A+K Weltenbummler

Reisen rund um die Welt

San Marino

Vor ungefähr 20 Jahren besuchten wir auf einer Durchreise den Stadtstaat Republik San Marino schon einmal. Ich hatte noch einige Bilder von diesem Besuch im Kopf. Beim heutigen Besuch konnte ich jedoch nichts mehr von dem finden, an das ich mich erinnerte. Von daher war ich froh, dass wir noch einmal nach San Marino fuhren.
San Marino gründet sich auf eine kleine christliche Gemeinde im 3. Jahrhundert n.Chr. auf dem Berg Titano am Rand des Appenninengebirges. Frieden und Demokratie bestimmen seither das Leben der Einwohner, bis in unsere heutige Zeit hinein. Die älteste Republik, so klein sie auch ist, nimmt eine wichtige Rolle im Europarat ein. Was Korruption und Vetternwirtschaft ausschließt ist die Tatsache, dass seit 1243 zwei Kapitäne (amtierende Staatsoberhäuptern) die kleine Republik regieren. Das jedoch nicht über Jahre, sondern ganze sechs Monate lang. Jedes Jahr am 1. April und am 1. Oktober erfolgt die prunkvolle Amtseinführung der neuen Kapitäne, nach immer noch dem alten gleichen Protokoll.

Super-Aussichten aus 739m Höhe

Von Riccione aus, südlich von Rimini, wählten wir zuerst die kleine Straße durch die ursprüngliche Landschaft der Küstenregion nach San Marino. Bis kurz vor dem Ziel ist die Landschaft noch flach, steigt dann leicht an. Bald kommt ein Bergrücken in Sicht, auf dem drei Türme auffallen, zwei davon mit zugehörigen Gebäuden. Sie stehen direkt am Rande einer Steilwand. Darunter breitet sich eine Ortschaft aus. Ein schönes Bild. Wie sich herausstellte, gehören die Türme zur Stadt San Marino. Von nun an geht es steil bergauf, in Serpentinen, also mit dem Wohnmobil wenig zu empfehlen.

Turm 1, der höchstgelegene

Auf dem Parkplatz 2 stellten wir den Smart ab, für 1,-€ pro Stunde. Von dort aus sind es nur ein paar Schritte bis zum Stadttor von San Marino. Hat man dieses passiert, wandelt man durch das Mittelalter. Wege und Gassen, bergauf, bergab, Treppen dazwischen, Häuser aus Kalkstein gebaut, Aussichten vom Feinsten auf das bergige Umland und zur Adria. Ganz oben thront eine kleine Festung. Souvenirläden, Cafés, Restaurants und Läden aller Art laden mit Preisen, die auf Grund des Steuervorteils in San Marino Spaß machen, zum Kaufen ein. Es kommt sicher vor, dass man dabei zu dem ein oder anderen San Marino-Euro kommt. Hier findet jeder etwas zum mit nach Hause nehmen. Es macht Spaß, durch die alten Gemäuer und lauschigen Ecken zu spazieren. Wer möchte kann auch eines der Museen besuchen, wie z.B. das Museum der Kuriositäten oder das Foltermuseum.

unteres Tor von San Marino

Die Rückfahrt nach Rimini ist weniger aufregend als die Fahrt durch das „Hinterland“, aber weniger steil. Wer mit dem Wohnmobil unterwegs ist, sollte diese Straße nach San Marino nehmen.

Den mondänen Badeort Rimini hatten wir damals ebenfalls besucht. Es war ein Schock, denn hohe, schrillbunte Holzzäune versperrten den Blick auf den Strand und das Meer. Der Zutritt kostete Geld. Die Liegen und Sonnenschirme standen so dicht beieinander, dass man die Liegen kaum nach der Sonne ausrichten konnte. Um etwas vom Wasser zu sehen, musste man sich durch die Liegen und Sonnenschirme kämpfen. Das war absolut furchtbar.

Rimini im Herbst

Inzwischen sind die Zäune der 150 Strandabschnitte abgebaut. Von Liegen und Sonnenschirmen keine Spur mehr, zumindest jetzt im Herbst. Man hat wieder Luft zum atmen. Der kilometerlange, sehr breite Strand ist verwaist. Anders als vor zwanzig Jahren, als man die Strandstraße noch nach beiden Seiten befahren konnte, ist sie heute nur noch Richtung Norden benutzbar. Will man Richtung Süden, muss man die Parallelstraße hinter der ersten Häuserreihe nehmen, welche die Einkaufsstraße ist.

Nett bummeln lässt es sich auch in Riccione, wo wir übernachtet haben.

Cesenatico

Zwischen Ravenna und Rimini liegt das schicke Hafenstädtchen Cesenatico. Es ist ein ganz besonderer Ort, denn den kleinen Hafen in der Altstadt hat 1502 niemand geringeres als Leonardo da Vinci entworfen. Im Kanal, der die Altstadt durchfließt und an dem der kleine Hafen liegt, dümpeln die alten Segelboote. Schön bunt bemalt erinnern sie an die ruhigen Zeiten vor dem Tourismus. Früher als Handelsschiffe genutzt, liegen sie heute fest vor Anker.

die alten Schiffe im Kanal von Cesenatico

Links und rechts des Kanals reihen sich Kneipen und kleine Läden. Was uns ziemlich nervt, seit wir in Italien unterwegs sind, ist, dass ausgerechnet zu der Zeit, in der wir unterwegs sind, die meisten Kneipen und Läden geschlossen bleiben. Ab der Mittagszeit bis zum Nachmittag ist Siesta, da bieten nur wenige Geschäftsleute ihre Dienste an. Das nur einmal am Rande.
Die alte Fischhalle öffnete für uns erst wieder um 16 Uhr. Bis dahin spazierten wir zum Leuchtturm am Ende des Kanals, wo sich wieder die rechteckigen großen Netze finden, die nur ins Wasser hinabgelassen und wieder hochgezogen werden. Diese sahen wir unterwegs von Comacchio bis nach Cesenatico immer wieder an vielen Kanälen, die die Küstenregion durchziehen. Der anschließende Besuch in der Fischhalle lohnte sich eher nicht. Den Großteil des Angebotes machen viel zu kleine Fische aus. Knurrhähne, Seezungen, Rotbarben usw. werden schon im „Kindesalter“ aus dem Meer gefischt. Wie soll da etwas nachwachsen?

