplatz  „Klahanie-Kamping“ gefunden. Von hier aus erkundeten wir die Küste. In dem kleinen Hafen von Harbourville soll es gute Hummer geben, aber der Laden war geschlossen. Dafür fanden wir das „Schnitzelhaus“, ein anscheinend von einem Bayern betriebenes kleines Restaurant, rustikal eingerichtet, wie wir durch die Fenster sehen konnten. Dieses kann es sich sogar leisten, von Montag bis Donnerstag geschlossen zu haben. So bekamen wir dort auch nichts. Wer Interesse hat, hat die Möglichkeit, sich direkt dort ein schönes Cottage mieten.
Die Küstenstraße Richtung Westen führte uns durch eine herrliche Landschaft mit atemberaubenden Blicken auf die Bucht, Wälder und Lichtungen.  

Unser nächster Besuch galt dem „Dempsey Corner Orchards Upick & Farm Market“, langer Name. Nach einem Rundgang über die Farm mit Blaubeeren, Himbeeren, Wein und Äpfeln sowie verschiedenen Jungtieren zum Anfassen, aßen wir die köstlichste Bier-Käsesuppe mit hausgemachten, gerösteten Brotkrumen darin, die man bekommen kann. Der Köchin, die eine gebürtige Heidelbergerin ist, wie sie uns mitteilte, aber nur ein paar Worte deutsch spricht, sprachen wir ein großes Kompliment aus. Mit der Suppe kann sie in jedem Kochwettbewerb antreten.
Hier haben wir die erste Katze gesehen, die ihre „Daumen“ noch hat. Das sah schon sehr komisch aus.

Zum Baden laden der Lake George und der Aylesford Lake etwas weiter im Landesinneren ein. Die beiden Seen haben glasklares, wenn auch ziemlich braunes Wasser und überraschten mit einer Wassertemperatur im Juli von 20 °C. Habt ihr schon einmal eine Heuschrecke gesehen, die beim Fliegen „klappert“?

Sehr viele U-Pick-Farmen laden dazu ein, sich selbst seine Früchte zu pflücken. Erdbeeren, Himbeeren, Blaubeeren, bald werden die Äpfel reif. Dann bezahlt man für die Ernte nur die Hälfte dessen, was sie sonst kosten, man hat den Spaß am Pflücken und man kann sich die schönsten und besten Früchte heraussuchen.
Zum Nachmittags-Kaffee vor unserem „Haus“ hat uns ein niedliches Streifenhörnchen besucht. Klaus hatte schon einmal eines gesehen. Das hatte mit Hühnern zusammen gefrühstückt.

Kennetcook – Nova Scotia

Da wir kein richtiges Ziel an diesem Tag erreichen konnten und keine Lust mehr hatten, weiter Küstenstraße zu fahren, weil das auf die Dauer ganz schön anstrengend und spritintensiv ist, sind wir einfach die kürzeste Strecke gefahren, die möglich war. Diese führte uns von Truro aus durch die Berge nach Windsor. In Kennetcook haben wir gehalten und ein wunderbar leckeres Softeis gegessen. Während wir aßen, spazierten wir in der Gegend herum und fanden ein paar große, alte Maschinen. In einem Schuppen standen alte Traktoren und LKWs. Ein Schild davor bat uns einzutreten und uns umzuschauen. Wir hatten die Schwelle noch gar nicht übertreten, da wurde draußen eine Maschine gestartet. Dann kam ein alter Mann auf uns zu und meinte, wir sollten uns doch seiner kostenlosen Führung anschließen. Wir gingen mit ihm in eine andere Scheune, in der schon Leute standen. Es stellte sich heraus, dass der alte Mann, seine Name ist Craig Anthony (67 Jahre), eine ganze Sammlung alter Transmissionsmaschinen hat, vom Sägewerk bis zum Dichtungsschneidgerät. Früher wurden die Maschinen mit Dampf angetrieben, heute übernimmt das ein Kompressor. Sämtliche Maschinen sind in einem sehr guten Zustand und funktionieren ausnahmslos. Einige Maschinen sind von ihm selbst, andere hat er erworben. Außerdem hat er zwei Oldtimer-Autos und andere Kleinigkeiten aus vergangenen Tagen wie Nähmaschinen, Spinnräder usw. Die anderen Gäste waren ein älteres Ehepaar und noch drei Leute. Der Mann sprach deutsch und übersetzte uns freundlicherweise einige Dinge, da wir als Deutsche vorgestellt wurden. Er und seine Frau waren Mennoniten aus Manitoba, die zu ihrem 61. Hochzeitstag, der gerade an diesem Tag war, nach Nova Scotia zum Sohn mit Frau und Tochter gekommen waren. Sie waren alle begeistert, dass sie so weiten Besuch aus Deutschland in Nova Scotia begrüßen durften. Dieser zufällige Stop war wirklich besonders.

