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Marsala

Inzwischen haben wir den Westen der Insel Sizilien erreicht. Je weiter man sich nach Westen bewegt, umso windiger wird es. Die oft starken Böen sind schon manchmal unangenehm, vor allem wenn man am Strand steht oder geht.
Wir sind seit Gela immer auf der ss115 gefahren, die sich die Sud-occidentale Sicula nennt. Diese Straße führt durch abwechslungsreiche sizilianische Landschaften, mal Berge, mal Hügel und mal flach. Um die zahlreichen Flusstäler zu überqueren, wurden viele neue Brücken gebaut, die zum Teil ziemlich hoch und auch ziemlich lang sind. Manchmal fährt man aber auch durch Tunnel. Ab und zu sind, meistens auf Bergspitzen sitzend, antike Überbleibsel zu sehen.

auf dem Weg Richtung Westen

Vor allem seit Selinunte breiten sich wieder viele Weinanbaugebiete rechts und links der Straße aus. Auf der Suche nach einem Stellplatz bei Marsala stießen wir auf den Platz am Beach Sibiliano Village. Der sah sehr gut aus und mit 7,-€ inkl. Strom und Wasser wäre er auch billig gewesen. Der Platz ist für Wohnmobile bis 12m ausgewiesen, aber die Zufahrten sind wieder viel zu eng. Da hatten wir mit unseren 10m schon fast Probleme. Als wir den Platz endlich erreichten, war er geschlossen, obwohl geöffnet sein sollte. Offensichtlich ist dies schon länger so. Da wir dort keine Möglichkeit mehr zum Wenden hatten und dazu noch Diesel bei laufendem Motor verloren, mussten wir uns den nebenan liegenden Parkplatz am Strand als Stellplatz aussuchen. Da war zwar eine Kette davor, aber was sollten wir machen? Es dauerte auch nicht lange, bis der Besitzer kam und meinte, wir könnten dort nicht stehen. Er war sehr nett und als wir ihm anboten, für die Übernachtung zu bezahlen, hellte sich sein Gesicht auf. Für 5,-€ pro Nacht können wir jetzt in Ruhe stehen bleiben. Wenn wir Wasser brauchen, könnten wir uns das bei ihm holen. So haben wir eine schöne Ausgangsbasis für Ausflüge nach Marsala und Mazara.
Das Problem mit dem auslaufenden Diesel stellte sich zum Glück als minimal heraus: es hatte sich nur eine Leitung gelöst, die Klaus austauschte.
Die Sonne ging am Abend in diffusem goldenen Licht unter, welches reichlich Saharasand verursachte. Der Wind wehte heftig.

goldener Sonnenuntergang dank Saharasand

Marsala ist für seinen Wein weltberühmt. Vor allem in die englischsprachigen Staaten, allen voran USA und Australien, wird der Marsala-Wein (Portwein) exportiert. Mit Hilfe von Google Maps fanden wir die Cantine Pellegrino 1880. Sofort fuhren wir hin, um zu sehen, ob wir uns einer Führung oder wenigstens einem Tasting anschließen könnten. Wie wir erfuhren, war dies der erste Tag, an dem das Tor wieder für Besucher geöffnet ist. Im Januar war allgemein geschlossen und im Februar ist nur vormittags jeweils eine Führung möglich. Ab März gelten dann wieder die offiziellen Öffnungszeiten. Für eine Führung muss man sich jedoch anmelden, so dass wir am nächsten Morgen zu 11 Uhr noch einmal hinfahren mussten.

Besuchergebäude der Cantine Pellegrino 1880

Die Führung kostet 10,-€ pro Person und dauert ca. 1 Stunde. Im Preis enthalten sind ein Weinglas, drei verschiedene Kleingebäcke und drei Weinproben. Unsere Gruppe bestand aus einem Australier, drei Italienern und uns beiden, also sehr überschaubar. Die Führung übernahm Frau Neff, eine Bayerin, die mit einem Sizilianer aus Marsala verheiratet ist und nun selbst in Marsala lebt. Sie spricht also deutsch, englisch und italienisch. Bei unserer kleinen Gruppe kam also jeder auf seine Kosten, Fragen konnten jederzeit gestellt werden. Ob dass im Rahmen einer Reisegruppe ebenso möglich ist, wage ich zu bezweifeln.
Schon die Phönizier siedelten im 6. Jahrhundert v. Chr. in Marsala, was verschiedene Ausgrabungen zutage förderten. Im Garten der Cantine Pellegrino sind Kindergräber einer Nekropole zu besichtigen, die aus dem 2. Jahrhundert v.Chr. stammen.

Teil einer punischen Nekropole mit Kindergräbern

Dann kamen bald die Römer, die in Marsala begannen, Wein zu kultivieren. Die Engländer brachten 1833 den bis dahin sehr beliebten Portwein nach Marsala. Der erste Weinkeller für Marsala-Wein war die Cantine Florio, die am Hafen zu finden ist. Vor deren Tor sind noch Reste des Anlegers für die Transportschiffe zu sehen.

Eingangstor der Cantine Florio

Der Ursprung von Portwein liegt auf Madeira. Irgendwann brachte man die Produktion nach Porto in Portugal, wo der Wein seinen Namen bekam. Als dritte Portwein-Produktionsstätte wählte man Jerez de la Frontera in Südspanien aus, und dann kam man 1833 nach Marsala. An allen Standorten ist die Weinherstellung dieselbe. Da der meiste Wein zu Anfang in England verkauft wurde, nannte man ihn Portwein, da dort sowieso niemand wusste, von welchem Standort der Wein kam. Heute ist der Name Portwein rechtlich geschützt, so dass er also Madeira-Wein, Portwein, Sherry und Marsala-Wein heißt.

Zuerst bekamen wir erklärt, welche Trauben im Marsala-Wein verarbeitet werden. Es sind drei weiße Trauben und eine rote Traube. Die weißen Trauben heißen Grillo (eine Kreuzung Ende des 19. Jahrhunderts aus der Catarratto und Zibibbo-Traube), Inzolia (einst von den Griechen nach Sizilien gebracht), und Zibibbo (brachten die Araber mit). Von der roten Traube Nero d´Avola (die es seit dem Ende des 17. Jahrhunderts auf Sizilien gibt) hörten wir schon in Avola. Aus diesen vier Trauben werden in der Cantine Pellegrino 1880 zwölf Weine hergestellt. Zum Betrieb gehören nur 150 Hektar Weinreben, der Rest des Bedarfs wird von Genossenschaften im Raum Trapani zugekauft. Außerdem werden Moscato-Trauben (von der Insel Pantelleria) verarbeitet. Die Palette reicht aber auch von Grappa über Limoncello bis hin zu Kräuterlikör. Da findet jeder Weinliebhaber etwas für sich.

Garten mit den vier Weinsorten Marsalas

Der Wein wird also gelesen, vermostet und in riesigen Fässern gelagert, die es in verschiedenen Größen (z.B. 50hl, 65hl oder gar 110hl) gibt. Für die endgültige Reifung wird der Wein in kleinere 125l-Fässer umgefüllt. Dort bleibt er, bis er in Flaschen abgefüllt werden kann.
Bei der Führung durch die Weinlager kann man die Fässer besichtigen. Aus den großen Fässern werden dann die drei Weinproben gezapft, die zur Führung gehören. Dazu wird jeweils das richtige Kleingebäck/Schokolade gegessen.

Wein zapfen aus den Riesenfässern

Berühmt für Sizilien sind auch die kleinen, buntbemalten und mit Schnitzereien verzierten Karren, die von Eseln gezogen wurden. Vier noch originale Karren, zählen zum UESCO-Weltkulturerbe, sind für die Besucher ausgestellt. Mit den buntbemalten Karren wurden Menschen zu besonderen Anlässen gefahren. Für den normalen Betrieb, auch im Weinbau, benutzte man schlichte Karren.

traditionelle sizilianische Karren

Zu besichtigen sind ebenfalls ein Arbeitsplatz und Werkzeuge für die Küfer (Fassbau), sowie alte Fotografien.

Die Cantine Pellegrino 1880 beteiligte sich auch an der Rekonstruktion eines punischen Schiffes, welches in den seichten Salinen Marsalas gefunden wurde. Die Rekonstruktion fand direkt in einem der Weinlager statt. Das fertige Schiff steht seitdem im Museo Archeologico Regionale Lilibeo Marsala. Fotos, Erklärungen und ein paar Kopien von Teilen des punischen Schiffes zeugen an dieser Stelle von der Arbeit der Cantine.