Blick zum Leuchtturm

Um von einer Seite zur anderen des Kanals in der Altstadt zu gelangen, kann man zwei Brücken oder die kleine Fähre am „Porto Leonardo“, benutzen. Auf der rechten Kanalseite kommt man irgendwann an einem großen gelben Eckhaus mit weißen Fenstern vorbei. Dies ist wohl das Haus, in dem Leonardo da Vinci entweder gewohnt oder sich nur als Durchreisender aufgehalten hat. Ein Bild, welches ihn bei seiner Planungsarbeit am Hafen darstellt, erinnert daran.

Porto Leonardo

Unser Womo haben wir auf dem Area Comunale in Pinarella stehen, kostenlos. Pinarella ist ein Badeort wie viele an der Küste der Emilia Romagna. Jetzt im Herbst ist fast alles geschlossen, die Orte wirken wie ausgestorben. Die Straßen und Strände gehören wieder den Einheimischen.

Am Strand von Pinarella haben wir Herzmuscheln gesammelt, die dort in Massen gestrandet sind. Wir haben sie uns als Abendbrot schmecken lassen. Hier geht es zum Rezept für die selbstgemachten Herzmuscheln.

Po-Delta

Kaum hatten wir den Stellplatz im Delta des italienischen Flusses Po erreicht, empfing uns das Wetter mit einem ausgewachsenen Sturm und Regen, welches stundenlang und bis tief in die Nacht anhielt. Deshalb mussten wir unseren gerade begonnenen Rundgang durch den Fischereihafen von Goro-Gorino, dem wir einen Besuch des gleichnamigen Ortes anschließen wollten, schnell wieder beenden.
Wir stehen direkt zwischen dem Po-Goro und der Lagune am südlichen Deltarand. Durch den Sturm stieg der Wasserpegel schnell und drückte noch mehr Wasser durch die enge Schleuse zwischen beiden Gewässern, an der wir stehen. Es wurde etwas beängstigend. Müssen wir den schönen Stellplatz gleich wieder verlassen und tiefer ins Landesinnere, nach Goro, umziehen? Ein Auge hielten wir immer auf das Wasser gerichtet. Am nächsten Morgen schien wieder die Sonne.

Unwetter über dem Po-Delta

Das Po-Delta ist die Heimat von Nutrias. Eine Gruppe von ihnen lebt kurz vor Goro-Gorino an einen Wasserloch. Mal schwimmen sie, mal fressen sie das satte Grün am Wasserrand. Sie sind sehr scheu und lassen sich nur aus der Entfernung fotografieren. Die nahe an ihnen vorbeifahrenden Autos stören sie dagegen nicht. Nutrias haben wir jedoch überall gesehen, wo Wasser in der Nähe ist. Leider werden viele von ihnen hier im Park des Po-Delta überfahren.

Nutrias

Das Po-Delta wird stark landwirtschaftlich genutzt. Von Möhren, Rüben und Salat bis hin zu Haselnüssen wird auf dem fruchtbaren Boden manches geerntet. Jetzt im Herbst sind aber die meisten Felder umgepflügt. Deshalb sind kaum noch Vögel im Delta unterwegs, außer den üblichen vier Reiherarten (Grau-, Silber-, Seiden-, Kuh-), Möwen, Elstern und ein paar Singvögeln. Im Ebro-Delta ist da schon mehr los um diese Jahreszeit.
Goro und Gorino sind zwei ruhige Orte. Hier hat man Zeit, hier regiert die Natur. Nur in den zwei großen Häfen sieht man so etwas wie Geschäftigkeit. Allerdings fragt man sich, angesichts der unzähligen Fischerboote: Was fangen die? Soviel Fisch kann es im Po und der Lagune gar nicht geben. Viele Boote haben Ausrüstung zum Muschelfang dabei. Vor allem Miesmuscheln und Venusmuscheln werden in den Lagunen gezüchtet. Im Sommer werden Bootstouren zu den Muschelbänken angeboten.

Von unserem Stellplatz im Fischereihafen von Gorino sehen wir einen Leuchtturm. Leider ist dieser nur mit einem Boot zu erreichen. Wir fuhren über eine Behelfsbrücke kurz vor Gorino über den Po-Goro. Diese Behelfsbrücke kostet für PKWs 2,50€ Zoll pro Überfahrt und basiert auf mehreren Betonschiffen, die nebeneinander im Po-Goro liegen. Mit lautem Gerappel, die meisten Bohlen sind lose, erreichten wir das andere Ufer und folgten der Straße auf dem Damm, bis zu deren Ende. Den Rest bis zur Po-Mündung in die Adria muss man zu Fuß gehen, allerdings mit Hindernissen und nassen Füßen am Po-Ufer entlang. Auf den letzten 50m stapelt sich das Treibholz meterhoch, so dass das Ufer der Adria unerreichbar bleibt. Einen schönen Blick auf den Leuchtturm hat man trotzdem.