Fundy Coast – News Brunswick

Es ist kein Joke, es ist Reality, wir haben gesehen einen Kolibri.
Die erste Stadt in Kanada, gegenüber Calais am St. Croix River gelegen,  ist Kanadas Schokoladenstadt St. Stephan. In der dortigen Tourist-Info haben wir uns Prospekte über New Brunswick, die einzige zweisprachige Provinz Kanadas, und Nova Scotia besorgt. Damit konnten wir unsere weitere Reiseplanung vornehmen. Auf dem Parkplatz, direkt am Fluss gelegen, haben wir den Abend und die Nacht verbracht. Das war so ein toller Platz, dass wir beschlossen haben, für diesen Tag nicht weiterzufahren. Dort haben wir an einer Blumenampel unseren zweiten Kolibri auf dieser Tour gesehen. Es gibt im Sommer tatsächlich Kolibris in Amerikas Norden. Das haben wir schon im Fernsehen gesehen. Es sind beeindruckende Vögel, an denen wir uns nie sattsehen können.
Genauso beeindruckend sind Ebbe und Flut, die wir im St. Croix-River beobachten konnten. Bei Ebbe liegt der halbe Fluss samt seinen Buchten trocken. Dann kommen neben interessanten Ansichten auch die hölzernen Überreste der Schiffswerft, die um die 19. Jahrhundertwende an dieser Stelle existierte, zum Vorschein. Vom  anderen Ufer her erreichte uns New Country Music von einem Open Air-Konzert. Es war ein wirklich schöner Abend.

Ein weiteres wunderschönes Ziel war der Irving Nature Park kurz vor St. John, der Hauptstadt New Brunswicks. Nach einer fast 5-stündigen Wanderung durch den Park mit aufregenden Aussichten auf die Bay of Fundy, die Küste und die Inseln in der Bucht. Ganz weit am Horizont haben wir schon Nova Scotia gesehen. Kleine braune Eichhörnchen mit weißem Bauch, exotische Vögel und sogar kleine Robben bereiteten uns viel Spaß. Zum Schluss führte uns ein Steg in die Marsch-Landschaft, wo gerade wieder einmal die Flut mit aller Macht das Ruder in die Hand nahm. Unzählige Kanadagänse reckten ihre schwarzen Hälse über die Grashalme. Die 5 Stunden vergingen wie im Flug, aber in den Beinen merkten wir sie schon. Übernachtet haben wir frei am Strand stehend, wo wir in der Dämmerung noch einen Strandspaziergang entlang des zusehends zurückgehenden Wassers unternahmen. In der Steilküste und am Strand entdeckten wir die Überreste von Häusern, die wohl mit samt einem Teil der Küste ihren Tribut an Wind und Wetter zahlen mussten.

Im Fundy National Park, südlich von Alma, gibt es jede Menge Wanderwege in fast unberührter Natur. Wenn man Glück hat, trifft man sogar auf einen Elch. Wir hatten dieses Glück leider nicht. Auf unserem Caribou Plain Trail, ein kürzerer Wanderweg, haben wir jedoch andere interessante Entdeckungen gemacht wie große fleischfressende Pflanzen in den Sumpflöchern, eine Schlange, weitere Vogelarten und ein, wie für Elche gemachter, lichter Wald. Ab und zu roch es sehr angenehm nach einem süßlichen Harz. Auf Tafeln wird der Wanderer über die heimische Flora und Fauna und deren Zusammenhänge informiert. Anschließend besuchten wir noch den wunderschönen Bennett Lake, der als einziger See im Park mit Ruder- oder Paddelbooten befahren werden und auch beangelt werden darf. Während die meisten kleinen Parks kostenlosen Zutritt bieten, haben wir für den Fundy National Park um die 17,- Dollar bezahlt.

In der Bay of Fundy gibt es den größten Tidenhub der Welt, der bis zu 16 m betragen kann. An deren Küste sind wir in New Brunswick (Neu Braunschweig) und weiter auf Nova Scotia (Neu Schottland) gefahren. Dieser große Gezeitenunterschied legt an manchen Stellen bizarr geformte Felsen frei. Bei den Hopewell Rocks hat man dann die Gelegenheit, auf dem Meeresgrund spazieren zu gehen und die Felsensockel zu berühren. Wenn man dann nach oben sieht, kann man nicht glauben, wie viel Wasser nötig ist, die Buchten wieder zu füllen. In der Bay of Fundy wird soviel Wasser benötigt, wie alle Flüsse der Welt an einem Tag in die Ozeane tragen. Unvorstellbar. Bei Hochwasser gibt es die Möglichkeit, eine Kajak-Tour um die Felseninseln herum zu unternehmen. Immer wieder bieten sich uns wunderschöne Aussichten auf und in die Buchten, wenn Niedrigwasser herrscht.

Auf unserem Weg von Amherst nach Parrsboro sind wir an riesigen Blaubeerfeldern vorbeigefahren. Natürlich mussten wir einmal anhalten und ein paar davon naschen. Groß und süß sind diese Heidelbeeren, die es in allen Varianten fast die ganze Ostküste Nordamerikas entlang gibt.
An der Küste von Partridge Island bei Parrsboro auf Nova Scotia hat das Meer 1984 die ältesten Dinosaurierknochen Kanadas freigespült. Diese kann man heute im Geologischen Museum von Parrsboro bewundern. Außerdem werden dort bis heute neben weiteren Fossilien auch Edelsteine wie Achate und Amethyste aus dem Felsen gespült. Uns beeindruckte ein weiteres Mal, wie tief das Wasser gefallen war. In einem Stellnetz, das komplett aus dem Wasser ragte, fischten Kinder die letzten gefangenen Kalmare.
Zum Abendbrot haben wir heute große, selbst gesammelte Muscheln aus einem See probiert.

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