Erinnerung an die Rekonstruktion des punischen Schiffes von Marsala

Alles in allem war dies eine sehr interessante und entspannte Führung. Im Anschluss hat man die Möglichkeit, weitere Weine zu probieren und diese auch zu kaufen. Die Preise sind recht hoch, aber dafür bekommt man etwas sehr exklusives. Alle Arbeiten bei der Weinherstellung werden per Hand erledigt, keine Maschinenarbeit. Portweine, vor allem die süßen, liegen bei uns ganz vorne.

Auswahl der Marsala-Weine der Cantine Pellegrino 1880

Eine andere Sehenswürdigkeit sind die Salinen nördlich von Marsala. Man kann von der Küstenstraße aus das Gelände überschauen, welches in viele Becken unterteilt ist, in dem sich das Meersalz durch Verdunstung sammelt. Mit Hilfe von Windmühlen wurde früher das Wasser in die Becken gepumpt. Sie sind heute nicht mehr funktionstüchtig. Salz wird aber immer noch gewonnen, wenn auch nicht in großen Mengen. Wer mehr über die Salinen wissen möchte, kann eine Führung für 7,-€ buchen.

Saline im Riserva Naturale Isole dello Stagnone di Marsala

Die Salinen, Heimat von Rosaflamingos, liegen gemeinsam mit mehreren Inseln im Naturschutzgebiet Riserva Naturale Isole dello Stagnone di Marsala. Die langgestreckte Insel Isola Grande schützt die Lagune vor den Unbilden der offenen See. Es werden Rundfahrten durch die Lagune für 5,-€ angeboten. Die bekannteste Insel ist San Pantaleo, auf der die antike Stadt Mozia (Mothia) lag. Auch sie wird mit einem Boot zu einer Besichtigung angefahren, was dann 10,-€ kostet. Unter den Phöniziern blühte die Stadt, die die gesamte Insel einnahm, zu einer sehr bedeutenden Handelsstadt im Mittelmeerraum auf. Wie viele punisch/griechische Gründungen auf Sizilien wurde auch Mozia durch die Karthager zerstört und nie wieder aufgebaut. Nur ein paar Ruinen und ein Museum erinnern an die einst mächtige Stadt.

Rosaflamingos fühlen sich in Salinen wohl

Im Infocenter erfuhren wir von einer verschwundenen punischen Straße vom Festland nach Mozia. Vor gut 2000 Jahren lag der Meeresspiegel einige Zentimeter tiefer als heute. So konnte eine Straße gebaut werden, die Mozia mit dem Festland im Bereich Birgi verband, ca. 1,7km lang und 7m breit war. Der Unterbau war ein Damm von bis zu 12,5m Breite. Die Straße wurde bis mindestens 1605 genutzt.

Festlandende der verschwundenen punischen Straße

Seit der Intensivierung des Weinanbaus im 18. Jahrhundert nutzte man die Straße dann wieder regelmäßig, und zwar mit den vorher schon erwähnten Karren. Deren Räder beschädigten die alten Steine der Straße jedoch erheblich, so dass sie irgendwann nicht mehr befahrbar war. Das ist einige Jahrzehnte her. Inzwischen liegt sie bis zu einem Meter unter Wasser, aber auf Google Maps ist sie noch zu erkennen.

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Selinunte

Selinunt ist eine Gründung um das Jahr 650 v.Chr. durch die Griechen. Wie schon Akragas, der antike Vorgänger von Agrigento, wurde auch Selinunte 406 v. Chr. durch die Karthager zerstört. Heute ist das antike Selinunt die größte Ausgrabungsstätte Europas. Das Ausgrabungsgelände befindet sich westlich des heutigen Marinella di Selinunte. Der Besuch des weitläufigen Areals kostet 6,-€ pro Person. Da wir schon so viele griechische Ausgrabungsstätten gesehen haben, ließen wir diesen Besuch aus. Von Marinella aus sieht man auf dem benachbarten Cap die Ruinen des Tempels C. Ansonsten ergibt sich nirgendwo eine Möglichkeit, auch nur einen kleinen Blick auf das Gelände zu werfen.

Reste des Tempels C auf der Akropolis von Selinunt

Die Reiseführer werben mit schönen Sandstränden, welche Marinella di Selinunte haben soll. Der Ort ist recht nett, gepflegt und hell, aber weder Strand noch der kleine Hafen laden zu einem Spaziergang ein. Jetzt im Winter stapelt sich das Seegras am Strand, überall liegt Müll herum und der kleine Kai für die Fischerboote im Hafen hat das Zeitliche gesegnet und ist zur Hälfte im Wasser verschwunden.

Marinella di Selinunte

Im Ortszentrum ist noch zu sehen, dass es einmal einen Bahnhof gab. Überreste der beiden Gleise und Bahnsteige wurden erhalten, sind aber mit der Zeit überwuchert. Das Bahnhofsgebäude und der Wasserkran sind ebenfalls noch da, ansonsten wurde alles mit einem großen Park-/Marktplatz überbaut.

Reste des Bahnhofs

Für eine Nacht stehen wir sehr ruhig auf der Piazzale delle Metobe, kostenlos. Zwischen dem Platz und den angrenzenden Wohnhäusern ragen auch noch ein paar kleine Ruinen aus dem Gestrüpp.

Agrigento Umgebung

Siculiana: Dies ist ein nettes Städtchen westlich von Agrigento. Wie viele der alten Städte breitet sich auch Siculiana auf einem Hügelrücken aus, mit dem Santuario del Santissimo Crocifisso als Blickfang. In dessen Nachbarschaft nimmt das beeindruckende Castello Chiaramonte aus dem 14. Jahrhundert einen großen Raum des Felsplateaus ein. Es ist wohl immer noch im Privatbesitz der gleichnamigen Familie. Es beherbergt ein kleines Museum und stellt Räumlichkeiten für Hochzeiten usw. zur Verfügung.

Eingang zum Castello Chiaramonte

Es macht Spaß, durch die kleinen Gassen zu spazieren, die manchmal so steil sind, dass da nur Treppen weiterhelfen. Hier und da lassen die Gassen Blicke auf das umliegende Land zu. Das kleine Heimatmuseum oben auf der Bergspitze war bei unserem Besuch geschlossen.

Eingang des Heimatmuseums von Siculiana

Schöne An- und Aussichten bieten auch der Platz zwischen dem Uhrturm und der Katholischen Kirche sowie der große Platz vor dem Rathaus mit einer Aussichtsplattform in Richtung Meer.

Santuario del Santissimo Crocifisso vom Rathausplatz aus gesehen

Ebenfalls einen kleinen Abstecher wert ist die Siculiana Marina. In der Antike gab es dort einen Naturhafen, der heute nicht mehr genutzt wird und verlandet ist. Der kleine Ort ist eher ein Ferienort, aber sehr hübsch gelegen und von Felsen überragt. Im Norden schließt sich eine Kalksandstein-Steilküste an.

Siculiana Marina

Auf der Rückfahrt über den Lido Rosello wollten wir nicht die Überlandstraße fahren, sondern eine kleine Küstenstraße. Damit hatten wir uns wieder auf ein Abenteuer eingelassen. Google Maps hatte damit kein Problem, aber die Straße war eher eine Ansammlung von Löchern, manchmal gänzlich unbefestigt oder gar als Sackgasse endend, kurz gesagt: eine Katastrophe. Diese Straße ist jedoch Zufahrtsstraße zu vielen, zum Teil neuen Grundstücken. Wir möchten nicht jeden Tag dort entlang fahren müssen, nicht einmal mit einem Geländewagen.

Felsformation irgendwo zwischen Siculiana Marina und Rosello

Der Besuch von Punta Secca lohnt eher nicht. Die kleine Siedlung ist komplett neu, mit einem im Winter geschlossenen Großbad, wie sie überall in Italien üblich sind. Trotzdem gibt es zwei Pluspunkte für Punta Secca: die von Bohrmuscheln durchlöcherten Kalksteinbänke am Strand und der Blick auf die Steilküste mit dem Torre di Monterosso.

Bohrmuschellöcher im Kalkstein der Küste

Der fast winzige Ort Lido Rosello, auch fast nur aus Ferienwohnungen bestehend, ist sehr schön in einer Bucht gelegen, von hohen weißen und grauen Kalksteinsteilwänden umgeben. Rosello ist zwar klein, besitzt jedoch ein eigenes Amphitheater, das Teatro Costabianca. Ob es schon zu griechischen Zeiten an dieser Stelle solch ein Theater gab oder ob dieses hier nach dem alten Vorbild neu gebaut wurde, wissen wir nicht. Jedenfalls bietet es 1500 Zuschauern Platz, denen in den Sommermonaten Musicals und Theateraufführungen geboten werden.
Auf dem westlichen Felsen steht der Leuchtturm. Der Zugang ist geschlossen, trotzdem ist es als Fußgänger inoffiziell möglich, den Weg nach oben zu benutzen. Der Berg an sich ist ein Naturreservat. Vom Aussichtspunkt unterhalb des Leuchtturms kann man wunderbar auf die Bucht von Rosello blicken, auch auf das Teatro Costabianca. Im Hintergrund ist die Scala dei Turchi zu sehen.