Mündung des Po-Goro

Comacchio ist die heimliche Hauptstadt des Po-Deltas und war im Mittelalter ein erfolgreicher Handelshafen. Die großen Erwerbszweige sind hier das Salz und der Aal. Die Salzproduktion begann schon in der Antike, als die Etrusker die Stadt Spina gründeten, deren Reste in der Nähe von Comacchio ausgegraben wurden. Schon Spina war ein wichtiger Handelshafen. Die Etrusker, an denen man nicht vorbeikommt, wenn es um Italien geht, legten die Salinen an, die über die Jahrhunderte bis 1985 genutzt wurden. Dann wurde die Produktion eingestellt und die Natur bekam ihr Recht zurück. Nur wenige kleine Salzbauern gibt es noch. Flamingos sollen hier brüten, aber im Moment sind sie nicht da.
Die Lagunen von Comacchio sind ebenso Lebensraum der Aale, wenn sie aus der Sargassosee, östlich von Florida im Atlantik, kommen. In der Zeit von Oktober bis Dezember ziehen die Aale wieder dorthin zurück. Seit Jahrhunderten werden die Aale dann mit Hilfe von Schrankensystemen aus Holz und Weidenruten in den Kanälen gefangen. Es gab viele dieser Schrankensysteme im Delta. Die dazugehörigen Bauwerke, Wohn- und Arbeitsraum der Fischer, sind heute meist nur noch Ruinen. Aale gibt es kaum noch, deshalb ging auch dieser Erwerbszweig auf ein Minimum zurück. In der Manifattura dei Marinati, der Fischfabrik, auch Haus des Aales genannt, kann man sich auf die Spuren der Aalverarbeitung begeben. Von Oktober bis Dezember, wenn die Aale gefangen werden, ist das Museum wieder als Fabrik tätig. Dann werden die Aale angeliefert, der Kopf entfernt, und der Rest wird auf lange Spieße gefädelt. Diese werden vor große Feuer gehängt, es gibt zwölf Kamine, bis sie gut gebraten sind. Dann schichtet man sie in Fässer, die zum Abschluss mit Marinade aufgefüllt werden. Für 3,-€ Eintritt ist man dann hautnah dabei. Wir jedoch waren wohl etwas zu früh, denn die Kamine blieben kalt und die Spieße leer. Mehrere Filme erklären dann die Funktionsweise der Fischfabrik. Es wurde sogar ein Film mit Sophia Loren gedreht, der sich mit dem Aalfang und der Fischfabrik beschäftigt. Anfang Oktober findet jedes Jahr das „Aalfestival“ statt. Deshalb kamen wir mit der Erwartung nach Comacchio, dass wir überall an Ständen oder so Aal probieren könnten. Stattdessen wird der Aal für teures Geld als Konserve in Spezialitätenläden oder als teure Gerichte in den Restaurants und Trattorias angeboten.

Fischfabrik oder „Haus des Aals“ in Comacchio

Die Lagunenstadt Comacchio ist trotzdem sehr sehenswert und eine echte Konkurrenz zu Venedig. Hier ist es zu dieser Jahreszeit sehr ruhig. In aller Ruhe und Gemütlichkeit lässt es sich an den vielen schönen Kanälen und bunten Häusern entlang spazieren. Ziegelbrücken ermöglichen den Seitenwechsel. An fast jeder Ecke erhebt sich eine Kirche. Im Stadtzentrum stehen ein Uhrturm und der Weizenspeicher.

Kanäle überall

Das imposanteste Bauwerk ist die Trepponti-Brücke, die 1630 als monumentales Seetor gebaut wurde. Über mehrere Treppen kann die Trepponti-Brücke passiert werden. Gleich nebenan befindet sich der alte Fischmarkt mit der Fischhalle. Comacchio ist unserer Meinung nach ein Muss, wenn man das Po-Delta besucht.

Trepponti-Brücke

Noch eines muss ich erwähnen. Vollkommen überrascht waren wir, als wir die großen Fischernetze bei Comacchio sahen. Es ist das gleiche Prinzip, wie die chinesischen Netze in Kerala (Indien). Nur das diese dort mit einem Hebel und sechs bis acht Mann bedient werden, und hier in Comacchio mit Hilfe eines Motors funktionieren. Die großen viereckigen Netze sind stationär und werden in das Wasser abgesenkt. Nach kurzer Zeit zieht man sie hoch und der Fang, meist nur kleine Fische, die frittiert werden, werden mit einem Kescher herausgefischt. Dabei müssen die Fischer schnell sein, denn Heerscharen von kleinen Krebsen, die mit dem Netz nach oben kommen, stürzen sich ebenfalls auf die Fische. Natürlich wollen auch die Möwen ihren Anteil.

Fischernetze in Comacchio

Der zweite Stellplatz im Po-Delta, den wir nutzten, war der naturbelassene Platz „Area Sosta Camper“, direkt bei den Lagunen von Comacchio, knapp südlich der Stadt. Die breiten Strände von Porto Garibaldi, Estensi und Spina sind auch gleich in der Nähe. Dort ist inzwischen auch alles in einen Dornröschenschlaf gefallen. Nur ein paar in dicke Jacken gehüllt Spaziergänger bevölkern jetzt den Strand. Die meisten Kneipen haben bis zum Frühjahr geschlossen.

Ferrara

Nach den unterschiedlichen Beschreibungen, die wir über Ferrara gelesen haben, hatten wir irgendwie eine andere Vorstellung von der Stadt. Wir sind von unseren letzten Reisen z.B. prächtige Barock- oder Jugendstilstädte gewöhnt. Ferrara ist eine Renaissance-Stadt. Das heißt, die Architektur ist eher einfach gehalten. Renaissance bedeutet aber „Wiedergeburt der Antike“, das heißt: die nüchternen Fassaden werden durch Friese und Säulen etwas aufgelockert. Kuppeln und Arkaden sind ein anderes Merkmal. Die Renaissance ist eine italienische Erfindung aus dem 14. Jahrhundert und so alt ist Ferrara auch. Der historische Stadtkern ist noch vollkommen erhalten und besitzt deshalb den Titel UNESCO-Weltkulturerbe. Ferrara ist die Hauptstadt der norditalienischen Provinz Emilia-Romagna und liegt westlich des Po-Deltas, in der Po-Ebene. Die Stadt ist noch immer von einer Backsteinmauer umgeben.

Säulengang an der Kathedrale

Das Zentrum Ferraras wird vom Castello Estense bestimmt, welches schon seit 1385 an dieser Stelle steht. Es ist rundum von Wasser umgeben. Die Technik der Zugbrücke war für uns eine Neuigkeit. Sie erinnerte uns sofort an die Ziehbrunnen, die z.B. in der ungarischen Puszta oder auch im Baltikum benutzt werden. Ein riesengroßer Baumstamm dient als Hebel, an dessen einem Ende die Brücke und am anderen Ende eine Kette hängen. Um die Brücke zu bedienen reichen ganz sicher zwei bis drei Mann aus.

Castello Estense

Begonnen haben wir unseren Stadtrundgang am Diamantenpalast aus dem 15. Jahrhundert. Dessen Fassade besteht aus 8000 pyramidenförmigen Steinen, die wie Diamanten aussehen.
In der Verlängerung der Achse vom Diamantenpalast zum Castello Estense kommt man zum Rathaus und der Kathedrale San Giorgio, die gerade renoviert wird. Wie fast überall in Norditalien, wo wir bisher auf dieser Tour waren, steht auch in Ferrara der Glockenturm separat vom Kirchenschiff.

Eingang zum Diamantenpalast

Leider muss man als Fußgänger in der fast autofreien Stadt trotzdem aufpassen, wo man hintritt, denn die allgegenwärtigen Fahrradfahrer kommen von überall her und fahren überall hin. Das fanden wir etwas nervig, aber Ferrara ist nun einmal eine Fahrradstadt.
Man sollte auch ab und zu durch die kleinen Gassen spazieren, in denen man fast immer allein ist. Sehenswert ist vor allem die Via Capo delle Volte, die von vielen Brückenhäusern geprägt wird.

Via Capo delle Volte

Durch das Porta Paula, im Moment ebenfalls verhüllt, verlässt man die Altstadt dann in Richtung Po di Volano, einem Nebenfluss des Po. In der Nähe von dessen Ufer gelangten wir zum kostenlosen Parkplatz an der westlichen Stadtmauer zurück.

Bassano del Grappa

Traumhaft: blauer Himmel, Sonne, 25 Grad, duftende Blüten und Palmen. Südliches Flair schon am Fuße der Alpen. Adé oller deutscher Winter.
Unsere 1. Station dieser Reise war die Heimat des Grappa. In Bassano del Grappa findet man mehrere Destillerien. Eine Führung wie durch die schottischen Whisky-Destillerien oder die spanischen Sherry-Destillerien wird anscheinend in Bassano nicht angeboten. Am östlichen Brückenkopf der Ponte Vecchia, der überdachten Holzbrücke über die Brenta, ist die Destillerie B. Nardini. Für 2,20€ wird an der Bar 0,2cl Nardini-Grappa angeboten, ein sehr weicher Grappa. Natürlich werden ebenso Wasser, Bier oder andere Getränke ausgeschenkt. Für das richtige Ambiente sorgen Kupferkessel, Gläser und vor allem die Kollektion der Brände von B. Nardini.
Am westlichen Brückenkopf kann der Grappa der Destillerie Cavalin probiert werden. Die Proben werden kostenlos ausgeschänkt, über den Kauf ihrer Produkte freut sich der Anbieter.

Schankraum der Destillerie B. Nardini

Bassano del Grappa hat jedoch noch mehr zu bieten. Zu allererst ist die Altstadt, die sich zwischen der Hügelspitze und dem Fluss ausdehnt, sehr hübsch. Ganz oben befindet sich die Festung, die nicht öffentlich ist. Man kann nur auf einem Weg um die halbe Festung herum gehen, der sich am Hang entlang schlängelt. Von dort hat man aber einen schönen Blick über die „Unterstadt“ mit der Ponte Vecchia. Von dieser aus ist der Blick den Hügel hinauf mit den schmucken Häusern und der Festung mindestens ebenso schön.

Ponte Vecchia

Der Spaziergang durch die Gassen der „Oberstadt“ ist ein Erlebnis. An vielen Häuserfassaden sind noch Reste der alten Fresken zu sehen, die das gesamte Stadtbild einmal geschmückt haben. So mancher Balkon ist nett mit Blumen oder Grünpflanzen geschmückt. Mehrere Kirchen verteilen sich in der Altstadt.
Für das leibliche Wohl wird vielerorts gesorgt. Die Waren in den Delikatessenläden sind sehr teuer. Neben Grappa ist Käse ein Hauptthema der Gegend. An einigen Käsereien sind wir schon vorbeigefahren.

am Marktplatz von Bassano del Grappa

Den frühen Sonnenuntergang haben wir am Ufer der Brenta in Cartigliano genossen. Morgen geht es weiter zum Po-Delta.

Brenner

Es geht hoch her auf dem Brenner, dem Highway über die Alpen. Für diese verkehrsreiche Verbindung über Kufstein-Innsbruck-Brenner hatten wir uns nach einiger Recherche entschieden, weil sie die moderatesten Anstiege aufweist. Die Inntal-Autobahn ist sehr gut zu befahren, weil flach und landschaftlich sehr reizvoll. Ist man an Innsbruck vorbei, folgt das steilste Stück der Brenner-Autobahn, welches sich noch dazu lang hinzieht. Das hieß für unser Womo, den Berg mit 30km/h hoch zu kriechen. Alle LKWs zogen problemlos an uns vorbei. Auf dem ersten Rasthof mussten wir unserem Womo erst einmal eine lange Pause gönnen, weil der Motor zu heiß geworden war und einen großen Teil des Kühlwassers herausgedrückt hatte.

Brenner-Autobahn

Diese Pause nutzte ich, um mich in der Umgebung umzusehen. Auf dem Weg zur Kapelle, auf dem angrenzenden Berg, kommt man an einem Stück alter römischer Straße vorbei. Dieses kleine Stück hatte man auf der Brennerpass-Höhe ausgegraben und hier neu verlegt. Also nutzten schon die Römer diesen Alpen-Übergang.
Von der Kapelle aus kann man die Europabrücke sehen, über die man kurz vor dem Rastplatz fährt. Außerdem hat man einen schönen Blick auf die umliegenden Berge. Gerade jetzt im Herbst ist dies ein toller Anblick.