Baia di Rosello

Wir hatten einen Tipp bekommen, die Vulcanelli di Macalube bei Aragona, nördlich von Agrigento zu besuchen. Das sind kleine Schlammvulkane, die mich sehr interessierten. Leider verunglückten 2014 zwei Kinder in einem der Schlammlöcher tödlich. Seitdem ist der Zugang geschlossen und ein Zaun verhindert das Betreten. Es ist also nichts zu sehen, denn das Zentrum der Schlammvulkane liegt tiefer als die umgebende Landschaft.

Vulcanelli di Macalube sind leider dauerhaft geschlossen

Aragona: Die Stadt selbst ist auf unserer Karte als besuchenswert gekennzeichnet. Leider können wir das nicht bestätigen. Nur die Altstadtgassen sind etwas steiler und zahlreicher als anderswo.

Straße in Aragona

Inzwischen wechselten wir auf den Stellplatz Punta Piccola Park, acht Kilometer die Küste Richtung Westen weiter. Damit befinden wir uns zwischen Porto Empodocle und der Scala dei Turchi. Es sind nur zwei Kilometer Fußweg am Strand entlang, bis zu der wunderschönen Kalksteinformation, die zu den schönsten Zielen Siziliens zählt.

toller Stellplatz direkt am Meer

Um diesmal einen besseren Winkel zum fotografieren des Felsens zu bekommen, balancierte ich auf einer Kalksteinzunge, die ins Meer hinein reicht. Genau dort habe ich meinen eigenen Stein gefunden. Wenn das nichts ist.

ein Stein mit meinem Namen am Fuße der Scala dei Turchi

 

Valle dei Templi – Agrigento

Seit Anfang Januar haben wir auf Sizilien wechselhaftes Wetter mit Sonne, Regen und Sturm. Die Temperaturen liegen um die 10 Grad, nur selten auch mal bei 15 Grad. Wir müssen jeden Tag die Heizung laufen lassen. Auf unserer Spanien-Rundreise vor zwei Jahren geschah dies nur zweimal im halben Jahr.

In Agrigento wollten wir auf einem Truck-Parkplatz frei stehen, aber der existiert nicht mehr. Also müssen wir wieder auf einen Campingplatz. Der Camping Valle die Templi in San Leone lockt seine Gäste mit einem Angebot: 100,-€ für 7 Nächte. Zudem stehen wir geschützt vor den oft starken Winden. In Agrigento und Umgebung gibt es einiges zu sehen, außerdem sind einige Regentage im Anmarsch, so dass die 7 Tage Aufenthalt in Agrigento gut angelegt sind.

San Leone unterhalb von Agrigento

Das Highlight in Agrigento ist das Tal der Tempel, das Valle dei Templi, gerade 2,5km vom Campingplatz entfernt. Es ist das größte Ausgrabungsgebiet einer griechischen Stadt, sie hieß Akragas, außerhalb Griechenlands. Seit 1997 wurde es von der UNESCO zum Weltkulturerbe der Menschheit erklärt. Für 10,- Eintritt bekommt viele Tempel zu sehen, die zum Teil noch gut erhalten sind. Aber auch antike Grabanlagen verschiedener Arten sind zu besichtigen.

Der Besuch des Archäologischen Museums kostet noch einmal 5,-€, der Lageplan des Geländes kostet zusätzliche 1,20€. Museen mit griechischen Artefakten haben wir auf unseren Reisen inzwischen genug gesehen. Google Maps ersetzt den Lageplan. Der Besuch des Außengeländes ist jedoch ein Muss für alle, die sich für griechische Kultur begeistern. Wir betraten das Gelände durch das Tor V, aber es gibt mehrere Tore, die den Eingang ermöglichen.

Die Stadt Akragas wurde im 6. Jahrhundert vor Chr. gegründet. Die griechische Zeit dauerte vom 4.-2. Jahrhundert vor Chr. Das Ausgrabungsgelände erstreckt sich ca. 2km entlang eines Sandsteincliffs. Am westlichen Ende steht der Dioskuren- oder Kastor und Pollux-Tempel, der einst aus drei Teilen bestand. Die Rekonstruktion einer Tempelecke aus dem lokalen Sandstein stammt aus dem Jahre 1836.

Dioskuren- oder Kastor und Pollux-Tempel

Auf dem Weg nach oben passiert man das Tor V, die ehemalige Porta Aurea. Die Stadt wurde durch eine Mauer geschützt, die sich teilweise direkt am senkrecht abfallenden Cliff entlang zog. Heute ist nichts mehr davon übrig. Nur noch ein Durchgang zeugt davon, dass es hier einmal ein Stadttor gab.

Als nächstes kommt man zum Zeus-Tempel, der eine Fläche von 56,3×112,7m einnahm und der größte Tempel auf Sizilien war. Es ist kaum mehr zu erkennen, was wo dazugehört. Eigentlich sind es nur noch große Steinhaufen. Einige Wasserbecken sind zu erkennen, sowie zwei stark zerstörte, liegende Figuren (Kopien), den sogenannten Telamonen. Diese 8 Meter hohen Figuren stellten die von Zeus unterjochten Naturgewalten dar. Sie stützten zusammen mit den Säulen des Tempels die Dachkonstruktion. Die originalen Statuen sind im Museum zu besichtigen.

Telamon im Zeus-Tempel

Der Unterbau des Stufenaltars, auf dem Tiere wie Schafe oder Ochsen den Göttern geopfert wurden, ist noch recht gut erhalten. Allerdings soll dieser Altar einmal 180m lang gewesen sein, so dass bis zu 100 Ochsen gleichzeitig geopfert werden konnten.

Unterbau des Oferaltars des Zeus-Tempels

In der näheren Umgebung sind weitere Wasserbecken, Brunnen und Grundmauern zu erkennen. Über eine neue Brücke, unter der die heutige Straße verläuft, erreicht man die höhergelegenen Teile der Ausgrabungsstätte. Als nächstes steht man vor dem Herkules-Tempel. Acht wieder aufgerichtete Säulen vermitteln eine wage Vorstellung von der Größe des Tempels.

Herkules-Tempel

Zwischen dem Herkules-Tempel und dem Cliff ist der Verlauf der antiken Straße zu sehen, mit tiefen Rillen durch die Wagenräder. Hier ist auch zu erkennen, dass im Laufe der Jahrtausende Erdbeben und Erosion stark an dem Felsen genagt haben, denn die Straße hört am Abhang auf. Es fehlt ein ganzes Stück der Felskante.

antike Straße entlang der Tempel

Nun folgt die Villa Aurelia aus dem 19. Jahrhundert, die im Stil des alten Griechenland erbaut wurde. Hinter dem dazugehörigen Grundstück wurde eine Nekropole aus den 5./6. Jahrhundert ausgegraben. Wahrscheinlich siedelten die nachrömischen Einwohner aus dem Tal im 9. Jahrhundert auf den Felsen um und überbauten die Nekropole. So fand man Gräber und die Grundmauern einer nachrömischen Siedlung an einer Stelle. Auch hier ist wieder zu sehen, dass ein ganzes Stück des Felsens abgebrochen ist.

hier befand sich eine Nekropole und eine Siedlung, im Hintergrund der Concordia-Tempel

Jetzt folgt der nächste große Tempel, der Concordia-Tempel. Er ist einer der besterhaltenen Tempel der gesamten griechischen Welt. Dies ist der Tatsache zu verdanken, dass die Christen den Tempel im 6. Jahrhundert in eine Kirche umfunktionierten. Normalerweise zerstörten sie alles heidnische, nicht so den Concordia-Tempel. 1748 restaurierte man den Tempel dann und er bekam sein heutiges Aussehen. Das er einmal eine Kirche war, ist an der Innenwand mit den Bogenfenstern zu erkennen.