Europabrücke

Nachdem Klaus endlich neues Kühlwasser aufgefüllt hatte, starteten wir zur zweiten Etappe der Brenner-Autobahn, bis zum nächsten Rastplatz Matrei. Dort geht es etwas ruhiger zu und er ist nicht so schräg, eine gute Stelle zum Übernachten. Als es dunkel geworden war, ließ auch langsam der endlose Verkehr auf der Autobahn nach.
Am nächsten Morgen sahen wir dem zweiten Anstieg mit gemischten Gefühlen entgegen. Bis dahin gibt es keine bis wenige Anstiege. Die letzten Kilometer bis Brenner geht es dann stetig, aber nicht mehr gar so steil bergan, so dass wir keine größeren Probleme hatten. Es war also wohl die richtige Entscheidung, die Brenner-Autobahn für die Alpenüberquerung zu nutzen.

Da unser Womo über 3,5t wiegt, mussten wir uns auch noch eine GoBox für Österreich beschaffen. Alle Informationen dafür findet man auf der Asfinag-Seite oder bei go-maut im Internet. Bei vier Raststätten zwischen München und Kiefersfelden werden die GoBoxen verkauft. Die entsprechenden Stellen werden aber auch vor den jeweiligen Raststätten angezeigt. Die GoBox selbst kostet 5,-€ Pfand und muss mit mindestens 75,-€ aufgeladen werden. Das reicht, um von Kiefersfelden bis nach Brenner zu kommen. Abgeben wollten wir die GoBox an der Raststätte Brennersee. Dafür müsste man kurz vorher die Autobahn verlassen und auf den Parkplatz des Outlet-Centers kurz hinter der Grenze fahren. Von dort aus kann man zu Fuß die Raststätte Brennersee erreichen. Wir verpassten jedoch die Abfahrt und müssen nun sehen, dass wir die GoBox von Italien aus mit der Post zurück schicken können. Den Restbetrag bekommt man bei Rückgabe zurück.

Ab der italienischen Grenze geht es fast nur noch abwärts, durch das wunderschöne Eisack-Tal mit vielen Festungen, über Brixen und Bozen nach Trento. Beeindruckend sind die Bergwelten rechts und links der Autobahn, die das Tal mal weiter, mal enger werden lassen. Wein- und Apfelanbau geben im Tal den Ton an. Almwiesen ziehen sich weit die Berghänge hinauf, auch viele Häuser.

Eisack-Tal

Die Maut kann nun bar bezahlt werden. Wir bezahlten 14,-€ für die ganze Strecke. In Trento bogen wir nach Osten auf die Straße 47 ab, der wir bis Bassano del Grappa folgten. Zum Übernachten wählten wir den Parkplatz am Sportkomplex in Cartigliano.

Übrigens: Es wurde für uns Zeit, über die Alpen zu kommen, denn für nächste Woche ist dort Schnee angesagt und dann gilt Schneekettenpflicht.

Rückblick Baltikum-Rundreise

Knapp vier Monate verbrachten wir in Nordpolen und den Baltischen Staaten Litauen, Lettland und Estland. Auf dem Weg nach Tallinn hielten wir uns zumeist an der Küstenlinie auf, nur um Kaliningrad mussten wir einen Bogen fahren. Die Visa- und Einreiseformalitäten für die russische Enklave waren uns für die kurze Zeit, die uns dort blieb, viel zu aufwändig. Ohne Zeitdruck erreichten wir nach zweieinhalb Monaten Tallinn, den Wendepunkt der Reise.

Innenhof der Malbork (Marienburg)

Als wir losfuhren, fragten wir uns, was wir bloß den ganzen Sommer über machen sollen. Die kürzeste Route bis Tallinn ist ca. 1200km lang. Die Strecke an der Küste entlang ist aber um einiges länger, und dann gab es so viele schöne Ziele auf der Strecke, dass wir immer nur Teilstrecken zwischen 50 und 80km zu fahren hatten, manchmal sogar weniger. Oftmals verbrachten wir mehrere Tage an einem Ort, weil auch die Umgebung einiges zu bieten hatte. So kam es, dass aus unserem zweiten großen Ziel, den Lofoten in Norwegen, nichts mehr wurde. So entschieden wir uns, von Tallinn aus nach Narva an der russischen Grenze zu fahren und am Peipussee entlang die Rückreise Richtung Süden anzutreten. Während im Osten Estlands noch mehrere Stell- und Campingplätze zur Verfügung stehen, sieht es im Landesinneren von Lettland und Litauen mehr als mau aus. So mussten wir an vielen interessanten Zielen vorbeifahren, weil wir keinen Platz für unser großes Wohnmobil fanden. Tagestouren von 200km und mehr kamen da schnell zusammen, und Tankstellen boten als einzige Platz zum Übernachten. Da muss noch dran gearbeitet werden, wenn auch diese Bereiche von Lettland und Litauen mehr Besucher haben wollen. An den gut besuchten Küsten gibt es dahingehend keine Probleme.

Gefahrene Kilometer gesamt mit dem Wohnmobil: 4900. Dazu kommen unzählige Kilometer, die wir wegen der Wohnmobilgröße mit dem Smart zurücklegten.

Irischer Pub in Tallinn

Die drei Baltischen Staaten sind eigentlich sehr unterschiedlich. Jedes Land hat seine eigene Sprache. Das Litauisch und Lettisch hat wohl etwas mit einem indogermanischen Ursprung zu tun, deshalb gibt es auch keine Parallelen zu den slawischen Sprachen, von denen wir dank unserer bruchstückhaften Russischkenntnisse wenigstens hin und wieder etwas verstehen. Auffallend sind die vielen Anlehnungen an das Griechische, zumindest vom Gefühl her. Vor allem im Litauischen enden viele Wörter mit …as. Im Estnischen hängt man gerne mal ein i an, zudem ist in dieser Sprache der finnische Einfluss nicht zu übersehen. Die vielen Doppelvokale sind ein eindeutiges Zeichen dafür.
Dank der verschiedenen Sprachen dieser drei Länder können sich die Einwohner untereinander nicht verständigen. Da ist es doch ganz praktisch, dass durch die russische Besatzung das Russisch als Amtssprache in allen drei Ländern eingeführt wurde. So konnten auch wir uns etwas verständlich machen, wo wir mit Englisch nicht weiterkamen. Deutsch spricht dort so gut wie niemand, wenn er nicht unmittelbar mit deutschen Touristen zu tun hat.