Concordia-Tempel

Auf dem Weg zum obersten Punkt des Ausgrabungsfeldes, auf dem der Tempel der Hera Lacina oder Juno-Tempel steht, sind antike Grabhöhlen, zu finden. Es ist eine römische Nekropole, die aus der byzantinischen Zeit stammt. Leider stehen auch hier nur noch die Vorderfronten, alles andere ist ins Tal gestürzt. Die römisch-griechischen Einwohner von Akragas beerdigten in den ausgehöhlten Felsnischen, arcosolia genannt, ihre Toten.

Grabnischen – arcosolia – römische Nekropole

Als letztes auf dem fast zwei Kilometer langen Weg steht der Juno-Tempel. An dessen Fuß befand sich das Stadttor III, durch welches die antike Straße in Richtung Concordia-Tempel und Herkules-Tempel verlief. Die tiefen Wagenrad-Spuren verraten das.

antike Straße durch das Stadttor III

Der Juno-Tempel stammt ebenso aus dem 5. Jahrhundert v.Chr. und sah wohl einmal wie der Concordia-Tempel aus. Fünf Stufen führen zum Tempel hinauf, der in drei Räume unterteilt war. Nach mehreren Rekonstruktionsetappen, seit dem 18. Jahrhundert, ragen heute wieder ein paar Säulen in den Himmel. An der östlichen Seite des Juno-Tempels sind die Reste des Opferalters zu sehen, die typisch waren.

der Juno-Tempel

Von hier oben aus überblickt man das gesamte Ausgrabungsgelände auf dem Felsrücken, im Hintergrund die heutige Stadt Agrigento im Blick. Das heutige Agrigento breitet sich auch auf einem Bergrücken aus, nur eine Etage höher als in der Antike.

Blick über das Grabungsfeld Valle dei Templi vom Tor III bis zum Concordia-Tempel

Zum Gelände gehören aber nicht nur Ruinen, sondern auch ein paar endemische Ziegen. Man weiß nicht, ob die Griechen oder die Araber diese aus Nordafghanistan stammenden Ziegen eingeführt haben. Sie leben inzwischen schon so lange hier, dass sie eine eigene Art ausgebildet haben. Sie haben ein weißes Fell mit braunen Flecken und lange flache, spiralförmig gedrehte Hörner.

die Ziegen gehören schon ewig zum Gelände

Nach soviel Steinen und Geschichte kann man sich im kleinen Restaurant stärken, bevor man noch einmal eine vorchristliche Nekropole passiert. Sie dehnt das Tal der Tempel im einige Meter aus und war vom 3.-6. Jahrhundert nach Christus in Betrieb. Die mehr als 130 in den Fels gehauenen Grabkammern haben verschiedene Formen in verschiedenen Sektoren. Zu dieser Nekropole gehört die sogenannte Grotta Fragapane. Es ist eine Art Familiengruft, für die eine alte griechische Zisterne umfunktioniert wurde. Leider ist diese nicht zugänglich.

frühchristliche Gräber

Zum Gelände gehört auch das griechisch-römische Viertel. Das Ausgrabungsfeld befindet sich etwas abseits des Hauptwegs, an der nordwestlichsten Ecke. Wir haben leider das Hinweisschild zu diesem Weg nicht gesehen, aber man kann auch von außerhalb durch den Zaun sehen und eine Vorstellung von der Ausgrabung bekommen. Auf der anderen Straßenseite befindet sich das regionale archäologische Museum.

griechisch-römisches Viertel

Das war genug für einen Tag, aber ich wollte die restlichen Tempel auch noch sehen und machte mich auf eine Wanderung. Diese startete am Tomba di Terone, dem Grab des Theron. Es war einmal eine Art Turm, dem heutzutage die Spitze fehlt. Zu besichtigen ist das Grabmonument nicht, wie auch die anderen Tempel und Anlagen, die ich auf dieser Tour besuchten wollte.

Grab des Theron

So setzte ich meinen Weg fort. Der Straße nach Agrigent folgend, hinter dem regionalen archäologischen Museum auf einen inoffiziellen Fahrweg abbiegend. Das Hinweisschild zur Villa San Marco weist den weiteren Weg. Auf dieser Ecke liegt ein Parkplatz und gleich nebenan sind wieder alte Grundmauern zu finden, leider ohne Kommentar.
Der Weg zur Villa San Marco führt durch Mandel- und Olivenbäume. Zu dem Moment war ich noch der Meinung, die Villa San Marco sei eine römische Villa, aber es ist ein Ferienhaus inmitten von Plantagen, mit Blick auf das alte griechische Fort auf dem benachbarten Hügel.

auf diesem Hügel breitete sich einst ein griechisches Fort aus

Immer weiter ging ich den Weg und kam etwas später an der Eisenbahnlinie heraus. Dort stehen zwei geschlossene Tore. Sie führen auf das Museumsgelände oder zum Garten Kolymbethra. Kolymbretha ist griechisch und bedeutet Swimmingpool. Die Anlage liegt in einem Tal zwischen dem Kastor- und Pollux-Tempel sowie dem Hepheistos- oder Vulkan-Tempel. Das Tal haben wir von oben schon gesehen, nur leider ist der Zugang ausgerechnet im Januar geschlossen, warum auch immer. In der Antike beschrieb man das Tal als das irdische Paradies, in dem Orangen, Zitronen und Mandeln gediehen. Wasser gab es im Überfluss, denn es wurde bei Regenfällen von den umliegenden Bergen über 18 Kanäle in das Wasserbecken geleitet und dort gesammelt. Vielleicht gab es noch weitere Zisternen. Heute bildet das abgeschlossene Tal einen eigenen Mikrokosmos mit seltenen Pflanzen. Zitronen-, Mandarinen- und Orangenbäume gibt es heute immer noch und verströmen ihren Duft, der zwischen den Steilwänden eingeschlossen ist.

Garten Kolymbethra

Mit den geschlossenen Toren zum Garten Kolymbethra hatte ich mein Hauptziel verfehlt. Na ja, da bleibt ja noch der Hepheistos- oder Vulkan-Tempel. Kurz nachdem ich die Bahnlinie unterquert hatte, stand ich vor einem weiteren geschlossenen Tor. Oh nein, bis hierher hatte ich schon 2km Weg hinter mir. Ich wollte auf keinen Fall wieder zurück, da sah ich, dass der Zaun niedergetreten war. So nahm auch ich diesen Weg an der Bahnlinie entlang, die, wie sich herausstellte, wohl stillgelegt ist. Direkt an der Bahnstation steht der besagte Tempel. Er ist nicht groß und stammt, wie die meisten Tempel in Valle dei Templi, aus dem 5. Jahrhundert v.Chr. Der Name Vulkan-Tempel entstammt wohl einer Legende, nach der der Gott Vulkan hier gewesen sein soll. Wahrscheinlich gab es an dieser Stelle einmal eine Schwefelquelle.

Hepheistos- oder Vulkan-Tempel

Auf dem Weg zurück zum Campingplatz blieb noch der Besuch des Esceplios-Tempels übrig. Um dorthin zu kommen, nahm ich den Weg entlang der Straße unterhalb des Felsencliffs mit den großen Tempeln des Valle dei Templi.

der Concordia-Tempel von der Straße unterhalb gesehen

Irgendwann biegt ein Fahrweg zum Tempel ab und schon stand ich wieder vor einem geschlossenen Tor. Von dort aus konnte ich nicht einmal ein Foto machen, denn die sichtbaren Tempelreste stehen zu weit weg.

Im gesamten Tal der Tempel wurden 20 Tempel ausgegraben, dazu Wohngebäude und Nekropolen. Es ist ein einzigartiges Gelände, unter dem wahrscheinlich noch viel mehr Grundmauerreste begraben sind.

La Scala dei Turchi

Westlich von Porto Empodocle, am Punta Grande, locken die spektakulären Cliffs aus weißem Kalkstein. Die Scala dei Turchi passen nicht in das an der Küste übliche Bild. Hier hat die Natur etwas ganz besonderes geschaffen. Vom Aussichtspunkt ein paar hundert Meter westlich des Cliffs hat man einen schönen Blick auf die weiße Felsnase. Sie ist allerdings nur bei Sonnenschein gleißend weiß, sonst erscheint sie in fahlem Grau.

La Scala dei Turchi vom Aussichtspunkt gesehen

Scala die Turchi heißt übersetzt „türkische Treppe“. Der Name kommt von einer Legende. Die Schiffe marodierender Araber und Türken fanden in der Bucht mit den weißen Felsen einen schützenden Hafen. Über die natürliche treppenförmige Felsformation erreichten sie die oberhalb liegenden Dörfer und die Stadt Realmonte.

aus der Reihe gefallen

Es gibt keinen direkten Weg nach unten, sondern der Zugang muss östlich des angrenzenden Strandes genommen werden. Von dort aus, es sind einige Stufen nach unten zu steigen, ist es ein Fußweg von etwa 300 Metern zur türkischen Treppe. Der Felsen darf betreten werden und so zieht es viele Touristen dort hinauf. Schon der Anblick der weißen treppenförmigen Felsformation ist unglaublich, die ganz oben von gelbbraunem Sandstein gekrönt wird. Dort wo die Treppe nicht betreten werden kann, ist die sehr interessante Struktur des Felsen sichtbar. Ansonsten haben die Tritte der Touristen den Kalkstein glatt geschliffen.

Naturerlebnis türkische Treppe

Dieser Ort ist so schön, dass man sich kaum wieder von ihm trennen kann. Wenn man die Stufen, die man zum Strand hinunter kam, wieder hochgestiegen ist, wartet ein kleines Café auf den Besuch. Von dessen Terrasse kann man noch einmal die Aussicht über das Meer genießen, allerdings ohne türkische Treppe.

Nach diesem Erlebnis ist ein kleiner Abstecher nach Porto Empodocle empfohlen. Die Stadt sieht recht neu aus. Sie besteht aus einer Unter- und einer Oberstadt. Porto Empodocle ist heute der Hafen von Agrigento. In der Antike hatte diese Funktion der heutige Ort San Leone inne, wo wir auf dem Campingplatz stehen. Der Hafen von Porto Empodocle ist wenig sehenswert, aber von hier starten Fähren zu den vorgelagerten Inseln Lampedusa und Linosa.

am Hafen von Porto Empodocle

Am Hafen steht auch der Torre Karl V., einer der Verteidigungstürme an der sizilianischen Südküste. Dieser hier wurde rekonstruiert und hat ein besonderes Extra. Im 2. Weltkrieg baute man auf das Dach des Turmes einen MG-Bunker. Ob der im Ernstfall seinen Dienst auf einem Turm aus Mauerwerk tun konnte?

Torre Karl V. mit Bunker obendrauf

Die Fußgängerzone von Porto Empodocle, Via Roma, ist dagegen recht nett und im Sommer sicher ein Anziehungspunkt. Bronzeplastiken, Treppen mit Fliesen belegt, nach dem Beispiel der Scala di Caltagirone, die Kirche und die Wohnhäuser mit ihren netten Balkonen säumen die Allee zwischen ihnen.

Eckensteher Klaus mit Unbekanntem

Zwischen der Scala dei Turchi und Porto Empodocle wurden die Überreste einer römischen Villa ausgegraben. Die Villa Romana di Durrueli stammt aus dem 1. Jahrhundert. Das Gelände ist zwar geschlossen, aber von der Straße aus sind die Ruinen zu sehen.

Villa Romana di Durrueli

Auf dem Rückweg nach San Leone kauften wir in einem der Fischläden eine Sepia, um ein Rezept aus dem sizilianischen Kochbuch nachzukochen. Der Verkäufer meinte zwar, er wolle die Sepia küchenfertig machen, aber wir konnten ihm nicht beibringen, dass wir die Tintenblase in heilem Zustand brauchten. So nahmen wir sie im Ganzen mit. So eine Sepia kann man nur zurecht machen, wenn man genug fließendes Wasser hat, ist also nix für Camper außerhalb eines Campingplatzes.

frische Sepia naturell

Es war unsere erste Sepia, die ein Gewicht von fast 1,2kg hatte, also recht groß. Im Internet sagt man, dass sich die Tintenblase zwischen den Tentakeln befindet. Das Heraustrennen des Kopfes mit den Tentakeln war schon eine schwierige Aufgabe. Um die großen Augen herauszubekommen, musste ich mit dem Messer herangehen. Das Entfernen des Schnabels war dann leichter. Als ich bei der Arbeit war, kam der benachbarte Camper. Als er sah, was ich dort veranstaltete, wünschte er mir ganz höhnisch „viel Spaß“.
Nun mussten die Innereien aus der Tube. Hier dachte ich dann, dass die Tintenblase schon im Laden entfernt worden wäre. Das war ein Irrtum. Bei dem Versuch, die Innereien herauszubekommen, zerstörte ich die Tintenblase und eine unendliche Schweinerei nahm ihren Lauf. Ich konnte noch soviel Tinte retten, dass es für zwei Portionen reichte. Nun hatte ich alles auseinander und spülte die Tintenfischteile unter fließendem Wasser ab, was echt schwer war, denn die Tinte hatte sich überall und in alle Ritzen verteilt. Als letztes musste die Haut abgezogen werden. Bei den Kalmaren, die wir einmal zubereiteten, war dies ganz leicht. Anders bei der Sepia. Nachdem ich den Schulp, das Rückgrat der Sepia entfernt hatte, fiel die Tube zusammen, was das Enthäuten nicht gerade erleichterte. Am Rücken blieb also nur noch eine Haut übrig, die ich herausschnitt. Nach gefühlten drei Stunden war die Sepia dann endlich küchenfertig und konnte für unser Rezept „schwarze Spaghetti mit Tintenfisch“ verwendet werden. Ich weiß nicht, ob ich das noch einmal machen würde. Es war echt eine Schweine-Arbeit.

Caltagirone

Auf unserer bisherigen Reise durch Sizilien sahen wir inzwischen schon eine Menge schöner Städte, aber wir finden, dass der Besuch von Caltagirone ein Muss ist. Wie die meisten alten Stadtkerne liegt auch der von Caltagirone auf einer Bergspitze. Die Stadt gehört zu den spätbarocken Städten wie Ragusa, Noto oder Scicli und ist ebenfalls UNESCO-Welterbe.

Schon die Anfahrt von Gela aus ist spannend, denn der größte Teil der Strecke führt durch eine dünn besiedelte Berglandschaft. Kurz hinter Gela kommt man aber erst noch an der Burgruine Castelluccio di Gela vorbei. Fast auf gleicher Höhe kreuzt man eine Linie von MG-Bunkern aus dem 2. Weltkrieg, der wir schon auf dem Weg nach Gela begegnet sind. Dann wird es einsamer. Auf der linken Straßenseite erhebt sich eine karge Karstlandschaft, in der man sich in Kroatien wähnt. Sieht man nach rechts, kommt man sich wie in Irland vor, mit zerklüfteten grünen Bergketten und saftigen Weideflächen.

Caltagirone erreicht man dann am oberen Ende der Stadt. Oberhalb der Kirche Santa Maria del Monte ist ein kleiner kostenloser Parkplatz. Der ist ein guter Startpunkt für die Stadtbesichtigung. Vom Vorplatz der Kirche Santa Maria del Monte blickt man über einen Teil der Unterstadt.

Blick vom Vorplatz der Kirche Santa Maria del Monte

Um dorthin zu gelangen, steigt man die berühmte Treppe von Caltagirone, die Scala Santa Maria del Monte, herunter. Das Besondere an dieser Treppe? – Jede Stirnseite der 142 Stufen wurde mit handgemalten Keramikfliesen belegt, die immer andere Motive zeigen. Keine zwei Stufen weisen das gleiche Motiv auf. Die Treppe wurde 1606 gebaut, aber erst 1954/55 bekam sie ihr heutiges Aussehen.

handgemalte Keramikfliesen an der Scala Santa Maria del Monte

Am Ende dieser Treppe liegt die Piazza Municipio mit dem Rathaus. Daneben befindet sich die Stadthalle. Neben einem kleinen Café wird an berühmte Bürger der Stadt gedacht, von der Antike an. Das Innere der Halle wurde wunderschön mit bunten Keramikfliesen oder -mosaiken gestaltet.

in der Stadthalle

Folgt man der Scala Santa Maria del Monte weiter nach unten, folgen weitere Treppen, bis man die Ponte San Francesco, eine Bogenbrücke aus dem 17. Jahrhundert erreicht. Rechts und links des gesamten Weges kann man typische Keramik aus Caltagirone kaufen. Die Stadt ist die Keramikhauptstadt Siziliens, und das ist überall zu sehen. Schon im 15. Jahrhundert war Caltagirone für seine Töpferkunst berühmt. Getöpfert wurde an dieser Stelle jedoch schon seit der Jungsteinzeit.