Die Preise sind ebenso unterschiedlich. Das teuerste Land ist Estland, es ist auch das fortschrittlichste der drei Baltischen Staaten. Die niedrigsten Preise findet man in Lettland, welches das ärmste Land des Baltikums ist. Nur die Spritpreise liegen in Lettland höher als in Litauen. Litauen liegt irgendwo im Mittelfeld, ist aber immer noch billiger als Polen. Es macht also mehr Spaß im Baltikum einen Kaffee zu trinken oder in einem Restaurant essen zu gehen. Diese Preise sind da recht einheitlich. Das Baltikum ist also ein ziemlich günstiges Reiseziel.

Was die Straßen angeht, da nehmen sich die polnischen und litauischen Straßen kaum etwas. Abseits der großen Fernstraßen sind viele Straßen ziemlich schlecht. Es sind jedoch Anstrengungen im Gange, da etwas zu ändern. Die besten Straßen sind in Estland zu finden, wenigstens soweit dies keine untergeordneten Nebenstraßen sind. Das Schlusslicht bildet Lettland, wo es eigentlich nur asphaltierte Hauptstraßen gibt. Die allermeisten Nebenstraßen sind Schotterpisten, wovon die meisten dazu noch einen sehr hässlichen Waschbretteffekt besitzen. Diese Pisten sollte man mit mindestens 80km/h befahren, damit man den Waschbretteffekt nicht so merkt. Allerdings wird wohl das Auto früher oder später protestieren. Gerade am Kap Kolka und im Gauja Nationalpark sorgten die Waschbrettpisten dafür, dass wir viele Ziele nicht anfahren konnten.

Landschaftlich lassen die Baltischen Staaten keine Wünsche offen. Vor allem Naturfreunde kommen dort voll auf ihre Kosten. Die großen Sanddünen bei Łeba und auf der Kurischen Nehrung sind genauso beeindruckend wie die Steilwände auf Saaremaa. Je weiter man nach Norden und Osten vorankommt, umso waldreicher werden die zumeist flachen Landschaften. Von Elchen, Wölfen und Bären ist die Rede, aber nicht eines dieser Tiere konnten wir zu Gesicht bekommen. In Estland soll es sogar mehr Elche als Menschen geben. Das wären dann mindestens 1,3 Millionen. Um eine Chance auf Sichtung zu bekommen, müsste man aber weit in die tiefen Urwälder vordringen, was wiederum von den Heerscharen an Pferdefliegen (Bremsen) unmöglich gemacht wird, wenigstens ohne besonderen Schutz. Man kommt keine fünf Meter in den Wald hinein, ohne attackiert zu werden.

Große Sanddüne bei Nida

Wenn man wie wir bei über dreißig Grad Außentemperatur unterwegs ist, will man beim besten Willen nicht mehr als nötig anziehen. Bei solchen Temperaturen kommt man sich im Baltikum auf Grund der hohen Luftfeuchtigkeit sowieso schon wie in den Südstaaten der USA vor. Es ist das reinste Treibhausklima. Eine gute Idee wäre da vielleicht ein Hut mit sehr breiter Krempe, von dem ein Ganzkörperkondom aus Gaze bis auf den Boden reicht. Das Thema Mücken ist dafür kaum eines, außer ca. vierzehn Tage im Mai und vierzehn Tage im August, wenn die Plagegeister vermehrt auftreten. Warum das so ist, keine Ahnung, jedenfalls funktioniert die Natur in der meisten Zeit des Jahres noch und hält die Mückenpopulation in Schach.

Zu den tiefen Wäldern des Baltikums kommen noch die großen Gebiete der Moorlandschaften. Estland besteht zu einem Viertel aus Mooren und Sümpfen, in denen eine besondere Natur zu Hause ist. Man sagt, von keinem Punkt in Estland aus ist der Weg bis zum nächsten Sumpf oder Moor weiter als 10km. Das könnte in etwa stimmen.

Suwalkipark

Wir hatten uns sehr auf die reiche Blaubeer- und Pilzernte gefreut. Wälder von Blaubeerkraut verhießen reiche Beute. Geblieben waren uns nur ein paar Handvoll, denn die Einwohner der Baltischen Staaten sind noch sehr naturverbunden und leben vielfach auch von dem, was die Wälder ihnen bieten. Einen Teil ihrer Ernte verkaufen sie am Straßenrand an vorbeifahrende Kunden und verdienen sich damit ein Zubrot. Da blieb für uns nichts mehr übrig. Der heiße und trockene Sommer, der ganz Europa im Griff hatte, trug sicher auch dazu bei, dass der Ertrag nicht ganz so üppig ausfiel.
Vor allem Honig wird sehr oft und überall angeboten. Der Preis für Honig liegt nicht weit unter den üblichen Honigpreisen im Rest Europas.

Was gibt es noch? Wer Stadtbesichtigungen liebt, der ist in den drei Hauptstädten des Baltikums sehr gut aufgehoben. Vilnius, Riga und Tallinn beeindrucken jede auf ihre eigene Weise, wohl vor allem, weil die Innenstädte noch original erhalten sind. Die schönste Skyline hat Riga zu bieten, die vollständigste Stadtmauer ist in Tallinn zu finden. Die schönste Aussicht auf die Stadt bietet sich über Vilnius. Die engen mittelalterliche Gassen, die hübschen Häuser und Fassaden haben alle drei Städte gemeinsam. Man kann wunderbar bummeln oder sich ein hübsches Plätzchen in einem der vielen Cafés oder Restaurants suchen.