Ponte San Francesco

Die Ponte San Francesco mit der Via Roma, auch wieder mit Keramikfriesen und -wappen geschmückt, führt nun zur Diözese von Caltagirone. Das Kloster beherbergt ein Museum zu seiner Geschichte. Zum Kloster gehört die Kirche San Francesco d`Assisi aus dem 18. Jahrhundert. Von deren Eingang aus hat man einen schönen Blick in Richtung Oberstadt mit der Ponte San Francesco im Vordergrund. Spätestens jetzt sagt man sich, dass Caltagirone die wohl schönste Stadt Siziliens ist. Man ist einfach begeistert von der barocken Architektur, den Treppen, den Brücken, der Keramik und den vielen schönen An- und Aussichten. Manchmal kommt es sogar vor, dass man gleich drei Kirchen in einem Blickfeld hat. Kirchen hat Caltagirone jedenfalls genug. Das ist jedenfalls jetzt unsere Meinung. Mal sehen, was uns auf der restlichen Strecke um Sizilien herum erwartet.

Blick von der Kirche San Francesco d`Assisi zur Oberstadt

Wer auf farbenfrohes und schmackhaftes Kaffee-Gebäck steht, der wird in der Escalier-Bar an der Piazza Municipio fündig. Das Kilo kostet zwar 30,-€, aber das ein oder andere Häppchen sollte man sich dort schon gönnen. Schließlich braucht es einiges Gebäck, um auf ein Kilo zu kommen. Dazu ein Kaffee und alles ist gut, bis man die Treppen der Scala Santa Maria del Monte wieder hinauf steigen muss, um zum Parkplatz zu kommen. Wenn man sich dabei noch einmal mit der Vielfalt der handbemalten Keramikfliesen beschäftigt oder sich in einem der Keramikläden umsieht, merkt man kaum, dass man schon oben angekommen ist.

leckeres Kaffee-Gebäck in der Escalier-Bar

Für Keramik-Begeisterte sei ein Besuch des Regionalen Keramikmuseums Caltagirone empfohlen.

Den Rückweg nach Gela nahmen wir über die kleine Stadt Niscemi. Die Straße von Caltagirone nach Nescemi ist ebenfalls wunderschön. Zuerst ragt das mit 40 Metern Höhe drittgrößte Kreuz der Welt in den Himmel. Es ist einige Kilometer südwestlich von Caltagirone zu finden, westlich der Gemeinde Crescimanno.

drittgrößte Kreuz der Welt bei Caltagirone

Manche Eisenbahn-Bogenbrücke ist auf der Strecke auszumachen. Der Weg durch oder über dem Valle delle Ferla ist traumhaft.

Abgesehen von der Piazza Vittorio Emanuele mit seinen zwei großen barocken Kirchen hat Niscemi wahrscheinlich nicht mehr viel zu bieten. Trotzdem ist sie besonders, denn während man sich in all den anderen sizilianischen Altstadtlabyrinthen schnell verläuft, ist Nescemi im Schachbrettmuster angelegt. Dies erleichtert die Orientierung ungemein.

Piazza Vittorio Emanuele in Niscemi

Der Grund, weshalb wir die Stadt besuchten, war der Aussichtspunkt Terrazzo del Belvedere. Seit Januar 1997 erlebt man an diesem Punkt eine der schönsten Aussichten Siziliens.

Aussichtspunkt Terrazzo del Belvedere

 

 

Gela

Gela stand nicht auf unserer Zielliste auf Sizilien, war aber ein guter Ausgangspunkt für den Ausflug nach Caltagirone. Wir übernachteten auf dem Parkplatz vorm Gericht am östlichen Stadtende. Dort befindet sich auch eine große Raffinerie. In der Umgebung von Gela, und vor der Küste, wird nach Öl gebohrt. Pferdekopfpumpen, Bohrmaschinen und Molchstationen gehören zum Landschaftsbild.

Erdölpumpen

Die Stadt selbst lädt nicht gerade Gäste ein, denn sie zeigt sich ziemlich dreckig. Man kann kaum drei Schritte gehen, ohne durch vom Winde verteilten Müll zu laufen. Das trifft auch auf die Umgebung zu. Viele Parkplätze oder Ausbuchtungen an Straßen sind Müllabladeplätze. Wind und streunende Hunde nehmen diese Haufen dann gerne auseinander. Im Hafenbecken zeigt sich das gleiche Bild. Wenn man ins Wasser schaut, wird einem übel, so dass wir den Hafen bald wieder verließen.
Das ist nicht das Einzige: als Fußgänger hat man es echt schwer in Gela. Während Autos auf den Fußwegen geparkt sind, soweit überhaupt welche vorhanden sind, oder Kneipen den Fußweg als Erweiterung ihres „Reviers“ missbrauchen, müssen die Fußgänger auf der Straße laufen. Sind dann mal Fußwege nutzbar, ist es eher ein Hindernislauf, weil man ständig tiefergelegte und schräge Auffahrten passieren muss.

Fußwege, die keine sind

Trotzdem hat Gela, welches sich auf dem Kamm einer hohen Dünenkette hinzieht, einige interessante Ziele. Nur die Altstadt reicht bis an den Strand heran.

Altstadt Gela

Vor allem die alten Griechen haben in Gela ihre Spuren hinterlassen. Da wären z.B. die Akropolis, an die das Archäologische Museum angeschlossen ist, und das griechische Thermalbad, das 1967 entdeckt wurde. Genau über diesem Bad steht heute das Krankenhaus, so dass nur wenig ausgegraben werden konnte.

Griechisches Thermalbad

Wenn man auf der Hauptstraße Corso Vittorio Emanuele auf dem Dünenkamm unterwegs ist, sieht man ab und zu durch die Gassen, wie tief die angrenzende Landschaft im Vergleich liegt. Dabei kommt man irgendwann an der Kirche Santa Maria Assunta vorbei.

Kirche Santa Maria Assunta

Noch weiter im Westen erreicht man einen schönen Park, den Gemeinschaftsgarten Villa Comunale Guiseppe Garibaldi. Er bietet einen guten Aussichtspunkt mit Blick hinüber zur Altstadt und zur Küste. In der Nachbarschaft steht ein Kirchenkomplex mit der riesigen Statue Madonna delle Grazie auf dem Dach.
Unterhalb des Aussichtspunkts sind noch Reste des unteren Gemeinschaftsparks zu erkennen, die jedoch vollkommen überwuchert sind. Eine englische Treppe verband einst die beiden Parkteile.

im Gemeinschaftsgarten Villa Comunale Guiseppe Garibaldi

Am Strand unten legte man eine schöne Promenade an, an der sich Geschäfte und Restaurants reihen. Der Pier, der weit ins Wasser ragt, ist anscheinend wegen Baufälligkeit gesperrt. Auch ein ehemaliges rundes Strandrestaurant, einst wohl abgebrannt, glänzt nur noch als Ruine.

Promenade von Gela

Es ist echt schade, dass Gela, mit soviel Potenzial ausgestattet, ein so trauriges Bild abgibt. Da wirkt das moderne Gerichtsgebäude, vor dem wir stehen, wie aus der Zukunft.

Gerichtsgebäude von Gela

Commissario Montalbano

Wir haben diese Krimiserie sehr gerne gesehen, weil das Wetter immer so toll ist, die Farben strahlen, die Schauplätze sehr einladend sind und vor allem, weil der Commissario mit seiner gelassenen, sizilianischen Art ziemlich fesselnd ist.
Durch die Reiseplanung erfuhren wir, dass die meisten Drehorte zwischen Ragusa und Marina di Ragusa im Südosten der Insel zu finden sind. Da wir einige Wochen in diesem Gebiet verbringen, Punta Braccetto, blieb uns genug Zeit, einige der Schauplätze anzusehen.

Über das Castello di Donnafugata haben wir schon berichtet. Das Schloss ist in der Serie der Sitz des Mafiabosses Sinagra, ein Widersacher des Commissario Montalbano.

Einige Szenen entstanden in Ragusa, wo seitdem einige Straßen und Einrichtungen in Montalbano umbenannt wurden. Sehenswert ist vor allem Ragusa Ibla, die Altstadt, die auf einer Bergspitze thront. An vielen Stellen fallen die Felsen fast senkrecht ab. Den besten Blick auf Ragusa Ibla hat man vom Vorplatz der Kirche Maria delle Scale, die am Rande des neuen Ragusa steht.

Ansicht von Ragusa Ibla

In Ragusa Ibla beginnt man am besten den Bummel an der Piazza Duomo. Er ist abschüssig und an seinem oberen Ende steht der barocke Dom. Durch die erhöhte Lage sieht er noch beeindruckender aus. Eine große Treppe führt zum Hauptportal, doch das Tor davor ist geschlossen. Der Zugang zum Dom befindet sich seitlich, links die Treppe hinauf. Das Innere ist schön hell gestaltet und nicht zu protzig.

Domplatz von Ragusa Ibla

Wie viele Städte im Osten Siziliens wurde auch Ragusa durch das schwere Erdbeben 1693 stark zerstört. Im 18. Jahrhundert baute man die Altstadt im Barockstil wieder auf, wenn auch nicht so imposant wie Noto. Seit 2002 gehört die Stadt zum UNESCO-Welterbe. Trotzdem macht es Spaß, durch die Gassen zu schlendern. Bei unserem Besuch, es ist sehr kalt für sizilianische Verhältnisse und Ragusa liegt auf 520 Meter über dem Meer, blies eine eiskalte Brise durch die Stadt.

Brunnen waren im Barock ein wichtiges Stilelement


Vom Domplatz führt der Corso XXV. Aprile hinunter bis zum Garten „Giardino Iblea“. Dabei kommt man an neueren und alten Gebäuden vorbei. Teilweise wurden alte Stücke, die aus den Trümmern des Erdbebens geborgen wurden, in die neuen Fassaden integriert. Das fanden wir eine sehr gute Idee. Viele Souvenirläden, Spezialitätengeschäfte, Kneipen und jede Menge Kirchen säumen die Hauptachse Ragusa Iblas.
Ziemlich am unteren Ende des Corso XXV. Aprile, rechts in einer Gasse versteckt, ist die Trattoria „La Rusticana“ zu finden. Der Eingang ist sehr alt, dahinter sieht alles neu und modern aus. In diese Trattoria kehrt Commissario Montalbano manchmal ein.

Trattoria „La Rusticana“

Der Garten „Giardino Iblea“ bildet den unteren Abschluss Ragusa Iblas und besetzt eine Felsnase hoch über dem Fluss Irminio. Vom Balkon des Gartens blickt man weit in das Tal hinein. Man spaziert durch eine Palmenallee oder durch kleine Wege, an Brunnen und einer Kirche vorbei.

Giardino Iblea

Am besten stellt man das Auto unterhalb der Altstadt ab und erklimmt dann den Felsen über Treppen und Aufgänge. Durch einige unscheinbare Tore betritt und verlässt man Ragusa Ibla.

Eine schöne Fahrradtour hat man entlang der Küste zwischen Punta Secca und Marina di Ragusa. Man kann sie aber auch bis nach Sampieri erweitern. Da wäre zuerst der Torre Scalambri in Punta Secca, der seit 1593 an dieser Stelle steht. Er diente als Verteidigungsturm gegen die Türken, Sarazenen und andere potenzielle Angreifer, die über das Meer kamen. Der Turm gehört zu einer Kette mehrerer Verteidigungstürme. Nach mehrmaligen Renovierungen beherbergt der Torre Scalambri heute ein kleines Café.

Torre Scalambri

Gleich gegenüber steht das Montalbano-Haus, in dem der Commissario in der Serie wohnt. Eine herrliche Terrasse direkt über dem Strand lädt zum Träumen in ruhigen Stunden ein. Allerdings muss der Commissario irgendwo anders schwimmen gehen, denn direkt vor dem Haus ragen viele Felsen aus dem Wasser heraus. Ungetrübtes Schwimmvergnügen geht da nicht.
Das Montalbano-Haus ist in der Realität ein 3-Sterne-Ferienhaus. Im Winter ist es wohl verlassen, denn die Fensterläden sind alle geschlossen.

Casa di Montalbano

Das kleine Örtchen Punta Secca ist sehr hübsch. Es besitzt einen kleinen Hafen, einen Leuchtturm und eine kleine Promenade.

Nun muss man auf die Durchgangsstraße zurück, um bald darauf erneut auf eine kleine Küstenstraße, Lungomare Delle Anticaglie, zurückzukehren. Hier befinden sich mehrere kleine Ausgrabungen, die zur Anlage Camarina gehören. Es waren wohl Wohngebäude. Die meisten von ihnen wären spätestens jetzt im Meer versunken. Einige der Grundmauern wurden freigelegt und säumen die Küstenstraße rechts und links.

Ausgrabungen alter Grundmauern

Weiter geht es durch die Ortsteile Caucana und Santa Barbara nach Marina di Ragusa. In Santa Barbara wurde ein toller Fahrradweg angelegt. Der angrenzende Fußweg ist mit kleinen Buchten versehen, von denen aus man das Ambiente genießen kann. Strand gibt es hier allerdings keinen, sondern nur Sandsteinfelsen, welche den Zugang zum Wasser nicht eben erleichtern.

Santa Barbara

Marina di Ragusa war der Hafen für die im Landesinneren liegende Stadt Ragusa. Heute tummeln sich hier Boote und Yachten im Hafenbecken, welches 2004 neu gestaltet wurde. Alles ist hell und freundlich angelegt und lädt zum Bummeln ein. Über die Promenade, am langen Sandstrand entlang, erreicht man das Zentrum von Marina di Ragusa. Sonntags ist es sehr voll, denn dann sind die Einheimischen in der Stadt unterwegs. Wochentags ist man fast alleine in den Gassen. Da kann man ganz gemütlich auf dem Platz am Torre Cabrera zu Kaffee und Eis einkehren und in der Sonne sitzen.

Torre Cabrera in Marina di Ragusa

In Donnalucata, einem größeren Urlaubsort, ist jetzt im Winter nichts los. Es ist auch nicht wirklich viel zu sehen. Zwischen der Altstadt und dem Meer hat man eine neue breite Promenade angelegt. Der kleine Hafen mit den zwei begrenzenden Molen ist wohl eine Fehlkonstruktion, denn es wird jede Menge abgestorbenes Seegras hinein gespült, welches sich am Ende des Hafenbeckens sammelt. Boote sind da keine zu finden. Der benachbarte lange Sandstrand liegt verlassen da.

Promenade von Donnalucata

Sehr zu empfehlen ist dagegen das kleine ehemalige Fischerdorf Sampieri. Der Ortskern ist wirklich winzig, aber alles strahlt in hellem Sandstein. Die neue Promenade ist sehr hübsch und es stehen sogar Bänke zum Ausruhen und Auf-das-Meer-schauen bereit. In der Ferne ist die alte Ziegelei zu sehen. Dazwischen liegt der Strand von Sampieri, an den eine kleine Wanderdüne grenzt.

ehemaliges Fischerdorf Sampieri

Teile von Sampieri dienen in der Serie Commissario Montalbano als Drehorte. Ein sehr bekannter Schauplatz ist die alte Ziegelei Fornace Penna (im Film alte Thunfischfabrik „Mannara“), deren Besuch vor allem für Baubegeisterte interessant ist. Das Hauptgebäude besteht gänzlich aus weißem Kalkstein. Hohe, schlanke und mehrstöckige Bogenwände lassen staunen. Die Decken existieren nicht mehr und der Verfall der schönen hohen Wände ist auch nur noch eine Frage der Zeit. Von 1909 bis 1912 erbaut, musste die Ziegelherstellung schon im Januar 1924 eingestellt werden. Die Folgen einer Brandstiftung waren so schwerwiegend, dass die Fabrik nie wieder aufgebaut wurde. Heute ist sie ein Objekt der Industriearchäologie.

alte Ziegelfabrik bei Sampieri

Zum Komplex gehört ein kleines Nebengebäude, welches ebenfalls eine Ruine ist. Dies war der Maschinenraum u.a. mit zwei Hammermühlen. Beeindruckend ist der doppelwandige, gemauerte Schornstein mit einer Höhe von 41 Metern. Auf jeden Fall ist es eine schöne Anlage, die nahe der felsigen Kalksteinküste steht.

Ein anderes Ziel, eigentlich das Herz in der Montalbano-Serie, ist die wunderschön gelegene Stadt Scicli, einige Kilometer von der Küste entfernt. Wenn man auf der Straße aus Westen nach Scicli kommt, gibt es eine Stelle, an der man einen herrlichen Blick auf die zwischen mehreren Berghängen eingeklemmte Stadt hat. Es scheint, als würden die Gebäude rund um das Zentrum hilfe- und lichtsuchend an den Hängen hochklettern. Daher werden auch in Scicli viele Höhenunterschiede mit Treppen überwunden.
Das Rathaus im Zentrum von Scicli dient in der Montalbano-Serie als Polizeiwache, also die Arbeitsstätte des Commissario Montalbano.

Rathausplatz von Scicli

Gleich nebenan steht die Kirche San Giovanni Evangelista. Hinter der barocken Fassade verbirgt sich ein sehr attraktives Inneres. Während die meisten Kirchen auf Sizilien eher schlicht ausgestattet sind, besticht diese Kirche durch reiche, filigrane Malereien und Stuckarbeiten in Weiß, Blau und Gold. In der Mitte des Deckengewölbes prangt ein ovales Gemälde.