Skyline Riga

Ein weiteres wichtiges Thema ist die Maut. In den Baltischen Staaten sind Wohnmobile von der Maut ausgenommen. In Polen ist es dagegen ziemlich kompliziert und es ist sehr angeraten, sich ausgiebig mit dem Mautthema zu beschäftigen, wenn man mit dem Wohnmobil unterwegs ist. Es gibt zwei Kategorien: Fahrzeuge unter 3,5t und über 3,5t. Die Mautstrecken für Fahrzeuge unter 3,5t beschränken sich auf wenige Strecken. Auskunft darüber erhält man beim ADAC. Allerdings haben wir unterwegs erfahren, dass man auch mit einem leichten Wohnmobil in die über 3,5t-Kategorie rutscht, wenn man über eine bestimmte Länge kommt, z.B. durch einen Anhänger. Wo diese Grenze liegt, können wir nicht sagen, aber wir trafen jemanden, der abkassiert wurde, weil er einen Motorradanhänger hinter dem unter 3,5t-Wohnmobil herzog.

Alle Fahrzeuge über 3,5t müssen eine ViaToll-Box haben, womit die Probleme schon anfangen. Um die ViaToll-Box zu bekommen, muss man einen ViaToll-Punkt anfahren, z.B. manche Orlen-Tankstellen. Auskunft darüber, und welche Strecken von der über 3,5t-Maut betroffen sind, bekommt man über die Internetseite von ViaToll. Wir haben jedenfalls geschlagene zwei Stunden auf der Tankstelle zugebracht, weil das System von ViaToll einfach mal abgestürzt war. Man muss also die persönlichen Daten hinterlegen, sowie 120,-Zl Kaution für die ViaToll-Box und 120,-Zl Vorkasse zahlen. Das sind zusammen ca. 60,-€. Das Gerät kommt an eine bestimmte Stelle an der Frontscheibe und dann kann man problemlos die Mautstrecken fahren. Wir wollten uns das eigentlich nicht antun und nur Landstraßen fahren, aber gerade wenn man an der Küste entlang fährt, kommt man um eine Mautstraße garantiert nicht herum, nämlich die einfache Landstraße 6 nördlich von Danzig, die auch mautpflichtig ist, was jedoch vorher niemand weiß. Es heißt, dass bestimmte Autobahnen und die S-Straßen mautpflichtig sind, aber auch normale Landstraße können mautpflichtig sein. Das bekommt man jedoch zu spät mit und schon ist man in die Mautfalle getappt. Dazu kommt, dass immer wieder neue Mautstrecken dazu kommen, die nirgends aufgeführt sind. Also am besten gleich eine ViaToll-Box zulegen, dann geht man allen Problemen dahingehend aus dem Weg.

Ein anderes Problem bekommt man, wenn man die ViaToll-Box wieder abgeben will. Während man das Gerät fast flächendeckend bekommt, gibt es im Land selbst nur um die fünf Stellen, wo man sie wieder los wird. Wir kamen über Bydgoszcz nach Wollin zurück. In Wollin riefen wir bei ViaToll an, wo wir die Box wieder abgeben könnten. Da bekamen wir zur Auskunft, das dies in Bydgoszcz möglich wäre. Wenn man aber von Bydgoszcz Richtung Stettin fährt, kommt man garantiert noch einmal in Mautstrecken hinein, so dass die Box bis dorthin noch gebraucht wird. Wie soll das gehen? Eine andere Möglichkeit ist, die Box an die Zentralstelle in Poznan per Post zu schicken und dann auf das Geld zu warten. Das sollte man von Polen aus tun, weil sonst die Postgebühren viel zu hoch sind. Also wir finden, dass dieses System viel zu kompliziert ist. Wir fuhren mit dem PKW ein weiteres Mal nach Polen und gaben das ViaToll-Gerät auf der Post ab. Mal sehen, was weiter passiert.

Es war jedenfalls eine weitere tolle Tour, die wir erleben durften. Die ganze Route könnt Ihr Euch auf der Tourkarte ansehen. Vielleicht seid Ihr jetzt auch so neugierig auf das Baltikum wie wir es bei unserem Aufbruch waren. Es lohnt sich.

Lebensraum einer Kormorankollonie auf der Kurische Nehrung

Ich möchte noch anmerken, dass diese Ausführungen unsere persönlichen Eindrücke sind. Wir haben aber schon mehrfach gehört, dass es da durchaus auch andere Meinungen über bestimmte Dinge gibt. Habt Ihr noch Änderungen oder Ergänzungen, die Ihr uns mitteilen möchtet, dann bitte gern als Kommentar hinterlassen. 

Tourkarte Baltikum

Begonnen haben wir unsere fast viermonatige Tour immer an der Ostseeküste entlang. Für die Rückfahrt wählten wir aus mehreren Gründen dann doch die Strecke durch das Landesinnere der Baltischen Staaten und Polen.

Tourkarte Baltikum

 

Diese nützlichen Helfer können wir für eine Reise durch das Baltikum empfehlen:

Straßenkarte Baltikum 1:400.000 *

Mit dem Wohnmobil ins Baltikum (Womo-Reihe) *

ADAC Reiseführer mit Maxi-Faltkarte *

 

Affiliate-Links (mit * gekennzeichnet): Diese von uns als sehr gut befundenen Produkte verweisen auf Amazon. Bestellst du über uns, bekommen wir eine Provision, aber dir entstehen keinerlei Mehrkosten.Tausend Dank für deine Unterstützung.