Innenraum der Kirche San Giovanni Evangelista

In der gleichen Straße, gleiche Seite, nur ein paar Häuser weiter, findet man die Antica Farmacia. Die Apotheke ist an die andere Seite des Rathausplatzes umgezogen, aber die alten Räumlichkeiten existieren noch, seit 2014 als Museum. Auch diese alte Apotheke spielt eine Rolle in der Montalbano-Serie.

Antica Farmacia

Schon in der Antike ein wichtiges Zentrum, erfuhr Scicli 1693 das gleiche Schicksal wie alle anderen Städte im Osten Siziliens. Heute gehört die Stadt wie Ragusa, Modica und Noto zum UNESCO-Welterbe. Der Anteil der Barockbauten ist zwar etwas geringer, aber ein Besuch ist unbedingt empfehlenswert. Ein schönes Detail, welches das Stadtzentrum auflockert, ist der noch nicht so sehr alte, ausgemauerte Kanal, der teilweise überbaut ist. Bevor es diesen Kanal gab, haben nach starken Regenfällen ungebändigte Wassermassen große Zerstörungen in der Stadt angerichtet.

Kanal als architektonisches Detail

 

 

Büffelfarm bei Santa Croce

Fast zwei Tage und Nächte lang stürmte es mächtig. Dazu kamen immer wieder Regenschauer vom Himmel, so dass man kaum vor die Türe gehen konnte. Das Heulen des Windes wuchs sich echt zum Psychoterror aus. Das war nicht lustig. Was soll man an solchen Tagen machen? Da der Wetterbericht meinte, dass es heute um die Mittagszeit doch besser werden sollte, wollten wir einer Empfehlung nachgehen, die wir von Maria und Michael bekommen hatten – die Büffelfarm „Azienda Agricola Magazzé“. Wir hatten zwar schon eine Wasserbüffelfarm in Siponto, südlich der Halbinsel Gargano, besucht, aber dort wurden nur Käseerzeugnisse aus Büffelmilch angeboten.

Die Farm Magazzé befindet sich etwas nördlich von Santa Croce. Als Besucher kann man die Wasserbüffel sehen, im Hofladen Käse, Wurst und Fleisch kaufen, und im Restaurant probieren. Vom Hofladen aus kann man bei der Käseherstellung zusehen. Wir hatten leider Pech, die Tagesproduktion war gerade beendet worden.

Wasserbüffel

2005 bauten zwei Züchterbrüder, die das Geschäft schon in 4. Generation machen, die Büffelfarm hier auf Sizilien auf. Sie fanden an dieser Stelle optimale Bedingungen und wirtschaften im Rhythmus der Natur. Die Jahreszeiten und Gegebenheiten bestimmen die Zucht. Es gibt keine künstlichen Eingriffe.
Die Büffel bieten auch in dieser Farm keinen schönen Anblick. Da sie Nässe mögen, geht es eben sehr dreckig auf dem Gelände zu.

So kehrten wir zum Mittagessen in das Restaurant ein. Aus Berichten wussten wir, dass das komplette Menü für 23,-€ pro Person, welches dort angeboten wird, sehr reichhaltig und kaum zu schaffen ist. Deshalb versuchten wir, dem Kellner klarzumachen, dass wir gerne nur kleine Probierportionen hätten. Da der kein Deutsch oder Englisch verstand, holte er eine Angestellte, mit der wir uns auf deutsch verständigen konnten. Es kam heraus, dass es in diesem Restaurant nur dieses eine Menü gibt. Wir einigten uns dann dahingehend, dass einige Komponenten weggelassen werden und wir für 20,-€ pro Person verschiedene Käsesorten und zwei Fleischgerichte bekommen.
Zum Menü gehören weiterhin Hauswein, Wasser, Brot, ein Dessert und ein abschließendes Getränk wie Kaffee, Limoncello oder Grappa. Sogar die sonst übliche Serviersteuer ist enthalten.
Die Vorspeise besteht aus einem großen Mozzarella sowie zwei weiteren Käsesorten, eingelegten Tomaten und Oliven, außerdem einigen Scheiben Büffelsalami. Allein die Vorspeise hätte uns schon vollkommen gereicht. Als Hauptgericht stehen Ofenkartoffeln, Gulasch und dünne gegrillte Fleischscheiben auf dem Tisch. Das Büffelfleisch ist sehr fein im Geschmack. Man sieht nur an der Maserung, dass es Rindfleisch ist. Es war das erste Mal, dass wir Wasserbüffelfleisch probierten.

Für das Dessert, zwei Mandarinen und je zwei Cannoli, eine typisch sizilianische Süßspeise, war dann so gut wie kein Platz mehr im Magen. Die Cannoli, die wir schon in Castelmola probiert hatten, sind kleine Waffelröllchen, mit Büffel-Ricotta oder Büffel-Milchcreme gefüllt.
Als abschließendes Getränk entschieden wir uns für den Grappa als Absacker, den wir nach diesem reichhaltigen Menü mehr als nötig hatten. Wie wir mitbekamen, gehören zum normalen Menü auch noch Pizza und wer weiß was noch.

Nach dem guten „Gelage“ vertraten wir uns die Beine, indem wir ein wenig durch die Umgebung liefen. Halbhohe Kalksteinmauern umgeben die verschiedenen Grundstücke, die hauptsächlich als Weideland für die Rinder dienen. Frisches Grün und Kräuter bilden einen schönen Kontrast zu dem Weiß der Mauern und dienen gleichzeitig als bestes Viehfutter. Von mancher Stelle aus konnten wir sogar das Castello di Donnefugata sehen.

sehr schön anzusehen, aber offensichtlich nicht genießbar

Für Womo-Freunde: Die Farm bietet auch einige Stellplätze mit Strom, Wasser und WC an. Die Anfahrt sind 500m Singleway, aber machbar. Einen Preis können wir leider nicht sagen.

Scoglitti

Das traurigste Beispiel für die Überfischung des Mittelmeeres, das wir je auf unseren Reisen gesehen haben, ist der Fischmarkt in Scoglitti. Der Fischmarkt soll zwar jeden Tag stattfinden, aber fröhliche Gesichter sieht man nirgendwo. Bei unserem Besuch war es sogar so, dass es mehr Kunden als Fische und Meerestiere gab. Jeder Fischer, der mit seinem kleinen Boot wahrscheinlich nach stundenlanger Arbeit in den Hafen zurück kam, konnte nur ganz wenige Kilo Fisch oder Tintenfisch (meistens Jungtiere) zum Fischmarkt beitragen. Wenn jemand Glück hatte, der kam mit einem knapp halben Eimer Fisch oder Meerestiere zurück. Einer der Fischer hatte gerade eine Sepia und zwei sehr kleine Rochen dabei. Davon kann niemand leben. Dabei fahren inzwischen überhaupt nur noch die wenigsten Boote, die im Hafen liegen, zum Fang auf´s Meer hinaus.

Fischmarkt am Hafen

Bei früheren Fischmarktbesuchen rund um das Mittelmeer wurde uns schon jedes Mal das Herz schwer, weil mit jedem Jahr, das verging, mehr Babyfische verkauft wurden. Wie soll sich der Fischbestand denn erholen, wenn keine Fische mehr da sind, die sich fortpflanzen können? Das Ergebnis wird immer deutlicher.

Da wir keinen Fisch kaufen konnten, spazierten wir nur etwas durch Scoglitti. Ein großer Strand gehört zur Stadt. Eine sehr lange Mole und eine lange Hafeneinfahrt schützen den kleinen Hafen. Es ist zu sehen, dass die Mole einmal verlängert und verstärkt wurde. Das Wetter muss wohl hier manchmal echt schlimm werden.

Leuchtfeuer am Molenkopf

Am Südende von Scoglitti liegt eine kleine Wanderdüne. Überhaupt ist die Gegend um Scoglitti sehr sandig, fast wüstenartig. Die Bewohner an der Küste müssen ständig gegen den Sand kämpfen. Die Düne ist sehr klein, daherkommt kein großes Wüstengefühl auf, wenn man sie erklimmt.

kleine Wanderdüne bei Scoglitti

Es gibt noch eine zweite, größere Wanderdüne, die sich längs in das Landesinnere vorarbeitet. Sie ist, von Punta Braccetto kommend, vor dem archäologischen Museum Camarina zu finden.

Am Vorabend erlebten wir einen der schönen Sonnenuntergänge über den Ruinen des Torre Vigliena. Sie stehen auf dem Kap, welches unseren Strand im Norden abschließt.

Sonnenuntergang über den Ruinen des Torre Vigliena

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