 

 

Vogelwelt Baltikum

Auf der Rundfahrt durch das Baltikum frönte ich wieder meinen Hobby Vogelbeoachtung. Es fiel mir auf, dass im Frühjahr viel mehr Vögel und Vogelarten zu beobachten sind als im Sommer. Es kamen mir einige für uns neue Vogelarten vor die Linse. Trotz Nachforschungen konnte ich wieder nicht alle Vogelarten bestimmen. Es ist aber auch sehr schwer, sich durch die vielen verschiedenen Gefieder (Sommer, Winter, Alt- oder Jungvogel usw.) durchzuarbeiten. Vielleicht könnt Ihr mir dabei helfen, einige bisher namenlose Vogelarten zu benennen. Ich würde mich sehr freuen. Dies gilt nicht nur für die Vogelarten des Baltikums, sondern für alle Vogelarten in unseren Vogelwelten, die ich auf unseren Reisen bisher noch nicht bestimmen konnte.

Hier nun unsere diesjährige Ausbeute:

Singvögel

Spechte und Häher

Raben und Krähen

Tauben und Hühner

Schreitvögel

Wasservögel

Sonstige

Natürlich begegneten wir auch Amseln, Staren und vielen anderen Vogelarten, aber die kennt jeder oder sie wollten sich nicht fotografieren lassen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Rückfahrt nach Wollin

die schönsten wildwachsenden Äpfel

Von Bromberg aus überlegten wir, wie wir zurück nach Anklam fahren sollten. Die Wahl fiel auf Naugard, die Stadt, in der Klaus´ Vater geboren wurde. Für einen Tag war die Fahrt dorthin jedoch zu weit, so dass wir in Czaplinek, Pommersche Seenplatte, den Campingplatz „Drawtur“ anfuhren. Die Tour ging dabei über die beiden Städte Piła (Schneidemühl) und Wałcz (Deutsch Krone).
Jetzt im Sommer ist der Platz „Drawtur“ sehr voll und der winzige Badestrand eignet sich kaum zum Baden, weil Surfer und Kanuten das Wasser für sich blockieren. Das Café und das Restaurant des Platzes sind wenig einladend. Die Stadt Czaplinek hat kaum etwas zu bieten, so dass wir uns auf eine kleine Rundreise machten und doch noch interessante Ecken entdeckten.
Hervorragend baden kann man an einem kleinen Waldstrand bei Pławno. Das Wasser des Sees ist sauberer als das des Drawsko-Sees, und der Betrieb hält sich in Grenzen. Um den See zu erreichen muss man in Pławno rechts in den Waldweg fahren. Es gibt kein Hinweisschild. Dieser See ist wohl auch das Tauchgewässer der Umgebung.
Fährt man den Waldweg weiter, er ist unbefestigt, gelangt man in eine abgeschiedene Gegend, in der die Zeit keine Rolle zu spielen scheint. Kleine Gehöfte verteilen sich in der Landschaft oder konzentrieren sich in zwei winzigen Orten. Die schönsten Äpfel wachsen hier und niemand will sie haben. Wir konnten nicht widerstehen und mussten einfach welche sammeln. Es wäre zu schade um so schöne Äpfel.

Allee in den Wisentpark

Als nächstes steuerten wir die Stadt Złocieniec an. Sie ist ganz hübsch, vor allem das niedliche Rathaus. Gut spazieren gehen lässt es sich aber am Fluss, der durch Złocieniec fließt. Dort erhebt sich der Schlosshügel. Das Schloss selbst gibt es nicht mehr, nur eine Tafel zeigt ein Bild und erläutert die Geschichte des Schlosses. Irgendwann im 20. Jahrhundert muss es abgerissen worden sein.
Am anderen Flussufer lädt der Wisent-Park ein. Wisente gibt es dort nicht, aber eine Allee, die von gespenstisch aussehenden Bäumen gesäumt wird. Im Park selbst wurde ein Lehrpfad eingerichtet, der über die verschiedenen Baumarten und Tiere im Park und dessen Umgebung Auskunft gibt. Einige sehr alte Bäume könnten wohl viele Geschichten des Parks erzählen.

Siemczyna-Palast

Der kleine Ort Siemczyno, früher ein wichtiger Punkt auf der historischen Route zwischen Brandenburg und der Republik Polen, ist im Prinzip ein Museumsdorf mit einem Herrenhaus mittendrin. Der Siemczyna-Palast befindet sich gerade in der Rekonstruktion. Zu ihm gehören ein Park, ein Teich und mehrere Nebengebäude. Das Landwirtschaftliche Gebäude ist schon erneuert worden und beherbergt inzwischen ein Hotel mit einem Restaurant, welches auch fremde Besucher willkommen heißt.
Durch den Ort selbst führt der „Heinrichsweg“. Er zeigt die verschiedenen Gebäude, die zum Schloss gehörten, wie die alte Sattlerei, Molkerei, Wohnhäuser usw., sogar einen Galgenhügel gab es. Der Weg schließt auch drei Seen in der Umgebung Siemczyno mit ein.

Denkmal der Stadtübernahme 1945

Nach zwei Nächten steuerten wir die vorletzte Station unserer diesjährigen Sommerreise an, Novogard (Naugard). Der Stadtmittelpunkt ist der Naugardsee mit langer Promenade, Badestrand und Bootsverleih. Hier findet jeder eine Möglichkeit sich zu entspannen.
Ganz in der Nähe befindet sich das Stadtzentrum mit dem nicht sehr attraktiven Marktplatz. Nur das Rathaus aus dem Jahre 1911 ist ganz schön. Auffallend ist das Denkmal der Stadtübernahme 1945 gleich daneben. Sehenswert ist auch die St. Marienkirche, deren Wurzeln ins 14. Jahrhundert reichen. Ein Teil der alten Stadtbefestigung zwischen Marktplatz und See ist auch noch erhalten, ansonsten hat vom alten Naugard kaum etwas die Befreiungstage im März 1945 überlebt. Wohnblocks aus den 70er Jahren dominieren die Stadt.

Übernachtet haben wir auf dem großen Parkplatz am Hotel Przystań, dem ehemaligen Bismarckhotel, am Seeufer gelegen.

Die letzten Tage verbrachten wir noch einmal auf dem Stellplatz der Familie Lafrentz bei Wollin, wo wir unsere Rundreise Anfang Mai begonnen hatten.

Beitragsnavigation